Teil B. Das römische Reich im Osten: Byzanz

 

 

 

I. Frühbyzantinische Zeit (Oströmisches Reich bis 843):

 

 

1. Von Theodosios II. bis Justinian

 

Die unverwechselbare Gestalt des mittelalterlichen Byzanz keimt zum erstenmal sichtbar unter Konstantin, wächst unter Theodosios und Justinian und kann erst im Zeitalter der Kalifen als voll entfaltet gelten. Das Verständnis des byzantinischen Staates und seiner Kultur ist schon dem zeitgenössischem Abendland nicht leicht gefallen. Von den konkurrierenden "Weltherrschern" des Mittelalters in Ost und West und erst recht von den Kirchen, die aus dogmatischen, aber völkerpsychologischen Gründen sich auseinandergelebt und schließlich gespalten hatten, von allen diesen stolzen Traditionsmächten war nur gegenseitiger Haß zu erwarten. Das spiegelt sich nicht zuletzt im verächtlichen Schweigen der westlichen Chronisten über Byzanz, das im krassem Gegensatz stand zu den reichen kulturellen Beziehungen zwischen Westen und Osten (vgl. Rubin: Das Römische Reich im Osten - Byzanz, in: Propyläen Weltschichte, a.a.O., Band 4, S. 607).

 

Tod Kaiser Theodosios I. (395); Teilung der Reichsverwaltung unter seine Söhne Arkadios im Osten (395-408) und Honorius im Westen (395-423). Griechenland mit dem Athos fällt an den Osten. Grundlage des Byzantinischen Reiches: römischer Staatsgedanke, griechische Kultur und Sprache sowie christlicher Glaube, jahrhundertelanges Ausleben der antiken Kultur. Politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung bis in das 13. Jahrhundert. Schutzwall des Abendlandes gegen Araber und Türken. Konstantinopel Mittelpunkt des Handels zwischen Orient und Okzident.

 

Theodosios II. (408-450) regiert zunächst unter Vormundschaft seiner Schwester Pulcheria. Drittes ökumenisches Konzil in Ephesos (431), Verurteilung des Nestorios. Vordringen der Hunnen bis Konstantinopel und Griechenland (seit 441). Ausbildung des Monophysitismus, auf dem vierten ökumenischen Konzil in Chalcedon (451) verworfen. Ausgangspunkt jahrhundertelanger Kämpfe, die in Ägypten und Syrien, verstärkt durch nationale Ressentiments, zur Entfremdung von der Reichszentrale führen. Sanktionierung des Patriarchats Konstantinopel. Ende des weströmischen Reiches 476.

 

Kaiser Marcianus (451-457), der weder der theodosianischen Dynastie angehörte, noch eine eigene Dynastie gründete, ist Soldatenkaiser. Das wichtigste Ereignis seiner Epoche ist das Konzil von Chalkedon (451), dessen Erfolge für den Katholizismus westlicher Prägung mit einem erheblichen Wachstum und auf Dauer die Einheit der Mittelmeerwelt sprengenden Wachstum der häretischen Bewegungen im Osten bezahlt wurde. Denn nicht nur das Monophysitentum, auch der Islam und selbst die jüdischen Redaktionen lassen sich als christliche Häresien verstehen (vgl. Rubin, a.a.O., S. 612).

 

Nach dem frühen Tod des Marcianus ist der neue Kaiser Leo I. (457-474). Er träumte wie später Justinian von einer totalen Flurbereinigung im westlichen Mittelmeerraum. Seine Politik führte 459 zum Konflikt mit den Goten, der mit einem Frieden und der bedeutsamen Vergeiselung des Knaben Thoederich am Hofe endete. Pannonien wurde 472 von den Goten aufgegeben. Die aktivste Gruppe zog unter Theomir und dem zwei Jahre zuvor zurückgekehrten Theoderich nach Illyricum. Kaiser Leo blieb keine Wahl, als die gefährlichen Eindringlinge in Makedonien anzusiedeln. In Konstantinopel ging die Macht von der Germanenpartei des Aspar auf die Isaurer des Tarasikodissa (später Kaiser Zenon) über.

 

Zeno d. Isaurer (474/75 u. 476-491), (heimischer isaurischer Name Tarasicodissa). Das Ostreich hatte seit etwa 400 auf die Germanen als Föderatentruppen verzichtet. Infolge seiner höheren Finanzkraft ist Byzanz zu größeren Soldzahlungen, statt Landverleihungen innerhalb des Reichs wie im Westen, befähigt. Reichsfremde Barbaran werden künftig nur einzeln angeworben, sie tun unter kaiserlichen Offizieren Dienst, nicht mehr in autonomen Verbänden. Einen Ersatz bildet das ferner das reichszugehörigen wilde Bergvolk der Isaurer im Taurus. Kämpfe gegen Goten. Indem Zenon die Ostgoten Theoderichs d. Gr. nach Italien ablenkt (488), wird der Osten endgültig von den Germanen befreit. Kaiser Zeno erläßt zur Versöhnung der Monophysiten (Vorrang der göttlichen vor der menschlichen Natur in Christus) in den orientalischen Provinzen auf Rat des Akacius, Patriarch v. Konstantinopel, das Henotikon, ein Unionsedikt, welches die Glaubensformel von Chalcedon (451) nicht für verbindlich erklärt. Papst Felix III. (483-492) bannt den Akacius, was zum akakianischen Schisma (482) zwischen Ost- und Westkirche führt. Innerhalb der Ostkirche bilden nun extreme Monophysiten eigene Gemeinden in Syrien und Ägypten.

 

Anastasios I. (491- 518) ist ganz monophysitisch gestimmt. Finanzreform, Ansammlung eines gewaltigen Staatsschatzes, ohne den die späteren Restitutionskriege Justinians I. unmöglich gewesen wären. Bulgareneinfälle in Thrakien (seit 493). Erhebung Vitalians (513). Der Kaiser, zunächst hoher Beamter, gelangte 491 durch die Heirat mit der Witwe des Isauriers Zenon, Araidne, auf den Thron. Er sah sich nahezu unüberwindlichen Schwierigkeiten gegenüber. Zwar machte er sich mit einem gewissen Erfolg daran, die Staatfinanzen zu ordnen, so durch Verbesserung der Steuererhebung und eine Reform des Münzwesens, die den Kurs des Kupfergeldes festigte, aber es gelang ihm nicht, die religiösen Auseinandersetzungen unter Kontrolle zu bringen. Von den politisch ausgerichteten, einander befehdenden Zirkusparteien der Blauen und der Grünen hatten sich die einen für die Orthodoxie, die anderen für den Monophysitismus entscheiden, wobei starke soziale Unterschiede zutage traten, denn die Blauen rekrutierten sich vorwiegend aus Angehörigen der führenden Schichten und der alten Aristokratie, während die andere Partei mehr die Interessen von Handel und Gewerbe vertrat und von der Beamtenklasse unterstützt wurde. Die Förderung der Grünen durch Anastasios beschwor eine ernste Krise herauf,; sie gipfelte in der Belagerung der Hauptstadt durch Vitalian, Befelhsaber von Thrakien und ein Vorkämpfer der Orthodoxie. So konnte Anastasios zwar die Unruhe in den monophysitischen Provinzen Ägypten und Syrien besänftigen, erlitt in Konstantinopel aber schwere politische Niederlagen. Gleichzeitig entbrannte 502 der alte Krieg mit Persien erneut, nachdem beide Seiten im 5.Jh angesichts der gemeinsamen Bedrohung durch die Barbaren die Waffenruhe eingehalten hatten.

 

 

Die nun an die Macht kommende neue Dynastie stammt aus dem lateinisierten Teil der Balkanhalbinsel, welcher damals nicht zum Patriarchat Konstantinopel sondern zum römischen Bistum gehörte. Wiederherstellung der Union mit Rom und Wiederanerkennung der Dogmen des Konzils v. Chalcedon.

 

Justin (518-527), ein Offizier bäuerlicher Abkunft aus Makedonien, trat 518 die Nachfolge des Athanasios an. Seine Wahl verdankte er der Machtstellung als Befehlshaber der Exkubitengarde. In Wirklichkeit aber führte sein Neffe Justinian, der erst 527 offiziell auf den Thron gelangte, die Regierung, einer der kultiviertesten Geister seiner Zeit, der alle großen Unternehmungen inspirierte und der Sehnsucht der Byzantiner nach Wiederherstellung des römischen Weltreichs sichtbaren Ausdruck gab. Er brach mit der monophysitischen Politik des Athanasios, um sich Rom nähern zu können und begann mit der Befreiung des Westens aus den Händen der Barbaren. Seinen Generälen Belisar und Narses gelang in zwanzig Kriegsjahren, das einstige Imperium Romanum fast ganz wieder herzustellen. Dennoch befand sich der Staat in geschwächter Position. Das persische Reich erstreckt sich nun bis nach Kleinasien, im Norden überrannten slawische Horden wiederholt die Donaugrenze und dehnten ihre Raubzüge bis tief nach Griechenland aus.

 

Auch innenpolitisch führte das autoritäre und zentralistische Regime Justinians zu teilweise höchst gefährlichen Krisen. Die Blauen und die Grünen, die in der Verteidigung der alten munizipalen Privilegien ausnahmsweise eine gemeinsame Front gegen die kaiserliche Autokratie bildeten, riefen den Nikaaufstand aus. Der Widerstand gegen die Zentralgewalt wurde in Blut ertränkt, zahlreiche Gebäude brannten nieder, darunter die konstantinischen Kirchen der Hagia Sophia und der Hagia Eirene.

 

Einer der hervorragensten Mitarbeiter Justinians, der Prätorianerpräfekt Johannes von Kappadokien, verbesserte der System der Verwaltung, wandte sich gegen die Käuflichkeit der Beamtenposten und suchte die Macht des Großgrundbesitzes zu brechen. An diesem Punkt scheiterte seine Politik. Dem Zwang zur Eintreibung der Steuergelder, auf die Justinians Machtpolitik mit ihren kriegerischen Unternehmungen und der kostspieligen Bautätigkeit angewiesen war, setzte die Bevölkerung heftigen Widerstand entgegen. Die Kodifikation des Rechts wurde im Corpus Iuris durch Tribonian abgeschlossen. Handel und Gewerbe wurden starkgefördert. Die Seidenstraße nach China führte durch persisches Gebiet und mußte wegen der bestehenden Feindseligkeiten umgeleitet werden, was durch Verhandlungen mit den Türken, den Völkern der Steppen und des Kaukasus gelang. Die Verbindung blieb jedoch unsicher. De Byzantinern gelang es schließlich in den Besitz des Geheimnisses der Seidenherstellung zu gelangen. Konstantinopel, Antiochia, Tyros und Beritos bildeten die Hauptzentren der Seidengewerbes.

 

Nicht wenige derinnenpolitischen Schwierigkeiten hatten religiöse Ursachen. Der Kaiser war zugleich Imperator und christlicher Herrscher, er setzte in nie wieder dagewesener Weise die Idee des Christentums mit der Gemeinschaft aller Christen gleich und beseitigte die letzten Spuren des Heidentums (Schließung der Universität Athen, die dem Neuplatonismus treu geblieben war; Zwang zur Konversion). Die Häresien hatten seit Konstantin die Kaiser wiederholt zum Eingreifen in die religiösen Angelegenheiten veranlaßt, zumal sie nicht nur Ausdruck subtiler Glaubensunterscheidungen waren, sondern meist auch oppositionellen Strömungen Vorschub leisteten. Wie auch seine Vorgänger nahm Justinian gegenüber dem Monophysitimus eine ablehnende Haltung ein, wenngleich er unter dem Einfluß seiner Gemahlin Theodora - die Kaiserin hatte durch ihre Herkunft aus dem einfachen Volk des Orients besseren Einblick in die Beweggründe und Probleme jener Glaubensrichtung - die Monophysiten schonte. Nur um die Verbindung zum Westen aufrechtzuerhalten, mußte Justinian in Kauf nehmen, daß sich ihm die östlichen Provinzen entfremdeten.

 

Die Entwicklung wurde bis 650 abgeschlossen. Den Byzantinern verblieben: Istrien und die Venetien vorgelagerten Inseln und Lagunen; die Romagna mit Ravenna als Sitz des Exarchen; die Pentapolis südlich anschließend bis Ancona; das Dukat von Rom mit Teilen Südtoscanas und Campaniens; die Südspitzen der Halbinsel. Die Teilung in ein langobardisches (später fränkisches, dann zum deutschen Reich gehörendes) und ein byzantinisches (später z.T. päpstliches) Italien bleibt von schicksalhafter Bedeutung für Italien).

 

 

 

2. Der Niedergang - Von Justin II. bis Phokas (565-610):

 

Justinian hinterließ bei seinem Tode (565) seinen Nachfolgern ein innerlich erschöpftes, wirtschaftlich und finanziell völlig zerrüttetes Reich.

 

Kaiser Justin II. (565-578) versuchte vergeblich durch eine Kurswende eine Wendung herbeizuführen, um zu retten was zu retten war. Er wollte - entgegen der letzten Jahre Justinians - eine Politik der Stärke betreiben. Er kündigte zugleich nach Regierungsübernahme den Awaren die jährlichen Zahlungen, mit denen Justinian den Frieden erkauft hatte. Diese Haltung wiederholte er auch gegenüber anderen Völkern, darunter Chosrau, den Großkönig der Sassanidenreichs. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß Justinian die Tributzahlungen nicht umsonst bezahlt hatte.

 

Inzwischen verbündeten sich die Awaren mit den Langobarden, die auf ihrem Zug von der Elbe nach Süden inzwischen in heutigen Österreich siedelten. 567 fügten sie zusammen mit den Awaren den Gepiden eine vernichtende Niederlage bei, und zogen 568 nach Italien. Das Land dort lag aufgrund der Feldzüge Belsars und Narses noch immer in Trümmern, seine Bevölkerung war demoralisiert und gelähmt. Deshalb stießen die Langobarden kaum auf Widerstand. Sie verzichteten darauf, Ravenna anzugreifen, der kaiserliche Befehlshaber in Italien, Longinus, begnügte sich mit der Sicherung von Stadt und Umgebung, gab jedoch das übrige Italien preis. In Italien entstanden unabhängige langobardische Fürstentümer, die gut 500 Jahre Bestand hatten. Lediglich Ravenna und die venezianische Lagune, Neapel, Kalabrien und Sizilien blieben byzantinisch.

 

Justin war derweil mit den Awaren beschäftigt, die aufgrund des byzantinischen Vertragsbruchs 568 in Dalmatien eingefallen waren. Justin mußte deshalb auf die Rückeroberung Italiens verzichten, das damit dauerhaft für das Reich verloren war. Der erbitterte Feldzug der Byzantiner unter der Führung des Tiberios, des Comes Excubitorum, gegen die Awaren endete nach dreijährigen Kämpfen 571 mit einem erzwungenen Waffenstandstillstand der Byzantiner, verbunden mit erheblichen Tributzahlungen. Diese lagen höher als die von Justinian zugesagten Zahlungen, was die Sinnlosigkeit des Unternehmens zeigt.

Ab 571 kam es zum Wiederaufflammen der Kämpfe im Osten. Die verbliebene christliche Bevölkerung des früheren Armenien im Sassanidenreich versuchte Anschluß an einen christlichen Herrscher zu finden, rief den Aufstand aus und bat Justin II. um Hilfe, was dieser als christlicher Herrscher kaum abschlagen konnte. 572 wurden die Kriegshandlungen gegen die Sassaniden wieder aufgenommen, die mit Unterbrechungen 20 Jahre lang dauerten.

 

Die Dinge liefen von Anfang an schlecht für Byzanz. Im November 573 eroberten die Perser Dara am Tigris, eine der wichtigsten Diözesen im Osten, fielen gleichzeitig in Syrien ein und verwüsteten es. Sie zogen sich mit 292000 Gefangenen zurück, von sie 2000 der schönsten christlichen Frauen dem Khan der Türken, die hier erstmals in Erscheinung traten, zum Geschenk machten (Johannes von Ephesus, Kirchengeschichte VI i).

 

571 gab Justin II. seine bisherige Politik wachsamer Toleranz gegenüber dem Monophysitismus auf und ging zu offener Verfolgung über. Da Justin und seine Gemahlin Sophia früher selbst Monophysiten gewesen und zur Orthodoxie nur aus politischen Gründen übergetreten waren, ist dieser Sinneswandel verschiedentlich als Beginn der Geisteskrankheit eingetuft worden, die Justin in den nächsten drei Jahren in den Zustand hoffnungsloser geistiger Umnachtung versetzte.

 

Aufgrund der Erkrankung des Kaisers übernahm Kaiserin Sophia die Regierung. Sie schloß 574 mit Chosrau einen einjährigen Waffenstillstand. Sie veranlaßte Justin, den Comes Excubitorum Tiberios in den Cäsarenrang zu erheben. Sophia und Tiberios regierten ab 574 gemeinsam. Als Justin 578 starb, stand sein ehemaliger Comes Excubitorum als sein unbestrittener Nachfolger da.Die nächsten Jahre waren gekennzeichnet durch den Einfall der Slawen in Thrakien und Illyrien (577) und den Angriff der Türken auf die Krim, die dort eine byzantinische Festung eroberten. Spannungen zwischen Sophia und Tiberios waren der außenpolitischen Bedrohung förderlich.

 

Tiberios I. Konstantinos 578-582 wagte nach der Krönung die Machtprobe mit der Kaiserin Sophia. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, ihn abzusetzen, unterlag Sophia schließlich und blieb für den Rest ihres Lebens einer strengen Überwachung unterstellt.

 

Der neue Kaiser setzte während seiner kurzen Herrschaft alles daran, dem stetigen Niedergang von Byzanz entgegenzuwirken. Die Verfolgung der Monophysiten wurde sofort beendet. Der Kaiser rüstete seine Truppen auf und baute 581 ein Elitekorps aus 10000 Foederati aus nichtrömischen Truppen auf, aus dem Jahrhunderte später die berühmte Warägergarde hervorging.

 

Tiberios setzte den Krieg mit den Persern fort, Italien wurde größtenteils an die Langobarden verloren. Ein Vordringen der Awaren und Slawen führte zur Gründung fester slawischer Ansiedlungen im Reichsgebiet (seit 580). Tiberios scheiterte zuletzt an seiner Verschwendungssucht und Großzügigkeit. Er starb am 13. August 582, dem Gerücht nach vergiftet, nachdem er eine Woche zuvor Maurikios, einen jungen Kappadokier zum seinem Nachfolger bestimmt und ihn mit seiner zweiten Tochter Constantina verheiratet hatte.

 

Der kriegerische Kaiser Maurikios I. (582-602) hatte bereits eine erfolgreiche militärische Vergangenheit. Er hatte das Heer an der persischen Front reorganisiert. Er regierte nach dem Machtantritt das das Reich zwanzig Jahre lang kompetent und mit fester Hand.

 

Der kriegerische Kaiser suchte vergeblich Italien den Langobarden zu entreißen und gründet die militärisch straff gegliederten Exarchate Kathargo und Ravenna, die einem Exarchen mit absoluter Macht über die militärische und administrative Exekutive unterstanden Sie blieben lange Zeit die wichtigsten westlichen Stützpunkte kaiserlicher Macht.

 

Bald flammten die - bei der Regierungsübernahme Maurikios durch einen Waffenstillstand unterbrochenen - Kämpfe mit Persien wieder auf. Dort hatte nach dem Tod Chosraus dessen Sohn Hormidas den Thron bestiegen, dem Maurikios 581 eine schwere Niederlage beibrachte, der vorübergehend Entlastung an der Ostgrenze brachte. Ende 582 begann der persische Angriff erneut und dauerte bis 588. In diesem Jahr führte eine Staatsstreich in Persien zur Ermordung Hormisdas, dessen Sohn Chosrau II. auf byzantinisches Gebiet flüchtete und um Hilfe bat. Diese wurde von Maurikios gewährt, gegen Abschluß eines Friedensvertrages und der Rückgabe des persischen Armeniens sowie des östlichen Mesopotamien an Byzanz. 591 brachte der junge Chosrau II. mit der Hilfe Maurikios den Widerstand der persischen Opposition zu Fall. Er hielt den mit den Byzantinern geschlossenen Vertrag buchstabengetreu ein. Damit war der Krieg gegen Persien zu Ende, früher und zu günstigeren Bedingungen als zu erwarten gewesen war.

 

Kämpfe gegen die Slawen (seit 592). Der Aufstand der Donauarmee unter Phokas (602-610) führt zum Sturz Maurikios und der Schreckensheerschaft gegen die Aristokratie.Verlust der Erwerbungen justinianischer Reconquista. Vorstoß der Perser 605 bis zum Bosporus. Das Reich steht am Rande des Untergangs.

 

610 wird Herakleios I. (610-641) in Karthago zum Kaiser erhoben. Retter des Reichs. Reichsreform. Herakleios führt die unter seinen Nachfolgern weitergebildete Themen-Verfassung ein: Kleinasien in vier Themata, Heeresbezirke eingeteilt (unter den Nachfolgern auch das übrige Reich), deren Befehlshaber an die Spitze auch der Zivilverwaltung treten. Jedes Thema umfaßt mehrere Provinzen. Ansiedlung der Soldaten, die Landgüter gegen Pflicht des erblichen Heeresdienstes erhalten. Dadurch starke Vermehrung des kleinen Grundbesitzes. Das römische Armenien und Mesopotamien, Syrien und Ägypten gehen an Chosrau II. Parwez (591-628) verloren. Während der Kaiser (seit 622) gegen die Perser in Kleinasien kämpft, Doppelangriff der Awaren-Slawen und Perser auf Konstantinopel 626 zurückgeschlagen.

 

 

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