Anhang 1: Personenglossar
Anna Doukaina:
Die Dukas-Familie, die 1059 zu Kaiserehren gekommen war, und dann im Bündnis mit den Komnenen an der Macht blieb, war relativ groß. Die Zuordnung von Personen wird oft dadurch erschwert, daß auch manche Komnenen den höher eingestuften Dukas-Namen vorzogen, insbesondere wenn sie - zumindest mütterlicherseits - mit ihnen verwandt waren. Bei den Damen wiederholen sich einige wenige Vornamen immer wieder, sodaß eine genaue Zuweisung vor allem dann, wenn Titel oder Berufsbezeichnungen (des Gatten) auf den Siegeln fehlen, doppelt schwierig ist.
So kennen wir mehrere verschiedene Siegeltypen, die jeweils eine Anna Dukaina etwa für das späte 11. Jh. nennen, z. T. ohne Rangtitel, einmal mit dem Rangtitel Kuropalatissa, mehrere mit dem Rangtitel Sebaste. Durch andere Quellen ist eine Anna Dukaina belegt, die 1068 oder kurz danach als Tochter des Andronikos Dukas geboren wurde und kurz vor 1081 den tüchtigen General Georgios Palaiologos heiratete, der 1081 Sebastos wurde (POLEMIS, Doukai 74f., Nr. 27; SKOULATOS 24f., Nr. 15); über ihre Schwester Eirene war diese Anna immerhin Schwägerin des Kaisers Alexios I. Anna starb zwischen 1118 und 1136. Auf sie dürften jene Siegel zu beziehen sein, die den Rangtitel Sebaste bieten, auf der Avers-Seite eine Büste der Theotokos Episkepsis aufweisen.
Der Name Anna Doukaina ist ist durch verschiedene Siegeltypen für das späte 11. Jh. bekannt, z.T. ohne Rangtitel, einer mit dem Titel Kouropalatissa, mehrere mit dem einer Sebaste. Durch andere Quellen ist eine Anna Doukaina belegt, die 1068 oder kurz danach als Tochter des Andronikos Doukas geboren wurde und kurz vor 1081 den tüchtigen General Georgios Palaiologos heiratete, der 1081 Sebastos wurde.. Über ihre Schwester Eirene war Anna Schwägerin des Kaisers Alexios I. Anna starb zwischen 1118 und 1136 (Lit.: Seibt/Zarnitz, a.a.O., S. 47).
Bardanes Turkos:
byzantinischer Oberbefehlshaber unter Kaiser Nikophoros I. (802-811), armenischer Herkunft; gescheiterte Usurpation 803 (Norwich II, 16). Es heißt, kurz nach seiner Revolte habe Bardanes beschlossen, in Begleitung dreier seiner engsten Verbündeten den Einsiedler von Philomelion in der Nähe von Antiochia aufzusuchen, der weitherum im Ruf stand, die Gabe der Prophezeiung zu besitzen. Der Einsiedler soll Bardanes bei dieser Gelegenheit mit durchdringendem Blick gemustert und dann entschieden den Kopf geschüttelt haben, um darzutun, daß für ihn keine Hoffnung bestehe. Dann soll er die anderen angeschaut und vorausgesagt haben, zwei von ihnen würden die Kaiserkrone tragen und der dritte es beinahe schaffen. Bei den ersten beiden handelte es sich um die künftigen Kaiser Leon V. und Michael II., der dritte war Thomas der Slawe (Norwich II 479).
Bardas Skleros:
*Bardas Skleros, einer der großen Gegenspieler des Kaisers Basileios II., griff 976 zum ersten mal nach der höchsten Macht, konnte sich aber nicht durchsetzen. Daß sein einziger Sohn Romanos während des zweiten Usurpationsversuches rechtzeitig die Seiten wechselte, sicherte der Familie den Verbleib in den höchsten gesellschaftlichen Schichten.
Basileios Achridenos, Metropolit von Thessaloniki:
Metropolit von Thessaloniki (1145-1169) (vgl. Kourkoutidou-Nikolaïdo, S. 21/22)
Basilios der Große:
Basilius wurde um 329/30 im kappadokischen Cäsarea (Neo-Cäsarea) in einer begüterten und vornehmen christlichen Familie geboren. Seine Grosseltern väterlicherseits hatten während der Verfolgung von Maximinus Daja (305) zu den Bekennern gehört und sieben Jahre als Flüchtlinge in den Bergen ihr Leben gefristet. Seine Großmutter Makrina war außerdem Schülerin des alle überragenden kappadokischen Theologen und Wundertäters Gregor Thaumaturgos gewesen. So wuchs Basilius unter neun Geschwistern im christlichen Glauben auf, obwohl er gemäß der damals herrschenden Gepflogenheit - die er später als Bischof verurteilte - nicht schon als Kind getauft wurde. Man war in den Zeiten der Verfolgung dazu übergegangen, die Taufe nur denen zu erteilen, clie eine gewisse Gewähr zu bieten vermochten, den Glauben unter der Folter nicht zu verleugnen; darum vermied man die Kindertaufe weitgehend. Die christliche Erziehung, die er schon in früher Jugend genoss, war keineswegs eng und weltfremd. Sein Vater legte großen Wert darauf, daß er mit allem bekannt wurde, was an christlichem und heidnischem Wissen zur Verfügung stand. So erhielt er eine exzellente Schulbildung, zuerst in seiner Heimatstadt, dann in Cäsarea in Palästina, wo er mit seinem lebenslangen Freund Gregor von Nazianz bekannt wurde, sodann mit diesem zusammen in Konstantinopel und Athen. Nach einem erfolgreichen Rhetorikstudium kehrte er 356 nach Kappadokien zurück, wo er in seiner Heimatstadt für kurze Zeit Rhetorik unterrichtete. Doch die eindringlichen Ermahnungen seiner Schwester Makrina einerseits, die gemeinsam mit ihrer Mutter und einer Anzahl als Schwestern angenommener ehemaliger Dienerinnen auf dem Familiengut Annisi am Irisfluss ein monastisch-asketisches Leben führte, und der Einfluß des von ihm zunächst bewunderten Bischofs Eusthatius von Sebaste andererseits bewogen ihn schließlich, auf seine Karriere zu verzichten und sich der Taufe zu unterziehen, um auch selbst ein asketisches Leben zu führen. Zunächst wollte er aber das Mönchtum in seinen verschiedenen Ausprägungen kennen lernen, daher reiste er nach Syrien bis Mesopotamien, nach Palästina und Ägypten zu den berühmtesten Mönchssiedlungen. Dann gründete er unweit des Klosters seiner Schwester und dem Ort, wo sein Bruder Naukratius mit einem Gefährten ein Einsiedlerleben geführt und bei einem Jagdunfall ums Leben gekommen war, eine Mönchssiedlung, zu der bald auch sein Freund Gregor von Nazianz hinzustieß. Gemeinsam organisierten sie das monastische Leben, entwarfen die ersten Regeln (regulae morales) und sammelten aus den Schriften des Origenes eine Anthologie über das Gebet (die Anfänge der «Philokalie», der «Tugendliebe»). Sie lebten asketisch, vermieden aber in mancher Hinsicht den Rigorismus der Eustathianer (Auflösung bestehender Ehen, Ablehnung verheirateter Priester, Fasten an Sonntagen etc.), der 340 auf der Synode in Gangra verurteilt worden war, aber sie brachen die Freundschaft mit Eustathius und seinen Schülern nicht. 359/60 wurde Basilius vom Bischof seiner Vaterstadt Cäsarea zum Diakon geweiht und begleitete diesen 360 zu einem von der antinikänischen Hofpartei beherrschten Konzile von Konstantinopel. Weil sein Bischof wenig Rückgrat in Bezug auf das Festhalten am Bekenntnis von Nikäa (325) zeigte, zog sich Basilius alsbald wieder in sein Kloster zurück. Auf dem Totenbett ließ der Bischof Basilius zu sich kommen und gestand vor ihm die Schuld ein, das Bekenntnis von Nikäa verraten zu haben. Vom neuen Bischof Eusebius, dem Namensvetter des berühmten Euseb von Cäsarea in Palästina, wurde Basilius 363/4 zum Priester geweiht. Doch auch da kam es nach einiger Zeit zu Spannungen und Basilius wandte sich kurz entschlossen wieder seiner klösterlichen Stille zu. Jetzt entstand eine zweite Fassung monastischer Regeln, das sog. «Kleine Asketikon. mit 203 Fragen und Antworten. Als jedoch 365 Kaiser Valens Neo-Cäsarea wegen ihres Festhaltens am Nikänum bedrohte, holte der Bischof Basilius in die Stadt zurück und machte ihn zu seiner rechten Hand. Basilius predigte, überredete Volk und Klerus, so gut er es vermochte, zur Bekenntnistreue, organisierte das liturgische und kirchliche Leben. Damals entstanden seine berühmten Predigten über das «Sechstagewerk der Schöpfung. (Hexaemeron), aber auch ein ganzer Komplex von Spitälern, Seuchenbaracken, Armenhäusern und Herbergen, der von Mönchen betreut wurde. In der Hungersnot von 367/8 organisierte Basilius eine Volksspeisung, wobei er dafür die letzten Güter, die ihm von seinem Reichtum verblieben waren, hergab. Durch seine glühenden Predigten überzeugte er zudem viele Reiche, sich auch ihrerseits von ihren Gütern zu trennen. 370 wurde Basilius, im Klerus weit weniger beliebt als im Volk, nach einer schwierigen Wahl zum Bischof von Neo-Cäsarea geweiht. Er war für das Fortbestehen der Orthodoxie der richtige Mann. 372 stellte er sich persönlich Kaiser Valens entgegen, der gekommen war, Cäsarea der kaiserlichen Religionspolitik gefügig zu machen. Valens drohte Basilius mit Verbannung, Einzug seiner Güter, Folterung und Tod. Basilius ließ sich nicht einschüchtern. Er besitze nichts als einige Bücher, ein Exil könne ihm nichts anhaben, denn er sei nirgends verwurzelt, sondern lebe als Fremdling auf Erden. Was die Folter betreffe, so werde sein geschwächter Leib sie ohnehin nicht lange aushalten können. Und den Tod betrachte er als Gunst nicht als Strafe, denn er sei jetzt schon halb tot und sehne sich seit langem nach dem Abscheiden. Als der Herrscher über diese Worte erstaunt war und äußerte, er habe noch nie eine solche Antwort bekommen, antwortete Basilius, dies sei nur der Fall, weil er noch nie mit einem Bischof zu tun gehabt habe. Der Ausgang der Geschichte war nicht nur, daß Valens die Kirche von Cäsarea unbehelligt bei ihrem Glauben ließ, sondern daß er zudem Basilius mit der Visitation und Reorganisation der zerrütteten Kirche von Armenien beauftragte. In der eigenen Kirche jedoch hatte Basilius viel mit der Unwissenheit, Nachlässigkeit und Renitenz des Klerus zu kämpfen, einer kirchlichen Vorsteherschaft, die nur auf ihren eigenen Vorteil und ihre Bequemlichkeit aus war. Basilius setzte daher oft recht gewaltsam und ohne Rücksichtnahme auf persönliche Wünsche an den Schlüsselstellen seiner Diözese Leute seines Vertrauens ein, z. B. seinen Bruder Gregor als Bischof von Nyssa, seinen Bruder Peter als Bischof von Sebaste, seinen Freund Gregor, ganz gegen dessen Willen, als Bischof von Sasima, worüber sich dieser heftig beklagte und sein Amt nie antrat. Basilius reorganisierte die Gottesdienste, sowohl die Stundengebete als auch die Göttliche Liturgie und das Mönchtum (Entstehung der Urform des Großen Asketikons), aber auch das soziale Leben der Kirche. Er kämpfte gegen Schismen und Verurteilungen orthodoxer Parteigänger, aber auch gegen jene Bischöfe und Priester, die ihr Mäntelchen immer nach dem Wind hängten. Er hoffte dabei lange Zeit vergeblich auf Unterstützung der Bischöfe aus dem Westen, auf die Hilfe einer freien. Kirche gegenüber einer Kirche im Widerstand.. So bemühte er sich, zumal nach dem Tod des Athanasius (373), die Beziehungen zu den Bischöfen im Westens wieder fester zu knüpfen. Es gelang ihm nicht. Sein letzter großer Kampf galt schließlich den Theologen, die dem Heiligen Geist das Person-Sein absprechen wollten (den sog. Pneumatomachen also, d. h.den Geistbekämpfern), zu denen auch Eustathius von Sebaste zählte, mit dem er jetzt brach. Gegen die Pneumatomachen verfasste Basilius seine wohl berühmteste Schrift: «Über den Heiligen Geist. (374/75). Durch sie wurde er zum Vorkämpfer für das Zweite Oekumenische Konzil von Konstantinopel 381, das er allerdings nicht mehr erlebte. Denn kaum fünfzigjährig starb er, völlig entkräftet und aufgezehrt, und wurde am 1. Januar unter großer Anteilnahme des Volkes beigesetzt. Obwohl sein Gedächtnistag auf das Fest der Beschneidung Christi fällt, wird es bis heute mit Hingabe festlich begangen.
Wie sehr seine Gestalt die Gläubigen seit alter Zeit beschäftigt, zeigen nicht nur die weite Verbreitung seines Patroziniums und seines Namens auf dem ganzen Gebiet des byzantinischen Reiches, sondern auch die Tatsache, dass ihm im Januar gleich nochmals zwei Gedenktage gewidmet sind.
Am 19. Januar wird eines Wunders gedacht, das ihn als anderen, neuen Elias (1 Kön 18,20-40) erscheinen läßt. Das Synaxarion erzählt: Als einst die Gegner des Nikänischen Glaubensbekenntnis
Die älteste Reaktion des Eucharistischen Hochgebetes, die in unseren Kirchen zehn Mal im Jahr, und zwar an den höchsten kirchlichen Feiertagen, in Gebrauch ist, stammt in ihren wesentlichsten Teilen aus der Hand Basilius des Grossen, dessen Gedenktage im Monat Januar liegen (1.Januar, 19.Januar, 30.Januar).
Literatur:
I Vgl. zum Folgenden: Le Synaxaire. Vie des Saints de l'Eglise Orthodoxe Adaption francaise par Macaire, moine de Simonos-Petras Thessalonique (Edition To perivolis tis Panaghias, 9 ne Prassakaki ), vol. 11,198#, p. 289-297. 456. 552-554; Basilius von Cäsarea, Über den Heiligen Geist. Eingeleitet und übersetzt von Manfred Blum Sophia Bd.#, Freiburg 1967; Basilius von Caesarea, Die Mönchsregeln Hinführung und Übersetzung von K. Suso Frank, St. Ottilien 19#1; Hans von Campenhausen, Die griechischen Kirchenväter, Stuttgart 1955, S.86-100 Hans Georg Thümmel, Die Kirche des Ostens im 3. und 4. Jahrhundert, in: Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen 1/4, Berlin 19##, S.62-102; Hans Georg Beck, Geschichte der orthodoxen Kirchen im byzantinischen Reich, in: nie Kirche in ihrer Geschichte, Ein Handbuch 183. 1, D 147-1#3; Hubertus H. Drobner, Lehrhuch der Patrolo
Basileios Skleros:
Patrikios, vor 1028; die Familie *Skleros, die zumindest armenische Traditionen hatte, gehört vom 9. bis über die Mitte des 11. Jh. zur führenden Militäraristokratie des Reiches. *Bardas Skleros, einer der großen Gegenspieler des Kaisers Basileios II., griff 976 zum ersten mal nach der höchsten Macht, konnte sich aber nicht durchsetzen. Daß sein einziger Sohn Romanos während des zweiten Usurpationsversuches rechtzeitig die Seiten wechselte, sicherte der Familie den Verbleib in den höchsten gesellschaftlichen Schichten. Bei unserem Basileios handelt es sich wohl um den Sohn des erwähnten Romanos bzw. Enkel des Bardas, einen eher gewalttätigen Magnaten mit einem bewegten Schicksal. Er gehörte sicher auch der Militäraristokratie an; auf einem Siegel erscheint er aber nur mit dem Rangtitel Patrikios, Kommando wird keines genannt. Unter Kaiser Konstantin VIII. (10251028) führte seine Feindschaft mit Prusianos, dem ältesten Sohn des 1018 gefallenen Bulgarenzaren Johannes Vladislav, zu bewaffneten Auseinandersetzungen, worauf Basileios zunächst exiliert, später - infolge Fluchtverdachts - sogar geblendet wurde. Doch "Fortunas Rad" gab ihm eine neue Chance. Auf Konstantin VIII. folgte 1028 Romanos III. Argyros, ein Schwager des Skleros, worauf dieser nicht nur rehabilitiert, sondern sogar zum Magistros erhoben wurde. In den Hofintrigen unterlagen er und seint Gattin Pulcheria allerdings um 1033 einem anderen Machtmenschen, dem Eunuchen und späteren Orphanotrophos Johannes, worauf das Paar die Hauptstadt verlassen mußte. Diese Fehlentscheidung hatte der Kaiser bald danach mit dem Leben zu büßen.
Ob alle Nachrichten, die in der fraglichen Zeit einen Basileios Skleros nennen (auch in der Peira, einer wichtigen Sammlung von Rechtsentscheiden), auf eine einzige Person zu beziehen sind, ist nicht ganz sicher. Vgl. dazu und zu Basileios allgemein SEIBT, Skleroi 65-69, Nr. 13. (vgl. Seibt/Zarnitz, S. 50)
Benrath, Martin:
Autor von: »Die Kaiserin Theophano«, Bibliothek Ref GeschOtto1; zu seiner wissenschaftlichen Leistung bei der Klärung der Abstammung der Kaiserin Theophano vgl. Buschhausen, in: Konstantinou GeschByz8:
»In einem Vortrag über die Herkunft der Theophano für Förderung kulturellen Lebens in Zürich im Jahr 1939 und in dem Roman "Die Kaiserin Theophano" 1941 hat Albert Heinrich Rausch unter dem Pseudonym Henry Benrath die in den Quellen namentlich nicht genannten Eltern der Kaiserin Theophano, ab 971/2 Gemahlin Kaiser Ottos II., mit dem Patrikios Konstantinos Skleros und der Sophia Phokaina erschlossen. Er hatte die beiden byzantinischen Geschichtswerke des Leon Diakonos und des Johannes Skylitzes in richtiger Weise interpretiert.«
Blastares, Matthäos:
byzantinischer Kanoniker (frühes 14. Jh.)., u.a. Verfasser des berühmten Handbuches des bürgerlichen und kirchlichen Rechts, der sog. Syntagma; dieses wurde vom Serbenherrscher Stefan Duschan 1349 als Grundlage des neuen serbischen Gesetzbuchs verwendet (vgl. Kourkoutidou, Spaziergänge, S. 45 u. Norwich III, S. 352).
Constans (Flavius lulius C.):
röm. Kaiser 337-350, geb. 323 als Sohn Konstantins d. Gr. und der Fausta, ermordet 350 in Südgallien. 333 Caesar, 337 mit seinen Brüdern zum Augustus ausgerufen; er erhielt unter Konstantius II. Vormundschaft Italien, nach dessen Tod auch den gallischen Reichsteil. Anfang 350 fiel C. dem Usurpator Magnentius zum Opfer.
Constantius Chlorus:
Constantius I. Chlorus (C.Flavius Valerius C.), röm. Kaiser 305-306; geb. 264 in Illyrien; gest. 25.7.306 in Eburacum (York); einfacher Herkunft (Abstammung von Claudius (II) Gothicus ist spätere konstantinische Propaganda); Anfänge seiner Laufbahn unsicher, später Prätorianerpräfekt. C. wurde von Maximian zum Caesar angenommen (1.3.293) und damit Mitglied der Tetrarchie Diokletians. Zunächst Verbindnung (Heirat nicht bezeugt) mit Helena, der Mutter Konstantins d.Gr. Als Gatte der Theodora war er bereits Schwiegersohn des Maximian; als Caesar wurde er von ihm adoptiert. Bei der Kompetenzverteilung erhielt er Gallien zugewiesen (Residenz Augusta Treverorum, Trier), dazu Britannien, das er 293-297 den Usurpatoren Carausius und Allectus entriß. Danach Kämpfe an der Rheinfront gegen Germanen (Ansiedlung von Franken 297; Alamannensieg 298). Als einziger der Tetrarchen ließ er die Edikte gegen die Christen wenig beachtet, mit Auslahme des einen, das ihre Endassung aus dem Heer anordnete. Nach dem Rücktritt der Augusti rückte C. mit Galerius (I) zum Augustus auf (1.5.305) umd übernahm den ganzenWesten mit Pannonien. Er duldete, daß Galerius beide Caesarstellen mit eigenen Anhängern besetzte, nahm Severus als Caesar hin und adoptierte ihn, obwohl er Söhne hatte; von diesen förderte er Konstantin deutlich. Er starb bald nach seinem Amtsantritt als Augustus bei der Rückkehr von einem Feldzug nach Brittanien.
Constans (Flavius Iulius C.)
röm. Kaiser 337-361, geb. 7.8.317 als Sohn Konstantins d. Gr. und der Fausta, ermordet 3.11.361 in Kilikien++++++
Crispus:
Crispus; altester Sohn Konstantins I. und der Konkubine Minervina, meist Flavius Julius C. genannt. Er wurde 3I7 n. Chr. zum Caesar erhoben, residierte in Trier erhielt Laktanz als Erzieher, führte das Kommando bei Kämpfen gegen Franken und Alamannen.Vermählt mit einer sonst nicht bekannten Helena; Teil der Hofhaltung ist wohl der in Trier (Augusta Treverorum) wiedergefundene deckengeschmückte Palastraum. Im Krieg seines Vaters gegen Licinius(I) i.J. 324 befehligte er die Flotte. 326 wurde er einer unerlaubten Beziehung zu seiner Stiefmutter *Fausta beschuldigt und auf Veranlassung Konstantins in Pola mit Gift getötet.
Chryselios:
Die Familie Chryselios (Chruselios ist dazu eine Sonderform) wird im 11. Jh. mehrfach erwähnt. Sie geht auf einen hohen bulgarischen Würdenträger (und Schwiegervater Samuels) zurück, der dem Kaiser Basileios II. um die Jahrtausendwende (1005?) Dyrrachion übergab, worauf seine beiden Söhne Patrikioi wurden (Skyl. 342f.). Ein erster Theodoros Chryselios wird (als Patrikios) zum Jahr 1057 bei der Usurpation Isaaks I. Komnenos als dessen Parteigänger erwähnt (Skyl. 498,32), ein zweiter in einem Brief des Theophylaktos, Erzbischofs von Ohrid, an den Protasekretis Gregorios Kamateros aus dem Jahr 1094, wo sowohl dessen militärische als auch mathematisch-astrologische Fähigkeiten hervorgehoben werden (sollte er als Apographeus empfohlen werden?). Auf ersteren ist wohl ein Siegel des IFEB (Nr.840) zu beziehen, das einen Theodoros Chryselios als *Protospatar, Richter des Belon und des Themas Armenikon nennt (Seibt/Zarnitz, S. 77/78)
Demetrios Kydones:
Gelehrter aus Thessaloniki, Anfang 14. Jh. (vgl. Nikonanos, GrieThess5, S. 7); Demetrius Cydones (Kydones), Correspondence 2 vols. (complete), ed. R-J Loernertz, Studi e Testi 186, 208, (Vatican: 1956-60); also Demetrius Cydones Correspondence, ed. and French trans. of 50 letters, G. Cammelli, (Paris: 1930) [Vol 1. p. 122 on the Plague.]; Demetrios Kydones: Briefe. Übersetzt und erläutert von F. Tinnefeld. Zweiter Teil, Stuttgart 1991
Dositheos (Skarpetis):
Patriarch von Jerusalem (1641-1707); s. *Confessio Dosithei (HDThG II 509, 510).
Doukas, Familie
Die Dukas-Familie, die 1059 zu Kaiserehren gekommen war und dann im Bündnis mit den Komnenen an der Macht blieb, war relativ groß. Die Zuordnung wird oft dadurch erschwert, daß auch manche *Komnenen den höher eingestuften Dukas-Namen vorzogen, insbesondere wenn sie - zumindest mütterlicherseits - mit ihnen verwandt waren. Bei den Damen wiederholen sich einige wenige Vornamen immer wieder, sodaß eine genaue Zuweisung vor allem dann, wenn Titel oder Berufsbezeichnungen (des Gatten) auf den Siegeln fehlen, doppelt schwierig ist.
Doukaina, Anna:
s. oben *Anna D.
Eudokia Makrembolitissa:
Ehefrau Kaiser Konstantin X. Doukas (1059-1067); Mutter des Kaisers Michael VII. Doukas (1071-1078)
Eunuchen:
Die Eunuchen spielten in mittelbyzantinischer Zeit am byzantinischen Hof eine große Rolle. Kein noch so hohes kirchliches oder weltliches Amt - mit Ausnahme des Kaiseramtes selbst - war ihnen grundsätzlich verschlossen, mehrere Staatsmänner und Feldherren, die sich in der byzantinischen Geschichte ausgezeichnet haben, waren Eunuchen. Acht Ehrentitel, die mit dem Patrikios anheben, größtenteils aber eigene Bezeichnungen tragen, standen den Eunuchen zu, und zwar hatten die Patrizier-Eunuchen den Vorrang vor den sonstigen Patriziern und Anthypaten. Es gab aber eine Anzahl von höfischen Ämtern, die in der Regel, wenn auch nicht ausnahmslos, von Eunuchen bekleidet wurden: Darunter sind die wichtigsten das Amt des *Parakoimomenos (der neben dem kaiserlichen Schlafzimmer schlief und meistens einer der nächsten Vertrauten des Kaisers war), und das Amt des Protovestiarios, des Vorstehers der kaiserlichen Garderobe. Sehr wichtige höfische Funktionen hatten ferner der Rektor, einer der höchsten Beamten des byzantinischen Hofes (entstandene erst unter der makedonischen Dynastie), der Protopraipositos, der Zeremonienmeister, der kaiserliche Protostrator, der Oberstallmeister (Komes tou Stablou) u.a. (vgl. Ostrogorsky, S. 202)
Euphemios, Patriarch von Konstantinopel (489-495):
vgl. Beck: Geschichte der orth. Kirche S. 12
Eusebios von Caesarea:
Eusebios, von Caesarea (Palästina), der »Vater der Kirchengeschichtsschreibung«, ca.260-340, wurde durch seinen Lehrer Pamphilos zu gelehrter Tätigkeit im Sinne des Origenes angeregt. Seit ca.315 Bischof von Caesarea, suchte er im arianischen Streit zugunsten des Arius zu vermitteln und wurde deshalb 324 auf der Synode zu Antiochia exkommuniziert; 325 in Nicaea rehabilitiert.
Seitdem genoß er das Wohlwollen Kaiser Konstantins d. Gr., den er bewunderte. Seine zahlreichen Schriften dienen teils der Textkritik und Erklärung der Bibel, teils sind sie apologetisch wie die »Vorbereitung auf das Evangelium« und die »Darlegung des Evangeliums«, beide an Auszügen aus antiken, oft verlorenen Werken reich. Eusebios dogmatische Schriften, Reden und Briefe sind weniger bedeutend. In der Tat gewinnt er nur als Geschichtstheologe theologisches Profil und wird so zu einem repräsentativen Sprecher der konstantin. Ära, bzw. ihrer Bischöfe, denen letztlich das heilsgeschichtliche Denken des AT zum Schlüssel für die Deutung der »Wende« wurde. Seine wesentlich in Tabellenform abgefaßte Weltchronik ist armenischer Übersetzung ganz erhalten, der Hauptteil auch in der lateinischen des Hieronymus. Am meisten hat Eusebios auf die Folgezeit gewirkt durch die »Kirchengeschichte«, die ebenfalls den chronologischen Rahmen betont und wertvolle Auszüge aus früherer Literatur enthält. Bereits in der Erstfassung 303 gearbeitet, erhielt sie bis zur Schlußfassung 324 mehrfach Erweiterungen durch ihn; sie ist unsere wichtigste Quelle für die Geschichte der alten Kirche. Auch ihre lateinische Übersetzung durch Rufinus fand weite Verbreitung. Eusebios Biographie Kaiser Konstantins (trotz neuerer Kritik als echt erwiesen), eine bewußt einseitige Lobschrift, wie es deren Gattung verlangte, hat nicht minder starkes Echo gefunden, ist in der Neuzeit jedoch von vielen, u. a. von J. Burckhardt, als unwahr scharf verurteilt worden.
Eustathios von Thessaloniki:
Metropolit von Thessaloniki (1175-1191 und 1193-1194); schilderte im einzig erhaltenen Augenzeugenbericht die Belagerung und Eroberung Thessalonikis durch die Normannen 1185 (Norwich II, S. 175). Eustatios war ein gefeierter Gelehrter und Homer-Spezialist und Patriot; er verfaßte die erwähnte Schilderung: "Die Normannen in Thessaloniki" und die "Schriften zur Reform des Klosterwesens" (Norwich II, 175; Melas, a.a.O., S. 25)
Fausta, Kaiserin:
Fausta (Flavia Maxima Fausta), Tochter des Maximian | (I) und der Eutropia, wurde als Kind um 300 n.Chr. mit Konstantin I. verlobt. Die Hochzeit wurde 307 in Gallien gefeiert (Festrede: Paneg. 7 [6]). F. soll 310 den Hochverrat des Vaters aufgedeckt und dessen Untergang herbeigeführt haben. Ihre Söhne sind Konstantin II., geb.316, Constantius II., geb.317, und Constans, geb.320 oder 323. F. wurde auf Münzen als spes rei publicae gefeiert und erhielt 325/326 den Namen Augusta. Dann wurde sie in die Familientragödie des Hauses verstrickt und 326, wenige Monate nach *Crispus, auf Befehl des Gatten (Konstantins d.Gr.) wegen Untreue getötet.
Galerius (C.G. Valerius Maiminianus):
röm. Kaiser 305 bis 311; geb. ca. 250 in Illyrien; gest. Mai 311 in Nikomedia; niedriger Herkunft, als Soldat aufgestiegen; von Diokletian zum Caesar erhoben und adoptiert (1.3.293); zugleich Schwiegersohn Diokletians. Als Mitglied der Tetrarchie verwaltete G. Illyricum (den ganzen Donauraum vom Inn bis zum Schwarzen Meer) mit der Residenz Sirmium; dort führte er 293-296 Abwehrkämpfe gegen Germanen (Goten, Bastarnen, Alamannen). G. war seit 296 am Perserkrieg beteiligt und konnte den Einfall des Narses nach Syrien abwehren; nach einer anfänglichen Niederlage eroberte er dann mit Unterstützung Diokletians Armenien und Mesopotamien bis Ktesiphon. Seinen Wunsch nach weiteren Eroberungen konnte G. nicht durchsetzen (Friede mit Persien 298). Für Lactantius war er der eigentliche Urheber der mit den Edikten Diokletians seit 303 einsetzen Christenverfolgungen. Mit der Erhebung zum Augustus (1.5.305) errang er noch stärkeren politischen Einfluß, weil er seinen Neffen Maximinus (I) Daia und seinen Anhänger Severus als Caesaren lancieren konnte; einigte sich 306 mit Konstantin, den er als neuen Cacsar anerkannte. Nach einem vergeblichen Versuch, Maxentius zu beseitigen (307), rief er Diokletian als Verrmittler an (Carnuntum 308). Die neue Gestaltung der Tetrarchie brachte ihm zwar die Stellung des älteren Augustus, zugleich aber Konflikte mit Konstantin und Maximiuns Daia, die 309 die Anerkennung als Augusti durchsetzten. Unmittelbar vor seinem Tode brach G. den von ihm bes. energisch betriebenen Kampf gegen das Christentum durch sein Toleranzedikt ab. - Bogen und Palast des G. in Thessalonike.
Georg III., Papst:
während der Bedrohung Roms 739 durch die Langobarden unter Liutprand (vgl. Schieffer, Karolinger, S. 42, 46, 48) richtete der Papst zwei gesandschaften an Karl Martell, die ihm die Schlüssel des Petrusgrabes und weitere Geschenke überbrachten, eine Lösung Roms vom oströmischen Kaisertum in Aussicht stellten und fränkischen Beistand erbaten (Schieffer, S. 48).
Georgios Muzalon:
*Protovestarios in Trapezunt unter Theodor II. Laskaris (1254-1258); anschließend Regent für den achtjährigen Johannes IV. Laskaris (Trapezunt); im September 1258 ermordet unter der Komplizenschaft des damals inhaftierten Michael Palaiologos, des späteren Kaisers *Michael VIII. Palaiologos.
Georgios Palaiologos:
verheiratet mit *Anna Doukaina belegt, die 1068 oder kurz danach als Tochter des Andronikos Dukas geboren wurde und kurz vor 1081 den tüchtigen General Georgios Palaiologos heiratete, der 1081 Sebastos wurde.
Germanos I., Patriarch von Konstantinopel (715-730):
lehnte die ikonoklastischen Maßnahmen Kaiser Leons III.; ab; seine ikonodulen Argumente lasssen sich wie folgt zusammenfassen: Die Bilder haben ggü. dem Wort ihre eigenen Möglichkeiten, aber sie stehen nicht selbständig neben dem Wort, das sie nicht voll ersetzen können; wohl aber können sie das durch das Wort verkündete anschaulicher machen und konzentriert einprägen; sie sind also kein autonomes Mittel der Verkündigung, sondern ein wichtiges Mittel zur Verfestigung des durch das Wort verkündeten Heilsgeschehens und seiner dauerhaften Einprägung und zwar um der leiblichen Verfaßtheit der Menschen willen (zur Argumentation des Patriarchen vgl. HDThG I 298).
730 tritt Patriarch Germanos zurück, und zwar, wie spätere Quellen verlauten lassen, aus Überzeugung für die Bilder. Aber auch das gehört zu der ikonodulen Geschichtsinterpretation. Zwar war, wie sich das auch in dem Brief des Germanos an Konstantin von Nakoleia (vgl. Speck, ByzZtg 1995, S. 154) zeigt, Germanos Anhänger der Bilderverehrung, vielleicht vor allem dadurch, daß er bei der Belagerung 717/18 ein Marienbild über die Mauer getragen hatte und die erfolgreiche Abwehr diesem Bild zuschrieb (so wahrscheinlich in seinem Brief an Papst Gregor II.; dazu Artabasdos, S. 164 und S. 170f.). 730 aber war der Fall mit Konstantin von Nakoleia wohl beigelegt, und in Wirklichkeit hat Germanos sich nicht damit einverstanden erklären können, daß der Kaiser selbstherrlich die Aufteilung der Kirchenprovinzen geändert hat und die Kirchenverwaltung von Süditalien und dem lllyricum dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellte.
Literatur:
- Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichtichte, Bd. 1, 2. Aufl. 1999, S. 298 f
- Speck, Paul: Die Affäre um Konstantin von Nakoleia, Byzantinische Zeitung 88. Jg. 1995, S. 148 ff
- Stein, D.: Der Beginn des byzantinischen Bilderstreits und seine Entwicklung bis in die 40er Jahre des 8. Jh. (Misc. Byz. Monac. 25), München 1980
Gregorios Mammas:
Patriarch (++++); befürwortete die Kirchenunion mit der römischen Kirche; aus Konstantinopel geflohen 1451 (Jorga II, 13).
Gregorios Palamas:
um 1296 geboren und auf kaiserliche Kosten erzogen, scheint er die humanistischen Studien nicht weit vorangetrieben zu haben. Schon 1315 zieht er sich auf den Athos zurück, zuerst nach Vatopedion, dann in die Große Laura, um schließlich ein Eremitenleben zu führen. Dann verläßt er den Heiligen Berg und lebt in devoten Zirkeln in Thessalonike, wo ein junger Athosmönch, Isidoros, Kreise um sich gesammelt hat, denen die Gegner Bogomilismus nachsagen. Zum Streit zwischen ihm und dem Mönch Barlaam kommt es etwa 1334. So wenig der Streit als solcher mit einem Pro oder Contra gegen die Kirchenunion oder die lateinischen dogmatischen Positionen zu tun hat, die Anfänge sind rein äußerlich von dieser Kontroverse doch nicht zu trennen. Als damals die beiden Dominikaner Francesco da Camerino und Riccardo nach Konstantinopel kamen, verfaßte ++++++Barlaam eine Serie von Traktaten gegen das lateinische Dogma. Jetzt fühlte sich auch Palamas bemüßigt, zur Feder zu greifen und »apodiktische Traktate" gegen das Filioque zu verfassen6. Unterschiedliche Auffassungen über die Methode der Kontroverse' führten zu einem Briefwechsel zwischen den beiden Polemikern, der sich allmählich vergiftete, obwohl ein anderer Athosmönch, Gregorios Akindynos8, geraume Zeit zu vermitteln suchte. Barlaum vertrat die Meinung, daß apodiktische Syllogismen, wie sie die Lateiner gebrauchten, in der Theologie keinen Platz hätten. Thomas von Aquin wurde von ihm nicht eben glimpflich behandelt. Gottes Wesen, vor allem das innertrinitarische Leben, seien der menschlichen Ratio unzugänglich. Diese habe sich mit der Erkenntnis der Existenz Gottes zu begnügen, die im übrigen auch den erleuchteten Heiden zugänglich gewesen sei. Palamas warf Barlaam vor, er leugne praktisch jede Gotteserkenntnis und zeige gegenüber den heidnischen Philosophen eine völlig ungerechtfertigte Wertschätzung. Der Streit zog sich hin, und Palamas, denn doch von den Angriffen auf seine Syllogismen getroffen, rückte von dieser Argumentationsweise mehr und mehr ab und zog sich auf einen Theologie-Begriff zurück, der stärkstens auf mystischer Inspiration aufgebaut war. Es war offenbar dieser Rekurs auf besondere Erleuchtungen, der Barlaam bewog, diesem Argument an Ort und Stelle nachzugeben, nach seiner Quelle auf dem Athos selbst, wahrscheinlicher jedoch in den Zirkeln in Thessalonike. Was er dabei entdeckte, glaubte er als messalianisch anprangern zu müssen. Es handelte sich um die berühmte hesychastische Gebetsmethode 9,
1963, 176ff. 3 Siehe oben S.206. 4 Literaturangaben zu Anfang des Abschnitres. 5 Zum größten Teil unediert. Eragmente MPG 151, 1250-1252. 6 MEYENDORFF, Introduction 340 ff. 7 J. MEYENDORFF, Les debuts de la controverse hesychaste, Byzantion 23 (1953) 87 - 120; DERS., L'origine de la controverse palamite, ßEoXoY`« 2s (1954) 602—
630. 8 DHGE 1, 340-341 (M. JuGrE); DThC Xl, 1, 45s-467 (V. LAURENT). 9 Siehe
Gregórios Sinaitis:
1255-1346, Mystiker aus dem Katharinenkloster auf den Sinai, der auf dem Athos vorübergehend Zuflucht fand. Er warnte vor Übertreibungen bei der Suche nach der Schau des Taborlichts (Philokalia, Bd. 4, S. 76, zitiert nach Nikolaou, Askese, Mönchtum, S. 90)
Gudeles, Familie:
Die Familie Gudeles ist für das 11. Jh. fast ausschließlich in militärischen Funktionen belegt. Vielleich stammt sie aus Bulgarien, das im frühen 11. Jh. byzantinisch wurde, worauf viele führende Männer in die byzantinische Armee eingegliedert wurden (Seibt/Zarnitz, a.a.O., S. 49).
Herakleios, Kaiser (610-641):
einer der größten Herrscher der byzantinischen Geschichte; auf seiner Verwaltungsreform beruht die byzantinische Macht der folgenden Jahrhunderte (mit deren Verfall begann der Niedergang); die Themenverfassung ist das Rückgrat des mittelalterlichen byzantinischen Staates; unter Herakleios endete das spätrömische Reich und beginnt das byzantinische Zeitalter ieS.: endgültige Gräzisierung und starke Verkirchlichung des gesamten öffentlichen Lebens geben dem Kaiserreich ein neues Gesicht.
Kaiserkrönung nach dem Einmarsch in der Hauptstadt direkt nach der Hinrichtung des Phokas noch am 3.10.610 nach vorheriger Heirat mit Eudokia; katastrophale Lage des Reichs führen 618 sogar zu Überlegungen die Hauptstadt nach Karthago zu verlegen; hiergegen Widerspruch des Patriarchen Sergios und der Bevölkerung; Fortsetzung der slawischen Einwanderung auf dem Balkan und in ganz Griechenland; nur Thessaloniki und wenige Küstenstädte in Dalmatien bleiben byzantinisch; die griechische Bevölkerung zieht sich in die Küstenregionen und auf die Inseln zurück; zugleich Ausbreitung der persischen Eroberung in Vorderasien; außer der Rückeroberung Kaisereias (611) scheitert die byzantinische Gegenoffensive in Armenien und Syrien; 613 nach der Niederlage der Byzantiner bei Antiochia erneuter persischer Vormarsch u.a. in Armenien und Kilikien sowie Eroberung der kilikischen Festung Tarsos; 614 Fall Jerusalems; 615 Fortsetzung des persischen Vormarschs u.a. bis an den Bosporus; Einkreisung von Konstantinopel durch Awaren und Perser; 619 Verlust Ägyptens an die Perser; damit ganz Vorderasien in persischer Hand.
In Byzanz begann gleichzeitig der Prozeß der Sammlung und inneren Festigung, Durchführung der Heeresreform und Ausbau der *Themenverfassung; an der Spitze der Themen stehen Strategen, die in ihren Bezirken die oberste militärische und zivile Gewalt ausüben; die alte Provinzeinteilung blieb zunächst bestehen, weshalb sich die Einführung der Themenverfassung über eine längere Übergangszeit hinzog. Die Neuorganisation wurde zum Grundstein der folgenden glänzenden Erfolge im der Abwehrschlacht gegen die Zwei-Fronten-Bedrohung.
Der Verwaltungsneuorganisation folgte die Reform der Staatsfinanzen und der Ausbau des Steuersystems.
Nicht wenig zum Erfolg trug die mächtige Kirche bei, die dem verarmten Staat ihre Schätze zur Verfügung stellte. Patriarch Sergios (610-638) verstand den kommenden Krieg als Glaubenskrieg gegen die Ungläubigen. Eine religiöse Aufbruchsstimmung wie später in den Kreuzzügen tat das übrige. Noch kurz zuvor war es zwischen Kaiser und Patriarch zu Spannungen gekommen. Kaiserin Eudokia war bereits 612 bei der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben; die Eheschließung Kaiser Herakleios mit seiner Nichte Martina stieß wegen der nahen Verwandschaft auf die entschiedene Gegnerschaft der Kirche; die immer bedrohlichere Lage des Reichs im Zweifrontenkrieg sicherte dem Kaiser jedoch die Unterstützung des Klerus.
619 kommt es zum Tributfrieden mit den Awarern, der die Truppen für den Kampf gegen die Perser freisetzt. Am 5.4.622 begann der Gegenangriff in Asien unter persönlicher Führung des Kaisers (außer Maurikios war kein Kaiser seit Theodosios I. an der Spitze der Truppen gegen den Feind marschiert). Herakleios hatte intensiv Militärstrategie studiert und die Bedeutung der Kavallerie und der leichten berittenen Bogenschützen erkannt. Nach dem Aufmarsch des byzantinischen Heeres exerzierte der Kaiser ein halbes Jahr lang und trainierte die Truppen. Erst im Herbst begann der eigentliche Feldzug. Geschicktes Vorgehen mit der flotte über den Seeweg entlang der Südküste Kleinasiens bis zur Bucht von Issos überraschte die Perser, die ein Vorgehen über das Schwarze Meer nach Armenien erwartet hatten, und zwang diese wegen der Gefahr abgeschnitten zu werden, zur Aufgabe ihrer Stellungen an den kleinasiatischen Gebirgspässen; sie waren gezwungen den byzantinischen Heer zu folgen, das Gesetz des Handelns an sich gerissen hatte; in der Schlacht in den kappadokischen Bergen (der genaue Ort ist nicht bekannt) kam es zum überragenden Sieg des byzantinischen Heeres. Auch der Feldzug 623 verlief überaus erfolgreich, das byzantinische Heer stieß bei der Verfolgung des flüchtigen persischen Großkönigs Chosrau brandschatzend bis zur persischen Hauptstadt Ktesiphon vor; das persische-zoroastrische Zentralheiligtum wurde als Rache für die Eroberung Jerusalems und die Mitnahme des Heiligen Kreuzes zerstört; nach einer erheblichen Verstärkung des Heeres durch Foederati-Truppen aus dem Gebiet westlich des Kaspischen Meeres im Winter 623/24 verlief auch der Feldzug 624 überaus erfolgreich und endete mit einem vollständigen byzantinischen Sieg über mehrere persische Heere im persisch-armenischen Grenzgebiet. Der Feldzug 625 nach der Überwinterung am Van-See führte in harten Märschen über Diyarbakir am Euphrat nach Kilikien, wo die Perser nach der unentschiedenen Schlacht bei Adana den Rückzug antraten; nur die persönliche Tapferkeit des Herakleios verhinderte die schon drohende Niederlage.
Awarisch-persische Abstimmungen führten 626 erneut zum Zweifrontenkrieg; die Awaren griffen mit Unterstützung von 50000 Persern über Kleinasien unter Eroberung von Chalkedon mit insgesamt 80000 Mann die Hauptstadt Konstantinopel an, während die Perser durch massivste Truppenaushebungen zum Angriff von Süden her bereit standen, nur durch das byzantinische Heer am Vormarsch gehindert. Die Belagerung Konstantinopels wurde Patriarch Sergios und den Patrikios Bonus organisiert, die mit 12000 Soldaten und der Bevölkerung Konstantinopel alle Angriffe der Belagerer zurückschlugen. Als sich die vereinigten Angreifer zum Angriff auf die Mauern entschlossen zog Patriarch täglich mit dem Klerus in einer Prozession die gesamte theodosianische Mauer entlang wobei er über dem Kopf die berühmte Ikone der Gottesmutter des *Akathistos-Hymnus trug.
Herakleios entschloß sich zur Dreiteilung des byzantinischen Heeres: der erste Heeresteil wurde auf dem Seeweg nach Konstantinopel transportiert, die zweite byzantinische Armee griff unter dem Kaiserbruder Theodoros das persische Heer in Mesopotamien an, während der Kaiser selbst mit dem kleinsten Kontingent Armenien und den Kaukasus verteidigte. Den Ausschlag gab schließlich die Überlegenheit der Byzantiner zur See: während des entscheidenden Ansturms am 10. August 626 fanden die slavischen Boote den Untergang im Kampfe mit der byzantinischen Flotte. Die Avaren mußten die Belagerung aufheben und traten in größter Verwirrung den Rückmarsch an. Die Niederlage des Avarenkhagans bedeutete aber auch das Scheitern der persischen Angriffspläne. Sahrbaraz räumte Chalkedon und zog sich mit seinen Truppen nach Syrien zurück; dem zweiten persischen Feldherrn, Sahin, brachte des Kaisers Bruder Theodoros eine schwere Niederlage bei. Der kritische Augenblick war überstanden. Jetzt konnte die große byzantinische Offensive beginnen. Im Bunde mit den kaiserlichen Truppen kämpften die Chazaren in den kaukasischen und armenischen Gegenden gegen die Perser. Im Herbst 627 begann der große Vormarsch des Kaisers nach dem Süden, ins Innere des feindlichen Landes; Herakleios stand schon Anfang Dezember vor Ninive; in der Schlacht vor der Stadt wurden die Perser vernichtend geschlagen und ins Landesinnere verfolgt; der Sturz Chosraus durch eine Revolte seines Sohnes Kovrad-Siroe führte zum Frieden und zur Rückgabe aller ehemals byzantinischen Gebiete. Sowohl Awaren wie auch Perser waren vernichtend geschlagen, ihre Macht auf Dauer gebrochen. 628 kehrte Herakleios nach 6jähriger Abwesenheit nach Konstantinopel zurück.
Der Sieg über die Awaren befreite zahlreiche Völker, darunter die Kroaten und Serben, welche mit byzantinischer Zustimmung aus ihrer alten Heimat jenseits der Karpaten in neue Siedlungsgebiete auf der Balkanhalbinsel wanderten.
Die zurückgewonnenen Provinzen in Syrien und Ägypten machten das Problem der Aussöhnung mit den Monophysiten dringlich; der Versuch der Einigung führte über den Monenergetismus und Monotheletismus (s. *monergetisch-monotheletischer Streit; *Maximus Confessor). "Den Ernst dieses Problems erkannte der Patriarch Sergios mit besonderer Klarheit und zeigte sich stets um die Herstellung des Kirchenfriedens bemüht. Eine Stütze fanden seine Bestrebungen in der in den östlichen Reichsprovinzen entstandenen Lehre von der einen Energie in Christo. Die Annahme, daß den zwei Naturen Christi eine einzige Wirkungsweise (Energeia) gegenüberstehe, schien zwischen dem Dogma von Chalkedon und dem Monophysitismus eine Brücke zu schlagen. Sergios machte sich die monenergetische Lehre zu eigen und trat in Verhandlungen mit den Vertretern der orientalischen Kirchen. Die politischen Ereignisse schienen den Bemühungen des Patriarchen recht zu geben, denn man konnte sich der Einsicht nicht verschließen, daß der alte Glaubenszwist zwischen Konstantinopel und der monophysitischen Bevölkerung des Ostens die persische Eroberung wesentlich erleichtert hatte. So trat denn auch Herakleios selbst dem Monenergetismus bei. Schon während seiner östlichen Feldzüge hatte er namentlich in Armenien mit der lokalen Geistlichkeit über eine Kirchenunion verhandelt. Nach der Wiedergewinnung der monophysitischen Provinzen wurden die Verhandlungen in größerem Stil und mit größerer Energie weitergeführt, denn mehr als je schien jetzt der Ausgleich mit den Monophysiten geboten. Der Anfang war vielversprechend. Die Einigung schien erreicht, wie in Armenien so auch in Syrien und in Ägypten, wo der 631 zum Patriarchen erhobene Kyros mit größtem Eifer vorging. Seine Zustimmung zu der von Sergios und Kyros befürworteten Kirchenpolitik gab auch der Papst Honorius. Indessen ließen die Enttäuschungen nicht lange auf sich warten. Das Einigungswerk war in Syrien und insbesondere in Ägypten nur infolge von Gewaltanwendung geglückt. Die Opposition wuchs, wie auf monophysitischer so auch auf orthodoxer Seite. Wortführer der orthodoxen Opposition war der durch seine Beredsamkeit bekannte Mönch Sophronios, der 634 den Patriarchenstuhl von Jerusalem bestieg. Unerbittlich geißelte er die neue Lehre als eine Abart des Monophysitismus und eine Verfälschung des orthodoxen Dogmas von Chalkedon. Anscheinend unter dem Eindruck dieser Opposition, wie auch mit Rücksicht auf die Ausführungen des Papstes Honorius, der sich über das Energienproblem zurückhaltend äußerte, dagegen einen Willen in Christo behauptete, modifizierte Sergios seine Lehre: er stellte die Energienfrage zurück, lehrte aber, daß in Christo ein Wille (Thelema) anzunehmen sei. Diese neue monotheletische Formulierung liegt dem von ihm entworfenen Edikt zugrunde, das der Kaiser 638 unter dem Namen «Ekthesis» veröffentlichte und im Narthex der Hagia Sophia anschlagen ließ. Doch obschon sich die Leiter von Staat und Kirche auf den Monotheletismus festgelegt hatten und nach dem Tode des Patriarchen Sergios (9. Dezember 638) auf den Stuhl von Konstantinopel der eifrige Monothelet Pyrrhos erhoben wurde, zeigte sich sehr bald, daß die Ekthesis ein Schlag ins Wasser war. Sie wurde abgelehnt sowohl von den Orthodoxen als auch von den Monophysiten, und auch die Nachfolger des Honorius in Rom wiesen sie energisch zurück. Eine Versöhnung hat der Monotheletismus ebensowenig herbeigeführt wie die kirchenpolitischen Kompromißversuche der vorangehenden Jahrhunderte. Gleich jenen Versuchen hat er nur neue Streitigkeiten hervorgerufen und so die Verwirrung vergrößert. Zudem befanden sich im Jahre 638 Syrien und Palästina schon unter arabischer Herrschaft, und auch Ägypten drohte unabwendbar dasselbe Schicksal. Sein politisches Ziel hat also der Monotheletismus verfehlt. Die religiöse Gärung in den östlichen Provinzen hat aber wie einst der persischen, so jetzt der arabischen Eroberung stärksten Vorschub geleistet." (Ostrogorsky, a.a.O., S. 77/78)
Die Kämpfe mit den Persern hatten beide Reiche erschöpft; sie waren deshalb nicht fähig dem arabischen Ansturm entgegenzutreten, der durch die von Mohammed bewirkte Einigung der Araber bewirkt wurde (622, Hedschra, Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina). 633, wenige Jahre nach dem Tode des Propheten begann die große arabische Wanderung. "Mit elementarer Wucht trieb es die Araber hinaus aus der unfruchtbaren Heimat. Ihr Ziel war nicht so sehr Bekehrung der Völker zum neuen Glauben wie Unterwerfung neuer Länder und Herrschaft über die Ungläubigen. Die ersten Opfer ihres Eroberungsdranges wurden die beiden benachbarten Großreiche: Persien ging unter beim ersten Ansturm, Byzanz verlor seine östlichen Provinzen knapp ein Jahrzehnt nach dem Tode des Propheten. Der unentwegte gegenseitige Kampf hatte beide Reiche geschwächt und so den Arabern die Wege geebnet. In dem besiegten Persien herrschte größte Verwirrung, eine Thronusurpation löste die andere ab, das Rückgrat des Sassanidenreiches war gebrochen. Aber auch die Kräfte des siegreichen Byzanz waren durch das lange, anstrengende Ringen erschöpft. Zudem hatte der nicht zu beseitigende religiöse Hader zwischen Konstantinopel und seinen orientalischen Provinzen eine Mauer des Hasses errichtet, die separatistischen Bestrebungen der syrischen und koptischen Bevölkerung gestärkt und ihren Verteidigungswillen endgültig untergraben. Die Mißstände in der Heeresorganisation und der durch die Übermacht des lokalen Großgrundbesitzes zerrütteten Verwaltung taten das ihrige, um namentlich in Ägypten die Aufgabe der Eroberer zu erleichtern. Schon 634 brachen die Araber unter der Führung des Kalifen Omar, des großen Eroberers, in das Reichsgebiet ein und zogen in raschem Siegeszug durch die jüngst vom Perserreich wiedergewonnenen Provinzen. In der denkwürdigen Schlacht am Jarmuk erfochten sie am 20. August 636 über die byzantinischen Streitkräfte einen überwältigenden Sieg. Damit war der byzantinische Widerstand gebrochen und der Kampf um Syrien entschieden. Die syrische Metropole Antiocheia und die meisten Städte des Landes ergaben sich dem siegreichen Feinde ohne Kampf. Stärker war der Widerstand in Palästina. Unter der Fiihrung des Patriarchen Sophronios hat Jerusalem dem Feinde lange getrotzt, aber die Härte der Belagerung zwang schließlich auch die Heilige Stadt, dem Kalifen Omar die Tore zu öffnen (638). Inzwischen war das Perserreich unterworfen, und danach wurde auch das byzantinische Mesopotamien besetzt (639/40). Von hier aus fielen die Araber in Armenien ein und erstürmten die stärkste armenische Festung Dvin (Oktober 640). Zugleich begann die Eroberung Ägyptens.
Herakleios, der alle Kriegszüge gegen Persien persönlich geleitet hatte, nahm an den Kämpfen mit den Arabern auffallenderweise keinen rechten Anteil. Anfangs suchte er noch von Antiocheia aus die Kriegsoperationen zu leiten, nach der Schlacht am Jarmuk gab er alles verloren und zog sich ganz zurück. Vor seinen Augen brach sein Lebenswerk zusammen. Das heroische Ringen gegen Persien schien unnütz gewesen zu sein: durch die Niederwerfung des Perserreiches hatte er nur den Arabern vorgearbeitet. Über die Gebiete, die er nach unsäglich schwerem Kampf den Sassaniden abgewonnen hatte, breitete sich nun gleich einer elementaren Katastrophe die arabische Flut aus. Im Heiligen Lande, das er dem Christentum gerettet zu haben glaubte, herrschten wieder Ungläubige. Dies grausame Schicksal hat den alternden Herrscher seelisch und körperlich gebrochen. Aus Syrien zurückgekehrt, blieb er längere Zeit im Palast Hiereia auf dem kleinasiatischen Ufer. Es graute ihm vor der Überfahrt nach Konstantinopel, denn er konnte den Anblick des Meeres nicht ertragen. Erst als eine Verschwörung in Konstantinopel aufgedeckt wurde, hat er sich aufgerafft und seinen Angstzustand so weit überwunden, daß er auf einer mit Sand und Laub verdeckten Schiffsbrücke sich über den Bosporus in die Hauptstadt begeben konnte.
Tragisch gestaltete sich auch das Familienleben des Herakleios. Am Tage seiner Kaiserkrönung vermählte er sich mit Fabia-Eudokia, die ihm eine Tochter und emen Sohn, den Herakleios Neos Konstantinos, gebar. Indessen litt sie an Epilepsie und starb wenige Monate nach der Geburt des Sohnes (6I2). Ein Jahr später heiratete der Kaiser seine Nichte Martina. Diese Ehe erregte größtes Ärgernis. Kirche und Volk betrachteten sie als blutschänderisch, und in der Tat bedeutete eine solche Verbindung angesichts der nahen Blutsverwandtschaft einen Verstoß sowohl gegen die kanonischen Vorschriften als auch gegen die Gesetze des Staates. Martina war in Konstantinopel verhaßt, aber dem Hasse seiner Untertanen zum Trotz hing der Kaiser mit großer Liebe an seiner zweiten Gattin, die Freude und Leid mit ihm teilte und ihn auf den schwierigsten Feldzügen begleitete. Es bedeutete jedoch für den Kaiser eine harte Prüfung, und es war nach der allgemeinen Auffassung ein offensichtliches Zeichen des göttlichen Zornes, daß von den neun Kindern, die ihm Martina gebar, vier im zartesten Alter starben, die beiden älteren Söhne aber als Krüppel zur Welt kamen. Die Feindschaft des Volkes gegen Martina war um so größer, als die ehrgeizige Frau das Thronfolgerecht unter Umgehung des Sohnes Eudokias ihrer eigenen Nachkommenschaft zu sichern suchte. Der hieraus entstandene Familienzwist hat dem Kaiser das ohnehin bittere Lebensende noch verdüstert, nach seinem Tod aber das Reich in schwere Wirren gestürzt. Am 11. Februar 641 ist Herakleios nach schwerem Leiden gestorben." aus Ostrogorsky, a.a.O., S. 78-80)
Hormisdas, Papst (513-524):
Gloom and storm marked the pontificates of Anastasius II and Symmachus, but on St. Hormisdas the sun of peace and victory shone with cheerful splendor. St. Hormisdas was born at Frosinone in the Roman Campagna. Married before ordination, he had a son, Silverius, who also became pope. As a deacon, Hormisdas had staunchly backed St. Symmachus in his trouble with the antipope Lawrence and the pro-Byzantine faction. Elected with difficulty, St. Hormisdas began his career of peace with victory by receiving back into the Church the last die-hards of the Laurentian (*Akakianisches Schisma)schism.
A greater victory was in the making. Ever since 484 the Church of Constantinople had been in schism. First, Patriarch Acacius (*Akakios) had supported the Henoticon (*Henotikon) and had died excommunicated and in schism. Then even when the patriarchs had returned to orthodoxy, they could not bring themselves to strike the name of Acacius from the liturgical diptychs or tablets (Totengedenken). The fact that Emperor Anastasius, who ruled during most of this time, tended to the Monophysite heresy did not help matters. But more and more the orthodox clergy, monks, and laity of the East longed for an end to this schism which weakened their stand against the Monophysites.
In 514 General Vitalian (Vitalianos) revolted and forced Anastasius to make overtures towards reunion; but since Anastasius was not serious, nothing came of this attempt. A number of Eastern bishops, however, independently made their submission to Rome. When Anastasius died in 517 hopes rose. His successor, the rugged soldier Justin I. was orthodox. Popular opinion, the Emperor, and orthodoxy for once all agreeing, the way to reunion was easy. A synod at Constantinople sent a legate to Pope Hormisdas to seek reunion. The Pope sent back a legation with a formula of faith, and on Holy Thursday, March 28, 519, the papal legates received the Church of Constantinople back to Catholic unity. The ceremony was hailed with tears of joy, for this union was extremely popular.
The formula of Hormisdas which the Pope sent to be signed on this occasion is a masterpiece of clarity. It repeats the condemnation of the heresies condemned by the ecumenical councils and it formally condemns the memory of Acacius who had started this schism. It so clearly stated the primacy and infallibility of the Roman See that from that day to the time of the Vatican Council, it has been a powerful weapon in the arsenal of Catholic orthodoxy. It was subscribed to by the patriarch of Constantinople, it swept the East and in the end was signed by 2,500 bishops.
Another joyous moment for St. Hormisdas came when word was brought from Africa that after the death of the Vandal king Thrasamund, the hardpressed African Church enjoyed a little peace.
Hormisdas forbade the use of the expression "one of the Trinity was crucified," ("mia physis tou Theou logou sesarkomeni"; "eine fleischgewordene Natur des Logos Gottes) not because it could not be understood in a true sense, but because it was used as a Monophysite catchword. He sent letters to the bishops of Gaul and Spain on disciplinary matters. When St. Hormisdas died in 523 the Church was, on the whole, peaceful, but black clouds were piling up in the West.
Excerpted from "Popes Through the Ages" by Joseph Brusher, S.J. Electronic version copyright 1996 New Advent, Inc. [New Advent Catholic Supersite] (http://www.knight.org/advebt/Popes/pphr01.htm); in: Bibliothek Ref Archiv 8
Iakobos, Metropolit von Thessaloniki (1295-1315):
der Mönch Issak war unter dem Iakobos, Metropolit von Thessaloniki (1295-1315). (vgl. Koukourtidou, Spaziergänge, a.a.O., S. 45)
Ioan III. Mico:
(Ioannis III. Mytsis Asanis), kurzfristig mit byzantinischer Hilfe bulgarischer Zar, mußte dann aber vor einem anderen bulgarischen Zaren, Ivailo, fliehen und war 1284 bis zu seinem Tod (vor 1302) byzantinischer Despotes. Sein Sohn ist der Großadmiral *Isaak Asanes Palaiologos.
Irene Doukaina:
geb. um 1066, Kaiserin, Frau des Kaisers *Alexios I. Komnnenos; Mutter der *Anna Komnena und des späteren Kaisers Johannes II. Komnenos (1118-1143); sie war 1077 als 11jährige mit Alexios verheiratet worden (vgl. Anna Komnena: Alexias Anm. 16 zu Vorrede Kap. 3 S. 22).
Literatur:
Anna Komnena: Alexias
Polemis, D.I.: The Doukai, London 1968
Skoulatos, B. Les personnages byzantins de l'Alexiade, Louvain 1980
Irene Metochites:
Tochter des Großlogotheten *Theodoros Metochites; verheiratet mit *Johannes Palaiologos dem Neffen Kaiser *Andronikos II. Palaiologos (1282-1328) und Statthalters in Thessaloniki (Norwich III 320); ihre Tochter Maria Palaiologos war mit dem serbischen Zaren Stefan Urosch III. verheiratet.
Irene Palaiologina:
geborenen Jolante von Montferrat; Kaiserin; seit 1284 2. Gemahlin Kaiser Andronikos II. Palaiologos (1282-1328) nach dem Tod (1281) der ersten Ehefrau des Kaisers (Anna, Tochter des ungarischen Königs Stephan V.). Die Kaiserin hat ihre Jugend in Thessaloniki zugebracht; Tochter des Markgrafen Wilhelm V. von Montferrat, des Königs von Thessaloniki; durch den Nachfolgestreit mit ihrem Gemahl, dem sie vorwarf, seinen Sohn aus erster Ehe mit Anna von Ungarn zu bevorzugen, trennten sich die Eheleute und Irene kehrte 1310 nach Thessaloniki zurück, wo sie bis zu ihrem Tod 1317 blieb (vgl. Norwich III 317).
Isaak Asanes Palaiologos:
Großadmiral; Isaak war Sohn des *Ioan III. Mico (Ioannis III. Mytsis Asanis), der kurzfristig mit byzantinischer Hilfe bulgarischer Zar war, dann aber vor einem anderen bulgarischen Zaren, Ivailo, fliehen mußte und 1284 bis zu seinem Tod (vor 1302) byzantinischer Despotes war. Isaak war vor 1341 Megas Dux, hierauf wurde er Panhypersebastos, als welcher er vor 1351 starb. Er war in erster Ehe mit Theodora Arachantlun (geb. zwischen 1265 und 1281, gest. spät. 1320), in zweiter Ehe mit *Theodora Komnena verheiratet.
Isaak II. Angelos:
Kaiser 1185-1195 und 1203/1204
Isaak Komnenos:
geb. vor 1056; Sohn des Johannes Komnenos und der *Anna Dalassena; älterer Bruder des Kaisers Alexios I. Komnenos (1081-1118); byzantinischer Feldherr und Oberbefehlshaber; vgl. zu ihm Barzos, Genealogia, Nr. 12, S. 67-79).
Ivan Alexander (1331-71):
bulgarischer Zar
Ivan Asen II. (1218-41):
bulgarischer Zar
Joasaph von Larissa:
2. Hälfte 14. - Anfang 15. Jh.; Metropolit von Larissa; zunächst Mönch im Kloster Ton Odigon in Byzanz und Schreiber (vgl. Politis Byz. Ztg. 1958, S. 17 f)
Johannes Angouros:
Johannes, Patrikios, kaiserlicher Protospathar und Sakellarios (ca. zw. 867 und 873). Der Patriarch Photios schrieb drei Briefe an einen Eunuchen Johannes 'kata tous Aggourious' (der wohl eher nur zum Kreis der Familie der Angurioi gehörte, ohne selbst einer zu sein), der Patrikios und Sakellarios war, und die in die Zeit zwischen 867 und ca. 873 datiert werden. Photios, ursprünglich mit diesem Mann befreundet, überschüttet ihn in den Briefen jedoch mit Vorwürfen. Patrikios (lateinisch patricius) war damals eine sehr hohe Würde, den Spitzen der Verwaltung vorbehalten; innerhalb der Patrikioi rangierten die Eunuchen übrigens an der Spitze. Der Sakellarios war der oberste Finanzbeamte des Reiches, er kontrollierte die verschiedenen Finanzressorts, in die er seine Notare entsandte. (Seibt/Zarnitz, S. 71)
Johannes Damaskinos:
a. Zusammenfassung:
um 680-750; Johannes Damaskinos war einer der großen Kirchenlehrer der Orthodoxie, geboren um 650 in Damaskus, gestorben um 750 im Kloster Saba bei Jerusalem. Sein Hauptwerk, die "Quelle der Erkenntnis", hat für die orthodoxe Kirche hohe Bedeutung. Sein Festtag in der Ostkirche ist der 4. Dezember. Johannes Damaskinos spielte eine wesentliche Rolle in den theologischen Auseinandersetzungen zu Beginn des Bilderstreits, als er eine hervorragende Apologie der Ikonen schrieb und somit eine umfassende christliche Bilderlehre entwarf (729).
Johannes Damaskinos war der große Dogmatiker der Orthodoxie in der Zeit des Abschlusses der frühen dogmatischen Entwicklung, der ersten Periode der Orthodoxen Theologie, die nach ihm in den Traditionalismus der Patristik überging und zeitweise erstarrte. Die Bedeutung des Damaskinos liegt weniger in neuer theologischer Entwicklung als in der dogmatischen Zusammenfassung der Väterüberlieferung. "Seine im Westen vielfach mißverstandene Devise: »ich sage nichts Eigenes« (Dial. Prooem. 60; 2,9) hat ihn zum Repräsentanten der ostkirchlichen theologischen Arbeitsweise gemacht, nach der die Verbindung zur kirchlichen Tradition unter möglichst weihgehendem Verzicht auf Subjektivität in der theologischen Spekulation unerläßlich ist" (Kallis,a.a.O., S. 290). Damaskinos gilt daher als Interpret der patristischen Tradition.
Er ist derjenige Johannes, der nach der Legende die Ikone der Panhagia Tricherousa (heute im Serbenkloster Chilandar) vor der Vernichtung im Bildersturm verbarg, und dem wegen seines Eintretens für den Ikonoklasmus die rechte Hand abgehauen wurde. Als Kaiser Leon III., der Syrer (717-741) die Zerstörung aller Ikonen befahl, widersetzte sich Johannes Damaskinos. Der Legende nach ließ ihm daraufhin der Kalif von Damaskus auf kaiserlichen Befehl, die rechte Hand abhauen, damit dieser keine weiteren Streitschriften gegen die Ikonoklasten schreiben könne. In seiner Not eilte Johannes - so der Bericht im Hagiograph - eilte Johannes daraufhin zur versteckt gehaltenen Ikone der Gottesmutter, welche sich seiner erbarmte und ihm die Hand wiederanwachsen ließ. Gleichzeitig gab sie ihm den Auftrag, Hymnen an Christus und die Gottesmutter zu schreiben (Huber, Athos, a.a.O., S. 318).
Johannes Damaskinos ist ein bekannter Hymendichter der Orthodoxie, der u.a. den Osterkanon ("Wohlan, Neuen Trank laßt uns trinken, nicht Wundertrank aus dürren Felsen, nein, der aus dem Grab Christi strömendem Unvergänglichkeit Born, in welchem wir Kraft erlangen") und den Hymnus zum Taborfest (6. August: Hochfest der Verklärung) schrieb (aus Spitzing, Günter: Lexikon byzantinisch christlicher Symbole - Die Bilderwelt Griechenlands und Kleinasiens, München 1989, S. 171)
Literatur:
- Altaner / Stuiber, a.a.O., S. 526/32
- Bibliothek der Kirchenväter (BKV), hrsg. von O. Bardenhewer, Th. Schermann (ab Band 35: J. Zellinger) und C. Weymann, 83 Bände, Kempten 1911 ff, 44. Band: Johannes Damaskinos - genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, Bibliothek Ref OrtKiVä16/61
- Kallis, Anastasios: Johannes Damaskinos in: Greschat, Martin: Gestalten der Kirchengeschichte, Band 2: Alte Kirche II, Kohlhammer Verlag Stuttgart 1993, unveränderter Nachdruck der Auflage 1984, Bibliothek Ref OrtKiVä7/2;
- Spitzing, a.a.O., S. 171
- Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte, Band I, 2. Auflage 1999, S. 298 ff (zum Ikonoklasmus und der ikonophilen Auffassung des Damaskinos)
b. Leben und Werk:
Am 4. Dezember gedenkt die Ostkirche, und seit 1969 am gleichen Tage auch die Römische Kirche, ihres großen Dogmatikers Johannes Damaskenos (um 680750), der im Bewußtsein des orthodoxen Kirchenvolkes viel mehr als der Hymnendichter und Ikonenverteidiger fortlebt. Es ist bemerkenswert, daß für die orthodoxe Theologie der aus einer angesehenen Damaskener Familie stammende Priestermönch Johannes und nicht etwa ein origineller griechischer Denker als Repräsentant patristisch-ostkirchlicher Theologie gilt Unter orthodoxen Theologen erfährt er eine auffallend große Bewunderung und Hochschätzung, vor allem auf dem Gebiet der Dogmatik, auf dem er bereits seit dem 11. Jahrhundert Methode und zum Teil Inhalt jedes späteren schuldomatischen Handbuches bestlmmt.
Es bedeutet sicherlich geistesgeschichtlich keine rhetorische Übertreibung, wenn der Konstantinopeler Patriarch Johannes Bekkos (1275-1282) ein Damaskenos-Zitat mit dem Hinweis einleitet, daß »der Damaskener . . . die ganze Welt mit seiner Theologie erfüllt« (PG 141, 320 A). Die Zahl der griechischen Handschriften und der Übersetzungen (vgl. die Einleitung zu der DamaskenosAusgabe von B. Kotter) weist auf eine weite Verbreitung seiner Werke und sein hohes Ansehen hin, das in der orthodoxen Theologie bis heute anhält. Der Athener Dogmatiker Karmiris nennt Damaskenos »den klassischen Dogmatiker der Orthodoxen Katholischen Kirche, denn er bildet zugleich den Abschluß der ersten Periode der Orthodoxen Theologie, deren bester und treuester Vertreter er ist, und den Beginn ihrer zweiten Periode, auf die er einen starken Einfluß fast bis auf unsere Zeit ausgeübt hat« (Die dogmatische Lehre des Johannes Damaskenos [griech.], Athen 1940, 3). Diese Würdigung dokumentiert eindrucksvoll ein wesentliches Merkmal der östlichen Spiritualität und Theologie, die im Kult und in der Tradition der Kirche ihren Ausdruck und Niederschlag finden.
Der Grund, der Damaskenos zum Klassiker der Osttheologie erhoben hat, liegt keinesfalls, wie man annehmen würde, in der Originalität seiner Schriften, sondern in seinem Versuch, unter Anwendung der vorherrschenden Philosophie und mit bewußter Verpflichtung auf die kirchliche Tradition die Lehre der Kirche systematisch darzulegen. Daher ist es abwegig zu vermuten, die Heranziehung des Damaskeners in der neueren orthodoxen Theologie sei die Folge ihres ökumenischen Anliegens. Gerade den orthodoxen Theologen, die am meisten Damaskenos zitieren und folgen, geht es nicht darum, »die Dogmatik in einer systematischen Form nach westlichem Muster darzustellen« (Richter 1964, 3f.), sondern die orthodoxe Theologie in Form und Inhalt vor den Einflüssen des Westens zu bewahren!
Seine im Westen vielfach mißverstandene Devise: »ich sage nichts Eigenes« (Dial. Prooem. 60; 2,9) hat ihn zum Repräsentanten der ostkirchlichen theologischen Arbeitsweise erhoben, nach der die Verbindung zur kirchlichen Tradition unter möglichst gehendem Verzicht auf Subjektivität in der theologischen Spekulation unerläßlich ist. In diesem traditionsverpflichtenden Prinzip erblickt man die Garantie für die orthodoxe Kontinuität des lebendigen kirchlichen Organismus, in dessen Ganzheit das richtige Verständnis der Glaubenswahrheiten liegt. Dort wird der Glaube gelebt und unverfälscht bewahrt. Darum erklärt Damaskenos durch den Verzicht auf subjektive Spekulation bei der Darlegung des Glaubens seine Einordnung in die kirchliche Gemeinschaft, durch deren Gebete er sich bei der Durchführung seiner Aufgabe gestärkt fühlt (Dial. Prooem. 39-42). Diese Grundhaltung würdigt die Hagiographie, wenn sie ihm den Beinamen Goldfluß gibt, da bei ihm, wie Theophanes (PG 108, 824C; 841A) bemerkt, »in Wort und Leben die goldglänzende Gnade des Geistes hervorsproßt«. Der Ausgangspunkt und die Wurzel seiner theologischen Spekulation liegen in dem gemeinsamen Erlebnis des Glaubens der Kirche, mit der er sich in Gemeinschaft und voller bzw. erwiesener Übereinstimmung fühlt.
Das bedingt die Methode bei der Erfassung und Darlegung der christlichen Lehre, die bezeichnend für die Denk- und Arbeitsweise der Väter ist, die als christliche Denker traditionsgebunden sind und deren geistige Anstrengungen auf die Vertiefung und Auslegung dessen ausgerichtet sind, was ihre Vorgänger erarbeitet haben Daher stellt die Erklärung, nichts Eigenes zu sagen, nicht die Wiederholung eier alten Bescheidenheitsformel dar (Studer, 15), sondern ein unausweichliches Prinzip seiner Arbeitsweise.
Damaskenos fühlt sich in starkem Maße der Arbeitsweise verbunden, die sich von Anfang an auf den Boden der Tradition stützte, in deren Kette die Kirchenvater siich nacheinander anschlossen. Die bezeichnenden Worte »den heiligen Vätern folgend .. .«, mit denen gewöhnlich die dogmatischen Definitionen der ökumenischen Konzilien eingeleitet wurden (D 301; 600), sind aufschlußreich für die Arbeitsweise der Väter und der Konzilien, die sich der Vätertradition verpflichtet fühlten und an erster Stelle als Ausleger der Vorangegangenen ansahen. Dadurch erreichten sie den »consensus fidelium« durch die Jahrhunderte der kirchlichen Entwicklung hindurch, der das deutlichste Zeichen für die Richtigkeit der jeweils neu formulierten Glaubenswahrheiten ist. Dieses starke Traditionsbewußtsein der Väter hat an sich nichts mit einer unproduktiven sklavischen Denkweise zu tun, denn es kommt nicht darauf an, durch Zitate das Alter der Wahrheit und damit ihre Richtigkeit zu beweisen; Häretiker könnten genauso mit Erfolg operieren. Die Väter werden nicht so sehr als Zeugen des alten Glaubens »testes antiquitatis«, herangezogen, sondern als Zeugen des wahren Glaubens, »testes veritatis«. Als ein solcher Zeuge genießt Damaskenos ein hohes Ansehen, denn er gilt als Interpret der kirchlichen bzw. patristischen Tradition: »Wenn ich den Damaskener nenne«, meint der Metropolit Makarios von Ankyra, »habe ich alle Lehrer und Theologen zusammen genannt. Denn dieser ist Mund und Dolmetsch aller Theologen« (PG 94, 129).
Diese Eigenart der Vätertheologie, die Damaskenos in seinem Versuch, einen zusammenfassenden Überblick über die Glaubenslehre der sechs ersten ökumenischen Konzilien zu geben, exemplarisch repräsentiert, muß zugrunde gelegt werden, wenn man seine Leistung objektiv würdigen will. Denn vor allem darauf läßt sich die Divergenz in der Beurteilung des Damaskenos zurückführen, die eigentlich einer Bejahung oder Ablehnung einer bestimmten östlichen theologischen Arbeitsweise gleichkommt. Durch diese im Hinblick auf Damaskenos a priori bezogene Haltung gilt er für die einen als der Aquinate des Ostens und Vater der Scholastik überhaupt, während die anderen in ihm den unproduktiven Kompilator erblicken. So wird nach J. Karmiris (Thomas von Aquins Summa theologica I, 1/2 [griech.], Athen 1935-40, 30), »der heilige Johannes Damaskenos sehr zutreffend der heilige Thomas des Ostens genannt«. N. Matsoukas (30f.) hebt die Leistung des Damaskeners stärker hervor, wenn er nach einem Vergleich mit Thomas von Aquin nur äußerliche Gemeinsamkeiten feststellt und Damaskenos indirekt lobt, weil er den Fehltritt des Aquinaten nicht begangen habe, der »die Grenzen des Gleichgewichts zwischen Logos und Dogma« überschreite. Dagegen räumt B. Studer (133f.), der von einem unöstlichen Theologieverständnis ausgeht, Damaskenos keinen hervorragenden Plats in der Entwicklung der Theologie ein. Ähnlich urteilt G. Richter, der im Anschluß an Studer seine Arbeit mit der Feststellung abschließt, daß die Bedeutung Damaskenos' »weniger in der Dogmatik- und nun ist hinzuzufügen: erst recht nicht in der Philosophie und ihrer Grundlegung für die Dogmatik - zu suchen ist, sondern daß sie auf dem Gebiet der Hagiographie liegt« (Richter, 1964, 280). Sein Urteil fällt allerdings nicht immer so hart aus. So spricht er in seiner Einleitung (ebd. 4) unter Hinweis auf Karmiris von der Bedeutung des Damaskeners für eine Darstellung der orthodoxen Dogmatik in einer systematischen Form nach westlichem Muster und bemerkt an anderer Stelle (21 ): »Was er [Damaskenos] in der Dialektik und anderswo schreibt, ist diese Philosophie [der Väter] im 8. Jh. selbst.« Mehr noch ist es die Antwort der Theologie auf die geistigen und theologischen Fragen der Zeit. Zweifellos bilden seine dogmatischen und philosophischen Schriften den Kern seines literarischen Schaffens, doch sein Gesamtwerk- und dazu gehören auch seine exegetischen, apologetischen, moralischen, hagiographischen Schriften und liturgischen Dichtungen - zeigt, daß wir mit einem Diener der Kirche zu tun haben, der das liturgische Leben (vgl. seine Hymnen) und die geistig-geistlichen Probleme der Zeit miteinander verband.
Das bedeutende griechische Mar-Saba-Kloster in Palästina bildete für ihn nicht einen Ort der Abgeschiedenheit und Weltflucht, sondern Stärkungsstätte für die Auseinandersemung mit den Fragen der Zeit aus der Mitte der Kirche und ihrer Tradition heraus. Dies zeigt deutlich sein Einsatz für die Bilderverehrung, den die Bildersturmer verächtlich erwähnen (Synode von Hieria [754]; Mansi XIII, I 356 CD), während das 7. Ökumenische Konzil ihn deswegen einen Verteidiger der Wahrheit nennt (ebd. 357B; 400 CD).
Darin liegt schließlich der Grund dafür, daß orthodoxe Theologen eine Arbeitsweise preisen, die unter Verzicht auf Spekulation sich in vorgeschriebenen Bahnen bewegt, um eine sichere Vermittlung der geoffenbarten Wahrheiten zu erreichen, und die schon lange vor Damaskenos allgemein gültig war. Sie muß gewiß nicht unbedingt und a priori geistige Schwäche oder Dekadenz bedeuten doch sie birgt in sich die Gefahr des Formalismus und Traditionalismus, die zu einer Erstarrung des geistigen und kirchlichen Lebens überhaupt führen können. Weder sehen die Osttheologen, die Damaskenos überschwenglich loben und bewundern, die Nachteile einer vielfach in Väter-Zitaten Sicherheit suchenden Theologie, noch würdigen die westlichen Theologen, die in ihrer Mehrzahl den Verzicht auf Eigenes abschätzig beurteilen, die Leistung Damaskenos' im Rahmen dieser Tradition, die für die Osttheologie charakteristisch ist.
Doch Traditionsbewußtsein und produktives Denken schließen sich nicht gegenseitig aus, denn die großen griechischen Väter, die sich in ihrer theologischen Spekulation zweifellos auf den Boden der Tradition stützten, entwickelten eine bewundernswerte geistige Freiheit. Mit überzeugender Souveränität übernahmen sie das Erbe der griechischen Gesamttradition als Grundlage der christlichen Spekulation und überwanden zugleich die theologischen Gefahren, die dem griechischen Denken innewohnten und zum Teil in den christlichen Häresien zum vollen Ausdruck gekommen waren. Diese gewaltige Leistung wird zwar ausnahmslos von allen gewürdigt, doch die ihr zugrunde liegende geistige Haltung, ohne die sie nicht zu denken wäre, von den überschwenglichen Befürwortern der Damaskenischen Arbeitsweise völlig ignoriert.
Gerade diese Voraussetzung tritt später in den Hintergrund bei denen, die auf die Leistung der großen Väter mit Ehrfurcht blicken und sie zu unantastbaren Autoritäten erklärten. Kyrillos von Alexandrien (gest. 444) und Theodoretos von Kyrrhos (gest. um 466) sind die letzten großen griechischen Kirchenväter und Ausläufer der zwei dominierenden Richtungen im Ausbau eines theologischen Systems, der alexandrinischen und antiochenischen Theologenschulen. In der nachfolgenden Zeit gelten neben den Kappadokiern Basileios dem Großen, seinem jüngeren Bruder Gregorios von Nyssa und seinem Freund, dem Theologen Gregorios von Nazianz, die als Hüter der Orthodoxie gefeierten Athanasios und Kyrillos von Alexandrien sowie der größte Prediger der griechischen Kirche, Johannes Chrysostomos, als die Autoritäten, aus denen man schöpft und auf die man sich bei den theologischen Auseinandersetzungen beruft.
Bereits bei Kyrillos von Alexandrien beginnt das Rückblicken auf das Erbe der Vergangenheit der »königliche Weg« der griechischen Theologie zu werden, die eine Absicherung der Orthodoxie durch eine »Papageientheologie« erhoffte. Die literarische Tätigkeit der späteren Kirchenväter besteht hauptsächlich in der Erhaltung des überlieferten Gedankengutes, das sie als einen kostbaren und ehrwürdigen Schatz aufzubewahren versuchen. Sie meiden die Beschäftigung mit neuen Problemen, statt dessen bearbeiten sie die schon aufgeworfenen und suchen die Antwort auf neu entstehende Fragen in der Vergangenheit. Denn es herrschte die Ansicht, daß die Väter nichts Notwendiges ausgelassen oder übersehen hätten.
Zu einer Zeit, in der im Westen eine schöpferische und dynamische Theologie, die ihren Anfang den Griechen verdankte, mlt Augustin an der Spitze entstand, fühlten sich die Griechen nach einem in der Tat' fundamentalen Beitrag zur Formulierung und Gestaltung des christlichen Glaubens bereits am Ziel, das es nun nicht mehr aus den Augen zu verlieren galt. Für sie brach die Epoche des Traditionalismus an, der sich von der Traditionsverbundenheit und -verpflichtung der großen Väter dadurch unterscheidet, daß die Theologie fast ausschließlich von den Vätern der Vergangenheit lebt, die sie übermäßig bewundert und in mannigfacher Weise immer wieder zu Wort kommen läßt und dies als den besten Dienst an der Orthodoxie sieht. Zeuge dieser Tendenz sind die Florilegien, d. h. Sammlungen von Zitaten, die nach Bedarf zusammengestellt oder als Beweismittel Abhandlungen beigegeben wurden. In diesem Sinne versteht Damaskenos die Väterzeugnisse, die er seinen Schriften beilegt: Imag. I, 28-65; II, 24-68; III, 43-116; Jacob. 89-129; Trisag. 7,34-25,31. Ieiun. PG 95,64.
Das hat aber an sich nichts mit einer Selbstzufriedenheit zu tun, sondern mit einem kirchlichen Pflichtbewußtsein, das infolge politischer, kultureller, soziologischer und religiöser Umstände zu einer Sakralisierung der kirchlichen Tradition führte.
In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts, in der Damaskenos wirkte, wurde die Ostkirche durch tiefgreifende Ereignisse erschüttert. Politische Umwälzungen, geistige und soziale Krisen haben ihre Spuren auch in der Kirche und Theologie der Zeit hinterlassen. So haben z. B. die kriegerischen Angriffe auf Byzanz nicht nur das Reich geschwächt und in Unruhe versetzt, sondern auch orientalische Einflüsse mit sich gebracht, die auch in den dogmatischen Auseinandersetzungen unverkennbar sind, wie der Ikonoklasmus exemplarisch dokumentiert. Der Kampf um die Ikonen, deren Verehrung Damaskenos standhaft verteidigte, stellt auch einen komplexen kulturellen, soziologischen und machtpolitischen Vorgang dar, der daher nicht nur mit theologischen Argumenten ausgetragen wurde.
Doch die Hintergründe für die Entwicklung einer Theologie, die zunehmend in Väterautoritäten flüchtete, liegen in der Kirche selbst. Die Angst der Kirche vor der Häresie, mit der sie in ständigem und zeitweise existentiellem Kampf stand, führte zum Traditionalismus, der mit der Zeit ein ebenso großes Übel wie eine seiner Ursachen, eben die Häresie, wurde. Die Systematisierung des immer größer und komplizierter werdenden literarischen Erbes wurde als die beste Abschirmung gegen die Häresie und damit als die einzige Aufgabe der Nachkommen gesehen. So entstand eine im wesentlichen von Autoritäten der Vergangenheit lebende Theologie. Der Traditionalismus gewann allmählich so sehr an Boden, daß später niemand den Mut hatte, etwas Neues zu sagen, auch wenn er die Fähigkeit dazu besaß. Der Eifer- vor allem der Mönche - für die Orthodoxie, der selbst auf das Volk übertragen wurde und mit Unwissenheit und Angst vor dem Neuen verbunden war, hat dann den Ausschlag gegeben, daß eine gegen diese sakralisierte Tradition gerichtete Entwicklung unmöglich wurde.
Dieser Konservierungsprozeß, der zur Zeit des Damaskeners ein schon längst gefestigtes System darstellte, wurde auch von einer anderen Seite, dem Staat vorangetrieben, der in der Stärkung des Traditionalismus eine bedeutende Rolle spielte. Die Spalterei der Häresie hatte in Byzanz nicht nur auf die Kirche, sondern auch auf den Staat ihre negativen Auswirkungen gehabt, so daß die dogmatische Einheit auch aus politischen Gründen erstrebt wurde. So erfolgte der erste politische Schritt zur Bildung des Traditionalismus durch den Kaiser Theodosios I. (379-395), der die Orthodoxie mit allen Kräften förderte. Kennzeichnend dafür sind zwei Edikte: das vom 28. Februar 380, das alle Völker des Reiches zum rechten Glauben anhielt, wie ihn der Apostel Petrus den Römern überliefert habe und jetzt die Bischöfe Damasus von Rom und Petrus von Alexandrien bewahrten (Cod. Theod. XVI, 1, 2), und das vom 30.Juli 381, in dem Theodosios eine Reihe von Bischöfen nannte, die als Norm des rechten Glaubens gelten und an denen die übrigen sich orientieren sollten (ebd. 3).
Progressive Theologie und jede dazu führende Autoritat waren verdächtig und unerwünscht. Die Besiegelung dieses Zustandes erfolgte durch den neunzehnten Kanon der Konstantinopeler Synode von 692, der bestimmte, die Grenzsteme der Tradition nicht zu übertreten, sondern die Schriften der orthodoxen Väter als Quelle für die sichere Interpretation der Lehre der Kirche und darüber hinaus fur die Antwort auf entstehende Fragen zu benutzen und auf die eigene Spekulation zu verzichten (Mansi XI; 952 C f.). Wie ein roter Faden geht durch alle Schriften des Damaskeners die alttestamentliche Devise: »Verschieb nicht die alte Grenze, die deine Väter gesetzt haben« (Spr. 22,28; vgl. Expos. 1,27; Imag. I, 22,13f.; II, 12,43-47; III, 41,3-13; Jacob. 28,4f.).
In diesem Zusammenhang erscheint auch das gewaltsame Vorgehen gegen die heidnische Philosophie als verhängnisvoll, denn damit wurde eine wichtige geistige Kraftquelle ausgeschaltet; ungeachtet dessen, daß gewiß nicht Justinianos I., der 529 die Vorlesungen in Philosophie und Recht in Athen verbot, den entscheidenden Schlag gegen die Philosophie geführt hat. Schon zu einer Zeit, in der die Väter mit Hilfe der griechischen Philosophie erstaunliche geistige Leistungen vollbrachten, wurde bei den Philosophen ein immer stärker werdender Verzicht auf selbständiges Denken verzeichnet. Die reproduzierende Literaturform, die Florilegien, kamen wie bei den Kirchenvätern auch bei den heidnischen Philosophen immer mehr zur Geltung. Sie boten nicht etwas Neues an, sondern machten nur das überlieferte Gedankengut leichter zugänglich, wobei der unmittelbare Kontakt zu den Schriften der großen Philosophen allmählich verloren ging.
Diese Philosophie konnte gewiß der Theologie kaum neue Impulse vermitteln, doch durch den Gewaltakt des Kaisers, der jedem »Hellenen« die Lehrtätigkeit verbot (Cod. Just. I, 11,10,2), schwand die Möglichkeit des freien Philosophierens und Spekulierens dahin. Es mutet wehmütig an, daß daraufhin der letzte Scholarch der Platonischen Akademie, Damaskios, und sechs andere athenische Philosophen veranlaßt wurden, Byzanz zu verlassen, um für einige Zeit am Hof des neuen persischen Großkönigs Zuflucht zu suchen.
Das bedeutet für die Philosophie das Ende ihres selbständigen Daseins, denn sie konnte nur im christlichen Gewand fortleben. Sie wurde mehr und mehr von der christlichen Spekulation absorbiert, in der sie einen neuen Sinngehalt erhielt. Die profane Philosophie, die seit Herakleitos als die Wissenschaft gilt, die sich mit Denkgesetzen und Grundfragen der Welt und des Lebens befaßt und als Ziel die Wahrheitsfindung hat, erhielt bei den Vätern auch einen neuen Sinn, indem sie die Wahrheit als gegeben nahmen. Es galt nun, sich zu ihr zu erheben, um ihrer teilhaftig zu werden. Damaskenos dokumentiert exemplarisch diese Entwicklung, indem er sich in seinen »Philosophischen Kapiteln« vorwiegend an die klassische Philosophiedefinition hält, während er in den theologischen Schriften im allgemeinen das neue Philosophieverständnis gelten läßt. Dieser Wandel bedeutet prinzipiell nicht unbedingt eine Abwertung des klassischen Philosophiebegriffes, wie man gewöhnlich diese Entwicklung versteht; das Abträgliche in dieser Geisteshaltung besteht nur in der vernichtenden Gefahr für das geistige Leben, wenn alles durch administrative Maßnahmen auf eine Bahn gelenkt oder gezwungen wird.
Gerade die östliche Theologie im engeren Sinn (Lehre von Gott) und die Mystik fanden in der Philosophie bzw. im Platonismus und Neuplatonismus ausgezeichnete Wegbereiter des meditativen und mystischen Durchdringens des übersinnlichen Göttlichen, das, wie bereits Platon formulierte, undefinierbar ist: »Es gibt keinen Namen für es [das Einsseiende], keine Erklärung, noch auch irgendeine Erkenntnis, Wahrnehmung oder Vorstellung ... Es wird also nicht benannt, nicht erklärt, nicht vorgestellt, nicht erkannt, noch auch etwas, was es an sich hätte, wahrgenommen« (Platon, Parm. 142a). In auffällig ähnlicher Weise, jedoch ohne völlige inhaltliche Übereinstimmung, bemerkt Damaskenos, indem er auf eine inzwischen zum Topos entwickelte Auffassung der Väter zurückblickt: »Das Göttliche ist unendlich und unfaßlich, und das einzige, was in ihm faßlich ist, ist seine Unendlichkeit und Unfaßlichkeit« (Expos. 4,32f.). Die apophatische Theologie, die für die griechischen Väter und die Osttheologie überhaupt charakteristisch ist, schloß formal an die philosophische Erkenntnisproblematik des Platonismus an, auch dann, wenn die Philosophie, d. h. die reine Apodeixis des Artistoteles, zurückgewiesen wurde.
Auf dem Wege des Neuplatonismus fand jedoch später bei den griechischen Vätern auch Aristoteles Eingang, vor allem als es darum ging, die trinitarischen und christologischen Glaubensinhalte, worin die Terminologie vorwiegend aristotelisch war, systematisch darzulegen. Die aristotelischen Gesetze des diskursiven Denkens bildeten sodann die Grundlage bei der Abgrenzung gegen die Begriffsverwirrung der Häretiker. So blieb zwar der Neuplatonismus die herrschende und in Form und Inhalt dominierende Philosophie der griechischen Väter, doch zu Beginn des 6. Jahrhunderts drang durch Leontios von Byzanz und später Maximos Homologetes das aristotelische Denksystem definitiv ein.
Im Fluß dieser theologisch-philosophischen Entwicklung kommt dann bei dem systematisierenden Versuch des Johannes Damaskenos, die orthodoxe Glaubenslehre zusammenzufassen und von den Häresien abzugrenzen, der Aristotelismus am deutlichsten zur Geltung, allerdings ohne eine Ablösung des Platonismus der früheren Kirchenväter, denen Damaskenos mit allen Kräften die Treue hält. Sein Hauptwerk, die »Darlegung des orthodoxen Glaubens«, geht zum größten Teil auf neuplatonisierende Väter zurück, die er themenweise benutzt. In der Gotteslehre liefern das Material merkwürdigerweise vor allem zwei Autoren, deren Werke unter der Fahne früherer Autoritäten liefen, des letzten großen griechischen Kirchenvaters, des Kyrillos von Alexandrien (Trin. PG 77, 1120 A -1173 D), und des »Apostelschülers« Dionysios vom Areopag. Einen großen Einfluß haben auf das Werk des Damaskenos die Kappadokischen Kirchenväter des 4. Jahrhunderts, vor allem »der Theologe« Gregorios von Nazianz, ausgeübt, namentlich in der Trinitätstheologie, Christologie, Angelologie (neben Ps.-Dionysios), Sakramententheologie, und in der Kosmologie natürlich die Hexaemeros des Basileios. Die Anthropologie geht zum größten Teil auf den Bischof von Emesa, Nemesios, zurück, der die erste christlichphilosophische Anthropologie verfaßt hat. Drei weiteren großen Theologen ist Damaskenos stark verpflichtet, Athanasios von Alexandrien in der Trinitätstheologie sowie Kyrillos von Alexandrien in der Christologie und Trinitätstheologie und schließlich Maximos Homologetes in der Christologie. Am stärksten jedoch sind Bibelzitate vertreten, durch die die der griechischen Philosophie entnommene Terminologie der Väter und Konzilien ein biblisches Fundament erhält. So erweist sich die Damaskenische Vätertheologie nicht, wie so oft der Vorwurf gegen die Kirchenväter lautet, als eine griechische, sondern als eine biblische Theologie.
Auch in dieser Hinsicht ist Damaskenos ein exemplarischer Zeuge der Patristik, in der gewiß nicht eine Hellenisierung des Evangeliums erfolgte, sondern eine Verchristlichung der griechischen Philosophie. In seinen Vorlagen fand allerdings Damaskenos die griechische Philosophie christianisiert eingebaut vor.
Daher kann man ihn nicht zum Schüler der Kappadokier und des Aristoteles erklären (Chevalie, 10) oder von einer »Verchristlichung« der heidnischen Philosophie durch Damaskenos sprechen (J. Gräf, Psychologie des hl. Johannes von Damaskus. Diss. phil. [Maschinenschr.] Köln 1923, 2), der am Ende einer langen Überlieferung stehe, verschiedene Gedankenbildungen überblickte und in seinem Bemühen, sie zu ordnen, die Aristotelische Dialektik heranziehe (E. Hammerschmidt, Einige philosophisch-theologische Grundbegriffe, in: Ostkirchl. Studien 4 [1955], 148f.). Die »Philosophischen Kapitel«, worin man an erster Stelle den Aristoteliker Damaskenos erblickt, der »in klarer, einfacher und methodischer Weise alles dies aus der aristotelischen Philosophie darlegt, was sich auf die Substanz, das Akzidenz, die Definition, die Unterteilung, das Genus und die Spezies bezieht« (Matsoukas, 267), dürften endlich nach ihrer eingehenden quellenkritischen Untersuchung durch G. Richter nicht weiterhin durch einen oberflächlichen Vergleich mit den Kategorien des Aristoteles als Beleg für den »Aristotelismus« des Damaskeners angeführt werden. Dessen ungeachtet bleibt die Tradition einer bestimmten theologischen Schule von Damaskenos-Enkomiasten ungebrochen, die eine überschwengliche Einschätzung der philosophischen und theologischen Bedeutung des Damaskeners liefern.
Zudem ist es nicht so, daß Damaskenos die Dialektik als das aristotelische Organon benutzt, mit dem er die orthodoxe Theologie von der Häresie abgrenzt und systematisch darlegt (E. v. Ivanka, Plato Christianus, Einsiedeln 1964,476), oder als eine »Einführung in die Darlegung der Wahrheiten des orthodoxen Glaubens« (P. Christou, Johannes Damaskenos [griech.], in: Threskeutike kai ethike enkyklopaideia,1222f.), sondern sie bildet bei ihm ein Vorfeld, in dem er einige in der Theologie und Philosophie angewandte Begriffe, über die Verwirrung herrschte, für sich erörtert, ohne Konsequenz und Vollständigkeit im Hinblick auf die theologische Anwendung. Er entwirft kein philosophisch-dogmatisches Handbuch, sondern er trägt alles Wissenswerte seiner Zeit zusammen, zu dem auch das intellektuelle Wissen gehörte (vgl. Dial. 1,2f.). Diese Einschätzung läßt sich auch aus dem Brief Damaskenos' an seinen Adoptivbruder Kosmas, der Bischof von Majuma war, bzw. der Vorrede zu seinen »Philosophischen Kapiteln« ersehen, wenn er in klarer und schlichter Weise die Struktur seiner Trilogie »Quelle des Wissens« darlegt: »Zuerst werde ich darlegen, was an Wissen bei den Griechen das Beste ist . .. Ich werde mir die Biene zum Vorbild nehmen und zusammentragen, was zur Wahrheit gehört ... Danach werde ich das Geschwätz der gottverhaßten Häresien durchschauen, damit durch die Erkenntnis der Lüge mehr zur Wahrheit gelangen. Schließlich werde ich . . . die Wahrheit darlegen, die den Irrtum zerstört und die Lüge vertreibt« (Dial. Prooem. 43-57). Dieses Vorgehen war vor allem durch die aristotelisierenden Häretiker bestimmt, denen man mit den gleichen Waffen begegnen mußte, ohne Aristoteles wie einem dreizehnten Apostel zu folgen (vgl. Jacob. 10,13). Daß dabei logischerweise der Aristotelismus Bestandteil orthodoxer Theologie wurde, wenn auch nicht, wie J. H. Waszink meint, »von hervorragender Bedeutung« (Aristoteles, in: Reallexikon für Antike und Christentum 1 [1950], 664), ist ein Tatbestand, den man nicht auf Grund von Unzulänglichkeiten des Damaskenischen Systems leugnen darf.
Gewiß kam Damaskenos in der Anwendung der aristotelischen Dialektik kaum über seine Vorlagen hinaus, die zu einem großen Teil aus einer Zeit stammen, in der die Theologie durch ihre Anlehnung an den Neuplatonismus und Ablehnung des Aristoteles gekennzeichnet ist. Insofern, d. h. vom Inhalt der Schriften her, ist es unmöglich, Damaskenos, der zudem sich selbst als Biene bezeichnet, die nur den Honig sammelt (Dial. Prooem.49), oder als Geldwechsler, der nur echte Münzen annimmt (Expos. 90, 41), einem philosophischen System unterzuordnen, denn die Philosophie hat eine Dienstfunktion in seinem theologischen Werk (vgl. Dial. 1,57), in dem er verschiedenartiges Material, das auch in seiner philosophischen Prägung uneinheitlich ist, zusammenfaßt.
Wie sollte er auch die neuplatonisierenden Väter ohne ihren neuplatonischen Hintergrund sprechen lassen, d.h. die aristotelische Dialektik als Grundlage bei der Darlegung der dogmatischen Lehre benutzen, ohne die theologische Tradition zu brechen? Und dennoch durchbrach er die Tradition, ohne seine Devise, nichts Eigenes zu sagen, aufzugeben, indem er den Aristotelismus, der vor allem in der Trinitätstheologie und in der Christologie Eingang fand, nicht nur bei der Behandlung der entsprechenden theologischen Fragen übernahm, sondern als System in die Theologie einführte, wie es die »Philosophischen Kapitel« und die »Elementare Einführung« bereits durch ihre Existenz dokumentieren.
Insofern kann Damaskenos zweifellos als Vorläufer der Scholastik gelten, nicht jedoch, wie es exemplarisch für seine Bewunderer A. Tsirpanlis sieht: »Durch die Verbindung des Aristoteles mit dem christlichen Glauben hat der hl. Damaskenos der scholastischen Philosophie des Westens die fundamentalen Begriffe der Logik und Ontologie des großen Philosophen der Antike wie auch wichtige Elemente seiner Psychologie und Ethik bekannt gemacht« (Der Beitrag des Johannes Damaskenos zur Philosophie der Theologie [griech.], in: Aktines 21 [1958], 443). Der Einfluß des Damaskenos auf die Scholastik wird gewöhnlich in der älteren Literatur überschätzt (vgl. z. B. die Dogmengeschichten von B.J. Bach und A. Harnack), der sich allerdings auch noch die meisten jüngeren orthodoxen Theologen anschließen.
Die Scholastik, die durch die lateinischen Übersetzungen Zugang zu Damaskenos fand, wurde zwar in ihrer philosophisch-theologischen systematisierenden Tendenz ermuntert, doch ihr Weg zu Aristoteles und den griechischen Kirchenvätern ging gewiß nicht über Damaskenos, dessen Bedeutung mehr darin zu sehen ist, daß er, der von der Trennung zwischen Byzanz und Rom lebte, mit seiner in der Scholastik unbestrittenen Autorität eine formale Brücke zwischen Ost- und Westtheologie bildet. Allerdings nicht nur die Scholastik betrachtet ihn als einen authentischen Vertreter der griechischen Patristik, sondern auch die moderne katholische und evangelische Theologie, die sich auf ihn berufen, wenn es darum geht, die Lehrkontinuität mit der alten Kirche aufzuzeigen.
Das gilt besonders für die Trinitätstheologie und Christologie, die die Eckpfeiler des dogmatischen Gebäudes des Damaskenos bilden, worauf er seine Soteriologie und vor allem Anthropologie aufbaut. Es ist bemerkenswert, daß Damaskenos in der Anthropologie der mittelalterlichen Denker des Westens als eine Hauptautorität galt, obschon die anthropologische Denkstruktur des griechischen Ostens mehr johanneisch, die des lateinischen Westens mehr paulinisch ausgeprägt ist. Diese Divergenz kommt bei der Einbeziehung des Damaskeners durch die Scholastik nicht zum Ausdruck, in der er als einer ihrer geistigen Vorläufer erscheint. Allerdings darf er nicht in seiner theologischen Betrachtungsweise als Schlolastiker gelten, denn seine literarische Hinterlassenschaft bestätigt nicht diesen durch die Scholastik vermittelten Eindruck. Deshalb konnte auch Gregorios Palamas (gest.1359) sich bei der Auseinandersetzung mit der scholastischen Theologie auf Damaskenos stützen, der in der Auseinandersetzung mit der römisch-katholischen Kirche und Theologie, aber auch in der innerbyzantinischen theologischen Auseinandersetzung als Garant der Orthodoxie galt.
Doch nicht nur wegen des aus der gottbezogenen anthropologischen Betrachtungsweise resultierenden Charakters der Terminologie darf die Anthropologie des Damaskeners, der auch hier in der Vätertradition steht, nicht isoliert betrachtet werden, sondern auch wegen der Verquickung der Anthropologie mit der Theologie überhaupt. Die anthropologischen Begriffe sind vielfach in theologischen und vor allem christologischen Auseinandersetzungen geprägt, so daß man sich nicht nur, wenn ein unmittelbarer Bezug zur Christologie oder Theologie vorliegt, die parallele Problematik vergegenwärtigen muß, sondern auch dann, wenn nur vom Menschen die Rede ist. Andererseits muß anthropologisches Material auch dort gesucht werden, wo man es vielleicht nicht vermutet, denn wenn Damaskenos z. B. von den beiden Willen Christi spricht, greift er immer wieder auf den Menschen zurück, zumal er in seiner Anthropologie die, christologische Problematik bzw. die Anwendung der Begriffe auf die Person Christi vor Augen hatte.
Dabei stößt man auf eine besondere Schwierigkeit, die durch die Verschiedenheit der von Damaskenos benutzten Schriften auftritt und die auch er selbst in seiner Arbeit erfahren haben muß, als er aus dem Dickicht der theologischen Überlieferung mit Geschick »die weit auseinanderliegenden und durchaus nicht immer homogenen Bausteine, die er zusammentrug, zu einem geschlossenen System ineinanderzufügen verstand« (Hoeck, 56). Allerdings muß man hier die Legende zerstören, nach der Damaskenos als Kenner der Gesamtpatristik eine direkte Auswahl aus den Schriften der Väter vornimmt.
Doch gemessen an den Idealen und Bedürfnissen seiner Zeit, in der nur eine bescheidene Zahl von Schriftstellern hervortrat- von Bedeutung sind außer Damaskenos nur noch Anastasios Sinaites (gest. kurz nach 700), Germanos von Konstantinopel (gest. 733), Andreas von Kreta (gest. 740) und der Adoptivbruder des Damaskeners, Kosmas der Melode-, ist diese Leistung, die allerdings von Hoeck etwas zu hoch eingeschätzt wird, nicht weniger wertvoll als anderswo die Originalität, die man überdies Damaskenos nicht ganz absprechen darf, denn sein Hauptwerk, die »Quelle des Wissens«, stellt als Ganzes einen Versuch dar, für den er kein Vorbild hatte und der im Osten nicht mehr wiederholt worden ist. (aus. Kallis, Anastasios; in: Greschat, Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. Alte Kirche II, S. 289 ff; BKV Band 44, OrtKiVä16/61; HDThG Bd. 1, S. 318-325).
vgl. Kallis, Anastasios; in: Greschat, Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. Alte kirche II, S. 289 ff; BKV Band 44, OrtKiVä16/61; HDThG Bd. 1, S. 318-325).
Johannes von Ephesus:
Verfasser einer Kirchengeschichte Norwich I 321 u. 498 Anm.3
Johannes Hexabulios:
Logothet des Dromos unter Kaiser Leon V. des Armeniers (813-820)
Johannes Grammatikos:
der führende Geist der neuen ikonoklastischen Bewegung unter Kaiser Leon V. des Armeniers (813-820); bereits mit 30 Jahren Abt des Sergios- und Bacchos-Kloster in Konstantinopel. Er hieß mit richtigem Namen Johannes Morocharzamios; und war armenischer Abstammung. (Norwich II 37); von 837-843 als Johannes VII. Grammatikos Patriarch von Konstantinopel (Seibt/Zarnitz, S. 181).
Johannes Italos:
war Schüler des *Michael Psellos und dessen Nachfolger als Ûpatoj (Konsul) der Philosophen in Konstantinopel, der sich als Lehrer der Philosophie in Konstantinopel im Kloster »Phg»« etabliert hatte und ein Vertrauter der Kaiserfamilie Dukas war. Im Januar 1082 stand er unter der Anklage, häretische Lehren vertreten und verbreitet zu haben, vor einer Synode unter dem Vorsitz des Patriarchen Kosmas. Er war mit dem Sebastokrator Isaak, dem Bruder und Stellvertreter des neuen Kaisers Alexios I. Komnenos (1081-1118), in theologische Diskussionen geraten und von diesem der Synode überwiesen worden (vgl. Anna Komnena: Alexias V 9). In einem monatelangen, zeitweise auch den Patriarchen selbst gefährdenden Prozeß wurde er auf Betreiben des Kaisers, der ihn verurteilt wissen wollte, in elf Punkten der Irrlehre für schuldig befunden und, da er nicht abschwören wollte, verurteilt. Danach fand sich Johannes doch bereit nachzugeben, wie Anna Komnena berichtet: »Er leugnete hinfort die Seelenwanderung, er beschimpfte nicht mehr die verehrungswürdigen Bilder der Heiligen, und er bemühte sich, die Lehre von den Ideen in orthodoxer Art zu interpretieren." Alexias V, 8). Sein Name verschwand damit aus der Liste der Häresiarchen, seine Lehren, wie das Konzil sie in den ersten zehn Punkten zusammengefaßt hatte, blieben hingegen verurteilt. Nur Anna Komnene weiß von weiteren Äußerungen des Italos; als "Hypatos" der Philosophen war er abgesetzt und verschwindet aus unsetem Blickfeld.
Der Prozeß könnte außer Betracht bleiben, wären die zehn ersten Verurteilungen nicht in das Synodikon aufgenommen worden, das damit aktualisiert wurde; damit wurde für alle Zukunft festgehalten, daß die Autorität einer Synode das Verhältnis der Philosophie, und das heißt in mittelbyzantinischer Zeit stets: der antiken, griechischen Philosophie, zur Theologie festgelegt und der Philosophie eine unüberschreitbare Grenze gesetzt hatte.
Johannes Italos war ein eklektischer Philosoph. Seine Abhandlungen über die Dialektik, über die Syllogismen und die Rhetorik sind nur kurze Auszüge aus den entsprechenden Werken des Aristoteles, wie sein Kommentar zu den Büchern II-IV der Topik des Stagiriten von Alexander von Aphrodisias abhängt. In den "Ekdoseis" sind ausführliche Zitate aus oder enge Anklänge an Ammonios, Proklos, Gajus, den Rhetor Hermogenes und seinen Lehrer Michael Psellos festzustellen. In seinem Unterricht spielte der Kommentar des Porphyrios zusammen mit dem des Ammonios und dem des Olympiodoros eine zentrale Rolle, daneben die Werke der Neuplatoniker Jamblichos und Proklos. Das alles ist im 11. Jahrhundert nichts Auffälliges, es entspricht der byzantinischen Weise Philosophie zu betreiben.
Die Anathematismen zielen ieL auf die absolute Verdammung der griechischen Philosophie. Damit wird die Grundstimmung der mönchischen Richtung in der byzantinischen Theologie spürbar, wie sie z.B. *Niketas Stethatos in der Nachfolge seines Meisters Symeon vertreten hat, nämlich die Verneinung und Verachtung des auf weltlichen, rationalen, auf philosophischer Erkenntnis statt auf göttlicher Offenbarung beruhenden Versuchs, die Welt und die Geheimnisse der christlichen Glaubenslehre zu deuten (nach HDThG I 335-339). Er und seine Schüler hatten damit die Grenze überschritten, die seit Basileios dem Großen gezogen war: sie haben die Philosophie als eine selbständige Möglichkeit benutzt, die Welt zu verstehen und zu erklären, ohne auf die kirchlichen Lehre Rücksicht zu nehmen.
Gegen Ende der ersten Blütezeit der Renaissance griechischen Denkens im byzantinischen Geistesleben, die mit der sammelnden Tätigkeit hoher kirchlicher Würdenträger wie des Patriarchen Photios von Konstantinopel oder des Metropoliten Arethas von Kaisareia (gest. um 944) begann, und die im 11.Jahrhundert durch Namen wie Johannes Xiphilinos (als Johannes VIII. 1064 bis 1075 Patriarch von Konstantinopel; s. BECK 556 f.) und Michael Psellos gekennzeichnet ist, werden so in der Gestalt des Johannes Italos und seiner Schüler mit scharfer Deutlichkeit die Grenzen ihrer Erlaubtheit deutlich gemacht, ein Versuch der Eindämmung dessen, was jene Gelehrten angeregt, gepflanzt und gelehrt hatten: Wo das Philosophieren an die Schranken der kirchlichen Lehre, der Orthodoxie stößt, verläßt sie den ihr gewährten Freiraum. Die atsolute Überordnung der unantastbaren Kirchenlehre, auf Schrift und Tradition, auf Gotteswort und Konzilsentscheidungen beruhend, wird durch das Urteil gegen Johannes Italos und seine Gesinnungsgenossen betont und autoritativ festgestellt. (A. A. VASILIEV hat sich angesichts des Falles des Johannes Italos an dessen geistesverwandten Leidensgenossen Petrus Abaelard erinnert) (nach HDThG I 340).
Literatur:
- HDThG I 335 f
- Joannou, P.: Christliche Metaphysik in Byzanz. I. Die Illuminationslehre des Michael Psellos und Ioannes Italos, erwähnt in Byzantinische Zeitung 57. Jg. 1958, S. 167
Johannes II, Patriach von Konstantinopel (518-520):
vgl. Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 17
Johannes V. Palaiologos:
Kaiser 1341-1391, Sohn von Kaiser *Andronikos III. Palaiologos und der Anna von Savoyen; beim Tod seines Vaters 9 Jahre alt und durch wirksames Testament als Nachfolger bestimmt; Streit um die Regentschaft: Großdomestikos *Johannes Kantakouzenos gegen Anna von Savoyen, die vom Patriarchen Johannes Kalekas unterstützt wurde. Der Bürgerkrieg führte zur völligen Erschöpfung der Reichsressourcen und verursachte durch die Einbeziehung der Türken nie wieder gut zu machende außenpolitische Schäden (Beck, S. 218). In die Auseinandersetzung wurde der sog. *Hesychastenstreit einbezogen. Die Frage der Stellung zu Palamismus (vgl. auch *Gregorios Palamas) und Antipalamismus verknüpfte sich mit Fragen der Stellung zu den Palaiologen und ihrem Gegenspieler Johannes Kantakouzenos, und mit der Einstellung zu den sozialen Gegensätzen der Zeit (Zelotenaufstand in Thessaloniki 1342-1349, vgl. hierzu Papagiannopoulos, Istoria Thessalonikis, S. 112 f.). Der schwerreiche Großgrundbesitzer Kantakouzenos zog sich nach Thrakien zurück, sicherte sich die Unterstützung des grundbesitzenden Adels und ließ sich 1341 als Johannes VI. Kantakouzenos zum Kaiser (1341; 1347-1354) ausrufen. Auf dem langsamen Vormarsch nach Konstantinopel ließ er sich 1346 in Adrianopel zum Kaiser krönen. Gleichzeitig sammelte sich der Widerstand um die Palaiologen.
Johannes VI. Kantakouzenos:
Kaiser 1341; 1347-1354; beim Aufstand von 1320 war Johannes Kantakuzenos, damals führendes Mitglied der Militäraristokratie engster Berater von Kaiser Andronikos III. Palaiologos (1328-1341) (Norwich III 319); sein Vater war Statthalter der Morea gewesen, er selbst besaß bedeutenden Großgrundbesitz. Johannes VI. Kamtakuzenos sollte die politische Szene im Reich über weite Strecken des Jahrhunderts beherrschen: als graue Eminenz, Großdomestikos, aufständischer Rebell und Kaiser; er war der überragende Feldherr und Staatsmann seiner Zeit. Johannes Kantakuzenos schrieb eine umfangreiche, detaillierte Reichsgeschichte der Jahre zwischen 1320 und 1356.
Literatur:
- Hunger, H., „Thukidides bei Johannes Kantakuzenos. Beobachtungen zur Mimesis“, Jahrbuch der osterreichischen Byzantinstik 25 (1976), pp. 181-193 [On Thucydides description of the plague in Athens and its imitation by Cantacuzenus.]
- Nicol, Donal M., The Byzantine Family of Kantakuzenos (Cantacuzenus) ca, 1100-1460, (Washington DC.: Dumbarton Oaks Center for Byzantine Studies, Trustees for Harvard University, 1968) [DF601.K3N5] [Plague - No. 26, p. 129]
- Weiss, Gunter, Johannes Kantakuzenos, Aristokrat, Staatsman, Kaiser und Monach Gesellschaftentwicklung von Byzanz in 14. Jahrhundert, Schriften zur Geistgeschichte des Ostlichen Europe, Band 4, (Wiesbaden: 1969)
Johannes XIV. Kalekas:
Patriarch 1334-1347; stand im Streit um die Regentschaft über den 9jährigen Kaiser *Johannes V. Palaiologos (1341-1391) nach dem Tod von Kaiser *Andronikos III. Palaiologos (1341) auf seiten der Kaiserinmutter Anna von Savoyen gegen den Großdomestikos Johannes Kantakouzenos.
In der palamitischen Kontroverse (*Hesychastenstreit)
++++++
Palaiologen:
*Georgios Palaiologos, (um 1068), General und Sebastos
*Michael VIII. Palaiologos (Kaiser von Byzanz)
*Nikephoros Palaiologos (Statthalter in Mesopotamien unter Kaiser Michael VII. Dukas (1071-1078)
Petros Gnapheos (Fullo, der "Walker):
Patriarch von Antiochia; verbannt, 475 von Kaiser Basiliskos (während der Usurpation gg. Kaiser Zenon [474; 475-491]) zurückberufen; durch Kaiser Zenon 475 verbannt (Beck, Geschichte der orth. Kirche, S. 9); später in der Auseinandersetzung um das *Henotikon zurückberufen (Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 11).
Petros Mongos:
monophysitischer Patriarch von Alexandria im alexandrinischen Schisma (zwischen dem vom Kaiser eingesetzten Patriarchen und dem monophysitischen Patriarchen) seit 475 (Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 9); von Konstantinopel (Patriarch Akakios von Konstantinopel 472-488) ausgehender Versöhnungsversuch mit den Gegnern des Chalkedonense zur Überwindung des monophysitischen Schismas durch das *Henotikon 482 (führte zum *akakianischen Schisma) von 482, welches die christologischen Beschlüsse von Chalkedon für unverbindlich erklärt (Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 9; vgl. Ostrogorsky, 40; Alberigo, 126; Beck, Geschichte, 16); Petros Mongos unterzeichnete zwar das Henotikon, es gelang ihm jedoch nicht, die Extremisten seiner Partei zu überzeugen, die auf dem monophysitischen Anathem gegen das Chalkedonense beharrten (Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 10).
Phokaina, Sophia:
Gemahlin des Konstantinos *Skleros und Mutter der *Theophano Phokaina, der späteren deutschen Kaiserin, Gemahlin Otto II. und nach dessen Tod Regentin für den minderjährigen Otto III.
Phokas:
Familie +++++
s. auch: Leon Phokas (Mitte 10. Jh. Bruder des Kaiser Nikephoros II. Phokas und *Logothet des Dromos. [Seibt/Zarnitz, S. 75]); Kaiser Nikephoros II. Phokas (963-969)
Phokas, Kaiser (602-610):
Niedergang des byzantinischen Reichs; Jahre der Anarchie im Reich als letzter Ausklang des spätrömischen Staates; nach Einmarsch in Konstantinopel und Kaiserkrönung Ermordung des geflüchteten kranken Maurikios und seiner vier jüngeren Söhne in Nikomedia; Massenhinrichtungen und Terroregime vor allem gegen die Reichsaristokratie. Orthodoxe Kirchenpolitik mit blutiger Verfolgung von Monophysiten und Juden; 607 Aussöhnung mit Rom durch Anerkennung des päpstlichen Primats. Innenpolitisch Zunahme der Spannungen und Kämpfe zwischen Blauen und Grünen; politische Ausschaltung der Grünen und Beteiligung der Blauen am Terroregime des Kaisers führen zum Bürgerkrieg im Reich. Persischer Angriffe im Osten und Zusammenbruch der byzantinischen Verteidigung; 605 Eroberung der Festung und Diözese Dara sowie von Kaisereia (Kayseri); persische Vorstöße in Kleinasien bis Chalkedon und Ausbreitung der slawischen Flut auf dem Balkan führen Byzanz an den Rand des Untergangs. 610 Erhebung des Exarchen Herakleios von Karthago und Angriff an der nordafrikanisch-ägyptischen Flotte auf die griechischen Inseln und Konstantinopel; Herakleios als Befreier insb. von den Grünen gefeiert; 3.10.610 Einmarsch in Konstantinopel; Sturz und Hinrichtung des Kaisers Phokas.
Prokopia:
Tochter Kaiser *Nikephoros I. (802-811) und Gemahlin Kaiser *Michael I. Rangabe.
Psellos, Michael:
s. *Michael Psellos
Robert Guiscard:
um 1015-1085; (»Schlaukopf«), Sohn des normannischen Grafen Tancred de Hauteville; gründete nach der Vertreibung der Byzantiner aus ihren letzten italienischen Besitzungen das Normannenreich in Unteritalien und Sizilien; wurde 1059 Lehensmann des Papstes; Eroberung von Bari am 16. April 1071; besiegt den byzantinischen Kaiser Alexios I. Komnenos bei Durazzo; befreite 1084 Papst Gregor VII. aus der Engelsburg, ließ Rom plündern und in Brand setzen; nach seinem Tod 1085 bestand sein Normannenreich in Italien weiter; Kaiser Friedrich II. (Hohenstaufen) baute es zum ersten modern verwalteten Staat Europas aus.
Romanos II:
Kaiser von 959-963; Sohn des Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos ([912], 945-959); hübscher, liebenswürdiger, willensschwacher und leichtsinniger Jüngling, der das politische Unvermögen seines Vaters, nicht aber dessen wissenschaftliche Begabung geerbt hatte.
Zunächst auf Wunsch seines Vaters als 5jähriger mit der kleinen Prinzessin Bertha, einer illegitimen Tochter Hugos von der Provence verheiratet; durch den frühen der Tod der kleinrn Prinzessin wurde die für den Kaisersohn entehrende und nie vollzogene Verbindung der beiden Kinder gelöst. Plänen für eine Verheiratung mit Hedwig von Bayern, einer Tochter des deutschen Kaisers Otto widersetzte er sich 958 (Ostrogorsky, S. 236: vor 956; nach Norwich II, S. 220: 958) und heiratete Anastaso, die Tochter eines peloponnesischen Gastwirts, die mit als Kaiserin den Namen *Theophano annahm.
Romanos stand völlig im Bann seiner Gemahlin Theophano, die in der Geschichte des byzantinischen Reiches eine außergewöhnliche Rolle spielte. Die Regierungsgeschäfte überließ der Kaiser anderen.
Die Regierungs- und Hofbeamtenstellen wurden auf Veranlassung der Theophano weitgehend neu besetzt: Der ehemalige Parakoimomenos Basileios (unehelicher Sohn Kaiser Romanos I.) erhielt den Titel des Proedros, wodurch er den Vorsitz im Senat gewann und praktisch zur rechten Hand des Kaisers aufstieg. Der tüchtige Eunuch Joseph Bringas, der zuvor Drungarios (Oberfehlshaber der kaiserlichen Flotte) gewesen war wurde nun *Parakoimomenos (Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen). In den Chroniken wird Bringas als fähige aber undurchsichtige Figur charakterisiert: hochintelligent und scharfsinnig, ausgestattet mit einem enormen Maß an Energie und unermüdlichen Kräften, habgierig, eitel und grausam. Er hatte sich schon unter Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos (945-959) unentbehrlich gemacht. Mit Romanos Thronbesteigung wuchs seine Macht ins Unbegrenzte. Er war der Initiator des Feldzuges, der als sensationellste Leistung in der kurzen Regierungszeit Kasier Romanos II. in die Geschichte einging: der Rückeroberung der Insel Kreta nach fast eineinhalb Jahrhunderten. Vor allem aber zehrte der Kaiser aber vom Ruhm des Domestikos Nikephoros Phokas, der 960 mit einem großen Geschwader nach Kreta aufbrach ( vgl. Lampsidis, O.: Ein unbekannter Kunstgriff des Nikephoros Phokas bei der Landung auf Chandax (Kreta) (960), Byzantinische Zeitung 69. Jg. 1976, S. 9) und die Insel 961 rückeroberte. Anschließend nahm Phokas den Kampf gegen Sultan Saif-ad-Daulah in Asien mit größtem Erfolg auf, und eroberte weite Teile der alten Provinz Arabien/Syrien zurück (u.a. 962 Aleppo). (vgl. Ostrogorsky, S. 236 f; Norwich II, S. 221-229).
Romanos II. erhob seine Söhne *Basileios II. und *Konstantin VIII. bereits 960 bzw. 962 als Kleinkinder zu Mitkaisern.
Romanos II. starb überraschend am 15.3.963, nach den unglaubhaften Gerüchten angeblich von Theophano vergiftet.
Sergios, Patriarch von Konstantinopel (610-638):
stammte aus Syrien, aus monophysitischer Familie, hatte sich jedoch frühzeitig für die chalkedonische Orthodoxie entschieden. Schon kurz nach seinem Amtsantritt war es mit der Herrschaft des Kaisers *Phokas zu Ende und er konnte *Herakleios zum neuen Kaiser krönen. Später verpfändete er dem Kaiser den Gold- und Silberschmuck der Kirchen, um die Vorbereitungen für den großen Perserkrieg zu erleichtern, und als Herakleios für Jahre die Hauptstadt verließ, wurde neben dem Patrikios Bonos der Patriarch mit der Regentschaft betraut. Er verteidigte Konstantinopel in der berühmten Belagerung von 626 (s. *Akathistos-Hymnus und *Herakleios). Inzwischen hatte der Patriarch längst über eine neue kirchlich-dogmatische Unionsformel nachgedacht. Schon seit 616 fahndete er nach Väterzeugnissen für die Lehre von einer Wirkweise, bzw. einem einzigen Wirkvermögen (Energeia) in Christus, eine Formel, die seiner Ansicht nach die Brücke schlagen könnte zwischen der Einnaturen-Lehre des Kyrillos von Alexandreia und der Lehre von zwei Naturen und einer einzigen Hypostase des Chalcedonense. Theodoros, Bischof von Pharan, vertrat eine ähnliche Lehre, und auch beim Patriarchen Menas fanden sich entsprechende Stellen. Herakleios fand die Formel offenbar auch für seine politischen Ziele geeignet, und er machte bereits 623 in Theodosiupolis in Armenien bei einem Religionsgespräch mit einem Vertreter der kyprischen Monophysiten davon Gebrauch. Zwar war dem Disput kein Erfolg beschieden, aber schon sah sich der Kaiser veranlaßt dem Erzbischof von Kypros kundzutun, daß nach der Vereinigung der zwei Naturen in Christo nicht mehr von zwei Energien in Christo gesprochen werden könne. Wichtiger war der Versuch des Kaisers, etwa drei Jahre später den orthodoxen Bischof Kyros von Phasis während eines Aufenthaltes in Lazika für diese Formel zu gewinnen. Kyros sah Schwierigkeiten: wie war dies mit dem Satz des Tomus Leonis zu vereinbaren, der besagte "Agit utraque forma ... quod proprium est" ? Der Kaiser verwies ihn an seinen Patriarchen und Sergios setzte dem Bischof auseinander, daß der zitierte Satz Leos in der Kontroverse mit den Monophysiten nie im Sinne einer Lehre von zwei Energien in Christus gedeutet worden sei. Auch Patriarch Eulogios von Alexandreia, der doch ausführlich den Tomus Leonis verteidigt habe, tue dies nicht. Sergios konnte Kyros offenbar überzeugen, und so bestellte der Kaiser den Bischof von Phasis im Jahre 631 zum Patriarchen von Alexandreia mit dem Auftrag, dort mit der Lehre von der einen Energie in Christus eine Union herbeizuführen. Am 3. Juni des Jahres 633 wurde denn auch in Alexandreia ein feierlicher Pakt verkündet, der neun Punkte umfaßte und in der Lehre von ein- und demselben Christus gipfelte, der als solcher Göttliches und Menschliches wirke und zwar kraft einer einzigen gottmenschlichen "Energie", eine Terminologie, die man schon bei Dionysios Areopagites finden konnte. Gewisse monophysitische Kreise in Ägypten sahen darin ein erstaunliches Entgegenkommen der Chalkedonier.
Aber der Protest ließ nicht auf sich warten. Es war der Mönch Sophronios von Jerusalem, der damals in Alexandreia weilte. Kyros hatte ihn mit dem Inhalt des Paktes schon vor dessen Verkündigung bekannt gemacht, und Sophronios hatte ihn ohne Zögern als dem Chalcedonense widersprechend abgetan. Kyros schickte den Mönch darauf zum Patriarchen Sergios, damit dieser ihn überzeuge. Es scheint, daß die Argumente des Sophronios den Patriarchen Sergios nicht unbeeindruckt ließen. Er brachte den Gegenstand der Kontroverse vor seine Patriarchalsynode, und man entschied sich für eine weniger ontologische als sozusagen "existenzielle" Formulierung, einem Bekenntnis zu dem einen, wirkenden Christus. Von zwei Energien solle man nicht mehr sprechen. Das bedeutete, daß Sergios den alexandrinischen Pakt nun zwar begrüßen konnte, aber doch nur, indem er ihn im Sinne des Beschlusses seiner eigenen Synode interpretierte. Nachdem Sophronios zugesagt hatte, die Entscheidung der konstantinopolitanischen Synode anzunehmen, bestand für den Kaiser offenbar kein Grund mehr, ihn 634 nicht zum Patriarchen von Jerusalem zu befördern. Patriarch Sergios dürfte damit kaum einverstanden gewesen sein. So wie er Sophronios kennengelernt hatte, mußte er befürchten, er werde als Patriarch nun seine eigenen Wege gehen. Eine Absicherung in Rom war empfehlenswert. Sergios berichtete also etwas optimistisch über die Vorgeschichte und den Pakt in Alexandreia, aber auch über die Opposition des Sophronios. Er gibt zu, daß er die Formel von der einzigen Energie in Christo, so wie sie in Alexandreia verkündigt worden sei, für nicht ganz glücklich halte, daß er vielmehr das Heil in dem Satz von dem einen wirkenden Christus sehe; denn wenn man schlechthin von einer Energie spreche, scheine dies der Lehre von den zwei Naturen zu widersprechen, rede man aber von zwei Energien, so insinniere man unter Umständen die Möglichkeit von zwei widersprüchlichen Entschlüssen in Christo. Übrigens habe auch der Kaiser der Formel des Patriarchen und seiner Synode seine Zustimmung gegeben. Papst Honorius (625-638) lobte in seinem Antwortschreiben das Vorgehen des Patriarchen. Er sehe in einer Lehre von zwei Energien ein der Tradition nicht entsprechendes Axiom das nur verwirren könne, da die Gottheit zwar unsere Natur, nicht aber unsere Fehler angenommen habe. Deshalb könne man auch nur von einem Willen in Christus sprechen (unde et unam voluntatem fatemur Domini nostri Jesu Christi). Damit hatte der Papst das Problem vom Wirkvermögen auf den Willen verlagert, und es scheint, daß Sergios darob froh war. Schließlich veranlaßte er den Kaiser, der zu Anfang der Kontroverse erklärt hatte, er habe keine Zuständigkeit in Glaubenssachen, im Jahre 638 ein Glaubensdekret, die sogenannte »Ekthesis«, zu veröffentlichen, welche diese Lehre von dem einen Willen Christi, also den sogenannten Monotheletismus zusammenfaßt . Sowohl Honorius wie Sophronios, der in seiner Inthronistika sich dann doch zu zwei Energien bekannt hatte, waren inzwischen gestorben. Herakleios war ein gebrochener Mann; sein Sieg über die Perser hatte nur ein Vakuum geschaffen, in das nun die islamischen Araber einströmten. 636 ging Syrien verloren, und 638 fiel Jerusalem in arabische Hand. Die Ekthesis wurde dem Kaiser vom Patriarchen mehr oder weniger abgezwungen. Sie tat keine Wirkung mehr, denn am 6. Dezember 638 starb auch der Patriarch Sergios selbst.
Das Ergebnis all dieser Unionsbemühungen war nicht besser als das aller anderen Versuche, die Monophysiten zu gewinnen. Man hatte es jetzt nur statt mit zwei mit drei Gruppierungen zu tun. Die strengen Monophysiten bestanden nach wie vor auf ihrer »mia-physis-Lehre« und waren auch durch den Monenergismus so wenig wie durch den Monotheletismus zu gewinnen. Sergios hatte ganz gewiß nicht die Absicht gehabt, den Papst Honorius mit List und Tücke zu Äußerungen zu bewegen, die dessen "Unfehlbarkeit" ins Zwielicht brachten. Die "una voluntas" des Papstes wollte im Grunde nichts anderes als das «eis energon» des Patriarchen. Es ging beiden nicht um Grundvermögen, sondern um das konkrete Verhalten der göttlichen Person Christi. Aber beide waren nicht imstande, dies wirklich klarzumachen, so wie ihre Gegner nicht imstande waren, diesen Unterschied zu sehen. Dazu bedurfte es eines Denkers von höheren Graden als Papst, Patriarch Sergios, Patriarch Kyros oder auch Patriarch Sophronios. Dieser Denker war Maximos der Bekenner. (aus Beck, a.a.O., S. 55 f)
Zusammenfassung aus Uthemann, Karl-Heinz, BBKL - Bautz-Verlag (internet bautz.de oder gwde.de):
"SERGIOS I., 18. April 610 - 9. Dez. 638 Patriarch von Konstantinopel. Als S. am 18. April 610, einem Karsamstag, zum Patriarchen gewählt wurde, war er ein junger Diakon aus dem Klerus der Hagia Sophia, der mit der Armenpflege um den Phrixos- und Phialoshafen beauftragt war. Wenn bis zur letzten umfassenden Monographie von J. L. van Dieten immer wieder mit den byzantinischen Chronisten und Historikern gesagt wird, er sei von syrischer Abkunft gewesen, ja seine Eltern hätten sich noch als Jakobiten zum Monophysitismus bekannt und er selbst sei dann irgendwann zum chalkedonischen Bekenntnis und damit zur byzantinischen Reichskirche konvertiert, dann gehen diese Aussagen letztlich auf eine im Jahre 701 gehaltene Predigt des Anastasios Sinaites (CPG 7749: Sermo III,1,45-46) zurück, deren polemische Intention man ebenso beachten muß, wie die kurze Redewendung, mit welcher der Prediger darauf hinweist, daß er die Nachricht über die Eltern des S. vom Hörensagen habe. Über eine Konversion spricht Anastasios nicht; seinen Lesern schien dies aber eine naheliegende Schlußfolgerung.
In die Kirchengeschichte des Ostens und Westens sollte S. wegen seines Einsatzes um Unionen mit den armenischen, syrischen und ägyptischen Monophysiten als Ketzer eingehen: Die von ihm propagierten Bekenntnisformeln wurden kurz nach seinem Tod im Westen auf der Lateransynode von 649, im Osten auf dem 6. ökumenischen Konzil (680/681) als (Monenergismus und) Monotheletismus verurteilt. Sieht man von Zeugnissen einiger Zeitgenossen ab (vgl. unten), wird er in den Quellen möglichst übergangen. Allgemein wird nichts Gutes über ihn berichtet und, wo eine Erwähnung seiner Person sich nicht umgehen läßt, werden seine Leistungen wie z.B. im Synaxar der Kirche von Konstantinopel herabgesetzt. Der Hinweis auf Syrien als Heimat des S. oder seiner Familie dient in einem solchen Kontext dazu, den Verdacht zu wecken, seine christologischen Anschauungen seien nichts anderes als die Frucht des in Kindheit und Jugend Angeeigneten; zumindest bei Anastasios, dessen Tätigkeit sich auf Ägypten konzentriert hat, hört man darin zugleich ein abfälliges Vorurteil gegen die Syrer mit. In der Vita des hl. Theodor von Sykeon († 22. April 613) wird berichtet, daß S. nach seiner Weihe diesen Heiligen, der damals in Konstantinopel weilte, aufgesucht habe. Theodor verhieß ihm eine lange, segensreiche Amtszeit (CPG 7973).
Die Wahl des S. zum Patriarchen fiel ein halbes Jahr vor dem Sturz des Kaisers Phokas (602-610), von dessen Schreckensregiment Byzanz durch Herakleios, den gleichnamigen Sohn des Exarchen von Karthago, befreit wurde. Am 5. Okt. 610 krönte S. Herakleios und dessen Braut Eudokia, die im selben Gottesdienst die Ehe schlossen.
Zwischen S. und dem neuen Kaiser entwickelte sich schnell ein in der Politik ungewöhnliches Vertrauensverhältnis. In den Quellen begegnet ein einziger kurzer Mißklang, als Herakleios sich nach dem Tod der Eudokia (13. August 612) entschloß, seine Nichte Martina zu heiraten. Auf den Einspruch des S. antwortete der Kaiser, S. habe so »als Patriarch und Freund« seine Pflicht erfüllt, müsse nun aber alles weitere ihm überlassen. Angesichts der Perser- und Awarengefahr schien es S. vernünftig, sich dieser Heirat und der Krönung von Martina nicht zu widersetzen, auch wenn diese Akte im Volk auf Ablehnung stießen. Schon unter Phokas hatten die Perser unter Chosrau II. einen Großangriff auf Byzanz eröffnet, um den seit Jahrzehnten tobenden Krieg zu ihren Gunsten zu entscheiden. Sie standen in Kleinasien, und der Balkan war in den Händen von Awaren und Slawen. Daß Byzanz diese kritische Situation überstand, daß es »in sich die Kraft zu einer tiefgreifenden sozialen, politischen und kulturellen Erneuerung fand« (G. Ostrogorsky, 77), mit der im Osten das römische Zeitalter abschließt und die Geschichte des im eigentlichen Sinn byzantinischen, gräzisierten Staates beginnt, den eine »starke Verkirchlichung des gesamten öffentlichen Lebens« kennzeichnet (ders., 89), ist weitgehend der guten Zusammenarbeit von Herakleios und S. zu verdanken. Den Angriffen Chosraus II. schien Byzanz zunächst nichts entgegensetzen zu können, und nach einer schweren Niederlage bei Antiochien fiel Ende Mai 614 Jerusalem und damit die wohl heiligste Reliquie, das Kreuz Christi, in die Hand der Perser.
Es galt zu rüsten, und S. trug durch eingreifende Sparmaßnahmen, die sich indirekt zum Vorteil der Staatskasse auswirkten, aber auch durch »Darlehen« an den Kaiser dazu bei. So beschränkte er z.B. den Klerus der Hagia Sophia auf 600 Personen und überließ dem Kaiser den Gold- und Silberschmuck der Kirche. Als 615 auf Grund des Vordringens der Perser die Getreidezufuhr aus Ägypten unterbrochen war, drohte den Palastgarden die Abschaffung einer kostenlosen Brotversorgung und dem Bürger fast eine Verdreifachung des Brotpreises. Soldaten und Volk wollten dies nicht hinnehmen und es kam zu Krawallen, die durch das Eingreifen des S. beigelegt wurden. Im Jahre 616 belagerten die Perser Chalkedon auf dem asiatischen Ufer des Bosporus. Auch die Awaren waren nicht mehr zu bremsen. Bei Verhandlungen mit dem Kaiser versuchten sie sogar, diesen zu ermorden; und die Perser nahmen byzantinische Gesandte, ohne mit ihnen zu verhandeln, einfach gefangen. Im folgenden Jahr fällt Alexandrien. In dieser Situation entscheidet Herakleios 618 sein Regierungszentrum nach Karthago zu verlegen. Doch scheitert dieser Plan am Widerstand der Bevölkerung, und S. nimmt, wie die Historia syntomos des Patriarchen Nikephoros bezeugt (ed. C. de Boor, S. 12,3-19), Herakleios öffentlich einen Eid ab, Konstantinopel niemals aufzugeben. Nachdem im Jahre 622 Chosrau II. ein Kaiser und Reich verhöhnendes Schreiben hatte überbringen lassen »Du sagst, du vertraust auf Gott. Warum hat dann dein Gott nicht Kaisareia, Jerusalem, das große Alexandrien aus meinen Händen befreit?«, verließ Herakleios Konstantinopel, um eine Gegenoffensive zu organisieren, und übertrug an S. und den Patrikios Bonos die Sorge für die Stadt und die Regentschaft.
626 wird Konstantinopel belagert: Im Juni erscheinen die Perser wieder vor Chalkedon; am 29. Juli treffen die Awaren ein. Wie es in einer im August 627 gehaltenen Predigt des Theodoros Synkellos (CPG 7936) heißt, hatte S. zuvor an den Toren der Stadt ein Bild der Gottesmutter mit ihrem Kind anbringen lassen und am 29. Juli auf der Stadtmauer eine Prozession mit einem »nicht von Menschenhand geschaffenen Bild Christi« also einer Acheiropoietos, veranstaltet. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Kopie des Reichspalladiums, d.h. des Christusbildes von Kamuliana, welches Herakleios auf seinen Feldzug mitgenommen hatte; zumindest scheint sich eine solche Kopie eben zu dieser Zeit in der Stadt befunden zu haben, nämlich in einem Kloster von aus Melitene vor den Persern geflüchteten Nonnen. Am 6. August scheiterte der entscheidende Angriff der Awaren; am 7. zogen sie ab.
Die Byzantiner dankten dies dem Erscheinen der Gottesmutter, und so wählte S. für die nächtliche Dankfeier jenen Hymnus auf die Theotokos, der, da er im Stehen gesungen wird, Akathistos-Hymnus genannt wird und den S. mit einer neuen Einleitung, mit jenen Versen, die noch heute gesungen werden, versah. Hier kann man darauf hinweisen, daß S. zwei Mal Hymnen als Dank für einen Sieg in die Liturgie eingeführt hat, und zwar 624 nach dem Sieg bei Ganzak (623), wo sich mit dem Feuertempel Zoroasters ein bedeutendes religiöses Zentrum der Perser befand, und 626 nach einem Sieg von Herakleios' Bruder Theodoros. Während der Belagerung im Sommer 626 hatte man vor Ankunft der Awaren eine der wertvollsten Reliquien der Byzantiner, das Kleid der Muttergottes, aus der Blachernenkirche, die außerhalb der Mauern lag, in die Stadt in Sicherheit gebracht. Am 2. Juli 627 wurde das Kleid feierlich zu seinem angestammten Platz zurückgebracht. Dies war nun ohne Gefahr möglich. Denn im Sommer 627, wahrscheinlich also kurz vor dem 2. Juli, waren die Perser abgezogen. S. soll mit ihnen damals, was immer dies auch bedeutet, eine Art Frieden geschlossen haben.
Entscheidend für die Aufhebung der Belagerung waren die Erfolge des byzantinischen Heeres im Jahre 627, das im Herbst bis Ninive vordrang. Chosrau II. konnte sich nicht mehr halten und wurde am 28. Februar 628 gestürzt. Im Friedensschluß erhielt Byzanz alle besetzten Gebiete bis nach Ägypten zurück. Der Kaiser zog Ende 628 in einem Triumphzug in Konstantinopel ein und hielt am 1. Jan. 629 eine Dankfeier in der Hagia Sophia. Doch verließ er im Frühjahr 630 wieder die Stadt. Zuvor hatte er in einem Gesetz die Exemtion des Klerus von aller zivilen Gerichtsbarkeit neu geregelt; insbes. sollte nur noch der Patriarch bzw. ein von diesem benannter Richter für zivile Prozesse von Klerikern zuständig sein. Im Frühsommer 630 gaben die Perser das hl. Kreuz zurück, und der Kaiser ließ es am Karfreitag des folgenden Jahres (21. März 631) wieder in Jerusalem aufstellen, ein Ereignis, das S. in Konstantinopel mit einem feierlichen Gottesdienst beging, ohne zu ahnen, daß diese Reliquie schon vier Jahre später vor einem neuen Feind, den Arabern, gerettet werden mußte.
Der Krieg mit Persien hatte dem Kaiser gezeigt, wie wichtig eine Union der byzantinischen Reichskirche mit den seit ungefähr einem Jahrhundert bestehenden monophysitischen Kirchen für den inneren Zusammenhalt des Reiches und damit für dessen Verteidigungsbereitschaft war. Schon 623 versuchte er während seines Aufenthalts in Armenien, Unionsgespräche in Gang zu bringen, indem er sich selbst in Theodosiupolis (Karin) auf eine Diskussion mit einem Paulos einließ, der die Akephalen (»Bischofslosen«, d.h. Monophysiten) Zyperns vertrat. Dieser Paulos ist höchstwahrscheinlich mit Paulos dem Einäugigen (Monophthalmos) identisch, den Maximos der Bekenner (Homologetes, lat. Confessor) im seinem Streitgespräch mit Pyrrhos (CPG 7698), dem Nachfolger des S., erwähnt. Der Kaiser erinnerte dabei, wie S. im Jahre 634 an den römischen Patriarchen Honorius I. (625-638) schreibt (CPG 7606; Mansi XI, 529 D 1-3), an »das Dogma von der einen Energie (mia energeia) Christi, unseres wahren Gottes«.
Er hob also hervor, daß man am Bekenntnis des Konzils von Chalkedon (451) zu den zwei Naturen Christi, zu der göttlichen und zu der menschlichen Natur, festhalten und doch die Einheit, die den Monophysiten am Herzen lag, als eine Einheit im Wirken (energein) vertreten könne. Für die Monophysiten schloß sich eine solche Aussage an die Lehre Kyrills von Alexandrien (412-444 daselbst Patriarch) und damit an die für sie entscheidende Lehrtradition an. Denn nach Kyrill sind drei Gruppen von Prädikaten zu unterscheiden, welche die Bibel auf Christus anwendet. Neben den göttlichen und den menschlichen gebe es solche einer »mittleren Ordnung«, die besonders bei den Wundern Christi in Erscheinung treten und ein Zugleich von Göttlichem und Irdischem und damit die Einheit des Wirkenden betonen. Für die Anhänger Chalkedons, die die Einheit der Hypostase (»Person«) bei aller Zweiheit der Naturen und damit das eigentliche Anliegen des seit Beginn des 6. Jahrhunderts erstarkten sog. Neuchalkedonismus zu wahren suchten, verband sich »die eine Energie Christi« sinnvoll mit »der einen Hypostase Christi«.
Beide Positionen konnten also in der monenergetischen Formel eine Kontinuität zu ihrem eigenen christologischen Bekenntnis entdecken, und doch mußte diese Formel als eine Art fauler Kompromiß scheitern, falls man nachbohrte. Denn für die Monophysiten blieb im Rahmen ihrer Lehrtradition unbegreifbar, wie man die Begriffe physis (Natur) und hypostasis in der Christologie (nicht aber allgemein, darum nicht in der Lehre über den trinitarischen Gott!) unterscheiden könne. Und damit blieb ihnen die Begründung der (Neu-)Chalkedoniker für die monenergetische Unionsformel unzugänglich. Daß ein sog. strenger Chalkedoniker, der einzig die zwei Naturen im Christusbild der Bibel sah und ganz im Sinn philosophischer Tradition Wirken als Aktualisierung einer Natur interpretierte, die Formel nicht akzeptieren konnte, ist selbstverständlich. Doch auch für den Neuchalkedoniker - ein Beispiel ist das Ringen von Maximos dem Bekenner - zeigten sich Aporien, sobald man dem Hypostasenbegriff eine inhaltliche, nicht rein formale Bestimmung gab und in der Hypostase (»Person«) das Zentrum alles Wirkens (und damit, modern gesprochen, der Persönlichkeit) sah. Hier mußte sich ähnlich wie beim Monophysiten alles auf die Frage zuspitzen, ob und inwieweit sich die soteriologische Bedeutung der menschlichen Freiheit Christi, wie immer diese konkret aussah, wahren ließ. M.a.W. die biblische Szene von Gethsemani (Matth.26,36-46 parr.) wurde zum Prüfstein des christologischen Bekenntnisses.
Inwieweit der Kaiser die dogmatischen Unterschiede begriff, die hier angesprochen wurden, kann niemand beantworten. Wie aber stand es mit S.? Denn Herakleios bat diesen, sich mit dem Zyprioten Paulos in der Frage des Wirkens Christi in Verbindung zu setzen. In der erwähnten Disputatio cum Pyrrho des Maximos (CPG 7698) heißt es, S. habe sich in seinem Schreiben (V. Grumel, Regestes, 282) auf zwei Autoritäten berufen: (1) auf die in diesem Zusammenhang immer wieder diskutierte, höchstwahrscheinlich trotz aller Bestreitungen echte Schrift des Patriarchen Menas von Konstantinopel (536-552) über die eine Energie in Christus, die dieser 552 an Papst Vigilius gerichtet hat und deren Text verlorengegangen ist (V. Grumel, Regestes, 243), und (2) auf das Urteil eines älteren Zeitgenossen, Theodoros von Pharan, der, wie W. Elert gezeigt hat, identisch ist mit jenem von Raithu, von dem noch einiges bewahrt ist (CPG 7600-7602).
Es fällt hier auf, daß S. sich offensichtlich schon um Argumente zugunsten eines Monenergismus bemüht hatte, und zwar, wie sich nachweisen läßt, seit ungefähr 616 im Blick auf die Situation in Ägypten angesichts der persischen Bedrohung. Inwieweit dabei der monophysitische Bischof Sergios von Antinoë als Vermittler auftrat, bleibt undeutlich. Der reichskirchliche Patriarch von Alexandrien, Johannes der Barmherzige, versuchte zwar die Initiative zu unterlaufen, sah aber 617, nachdem er vor den Persern nach Konstantinopel geflüchtet war, davon ab, aus der Angelegenheit einen Streitfall zu machen.
Handelte S. beim Knüpfen dieser Verbindungen zwischen Monophysiten und den einem Monenergismus gegenüber aufgeschlossenen Neuchalkedonikern sowie bei späteren Unionsverhandlungen aus rein politischen Erwägungen, ohne daß es ihm um, modern gesprochen, theologische Konsistenz mit seinem reichskirchlichen Bekenntnis ging? Oder sah er auf der Basis eines neuchalkedonischen Verständnisses, wie es seit Kaiser Justinian (527-565) und dem 5. ökumenischen Konzil (553) im Osten für die Reichskirche verbindlich war, im Monenergismus (und, seit 634 nachweisbar, im Monotheletismus) einen konsistenten Zusammenhang? Ersteres ist die gängigste Auffassung und wird auch von den meisten modernen Historikern vertreten. Sofern man sich dabei auf A. von Harnacks Dogmengeschichte beruft, wird dessen Nachsatz nicht bedacht, daß »sich sowohl eine Ein- als auch Zweiwillenlehre mit den Bestimmungen« der Konzilien von Chalkedon (451) und Konstantinopel (553) »vertragen hätte«;. Wird das Vorgehen des S. einzig als politische Notwendigkeit interpretiert, dann werden Monenergismus und Monotheletismus einzig als Kompromißformeln vorgestellt. Zeigt sich bei neuchalkedonischen Reichstheologen eine Aufwertung der Hypostase bzw. später, als der Streit zur Tagesordnung gehört, in den Argumenten z.B. eines Maximos des Bekenners oder allgemein jener, die zwei der Natur zugeordnete Energien und Willen vertreten, eine Auseinandersetzung mit Thesen, welche die Zweiheit der Naturen wahren, aber Wirken bzw. Wollen einzig als Inerscheinungtreten der (göttlichen) Hypostase darstellen, dann steht zu vermuten, daß hinter Monenergismus und Monotheletismus auch ein »theologisches Anliegen« ihrer Vertreter steht, daß m.a.W. es bei diesen um mehr als nur um einen Kompromiß ging. Alles spricht dafür, daß S. selbst, angeregt durch Schriften des Theodoros von Pharan (oder Raithu) und eines Georgios Arsas, der Monophysit und Anhänger des jakobitischen Patriarchen Paulos des Schwarzen war, die monenergetische Unionsformel »entdeckt« hat (J. L. van Dieten).
Wie dem auch sei, feststeht, daß er letzteren 616 (nicht 618) um ein Florileg von Väteraussagen über »die eine Energie Christi« gebeten hat (V. Grumel, Regestes, 280 [ex-279]) und daß er bei ersterem um 620 anfragen ließ, was er von der oben erwähnten verlorenen Schrift des Menas und der Unionsformel von »der einen Energie in Christus« halte (Regestes, 281). Theodoros schloß sich offensichtlich den Auffassungen des S. an. Angemerkt sei, daß er nicht der einzige Neuchalkedoniker vor S. war, der, schon bevor der Monenergismus aktuell war, über das Wirken Christi in einer Richtung nachdachte, die zu S.' Standpunkt führen konnte. Dies zeigen, sieht man von der Schrift des Menas ab, z.B. einige noch erhaltene Fragmente des Anastasios I. von Antiochien (Patriarch: 558-570 und 593-599) und die Abwehr solcher Überlegungen bei Eulogios, von 580 bis 608 Patriarch von Alexandrien.
Trotz der beiden Autoritäten, auf die sich S. in seiner Antwort gegenüber dem Zyprioten Paulos berief, schlug der erste Unionsversuch des Kaisers und seines Patriarchen fehl. Beide distanzierten sich daraufhin von Paulos (F. Dölger, Regesten, 182; V. Grumel, Regestes, 283), um Kritik aus der chalkedonischen Kirche Zyperns abzufangen. Beide hielten aber zugleich daran fest, daß man nach der Inkarnation nicht von zwei Energien Christi sprechen dürfe. Ein zweites Religionsgespräch des Kaisers, das er um 626 in Lazika, diesmal mit einem reichskirchlichen Bischof, Kyros von Phasis, führte, sollte politisch und theologisch weitreichende Folgen haben. Denn gegen das soeben erwähnte Verbot, nach der Menschwerdung noch von zwei Energien in Christus zu sprechen, verwies Kyros auf eine Aussage des Tomus von Papst Leo I. (440-461): »Agit enim utraque forma cum alterius communione, quod proprium est, verbo scilicet operante, quod verbi est, et carne exsequente, quod carnis est.«
Der Kaiser blieb die Antwort schuldig und verwies Kyros an S., der mit einem durch die Synode von Konstantinopel, die Endemusa, sanktionierten Brief Stellung nahm: Bisher habe niemand, auch nicht (der oben genannte) Eulogios von Alexandrien, hierin ein Bekenntnis zu zwei Energien im Inkarnierten gesehen (V. Grumel, Regestes, 285; CPG 7604). Als 631 der Patriarch Georgios von Alexandrien starb, berief der Kaiser, ob im Einverständnis mit S., wissen wir nicht, Kyros zu dessen Nachfolger. Diesem gelang es, am 3. Juni 633 mit griechisch orientierten Monophysiten Alexandriens, den Theodosianern, eine Union zu vereinbaren. Mit neun Anathematismen suchte man, das gemeinsame Bekenntnis zu >definieren (CPG 7613). In ihnen folgte man den Prinzipien neuchalkedonischer Interpretation und stellte das aus Kyrill von Alexandrien stammende Formelgut der Monophysiten gleichwertig neben jenes der chalkedonischen Reichskirche. Weiter führte einzig ein Satz im siebten Anathematismus: Unter Berufung auf (Pseudo-)Dionysios Areopagites bekannte man, daß »der eine Christus ... das Göttliche und Menschliche auf Grund seiner einen gottmenschlichen Energie wirkt.« Um dieses Bekenntnis zur mia theandrike energeia (mia ist ein Zusatz zum Text des Areopagiten) entbrannte nun der Streit im reichskirchlichen Lager, angeheizt durch den Mönch Sophronios, seit 634 Patriarch von Jerusalem, der im Sommer 633 in Alexandrien weilte und sich von dort protestierend zu S. begab. S. legte, wie er im folgenden Jahr an Papst Honorius I. schrieb (CPG 7606), die Angelegenheit einer Synode vor, die verbot, in Zukunft von einer oder von zwei Energien zu sprechen, doch »den einen Christus« als Subjekt alles Handelns und Geschehens nach der Inkarnation betonte. Jede energeia, sei sie göttlich, sei sie menschlich, gehe »ungetrennt aus ein und demselben inkarnierten Wort Gottes hervor«.
Dieser Synodalbeschluß (V. Grumel, Regestes, 287), bei Maximos dem Bekenner Psephos genannt, wurde Kyros, Sophronios, aber auch dem Kaiser mitgeteilt, wobei S. hinzugefügt hatte, er entspreche der Aussage »Agit enim utraque forma« des Tomus Leonis. Herakleios befand sich zu dieser Zeit bei Edessa. Kurz zuvor hatte er eine Union mit der armenischen Kirche unter dem Katholikos Ezra erzwungen und sich auf einer Synode in Theodosiupolis (Karin) 633 bestätigen lassen. Nun stand er, wenn man einer Nachricht byzantinischer Historiker, die letztlich auf die oben schon erwähnte Predigt
des Anastasios Sinaites zurückgeht, glauben darf, sofern unabhängige Hinweise sich im Titel einer Rede des Eubulos von Lystra (CPG 7685) und im Text der Pandekten des Antiochos (CPG 7843; PG 89, 1844 B 5 - C 11), geschrieben um 631/634, sowie in der Chronik Michaels des Syrers (ed. J.-B. Chabot, II, 402-413) finden, in Verhandlungen mit der jakobitischen Kirche Syriens. Er bot deren Patriarchen Athanasios I. Gamala, nach seiner Tätigkeit in seinem Heimatkloster Kameltreiber genannt, im Blick auf eine Union den reichskirchlichen Stuhl von Antiochien an. Inwieweit S. hierbei um Rat
gefragt wurde, läßt sich auf Grund der Quellen nicht mehr feststellen. Immerhin berichtet er im Brief an Honorius, daß er dem Kaiser den in der Angelegenheit des Sophronios getroffenen Synodalentscheid (die Psephos [V. Grumel, Regestes, 287]) und das patristische Florileg, das sich in der schon genannten Schrift des Menas befand (V. Grumel, Regestes, 286), geschickt habe (vgl. auch V. Grumel, Regestes, 289). Zeitlich würde dies gut zur Nachricht über Unionsverhandlungen mit Athanasios I. Gamala passen. Die Psephos schien zunächst eine gute Basis für die Zukunft. Der Kaiser hatte sie durch eine Keleusis bestätigt. Auch Maximos der Bekenner, der durch Pyrrhos wohl im Auftrage des S. mit dem Text vertraut gemacht worden war (CPG 7699, ep. 19; PG 91, 592 BC), hatte damals an ihr keinen Anstoß genommen, auch wenn er anfragt, was man eigentlich genau unter energeia zu verstehen habe (596 AB). Entscheidend ist für ihn, daß die am 3. Juni 633 in Alexandrien geschlossene Union durch diesen Synodalentscheid, sofern sie eine Neuerung (kainotomia) eingeführt (also »eine Energie« bekannt) habe, aufgehoben sei.
Doch die Situation veränderte sich, als der oben genannte Sophronios 634 zum Patriarchen von Jerusalem gewählt und vom Kaiser ohne Rücksprache bei S., der sicher gewarnt hätte, bestätigt wurde. Sophronios griff sofort in einer an S. gerichteten Synodica (CPG 7635) die Psephos an und bekannte sich dazu, daß aus einer jeden der beiden Naturen eine je eigene, »natur- und seinshafte Energie« ungetrennt hervorgehe (Mansi XI, 481 C 7-10; PG 87,3, 3169 D). Mit Kyrill von Alexandrien unterscheidet er in der Schrift drei Aussagereihen über das Wirken Christi (vgl. oben). Die dritte Gruppe, also jene Prädikate, die eine »mittlere Stellung einnehmen«, sofern sie Göttliches und Menschliches zugleich vom selben Subjekt behaupten, bezieht er auf »die neue und gottmenschliche Energie«, wie er (Pseudo-) Dionysios Areopagites richtig zitiert. Diese aber sei nicht eine (mia) Energie (XI, 488 D 3-9; 3177 B). Bevor S. diese Synodica empfing, schrieb er schon seinen Brief an Honorius (CPG 7606), in dem er den bisherigen Verlauf bis zur Psephos und deren Bestätigung durch den Kaiser aus seiner Sicht wiedergibt und dabei entweder übertreibt, wo er es wie bei der Darstellung des Erfolgs der Union von Alexandrien für gut hält, oder schweigt, wenn ihm etwas wie seine Korrespondenz mit Georgios Arsas und Theodoros von Pharan nicht dienlich schien. Wichtig ist, daß er hier mit einem neuen Argument über die monenergetische Frage hinausführt: Wer zwei Energien in Christus bekenne, müsse auch konsequenterweise von zwei Willen sprechen, einem göttlichen und einem menschlichen, die sich gegenseitig ausschließen oder widersprechen können, was deutlich werde, wenn man sich zur Begründung des Bekenntnisses zweier Willen auf die Todesangst Christi in Gethsemani berufe. Denn in dieser dyotheletischen Sicht wolle der Logos zwar das Heil des Menschen und akzeptiere darum das Leiden; doch der menschliche Wille Christi verweigere sich dem Leiden und darum dem göttlichen Willen. Entscheidend ist, daß »ein und dasselbe Subjekt nicht zugleich dasselbe wollen und nicht wollen kann«; dies gelte ganz besonders von der menschlichen Realität Christi, die ganz und gar »gottbewegt« (theokinetos) ist (Mansi XI, 533 E 1 - 536 B 1).
Die positive Antwort des Honorius und dessen verlorengegangene Briefe an Kyros und Sophronios führen zu einer Radikalisierung des Streites. Es geht nun um die Frage nach dem menschlichen Willen Christi und dessen Freiheit, letztlich um ein echtes Verständnis der Szene von Gethsemani: »Nicht mein, sondern dein Wille«. Zugleich geht es nun um die Rechtgläubigkeit des Honorius, dessen erste Verteidigung kurz nach seinem Tod im Jahre 638, noch vor der Apologia Honorii, die dessen zweiter Nachfolger Johannes IV. nach seiner Inthronisation (24. Dez.640) verfaßt hat, von Maximos dem Bekenner in einer an seinen Freund Marinos gerichteten Schrift (CPG 7697,20) vorgetragen wurde. Zugleich scheiterten alle Unionsgespräche in Syrien und Ägypten, wo nun die Jakobiten und Kopten wieder verfolgt wurden. Es dürfte kein Zufall sein, wenn zu gleicher Zeit ein neuer Feind gegen das byzantinische Reich zog, dessen Expansionsdrang nicht zu bremsen war und in wenigen Jahrzehnten die politische Landkarte des Mittelmeerraumes bis heute völlig veränderte. 634 erlitten die Byzantiner ihre erste große Niederlage gegen die Araber unter der Führung des Kalifen Omar. Durch die Schlachten am Yarmuk vom 23. Juli und 20. August 636 ging Syrien verloren. 635 hatte man vorsorglich das hl. Kreuz aus Jerusalem nach Konstantinopel gebracht. Trotz erbitterten Widerstandes unter Sophronios fiel 637 Jerusalem. Es folgte
639/640 der Verlust Mesopotamiens und Armeniens. 640 begann der Angriff auf Ägypten; im Sept. 642 überließ Kyros, nunmehr nicht nur Patriarch, sondern auch Augustalios (Vizekaiser), Alexandrien den Eroberern. Den Beginn dieses Siegeszugs hat S. noch erlebt. Doch hielt er wahrscheinlich wie seine Zeitgenossen die Erfolge der Araber nicht für endgültig. Denn er ließ nicht davon ab, Voraussetzungen für Unionen mit monophysitischen Kirchen zu schaffen.
Als Herakleios von Ängsten getrieben sich als gebrochener Mann 638 nach Konstantinopel zurückzog, legte S. ihm ein Bekenntnis zum Monotheletismus vor, das als sog. Ekthesis vom Kaiser veröffentlicht und von einer Synode bestätigt wurde (CPG 7607; J. Dölger, Regesten, 211). Sie enthielt nichts, was nicht auch Honorius schon in seinen Briefen geschrieben hatte, und ihr Erfolg schien gewiß. Denn nicht nur aus Alexandrien, sondern auch aus dem Antiochener und Jerusalemer Patriarchat war um diese Zeit kein Widerstand zu erwarten. Denn den neuen Patriarchen der antiochenischen Kirche, Makedonios, hatte S. selbst 636, wenn nicht 637, geweiht, und nach seiner Weihe residierte dieser wie alle zukünftigen reichskirchlichen Patriarchen Antiochiens in Konstantinopel. Die Kirche von Jerusalem verwaltete, nachdem Sophronios am 11. März 638 gestorben war, Sergios von Joppe, ein Vertreter des von Herakleios nach dem Sieg über die Perser in Palästina eingesetzten monenergetischen (bzw. monotheletischen) Episkopats. Doch Honorius war (entgegen der These von V. Grumel) inzwischen schon verstorben, und in der Nachfolge des Sophronios waren im Westen des Reiches neuchalkedonische Theologen wie Maximos der Bekenner und Stephanos von Dor, die dort als Flüchtlinge lebten, zu einer entschiedenen Ablehnung einer monotheletischen Deutung des Bekenntnisses von Chalkedon gelangt.
S. selbst hat die Reaktion des Westens auf die sog. Ekthesis nicht mehr erlebt. Wohl erfuhr er noch durch das Eintreffen der Apokrisiare Roms, die sich um die Bestätigung des neuen Papstes Severinus bemühten, vom Tod des Honorius. S. selbst starb am 9. Dez. 638 und wurde am folgenden Sonntag, dem 13. Dez., in der Apostelkirche beigesetzt. Im Jahre 681 wurde er durch das ökumenische Konzil in den Ketzerkatalog der Kirche aufgenommen. Damit verfielen seine Leistungen der condemnatio memoriae bzw. wurden sie bei Chronisten und Historikern in ein schiefes Licht gesetzt: Er habe Herakleios hinter das Licht geführt, um die Häresie des Monotheletismus in die Kirche einzuführen. Maximos Homologetes behauptete in seiner Disputatio cum Pyrrho, S. habe einen wankelmütigen Charakter gehabt (PG 91, 329 C 5- D 4); eine vielköpfige Hydra nennt ihn der Autor der Vita Maximi (PG 90, 81 A 12). Doch das Lob, das einige Zeitgenossen wie der Prediger Theodoros Synkellos (CPG 7935; 7936), der Dichter Georgios Pisides, der Autor des Chronicon Paschale (CPG 7960), der Historiker Theophylaktos Simokattes (ed. C. de Boor, S. 21-22) und der Hagiograph Georgios von Sykeon (in der Vita seines Lehrers: CPG 7973) vortragen, weist in eine andere Richtung und zeigt im Einklang mit dem Urteil der neuzeitlichen Geschichtsschreibung einen klugen, um Frieden bemühten, frommen Patriarchen, der sich im Ringen um Unionen mit monophysitischen Kirchen nicht nur von politischen Notwendigkeiten leiten ließ, sondern sich vermutlich ehrlich um ein tieferes Verständnis des chalkedonischen Bekenntnisses im Sinn einer »Christologie von oben« bemühte: In der Hypostase (»Person«) und darum im Logos sah er das Einigende.
Werke:
Erhaltene Schriften CPG (= Clavis Patrum Graecorum, ed. M. Geerard, Turnhout 1974-1980) 7604 - 7607, zitiert nach der Ausgabe der Akten der Lateransynode von 649 und des 6. ökumenischen Konzils von 680/681 von J. D. Mansi, Sacrorum conciliorum nova et amplissima collectio, (Florentiae 1759 sqq.) Graz 1960, X; XI; kritische Ausgabe: R. Riedinger, Concilium Lateranense a. 649 celebratum (Acta Conciliorum Oecumenicorum, II,), Berolini 1984; ders., Concilium Vniuersale Constantinopolitanum tertium (Acta Conciliorum Oecumenicorum, II,,1-2), Berolini 1990. CPG 7608: Fragment zu Eph. 3,18; vgl. K. Staab, Die Pauluskatenen, Roma 1926, 145. Übersicht über die Amtshandlungen des S.: V. Grumel, Regestes = V. Grumel, Les regestes des actes du Patriarcat de Constantinople. Vol. I, Les actes des Patriarches, Fasc. I, Les regestes de 381; 715, Paris 1972, 278 c - 293 b. Ferner vgl. man die Regesten von Kaiser Herakleios bei F. Dölger, Regesten der Kaiserurkunden des oströmischen Reiches, Band I (565 - 1025), München - Berlin 1924.
Quellen:
Neben der zuvor genannten Edition der Akten von 649 (CPG 9398 - 9402) und 680/681 (CPG 9416 - 9437) und darin enthaltener Stücke wie der Briefe des Kyros von Phasis (CPG 7610- 7613), der Synodica des Sophronios von Jerusalem (CPG 7635) vgl. man (1) die Briefe des Honorius: kritische Ausgabe mit deutscher Übersetzung in G. Kreuzer, Die Honoriusfrage im Mittelalter und in der Neuzeit (Päpste und Papsttum, Band 8), Stuttgart 1975, 32-53; (2) Theodoros Synkellos (CPG 7935 - 7936); (3) Chronicon Paschale (CPG 7960), ed. L. Dindorf, Bonnae 1832, 701-706; 714-715; 721; (4) Georgios Pisides, ed. A. Pertusi, Giorgio di Pisidia, Poemi I. Panegyrici epici (Studia patristica et byzantina, 7), Ettal 1960 (CPG 7827 - 7832); (5) Georgios von Sykeon, Vita des Theodor von Sykeon, cap. 136, ed. A.-J. Festugière, Vie de Théodore de Sykéon, I (Subsidia hagiographica, 48), Bruxelles 1970, 108-109 (CPG 7973); (6) den Bericht der Sergia über die Translation der Gebeine der hl. Olympia, hrsg. von H. Delehaye, Vita Sanctae Olympiadis et narratio Sergiae de eiusdem translatione, in: Analecta Bollandiana 16 (1897) 44-51, bes. 47,13-17 (CPG 7981); (7) bei Maximos dem Bekenner bes. CPG 7697,20: PG 91, 228-245; CPG 7698: PG 91, 288-353; CPG 7699: PG 91, 364-649 passim (zu Maximos vgl. P. Sherwood, An annotated Date-List of the Works of Maximus Confessor (Studia Anselmiana, 30), Romae 1952; (8) Anastasios Sinaites, ed. K.-H. Uthemann, Anastasii Sinaitae Sermones duo in constitutionem hominis secundum imaginem dei necnon Opuscula adversus Monotheletas (Corpus Christianorum Series Graeca, 12), Turnhout - Leuven 1985, 55-83 (CPG 7749);
(9) die Chronik des Johannes von Nikiu (CPG 7967), bes. XCIV, 14, 149; (10) Theophanes, Chronographia, ed. C. de Boor, Lipsiae 1883, 299-303; 327-330; 337; (11) Nikephoros Patriarches, `Istoria suntomoV, ed. C. de Boor, Lipsiae 1889, 1-77: 5-22; 27; 31; (12) ders., Cronograficon suntomon, ed. idem, Lipsiae 1889, 79-135: 118; (13) Histoire d'Héraclius par l'évèque Sebéos, traduit de l'arménien et annotée par F. Macler, Paris 1904; (14) Chronique de Michel le Syrien, patriarche Jacobite d'Antioche (1166-1199), ed. par J.-B. Chabot, Paris 1899-1910: II, 402-413; (15) Konstantin Porphyrogennetos, De ceremoniis aulae byzantinae, ed. I. Reiske, Bonnae 1829-1830, 627-629; 637. (16) Zu weiteren byzantinischen Chronisten und Historikern sei auf J. L. van Dieten unter Literatur (1) verwiesen. (17) Zu den Novellen des Herakleios, in denen S. betroffen ist, vgl. man die Edition von C. E. Zachariae a Lingenthal, Jus Graecoromanum, Lipsiae 1856 - 1884: vol. III, 33-40; 44-47.
Lit.:
(1) Basis: J. L. van Dieten, Geschichte der Patriarchen von Sergios I. bis Johannes VI. (610-715) (Geschichte der griechischen Patriarchen von Konstantinopel, Teil 4), Amsterdam 1972. - (2) Übersicht: H.-G. Beck, Kirche und theologische Literatur im byzantinischen Reich, München 1959; - zur Kirchengeschichte der Zeit: L. Bréhier, R. Aigrain, Grégoire le Grand, les états barbares et la conquète arabe (590-757) (Histoire de l'église depuis les origines jusqu'à nos jours, publ. sous la dir. de A. Fliche et V. Martin, V), Paris 1938; - zur politischen Geschichte: G. Ostrogorsky, Geschichte des byzantinischen Staates, München 1963; - P. Lemerle, Quelques remarques sur le règne d'Héraclius, in: Studi Medievali Ser. III, 1 (1960) 347-361. (3) Zur Geschichte des Monotheletismus: - V. Grumel, Recherches sur l'histoire du monothélisme, in: échos d'Orient 27 (1928) 6-16; 257-277; 28 (1929) 19-34; 158-166; 272-282; 29 (1930) 16-28; - nicht zu vernachlässigen bleibt G. Owsepian, Die Entstehungsgeschichte des Monotheletismus, Diss. Leipzig 1897. (4) zu Theodor von Pharan: - W. Elert, Theodor von Pharan und Theodor von Raithu, in: Theologische Literaturzeitung 76 (1951) 67-76; - ders., Der Ausgang der altkirchlichen Christologie, Berlin 1957, bes. 185-229. (5) Zur Honoriusfrage: - G. Kreuzer, a.a.O. (vgl. oben zu den Quellen). (6) zur Abhängigkeit des Theophanes und seiner Benutzer vom Sermo III des Anastasios Sinaites (CPG 7749) - vgl. J. L. van Dieten, a.a.O. [= (1)], 179-218; - zur Kritik von R. Bracke, Ad Sancti Maximi Vitam. Studie van de biografische documenten en de levensbeschrijvingen betreffende Maximus Confessor (ca. 580 - 662), Diss. Katholieke Universiteit Leuven 1980, - vgl. K.-H. Uthemann, Die dem Anastasios Sinaites zugeschriebene Synopsis de haeresibus et synodis, in: Annuarium Historiae Conciliorum 14 (1982) bes. 69-71. (7) Zu einzelnen Fragen, teils in Ergänzung zu J. L. van Dieten: (a) zum Datum des Volksaufstands von 615: K. Ericsson, Revising a Date in the Chronicon Paschale, in: Jahrbuch der Österreichischen Byzantinischen Gesellschaft 17 (1968) 17-28; (b) zur Belagerung von Konstantinopel 626: F. Barioim, Le siège de Constantinople par les Avares et les Slaves en 626, in: Byzantion 24 (1954) 371-395; (c) zur Legende vom Kleid der Theotokos in der Blachernenkirche: A. Wenger, L'assomption de la T.S. Vierge dans la tradition byzantine du VIe au Xe siècle (Archives de l'Orient Chrétien, 5), Paris 1955, 111-139; (d) zur Kreuzreliquie: A. Frolow, La relique de la vraie Croix. Recherches sur le développement d'un culte (Archives de l'Orient chrétien, 7), Paris 1961; V. Grumel, La réposition de la vraie croix é Jerusalem par Héraclius. Le jour et l'année, in: Byzantinische Forschungen 1 (1966) 139-149; K. Ericsson, The Cross on Steps and the Silver Hexagram, in: Jahrbuch der Österreichischen Byzant. Gesellschaft 17 (1968) 149-164; (e) zur Bedeutung der Todesangst Christi in Gethsemani im Streit um den Monotheletismus: F.-M. Léthel, Théologie de l'agonie du Christ. La liberté; humaine du Fils de Dieu et son importance sotériologique mises en lumière par Saint Maxime le Confesseur (Théologie
historique,52) Paris 1979; (f) zum Problem des Hypostasebegriffs für neuchalkedonische Theologen, dargestellt an Maximos dem Bekenner: K.H. Uthemann, Das anthropologische Modell der Hypostatischen Union bei Maximus Confessor. Zur innerchalkedonsichen Transformation eines Paradigmas, in: Maximus Confessor. Actes sur le Symposium sur Maxime le Confesseur, Fribourg, 2-5 septembre 1980, édités par Felix Heinzer et Christoph Schönborn (Paradosis, XXVII), Fribourg, 1982, 223-233; zur Einordnung vgl. ders., Das anthropologische Modell der Hypostatischen Union. Ein Beitrag zu den philosophischen Voraussetzungen und zur innerchalkedonischen Transformation eines Paradigmas, in: Kleronomia (Thessaloniki) 14 (1982) 215-312; (g) wichtig bleibt für die Ereignisse in Ägypten, insbes. auch für die Jahre 616/617: J. Maspero, Histoire des Patriarches d'Alexandrie depuis la mort de l'empereur Anastase jusqu'à la réconciliation des églises jacobites (518-616). Ouvrage revu et publiée par R. A. Fortescue et G. Wiet (Bibliothèque de l'Ecole des Hautes Etudes, Sciences hist. et philol., 237), Paris 1923; (h) zur Reaktion der Zeitgenossen des S. auf die arabischen Eroberungen: W. Kaegi, Initial Byzantine Reactions to the Arab Conquest, in: Church History 38 (1969) 139-149; (i) zur Endemusa unter Sergios: J. Hajjar, Le synode permanent (SunodoV) dans l'église byzantine des origines au XIe siècle (Orientalia Christiana Analecta, 164), Roma 1962.
Simonis Palaiologina:
Tochter Kaiser *Andronikos II. und der *Irene Palaiologina; wurde 1299 als 5jährige mit dem serbischen Herrscher Stephan II. Urosch verheiratet (Norwich III 317).
Sisinnios:
für die Regierungszeit *Romanos' II. (959-963) kennen wir einen Sisinnios als *Patrikios und *Genikos Logothetes.
Skleros, Familie:
die Familie *Skleros, die zumindest armenische Traditionen hatte, gehört vom 9. bis über die Mitte des 11. Jh. zur führenden Militäraristokratie des Reiches.
Skleros, Konstantinos:
Gemahl der Sophia Phokaina und Vater der *Theophano Phokaina, der späteren deutschen Kaiserin, Gemahlin Otto II. und nach dessen Tod Regentin für den minderjährigen Otto III.
Stefan Dechanski:
s. *Stefan Urosch III.
Stefan Urosch III.:
1321-1331, serbischer Zar (auch Stefan Dechanski); verheiratet mit Maria Palaiologos, der Tochter des Johannes Palaiologos (Neffe Kaiser *Andronikos II. Palaiologos [1282-1328]) und Statthalters in Thessalonik und der *Irene Metochites, der Tochter des Großlogotheten *Theodoros Metochites; im Bürgerkrieg zwischen Andronikos II. Palaiologos und Andronikos III. Palaiologos kämpfte Stefan Urosch III. ab 1327 auf Seiten des Kaisers Andronikos II. Palaiologos (Norwich III 321).
Symeon Eulabes:
Mönch im Studios-Kloster, † 986/84; geistlicher Vater des *Symeon des Neuen Theologen
Symeon der Neue Theologe:
Symeon (949-1022), Sohn einer vornehmen, kleinasiatischen Familie aus Galati/Paphlagonien und zum Hofstaat bestimmt, war 977 in das Studios-Kloster in Konstantinopel eingetreten, wo er sich Symeon Eulabes als sseinem "geistlichen Vater" so eng anschloß, daß das als verbotene Privatfreundschaft Anstoß erregte und der Novize aus dem Kloster ausgeschlossen wurde. Er fand um 980 Aufnahme im Mamas-Kloster, wird zum Priester geweiht und bald Hegumenos (Abt) des Klosters. Er leistet intensive Arbeit für eine innere und äußere Klosterreform. Seine öffentliche Verehrung von Symeon Eulabes nach dessen Tod (986/87) führt zu Schwierigkeiten mit der klösterlichen Kommunität, die auch theologische Auseinandersetzungen mit der Kirchenleitung auslösen. Die trotzdem fortgesetzte Polemik führt zu Anfeindungen gegen ihn seitens des Synkellos des Patriarchen. 1009 wurde Symeon aus der Hauptstadt verbannt ins Gebiet von Chrysopolis (Skutari). 1010/11 rehabilitiert auf Betreiben seiner vornehmen Beichtkinder, weigerte er sich, zurückzukehren, gründete in seinem Verbannungsort ein Kloster und wirkte dort bis zu seinem Tode.
Symeon hatte seit seinem 20sten Lebensjahr eine Reihe von Visionen des göttlichen Lichts (Ware, Kallistos: Weisen des Gebetes udn der Kontemplation; in: McGinn u.a.: Geschichte der christlichen Spiritualität, Bd. I S. 408).
Der zu seinen Lebzeiten heftig umstrittene Symeon, dem sein Schüler Niketas Stethatos den Ehrennamen "Der NeueTheologe" beigelegt hat, womit er ihn den Trägern dieses Ehrenprädikats in der Ostkirche, dem Evangelisten Johannes und dem Kirchenvater Gregorios von Nazianz, als gleichrangig zur Seite stellte, gilt als der bedeutendste und originellste Mystiker der mittelbyzantinischen Zeit. Wenn sich auch die absolute Originalität seiner Gedanken nicht mehr behaupten läßt, er vielmehr zu großen Teilen in seinen Aussagen von älteren Theologen abhängig ist und selbst der Gedanke nicht als sein geistiges Eigentum gelten kann, daß sich Gott dem Menschen als Licht und im Licht offenbart (s.u.), so gilt doch uneingeschränkt, daß seine Bedeutung für die mystische Theologie nicht hoch genug bewertet werden kann. Nicht nur der tiefe Ernst, mit dem er um die Gottschau ringt, nicht nur die aus seinem mystischen Erleben gezogenen ethischen Konsequenzens und nicht nur die überbrodelnde Offenheit, mit der er immer wieder von seinen Erfahrungen spricht und schreibt und die ihm den Vorwurf eintrug, niemand von den Vätern der Kirche habe so viel von sich selbst geredet wie er, sind dafür maßgebend, sondern vor allem, daß er das umfangreichste Aussagenmaterial über den Weg der Gottesschau und deren Wesen und Wirkungen niedergelegt hat, daß sein Schüler *Niketas Stethatos seine Schriften herausgegeben, ihre Gedankenfülle in ein System gebracht und später den symeonischen Enthusiasmus erheblich reduziert hat. Die von den Kirchevätern übernommene Aufstiegsspiritualität zeigt bei Symeon Akzentverschiebungen: unerläßliche Voraussetzung für jedes Fortschreiten auf dem geistlichen Weg ist die vorbehaltlose Unterordnung unter den Pater pneumaticos. Damit verlagert sich sich die herkömmliche Gehorsamsforderung vom eingesetzten Vorsteher der Mönchsgemeinschaft auf den individuell gesuchten, mit Hilfe des Hl. Geistes gefundenen Seelenführer (vgl. Dahme, Byz. Mystik Bd. 2, S. 20).
Wenn auch nach Niketas die mystische Theologie seines Meisters zunächst von der Bildfläche zu verschwinden scheint und völlig andere Probleme die theologische Diskussion beherrschen, so haben doch nach Jahrhunderten die *Hesychasten die scheinbar vergessenen Lehren Symeons wieder aufgegriffen und ihn neben anderen älteren Theologen zu ihrem Vorläufer erklärt. Damit wurde sein Rang als mystischer Theologe entgültig anerkannt (aus HDThG I 326 f). Mehr als das schriftstellerische Werk des Symeon blieb der Name Symeon lebendig, der mit einer wesentlichen jüngeren Schrift über die Methode des Hl. Geistes verknüpft wurde, dem folgenreichen Grundtext der hesychastischen Bewegung (Dahme, a.a.O., S. 21).
Eindrucksvoller als jeder andere Autor stellt Symeon der Neue Theologe das göttliche Licht in den Mittelpunkt seiner geistlichen Lehre. "Wir bezeugen, daß Gott Licht ist und daß jene, die wert befunden wurden, ihn zu sehen, ihn alle als Licht sahen, und jene, die ihn empfangen haben, ihn als Licht empfangen; denn das Licht seiner Herrlichkeit geht ihm vorauf. Es ist ihm unmöglich, sich ohne Licht zu offenbaren; jene, die sein Licht nicht gesehen haben, haben ihn nicht gesehen; denn er ist das Licht, und jene, die das Licht nicht empfangen haben, haben noch keine Gnade empfangen." (Katechis 28, zitiert nach der Übersetzung von C.J.Catanzaro, Symeon the New Theologian. The Discourses, New York 1980, 298; Ware, a.a.O. S. 408)
Das göttliche Licht gebrauchten Irenäus, Origenes, Gregor von Naszianz, Evagrius und Gregor Palamas und Nikolaos Kabasilas.
Literatur:
- Holl, Karl: Symeon der Neue Theologe in: Holl, Karl: Gesammelte Aufsätze zur Kirchengeschichte
- Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte I 326
- Hussey, Joan M., Symeon the New Theologian and Nicholas Cabasilas: Similarities and Contrasts in Orthodox Spirituality“, Eastern Churches Revue 4 (1972), pp. 131-140
- Ware, Kallistos: Weisen des Gebetes udn der Kontemplation; in: McGinn u.a.: Geschichte der christlichen Spiritualität, Bd. I S. 408 f
Symeon von Thessaloniki:
gest. 1429 (nach Schulz, Liturgie, S. 15); bekannt für seine Liturgiedeutung +++++
Symeon von Thessaloniki vergleicht den Narthex mit der Erde, das Schiff mit dem Himmel und den Altarraum mit dem, was über den Himmeln ist (MPG 155,705)
Tarasios, Patriarch von Konstantinopel (784-806):
es war vor seiner Erhebung zum Patriarchen Sekretär der Kaiserin *Irene gewesen, ein hochgebildeter und theologisch geschulter Laie, dem 784 sein von Leon IV. erhobener Amtsvorgänger hatte weichen müssen. Unter Tarasios fand das Konzil von Nikaia 787 statt (HDThG I 310).
Theodora Palaiologina:
Tochter des Kaisers Michael IX. Palaiologos 1294-1320 und Rita/Maria, die Tochter des kleinarmenischen Königs Lewon II. († 1289); Schwester des Kaisers Andronikos III. Palaiologos; in erster Ehe verheiratet mit Theodor Swetoslaw (1300-1322); nach dessen Tod verheiratet mit dem Bulgarenzar *Michael III. Sisman;
Theodora Komnena Palaiologina:
Gattin des Großadmirals *Isaak Asanes Palaiologos. Theodora war Tochter des Mongolenchans Abaqa († 1282) und der *Maria Komnena Palaiologina (die als Despina ton Mongolon, als 'Mongolenfürstin' bekannt ist, einer unehelichen Tochter Kaiser Michaels VIII. Palaiologos).
Theodora Dukaina Palaiogina:
Theodora Dukaina war Tochter eines Johannes Dukas bzw. Enkelin des Isaakios Dukas Sebastokrator (eines Bruders des Kaisers Johannes III. Dukas Batatzes). Michael Palaiologos, einer der tüchtigsten Militärs um die Mitte des 13. Jh., wurde 1253 wegen Hochverrats eingekerkert, bald darauf allerdings wieder freigelassen und heiratete 1253/1254 Theodora, worauf diese auch den Familiennamen des Gatten annahm (was erst damals "in Mode kam"). Die folgenden Jahre verliefen sehr turbulent, bis er im September 1258 - nach der Ermordung des Georgios Muzalon, des Regenten für den achtjährigen Johannes IV. Laskaris - selbst Regent wurde. Der weitere Aufstieg ging sehr schnell. Am 1.1.1259 wurde er als *Michael VIII. Palaiologos zum Mitkaiser gekrönt. Nach der Rückgewinnung Konstantinopels ließ er sich am 15.8.1261 erneut krönen, worauf Johannes IV. von der Macht entfernt wurde; damals soll der Kaiser auch daran gedacht haben, seine Gattin zu verstoßen. In den 60er Jahren erließ die Kaiserin einige Urkunden (für das Johannes-Theologos-Kloster auf Patmos). Michael VIII. starb am 11.12.1282, Theodora am 4.3.1303. (zu Theodora und Michael VIII. vgl. PLP IX 21380 u. 21528 mit weiterer Lit.; Seibt/Zarnitz, S. 61).
Theodoros Metochites:
1260-1332; Schriftsteller und Gelehrter; seit 1290 bis 1328 Großlogothet und engster Berater Kaiser *Andronikos II. Palaiologos (Norwich III 318), Großlogothet; einer jener hochbedeutenden Humansiten, die in spätbyzantinischer Zeit das philosophische, wissenschaftliche und literarische Erbe der Antike wiedererweckten (Hutter, Frühchristliche Kunst, Byzantinische Kunst, S. 166 ; Kunst-Mäzen: er stiftete das bedeutendste Denkmal der Paläologischen Kunst, die Kirche des Chroa-Klosters in Konstantinopel, heute Kahrie Djami (Hutter, a.a.O., S. 166).
Theodor Studites:
auch Theodor von Studios; Theologe, Abt des *Studiosklosters in Konstantinopel um 800; Führer der zelotisch gesinnten konservativen Orthodoxie in Konstantinopel.
Nach dem Sturz des Kaisers Michael I. Rangabe (811-913) und der Krönung des ikonoklastischen Kaisers Leon V. des Armeniers (813-820) widersetzte sich Theodoros Studites, zusammen mit Patriarch *Nikephoros I. (806-815), der ikonoklastischen Reaktion, die von *Johannes Grammatikos und *Theodotos Melissenos (auch als Th. Kassiteras bezeichnet), dem späteren Patriarchen (815-821) angeführt wurde. Patriarch Nikephoros I. wurde deportiert und legte sein Amt nieder, um, wie er selbst äußerte, die Befriedung der Kirche nicht zu behindern.
Gegen die Synode von Konstantinopel (815), die das Verbot der Bilderverehrung unter Aufhebung der Konzilsbeschlüsse von Nikaia II (787) machten Teile des Mönchtums unter Theodoros Studites Front. Theodoros wurde wegen seiner Haltung verurteilt und ins Gefängnis geworfen.(vgl. Nikolaou: Die Ikonentheologie als Ausdruck einer konsequenten Christologie bei Theodoros Studites, in: Orthodoxes Forum 1993 Heft 1, S. 23 f; Norwich II, S. 41; Beck, S. 86/87; Ostrogorsky, S. 165/166)
Theodoros Swetoslaw:
1300-1322; bulgarischer Herrscher (Ostrogorsky, S. 423), vertrieb die mongolischen Stämme aus Bulgarien, griff 1304 Thrakien an und bedrohte Konstantinopel (Norwich III 310) bis 1307 (Norwich III 311); seit dem Frieden mit Byzanz und der Überlassung der von ihm bereits eroberten ehemals byzantinischen Häfen am Schwarzen Meer, verheiratet seit 1307 mit *Theodora Palaiologina, der Tochter des Kaisers *Michael IX. Palaiologos 1294-1320 und der Rita/Maria, die Tochter des kleinarmenischen Königs Lewon II. († 1289), Enkelin des Kaisers *Andronikos II. Palaiologos (-1328) und Schwester des Kaisers *Andronikos III. Palaiologos (Norwich III 321);
Theodoros, Hexapterygos:
Schriststeller 13. Jh. (vgl. Hunger, H.: Byz.Ztg 1995, 26; Hörander, W.: Die Progymnasmata des Theodoros Hexapterygor, in: Byzantion. Festschrift für Herbert Hunger zum 70. Geburtstag, Wien 1984, 147-162
Theodotos Kassiteras:
s. Theodotos I. Melissenos
Theodotos I. Melissenos:
auch Theodotos Kassiteras genannt. 815-821 Patriarch von Konstantinopel; Theodotos stammte aus vornehmen Geschlecht und war mit der dritten Gattin Kaiser Konstantin V. (741-775), *Theodote, verwandt. Am Hof Kaiser Leon V. des Armeniers (813-820) war er Höfling; er wurde in der neuen ikonoklastischen Krise unter Kaiser Leon V. wegen seiner ikonoklastischen Gesinnung, und wegen seiner Abhängigkeit als Höfling des Kaisers als Nachfolger des abgesetzten Patriarchen Nikephoros I. (806-815) zum Patriarchen von Konstantinopel ernannt. (vgl. Ostrogorsky, S. 165)
Theodote:
dritte Gemahlin Kaiser Konstantin V. (741-775), verwandt mit Theodotos I. Melissenos, dem späteren Patriarchen (815-821).
Theophanes Confessor:
Mönch und Chronist (Ende 8. / frühes 9. Jh.); einzige Quelle der Regierungszeit Kaiser Nikephoros I. (802-811); vgl. Theophanes Confessor, Bilderstreit und Arabersturm in Byzanz. Das 8. Jh. (717-813) aus der Weltchronik des Theophanes, übers., eingeleitet und erklärt von Leopold Breyer, in: Byzantinische Geschichtsschreiber, hrsg. von Endre Ivánka, Band 6, Graz 1957.
Theophano:
Schwiegertochter des Kaisers Nikephoros I. (802-811) und Ehefrau des Mitkaisers Staurakios. Theophano war Athenerin und ihre offensichtliche (wenn auch wahrscheinlich nut entfernte Verwandschaft) mit der Kaiserin Irene )797-802; durch Nikephoros I. gestürzt) hatte Kaiser Nikephoros I. (802-811) nicht daran gehindert, sie auf eine Liste schöner Jungfrauen setzen zu lassen, die er als mögliche Bräute für seinen Sohn und Mitkaiser Staurakios in Betracht zog. Wie uns zu versteheh gegeben wird, erfüllte sie beide Bedingungen (Jungfernschaft und Schönheit) nicht ganz und soll nur deshalb ausgewählt worden sein, weil Nikephoros ihre beiden Rivallinnen seinem Sohn nicht gönnte (Norwich II 480).
Theophano, die Ältere:
Gattin des Kaisers Romanos II. (959-963); Mutter der Kaiser *Basileios II. (976-1025) und Konstantin VIII. (Mitkaiser neben seinem Bruder Basileios seit 962; Alleinherrscher 1025-1028). Tochter eines peloponnesischen Schankwirts; sie hieß zunächst Anastaso, als Kaiserin trug sie seit 959 den Namen Theophano; seit ca. 956 mit dem späteren Kaiser Romanos II. verheiratet; von atemberaubender Ausstrahlung, nach Diogenes Diakonos die "liebreizendste Frau ihrer Zeit"; ehrgeizig, sittenlos und skrupellos; erreichte gegen alle Widerstände trotz nicht standesgemäßer Herkunft die Eheschließung mit dem späteren Kaiser Romanos II. und beherrschte ihren Kaisergatten völlig; wurde mit 18 Jahren Kaiserin (vgl. Norwich II, 220, Ostrogorsky, a.a.O., S. 236); setzte nach der Thronbesteigung die Entmachtung ihrer Schwiegermutter Helena und der fünf Schwestern des Kaisers durch, wobei letztere als Konkurrentinnen um die Macht als Nonnen ausgeschaltet wurden.
Theophano spielte in der Geschichte des byzantinischen Reiches eine außergewöhnliche Rolle.
Die Kaiserin hatte mit Kaiser Romanos II. vier Kinder. Nach dem frühen und überraschenden Tod des Kaisers (15.3.963) führte sie für 5 bzw. 3 Jähre alten Mitkaiser *Basileios II. und *Konstantin VIII. die Regentschaft (15.3. - 16.8.963). Sie sah sich einer gefährlichen gegeneinandergerichteten Machtkonstellation gegenüber, bestehend aus den mächtigen Feldherrn Nikephoros Phokas, Leon Phokas und Johannes Tsimiskes, wobei auch der Eunuch Joseph Bringas mitmischte. Zum Überleben ihrer Familie und der kleinen Söhne brauchte sie Schutz, den sie in Heirat mit dem erfolgreichen Feldherrn Nikephoros Phokas. Die Pläne des Parakoimomenos (Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen) *Joseph Bringas, eines entschiedenen Gegners der Phokas, der als Eunuch von der Übernahme der Kaiserstellung ausgeschlossen war, durchkreuzte sie bereits vor Ostern 963 durch eine geheime Verständigung mit Nikephoros Phokas, der auf ihren Ruf hin bereits im April 963 ohne Truppen nach Konstantinopel kam, sich dort die Unterstützung von Volk und Kirche durch die kluge Bitte um Asyl in der Hagia Sophia gegen angebliche Verfolgung durch Joseph Bringas sicherte und nach Ostern zu seinen Truppen zurückkehrte. Dort wurde Nikephoros Phokas von seinen Truppen in Kaisereia zum Kaiser ausgerufen, zog am 14.8.963 in Konstantinopel ein, brach den Widerstand des Bringas in blutigem Straßenkampf und wurde am 16.8.963 in der Hagia Sophia zum Kaiser gekrönt (nach Ostrogorsky, S. 237; Norwich II., S. 232 f, 234) und heiratete die Kaiserin.
In den Kampf um die Macht schaltete sich der Patriarch Polyeuktos (956-970) ein, der sich geschickt mit dem Senat (Vorsitzender der frühere Parakoimomenos und jetzige Proedros Basileios, unehelicher Sohn Kaiser Romanos I.) verständigt hatte. Polyeuktos warf sich zum Wahrer der Rechts der kleinen Söhne des verstorbenen Kaisers Romanos II. (959-963), *Basileios II. und *Konstantin VIII.(bereits 960 bzw. 962 als Kleinkinder zu Mitkaisern ernannt) auf. Er verlangte von Nikephoros Phokas, der im Ruf eines frommen und asketischen Lebens stand (und angab, unter seinem Freund Athanasios, dem Abt des Athosklosters Megisti Lavra, Mönch werden zu wollen), einen besonderen Treueid gegenüber den Rechten der Kaisererben und denen des Senats. Nachdem Nikephoros Phokas die Kaiserin Theophano geheiratet hatte, verweigerte der Patriarch diesem den Eintritt in die Kirche, wegen abgeblicher "geistlicher" Verwandschaft beider, bis die Frage zugunsten des Kaisers geklärt war (Beck, Geschichte der orthodoxen Kirche, S. 125).
Theophano, deutsche Kaiserin:
»In einem Vortrag über die Herkunft der Theophano für Förderung kulturellen Lebens in Zürich im Jahr 1939 und in dem Roman "Die Kaiserin Theophano" 1941 hat Albert Heinrich Rausch unter dem Pseudonym Henry Benrath die in den Quellen namentlich nicht genannten Eltern der Kaiserin Theophano, ab 971/2 Gemahlin Kaiser Ottos II., mit dem Patrikios Konstinnos Skleros und der Sophia Phokaina erschlossen. Er hatte die beiden byzantinischen Geschichtswerke des Leon Diakonos und des Johannes Skylitzes in richtiger Weise interpretiert.« aus Buschhausen, in: Konstantinou, Byzanz ..., GeschByz8, 57
Theophano war am 14. IV. 972 mit dem bereits am 25. XII. 967 in Rom zum Mitkaiser Ottos I. gekrönten Sohn Otto II. vermählt worden und hatte damit in das sächsische Herrscherhaus jenen berühmten und überlegenen Glanz der byzantinischen Kultur gebracht, welcher in der Kunstgeschichte zu so vielen Theorien Anlaß gegeben hat. P.E. Schramm hatte auf I die Kontinuität der Leitnamen hingewiesen, denen zufolge die 976 geborene erste Tochter der Theophano Adelheid nach ihrer Großmutter väterlicherseits, die 977 geborene zweite Tochter Sophia nach ihrer Großmutter mütterlicherseits benannt worden ist.
Theophano war nicht die durch Otto I. von Kaiser Nikephoros Phokas für die Hochzeit mit dem gleichnamigen Sohn erbetene byzantinische Porphyrogenneta Anna, die Tochter Kaiser Romanos II. und der Theophano d.Ä., also die Stieftochter des Nikephoros Phokas, sondern sie war die leibliche Nichte des Kaisers Johannes Tzimiskes; sie galt während dessen Regierungszeit ab 969, zumindest aber nach der Zeit der Vermählung 971/2 zwar als Garant des Friedens, löste aber nicht das Zweikaiserproblem für die Ottonen in deren Sinne.
Theophano dürfte nach 963 an den byzantinischen Kaiserhof gekommen sein, sie war möglicherweise das Patenkind von Theophano d. Ä., die ab 954/6 mit Kaiser Romanos II. verheiratet war, und nach der sie den Namen erhalten hat. Sie dürfte 954/6 geboren worden sein. als Romanos II. und Theophano d.Ä. sich vermählten, wahrscheinlicher aber erst 959, als Romanos II. zum Kaiser und Theophano d.Ä. zur Kaiserin erhoben wurden. Nach dem Tod von Romanos II. verhalf Theophano d.Ä. am 11. XII 969 Johannes Tzimiskes zur Kaiserherrschaft, beide konnten sich aufgrund des Einspruchs der Kirche nicht vermählen. Theophano ging in die Verbannung und ist erst 976 nach dem Regierungsantritt von Basileios II. Bulgaroktonos (976-1025) am byzantinischen Hof nachweisbar.
Theophylaktos Simokattes:
Historiker, seine »Weltgeschichte « ist die Hauptquelle der Regierungszeit Kaiser Maurikios (Norwich I 499 Anm. 8)
Thomas von Gaziura, auch Thomas der Slawe:
Offizier, am erfolglosen Putschversuch des *Bardanes Turkos (803) zusammen mit den späteren Kaisern *Leon V. und *Michael II. Psellos beteiligt; einer der drei Offiziere, die Bardanes Turkos zum Einsiedler von Philomelion begleiteten (Norwich II 16, 49, 479). Nach der erfolgreichen Usurpation des Thrones durch Kaiser Michael II. Psellos (820) begann Thomas von Gaziura den Aufstand gegen den neuen Kaiser, und ließ sich als angeblich noch lebender Kaiser *Konstantin VI. [780-797] ausrufen, der 797 den Tod nach Blendung durch seine Mutter Kaiserin *Irene gefunden hatte) in Antiochia krönen; er eroberte innerhalb von 2 Monaten mit einem Heer von 80000 Mann fast ganz Anatolien und setzte im Dezember 821 nach Thrakien zur Belagerung von Konstantinopel über. Nach dem Scheitern der ersten Belagerung begann er im Frühjahr 822 einen weiteren Versuch zur Einnahme der Stadt; durch das Eingreifen des Bulgaren-Khans Omurtag (Sohn des Khans *Krum) 823 und der Niederlage des Thomas von Gaziura in der Schlacht von Heraklea (das heutige Erekli) in der Keduktos-Ebene im März 823 wurde der Aufstand niedergeschlagen und der Bürgerkrieg beendet (Norwich II 49-53; Beck: Geschichte der orthodoxen Kirche, a.a.O., S. 88). Folge des Aufstandes war u.a. die Eroberung Kretas durch die Araber zwischen 823 und 828 (Detorakis, Geschichte von Kreta S. 132).
Tiberios II. Konstantinos, Kaiser (578-582):
pragmatischer aber verschwenderischer Kaiser; Zerrüttung der Staatsfinanzen durch Steuersenkung und ungezügelte Ausgabenpolitik; Versuch den steten Niedergang von Byzanz entgegenzuwirken; Zunahme des griechischen Einflusses im byzantinischen Reich; Absetzung und Verbannung der Kaiserinwitwe Sophia; Heeresverstärkung und Aufrüstung des Heeres; 581 Aufstellung eines Elitekorps aus 15000 Foederati (spätere Warägergarde); 581 byzantinischer Sieg unter Maurikios über die Perser unter Hormisdas; 582 Heirat des Generals Maurikios und der Kaisertochter Constantina; 13.8.582 Tod des Kaisers (durch Vergiftung?).
Urselios (Roussel) von Bailleul:
Normanne (Nord-Franzose), seit etwa 1069/70 in byzantinischen Diensten, war zunächst mit Robert Guiskard nach Süditalien gekommen; Aufstand 1073 unter Kaiser Michael VII. Doukas (1071-78) mit Versuch, sich in Kleinasien ein unabhängiges Fürstentum einzurichten zeigte auch Aspirationen auf den Kaiserthron; er plünderte nach der Schilderung der Anna Komnena nahezu sämtliche Ostprovinzen des Reichs (vgl. Schilderung der Anna Komnena, Alexias, S. 26; zu ihm vgl. ODB sub v. Roussel; zu seiner Revolte: Cheynet, Pouvoir, Nr. 97).
Zelotenaufstand:
1342-1349; ++++ Papagiannopoulos, S. 112f
Anhang 1: Personenglossar
Anna Doukaina:
Die Dukas-Familie, die 1059 zu Kaiserehren gekommen war, und dann im Bündnis mit den Komnenen an der Macht blieb, war relativ groß. Die Zuordnung von Personen wird oft dadurch erschwert, daß auch manche Komnenen den höher eingestuften Dukas-Namen vorzogen, insbesondere wenn sie - zumindest mütterlicherseits - mit ihnen verwandt waren. Bei den Damen wiederholen sich einige wenige Vornamen immer wieder, sodaß eine genaue Zuweisung vor allem dann, wenn Titel oder Berufsbezeichnungen (des Gatten) auf den Siegeln fehlen, doppelt schwierig ist.
So kennen wir mehrere verschiedene Siegeltypen, die jeweils eine Anna Dukaina etwa für das späte 11. Jh. nennen, z. T. ohne Rangtitel, einmal mit dem Rangtitel Kuropalatissa, mehrere mit dem Rangtitel Sebaste. Durch andere Quellen ist eine Anna Dukaina belegt, die 1068 oder kurz danach als Tochter des Andronikos Dukas geboren wurde und kurz vor 1081 den tüchtigen General Georgios Palaiologos heiratete, der 1081 Sebastos wurde (POLEMIS, Doukai 74f., Nr. 27; SKOULATOS 24f., Nr. 15); über ihre Schwester Eirene war diese Anna immerhin Schwägerin des Kaisers Alexios I. Anna starb zwischen 1118 und 1136. Auf sie dürften jene Siegel zu beziehen sein, die den Rangtitel Sebaste bieten, auf der Avers-Seite eine Büste der Theotokos Episkepsis aufweisen.
Der Name Anna Doukaina ist ist durch verschiedene Siegeltypen für das späte 11. Jh. bekannt, z.T. ohne Rangtitel, einer mit dem Titel Kouropalatissa, mehrere mit dem einer Sebaste. Durch andere Quellen ist eine Anna Doukaina belegt, die 1068 oder kurz danach als Tochter des Andronikos Doukas geboren wurde und kurz vor 1081 den tüchtigen General Georgios Palaiologos heiratete, der 1081 Sebastos wurde.. Über ihre Schwester Eirene war Anna Schwägerin des Kaisers Alexios I. Anna starb zwischen 1118 und 1136 (Lit.: Seibt/Zarnitz, a.a.O., S. 47).
Bardanes Turkos:
byzantinischer Oberbefehlshaber unter Kaiser Nikophoros I. (802-811), armenischer Herkunft; gescheiterte Usurpation 803 (Norwich II, 16). Es heißt, kurz nach seiner Revolte habe Bardanes beschlossen, in Begleitung dreier seiner engsten Verbündeten den Einsiedler von Philomelion in der Nähe von Antiochia aufzusuchen, der weitherum im Ruf stand, die Gabe der Prophezeiung zu besitzen. Der Einsiedler soll Bardanes bei dieser Gelegenheit mit durchdringendem Blick gemustert und dann entschieden den Kopf geschüttelt haben, um darzutun, daß für ihn keine Hoffnung bestehe. Dann soll er die anderen angeschaut und vorausgesagt haben, zwei von ihnen würden die Kaiserkrone tragen und der dritte es beinahe schaffen. Bei den ersten beiden handelte es sich um die künftigen Kaiser Leon V. und Michael II., der dritte war Thomas der Slawe (Norwich II 479).
Bardas Skleros:
*Bardas Skleros, einer der großen Gegenspieler des Kaisers Basileios II., griff 976 zum ersten mal nach der höchsten Macht, konnte sich aber nicht durchsetzen. Daß sein einziger Sohn Romanos während des zweiten Usurpationsversuches rechtzeitig die Seiten wechselte, sicherte der Familie den Verbleib in den höchsten gesellschaftlichen Schichten.
Basileios Achridenos, Metropolit von Thessaloniki:
Metropolit von Thessaloniki (1145-1169) (vgl. Kourkoutidou-Nikolaïdo, S. 21/22)
Basilios der Große:
Basilius wurde um 329/30 im kappadokischen Cäsarea (Neo-Cäsarea) in einer begüterten und vornehmen christlichen Familie geboren. Seine Grosseltern väterlicherseits hatten während der Verfolgung von Maximinus Daja (305) zu den Bekennern gehört und sieben Jahre als Flüchtlinge in den Bergen ihr Leben gefristet. Seine Großmutter Makrina war außerdem Schülerin des alle überragenden kappadokischen Theologen und Wundertäters Gregor Thaumaturgos gewesen. So wuchs Basilius unter neun Geschwistern im christlichen Glauben auf, obwohl er gemäß der damals herrschenden Gepflogenheit - die er später als Bischof verurteilte - nicht schon als Kind getauft wurde. Man war in den Zeiten der Verfolgung dazu übergegangen, die Taufe nur denen zu erteilen, clie eine gewisse Gewähr zu bieten vermochten, den Glauben unter der Folter nicht zu verleugnen; darum vermied man die Kindertaufe weitgehend. Die christliche Erziehung, die er schon in früher Jugend genoss, war keineswegs eng und weltfremd. Sein Vater legte großen Wert darauf, daß er mit allem bekannt wurde, was an christlichem und heidnischem Wissen zur Verfügung stand. So erhielt er eine exzellente Schulbildung, zuerst in seiner Heimatstadt, dann in Cäsarea in Palästina, wo er mit seinem lebenslangen Freund Gregor von Nazianz bekannt wurde, sodann mit diesem zusammen in Konstantinopel und Athen. Nach einem erfolgreichen Rhetorikstudium kehrte er 356 nach Kappadokien zurück, wo er in seiner Heimatstadt für kurze Zeit Rhetorik unterrichtete. Doch die eindringlichen Ermahnungen seiner Schwester Makrina einerseits, die gemeinsam mit ihrer Mutter und einer Anzahl als Schwestern angenommener ehemaliger Dienerinnen auf dem Familiengut Annisi am Irisfluss ein monastisch-asketisches Leben führte, und der Einfluß des von ihm zunächst bewunderten Bischofs Eusthatius von Sebaste andererseits bewogen ihn schließlich, auf seine Karriere zu verzichten und sich der Taufe zu unterziehen, um auch selbst ein asketisches Leben zu führen. Zunächst wollte er aber das Mönchtum in seinen verschiedenen Ausprägungen kennen lernen, daher reiste er nach Syrien bis Mesopotamien, nach Palästina und Ägypten zu den berühmtesten Mönchssiedlungen. Dann gründete er unweit des Klosters seiner Schwester und dem Ort, wo sein Bruder Naukratius mit einem Gefährten ein Einsiedlerleben geführt und bei einem Jagdunfall ums Leben gekommen war, eine Mönchssiedlung, zu der bald auch sein Freund Gregor von Nazianz hinzustieß. Gemeinsam organisierten sie das monastische Leben, entwarfen die ersten Regeln (regulae morales) und sammelten aus den Schriften des Origenes eine Anthologie über das Gebet (die Anfänge der «Philokalie», der «Tugendliebe»). Sie lebten asketisch, vermieden aber in mancher Hinsicht den Rigorismus der Eustathianer (Auflösung bestehender Ehen, Ablehnung verheirateter Priester, Fasten an Sonntagen etc.), der 340 auf der Synode in Gangra verurteilt worden war, aber sie brachen die Freundschaft mit Eustathius und seinen Schülern nicht. 359/60 wurde Basilius vom Bischof seiner Vaterstadt Cäsarea zum Diakon geweiht und begleitete diesen 360 zu einem von der antinikänischen Hofpartei beherrschten Konzile von Konstantinopel. Weil sein Bischof wenig Rückgrat in Bezug auf das Festhalten am Bekenntnis von Nikäa (325) zeigte, zog sich Basilius alsbald wieder in sein Kloster zurück. Auf dem Totenbett ließ der Bischof Basilius zu sich kommen und gestand vor ihm die Schuld ein, das Bekenntnis von Nikäa verraten zu haben. Vom neuen Bischof Eusebius, dem Namensvetter des berühmten Euseb von Cäsarea in Palästina, wurde Basilius 363/4 zum Priester geweiht. Doch auch da kam es nach einiger Zeit zu Spannungen und Basilius wandte sich kurz entschlossen wieder seiner klösterlichen Stille zu. Jetzt entstand eine zweite Fassung monastischer Regeln, das sog. «Kleine Asketikon. mit 203 Fragen und Antworten. Als jedoch 365 Kaiser Valens Neo-Cäsarea wegen ihres Festhaltens am Nikänum bedrohte, holte der Bischof Basilius in die Stadt zurück und machte ihn zu seiner rechten Hand. Basilius predigte, überredete Volk und Klerus, so gut er es vermochte, zur Bekenntnistreue, organisierte das liturgische und kirchliche Leben. Damals entstanden seine berühmten Predigten über das «Sechstagewerk der Schöpfung. (Hexaemeron), aber auch ein ganzer Komplex von Spitälern, Seuchenbaracken, Armenhäusern und Herbergen, der von Mönchen betreut wurde. In der Hungersnot von 367/8 organisierte Basilius eine Volksspeisung, wobei er dafür die letzten Güter, die ihm von seinem Reichtum verblieben waren, hergab. Durch seine glühenden Predigten überzeugte er zudem viele Reiche, sich auch ihrerseits von ihren Gütern zu trennen. 370 wurde Basilius, im Klerus weit weniger beliebt als im Volk, nach einer schwierigen Wahl zum Bischof von Neo-Cäsarea geweiht. Er war für das Fortbestehen der Orthodoxie der richtige Mann. 372 stellte er sich persönlich Kaiser Valens entgegen, der gekommen war, Cäsarea der kaiserlichen Religionspolitik gefügig zu machen. Valens drohte Basilius mit Verbannung, Einzug seiner Güter, Folterung und Tod. Basilius ließ sich nicht einschüchtern. Er besitze nichts als einige Bücher, ein Exil könne ihm nichts anhaben, denn er sei nirgends verwurzelt, sondern lebe als Fremdling auf Erden. Was die Folter betreffe, so werde sein geschwächter Leib sie ohnehin nicht lange aushalten können. Und den Tod betrachte er als Gunst nicht als Strafe, denn er sei jetzt schon halb tot und sehne sich seit langem nach dem Abscheiden. Als der Herrscher über diese Worte erstaunt war und äußerte, er habe noch nie eine solche Antwort bekommen, antwortete Basilius, dies sei nur der Fall, weil er noch nie mit einem Bischof zu tun gehabt habe. Der Ausgang der Geschichte war nicht nur, daß Valens die Kirche von Cäsarea unbehelligt bei ihrem Glauben ließ, sondern daß er zudem Basilius mit der Visitation und Reorganisation der zerrütteten Kirche von Armenien beauftragte. In der eigenen Kirche jedoch hatte Basilius viel mit der Unwissenheit, Nachlässigkeit und Renitenz des Klerus zu kämpfen, einer kirchlichen Vorsteherschaft, die nur auf ihren eigenen Vorteil und ihre Bequemlichkeit aus war. Basilius setzte daher oft recht gewaltsam und ohne Rücksichtnahme auf persönliche Wünsche an den Schlüsselstellen seiner Diözese Leute seines Vertrauens ein, z. B. seinen Bruder Gregor als Bischof von Nyssa, seinen Bruder Peter als Bischof von Sebaste, seinen Freund Gregor, ganz gegen dessen Willen, als Bischof von Sasima, worüber sich dieser heftig beklagte und sein Amt nie antrat. Basilius reorganisierte die Gottesdienste, sowohl die Stundengebete als auch die Göttliche Liturgie und das Mönchtum (Entstehung der Urform des Großen Asketikons), aber auch das soziale Leben der Kirche. Er kämpfte gegen Schismen und Verurteilungen orthodoxer Parteigänger, aber auch gegen jene Bischöfe und Priester, die ihr Mäntelchen immer nach dem Wind hängten. Er hoffte dabei lange Zeit vergeblich auf Unterstützung der Bischöfe aus dem Westen, auf die Hilfe einer freien. Kirche gegenüber einer Kirche im Widerstand.. So bemühte er sich, zumal nach dem Tod des Athanasius (373), die Beziehungen zu den Bischöfen im Westens wieder fester zu knüpfen. Es gelang ihm nicht. Sein letzter großer Kampf galt schließlich den Theologen, die dem Heiligen Geist das Person-Sein absprechen wollten (den sog. Pneumatomachen also, d. h.den Geistbekämpfern), zu denen auch Eustathius von Sebaste zählte, mit dem er jetzt brach. Gegen die Pneumatomachen verfasste Basilius seine wohl berühmteste Schrift: «Über den Heiligen Geist. (374/75). Durch sie wurde er zum Vorkämpfer für das Zweite Oekumenische Konzil von Konstantinopel 381, das er allerdings nicht mehr erlebte. Denn kaum fünfzigjährig starb er, völlig entkräftet und aufgezehrt, und wurde am 1. Januar unter großer Anteilnahme des Volkes beigesetzt. Obwohl sein Gedächtnistag auf das Fest der Beschneidung Christi fällt, wird es bis heute mit Hingabe festlich begangen.
Wie sehr seine Gestalt die Gläubigen seit alter Zeit beschäftigt, zeigen nicht nur die weite Verbreitung seines Patroziniums und seines Namens auf dem ganzen Gebiet des byzantinischen Reiches, sondern auch die Tatsache, dass ihm im Januar gleich nochmals zwei Gedenktage gewidmet sind.
Am 19. Januar wird eines Wunders gedacht, das ihn als anderen, neuen Elias (1 Kön 18,20-40) erscheinen läßt. Das Synaxarion erzählt: Als einst die Gegner des Nikänischen Glaubensbekenntnis
Die älteste Reaktion des Eucharistischen Hochgebetes, die in unseren Kirchen zehn Mal im Jahr, und zwar an den höchsten kirchlichen Feiertagen, in Gebrauch ist, stammt in ihren wesentlichsten Teilen aus der Hand Basilius des Grossen, dessen Gedenktage im Monat Januar liegen (1.Januar, 19.Januar, 30.Januar).
Literatur:
I Vgl. zum Folgenden: Le Synaxaire. Vie des Saints de l'Eglise Orthodoxe Adaption francaise par Macaire, moine de Simonos-Petras Thessalonique (Edition To perivolis tis Panaghias, 9 ne Prassakaki ), vol. 11,198#, p. 289-297. 456. 552-554; Basilius von Cäsarea, Über den Heiligen Geist. Eingeleitet und übersetzt von Manfred Blum Sophia Bd.#, Freiburg 1967; Basilius von Caesarea, Die Mönchsregeln Hinführung und Übersetzung von K. Suso Frank, St. Ottilien 19#1; Hans von Campenhausen, Die griechischen Kirchenväter, Stuttgart 1955, S.86-100 Hans Georg Thümmel, Die Kirche des Ostens im 3. und 4. Jahrhundert, in: Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen 1/4, Berlin 19##, S.62-102; Hans Georg Beck, Geschichte der orthodoxen Kirchen im byzantinischen Reich, in: nie Kirche in ihrer Geschichte, Ein Handbuch 183. 1, D 147-1#3; Hubertus H. Drobner, Lehrhuch der Patrolo
Basileios Skleros:
Patrikios, vor 1028; die Familie *Skleros, die zumindest armenische Traditionen hatte, gehört vom 9. bis über die Mitte des 11. Jh. zur führenden Militäraristokratie des Reiches. *Bardas Skleros, einer der großen Gegenspieler des Kaisers Basileios II., griff 976 zum ersten mal nach der höchsten Macht, konnte sich aber nicht durchsetzen. Daß sein einziger Sohn Romanos während des zweiten Usurpationsversuches rechtzeitig die Seiten wechselte, sicherte der Familie den Verbleib in den höchsten gesellschaftlichen Schichten. Bei unserem Basileios handelt es sich wohl um den Sohn des erwähnten Romanos bzw. Enkel des Bardas, einen eher gewalttätigen Magnaten mit einem bewegten Schicksal. Er gehörte sicher auch der Militäraristokratie an; auf einem Siegel erscheint er aber nur mit dem Rangtitel Patrikios, Kommando wird keines genannt. Unter Kaiser Konstantin VIII. (10251028) führte seine Feindschaft mit Prusianos, dem ältesten Sohn des 1018 gefallenen Bulgarenzaren Johannes Vladislav, zu bewaffneten Auseinandersetzungen, worauf Basileios zunächst exiliert, später - infolge Fluchtverdachts - sogar geblendet wurde. Doch "Fortunas Rad" gab ihm eine neue Chance. Auf Konstantin VIII. folgte 1028 Romanos III. Argyros, ein Schwager des Skleros, worauf dieser nicht nur rehabilitiert, sondern sogar zum Magistros erhoben wurde. In den Hofintrigen unterlagen er und seint Gattin Pulcheria allerdings um 1033 einem anderen Machtmenschen, dem Eunuchen und späteren Orphanotrophos Johannes, worauf das Paar die Hauptstadt verlassen mußte. Diese Fehlentscheidung hatte der Kaiser bald danach mit dem Leben zu büßen.
Ob alle Nachrichten, die in der fraglichen Zeit einen Basileios Skleros nennen (auch in der Peira, einer wichtigen Sammlung von Rechtsentscheiden), auf eine einzige Person zu beziehen sind, ist nicht ganz sicher. Vgl. dazu und zu Basileios allgemein SEIBT, Skleroi 65-69, Nr. 13. (vgl. Seibt/Zarnitz, S. 50)
Benrath, Martin:
Autor von: »Die Kaiserin Theophano«, Bibliothek Ref GeschOtto1; zu seiner wissenschaftlichen Leistung bei der Klärung der Abstammung der Kaiserin Theophano vgl. Buschhausen, in: Konstantinou GeschByz8:
»In einem Vortrag über die Herkunft der Theophano für Förderung kulturellen Lebens in Zürich im Jahr 1939 und in dem Roman "Die Kaiserin Theophano" 1941 hat Albert Heinrich Rausch unter dem Pseudonym Henry Benrath die in den Quellen namentlich nicht genannten Eltern der Kaiserin Theophano, ab 971/2 Gemahlin Kaiser Ottos II., mit dem Patrikios Konstantinos Skleros und der Sophia Phokaina erschlossen. Er hatte die beiden byzantinischen Geschichtswerke des Leon Diakonos und des Johannes Skylitzes in richtiger Weise interpretiert.«
Blastares, Matthäos:
byzantinischer Kanoniker (frühes 14. Jh.)., u.a. Verfasser des berühmten Handbuches des bürgerlichen und kirchlichen Rechts, der sog. Syntagma; dieses wurde vom Serbenherrscher Stefan Duschan 1349 als Grundlage des neuen serbischen Gesetzbuchs verwendet (vgl. Kourkoutidou, Spaziergänge, S. 45 u. Norwich III, S. 352).
Constans (Flavius lulius C.):
röm. Kaiser 337-350, geb. 323 als Sohn Konstantins d. Gr. und der Fausta, ermordet 350 in Südgallien. 333 Caesar, 337 mit seinen Brüdern zum Augustus ausgerufen; er erhielt unter Konstantius II. Vormundschaft Italien, nach dessen Tod auch den gallischen Reichsteil. Anfang 350 fiel C. dem Usurpator Magnentius zum Opfer.
Constantius Chlorus:
Constantius I. Chlorus (C.Flavius Valerius C.), röm. Kaiser 305-306; geb. 264 in Illyrien; gest. 25.7.306 in Eburacum (York); einfacher Herkunft (Abstammung von Claudius (II) Gothicus ist spätere konstantinische Propaganda); Anfänge seiner Laufbahn unsicher, später Prätorianerpräfekt. C. wurde von Maximian zum Caesar angenommen (1.3.293) und damit Mitglied der Tetrarchie Diokletians. Zunächst Verbindnung (Heirat nicht bezeugt) mit Helena, der Mutter Konstantins d.Gr. Als Gatte der Theodora war er bereits Schwiegersohn des Maximian; als Caesar wurde er von ihm adoptiert. Bei der Kompetenzverteilung erhielt er Gallien zugewiesen (Residenz Augusta Treverorum, Trier), dazu Britannien, das er 293-297 den Usurpatoren Carausius und Allectus entriß. Danach Kämpfe an der Rheinfront gegen Germanen (Ansiedlung von Franken 297; Alamannensieg 298). Als einziger der Tetrarchen ließ er die Edikte gegen die Christen wenig beachtet, mit Auslahme des einen, das ihre Endassung aus dem Heer anordnete. Nach dem Rücktritt der Augusti rückte C. mit Galerius (I) zum Augustus auf (1.5.305) umd übernahm den ganzenWesten mit Pannonien. Er duldete, daß Galerius beide Caesarstellen mit eigenen Anhängern besetzte, nahm Severus als Caesar hin und adoptierte ihn, obwohl er Söhne hatte; von diesen förderte er Konstantin deutlich. Er starb bald nach seinem Amtsantritt als Augustus bei der Rückkehr von einem Feldzug nach Brittanien.
Constans (Flavius Iulius C.)
röm. Kaiser 337-361, geb. 7.8.317 als Sohn Konstantins d. Gr. und der Fausta, ermordet 3.11.361 in Kilikien++++++
Crispus:
Crispus; altester Sohn Konstantins I. und der Konkubine Minervina, meist Flavius Julius C. genannt. Er wurde 3I7 n. Chr. zum Caesar erhoben, residierte in Trier erhielt Laktanz als Erzieher, führte das Kommando bei Kämpfen gegen Franken und Alamannen.Vermählt mit einer sonst nicht bekannten Helena; Teil der Hofhaltung ist wohl der in Trier (Augusta Treverorum) wiedergefundene deckengeschmückte Palastraum. Im Krieg seines Vaters gegen Licinius(I) i.J. 324 befehligte er die Flotte. 326 wurde er einer unerlaubten Beziehung zu seiner Stiefmutter *Fausta beschuldigt und auf Veranlassung Konstantins in Pola mit Gift getötet.
Chryselios:
Die Familie Chryselios (Chruselios ist dazu eine Sonderform) wird im 11. Jh. mehrfach erwähnt. Sie geht auf einen hohen bulgarischen Würdenträger (und Schwiegervater Samuels) zurück, der dem Kaiser Basileios II. um die Jahrtausendwende (1005?) Dyrrachion übergab, worauf seine beiden Söhne Patrikioi wurden (Skyl. 342f.). Ein erster Theodoros Chryselios wird (als Patrikios) zum Jahr 1057 bei der Usurpation Isaaks I. Komnenos als dessen Parteigänger erwähnt (Skyl. 498,32), ein zweiter in einem Brief des Theophylaktos, Erzbischofs von Ohrid, an den Protasekretis Gregorios Kamateros aus dem Jahr 1094, wo sowohl dessen militärische als auch mathematisch-astrologische Fähigkeiten hervorgehoben werden (sollte er als Apographeus empfohlen werden?). Auf ersteren ist wohl ein Siegel des IFEB (Nr.840) zu beziehen, das einen Theodoros Chryselios als *Protospatar, Richter des Belon und des Themas Armenikon nennt (Seibt/Zarnitz, S. 77/78)
Demetrios Kydones:
Gelehrter aus Thessaloniki, Anfang 14. Jh. (vgl. Nikonanos, GrieThess5, S. 7); Demetrius Cydones (Kydones), Correspondence 2 vols. (complete), ed. R-J Loernertz, Studi e Testi 186, 208, (Vatican: 1956-60); also Demetrius Cydones Correspondence, ed. and French trans. of 50 letters, G. Cammelli, (Paris: 1930) [Vol 1. p. 122 on the Plague.]; Demetrios Kydones: Briefe. Übersetzt und erläutert von F. Tinnefeld. Zweiter Teil, Stuttgart 1991
Dositheos (Skarpetis):
Patriarch von Jerusalem (1641-1707); s. *Confessio Dosithei (HDThG II 509, 510).
Doukas, Familie
Die Dukas-Familie, die 1059 zu Kaiserehren gekommen war und dann im Bündnis mit den Komnenen an der Macht blieb, war relativ groß. Die Zuordnung wird oft dadurch erschwert, daß auch manche *Komnenen den höher eingestuften Dukas-Namen vorzogen, insbesondere wenn sie - zumindest mütterlicherseits - mit ihnen verwandt waren. Bei den Damen wiederholen sich einige wenige Vornamen immer wieder, sodaß eine genaue Zuweisung vor allem dann, wenn Titel oder Berufsbezeichnungen (des Gatten) auf den Siegeln fehlen, doppelt schwierig ist.
Doukaina, Anna:
s. oben *Anna D.
Eudokia Makrembolitissa:
Ehefrau Kaiser Konstantin X. Doukas (1059-1067); Mutter des Kaisers Michael VII. Doukas (1071-1078)
Eunuchen:
Die Eunuchen spielten in mittelbyzantinischer Zeit am byzantinischen Hof eine große Rolle. Kein noch so hohes kirchliches oder weltliches Amt - mit Ausnahme des Kaiseramtes selbst - war ihnen grundsätzlich verschlossen, mehrere Staatsmänner und Feldherren, die sich in der byzantinischen Geschichte ausgezeichnet haben, waren Eunuchen. Acht Ehrentitel, die mit dem Patrikios anheben, größtenteils aber eigene Bezeichnungen tragen, standen den Eunuchen zu, und zwar hatten die Patrizier-Eunuchen den Vorrang vor den sonstigen Patriziern und Anthypaten. Es gab aber eine Anzahl von höfischen Ämtern, die in der Regel, wenn auch nicht ausnahmslos, von Eunuchen bekleidet wurden: Darunter sind die wichtigsten das Amt des *Parakoimomenos (der neben dem kaiserlichen Schlafzimmer schlief und meistens einer der nächsten Vertrauten des Kaisers war), und das Amt des Protovestiarios, des Vorstehers der kaiserlichen Garderobe. Sehr wichtige höfische Funktionen hatten ferner der Rektor, einer der höchsten Beamten des byzantinischen Hofes (entstandene erst unter der makedonischen Dynastie), der Protopraipositos, der Zeremonienmeister, der kaiserliche Protostrator, der Oberstallmeister (Komes tou Stablou) u.a. (vgl. Ostrogorsky, S. 202)
Euphemios, Patriarch von Konstantinopel (489-495):
vgl. Beck: Geschichte der orth. Kirche S. 12
Eusebios von Caesarea:
Eusebios, von Caesarea (Palästina), der »Vater der Kirchengeschichtsschreibung«, ca.260-340, wurde durch seinen Lehrer Pamphilos zu gelehrter Tätigkeit im Sinne des Origenes angeregt. Seit ca.315 Bischof von Caesarea, suchte er im arianischen Streit zugunsten des Arius zu vermitteln und wurde deshalb 324 auf der Synode zu Antiochia exkommuniziert; 325 in Nicaea rehabilitiert.
Seitdem genoß er das Wohlwollen Kaiser Konstantins d. Gr., den er bewunderte. Seine zahlreichen Schriften dienen teils der Textkritik und Erklärung der Bibel, teils sind sie apologetisch wie die »Vorbereitung auf das Evangelium« und die »Darlegung des Evangeliums«, beide an Auszügen aus antiken, oft verlorenen Werken reich. Eusebios dogmatische Schriften, Reden und Briefe sind weniger bedeutend. In der Tat gewinnt er nur als Geschichtstheologe theologisches Profil und wird so zu einem repräsentativen Sprecher der konstantin. Ära, bzw. ihrer Bischöfe, denen letztlich das heilsgeschichtliche Denken des AT zum Schlüssel für die Deutung der »Wende« wurde. Seine wesentlich in Tabellenform abgefaßte Weltchronik ist armenischer Übersetzung ganz erhalten, der Hauptteil auch in der lateinischen des Hieronymus. Am meisten hat Eusebios auf die Folgezeit gewirkt durch die »Kirchengeschichte«, die ebenfalls den chronologischen Rahmen betont und wertvolle Auszüge aus früherer Literatur enthält. Bereits in der Erstfassung 303 gearbeitet, erhielt sie bis zur Schlußfassung 324 mehrfach Erweiterungen durch ihn; sie ist unsere wichtigste Quelle für die Geschichte der alten Kirche. Auch ihre lateinische Übersetzung durch Rufinus fand weite Verbreitung. Eusebios Biographie Kaiser Konstantins (trotz neuerer Kritik als echt erwiesen), eine bewußt einseitige Lobschrift, wie es deren Gattung verlangte, hat nicht minder starkes Echo gefunden, ist in der Neuzeit jedoch von vielen, u. a. von J. Burckhardt, als unwahr scharf verurteilt worden.
Eustathios von Thessaloniki:
Metropolit von Thessaloniki (1175-1191 und 1193-1194); schilderte im einzig erhaltenen Augenzeugenbericht die Belagerung und Eroberung Thessalonikis durch die Normannen 1185 (Norwich II, S. 175). Eustatios war ein gefeierter Gelehrter und Homer-Spezialist und Patriot; er verfaßte die erwähnte Schilderung: "Die Normannen in Thessaloniki" und die "Schriften zur Reform des Klosterwesens" (Norwich II, 175; Melas, a.a.O., S. 25)
Fausta, Kaiserin:
Fausta (Flavia Maxima Fausta), Tochter des Maximian | (I) und der Eutropia, wurde als Kind um 300 n.Chr. mit Konstantin I. verlobt. Die Hochzeit wurde 307 in Gallien gefeiert (Festrede: Paneg. 7 [6]). F. soll 310 den Hochverrat des Vaters aufgedeckt und dessen Untergang herbeigeführt haben. Ihre Söhne sind Konstantin II., geb.316, Constantius II., geb.317, und Constans, geb.320 oder 323. F. wurde auf Münzen als spes rei publicae gefeiert und erhielt 325/326 den Namen Augusta. Dann wurde sie in die Familientragödie des Hauses verstrickt und 326, wenige Monate nach *Crispus, auf Befehl des Gatten (Konstantins d.Gr.) wegen Untreue getötet.
Galerius (C.G. Valerius Maiminianus):
röm. Kaiser 305 bis 311; geb. ca. 250 in Illyrien; gest. Mai 311 in Nikomedia; niedriger Herkunft, als Soldat aufgestiegen; von Diokletian zum Caesar erhoben und adoptiert (1.3.293); zugleich Schwiegersohn Diokletians. Als Mitglied der Tetrarchie verwaltete G. Illyricum (den ganzen Donauraum vom Inn bis zum Schwarzen Meer) mit der Residenz Sirmium; dort führte er 293-296 Abwehrkämpfe gegen Germanen (Goten, Bastarnen, Alamannen). G. war seit 296 am Perserkrieg beteiligt und konnte den Einfall des Narses nach Syrien abwehren; nach einer anfänglichen Niederlage eroberte er dann mit Unterstützung Diokletians Armenien und Mesopotamien bis Ktesiphon. Seinen Wunsch nach weiteren Eroberungen konnte G. nicht durchsetzen (Friede mit Persien 298). Für Lactantius war er der eigentliche Urheber der mit den Edikten Diokletians seit 303 einsetzen Christenverfolgungen. Mit der Erhebung zum Augustus (1.5.305) errang er noch stärkeren politischen Einfluß, weil er seinen Neffen Maximinus (I) Daia und seinen Anhänger Severus als Caesaren lancieren konnte; einigte sich 306 mit Konstantin, den er als neuen Cacsar anerkannte. Nach einem vergeblichen Versuch, Maxentius zu beseitigen (307), rief er Diokletian als Verrmittler an (Carnuntum 308). Die neue Gestaltung der Tetrarchie brachte ihm zwar die Stellung des älteren Augustus, zugleich aber Konflikte mit Konstantin und Maximiuns Daia, die 309 die Anerkennung als Augusti durchsetzten. Unmittelbar vor seinem Tode brach G. den von ihm bes. energisch betriebenen Kampf gegen das Christentum durch sein Toleranzedikt ab. - Bogen und Palast des G. in Thessalonike.
Georg III., Papst:
während der Bedrohung Roms 739 durch die Langobarden unter Liutprand (vgl. Schieffer, Karolinger, S. 42, 46, 48) richtete der Papst zwei gesandschaften an Karl Martell, die ihm die Schlüssel des Petrusgrabes und weitere Geschenke überbrachten, eine Lösung Roms vom oströmischen Kaisertum in Aussicht stellten und fränkischen Beistand erbaten (Schieffer, S. 48).
Georgios Muzalon:
*Protovestarios in Trapezunt unter Theodor II. Laskaris (1254-1258); anschließend Regent für den achtjährigen Johannes IV. Laskaris (Trapezunt); im September 1258 ermordet unter der Komplizenschaft des damals inhaftierten Michael Palaiologos, des späteren Kaisers *Michael VIII. Palaiologos.
Georgios Palaiologos:
verheiratet mit *Anna Doukaina belegt, die 1068 oder kurz danach als Tochter des Andronikos Dukas geboren wurde und kurz vor 1081 den tüchtigen General Georgios Palaiologos heiratete, der 1081 Sebastos wurde.
Germanos I., Patriarch von Konstantinopel (715-730):
lehnte die ikonoklastischen Maßnahmen Kaiser Leons III.; ab; seine ikonodulen Argumente lasssen sich wie folgt zusammenfassen: Die Bilder haben ggü. dem Wort ihre eigenen Möglichkeiten, aber sie stehen nicht selbständig neben dem Wort, das sie nicht voll ersetzen können; wohl aber können sie das durch das Wort verkündete anschaulicher machen und konzentriert einprägen; sie sind also kein autonomes Mittel der Verkündigung, sondern ein wichtiges Mittel zur Verfestigung des durch das Wort verkündeten Heilsgeschehens und seiner dauerhaften Einprägung und zwar um der leiblichen Verfaßtheit der Menschen willen (zur Argumentation des Patriarchen vgl. HDThG I 298).
730 tritt Patriarch Germanos zurück, und zwar, wie spätere Quellen verlauten lassen, aus Überzeugung für die Bilder. Aber auch das gehört zu der ikonodulen Geschichtsinterpretation. Zwar war, wie sich das auch in dem Brief des Germanos an Konstantin von Nakoleia (vgl. Speck, ByzZtg 1995, S. 154) zeigt, Germanos Anhänger der Bilderverehrung, vielleicht vor allem dadurch, daß er bei der Belagerung 717/18 ein Marienbild über die Mauer getragen hatte und die erfolgreiche Abwehr diesem Bild zuschrieb (so wahrscheinlich in seinem Brief an Papst Gregor II.; dazu Artabasdos, S. 164 und S. 170f.). 730 aber war der Fall mit Konstantin von Nakoleia wohl beigelegt, und in Wirklichkeit hat Germanos sich nicht damit einverstanden erklären können, daß der Kaiser selbstherrlich die Aufteilung der Kirchenprovinzen geändert hat und die Kirchenverwaltung von Süditalien und dem lllyricum dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellte.
Literatur:
- Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichtichte, Bd. 1, 2. Aufl. 1999, S. 298 f
- Speck, Paul: Die Affäre um Konstantin von Nakoleia, Byzantinische Zeitung 88. Jg. 1995, S. 148 ff
- Stein, D.: Der Beginn des byzantinischen Bilderstreits und seine Entwicklung bis in die 40er Jahre des 8. Jh. (Misc. Byz. Monac. 25), München 1980
Gregorios Mammas:
Patriarch (++++); befürwortete die Kirchenunion mit der römischen Kirche; aus Konstantinopel geflohen 1451 (Jorga II, 13).
Gregorios Palamas:
um 1296 geboren und auf kaiserliche Kosten erzogen, scheint er die humanistischen Studien nicht weit vorangetrieben zu haben. Schon 1315 zieht er sich auf den Athos zurück, zuerst nach Vatopedion, dann in die Große Laura, um schließlich ein Eremitenleben zu führen. Dann verläßt er den Heiligen Berg und lebt in devoten Zirkeln in Thessalonike, wo ein junger Athosmönch, Isidoros, Kreise um sich gesammelt hat, denen die Gegner Bogomilismus nachsagen. Zum Streit zwischen ihm und dem Mönch Barlaam kommt es etwa 1334. So wenig der Streit als solcher mit einem Pro oder Contra gegen die Kirchenunion oder die lateinischen dogmatischen Positionen zu tun hat, die Anfänge sind rein äußerlich von dieser Kontroverse doch nicht zu trennen. Als damals die beiden Dominikaner Francesco da Camerino und Riccardo nach Konstantinopel kamen, verfaßte ++++++Barlaam eine Serie von Traktaten gegen das lateinische Dogma. Jetzt fühlte sich auch Palamas bemüßigt, zur Feder zu greifen und »apodiktische Traktate" gegen das Filioque zu verfassen6. Unterschiedliche Auffassungen über die Methode der Kontroverse' führten zu einem Briefwechsel zwischen den beiden Polemikern, der sich allmählich vergiftete, obwohl ein anderer Athosmönch, Gregorios Akindynos8, geraume Zeit zu vermitteln suchte. Barlaum vertrat die Meinung, daß apodiktische Syllogismen, wie sie die Lateiner gebrauchten, in der Theologie keinen Platz hätten. Thomas von Aquin wurde von ihm nicht eben glimpflich behandelt. Gottes Wesen, vor allem das innertrinitarische Leben, seien der menschlichen Ratio unzugänglich. Diese habe sich mit der Erkenntnis der Existenz Gottes zu begnügen, die im übrigen auch den erleuchteten Heiden zugänglich gewesen sei. Palamas warf Barlaam vor, er leugne praktisch jede Gotteserkenntnis und zeige gegenüber den heidnischen Philosophen eine völlig ungerechtfertigte Wertschätzung. Der Streit zog sich hin, und Palamas, denn doch von den Angriffen auf seine Syllogismen getroffen, rückte von dieser Argumentationsweise mehr und mehr ab und zog sich auf einen Theologie-Begriff zurück, der stärkstens auf mystischer Inspiration aufgebaut war. Es war offenbar dieser Rekurs auf besondere Erleuchtungen, der Barlaam bewog, diesem Argument an Ort und Stelle nachzugeben, nach seiner Quelle auf dem Athos selbst, wahrscheinlicher jedoch in den Zirkeln in Thessalonike. Was er dabei entdeckte, glaubte er als messalianisch anprangern zu müssen. Es handelte sich um die berühmte hesychastische Gebetsmethode 9,
1963, 176ff. 3 Siehe oben S.206. 4 Literaturangaben zu Anfang des Abschnitres. 5 Zum größten Teil unediert. Eragmente MPG 151, 1250-1252. 6 MEYENDORFF, Introduction 340 ff. 7 J. MEYENDORFF, Les debuts de la controverse hesychaste, Byzantion 23 (1953) 87 - 120; DERS., L'origine de la controverse palamite, ßEoXoY`« 2s (1954) 602—
630. 8 DHGE 1, 340-341 (M. JuGrE); DThC Xl, 1, 45s-467 (V. LAURENT). 9 Siehe
Gregórios Sinaitis:
1255-1346, Mystiker aus dem Katharinenkloster auf den Sinai, der auf dem Athos vorübergehend Zuflucht fand. Er warnte vor Übertreibungen bei der Suche nach der Schau des Taborlichts (Philokalia, Bd. 4, S. 76, zitiert nach Nikolaou, Askese, Mönchtum, S. 90)
Gudeles, Familie:
Die Familie Gudeles ist für das 11. Jh. fast ausschließlich in militärischen Funktionen belegt. Vielleich stammt sie aus Bulgarien, das im frühen 11. Jh. byzantinisch wurde, worauf viele führende Männer in die byzantinische Armee eingegliedert wurden (Seibt/Zarnitz, a.a.O., S. 49).
Herakleios, Kaiser (610-641):
einer der größten Herrscher der byzantinischen Geschichte; auf seiner Verwaltungsreform beruht die byzantinische Macht der folgenden Jahrhunderte (mit deren Verfall begann der Niedergang); die Themenverfassung ist das Rückgrat des mittelalterlichen byzantinischen Staates; unter Herakleios endete das spätrömische Reich und beginnt das byzantinische Zeitalter ieS.: endgültige Gräzisierung und starke Verkirchlichung des gesamten öffentlichen Lebens geben dem Kaiserreich ein neues Gesicht.
Kaiserkrönung nach dem Einmarsch in der Hauptstadt direkt nach der Hinrichtung des Phokas noch am 3.10.610 nach vorheriger Heirat mit Eudokia; katastrophale Lage des Reichs führen 618 sogar zu Überlegungen die Hauptstadt nach Karthago zu verlegen; hiergegen Widerspruch des Patriarchen Sergios und der Bevölkerung; Fortsetzung der slawischen Einwanderung auf dem Balkan und in ganz Griechenland; nur Thessaloniki und wenige Küstenstädte in Dalmatien bleiben byzantinisch; die griechische Bevölkerung zieht sich in die Küstenregionen und auf die Inseln zurück; zugleich Ausbreitung der persischen Eroberung in Vorderasien; außer der Rückeroberung Kaisereias (611) scheitert die byzantinische Gegenoffensive in Armenien und Syrien; 613 nach der Niederlage der Byzantiner bei Antiochia erneuter persischer Vormarsch u.a. in Armenien und Kilikien sowie Eroberung der kilikischen Festung Tarsos; 614 Fall Jerusalems; 615 Fortsetzung des persischen Vormarschs u.a. bis an den Bosporus; Einkreisung von Konstantinopel durch Awaren und Perser; 619 Verlust Ägyptens an die Perser; damit ganz Vorderasien in persischer Hand.
In Byzanz begann gleichzeitig der Prozeß der Sammlung und inneren Festigung, Durchführung der Heeresreform und Ausbau der *Themenverfassung; an der Spitze der Themen stehen Strategen, die in ihren Bezirken die oberste militärische und zivile Gewalt ausüben; die alte Provinzeinteilung blieb zunächst bestehen, weshalb sich die Einführung der Themenverfassung über eine längere Übergangszeit hinzog. Die Neuorganisation wurde zum Grundstein der folgenden glänzenden Erfolge im der Abwehrschlacht gegen die Zwei-Fronten-Bedrohung.
Der Verwaltungsneuorganisation folgte die Reform der Staatsfinanzen und der Ausbau des Steuersystems.
Nicht wenig zum Erfolg trug die mächtige Kirche bei, die dem verarmten Staat ihre Schätze zur Verfügung stellte. Patriarch Sergios (610-638) verstand den kommenden Krieg als Glaubenskrieg gegen die Ungläubigen. Eine religiöse Aufbruchsstimmung wie später in den Kreuzzügen tat das übrige. Noch kurz zuvor war es zwischen Kaiser und Patriarch zu Spannungen gekommen. Kaiserin Eudokia war bereits 612 bei der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben; die Eheschließung Kaiser Herakleios mit seiner Nichte Martina stieß wegen der nahen Verwandschaft auf die entschiedene Gegnerschaft der Kirche; die immer bedrohlichere Lage des Reichs im Zweifrontenkrieg sicherte dem Kaiser jedoch die Unterstützung des Klerus.
619 kommt es zum Tributfrieden mit den Awarern, der die Truppen für den Kampf gegen die Perser freisetzt. Am 5.4.622 begann der Gegenangriff in Asien unter persönlicher Führung des Kaisers (außer Maurikios war kein Kaiser seit Theodosios I. an der Spitze der Truppen gegen den Feind marschiert). Herakleios hatte intensiv Militärstrategie studiert und die Bedeutung der Kavallerie und der leichten berittenen Bogenschützen erkannt. Nach dem Aufmarsch des byzantinischen Heeres exerzierte der Kaiser ein halbes Jahr lang und trainierte die Truppen. Erst im Herbst begann der eigentliche Feldzug. Geschicktes Vorgehen mit der flotte über den Seeweg entlang der Südküste Kleinasiens bis zur Bucht von Issos überraschte die Perser, die ein Vorgehen über das Schwarze Meer nach Armenien erwartet hatten, und zwang diese wegen der Gefahr abgeschnitten zu werden, zur Aufgabe ihrer Stellungen an den kleinasiatischen Gebirgspässen; sie waren gezwungen den byzantinischen Heer zu folgen, das Gesetz des Handelns an sich gerissen hatte; in der Schlacht in den kappadokischen Bergen (der genaue Ort ist nicht bekannt) kam es zum überragenden Sieg des byzantinischen Heeres. Auch der Feldzug 623 verlief überaus erfolgreich, das byzantinische Heer stieß bei der Verfolgung des flüchtigen persischen Großkönigs Chosrau brandschatzend bis zur persischen Hauptstadt Ktesiphon vor; das persische-zoroastrische Zentralheiligtum wurde als Rache für die Eroberung Jerusalems und die Mitnahme des Heiligen Kreuzes zerstört; nach einer erheblichen Verstärkung des Heeres durch Foederati-Truppen aus dem Gebiet westlich des Kaspischen Meeres im Winter 623/24 verlief auch der Feldzug 624 überaus erfolgreich und endete mit einem vollständigen byzantinischen Sieg über mehrere persische Heere im persisch-armenischen Grenzgebiet. Der Feldzug 625 nach der Überwinterung am Van-See führte in harten Märschen über Diyarbakir am Euphrat nach Kilikien, wo die Perser nach der unentschiedenen Schlacht bei Adana den Rückzug antraten; nur die persönliche Tapferkeit des Herakleios verhinderte die schon drohende Niederlage.
Awarisch-persische Abstimmungen führten 626 erneut zum Zweifrontenkrieg; die Awaren griffen mit Unterstützung von 50000 Persern über Kleinasien unter Eroberung von Chalkedon mit insgesamt 80000 Mann die Hauptstadt Konstantinopel an, während die Perser durch massivste Truppenaushebungen zum Angriff von Süden her bereit standen, nur durch das byzantinische Heer am Vormarsch gehindert. Die Belagerung Konstantinopels wurde Patriarch Sergios und den Patrikios Bonus organisiert, die mit 12000 Soldaten und der Bevölkerung Konstantinopel alle Angriffe der Belagerer zurückschlugen. Als sich die vereinigten Angreifer zum Angriff auf die Mauern entschlossen zog Patriarch täglich mit dem Klerus in einer Prozession die gesamte theodosianische Mauer entlang wobei er über dem Kopf die berühmte Ikone der Gottesmutter des *Akathistos-Hymnus trug.
Herakleios entschloß sich zur Dreiteilung des byzantinischen Heeres: der erste Heeresteil wurde auf dem Seeweg nach Konstantinopel transportiert, die zweite byzantinische Armee griff unter dem Kaiserbruder Theodoros das persische Heer in Mesopotamien an, während der Kaiser selbst mit dem kleinsten Kontingent Armenien und den Kaukasus verteidigte. Den Ausschlag gab schließlich die Überlegenheit der Byzantiner zur See: während des entscheidenden Ansturms am 10. August 626 fanden die slavischen Boote den Untergang im Kampfe mit der byzantinischen Flotte. Die Avaren mußten die Belagerung aufheben und traten in größter Verwirrung den Rückmarsch an. Die Niederlage des Avarenkhagans bedeutete aber auch das Scheitern der persischen Angriffspläne. Sahrbaraz räumte Chalkedon und zog sich mit seinen Truppen nach Syrien zurück; dem zweiten persischen Feldherrn, Sahin, brachte des Kaisers Bruder Theodoros eine schwere Niederlage bei. Der kritische Augenblick war überstanden. Jetzt konnte die große byzantinische Offensive beginnen. Im Bunde mit den kaiserlichen Truppen kämpften die Chazaren in den kaukasischen und armenischen Gegenden gegen die Perser. Im Herbst 627 begann der große Vormarsch des Kaisers nach dem Süden, ins Innere des feindlichen Landes; Herakleios stand schon Anfang Dezember vor Ninive; in der Schlacht vor der Stadt wurden die Perser vernichtend geschlagen und ins Landesinnere verfolgt; der Sturz Chosraus durch eine Revolte seines Sohnes Kovrad-Siroe führte zum Frieden und zur Rückgabe aller ehemals byzantinischen Gebiete. Sowohl Awaren wie auch Perser waren vernichtend geschlagen, ihre Macht auf Dauer gebrochen. 628 kehrte Herakleios nach 6jähriger Abwesenheit nach Konstantinopel zurück.
Der Sieg über die Awaren befreite zahlreiche Völker, darunter die Kroaten und Serben, welche mit byzantinischer Zustimmung aus ihrer alten Heimat jenseits der Karpaten in neue Siedlungsgebiete auf der Balkanhalbinsel wanderten.
Die zurückgewonnenen Provinzen in Syrien und Ägypten machten das Problem der Aussöhnung mit den Monophysiten dringlich; der Versuch der Einigung führte über den Monenergetismus und Monotheletismus (s. *monergetisch-monotheletischer Streit; *Maximus Confessor). "Den Ernst dieses Problems erkannte der Patriarch Sergios mit besonderer Klarheit und zeigte sich stets um die Herstellung des Kirchenfriedens bemüht. Eine Stütze fanden seine Bestrebungen in der in den östlichen Reichsprovinzen entstandenen Lehre von der einen Energie in Christo. Die Annahme, daß den zwei Naturen Christi eine einzige Wirkungsweise (Energeia) gegenüberstehe, schien zwischen dem Dogma von Chalkedon und dem Monophysitismus eine Brücke zu schlagen. Sergios machte sich die monenergetische Lehre zu eigen und trat in Verhandlungen mit den Vertretern der orientalischen Kirchen. Die politischen Ereignisse schienen den Bemühungen des Patriarchen recht zu geben, denn man konnte sich der Einsicht nicht verschließen, daß der alte Glaubenszwist zwischen Konstantinopel und der monophysitischen Bevölkerung des Ostens die persische Eroberung wesentlich erleichtert hatte. So trat denn auch Herakleios selbst dem Monenergetismus bei. Schon während seiner östlichen Feldzüge hatte er namentlich in Armenien mit der lokalen Geistlichkeit über eine Kirchenunion verhandelt. Nach der Wiedergewinnung der monophysitischen Provinzen wurden die Verhandlungen in größerem Stil und mit größerer Energie weitergeführt, denn mehr als je schien jetzt der Ausgleich mit den Monophysiten geboten. Der Anfang war vielversprechend. Die Einigung schien erreicht, wie in Armenien so auch in Syrien und in Ägypten, wo der 631 zum Patriarchen erhobene Kyros mit größtem Eifer vorging. Seine Zustimmung zu der von Sergios und Kyros befürworteten Kirchenpolitik gab auch der Papst Honorius. Indessen ließen die Enttäuschungen nicht lange auf sich warten. Das Einigungswerk war in Syrien und insbesondere in Ägypten nur infolge von Gewaltanwendung geglückt. Die Opposition wuchs, wie auf monophysitischer so auch auf orthodoxer Seite. Wortführer der orthodoxen Opposition war der durch seine Beredsamkeit bekannte Mönch Sophronios, der 634 den Patriarchenstuhl von Jerusalem bestieg. Unerbittlich geißelte er die neue Lehre als eine Abart des Monophysitismus und eine Verfälschung des orthodoxen Dogmas von Chalkedon. Anscheinend unter dem Eindruck dieser Opposition, wie auch mit Rücksicht auf die Ausführungen des Papstes Honorius, der sich über das Energienproblem zurückhaltend äußerte, dagegen einen Willen in Christo behauptete, modifizierte Sergios seine Lehre: er stellte die Energienfrage zurück, lehrte aber, daß in Christo ein Wille (Thelema) anzunehmen sei. Diese neue monotheletische Formulierung liegt dem von ihm entworfenen Edikt zugrunde, das der Kaiser 638 unter dem Namen «Ekthesis» veröffentlichte und im Narthex der Hagia Sophia anschlagen ließ. Doch obschon sich die Leiter von Staat und Kirche auf den Monotheletismus festgelegt hatten und nach dem Tode des Patriarchen Sergios (9. Dezember 638) auf den Stuhl von Konstantinopel der eifrige Monothelet Pyrrhos erhoben wurde, zeigte sich sehr bald, daß die Ekthesis ein Schlag ins Wasser war. Sie wurde abgelehnt sowohl von den Orthodoxen als auch von den Monophysiten, und auch die Nachfolger des Honorius in Rom wiesen sie energisch zurück. Eine Versöhnung hat der Monotheletismus ebensowenig herbeigeführt wie die kirchenpolitischen Kompromißversuche der vorangehenden Jahrhunderte. Gleich jenen Versuchen hat er nur neue Streitigkeiten hervorgerufen und so die Verwirrung vergrößert. Zudem befanden sich im Jahre 638 Syrien und Palästina schon unter arabischer Herrschaft, und auch Ägypten drohte unabwendbar dasselbe Schicksal. Sein politisches Ziel hat also der Monotheletismus verfehlt. Die religiöse Gärung in den östlichen Provinzen hat aber wie einst der persischen, so jetzt der arabischen Eroberung stärksten Vorschub geleistet." (Ostrogorsky, a.a.O., S. 77/78)
Die Kämpfe mit den Persern hatten beide Reiche erschöpft; sie waren deshalb nicht fähig dem arabischen Ansturm entgegenzutreten, der durch die von Mohammed bewirkte Einigung der Araber bewirkt wurde (622, Hedschra, Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina). 633, wenige Jahre nach dem Tode des Propheten begann die große arabische Wanderung. "Mit elementarer Wucht trieb es die Araber hinaus aus der unfruchtbaren Heimat. Ihr Ziel war nicht so sehr Bekehrung der Völker zum neuen Glauben wie Unterwerfung neuer Länder und Herrschaft über die Ungläubigen. Die ersten Opfer ihres Eroberungsdranges wurden die beiden benachbarten Großreiche: Persien ging unter beim ersten Ansturm, Byzanz verlor seine östlichen Provinzen knapp ein Jahrzehnt nach dem Tode des Propheten. Der unentwegte gegenseitige Kampf hatte beide Reiche geschwächt und so den Arabern die Wege geebnet. In dem besiegten Persien herrschte größte Verwirrung, eine Thronusurpation löste die andere ab, das Rückgrat des Sassanidenreiches war gebrochen. Aber auch die Kräfte des siegreichen Byzanz waren durch das lange, anstrengende Ringen erschöpft. Zudem hatte der nicht zu beseitigende religiöse Hader zwischen Konstantinopel und seinen orientalischen Provinzen eine Mauer des Hasses errichtet, die separatistischen Bestrebungen der syrischen und koptischen Bevölkerung gestärkt und ihren Verteidigungswillen endgültig untergraben. Die Mißstände in der Heeresorganisation und der durch die Übermacht des lokalen Großgrundbesitzes zerrütteten Verwaltung taten das ihrige, um namentlich in Ägypten die Aufgabe der Eroberer zu erleichtern. Schon 634 brachen die Araber unter der Führung des Kalifen Omar, des großen Eroberers, in das Reichsgebiet ein und zogen in raschem Siegeszug durch die jüngst vom Perserreich wiedergewonnenen Provinzen. In der denkwürdigen Schlacht am Jarmuk erfochten sie am 20. August 636 über die byzantinischen Streitkräfte einen überwältigenden Sieg. Damit war der byzantinische Widerstand gebrochen und der Kampf um Syrien entschieden. Die syrische Metropole Antiocheia und die meisten Städte des Landes ergaben sich dem siegreichen Feinde ohne Kampf. Stärker war der Widerstand in Palästina. Unter der Fiihrung des Patriarchen Sophronios hat Jerusalem dem Feinde lange getrotzt, aber die Härte der Belagerung zwang schließlich auch die Heilige Stadt, dem Kalifen Omar die Tore zu öffnen (638). Inzwischen war das Perserreich unterworfen, und danach wurde auch das byzantinische Mesopotamien besetzt (639/40). Von hier aus fielen die Araber in Armenien ein und erstürmten die stärkste armenische Festung Dvin (Oktober 640). Zugleich begann die Eroberung Ägyptens.
Herakleios, der alle Kriegszüge gegen Persien persönlich geleitet hatte, nahm an den Kämpfen mit den Arabern auffallenderweise keinen rechten Anteil. Anfangs suchte er noch von Antiocheia aus die Kriegsoperationen zu leiten, nach der Schlacht am Jarmuk gab er alles verloren und zog sich ganz zurück. Vor seinen Augen brach sein Lebenswerk zusammen. Das heroische Ringen gegen Persien schien unnütz gewesen zu sein: durch die Niederwerfung des Perserreiches hatte er nur den Arabern vorgearbeitet. Über die Gebiete, die er nach unsäglich schwerem Kampf den Sassaniden abgewonnen hatte, breitete sich nun gleich einer elementaren Katastrophe die arabische Flut aus. Im Heiligen Lande, das er dem Christentum gerettet zu haben glaubte, herrschten wieder Ungläubige. Dies grausame Schicksal hat den alternden Herrscher seelisch und körperlich gebrochen. Aus Syrien zurückgekehrt, blieb er längere Zeit im Palast Hiereia auf dem kleinasiatischen Ufer. Es graute ihm vor der Überfahrt nach Konstantinopel, denn er konnte den Anblick des Meeres nicht ertragen. Erst als eine Verschwörung in Konstantinopel aufgedeckt wurde, hat er sich aufgerafft und seinen Angstzustand so weit überwunden, daß er auf einer mit Sand und Laub verdeckten Schiffsbrücke sich über den Bosporus in die Hauptstadt begeben konnte.
Tragisch gestaltete sich auch das Familienleben des Herakleios. Am Tage seiner Kaiserkrönung vermählte er sich mit Fabia-Eudokia, die ihm eine Tochter und emen Sohn, den Herakleios Neos Konstantinos, gebar. Indessen litt sie an Epilepsie und starb wenige Monate nach der Geburt des Sohnes (6I2). Ein Jahr später heiratete der Kaiser seine Nichte Martina. Diese Ehe erregte größtes Ärgernis. Kirche und Volk betrachteten sie als blutschänderisch, und in der Tat bedeutete eine solche Verbindung angesichts der nahen Blutsverwandtschaft einen Verstoß sowohl gegen die kanonischen Vorschriften als auch gegen die Gesetze des Staates. Martina war in Konstantinopel verhaßt, aber dem Hasse seiner Untertanen zum Trotz hing der Kaiser mit großer Liebe an seiner zweiten Gattin, die Freude und Leid mit ihm teilte und ihn auf den schwierigsten Feldzügen begleitete. Es bedeutete jedoch für den Kaiser eine harte Prüfung, und es war nach der allgemeinen Auffassung ein offensichtliches Zeichen des göttlichen Zornes, daß von den neun Kindern, die ihm Martina gebar, vier im zartesten Alter starben, die beiden älteren Söhne aber als Krüppel zur Welt kamen. Die Feindschaft des Volkes gegen Martina war um so größer, als die ehrgeizige Frau das Thronfolgerecht unter Umgehung des Sohnes Eudokias ihrer eigenen Nachkommenschaft zu sichern suchte. Der hieraus entstandene Familienzwist hat dem Kaiser das ohnehin bittere Lebensende noch verdüstert, nach seinem Tod aber das Reich in schwere Wirren gestürzt. Am 11. Februar 641 ist Herakleios nach schwerem Leiden gestorben." aus Ostrogorsky, a.a.O., S. 78-80)
Hormisdas, Papst (513-524):
Gloom and storm marked the pontificates of Anastasius II and Symmachus, but on St. Hormisdas the sun of peace and victory shone with cheerful splendor. St. Hormisdas was born at Frosinone in the Roman Campagna. Married before ordination, he had a son, Silverius, who also became pope. As a deacon, Hormisdas had staunchly backed St. Symmachus in his trouble with the antipope Lawrence and the pro-Byzantine faction. Elected with difficulty, St. Hormisdas began his career of peace with victory by receiving back into the Church the last die-hards of the Laurentian (*Akakianisches Schisma)schism.
A greater victory was in the making. Ever since 484 the Church of Constantinople had been in schism. First, Patriarch Acacius (*Akakios) had supported the Henoticon (*Henotikon) and had died excommunicated and in schism. Then even when the patriarchs had returned to orthodoxy, they could not bring themselves to strike the name of Acacius from the liturgical diptychs or tablets (Totengedenken). The fact that Emperor Anastasius, who ruled during most of this time, tended to the Monophysite heresy did not help matters. But more and more the orthodox clergy, monks, and laity of the East longed for an end to this schism which weakened their stand against the Monophysites.
In 514 General Vitalian (Vitalianos) revolted and forced Anastasius to make overtures towards reunion; but since Anastasius was not serious, nothing came of this attempt. A number of Eastern bishops, however, independently made their submission to Rome. When Anastasius died in 517 hopes rose. His successor, the rugged soldier Justin I. was orthodox. Popular opinion, the Emperor, and orthodoxy for once all agreeing, the way to reunion was easy. A synod at Constantinople sent a legate to Pope Hormisdas to seek reunion. The Pope sent back a legation with a formula of faith, and on Holy Thursday, March 28, 519, the papal legates received the Church of Constantinople back to Catholic unity. The ceremony was hailed with tears of joy, for this union was extremely popular.
The formula of Hormisdas which the Pope sent to be signed on this occasion is a masterpiece of clarity. It repeats the condemnation of the heresies condemned by the ecumenical councils and it formally condemns the memory of Acacius who had started this schism. It so clearly stated the primacy and infallibility of the Roman See that from that day to the time of the Vatican Council, it has been a powerful weapon in the arsenal of Catholic orthodoxy. It was subscribed to by the patriarch of Constantinople, it swept the East and in the end was signed by 2,500 bishops.
Another joyous moment for St. Hormisdas came when word was brought from Africa that after the death of the Vandal king Thrasamund, the hardpressed African Church enjoyed a little peace.
Hormisdas forbade the use of the expression "one of the Trinity was crucified," ("mia physis tou Theou logou sesarkomeni"; "eine fleischgewordene Natur des Logos Gottes) not because it could not be understood in a true sense, but because it was used as a Monophysite catchword. He sent letters to the bishops of Gaul and Spain on disciplinary matters. When St. Hormisdas died in 523 the Church was, on the whole, peaceful, but black clouds were piling up in the West.
Excerpted from "Popes Through the Ages" by Joseph Brusher, S.J. Electronic version copyright 1996 New Advent, Inc. [New Advent Catholic Supersite] (http://www.knight.org/advebt/Popes/pphr01.htm); in: Bibliothek Ref Archiv 8
Iakobos, Metropolit von Thessaloniki (1295-1315):
der Mönch Issak war unter dem Iakobos, Metropolit von Thessaloniki (1295-1315). (vgl. Koukourtidou, Spaziergänge, a.a.O., S. 45)
Ioan III. Mico:
(Ioannis III. Mytsis Asanis), kurzfristig mit byzantinischer Hilfe bulgarischer Zar, mußte dann aber vor einem anderen bulgarischen Zaren, Ivailo, fliehen und war 1284 bis zu seinem Tod (vor 1302) byzantinischer Despotes. Sein Sohn ist der Großadmiral *Isaak Asanes Palaiologos.
Irene Doukaina:
geb. um 1066, Kaiserin, Frau des Kaisers *Alexios I. Komnnenos; Mutter der *Anna Komnena und des späteren Kaisers Johannes II. Komnenos (1118-1143); sie war 1077 als 11jährige mit Alexios verheiratet worden (vgl. Anna Komnena: Alexias Anm. 16 zu Vorrede Kap. 3 S. 22).
Literatur:
Anna Komnena: Alexias
Polemis, D.I.: The Doukai, London 1968
Skoulatos, B. Les personnages byzantins de l'Alexiade, Louvain 1980
Irene Metochites:
Tochter des Großlogotheten *Theodoros Metochites; verheiratet mit *Johannes Palaiologos dem Neffen Kaiser *Andronikos II. Palaiologos (1282-1328) und Statthalters in Thessaloniki (Norwich III 320); ihre Tochter Maria Palaiologos war mit dem serbischen Zaren Stefan Urosch III. verheiratet.
Irene Palaiologina:
geborenen Jolante von Montferrat; Kaiserin; seit 1284 2. Gemahlin Kaiser Andronikos II. Palaiologos (1282-1328) nach dem Tod (1281) der ersten Ehefrau des Kaisers (Anna, Tochter des ungarischen Königs Stephan V.). Die Kaiserin hat ihre Jugend in Thessaloniki zugebracht; Tochter des Markgrafen Wilhelm V. von Montferrat, des Königs von Thessaloniki; durch den Nachfolgestreit mit ihrem Gemahl, dem sie vorwarf, seinen Sohn aus erster Ehe mit Anna von Ungarn zu bevorzugen, trennten sich die Eheleute und Irene kehrte 1310 nach Thessaloniki zurück, wo sie bis zu ihrem Tod 1317 blieb (vgl. Norwich III 317).
Isaak Asanes Palaiologos:
Großadmiral; Isaak war Sohn des *Ioan III. Mico (Ioannis III. Mytsis Asanis), der kurzfristig mit byzantinischer Hilfe bulgarischer Zar war, dann aber vor einem anderen bulgarischen Zaren, Ivailo, fliehen mußte und 1284 bis zu seinem Tod (vor 1302) byzantinischer Despotes war. Isaak war vor 1341 Megas Dux, hierauf wurde er Panhypersebastos, als welcher er vor 1351 starb. Er war in erster Ehe mit Theodora Arachantlun (geb. zwischen 1265 und 1281, gest. spät. 1320), in zweiter Ehe mit *Theodora Komnena verheiratet.
Isaak II. Angelos:
Kaiser 1185-1195 und 1203/1204
Isaak Komnenos:
geb. vor 1056; Sohn des Johannes Komnenos und der *Anna Dalassena; älterer Bruder des Kaisers Alexios I. Komnenos (1081-1118); byzantinischer Feldherr und Oberbefehlshaber; vgl. zu ihm Barzos, Genealogia, Nr. 12, S. 67-79).
Ivan Alexander (1331-71):
bulgarischer Zar
Ivan Asen II. (1218-41):
bulgarischer Zar
Joasaph von Larissa:
2. Hälfte 14. - Anfang 15. Jh.; Metropolit von Larissa; zunächst Mönch im Kloster Ton Odigon in Byzanz und Schreiber (vgl. Politis Byz. Ztg. 1958, S. 17 f)
Johannes Angouros:
Johannes, Patrikios, kaiserlicher Protospathar und Sakellarios (ca. zw. 867 und 873). Der Patriarch Photios schrieb drei Briefe an einen Eunuchen Johannes 'kata tous Aggourious' (der wohl eher nur zum Kreis der Familie der Angurioi gehörte, ohne selbst einer zu sein), der Patrikios und Sakellarios war, und die in die Zeit zwischen 867 und ca. 873 datiert werden. Photios, ursprünglich mit diesem Mann befreundet, überschüttet ihn in den Briefen jedoch mit Vorwürfen. Patrikios (lateinisch patricius) war damals eine sehr hohe Würde, den Spitzen der Verwaltung vorbehalten; innerhalb der Patrikioi rangierten die Eunuchen übrigens an der Spitze. Der Sakellarios war der oberste Finanzbeamte des Reiches, er kontrollierte die verschiedenen Finanzressorts, in die er seine Notare entsandte. (Seibt/Zarnitz, S. 71)
Johannes Damaskinos:
a. Zusammenfassung:
um 680-750; Johannes Damaskinos war einer der großen Kirchenlehrer der Orthodoxie, geboren um 650 in Damaskus, gestorben um 750 im Kloster Saba bei Jerusalem. Sein Hauptwerk, die "Quelle der Erkenntnis", hat für die orthodoxe Kirche hohe Bedeutung. Sein Festtag in der Ostkirche ist der 4. Dezember. Johannes Damaskinos spielte eine wesentliche Rolle in den theologischen Auseinandersetzungen zu Beginn des Bilderstreits, als er eine hervorragende Apologie der Ikonen schrieb und somit eine umfassende christliche Bilderlehre entwarf (729).
Johannes Damaskinos war der große Dogmatiker der Orthodoxie in der Zeit des Abschlusses der frühen dogmatischen Entwicklung, der ersten Periode der Orthodoxen Theologie, die nach ihm in den Traditionalismus der Patristik überging und zeitweise erstarrte. Die Bedeutung des Damaskinos liegt weniger in neuer theologischer Entwicklung als in der dogmatischen Zusammenfassung der Väterüberlieferung. "Seine im Westen vielfach mißverstandene Devise: »ich sage nichts Eigenes« (Dial. Prooem. 60; 2,9) hat ihn zum Repräsentanten der ostkirchlichen theologischen Arbeitsweise gemacht, nach der die Verbindung zur kirchlichen Tradition unter möglichst weihgehendem Verzicht auf Subjektivität in der theologischen Spekulation unerläßlich ist" (Kallis,a.a.O., S. 290). Damaskinos gilt daher als Interpret der patristischen Tradition.
Er ist derjenige Johannes, der nach der Legende die Ikone der Panhagia Tricherousa (heute im Serbenkloster Chilandar) vor der Vernichtung im Bildersturm verbarg, und dem wegen seines Eintretens für den Ikonoklasmus die rechte Hand abgehauen wurde. Als Kaiser Leon III., der Syrer (717-741) die Zerstörung aller Ikonen befahl, widersetzte sich Johannes Damaskinos. Der Legende nach ließ ihm daraufhin der Kalif von Damaskus auf kaiserlichen Befehl, die rechte Hand abhauen, damit dieser keine weiteren Streitschriften gegen die Ikonoklasten schreiben könne. In seiner Not eilte Johannes - so der Bericht im Hagiograph - eilte Johannes daraufhin zur versteckt gehaltenen Ikone der Gottesmutter, welche sich seiner erbarmte und ihm die Hand wiederanwachsen ließ. Gleichzeitig gab sie ihm den Auftrag, Hymnen an Christus und die Gottesmutter zu schreiben (Huber, Athos, a.a.O., S. 318).
Johannes Damaskinos ist ein bekannter Hymendichter der Orthodoxie, der u.a. den Osterkanon ("Wohlan, Neuen Trank laßt uns trinken, nicht Wundertrank aus dürren Felsen, nein, der aus dem Grab Christi strömendem Unvergänglichkeit Born, in welchem wir Kraft erlangen") und den Hymnus zum Taborfest (6. August: Hochfest der Verklärung) schrieb (aus Spitzing, Günter: Lexikon byzantinisch christlicher Symbole - Die Bilderwelt Griechenlands und Kleinasiens, München 1989, S. 171)
Literatur:
- Altaner / Stuiber, a.a.O., S. 526/32
- Bibliothek der Kirchenväter (BKV), hrsg. von O. Bardenhewer, Th. Schermann (ab Band 35: J. Zellinger) und C. Weymann, 83 Bände, Kempten 1911 ff, 44. Band: Johannes Damaskinos - genaue Darlegung des orthodoxen Glaubens, Bibliothek Ref OrtKiVä16/61
- Kallis, Anastasios: Johannes Damaskinos in: Greschat, Martin: Gestalten der Kirchengeschichte, Band 2: Alte Kirche II, Kohlhammer Verlag Stuttgart 1993, unveränderter Nachdruck der Auflage 1984, Bibliothek Ref OrtKiVä7/2;
- Spitzing, a.a.O., S. 171
- Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte, Band I, 2. Auflage 1999, S. 298 ff (zum Ikonoklasmus und der ikonophilen Auffassung des Damaskinos)
b. Leben und Werk:
Am 4. Dezember gedenkt die Ostkirche, und seit 1969 am gleichen Tage auch die Römische Kirche, ihres großen Dogmatikers Johannes Damaskenos (um 680750), der im Bewußtsein des orthodoxen Kirchenvolkes viel mehr als der Hymnendichter und Ikonenverteidiger fortlebt. Es ist bemerkenswert, daß für die orthodoxe Theologie der aus einer angesehenen Damaskener Familie stammende Priestermönch Johannes und nicht etwa ein origineller griechischer Denker als Repräsentant patristisch-ostkirchlicher Theologie gilt Unter orthodoxen Theologen erfährt er eine auffallend große Bewunderung und Hochschätzung, vor allem auf dem Gebiet der Dogmatik, auf dem er bereits seit dem 11. Jahrhundert Methode und zum Teil Inhalt jedes späteren schuldomatischen Handbuches bestlmmt.
Es bedeutet sicherlich geistesgeschichtlich keine rhetorische Übertreibung, wenn der Konstantinopeler Patriarch Johannes Bekkos (1275-1282) ein Damaskenos-Zitat mit dem Hinweis einleitet, daß »der Damaskener . . . die ganze Welt mit seiner Theologie erfüllt« (PG 141, 320 A). Die Zahl der griechischen Handschriften und der Übersetzungen (vgl. die Einleitung zu der DamaskenosAusgabe von B. Kotter) weist auf eine weite Verbreitung seiner Werke und sein hohes Ansehen hin, das in der orthodoxen Theologie bis heute anhält. Der Athener Dogmatiker Karmiris nennt Damaskenos »den klassischen Dogmatiker der Orthodoxen Katholischen Kirche, denn er bildet zugleich den Abschluß der ersten Periode der Orthodoxen Theologie, deren bester und treuester Vertreter er ist, und den Beginn ihrer zweiten Periode, auf die er einen starken Einfluß fast bis auf unsere Zeit ausgeübt hat« (Die dogmatische Lehre des Johannes Damaskenos [griech.], Athen 1940, 3). Diese Würdigung dokumentiert eindrucksvoll ein wesentliches Merkmal der östlichen Spiritualität und Theologie, die im Kult und in der Tradition der Kirche ihren Ausdruck und Niederschlag finden.
Der Grund, der Damaskenos zum Klassiker der Osttheologie erhoben hat, liegt keinesfalls, wie man annehmen würde, in der Originalität seiner Schriften, sondern in seinem Versuch, unter Anwendung der vorherrschenden Philosophie und mit bewußter Verpflichtung auf die kirchliche Tradition die Lehre der Kirche systematisch darzulegen. Daher ist es abwegig zu vermuten, die Heranziehung des Damaskeners in der neueren orthodoxen Theologie sei die Folge ihres ökumenischen Anliegens. Gerade den orthodoxen Theologen, die am meisten Damaskenos zitieren und folgen, geht es nicht darum, »die Dogmatik in einer systematischen Form nach westlichem Muster darzustellen« (Richter 1964, 3f.), sondern die orthodoxe Theologie in Form und Inhalt vor den Einflüssen des Westens zu bewahren!
Seine im Westen vielfach mißverstandene Devise: »ich sage nichts Eigenes« (Dial. Prooem. 60; 2,9) hat ihn zum Repräsentanten der ostkirchlichen theologischen Arbeitsweise erhoben, nach der die Verbindung zur kirchlichen Tradition unter möglichst gehendem Verzicht auf Subjektivität in der theologischen Spekulation unerläßlich ist. In diesem traditionsverpflichtenden Prinzip erblickt man die Garantie für die orthodoxe Kontinuität des lebendigen kirchlichen Organismus, in dessen Ganzheit das richtige Verständnis der Glaubenswahrheiten liegt. Dort wird der Glaube gelebt und unverfälscht bewahrt. Darum erklärt Damaskenos durch den Verzicht auf subjektive Spekulation bei der Darlegung des Glaubens seine Einordnung in die kirchliche Gemeinschaft, durch deren Gebete er sich bei der Durchführung seiner Aufgabe gestärkt fühlt (Dial. Prooem. 39-42). Diese Grundhaltung würdigt die Hagiographie, wenn sie ihm den Beinamen Goldfluß gibt, da bei ihm, wie Theophanes (PG 108, 824C; 841A) bemerkt, »in Wort und Leben die goldglänzende Gnade des Geistes hervorsproßt«. Der Ausgangspunkt und die Wurzel seiner theologischen Spekulation liegen in dem gemeinsamen Erlebnis des Glaubens der Kirche, mit der er sich in Gemeinschaft und voller bzw. erwiesener Übereinstimmung fühlt.
Das bedingt die Methode bei der Erfassung und Darlegung der christlichen Lehre, die bezeichnend für die Denk- und Arbeitsweise der Väter ist, die als christliche Denker traditionsgebunden sind und deren geistige Anstrengungen auf die Vertiefung und Auslegung dessen ausgerichtet sind, was ihre Vorgänger erarbeitet haben Daher stellt die Erklärung, nichts Eigenes zu sagen, nicht die Wiederholung eier alten Bescheidenheitsformel dar (Studer, 15), sondern ein unausweichliches Prinzip seiner Arbeitsweise.
Damaskenos fühlt sich in starkem Maße der Arbeitsweise verbunden, die sich von Anfang an auf den Boden der Tradition stützte, in deren Kette die Kirchenvater siich nacheinander anschlossen. Die bezeichnenden Worte »den heiligen Vätern folgend .. .«, mit denen gewöhnlich die dogmatischen Definitionen der ökumenischen Konzilien eingeleitet wurden (D 301; 600), sind aufschlußreich für die Arbeitsweise der Väter und der Konzilien, die sich der Vätertradition verpflichtet fühlten und an erster Stelle als Ausleger der Vorangegangenen ansahen. Dadurch erreichten sie den »consensus fidelium« durch die Jahrhunderte der kirchlichen Entwicklung hindurch, der das deutlichste Zeichen für die Richtigkeit der jeweils neu formulierten Glaubenswahrheiten ist. Dieses starke Traditionsbewußtsein der Väter hat an sich nichts mit einer unproduktiven sklavischen Denkweise zu tun, denn es kommt nicht darauf an, durch Zitate das Alter der Wahrheit und damit ihre Richtigkeit zu beweisen; Häretiker könnten genauso mit Erfolg operieren. Die Väter werden nicht so sehr als Zeugen des alten Glaubens »testes antiquitatis«, herangezogen, sondern als Zeugen des wahren Glaubens, »testes veritatis«. Als ein solcher Zeuge genießt Damaskenos ein hohes Ansehen, denn er gilt als Interpret der kirchlichen bzw. patristischen Tradition: »Wenn ich den Damaskener nenne«, meint der Metropolit Makarios von Ankyra, »habe ich alle Lehrer und Theologen zusammen genannt. Denn dieser ist Mund und Dolmetsch aller Theologen« (PG 94, 129).
Diese Eigenart der Vätertheologie, die Damaskenos in seinem Versuch, einen zusammenfassenden Überblick über die Glaubenslehre der sechs ersten ökumenischen Konzilien zu geben, exemplarisch repräsentiert, muß zugrunde gelegt werden, wenn man seine Leistung objektiv würdigen will. Denn vor allem darauf läßt sich die Divergenz in der Beurteilung des Damaskenos zurückführen, die eigentlich einer Bejahung oder Ablehnung einer bestimmten östlichen theologischen Arbeitsweise gleichkommt. Durch diese im Hinblick auf Damaskenos a priori bezogene Haltung gilt er für die einen als der Aquinate des Ostens und Vater der Scholastik überhaupt, während die anderen in ihm den unproduktiven Kompilator erblicken. So wird nach J. Karmiris (Thomas von Aquins Summa theologica I, 1/2 [griech.], Athen 1935-40, 30), »der heilige Johannes Damaskenos sehr zutreffend der heilige Thomas des Ostens genannt«. N. Matsoukas (30f.) hebt die Leistung des Damaskeners stärker hervor, wenn er nach einem Vergleich mit Thomas von Aquin nur äußerliche Gemeinsamkeiten feststellt und Damaskenos indirekt lobt, weil er den Fehltritt des Aquinaten nicht begangen habe, der »die Grenzen des Gleichgewichts zwischen Logos und Dogma« überschreite. Dagegen räumt B. Studer (133f.), der von einem unöstlichen Theologieverständnis ausgeht, Damaskenos keinen hervorragenden Plats in der Entwicklung der Theologie ein. Ähnlich urteilt G. Richter, der im Anschluß an Studer seine Arbeit mit der Feststellung abschließt, daß die Bedeutung Damaskenos' »weniger in der Dogmatik- und nun ist hinzuzufügen: erst recht nicht in der Philosophie und ihrer Grundlegung für die Dogmatik - zu suchen ist, sondern daß sie auf dem Gebiet der Hagiographie liegt« (Richter, 1964, 280). Sein Urteil fällt allerdings nicht immer so hart aus. So spricht er in seiner Einleitung (ebd. 4) unter Hinweis auf Karmiris von der Bedeutung des Damaskeners für eine Darstellung der orthodoxen Dogmatik in einer systematischen Form nach westlichem Muster und bemerkt an anderer Stelle (21 ): »Was er [Damaskenos] in der Dialektik und anderswo schreibt, ist diese Philosophie [der Väter] im 8. Jh. selbst.« Mehr noch ist es die Antwort der Theologie auf die geistigen und theologischen Fragen der Zeit. Zweifellos bilden seine dogmatischen und philosophischen Schriften den Kern seines literarischen Schaffens, doch sein Gesamtwerk- und dazu gehören auch seine exegetischen, apologetischen, moralischen, hagiographischen Schriften und liturgischen Dichtungen - zeigt, daß wir mit einem Diener der Kirche zu tun haben, der das liturgische Leben (vgl. seine Hymnen) und die geistig-geistlichen Probleme der Zeit miteinander verband.
Das bedeutende griechische Mar-Saba-Kloster in Palästina bildete für ihn nicht einen Ort der Abgeschiedenheit und Weltflucht, sondern Stärkungsstätte für die Auseinandersemung mit den Fragen der Zeit aus der Mitte der Kirche und ihrer Tradition heraus. Dies zeigt deutlich sein Einsatz für die Bilderverehrung, den die Bildersturmer verächtlich erwähnen (Synode von Hieria [754]; Mansi XIII, I 356 CD), während das 7. Ökumenische Konzil ihn deswegen einen Verteidiger der Wahrheit nennt (ebd. 357B; 400 CD).
Darin liegt schließlich der Grund dafür, daß orthodoxe Theologen eine Arbeitsweise preisen, die unter Verzicht auf Spekulation sich in vorgeschriebenen Bahnen bewegt, um eine sichere Vermittlung der geoffenbarten Wahrheiten zu erreichen, und die schon lange vor Damaskenos allgemein gültig war. Sie muß gewiß nicht unbedingt und a priori geistige Schwäche oder Dekadenz bedeuten doch sie birgt in sich die Gefahr des Formalismus und Traditionalismus, die zu einer Erstarrung des geistigen und kirchlichen Lebens überhaupt führen können. Weder sehen die Osttheologen, die Damaskenos überschwenglich loben und bewundern, die Nachteile einer vielfach in Väter-Zitaten Sicherheit suchenden Theologie, noch würdigen die westlichen Theologen, die in ihrer Mehrzahl den Verzicht auf Eigenes abschätzig beurteilen, die Leistung Damaskenos' im Rahmen dieser Tradition, die für die Osttheologie charakteristisch ist.
Doch Traditionsbewußtsein und produktives Denken schließen sich nicht gegenseitig aus, denn die großen griechischen Väter, die sich in ihrer theologischen Spekulation zweifellos auf den Boden der Tradition stützten, entwickelten eine bewundernswerte geistige Freiheit. Mit überzeugender Souveränität übernahmen sie das Erbe der griechischen Gesamttradition als Grundlage der christlichen Spekulation und überwanden zugleich die theologischen Gefahren, die dem griechischen Denken innewohnten und zum Teil in den christlichen Häresien zum vollen Ausdruck gekommen waren. Diese gewaltige Leistung wird zwar ausnahmslos von allen gewürdigt, doch die ihr zugrunde liegende geistige Haltung, ohne die sie nicht zu denken wäre, von den überschwenglichen Befürwortern der Damaskenischen Arbeitsweise völlig ignoriert.
Gerade diese Voraussetzung tritt später in den Hintergrund bei denen, die auf die Leistung der großen Väter mit Ehrfurcht blicken und sie zu unantastbaren Autoritäten erklärten. Kyrillos von Alexandrien (gest. 444) und Theodoretos von Kyrrhos (gest. um 466) sind die letzten großen griechischen Kirchenväter und Ausläufer der zwei dominierenden Richtungen im Ausbau eines theologischen Systems, der alexandrinischen und antiochenischen Theologenschulen. In der nachfolgenden Zeit gelten neben den Kappadokiern Basileios dem Großen, seinem jüngeren Bruder Gregorios von Nyssa und seinem Freund, dem Theologen Gregorios von Nazianz, die als Hüter der Orthodoxie gefeierten Athanasios und Kyrillos von Alexandrien sowie der größte Prediger der griechischen Kirche, Johannes Chrysostomos, als die Autoritäten, aus denen man schöpft und auf die man sich bei den theologischen Auseinandersetzungen beruft.
Bereits bei Kyrillos von Alexandrien beginnt das Rückblicken auf das Erbe der Vergangenheit der »königliche Weg« der griechischen Theologie zu werden, die eine Absicherung der Orthodoxie durch eine »Papageientheologie« erhoffte. Die literarische Tätigkeit der späteren Kirchenväter besteht hauptsächlich in der Erhaltung des überlieferten Gedankengutes, das sie als einen kostbaren und ehrwürdigen Schatz aufzubewahren versuchen. Sie meiden die Beschäftigung mit neuen Problemen, statt dessen bearbeiten sie die schon aufgeworfenen und suchen die Antwort auf neu entstehende Fragen in der Vergangenheit. Denn es herrschte die Ansicht, daß die Väter nichts Notwendiges ausgelassen oder übersehen hätten.
Zu einer Zeit, in der im Westen eine schöpferische und dynamische Theologie, die ihren Anfang den Griechen verdankte, mlt Augustin an der Spitze entstand, fühlten sich die Griechen nach einem in der Tat' fundamentalen Beitrag zur Formulierung und Gestaltung des christlichen Glaubens bereits am Ziel, das es nun nicht mehr aus den Augen zu verlieren galt. Für sie brach die Epoche des Traditionalismus an, der sich von der Traditionsverbundenheit und -verpflichtung der großen Väter dadurch unterscheidet, daß die Theologie fast ausschließlich von den Vätern der Vergangenheit lebt, die sie übermäßig bewundert und in mannigfacher Weise immer wieder zu Wort kommen läßt und dies als den besten Dienst an der Orthodoxie sieht. Zeuge dieser Tendenz sind die Florilegien, d. h. Sammlungen von Zitaten, die nach Bedarf zusammengestellt oder als Beweismittel Abhandlungen beigegeben wurden. In diesem Sinne versteht Damaskenos die Väterzeugnisse, die er seinen Schriften beilegt: Imag. I, 28-65; II, 24-68; III, 43-116; Jacob. 89-129; Trisag. 7,34-25,31. Ieiun. PG 95,64.
Das hat aber an sich nichts mit einer Selbstzufriedenheit zu tun, sondern mit einem kirchlichen Pflichtbewußtsein, das infolge politischer, kultureller, soziologischer und religiöser Umstände zu einer Sakralisierung der kirchlichen Tradition führte.
In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts, in der Damaskenos wirkte, wurde die Ostkirche durch tiefgreifende Ereignisse erschüttert. Politische Umwälzungen, geistige und soziale Krisen haben ihre Spuren auch in der Kirche und Theologie der Zeit hinterlassen. So haben z. B. die kriegerischen Angriffe auf Byzanz nicht nur das Reich geschwächt und in Unruhe versetzt, sondern auch orientalische Einflüsse mit sich gebracht, die auch in den dogmatischen Auseinandersetzungen unverkennbar sind, wie der Ikonoklasmus exemplarisch dokumentiert. Der Kampf um die Ikonen, deren Verehrung Damaskenos standhaft verteidigte, stellt auch einen komplexen kulturellen, soziologischen und machtpolitischen Vorgang dar, der daher nicht nur mit theologischen Argumenten ausgetragen wurde.
Doch die Hintergründe für die Entwicklung einer Theologie, die zunehmend in Väterautoritäten flüchtete, liegen in der Kirche selbst. Die Angst der Kirche vor der Häresie, mit der sie in ständigem und zeitweise existentiellem Kampf stand, führte zum Traditionalismus, der mit der Zeit ein ebenso großes Übel wie eine seiner Ursachen, eben die Häresie, wurde. Die Systematisierung des immer größer und komplizierter werdenden literarischen Erbes wurde als die beste Abschirmung gegen die Häresie und damit als die einzige Aufgabe der Nachkommen gesehen. So entstand eine im wesentlichen von Autoritäten der Vergangenheit lebende Theologie. Der Traditionalismus gewann allmählich so sehr an Boden, daß später niemand den Mut hatte, etwas Neues zu sagen, auch wenn er die Fähigkeit dazu besaß. Der Eifer- vor allem der Mönche - für die Orthodoxie, der selbst auf das Volk übertragen wurde und mit Unwissenheit und Angst vor dem Neuen verbunden war, hat dann den Ausschlag gegeben, daß eine gegen diese sakralisierte Tradition gerichtete Entwicklung unmöglich wurde.
Dieser Konservierungsprozeß, der zur Zeit des Damaskeners ein schon längst gefestigtes System darstellte, wurde auch von einer anderen Seite, dem Staat vorangetrieben, der in der Stärkung des Traditionalismus eine bedeutende Rolle spielte. Die Spalterei der Häresie hatte in Byzanz nicht nur auf die Kirche, sondern auch auf den Staat ihre negativen Auswirkungen gehabt, so daß die dogmatische Einheit auch aus politischen Gründen erstrebt wurde. So erfolgte der erste politische Schritt zur Bildung des Traditionalismus durch den Kaiser Theodosios I. (379-395), der die Orthodoxie mit allen Kräften förderte. Kennzeichnend dafür sind zwei Edikte: das vom 28. Februar 380, das alle Völker des Reiches zum rechten Glauben anhielt, wie ihn der Apostel Petrus den Römern überliefert habe und jetzt die Bischöfe Damasus von Rom und Petrus von Alexandrien bewahrten (Cod. Theod. XVI, 1, 2), und das vom 30.Juli 381, in dem Theodosios eine Reihe von Bischöfen nannte, die als Norm des rechten Glaubens gelten und an denen die übrigen sich orientieren sollten (ebd. 3).
Progressive Theologie und jede dazu führende Autoritat waren verdächtig und unerwünscht. Die Besiegelung dieses Zustandes erfolgte durch den neunzehnten Kanon der Konstantinopeler Synode von 692, der bestimmte, die Grenzsteme der Tradition nicht zu übertreten, sondern die Schriften der orthodoxen Väter als Quelle für die sichere Interpretation der Lehre der Kirche und darüber hinaus fur die Antwort auf entstehende Fragen zu benutzen und auf die eigene Spekulation zu verzichten (Mansi XI; 952 C f.). Wie ein roter Faden geht durch alle Schriften des Damaskeners die alttestamentliche Devise: »Verschieb nicht die alte Grenze, die deine Väter gesetzt haben« (Spr. 22,28; vgl. Expos. 1,27; Imag. I, 22,13f.; II, 12,43-47; III, 41,3-13; Jacob. 28,4f.).
In diesem Zusammenhang erscheint auch das gewaltsame Vorgehen gegen die heidnische Philosophie als verhängnisvoll, denn damit wurde eine wichtige geistige Kraftquelle ausgeschaltet; ungeachtet dessen, daß gewiß nicht Justinianos I., der 529 die Vorlesungen in Philosophie und Recht in Athen verbot, den entscheidenden Schlag gegen die Philosophie geführt hat. Schon zu einer Zeit, in der die Väter mit Hilfe der griechischen Philosophie erstaunliche geistige Leistungen vollbrachten, wurde bei den Philosophen ein immer stärker werdender Verzicht auf selbständiges Denken verzeichnet. Die reproduzierende Literaturform, die Florilegien, kamen wie bei den Kirchenvätern auch bei den heidnischen Philosophen immer mehr zur Geltung. Sie boten nicht etwas Neues an, sondern machten nur das überlieferte Gedankengut leichter zugänglich, wobei der unmittelbare Kontakt zu den Schriften der großen Philosophen allmählich verloren ging.
Diese Philosophie konnte gewiß der Theologie kaum neue Impulse vermitteln, doch durch den Gewaltakt des Kaisers, der jedem »Hellenen« die Lehrtätigkeit verbot (Cod. Just. I, 11,10,2), schwand die Möglichkeit des freien Philosophierens und Spekulierens dahin. Es mutet wehmütig an, daß daraufhin der letzte Scholarch der Platonischen Akademie, Damaskios, und sechs andere athenische Philosophen veranlaßt wurden, Byzanz zu verlassen, um für einige Zeit am Hof des neuen persischen Großkönigs Zuflucht zu suchen.
Das bedeutet für die Philosophie das Ende ihres selbständigen Daseins, denn sie konnte nur im christlichen Gewand fortleben. Sie wurde mehr und mehr von der christlichen Spekulation absorbiert, in der sie einen neuen Sinngehalt erhielt. Die profane Philosophie, die seit Herakleitos als die Wissenschaft gilt, die sich mit Denkgesetzen und Grundfragen der Welt und des Lebens befaßt und als Ziel die Wahrheitsfindung hat, erhielt bei den Vätern auch einen neuen Sinn, indem sie die Wahrheit als gegeben nahmen. Es galt nun, sich zu ihr zu erheben, um ihrer teilhaftig zu werden. Damaskenos dokumentiert exemplarisch diese Entwicklung, indem er sich in seinen »Philosophischen Kapiteln« vorwiegend an die klassische Philosophiedefinition hält, während er in den theologischen Schriften im allgemeinen das neue Philosophieverständnis gelten läßt. Dieser Wandel bedeutet prinzipiell nicht unbedingt eine Abwertung des klassischen Philosophiebegriffes, wie man gewöhnlich diese Entwicklung versteht; das Abträgliche in dieser Geisteshaltung besteht nur in der vernichtenden Gefahr für das geistige Leben, wenn alles durch administrative Maßnahmen auf eine Bahn gelenkt oder gezwungen wird.
Gerade die östliche Theologie im engeren Sinn (Lehre von Gott) und die Mystik fanden in der Philosophie bzw. im Platonismus und Neuplatonismus ausgezeichnete Wegbereiter des meditativen und mystischen Durchdringens des übersinnlichen Göttlichen, das, wie bereits Platon formulierte, undefinierbar ist: »Es gibt keinen Namen für es [das Einsseiende], keine Erklärung, noch auch irgendeine Erkenntnis, Wahrnehmung oder Vorstellung ... Es wird also nicht benannt, nicht erklärt, nicht vorgestellt, nicht erkannt, noch auch etwas, was es an sich hätte, wahrgenommen« (Platon, Parm. 142a). In auffällig ähnlicher Weise, jedoch ohne völlige inhaltliche Übereinstimmung, bemerkt Damaskenos, indem er auf eine inzwischen zum Topos entwickelte Auffassung der Väter zurückblickt: »Das Göttliche ist unendlich und unfaßlich, und das einzige, was in ihm faßlich ist, ist seine Unendlichkeit und Unfaßlichkeit« (Expos. 4,32f.). Die apophatische Theologie, die für die griechischen Väter und die Osttheologie überhaupt charakteristisch ist, schloß formal an die philosophische Erkenntnisproblematik des Platonismus an, auch dann, wenn die Philosophie, d. h. die reine Apodeixis des Artistoteles, zurückgewiesen wurde.
Auf dem Wege des Neuplatonismus fand jedoch später bei den griechischen Vätern auch Aristoteles Eingang, vor allem als es darum ging, die trinitarischen und christologischen Glaubensinhalte, worin die Terminologie vorwiegend aristotelisch war, systematisch darzulegen. Die aristotelischen Gesetze des diskursiven Denkens bildeten sodann die Grundlage bei der Abgrenzung gegen die Begriffsverwirrung der Häretiker. So blieb zwar der Neuplatonismus die herrschende und in Form und Inhalt dominierende Philosophie der griechischen Väter, doch zu Beginn des 6. Jahrhunderts drang durch Leontios von Byzanz und später Maximos Homologetes das aristotelische Denksystem definitiv ein.
Im Fluß dieser theologisch-philosophischen Entwicklung kommt dann bei dem systematisierenden Versuch des Johannes Damaskenos, die orthodoxe Glaubenslehre zusammenzufassen und von den Häresien abzugrenzen, der Aristotelismus am deutlichsten zur Geltung, allerdings ohne eine Ablösung des Platonismus der früheren Kirchenväter, denen Damaskenos mit allen Kräften die Treue hält. Sein Hauptwerk, die »Darlegung des orthodoxen Glaubens«, geht zum größten Teil auf neuplatonisierende Väter zurück, die er themenweise benutzt. In der Gotteslehre liefern das Material merkwürdigerweise vor allem zwei Autoren, deren Werke unter der Fahne früherer Autoritäten liefen, des letzten großen griechischen Kirchenvaters, des Kyrillos von Alexandrien (Trin. PG 77, 1120 A -1173 D), und des »Apostelschülers« Dionysios vom Areopag. Einen großen Einfluß haben auf das Werk des Damaskenos die Kappadokischen Kirchenväter des 4. Jahrhunderts, vor allem »der Theologe« Gregorios von Nazianz, ausgeübt, namentlich in der Trinitätstheologie, Christologie, Angelologie (neben Ps.-Dionysios), Sakramententheologie, und in der Kosmologie natürlich die Hexaemeros des Basileios. Die Anthropologie geht zum größten Teil auf den Bischof von Emesa, Nemesios, zurück, der die erste christlichphilosophische Anthropologie verfaßt hat. Drei weiteren großen Theologen ist Damaskenos stark verpflichtet, Athanasios von Alexandrien in der Trinitätstheologie sowie Kyrillos von Alexandrien in der Christologie und Trinitätstheologie und schließlich Maximos Homologetes in der Christologie. Am stärksten jedoch sind Bibelzitate vertreten, durch die die der griechischen Philosophie entnommene Terminologie der Väter und Konzilien ein biblisches Fundament erhält. So erweist sich die Damaskenische Vätertheologie nicht, wie so oft der Vorwurf gegen die Kirchenväter lautet, als eine griechische, sondern als eine biblische Theologie.
Auch in dieser Hinsicht ist Damaskenos ein exemplarischer Zeuge der Patristik, in der gewiß nicht eine Hellenisierung des Evangeliums erfolgte, sondern eine Verchristlichung der griechischen Philosophie. In seinen Vorlagen fand allerdings Damaskenos die griechische Philosophie christianisiert eingebaut vor.
Daher kann man ihn nicht zum Schüler der Kappadokier und des Aristoteles erklären (Chevalie, 10) oder von einer »Verchristlichung« der heidnischen Philosophie durch Damaskenos sprechen (J. Gräf, Psychologie des hl. Johannes von Damaskus. Diss. phil. [Maschinenschr.] Köln 1923, 2), der am Ende einer langen Überlieferung stehe, verschiedene Gedankenbildungen überblickte und in seinem Bemühen, sie zu ordnen, die Aristotelische Dialektik heranziehe (E. Hammerschmidt, Einige philosophisch-theologische Grundbegriffe, in: Ostkirchl. Studien 4 [1955], 148f.). Die »Philosophischen Kapitel«, worin man an erster Stelle den Aristoteliker Damaskenos erblickt, der »in klarer, einfacher und methodischer Weise alles dies aus der aristotelischen Philosophie darlegt, was sich auf die Substanz, das Akzidenz, die Definition, die Unterteilung, das Genus und die Spezies bezieht« (Matsoukas, 267), dürften endlich nach ihrer eingehenden quellenkritischen Untersuchung durch G. Richter nicht weiterhin durch einen oberflächlichen Vergleich mit den Kategorien des Aristoteles als Beleg für den »Aristotelismus« des Damaskeners angeführt werden. Dessen ungeachtet bleibt die Tradition einer bestimmten theologischen Schule von Damaskenos-Enkomiasten ungebrochen, die eine überschwengliche Einschätzung der philosophischen und theologischen Bedeutung des Damaskeners liefern.
Zudem ist es nicht so, daß Damaskenos die Dialektik als das aristotelische Organon benutzt, mit dem er die orthodoxe Theologie von der Häresie abgrenzt und systematisch darlegt (E. v. Ivanka, Plato Christianus, Einsiedeln 1964,476), oder als eine »Einführung in die Darlegung der Wahrheiten des orthodoxen Glaubens« (P. Christou, Johannes Damaskenos [griech.], in: Threskeutike kai ethike enkyklopaideia,1222f.), sondern sie bildet bei ihm ein Vorfeld, in dem er einige in der Theologie und Philosophie angewandte Begriffe, über die Verwirrung herrschte, für sich erörtert, ohne Konsequenz und Vollständigkeit im Hinblick auf die theologische Anwendung. Er entwirft kein philosophisch-dogmatisches Handbuch, sondern er trägt alles Wissenswerte seiner Zeit zusammen, zu dem auch das intellektuelle Wissen gehörte (vgl. Dial. 1,2f.). Diese Einschätzung läßt sich auch aus dem Brief Damaskenos' an seinen Adoptivbruder Kosmas, der Bischof von Majuma war, bzw. der Vorrede zu seinen »Philosophischen Kapiteln« ersehen, wenn er in klarer und schlichter Weise die Struktur seiner Trilogie »Quelle des Wissens« darlegt: »Zuerst werde ich darlegen, was an Wissen bei den Griechen das Beste ist . .. Ich werde mir die Biene zum Vorbild nehmen und zusammentragen, was zur Wahrheit gehört ... Danach werde ich das Geschwätz der gottverhaßten Häresien durchschauen, damit durch die Erkenntnis der Lüge mehr zur Wahrheit gelangen. Schließlich werde ich . . . die Wahrheit darlegen, die den Irrtum zerstört und die Lüge vertreibt« (Dial. Prooem. 43-57). Dieses Vorgehen war vor allem durch die aristotelisierenden Häretiker bestimmt, denen man mit den gleichen Waffen begegnen mußte, ohne Aristoteles wie einem dreizehnten Apostel zu folgen (vgl. Jacob. 10,13). Daß dabei logischerweise der Aristotelismus Bestandteil orthodoxer Theologie wurde, wenn auch nicht, wie J. H. Waszink meint, »von hervorragender Bedeutung« (Aristoteles, in: Reallexikon für Antike und Christentum 1 [1950], 664), ist ein Tatbestand, den man nicht auf Grund von Unzulänglichkeiten des Damaskenischen Systems leugnen darf.
Gewiß kam Damaskenos in der Anwendung der aristotelischen Dialektik kaum über seine Vorlagen hinaus, die zu einem großen Teil aus einer Zeit stammen, in der die Theologie durch ihre Anlehnung an den Neuplatonismus und Ablehnung des Aristoteles gekennzeichnet ist. Insofern, d. h. vom Inhalt der Schriften her, ist es unmöglich, Damaskenos, der zudem sich selbst als Biene bezeichnet, die nur den Honig sammelt (Dial. Prooem.49), oder als Geldwechsler, der nur echte Münzen annimmt (Expos. 90, 41), einem philosophischen System unterzuordnen, denn die Philosophie hat eine Dienstfunktion in seinem theologischen Werk (vgl. Dial. 1,57), in dem er verschiedenartiges Material, das auch in seiner philosophischen Prägung uneinheitlich ist, zusammenfaßt.
Wie sollte er auch die neuplatonisierenden Väter ohne ihren neuplatonischen Hintergrund sprechen lassen, d.h. die aristotelische Dialektik als Grundlage bei der Darlegung der dogmatischen Lehre benutzen, ohne die theologische Tradition zu brechen? Und dennoch durchbrach er die Tradition, ohne seine Devise, nichts Eigenes zu sagen, aufzugeben, indem er den Aristotelismus, der vor allem in der Trinitätstheologie und in der Christologie Eingang fand, nicht nur bei der Behandlung der entsprechenden theologischen Fragen übernahm, sondern als System in die Theologie einführte, wie es die »Philosophischen Kapitel« und die »Elementare Einführung« bereits durch ihre Existenz dokumentieren.
Insofern kann Damaskenos zweifellos als Vorläufer der Scholastik gelten, nicht jedoch, wie es exemplarisch für seine Bewunderer A. Tsirpanlis sieht: »Durch die Verbindung des Aristoteles mit dem christlichen Glauben hat der hl. Damaskenos der scholastischen Philosophie des Westens die fundamentalen Begriffe der Logik und Ontologie des großen Philosophen der Antike wie auch wichtige Elemente seiner Psychologie und Ethik bekannt gemacht« (Der Beitrag des Johannes Damaskenos zur Philosophie der Theologie [griech.], in: Aktines 21 [1958], 443). Der Einfluß des Damaskenos auf die Scholastik wird gewöhnlich in der älteren Literatur überschätzt (vgl. z. B. die Dogmengeschichten von B.J. Bach und A. Harnack), der sich allerdings auch noch die meisten jüngeren orthodoxen Theologen anschließen.
Die Scholastik, die durch die lateinischen Übersetzungen Zugang zu Damaskenos fand, wurde zwar in ihrer philosophisch-theologischen systematisierenden Tendenz ermuntert, doch ihr Weg zu Aristoteles und den griechischen Kirchenvätern ging gewiß nicht über Damaskenos, dessen Bedeutung mehr darin zu sehen ist, daß er, der von der Trennung zwischen Byzanz und Rom lebte, mit seiner in der Scholastik unbestrittenen Autorität eine formale Brücke zwischen Ost- und Westtheologie bildet. Allerdings nicht nur die Scholastik betrachtet ihn als einen authentischen Vertreter der griechischen Patristik, sondern auch die moderne katholische und evangelische Theologie, die sich auf ihn berufen, wenn es darum geht, die Lehrkontinuität mit der alten Kirche aufzuzeigen.
Das gilt besonders für die Trinitätstheologie und Christologie, die die Eckpfeiler des dogmatischen Gebäudes des Damaskenos bilden, worauf er seine Soteriologie und vor allem Anthropologie aufbaut. Es ist bemerkenswert, daß Damaskenos in der Anthropologie der mittelalterlichen Denker des Westens als eine Hauptautorität galt, obschon die anthropologische Denkstruktur des griechischen Ostens mehr johanneisch, die des lateinischen Westens mehr paulinisch ausgeprägt ist. Diese Divergenz kommt bei der Einbeziehung des Damaskeners durch die Scholastik nicht zum Ausdruck, in der er als einer ihrer geistigen Vorläufer erscheint. Allerdings darf er nicht in seiner theologischen Betrachtungsweise als Schlolastiker gelten, denn seine literarische Hinterlassenschaft bestätigt nicht diesen durch die Scholastik vermittelten Eindruck. Deshalb konnte auch Gregorios Palamas (gest.1359) sich bei der Auseinandersetzung mit der scholastischen Theologie auf Damaskenos stützen, der in der Auseinandersetzung mit der römisch-katholischen Kirche und Theologie, aber auch in der innerbyzantinischen theologischen Auseinandersetzung als Garant der Orthodoxie galt.
Doch nicht nur wegen des aus der gottbezogenen anthropologischen Betrachtungsweise resultierenden Charakters der Terminologie darf die Anthropologie des Damaskeners, der auch hier in der Vätertradition steht, nicht isoliert betrachtet werden, sondern auch wegen der Verquickung der Anthropologie mit der Theologie überhaupt. Die anthropologischen Begriffe sind vielfach in theologischen und vor allem christologischen Auseinandersetzungen geprägt, so daß man sich nicht nur, wenn ein unmittelbarer Bezug zur Christologie oder Theologie vorliegt, die parallele Problematik vergegenwärtigen muß, sondern auch dann, wenn nur vom Menschen die Rede ist. Andererseits muß anthropologisches Material auch dort gesucht werden, wo man es vielleicht nicht vermutet, denn wenn Damaskenos z. B. von den beiden Willen Christi spricht, greift er immer wieder auf den Menschen zurück, zumal er in seiner Anthropologie die, christologische Problematik bzw. die Anwendung der Begriffe auf die Person Christi vor Augen hatte.
Dabei stößt man auf eine besondere Schwierigkeit, die durch die Verschiedenheit der von Damaskenos benutzten Schriften auftritt und die auch er selbst in seiner Arbeit erfahren haben muß, als er aus dem Dickicht der theologischen Überlieferung mit Geschick »die weit auseinanderliegenden und durchaus nicht immer homogenen Bausteine, die er zusammentrug, zu einem geschlossenen System ineinanderzufügen verstand« (Hoeck, 56). Allerdings muß man hier die Legende zerstören, nach der Damaskenos als Kenner der Gesamtpatristik eine direkte Auswahl aus den Schriften der Väter vornimmt.
Doch gemessen an den Idealen und Bedürfnissen seiner Zeit, in der nur eine bescheidene Zahl von Schriftstellern hervortrat- von Bedeutung sind außer Damaskenos nur noch Anastasios Sinaites (gest. kurz nach 700), Germanos von Konstantinopel (gest. 733), Andreas von Kreta (gest. 740) und der Adoptivbruder des Damaskeners, Kosmas der Melode-, ist diese Leistung, die allerdings von Hoeck etwas zu hoch eingeschätzt wird, nicht weniger wertvoll als anderswo die Originalität, die man überdies Damaskenos nicht ganz absprechen darf, denn sein Hauptwerk, die »Quelle des Wissens«, stellt als Ganzes einen Versuch dar, für den er kein Vorbild hatte und der im Osten nicht mehr wiederholt worden ist. (aus. Kallis, Anastasios; in: Greschat, Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. Alte Kirche II, S. 289 ff; BKV Band 44, OrtKiVä16/61; HDThG Bd. 1, S. 318-325).
vgl. Kallis, Anastasios; in: Greschat, Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. Alte kirche II, S. 289 ff; BKV Band 44, OrtKiVä16/61; HDThG Bd. 1, S. 318-325).
Johannes von Ephesus:
Verfasser einer Kirchengeschichte Norwich I 321 u. 498 Anm.3
Johannes Hexabulios:
Logothet des Dromos unter Kaiser Leon V. des Armeniers (813-820)
Johannes Grammatikos:
der führende Geist der neuen ikonoklastischen Bewegung unter Kaiser Leon V. des Armeniers (813-820); bereits mit 30 Jahren Abt des Sergios- und Bacchos-Kloster in Konstantinopel. Er hieß mit richtigem Namen Johannes Morocharzamios; und war armenischer Abstammung. (Norwich II 37); von 837-843 als Johannes VII. Grammatikos Patriarch von Konstantinopel (Seibt/Zarnitz, S. 181).
Johannes Italos:
war Schüler des *Michael Psellos und dessen Nachfolger als Ûpatoj (Konsul) der Philosophen in Konstantinopel, der sich als Lehrer der Philosophie in Konstantinopel im Kloster »Phg»« etabliert hatte und ein Vertrauter der Kaiserfamilie Dukas war. Im Januar 1082 stand er unter der Anklage, häretische Lehren vertreten und verbreitet zu haben, vor einer Synode unter dem Vorsitz des Patriarchen Kosmas. Er war mit dem Sebastokrator Isaak, dem Bruder und Stellvertreter des neuen Kaisers Alexios I. Komnenos (1081-1118), in theologische Diskussionen geraten und von diesem der Synode überwiesen worden (vgl. Anna Komnena: Alexias V 9). In einem monatelangen, zeitweise auch den Patriarchen selbst gefährdenden Prozeß wurde er auf Betreiben des Kaisers, der ihn verurteilt wissen wollte, in elf Punkten der Irrlehre für schuldig befunden und, da er nicht abschwören wollte, verurteilt. Danach fand sich Johannes doch bereit nachzugeben, wie Anna Komnena berichtet: »Er leugnete hinfort die Seelenwanderung, er beschimpfte nicht mehr die verehrungswürdigen Bilder der Heiligen, und er bemühte sich, die Lehre von den Ideen in orthodoxer Art zu interpretieren." Alexias V, 8). Sein Name verschwand damit aus der Liste der Häresiarchen, seine Lehren, wie das Konzil sie in den ersten zehn Punkten zusammengefaßt hatte, blieben hingegen verurteilt. Nur Anna Komnene weiß von weiteren Äußerungen des Italos; als "Hypatos" der Philosophen war er abgesetzt und verschwindet aus unsetem Blickfeld.
Der Prozeß könnte außer Betracht bleiben, wären die zehn ersten Verurteilungen nicht in das Synodikon aufgenommen worden, das damit aktualisiert wurde; damit wurde für alle Zukunft festgehalten, daß die Autorität einer Synode das Verhältnis der Philosophie, und das heißt in mittelbyzantinischer Zeit stets: der antiken, griechischen Philosophie, zur Theologie festgelegt und der Philosophie eine unüberschreitbare Grenze gesetzt hatte.
Johannes Italos war ein eklektischer Philosoph. Seine Abhandlungen über die Dialektik, über die Syllogismen und die Rhetorik sind nur kurze Auszüge aus den entsprechenden Werken des Aristoteles, wie sein Kommentar zu den Büchern II-IV der Topik des Stagiriten von Alexander von Aphrodisias abhängt. In den "Ekdoseis" sind ausführliche Zitate aus oder enge Anklänge an Ammonios, Proklos, Gajus, den Rhetor Hermogenes und seinen Lehrer Michael Psellos festzustellen. In seinem Unterricht spielte der Kommentar des Porphyrios zusammen mit dem des Ammonios und dem des Olympiodoros eine zentrale Rolle, daneben die Werke der Neuplatoniker Jamblichos und Proklos. Das alles ist im 11. Jahrhundert nichts Auffälliges, es entspricht der byzantinischen Weise Philosophie zu betreiben.
Die Anathematismen zielen ieL auf die absolute Verdammung der griechischen Philosophie. Damit wird die Grundstimmung der mönchischen Richtung in der byzantinischen Theologie spürbar, wie sie z.B. *Niketas Stethatos in der Nachfolge seines Meisters Symeon vertreten hat, nämlich die Verneinung und Verachtung des auf weltlichen, rationalen, auf philosophischer Erkenntnis statt auf göttlicher Offenbarung beruhenden Versuchs, die Welt und die Geheimnisse der christlichen Glaubenslehre zu deuten (nach HDThG I 335-339). Er und seine Schüler hatten damit die Grenze überschritten, die seit Basileios dem Großen gezogen war: sie haben die Philosophie als eine selbständige Möglichkeit benutzt, die Welt zu verstehen und zu erklären, ohne auf die kirchlichen Lehre Rücksicht zu nehmen.
Gegen Ende der ersten Blütezeit der Renaissance griechischen Denkens im byzantinischen Geistesleben, die mit der sammelnden Tätigkeit hoher kirchlicher Würdenträger wie des Patriarchen Photios von Konstantinopel oder des Metropoliten Arethas von Kaisareia (gest. um 944) begann, und die im 11.Jahrhundert durch Namen wie Johannes Xiphilinos (als Johannes VIII. 1064 bis 1075 Patriarch von Konstantinopel; s. BECK 556 f.) und Michael Psellos gekennzeichnet ist, werden so in der Gestalt des Johannes Italos und seiner Schüler mit scharfer Deutlichkeit die Grenzen ihrer Erlaubtheit deutlich gemacht, ein Versuch der Eindämmung dessen, was jene Gelehrten angeregt, gepflanzt und gelehrt hatten: Wo das Philosophieren an die Schranken der kirchlichen Lehre, der Orthodoxie stößt, verläßt sie den ihr gewährten Freiraum. Die atsolute Überordnung der unantastbaren Kirchenlehre, auf Schrift und Tradition, auf Gotteswort und Konzilsentscheidungen beruhend, wird durch das Urteil gegen Johannes Italos und seine Gesinnungsgenossen betont und autoritativ festgestellt. (A. A. VASILIEV hat sich angesichts des Falles des Johannes Italos an dessen geistesverwandten Leidensgenossen Petrus Abaelard erinnert) (nach HDThG I 340).
Literatur:
- HDThG I 335 f
- Joannou, P.: Christliche Metaphysik in Byzanz. I. Die Illuminationslehre des Michael Psellos und Ioannes Italos, erwähnt in Byzantinische Zeitung 57. Jg. 1958, S. 167
Johannes II, Patriach von Konstantinopel (518-520):
vgl. Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 17
Johannes V. Palaiologos:
Kaiser 1341-1391, Sohn von Kaiser *Andronikos III. Palaiologos und der Anna von Savoyen; beim Tod seines Vaters 9 Jahre alt und durch wirksames Testament als Nachfolger bestimmt; Streit um die Regentschaft: Großdomestikos *Johannes Kantakouzenos gegen Anna von Savoyen, die vom Patriarchen Johannes Kalekas unterstützt wurde. Der Bürgerkrieg führte zur völligen Erschöpfung der Reichsressourcen und verursachte durch die Einbeziehung der Türken nie wieder gut zu machende außenpolitische Schäden (Beck, S. 218). In die Auseinandersetzung wurde der sog. *Hesychastenstreit einbezogen. Die Frage der Stellung zu Palamismus (vgl. auch *Gregorios Palamas) und Antipalamismus verknüpfte sich mit Fragen der Stellung zu den Palaiologen und ihrem Gegenspieler Johannes Kantakouzenos, und mit der Einstellung zu den sozialen Gegensätzen der Zeit (Zelotenaufstand in Thessaloniki 1342-1349, vgl. hierzu Papagiannopoulos, Istoria Thessalonikis, S. 112 f.). Der schwerreiche Großgrundbesitzer Kantakouzenos zog sich nach Thrakien zurück, sicherte sich die Unterstützung des grundbesitzenden Adels und ließ sich 1341 als Johannes VI. Kantakouzenos zum Kaiser (1341; 1347-1354) ausrufen. Auf dem langsamen Vormarsch nach Konstantinopel ließ er sich 1346 in Adrianopel zum Kaiser krönen. Gleichzeitig sammelte sich der Widerstand um die Palaiologen.
Johannes VI. Kantakouzenos:
Kaiser 1341; 1347-1354; beim Aufstand von 1320 war Johannes Kantakuzenos, damals führendes Mitglied der Militäraristokratie engster Berater von Kaiser Andronikos III. Palaiologos (1328-1341) (Norwich III 319); sein Vater war Statthalter der Morea gewesen, er selbst besaß bedeutenden Großgrundbesitz. Johannes VI. Kamtakuzenos sollte die politische Szene im Reich über weite Strecken des Jahrhunderts beherrschen: als graue Eminenz, Großdomestikos, aufständischer Rebell und Kaiser; er war der überragende Feldherr und Staatsmann seiner Zeit. Johannes Kantakuzenos schrieb eine umfangreiche, detaillierte Reichsgeschichte der Jahre zwischen 1320 und 1356.
Literatur:
- Hunger, H., „Thukidides bei Johannes Kantakuzenos. Beobachtungen zur Mimesis“, Jahrbuch der osterreichischen Byzantinstik 25 (1976), pp. 181-193 [On Thucydides description of the plague in Athens and its imitation by Cantacuzenus.]
- Nicol, Donal M., The Byzantine Family of Kantakuzenos (Cantacuzenus) ca, 1100-1460, (Washington DC.: Dumbarton Oaks Center for Byzantine Studies, Trustees for Harvard University, 1968) [DF601.K3N5] [Plague - No. 26, p. 129]
- Weiss, Gunter, Johannes Kantakuzenos, Aristokrat, Staatsman, Kaiser und Monach Gesellschaftentwicklung von Byzanz in 14. Jahrhundert, Schriften zur Geistgeschichte des Ostlichen Europe, Band 4, (Wiesbaden: 1969)
Johannes XIV. Kalekas:
Patriarch 1334-1347; stand im Streit um die Regentschaft über den 9jährigen Kaiser *Johannes V. Palaiologos (1341-1391) nach dem Tod von Kaiser *Andronikos III. Palaiologos (1341) auf seiten der Kaiserinmutter Anna von Savoyen gegen den Großdomestikos Johannes Kantakouzenos.
In der palamitischen Kontroverse (*Hesychastenstreit)
++++++
Palaiologen:
*Georgios Palaiologos, (um 1068), General und Sebastos
*Michael VIII. Palaiologos (Kaiser von Byzanz)
*Nikephoros Palaiologos (Statthalter in Mesopotamien unter Kaiser Michael VII. Dukas (1071-1078)
Petros Gnapheos (Fullo, der "Walker):
Patriarch von Antiochia; verbannt, 475 von Kaiser Basiliskos (während der Usurpation gg. Kaiser Zenon [474; 475-491]) zurückberufen; durch Kaiser Zenon 475 verbannt (Beck, Geschichte der orth. Kirche, S. 9); später in der Auseinandersetzung um das *Henotikon zurückberufen (Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 11).
Petros Mongos:
monophysitischer Patriarch von Alexandria im alexandrinischen Schisma (zwischen dem vom Kaiser eingesetzten Patriarchen und dem monophysitischen Patriarchen) seit 475 (Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 9); von Konstantinopel (Patriarch Akakios von Konstantinopel 472-488) ausgehender Versöhnungsversuch mit den Gegnern des Chalkedonense zur Überwindung des monophysitischen Schismas durch das *Henotikon 482 (führte zum *akakianischen Schisma) von 482, welches die christologischen Beschlüsse von Chalkedon für unverbindlich erklärt (Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 9; vgl. Ostrogorsky, 40; Alberigo, 126; Beck, Geschichte, 16); Petros Mongos unterzeichnete zwar das Henotikon, es gelang ihm jedoch nicht, die Extremisten seiner Partei zu überzeugen, die auf dem monophysitischen Anathem gegen das Chalkedonense beharrten (Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 10).
Phokaina, Sophia:
Gemahlin des Konstantinos *Skleros und Mutter der *Theophano Phokaina, der späteren deutschen Kaiserin, Gemahlin Otto II. und nach dessen Tod Regentin für den minderjährigen Otto III.
Phokas:
Familie +++++
s. auch: Leon Phokas (Mitte 10. Jh. Bruder des Kaiser Nikephoros II. Phokas und *Logothet des Dromos. [Seibt/Zarnitz, S. 75]); Kaiser Nikephoros II. Phokas (963-969)
Phokas, Kaiser (602-610):
Niedergang des byzantinischen Reichs; Jahre der Anarchie im Reich als letzter Ausklang des spätrömischen Staates; nach Einmarsch in Konstantinopel und Kaiserkrönung Ermordung des geflüchteten kranken Maurikios und seiner vier jüngeren Söhne in Nikomedia; Massenhinrichtungen und Terroregime vor allem gegen die Reichsaristokratie. Orthodoxe Kirchenpolitik mit blutiger Verfolgung von Monophysiten und Juden; 607 Aussöhnung mit Rom durch Anerkennung des päpstlichen Primats. Innenpolitisch Zunahme der Spannungen und Kämpfe zwischen Blauen und Grünen; politische Ausschaltung der Grünen und Beteiligung der Blauen am Terroregime des Kaisers führen zum Bürgerkrieg im Reich. Persischer Angriffe im Osten und Zusammenbruch der byzantinischen Verteidigung; 605 Eroberung der Festung und Diözese Dara sowie von Kaisereia (Kayseri); persische Vorstöße in Kleinasien bis Chalkedon und Ausbreitung der slawischen Flut auf dem Balkan führen Byzanz an den Rand des Untergangs. 610 Erhebung des Exarchen Herakleios von Karthago und Angriff an der nordafrikanisch-ägyptischen Flotte auf die griechischen Inseln und Konstantinopel; Herakleios als Befreier insb. von den Grünen gefeiert; 3.10.610 Einmarsch in Konstantinopel; Sturz und Hinrichtung des Kaisers Phokas.
Prokopia:
Tochter Kaiser *Nikephoros I. (802-811) und Gemahlin Kaiser *Michael I. Rangabe.
Psellos, Michael:
s. *Michael Psellos
Robert Guiscard:
um 1015-1085; (»Schlaukopf«), Sohn des normannischen Grafen Tancred de Hauteville; gründete nach der Vertreibung der Byzantiner aus ihren letzten italienischen Besitzungen das Normannenreich in Unteritalien und Sizilien; wurde 1059 Lehensmann des Papstes; Eroberung von Bari am 16. April 1071; besiegt den byzantinischen Kaiser Alexios I. Komnenos bei Durazzo; befreite 1084 Papst Gregor VII. aus der Engelsburg, ließ Rom plündern und in Brand setzen; nach seinem Tod 1085 bestand sein Normannenreich in Italien weiter; Kaiser Friedrich II. (Hohenstaufen) baute es zum ersten modern verwalteten Staat Europas aus.
Romanos II:
Kaiser von 959-963; Sohn des Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos ([912], 945-959); hübscher, liebenswürdiger, willensschwacher und leichtsinniger Jüngling, der das politische Unvermögen seines Vaters, nicht aber dessen wissenschaftliche Begabung geerbt hatte.
Zunächst auf Wunsch seines Vaters als 5jähriger mit der kleinen Prinzessin Bertha, einer illegitimen Tochter Hugos von der Provence verheiratet; durch den frühen der Tod der kleinrn Prinzessin wurde die für den Kaisersohn entehrende und nie vollzogene Verbindung der beiden Kinder gelöst. Plänen für eine Verheiratung mit Hedwig von Bayern, einer Tochter des deutschen Kaisers Otto widersetzte er sich 958 (Ostrogorsky, S. 236: vor 956; nach Norwich II, S. 220: 958) und heiratete Anastaso, die Tochter eines peloponnesischen Gastwirts, die mit als Kaiserin den Namen *Theophano annahm.
Romanos stand völlig im Bann seiner Gemahlin Theophano, die in der Geschichte des byzantinischen Reiches eine außergewöhnliche Rolle spielte. Die Regierungsgeschäfte überließ der Kaiser anderen.
Die Regierungs- und Hofbeamtenstellen wurden auf Veranlassung der Theophano weitgehend neu besetzt: Der ehemalige Parakoimomenos Basileios (unehelicher Sohn Kaiser Romanos I.) erhielt den Titel des Proedros, wodurch er den Vorsitz im Senat gewann und praktisch zur rechten Hand des Kaisers aufstieg. Der tüchtige Eunuch Joseph Bringas, der zuvor Drungarios (Oberfehlshaber der kaiserlichen Flotte) gewesen war wurde nun *Parakoimomenos (Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen). In den Chroniken wird Bringas als fähige aber undurchsichtige Figur charakterisiert: hochintelligent und scharfsinnig, ausgestattet mit einem enormen Maß an Energie und unermüdlichen Kräften, habgierig, eitel und grausam. Er hatte sich schon unter Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos (945-959) unentbehrlich gemacht. Mit Romanos Thronbesteigung wuchs seine Macht ins Unbegrenzte. Er war der Initiator des Feldzuges, der als sensationellste Leistung in der kurzen Regierungszeit Kasier Romanos II. in die Geschichte einging: der Rückeroberung der Insel Kreta nach fast eineinhalb Jahrhunderten. Vor allem aber zehrte der Kaiser aber vom Ruhm des Domestikos Nikephoros Phokas, der 960 mit einem großen Geschwader nach Kreta aufbrach ( vgl. Lampsidis, O.: Ein unbekannter Kunstgriff des Nikephoros Phokas bei der Landung auf Chandax (Kreta) (960), Byzantinische Zeitung 69. Jg. 1976, S. 9) und die Insel 961 rückeroberte. Anschließend nahm Phokas den Kampf gegen Sultan Saif-ad-Daulah in Asien mit größtem Erfolg auf, und eroberte weite Teile der alten Provinz Arabien/Syrien zurück (u.a. 962 Aleppo). (vgl. Ostrogorsky, S. 236 f; Norwich II, S. 221-229).
Romanos II. erhob seine Söhne *Basileios II. und *Konstantin VIII. bereits 960 bzw. 962 als Kleinkinder zu Mitkaisern.
Romanos II. starb überraschend am 15.3.963, nach den unglaubhaften Gerüchten angeblich von Theophano vergiftet.
Sergios, Patriarch von Konstantinopel (610-638):
stammte aus Syrien, aus monophysitischer Familie, hatte sich jedoch frühzeitig für die chalkedonische Orthodoxie entschieden. Schon kurz nach seinem Amtsantritt war es mit der Herrschaft des Kaisers *Phokas zu Ende und er konnte *Herakleios zum neuen Kaiser krönen. Später verpfändete er dem Kaiser den Gold- und Silberschmuck der Kirchen, um die Vorbereitungen für den großen Perserkrieg zu erleichtern, und als Herakleios für Jahre die Hauptstadt verließ, wurde neben dem Patrikios Bonos der Patriarch mit der Regentschaft betraut. Er verteidigte Konstantinopel in der berühmten Belagerung von 626 (s. *Akathistos-Hymnus und *Herakleios). Inzwischen hatte der Patriarch längst über eine neue kirchlich-dogmatische Unionsformel nachgedacht. Schon seit 616 fahndete er nach Väterzeugnissen für die Lehre von einer Wirkweise, bzw. einem einzigen Wirkvermögen (Energeia) in Christus, eine Formel, die seiner Ansicht nach die Brücke schlagen könnte zwischen der Einnaturen-Lehre des Kyrillos von Alexandreia und der Lehre von zwei Naturen und einer einzigen Hypostase des Chalcedonense. Theodoros, Bischof von Pharan, vertrat eine ähnliche Lehre, und auch beim Patriarchen Menas fanden sich entsprechende Stellen. Herakleios fand die Formel offenbar auch für seine politischen Ziele geeignet, und er machte bereits 623 in Theodosiupolis in Armenien bei einem Religionsgespräch mit einem Vertreter der kyprischen Monophysiten davon Gebrauch. Zwar war dem Disput kein Erfolg beschieden, aber schon sah sich der Kaiser veranlaßt dem Erzbischof von Kypros kundzutun, daß nach der Vereinigung der zwei Naturen in Christo nicht mehr von zwei Energien in Christo gesprochen werden könne. Wichtiger war der Versuch des Kaisers, etwa drei Jahre später den orthodoxen Bischof Kyros von Phasis während eines Aufenthaltes in Lazika für diese Formel zu gewinnen. Kyros sah Schwierigkeiten: wie war dies mit dem Satz des Tomus Leonis zu vereinbaren, der besagte "Agit utraque forma ... quod proprium est" ? Der Kaiser verwies ihn an seinen Patriarchen und Sergios setzte dem Bischof auseinander, daß der zitierte Satz Leos in der Kontroverse mit den Monophysiten nie im Sinne einer Lehre von zwei Energien in Christus gedeutet worden sei. Auch Patriarch Eulogios von Alexandreia, der doch ausführlich den Tomus Leonis verteidigt habe, tue dies nicht. Sergios konnte Kyros offenbar überzeugen, und so bestellte der Kaiser den Bischof von Phasis im Jahre 631 zum Patriarchen von Alexandreia mit dem Auftrag, dort mit der Lehre von der einen Energie in Christus eine Union herbeizuführen. Am 3. Juni des Jahres 633 wurde denn auch in Alexandreia ein feierlicher Pakt verkündet, der neun Punkte umfaßte und in der Lehre von ein- und demselben Christus gipfelte, der als solcher Göttliches und Menschliches wirke und zwar kraft einer einzigen gottmenschlichen "Energie", eine Terminologie, die man schon bei Dionysios Areopagites finden konnte. Gewisse monophysitische Kreise in Ägypten sahen darin ein erstaunliches Entgegenkommen der Chalkedonier.
Aber der Protest ließ nicht auf sich warten. Es war der Mönch Sophronios von Jerusalem, der damals in Alexandreia weilte. Kyros hatte ihn mit dem Inhalt des Paktes schon vor dessen Verkündigung bekannt gemacht, und Sophronios hatte ihn ohne Zögern als dem Chalcedonense widersprechend abgetan. Kyros schickte den Mönch darauf zum Patriarchen Sergios, damit dieser ihn überzeuge. Es scheint, daß die Argumente des Sophronios den Patriarchen Sergios nicht unbeeindruckt ließen. Er brachte den Gegenstand der Kontroverse vor seine Patriarchalsynode, und man entschied sich für eine weniger ontologische als sozusagen "existenzielle" Formulierung, einem Bekenntnis zu dem einen, wirkenden Christus. Von zwei Energien solle man nicht mehr sprechen. Das bedeutete, daß Sergios den alexandrinischen Pakt nun zwar begrüßen konnte, aber doch nur, indem er ihn im Sinne des Beschlusses seiner eigenen Synode interpretierte. Nachdem Sophronios zugesagt hatte, die Entscheidung der konstantinopolitanischen Synode anzunehmen, bestand für den Kaiser offenbar kein Grund mehr, ihn 634 nicht zum Patriarchen von Jerusalem zu befördern. Patriarch Sergios dürfte damit kaum einverstanden gewesen sein. So wie er Sophronios kennengelernt hatte, mußte er befürchten, er werde als Patriarch nun seine eigenen Wege gehen. Eine Absicherung in Rom war empfehlenswert. Sergios berichtete also etwas optimistisch über die Vorgeschichte und den Pakt in Alexandreia, aber auch über die Opposition des Sophronios. Er gibt zu, daß er die Formel von der einzigen Energie in Christo, so wie sie in Alexandreia verkündigt worden sei, für nicht ganz glücklich halte, daß er vielmehr das Heil in dem Satz von dem einen wirkenden Christus sehe; denn wenn man schlechthin von einer Energie spreche, scheine dies der Lehre von den zwei Naturen zu widersprechen, rede man aber von zwei Energien, so insinniere man unter Umständen die Möglichkeit von zwei widersprüchlichen Entschlüssen in Christo. Übrigens habe auch der Kaiser der Formel des Patriarchen und seiner Synode seine Zustimmung gegeben. Papst Honorius (625-638) lobte in seinem Antwortschreiben das Vorgehen des Patriarchen. Er sehe in einer Lehre von zwei Energien ein der Tradition nicht entsprechendes Axiom das nur verwirren könne, da die Gottheit zwar unsere Natur, nicht aber unsere Fehler angenommen habe. Deshalb könne man auch nur von einem Willen in Christus sprechen (unde et unam voluntatem fatemur Domini nostri Jesu Christi). Damit hatte der Papst das Problem vom Wirkvermögen auf den Willen verlagert, und es scheint, daß Sergios darob froh war. Schließlich veranlaßte er den Kaiser, der zu Anfang der Kontroverse erklärt hatte, er habe keine Zuständigkeit in Glaubenssachen, im Jahre 638 ein Glaubensdekret, die sogenannte »Ekthesis«, zu veröffentlichen, welche diese Lehre von dem einen Willen Christi, also den sogenannten Monotheletismus zusammenfaßt . Sowohl Honorius wie Sophronios, der in seiner Inthronistika sich dann doch zu zwei Energien bekannt hatte, waren inzwischen gestorben. Herakleios war ein gebrochener Mann; sein Sieg über die Perser hatte nur ein Vakuum geschaffen, in das nun die islamischen Araber einströmten. 636 ging Syrien verloren, und 638 fiel Jerusalem in arabische Hand. Die Ekthesis wurde dem Kaiser vom Patriarchen mehr oder weniger abgezwungen. Sie tat keine Wirkung mehr, denn am 6. Dezember 638 starb auch der Patriarch Sergios selbst.
Das Ergebnis all dieser Unionsbemühungen war nicht besser als das aller anderen Versuche, die Monophysiten zu gewinnen. Man hatte es jetzt nur statt mit zwei mit drei Gruppierungen zu tun. Die strengen Monophysiten bestanden nach wie vor auf ihrer »mia-physis-Lehre« und waren auch durch den Monenergismus so wenig wie durch den Monotheletismus zu gewinnen. Sergios hatte ganz gewiß nicht die Absicht gehabt, den Papst Honorius mit List und Tücke zu Äußerungen zu bewegen, die dessen "Unfehlbarkeit" ins Zwielicht brachten. Die "una voluntas" des Papstes wollte im Grunde nichts anderes als das «eis energon» des Patriarchen. Es ging beiden nicht um Grundvermögen, sondern um das konkrete Verhalten der göttlichen Person Christi. Aber beide waren nicht imstande, dies wirklich klarzumachen, so wie ihre Gegner nicht imstande waren, diesen Unterschied zu sehen. Dazu bedurfte es eines Denkers von höheren Graden als Papst, Patriarch Sergios, Patriarch Kyros oder auch Patriarch Sophronios. Dieser Denker war Maximos der Bekenner. (aus Beck, a.a.O., S. 55 f)
Zusammenfassung aus Uthemann, Karl-Heinz, BBKL - Bautz-Verlag (internet bautz.de oder gwde.de):
"SERGIOS I., 18. April 610 - 9. Dez. 638 Patriarch von Konstantinopel. Als S. am 18. April 610, einem Karsamstag, zum Patriarchen gewählt wurde, war er ein junger Diakon aus dem Klerus der Hagia Sophia, der mit der Armenpflege um den Phrixos- und Phialoshafen beauftragt war. Wenn bis zur letzten umfassenden Monographie von J. L. van Dieten immer wieder mit den byzantinischen Chronisten und Historikern gesagt wird, er sei von syrischer Abkunft gewesen, ja seine Eltern hätten sich noch als Jakobiten zum Monophysitismus bekannt und er selbst sei dann irgendwann zum chalkedonischen Bekenntnis und damit zur byzantinischen Reichskirche konvertiert, dann gehen diese Aussagen letztlich auf eine im Jahre 701 gehaltene Predigt des Anastasios Sinaites (CPG 7749: Sermo III,1,45-46) zurück, deren polemische Intention man ebenso beachten muß, wie die kurze Redewendung, mit welcher der Prediger darauf hinweist, daß er die Nachricht über die Eltern des S. vom Hörensagen habe. Über eine Konversion spricht Anastasios nicht; seinen Lesern schien dies aber eine naheliegende Schlußfolgerung.
In die Kirchengeschichte des Ostens und Westens sollte S. wegen seines Einsatzes um Unionen mit den armenischen, syrischen und ägyptischen Monophysiten als Ketzer eingehen: Die von ihm propagierten Bekenntnisformeln wurden kurz nach seinem Tod im Westen auf der Lateransynode von 649, im Osten auf dem 6. ökumenischen Konzil (680/681) als (Monenergismus und) Monotheletismus verurteilt. Sieht man von Zeugnissen einiger Zeitgenossen ab (vgl. unten), wird er in den Quellen möglichst übergangen. Allgemein wird nichts Gutes über ihn berichtet und, wo eine Erwähnung seiner Person sich nicht umgehen läßt, werden seine Leistungen wie z.B. im Synaxar der Kirche von Konstantinopel herabgesetzt. Der Hinweis auf Syrien als Heimat des S. oder seiner Familie dient in einem solchen Kontext dazu, den Verdacht zu wecken, seine christologischen Anschauungen seien nichts anderes als die Frucht des in Kindheit und Jugend Angeeigneten; zumindest bei Anastasios, dessen Tätigkeit sich auf Ägypten konzentriert hat, hört man darin zugleich ein abfälliges Vorurteil gegen die Syrer mit. In der Vita des hl. Theodor von Sykeon († 22. April 613) wird berichtet, daß S. nach seiner Weihe diesen Heiligen, der damals in Konstantinopel weilte, aufgesucht habe. Theodor verhieß ihm eine lange, segensreiche Amtszeit (CPG 7973).
Die Wahl des S. zum Patriarchen fiel ein halbes Jahr vor dem Sturz des Kaisers Phokas (602-610), von dessen Schreckensregiment Byzanz durch Herakleios, den gleichnamigen Sohn des Exarchen von Karthago, befreit wurde. Am 5. Okt. 610 krönte S. Herakleios und dessen Braut Eudokia, die im selben Gottesdienst die Ehe schlossen.
Zwischen S. und dem neuen Kaiser entwickelte sich schnell ein in der Politik ungewöhnliches Vertrauensverhältnis. In den Quellen begegnet ein einziger kurzer Mißklang, als Herakleios sich nach dem Tod der Eudokia (13. August 612) entschloß, seine Nichte Martina zu heiraten. Auf den Einspruch des S. antwortete der Kaiser, S. habe so »als Patriarch und Freund« seine Pflicht erfüllt, müsse nun aber alles weitere ihm überlassen. Angesichts der Perser- und Awarengefahr schien es S. vernünftig, sich dieser Heirat und der Krönung von Martina nicht zu widersetzen, auch wenn diese Akte im Volk auf Ablehnung stießen. Schon unter Phokas hatten die Perser unter Chosrau II. einen Großangriff auf Byzanz eröffnet, um den seit Jahrzehnten tobenden Krieg zu ihren Gunsten zu entscheiden. Sie standen in Kleinasien, und der Balkan war in den Händen von Awaren und Slawen. Daß Byzanz diese kritische Situation überstand, daß es »in sich die Kraft zu einer tiefgreifenden sozialen, politischen und kulturellen Erneuerung fand« (G. Ostrogorsky, 77), mit der im Osten das römische Zeitalter abschließt und die Geschichte des im eigentlichen Sinn byzantinischen, gräzisierten Staates beginnt, den eine »starke Verkirchlichung des gesamten öffentlichen Lebens« kennzeichnet (ders., 89), ist weitgehend der guten Zusammenarbeit von Herakleios und S. zu verdanken. Den Angriffen Chosraus II. schien Byzanz zunächst nichts entgegensetzen zu können, und nach einer schweren Niederlage bei Antiochien fiel Ende Mai 614 Jerusalem und damit die wohl heiligste Reliquie, das Kreuz Christi, in die Hand der Perser.
Es galt zu rüsten, und S. trug durch eingreifende Sparmaßnahmen, die sich indirekt zum Vorteil der Staatskasse auswirkten, aber auch durch »Darlehen« an den Kaiser dazu bei. So beschränkte er z.B. den Klerus der Hagia Sophia auf 600 Personen und überließ dem Kaiser den Gold- und Silberschmuck der Kirche. Als 615 auf Grund des Vordringens der Perser die Getreidezufuhr aus Ägypten unterbrochen war, drohte den Palastgarden die Abschaffung einer kostenlosen Brotversorgung und dem Bürger fast eine Verdreifachung des Brotpreises. Soldaten und Volk wollten dies nicht hinnehmen und es kam zu Krawallen, die durch das Eingreifen des S. beigelegt wurden. Im Jahre 616 belagerten die Perser Chalkedon auf dem asiatischen Ufer des Bosporus. Auch die Awaren waren nicht mehr zu bremsen. Bei Verhandlungen mit dem Kaiser versuchten sie sogar, diesen zu ermorden; und die Perser nahmen byzantinische Gesandte, ohne mit ihnen zu verhandeln, einfach gefangen. Im folgenden Jahr fällt Alexandrien. In dieser Situation entscheidet Herakleios 618 sein Regierungszentrum nach Karthago zu verlegen. Doch scheitert dieser Plan am Widerstand der Bevölkerung, und S. nimmt, wie die Historia syntomos des Patriarchen Nikephoros bezeugt (ed. C. de Boor, S. 12,3-19), Herakleios öffentlich einen Eid ab, Konstantinopel niemals aufzugeben. Nachdem im Jahre 622 Chosrau II. ein Kaiser und Reich verhöhnendes Schreiben hatte überbringen lassen »Du sagst, du vertraust auf Gott. Warum hat dann dein Gott nicht Kaisareia, Jerusalem, das große Alexandrien aus meinen Händen befreit?«, verließ Herakleios Konstantinopel, um eine Gegenoffensive zu organisieren, und übertrug an S. und den Patrikios Bonos die Sorge für die Stadt und die Regentschaft.
626 wird Konstantinopel belagert: Im Juni erscheinen die Perser wieder vor Chalkedon; am 29. Juli treffen die Awaren ein. Wie es in einer im August 627 gehaltenen Predigt des Theodoros Synkellos (CPG 7936) heißt, hatte S. zuvor an den Toren der Stadt ein Bild der Gottesmutter mit ihrem Kind anbringen lassen und am 29. Juli auf der Stadtmauer eine Prozession mit einem »nicht von Menschenhand geschaffenen Bild Christi« also einer Acheiropoietos, veranstaltet. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Kopie des Reichspalladiums, d.h. des Christusbildes von Kamuliana, welches Herakleios auf seinen Feldzug mitgenommen hatte; zumindest scheint sich eine solche Kopie eben zu dieser Zeit in der Stadt befunden zu haben, nämlich in einem Kloster von aus Melitene vor den Persern geflüchteten Nonnen. Am 6. August scheiterte der entscheidende Angriff der Awaren; am 7. zogen sie ab.
Die Byzantiner dankten dies dem Erscheinen der Gottesmutter, und so wählte S. für die nächtliche Dankfeier jenen Hymnus auf die Theotokos, der, da er im Stehen gesungen wird, Akathistos-Hymnus genannt wird und den S. mit einer neuen Einleitung, mit jenen Versen, die noch heute gesungen werden, versah. Hier kann man darauf hinweisen, daß S. zwei Mal Hymnen als Dank für einen Sieg in die Liturgie eingeführt hat, und zwar 624 nach dem Sieg bei Ganzak (623), wo sich mit dem Feuertempel Zoroasters ein bedeutendes religiöses Zentrum der Perser befand, und 626 nach einem Sieg von Herakleios' Bruder Theodoros. Während der Belagerung im Sommer 626 hatte man vor Ankunft der Awaren eine der wertvollsten Reliquien der Byzantiner, das Kleid der Muttergottes, aus der Blachernenkirche, die außerhalb der Mauern lag, in die Stadt in Sicherheit gebracht. Am 2. Juli 627 wurde das Kleid feierlich zu seinem angestammten Platz zurückgebracht. Dies war nun ohne Gefahr möglich. Denn im Sommer 627, wahrscheinlich also kurz vor dem 2. Juli, waren die Perser abgezogen. S. soll mit ihnen damals, was immer dies auch bedeutet, eine Art Frieden geschlossen haben.
Entscheidend für die Aufhebung der Belagerung waren die Erfolge des byzantinischen Heeres im Jahre 627, das im Herbst bis Ninive vordrang. Chosrau II. konnte sich nicht mehr halten und wurde am 28. Februar 628 gestürzt. Im Friedensschluß erhielt Byzanz alle besetzten Gebiete bis nach Ägypten zurück. Der Kaiser zog Ende 628 in einem Triumphzug in Konstantinopel ein und hielt am 1. Jan. 629 eine Dankfeier in der Hagia Sophia. Doch verließ er im Frühjahr 630 wieder die Stadt. Zuvor hatte er in einem Gesetz die Exemtion des Klerus von aller zivilen Gerichtsbarkeit neu geregelt; insbes. sollte nur noch der Patriarch bzw. ein von diesem benannter Richter für zivile Prozesse von Klerikern zuständig sein. Im Frühsommer 630 gaben die Perser das hl. Kreuz zurück, und der Kaiser ließ es am Karfreitag des folgenden Jahres (21. März 631) wieder in Jerusalem aufstellen, ein Ereignis, das S. in Konstantinopel mit einem feierlichen Gottesdienst beging, ohne zu ahnen, daß diese Reliquie schon vier Jahre später vor einem neuen Feind, den Arabern, gerettet werden mußte.
Der Krieg mit Persien hatte dem Kaiser gezeigt, wie wichtig eine Union der byzantinischen Reichskirche mit den seit ungefähr einem Jahrhundert bestehenden monophysitischen Kirchen für den inneren Zusammenhalt des Reiches und damit für dessen Verteidigungsbereitschaft war. Schon 623 versuchte er während seines Aufenthalts in Armenien, Unionsgespräche in Gang zu bringen, indem er sich selbst in Theodosiupolis (Karin) auf eine Diskussion mit einem Paulos einließ, der die Akephalen (»Bischofslosen«, d.h. Monophysiten) Zyperns vertrat. Dieser Paulos ist höchstwahrscheinlich mit Paulos dem Einäugigen (Monophthalmos) identisch, den Maximos der Bekenner (Homologetes, lat. Confessor) im seinem Streitgespräch mit Pyrrhos (CPG 7698), dem Nachfolger des S., erwähnt. Der Kaiser erinnerte dabei, wie S. im Jahre 634 an den römischen Patriarchen Honorius I. (625-638) schreibt (CPG 7606; Mansi XI, 529 D 1-3), an »das Dogma von der einen Energie (mia energeia) Christi, unseres wahren Gottes«.
Er hob also hervor, daß man am Bekenntnis des Konzils von Chalkedon (451) zu den zwei Naturen Christi, zu der göttlichen und zu der menschlichen Natur, festhalten und doch die Einheit, die den Monophysiten am Herzen lag, als eine Einheit im Wirken (energein) vertreten könne. Für die Monophysiten schloß sich eine solche Aussage an die Lehre Kyrills von Alexandrien (412-444 daselbst Patriarch) und damit an die für sie entscheidende Lehrtradition an. Denn nach Kyrill sind drei Gruppen von Prädikaten zu unterscheiden, welche die Bibel auf Christus anwendet. Neben den göttlichen und den menschlichen gebe es solche einer »mittleren Ordnung«, die besonders bei den Wundern Christi in Erscheinung treten und ein Zugleich von Göttlichem und Irdischem und damit die Einheit des Wirkenden betonen. Für die Anhänger Chalkedons, die die Einheit der Hypostase (»Person«) bei aller Zweiheit der Naturen und damit das eigentliche Anliegen des seit Beginn des 6. Jahrhunderts erstarkten sog. Neuchalkedonismus zu wahren suchten, verband sich »die eine Energie Christi« sinnvoll mit »der einen Hypostase Christi«.
Beide Positionen konnten also in der monenergetischen Formel eine Kontinuität zu ihrem eigenen christologischen Bekenntnis entdecken, und doch mußte diese Formel als eine Art fauler Kompromiß scheitern, falls man nachbohrte. Denn für die Monophysiten blieb im Rahmen ihrer Lehrtradition unbegreifbar, wie man die Begriffe physis (Natur) und hypostasis in der Christologie (nicht aber allgemein, darum nicht in der Lehre über den trinitarischen Gott!) unterscheiden könne. Und damit blieb ihnen die Begründung der (Neu-)Chalkedoniker für die monenergetische Unionsformel unzugänglich. Daß ein sog. strenger Chalkedoniker, der einzig die zwei Naturen im Christusbild der Bibel sah und ganz im Sinn philosophischer Tradition Wirken als Aktualisierung einer Natur interpretierte, die Formel nicht akzeptieren konnte, ist selbstverständlich. Doch auch für den Neuchalkedoniker - ein Beispiel ist das Ringen von Maximos dem Bekenner - zeigten sich Aporien, sobald man dem Hypostasenbegriff eine inhaltliche, nicht rein formale Bestimmung gab und in der Hypostase (»Person«) das Zentrum alles Wirkens (und damit, modern gesprochen, der Persönlichkeit) sah. Hier mußte sich ähnlich wie beim Monophysiten alles auf die Frage zuspitzen, ob und inwieweit sich die soteriologische Bedeutung der menschlichen Freiheit Christi, wie immer diese konkret aussah, wahren ließ. M.a.W. die biblische Szene von Gethsemani (Matth.26,36-46 parr.) wurde zum Prüfstein des christologischen Bekenntnisses.
Inwieweit der Kaiser die dogmatischen Unterschiede begriff, die hier angesprochen wurden, kann niemand beantworten. Wie aber stand es mit S.? Denn Herakleios bat diesen, sich mit dem Zyprioten Paulos in der Frage des Wirkens Christi in Verbindung zu setzen. In der erwähnten Disputatio cum Pyrrho des Maximos (CPG 7698) heißt es, S. habe sich in seinem Schreiben (V. Grumel, Regestes, 282) auf zwei Autoritäten berufen: (1) auf die in diesem Zusammenhang immer wieder diskutierte, höchstwahrscheinlich trotz aller Bestreitungen echte Schrift des Patriarchen Menas von Konstantinopel (536-552) über die eine Energie in Christus, die dieser 552 an Papst Vigilius gerichtet hat und deren Text verlorengegangen ist (V. Grumel, Regestes, 243), und (2) auf das Urteil eines älteren Zeitgenossen, Theodoros von Pharan, der, wie W. Elert gezeigt hat, identisch ist mit jenem von Raithu, von dem noch einiges bewahrt ist (CPG 7600-7602).
Es fällt hier auf, daß S. sich offensichtlich schon um Argumente zugunsten eines Monenergismus bemüht hatte, und zwar, wie sich nachweisen läßt, seit ungefähr 616 im Blick auf die Situation in Ägypten angesichts der persischen Bedrohung. Inwieweit dabei der monophysitische Bischof Sergios von Antinoë als Vermittler auftrat, bleibt undeutlich. Der reichskirchliche Patriarch von Alexandrien, Johannes der Barmherzige, versuchte zwar die Initiative zu unterlaufen, sah aber 617, nachdem er vor den Persern nach Konstantinopel geflüchtet war, davon ab, aus der Angelegenheit einen Streitfall zu machen.
Handelte S. beim Knüpfen dieser Verbindungen zwischen Monophysiten und den einem Monenergismus gegenüber aufgeschlossenen Neuchalkedonikern sowie bei späteren Unionsverhandlungen aus rein politischen Erwägungen, ohne daß es ihm um, modern gesprochen, theologische Konsistenz mit seinem reichskirchlichen Bekenntnis ging? Oder sah er auf der Basis eines neuchalkedonischen Verständnisses, wie es seit Kaiser Justinian (527-565) und dem 5. ökumenischen Konzil (553) im Osten für die Reichskirche verbindlich war, im Monenergismus (und, seit 634 nachweisbar, im Monotheletismus) einen konsistenten Zusammenhang? Ersteres ist die gängigste Auffassung und wird auch von den meisten modernen Historikern vertreten. Sofern man sich dabei auf A. von Harnacks Dogmengeschichte beruft, wird dessen Nachsatz nicht bedacht, daß »sich sowohl eine Ein- als auch Zweiwillenlehre mit den Bestimmungen« der Konzilien von Chalkedon (451) und Konstantinopel (553) »vertragen hätte«;. Wird das Vorgehen des S. einzig als politische Notwendigkeit interpretiert, dann werden Monenergismus und Monotheletismus einzig als Kompromißformeln vorgestellt. Zeigt sich bei neuchalkedonischen Reichstheologen eine Aufwertung der Hypostase bzw. später, als der Streit zur Tagesordnung gehört, in den Argumenten z.B. eines Maximos des Bekenners oder allgemein jener, die zwei der Natur zugeordnete Energien und Willen vertreten, eine Auseinandersetzung mit Thesen, welche die Zweiheit der Naturen wahren, aber Wirken bzw. Wollen einzig als Inerscheinungtreten der (göttlichen) Hypostase darstellen, dann steht zu vermuten, daß hinter Monenergismus und Monotheletismus auch ein »theologisches Anliegen« ihrer Vertreter steht, daß m.a.W. es bei diesen um mehr als nur um einen Kompromiß ging. Alles spricht dafür, daß S. selbst, angeregt durch Schriften des Theodoros von Pharan (oder Raithu) und eines Georgios Arsas, der Monophysit und Anhänger des jakobitischen Patriarchen Paulos des Schwarzen war, die monenergetische Unionsformel »entdeckt« hat (J. L. van Dieten).
Wie dem auch sei, feststeht, daß er letzteren 616 (nicht 618) um ein Florileg von Väteraussagen über »die eine Energie Christi« gebeten hat (V. Grumel, Regestes, 280 [ex-279]) und daß er bei ersterem um 620 anfragen ließ, was er von der oben erwähnten verlorenen Schrift des Menas und der Unionsformel von »der einen Energie in Christus« halte (Regestes, 281). Theodoros schloß sich offensichtlich den Auffassungen des S. an. Angemerkt sei, daß er nicht der einzige Neuchalkedoniker vor S. war, der, schon bevor der Monenergismus aktuell war, über das Wirken Christi in einer Richtung nachdachte, die zu S.' Standpunkt führen konnte. Dies zeigen, sieht man von der Schrift des Menas ab, z.B. einige noch erhaltene Fragmente des Anastasios I. von Antiochien (Patriarch: 558-570 und 593-599) und die Abwehr solcher Überlegungen bei Eulogios, von 580 bis 608 Patriarch von Alexandrien.
Trotz der beiden Autoritäten, auf die sich S. in seiner Antwort gegenüber dem Zyprioten Paulos berief, schlug der erste Unionsversuch des Kaisers und seines Patriarchen fehl. Beide distanzierten sich daraufhin von Paulos (F. Dölger, Regesten, 182; V. Grumel, Regestes, 283), um Kritik aus der chalkedonischen Kirche Zyperns abzufangen. Beide hielten aber zugleich daran fest, daß man nach der Inkarnation nicht von zwei Energien Christi sprechen dürfe. Ein zweites Religionsgespräch des Kaisers, das er um 626 in Lazika, diesmal mit einem reichskirchlichen Bischof, Kyros von Phasis, führte, sollte politisch und theologisch weitreichende Folgen haben. Denn gegen das soeben erwähnte Verbot, nach der Menschwerdung noch von zwei Energien in Christus zu sprechen, verwies Kyros auf eine Aussage des Tomus von Papst Leo I. (440-461): »Agit enim utraque forma cum alterius communione, quod proprium est, verbo scilicet operante, quod verbi est, et carne exsequente, quod carnis est.«
Der Kaiser blieb die Antwort schuldig und verwies Kyros an S., der mit einem durch die Synode von Konstantinopel, die Endemusa, sanktionierten Brief Stellung nahm: Bisher habe niemand, auch nicht (der oben genannte) Eulogios von Alexandrien, hierin ein Bekenntnis zu zwei Energien im Inkarnierten gesehen (V. Grumel, Regestes, 285; CPG 7604). Als 631 der Patriarch Georgios von Alexandrien starb, berief der Kaiser, ob im Einverständnis mit S., wissen wir nicht, Kyros zu dessen Nachfolger. Diesem gelang es, am 3. Juni 633 mit griechisch orientierten Monophysiten Alexandriens, den Theodosianern, eine Union zu vereinbaren. Mit neun Anathematismen suchte man, das gemeinsame Bekenntnis zu >definieren (CPG 7613). In ihnen folgte man den Prinzipien neuchalkedonischer Interpretation und stellte das aus Kyrill von Alexandrien stammende Formelgut der Monophysiten gleichwertig neben jenes der chalkedonischen Reichskirche. Weiter führte einzig ein Satz im siebten Anathematismus: Unter Berufung auf (Pseudo-)Dionysios Areopagites bekannte man, daß »der eine Christus ... das Göttliche und Menschliche auf Grund seiner einen gottmenschlichen Energie wirkt.« Um dieses Bekenntnis zur mia theandrike energeia (mia ist ein Zusatz zum Text des Areopagiten) entbrannte nun der Streit im reichskirchlichen Lager, angeheizt durch den Mönch Sophronios, seit 634 Patriarch von Jerusalem, der im Sommer 633 in Alexandrien weilte und sich von dort protestierend zu S. begab. S. legte, wie er im folgenden Jahr an Papst Honorius I. schrieb (CPG 7606), die Angelegenheit einer Synode vor, die verbot, in Zukunft von einer oder von zwei Energien zu sprechen, doch »den einen Christus« als Subjekt alles Handelns und Geschehens nach der Inkarnation betonte. Jede energeia, sei sie göttlich, sei sie menschlich, gehe »ungetrennt aus ein und demselben inkarnierten Wort Gottes hervor«.
Dieser Synodalbeschluß (V. Grumel, Regestes, 287), bei Maximos dem Bekenner Psephos genannt, wurde Kyros, Sophronios, aber auch dem Kaiser mitgeteilt, wobei S. hinzugefügt hatte, er entspreche der Aussage »Agit enim utraque forma« des Tomus Leonis. Herakleios befand sich zu dieser Zeit bei Edessa. Kurz zuvor hatte er eine Union mit der armenischen Kirche unter dem Katholikos Ezra erzwungen und sich auf einer Synode in Theodosiupolis (Karin) 633 bestätigen lassen. Nun stand er, wenn man einer Nachricht byzantinischer Historiker, die letztlich auf die oben schon erwähnte Predigt
des Anastasios Sinaites zurückgeht, glauben darf, sofern unabhängige Hinweise sich im Titel einer Rede des Eubulos von Lystra (CPG 7685) und im Text der Pandekten des Antiochos (CPG 7843; PG 89, 1844 B 5 - C 11), geschrieben um 631/634, sowie in der Chronik Michaels des Syrers (ed. J.-B. Chabot, II, 402-413) finden, in Verhandlungen mit der jakobitischen Kirche Syriens. Er bot deren Patriarchen Athanasios I. Gamala, nach seiner Tätigkeit in seinem Heimatkloster Kameltreiber genannt, im Blick auf eine Union den reichskirchlichen Stuhl von Antiochien an. Inwieweit S. hierbei um Rat
gefragt wurde, läßt sich auf Grund der Quellen nicht mehr feststellen. Immerhin berichtet er im Brief an Honorius, daß er dem Kaiser den in der Angelegenheit des Sophronios getroffenen Synodalentscheid (die Psephos [V. Grumel, Regestes, 287]) und das patristische Florileg, das sich in der schon genannten Schrift des Menas befand (V. Grumel, Regestes, 286), geschickt habe (vgl. auch V. Grumel, Regestes, 289). Zeitlich würde dies gut zur Nachricht über Unionsverhandlungen mit Athanasios I. Gamala passen. Die Psephos schien zunächst eine gute Basis für die Zukunft. Der Kaiser hatte sie durch eine Keleusis bestätigt. Auch Maximos der Bekenner, der durch Pyrrhos wohl im Auftrage des S. mit dem Text vertraut gemacht worden war (CPG 7699, ep. 19; PG 91, 592 BC), hatte damals an ihr keinen Anstoß genommen, auch wenn er anfragt, was man eigentlich genau unter energeia zu verstehen habe (596 AB). Entscheidend ist für ihn, daß die am 3. Juni 633 in Alexandrien geschlossene Union durch diesen Synodalentscheid, sofern sie eine Neuerung (kainotomia) eingeführt (also »eine Energie« bekannt) habe, aufgehoben sei.
Doch die Situation veränderte sich, als der oben genannte Sophronios 634 zum Patriarchen von Jerusalem gewählt und vom Kaiser ohne Rücksprache bei S., der sicher gewarnt hätte, bestätigt wurde. Sophronios griff sofort in einer an S. gerichteten Synodica (CPG 7635) die Psephos an und bekannte sich dazu, daß aus einer jeden der beiden Naturen eine je eigene, »natur- und seinshafte Energie« ungetrennt hervorgehe (Mansi XI, 481 C 7-10; PG 87,3, 3169 D). Mit Kyrill von Alexandrien unterscheidet er in der Schrift drei Aussagereihen über das Wirken Christi (vgl. oben). Die dritte Gruppe, also jene Prädikate, die eine »mittlere Stellung einnehmen«, sofern sie Göttliches und Menschliches zugleich vom selben Subjekt behaupten, bezieht er auf »die neue und gottmenschliche Energie«, wie er (Pseudo-) Dionysios Areopagites richtig zitiert. Diese aber sei nicht eine (mia) Energie (XI, 488 D 3-9; 3177 B). Bevor S. diese Synodica empfing, schrieb er schon seinen Brief an Honorius (CPG 7606), in dem er den bisherigen Verlauf bis zur Psephos und deren Bestätigung durch den Kaiser aus seiner Sicht wiedergibt und dabei entweder übertreibt, wo er es wie bei der Darstellung des Erfolgs der Union von Alexandrien für gut hält, oder schweigt, wenn ihm etwas wie seine Korrespondenz mit Georgios Arsas und Theodoros von Pharan nicht dienlich schien. Wichtig ist, daß er hier mit einem neuen Argument über die monenergetische Frage hinausführt: Wer zwei Energien in Christus bekenne, müsse auch konsequenterweise von zwei Willen sprechen, einem göttlichen und einem menschlichen, die sich gegenseitig ausschließen oder widersprechen können, was deutlich werde, wenn man sich zur Begründung des Bekenntnisses zweier Willen auf die Todesangst Christi in Gethsemani berufe. Denn in dieser dyotheletischen Sicht wolle der Logos zwar das Heil des Menschen und akzeptiere darum das Leiden; doch der menschliche Wille Christi verweigere sich dem Leiden und darum dem göttlichen Willen. Entscheidend ist, daß »ein und dasselbe Subjekt nicht zugleich dasselbe wollen und nicht wollen kann«; dies gelte ganz besonders von der menschlichen Realität Christi, die ganz und gar »gottbewegt« (theokinetos) ist (Mansi XI, 533 E 1 - 536 B 1).
Die positive Antwort des Honorius und dessen verlorengegangene Briefe an Kyros und Sophronios führen zu einer Radikalisierung des Streites. Es geht nun um die Frage nach dem menschlichen Willen Christi und dessen Freiheit, letztlich um ein echtes Verständnis der Szene von Gethsemani: »Nicht mein, sondern dein Wille«. Zugleich geht es nun um die Rechtgläubigkeit des Honorius, dessen erste Verteidigung kurz nach seinem Tod im Jahre 638, noch vor der Apologia Honorii, die dessen zweiter Nachfolger Johannes IV. nach seiner Inthronisation (24. Dez.640) verfaßt hat, von Maximos dem Bekenner in einer an seinen Freund Marinos gerichteten Schrift (CPG 7697,20) vorgetragen wurde. Zugleich scheiterten alle Unionsgespräche in Syrien und Ägypten, wo nun die Jakobiten und Kopten wieder verfolgt wurden. Es dürfte kein Zufall sein, wenn zu gleicher Zeit ein neuer Feind gegen das byzantinische Reich zog, dessen Expansionsdrang nicht zu bremsen war und in wenigen Jahrzehnten die politische Landkarte des Mittelmeerraumes bis heute völlig veränderte. 634 erlitten die Byzantiner ihre erste große Niederlage gegen die Araber unter der Führung des Kalifen Omar. Durch die Schlachten am Yarmuk vom 23. Juli und 20. August 636 ging Syrien verloren. 635 hatte man vorsorglich das hl. Kreuz aus Jerusalem nach Konstantinopel gebracht. Trotz erbitterten Widerstandes unter Sophronios fiel 637 Jerusalem. Es folgte
639/640 der Verlust Mesopotamiens und Armeniens. 640 begann der Angriff auf Ägypten; im Sept. 642 überließ Kyros, nunmehr nicht nur Patriarch, sondern auch Augustalios (Vizekaiser), Alexandrien den Eroberern. Den Beginn dieses Siegeszugs hat S. noch erlebt. Doch hielt er wahrscheinlich wie seine Zeitgenossen die Erfolge der Araber nicht für endgültig. Denn er ließ nicht davon ab, Voraussetzungen für Unionen mit monophysitischen Kirchen zu schaffen.
Als Herakleios von Ängsten getrieben sich als gebrochener Mann 638 nach Konstantinopel zurückzog, legte S. ihm ein Bekenntnis zum Monotheletismus vor, das als sog. Ekthesis vom Kaiser veröffentlicht und von einer Synode bestätigt wurde (CPG 7607; J. Dölger, Regesten, 211). Sie enthielt nichts, was nicht auch Honorius schon in seinen Briefen geschrieben hatte, und ihr Erfolg schien gewiß. Denn nicht nur aus Alexandrien, sondern auch aus dem Antiochener und Jerusalemer Patriarchat war um diese Zeit kein Widerstand zu erwarten. Denn den neuen Patriarchen der antiochenischen Kirche, Makedonios, hatte S. selbst 636, wenn nicht 637, geweiht, und nach seiner Weihe residierte dieser wie alle zukünftigen reichskirchlichen Patriarchen Antiochiens in Konstantinopel. Die Kirche von Jerusalem verwaltete, nachdem Sophronios am 11. März 638 gestorben war, Sergios von Joppe, ein Vertreter des von Herakleios nach dem Sieg über die Perser in Palästina eingesetzten monenergetischen (bzw. monotheletischen) Episkopats. Doch Honorius war (entgegen der These von V. Grumel) inzwischen schon verstorben, und in der Nachfolge des Sophronios waren im Westen des Reiches neuchalkedonische Theologen wie Maximos der Bekenner und Stephanos von Dor, die dort als Flüchtlinge lebten, zu einer entschiedenen Ablehnung einer monotheletischen Deutung des Bekenntnisses von Chalkedon gelangt.
S. selbst hat die Reaktion des Westens auf die sog. Ekthesis nicht mehr erlebt. Wohl erfuhr er noch durch das Eintreffen der Apokrisiare Roms, die sich um die Bestätigung des neuen Papstes Severinus bemühten, vom Tod des Honorius. S. selbst starb am 9. Dez. 638 und wurde am folgenden Sonntag, dem 13. Dez., in der Apostelkirche beigesetzt. Im Jahre 681 wurde er durch das ökumenische Konzil in den Ketzerkatalog der Kirche aufgenommen. Damit verfielen seine Leistungen der condemnatio memoriae bzw. wurden sie bei Chronisten und Historikern in ein schiefes Licht gesetzt: Er habe Herakleios hinter das Licht geführt, um die Häresie des Monotheletismus in die Kirche einzuführen. Maximos Homologetes behauptete in seiner Disputatio cum Pyrrho, S. habe einen wankelmütigen Charakter gehabt (PG 91, 329 C 5- D 4); eine vielköpfige Hydra nennt ihn der Autor der Vita Maximi (PG 90, 81 A 12). Doch das Lob, das einige Zeitgenossen wie der Prediger Theodoros Synkellos (CPG 7935; 7936), der Dichter Georgios Pisides, der Autor des Chronicon Paschale (CPG 7960), der Historiker Theophylaktos Simokattes (ed. C. de Boor, S. 21-22) und der Hagiograph Georgios von Sykeon (in der Vita seines Lehrers: CPG 7973) vortragen, weist in eine andere Richtung und zeigt im Einklang mit dem Urteil der neuzeitlichen Geschichtsschreibung einen klugen, um Frieden bemühten, frommen Patriarchen, der sich im Ringen um Unionen mit monophysitischen Kirchen nicht nur von politischen Notwendigkeiten leiten ließ, sondern sich vermutlich ehrlich um ein tieferes Verständnis des chalkedonischen Bekenntnisses im Sinn einer »Christologie von oben« bemühte: In der Hypostase (»Person«) und darum im Logos sah er das Einigende.
Werke:
Erhaltene Schriften CPG (= Clavis Patrum Graecorum, ed. M. Geerard, Turnhout 1974-1980) 7604 - 7607, zitiert nach der Ausgabe der Akten der Lateransynode von 649 und des 6. ökumenischen Konzils von 680/681 von J. D. Mansi, Sacrorum conciliorum nova et amplissima collectio, (Florentiae 1759 sqq.) Graz 1960, X; XI; kritische Ausgabe: R. Riedinger, Concilium Lateranense a. 649 celebratum (Acta Conciliorum Oecumenicorum, II,), Berolini 1984; ders., Concilium Vniuersale Constantinopolitanum tertium (Acta Conciliorum Oecumenicorum, II,,1-2), Berolini 1990. CPG 7608: Fragment zu Eph. 3,18; vgl. K. Staab, Die Pauluskatenen, Roma 1926, 145. Übersicht über die Amtshandlungen des S.: V. Grumel, Regestes = V. Grumel, Les regestes des actes du Patriarcat de Constantinople. Vol. I, Les actes des Patriarches, Fasc. I, Les regestes de 381; 715, Paris 1972, 278 c - 293 b. Ferner vgl. man die Regesten von Kaiser Herakleios bei F. Dölger, Regesten der Kaiserurkunden des oströmischen Reiches, Band I (565 - 1025), München - Berlin 1924.
Quellen:
Neben der zuvor genannten Edition der Akten von 649 (CPG 9398 - 9402) und 680/681 (CPG 9416 - 9437) und darin enthaltener Stücke wie der Briefe des Kyros von Phasis (CPG 7610- 7613), der Synodica des Sophronios von Jerusalem (CPG 7635) vgl. man (1) die Briefe des Honorius: kritische Ausgabe mit deutscher Übersetzung in G. Kreuzer, Die Honoriusfrage im Mittelalter und in der Neuzeit (Päpste und Papsttum, Band 8), Stuttgart 1975, 32-53; (2) Theodoros Synkellos (CPG 7935 - 7936); (3) Chronicon Paschale (CPG 7960), ed. L. Dindorf, Bonnae 1832, 701-706; 714-715; 721; (4) Georgios Pisides, ed. A. Pertusi, Giorgio di Pisidia, Poemi I. Panegyrici epici (Studia patristica et byzantina, 7), Ettal 1960 (CPG 7827 - 7832); (5) Georgios von Sykeon, Vita des Theodor von Sykeon, cap. 136, ed. A.-J. Festugière, Vie de Théodore de Sykéon, I (Subsidia hagiographica, 48), Bruxelles 1970, 108-109 (CPG 7973); (6) den Bericht der Sergia über die Translation der Gebeine der hl. Olympia, hrsg. von H. Delehaye, Vita Sanctae Olympiadis et narratio Sergiae de eiusdem translatione, in: Analecta Bollandiana 16 (1897) 44-51, bes. 47,13-17 (CPG 7981); (7) bei Maximos dem Bekenner bes. CPG 7697,20: PG 91, 228-245; CPG 7698: PG 91, 288-353; CPG 7699: PG 91, 364-649 passim (zu Maximos vgl. P. Sherwood, An annotated Date-List of the Works of Maximus Confessor (Studia Anselmiana, 30), Romae 1952; (8) Anastasios Sinaites, ed. K.-H. Uthemann, Anastasii Sinaitae Sermones duo in constitutionem hominis secundum imaginem dei necnon Opuscula adversus Monotheletas (Corpus Christianorum Series Graeca, 12), Turnhout - Leuven 1985, 55-83 (CPG 7749);
(9) die Chronik des Johannes von Nikiu (CPG 7967), bes. XCIV, 14, 149; (10) Theophanes, Chronographia, ed. C. de Boor, Lipsiae 1883, 299-303; 327-330; 337; (11) Nikephoros Patriarches, `Istoria suntomoV, ed. C. de Boor, Lipsiae 1889, 1-77: 5-22; 27; 31; (12) ders., Cronograficon suntomon, ed. idem, Lipsiae 1889, 79-135: 118; (13) Histoire d'Héraclius par l'évèque Sebéos, traduit de l'arménien et annotée par F. Macler, Paris 1904; (14) Chronique de Michel le Syrien, patriarche Jacobite d'Antioche (1166-1199), ed. par J.-B. Chabot, Paris 1899-1910: II, 402-413; (15) Konstantin Porphyrogennetos, De ceremoniis aulae byzantinae, ed. I. Reiske, Bonnae 1829-1830, 627-629; 637. (16) Zu weiteren byzantinischen Chronisten und Historikern sei auf J. L. van Dieten unter Literatur (1) verwiesen. (17) Zu den Novellen des Herakleios, in denen S. betroffen ist, vgl. man die Edition von C. E. Zachariae a Lingenthal, Jus Graecoromanum, Lipsiae 1856 - 1884: vol. III, 33-40; 44-47.
Lit.:
(1) Basis: J. L. van Dieten, Geschichte der Patriarchen von Sergios I. bis Johannes VI. (610-715) (Geschichte der griechischen Patriarchen von Konstantinopel, Teil 4), Amsterdam 1972. - (2) Übersicht: H.-G. Beck, Kirche und theologische Literatur im byzantinischen Reich, München 1959; - zur Kirchengeschichte der Zeit: L. Bréhier, R. Aigrain, Grégoire le Grand, les états barbares et la conquète arabe (590-757) (Histoire de l'église depuis les origines jusqu'à nos jours, publ. sous la dir. de A. Fliche et V. Martin, V), Paris 1938; - zur politischen Geschichte: G. Ostrogorsky, Geschichte des byzantinischen Staates, München 1963; - P. Lemerle, Quelques remarques sur le règne d'Héraclius, in: Studi Medievali Ser. III, 1 (1960) 347-361. (3) Zur Geschichte des Monotheletismus: - V. Grumel, Recherches sur l'histoire du monothélisme, in: échos d'Orient 27 (1928) 6-16; 257-277; 28 (1929) 19-34; 158-166; 272-282; 29 (1930) 16-28; - nicht zu vernachlässigen bleibt G. Owsepian, Die Entstehungsgeschichte des Monotheletismus, Diss. Leipzig 1897. (4) zu Theodor von Pharan: - W. Elert, Theodor von Pharan und Theodor von Raithu, in: Theologische Literaturzeitung 76 (1951) 67-76; - ders., Der Ausgang der altkirchlichen Christologie, Berlin 1957, bes. 185-229. (5) Zur Honoriusfrage: - G. Kreuzer, a.a.O. (vgl. oben zu den Quellen). (6) zur Abhängigkeit des Theophanes und seiner Benutzer vom Sermo III des Anastasios Sinaites (CPG 7749) - vgl. J. L. van Dieten, a.a.O. [= (1)], 179-218; - zur Kritik von R. Bracke, Ad Sancti Maximi Vitam. Studie van de biografische documenten en de levensbeschrijvingen betreffende Maximus Confessor (ca. 580 - 662), Diss. Katholieke Universiteit Leuven 1980, - vgl. K.-H. Uthemann, Die dem Anastasios Sinaites zugeschriebene Synopsis de haeresibus et synodis, in: Annuarium Historiae Conciliorum 14 (1982) bes. 69-71. (7) Zu einzelnen Fragen, teils in Ergänzung zu J. L. van Dieten: (a) zum Datum des Volksaufstands von 615: K. Ericsson, Revising a Date in the Chronicon Paschale, in: Jahrbuch der Österreichischen Byzantinischen Gesellschaft 17 (1968) 17-28; (b) zur Belagerung von Konstantinopel 626: F. Barioim, Le siège de Constantinople par les Avares et les Slaves en 626, in: Byzantion 24 (1954) 371-395; (c) zur Legende vom Kleid der Theotokos in der Blachernenkirche: A. Wenger, L'assomption de la T.S. Vierge dans la tradition byzantine du VIe au Xe siècle (Archives de l'Orient Chrétien, 5), Paris 1955, 111-139; (d) zur Kreuzreliquie: A. Frolow, La relique de la vraie Croix. Recherches sur le développement d'un culte (Archives de l'Orient chrétien, 7), Paris 1961; V. Grumel, La réposition de la vraie croix é Jerusalem par Héraclius. Le jour et l'année, in: Byzantinische Forschungen 1 (1966) 139-149; K. Ericsson, The Cross on Steps and the Silver Hexagram, in: Jahrbuch der Österreichischen Byzant. Gesellschaft 17 (1968) 149-164; (e) zur Bedeutung der Todesangst Christi in Gethsemani im Streit um den Monotheletismus: F.-M. Léthel, Théologie de l'agonie du Christ. La liberté; humaine du Fils de Dieu et son importance sotériologique mises en lumière par Saint Maxime le Confesseur (Théologie
historique,52) Paris 1979; (f) zum Problem des Hypostasebegriffs für neuchalkedonische Theologen, dargestellt an Maximos dem Bekenner: K.H. Uthemann, Das anthropologische Modell der Hypostatischen Union bei Maximus Confessor. Zur innerchalkedonsichen Transformation eines Paradigmas, in: Maximus Confessor. Actes sur le Symposium sur Maxime le Confesseur, Fribourg, 2-5 septembre 1980, édités par Felix Heinzer et Christoph Schönborn (Paradosis, XXVII), Fribourg, 1982, 223-233; zur Einordnung vgl. ders., Das anthropologische Modell der Hypostatischen Union. Ein Beitrag zu den philosophischen Voraussetzungen und zur innerchalkedonischen Transformation eines Paradigmas, in: Kleronomia (Thessaloniki) 14 (1982) 215-312; (g) wichtig bleibt für die Ereignisse in Ägypten, insbes. auch für die Jahre 616/617: J. Maspero, Histoire des Patriarches d'Alexandrie depuis la mort de l'empereur Anastase jusqu'à la réconciliation des églises jacobites (518-616). Ouvrage revu et publiée par R. A. Fortescue et G. Wiet (Bibliothèque de l'Ecole des Hautes Etudes, Sciences hist. et philol., 237), Paris 1923; (h) zur Reaktion der Zeitgenossen des S. auf die arabischen Eroberungen: W. Kaegi, Initial Byzantine Reactions to the Arab Conquest, in: Church History 38 (1969) 139-149; (i) zur Endemusa unter Sergios: J. Hajjar, Le synode permanent (SunodoV) dans l'église byzantine des origines au XIe siècle (Orientalia Christiana Analecta, 164), Roma 1962.
Simonis Palaiologina:
Tochter Kaiser *Andronikos II. und der *Irene Palaiologina; wurde 1299 als 5jährige mit dem serbischen Herrscher Stephan II. Urosch verheiratet (Norwich III 317).
Sisinnios:
für die Regierungszeit *Romanos' II. (959-963) kennen wir einen Sisinnios als *Patrikios und *Genikos Logothetes.
Skleros, Familie:
die Familie *Skleros, die zumindest armenische Traditionen hatte, gehört vom 9. bis über die Mitte des 11. Jh. zur führenden Militäraristokratie des Reiches.
Skleros, Konstantinos:
Gemahl der Sophia Phokaina und Vater der *Theophano Phokaina, der späteren deutschen Kaiserin, Gemahlin Otto II. und nach dessen Tod Regentin für den minderjährigen Otto III.
Stefan Dechanski:
s. *Stefan Urosch III.
Stefan Urosch III.:
1321-1331, serbischer Zar (auch Stefan Dechanski); verheiratet mit Maria Palaiologos, der Tochter des Johannes Palaiologos (Neffe Kaiser *Andronikos II. Palaiologos [1282-1328]) und Statthalters in Thessalonik und der *Irene Metochites, der Tochter des Großlogotheten *Theodoros Metochites; im Bürgerkrieg zwischen Andronikos II. Palaiologos und Andronikos III. Palaiologos kämpfte Stefan Urosch III. ab 1327 auf Seiten des Kaisers Andronikos II. Palaiologos (Norwich III 321).
Symeon Eulabes:
Mönch im Studios-Kloster, † 986/84; geistlicher Vater des *Symeon des Neuen Theologen
Symeon der Neue Theologe:
Symeon (949-1022), Sohn einer vornehmen, kleinasiatischen Familie aus Galati/Paphlagonien und zum Hofstaat bestimmt, war 977 in das Studios-Kloster in Konstantinopel eingetreten, wo er sich Symeon Eulabes als sseinem "geistlichen Vater" so eng anschloß, daß das als verbotene Privatfreundschaft Anstoß erregte und der Novize aus dem Kloster ausgeschlossen wurde. Er fand um 980 Aufnahme im Mamas-Kloster, wird zum Priester geweiht und bald Hegumenos (Abt) des Klosters. Er leistet intensive Arbeit für eine innere und äußere Klosterreform. Seine öffentliche Verehrung von Symeon Eulabes nach dessen Tod (986/87) führt zu Schwierigkeiten mit der klösterlichen Kommunität, die auch theologische Auseinandersetzungen mit der Kirchenleitung auslösen. Die trotzdem fortgesetzte Polemik führt zu Anfeindungen gegen ihn seitens des Synkellos des Patriarchen. 1009 wurde Symeon aus der Hauptstadt verbannt ins Gebiet von Chrysopolis (Skutari). 1010/11 rehabilitiert auf Betreiben seiner vornehmen Beichtkinder, weigerte er sich, zurückzukehren, gründete in seinem Verbannungsort ein Kloster und wirkte dort bis zu seinem Tode.
Symeon hatte seit seinem 20sten Lebensjahr eine Reihe von Visionen des göttlichen Lichts (Ware, Kallistos: Weisen des Gebetes udn der Kontemplation; in: McGinn u.a.: Geschichte der christlichen Spiritualität, Bd. I S. 408).
Der zu seinen Lebzeiten heftig umstrittene Symeon, dem sein Schüler Niketas Stethatos den Ehrennamen "Der NeueTheologe" beigelegt hat, womit er ihn den Trägern dieses Ehrenprädikats in der Ostkirche, dem Evangelisten Johannes und dem Kirchenvater Gregorios von Nazianz, als gleichrangig zur Seite stellte, gilt als der bedeutendste und originellste Mystiker der mittelbyzantinischen Zeit. Wenn sich auch die absolute Originalität seiner Gedanken nicht mehr behaupten läßt, er vielmehr zu großen Teilen in seinen Aussagen von älteren Theologen abhängig ist und selbst der Gedanke nicht als sein geistiges Eigentum gelten kann, daß sich Gott dem Menschen als Licht und im Licht offenbart (s.u.), so gilt doch uneingeschränkt, daß seine Bedeutung für die mystische Theologie nicht hoch genug bewertet werden kann. Nicht nur der tiefe Ernst, mit dem er um die Gottschau ringt, nicht nur die aus seinem mystischen Erleben gezogenen ethischen Konsequenzens und nicht nur die überbrodelnde Offenheit, mit der er immer wieder von seinen Erfahrungen spricht und schreibt und die ihm den Vorwurf eintrug, niemand von den Vätern der Kirche habe so viel von sich selbst geredet wie er, sind dafür maßgebend, sondern vor allem, daß er das umfangreichste Aussagenmaterial über den Weg der Gottesschau und deren Wesen und Wirkungen niedergelegt hat, daß sein Schüler *Niketas Stethatos seine Schriften herausgegeben, ihre Gedankenfülle in ein System gebracht und später den symeonischen Enthusiasmus erheblich reduziert hat. Die von den Kirchevätern übernommene Aufstiegsspiritualität zeigt bei Symeon Akzentverschiebungen: unerläßliche Voraussetzung für jedes Fortschreiten auf dem geistlichen Weg ist die vorbehaltlose Unterordnung unter den Pater pneumaticos. Damit verlagert sich sich die herkömmliche Gehorsamsforderung vom eingesetzten Vorsteher der Mönchsgemeinschaft auf den individuell gesuchten, mit Hilfe des Hl. Geistes gefundenen Seelenführer (vgl. Dahme, Byz. Mystik Bd. 2, S. 20).
Wenn auch nach Niketas die mystische Theologie seines Meisters zunächst von der Bildfläche zu verschwinden scheint und völlig andere Probleme die theologische Diskussion beherrschen, so haben doch nach Jahrhunderten die *Hesychasten die scheinbar vergessenen Lehren Symeons wieder aufgegriffen und ihn neben anderen älteren Theologen zu ihrem Vorläufer erklärt. Damit wurde sein Rang als mystischer Theologe entgültig anerkannt (aus HDThG I 326 f). Mehr als das schriftstellerische Werk des Symeon blieb der Name Symeon lebendig, der mit einer wesentlichen jüngeren Schrift über die Methode des Hl. Geistes verknüpft wurde, dem folgenreichen Grundtext der hesychastischen Bewegung (Dahme, a.a.O., S. 21).
Eindrucksvoller als jeder andere Autor stellt Symeon der Neue Theologe das göttliche Licht in den Mittelpunkt seiner geistlichen Lehre. "Wir bezeugen, daß Gott Licht ist und daß jene, die wert befunden wurden, ihn zu sehen, ihn alle als Licht sahen, und jene, die ihn empfangen haben, ihn als Licht empfangen; denn das Licht seiner Herrlichkeit geht ihm vorauf. Es ist ihm unmöglich, sich ohne Licht zu offenbaren; jene, die sein Licht nicht gesehen haben, haben ihn nicht gesehen; denn er ist das Licht, und jene, die das Licht nicht empfangen haben, haben noch keine Gnade empfangen." (Katechis 28, zitiert nach der Übersetzung von C.J.Catanzaro, Symeon the New Theologian. The Discourses, New York 1980, 298; Ware, a.a.O. S. 408)
Das göttliche Licht gebrauchten Irenäus, Origenes, Gregor von Naszianz, Evagrius und Gregor Palamas und Nikolaos Kabasilas.
Literatur:
- Holl, Karl: Symeon der Neue Theologe in: Holl, Karl: Gesammelte Aufsätze zur Kirchengeschichte
- Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte I 326
- Hussey, Joan M., Symeon the New Theologian and Nicholas Cabasilas: Similarities and Contrasts in Orthodox Spirituality“, Eastern Churches Revue 4 (1972), pp. 131-140
- Ware, Kallistos: Weisen des Gebetes udn der Kontemplation; in: McGinn u.a.: Geschichte der christlichen Spiritualität, Bd. I S. 408 f
Symeon von Thessaloniki:
gest. 1429 (nach Schulz, Liturgie, S. 15); bekannt für seine Liturgiedeutung +++++
Symeon von Thessaloniki vergleicht den Narthex mit der Erde, das Schiff mit dem Himmel und den Altarraum mit dem, was über den Himmeln ist (MPG 155,705)
Tarasios, Patriarch von Konstantinopel (784-806):
es war vor seiner Erhebung zum Patriarchen Sekretär der Kaiserin *Irene gewesen, ein hochgebildeter und theologisch geschulter Laie, dem 784 sein von Leon IV. erhobener Amtsvorgänger hatte weichen müssen. Unter Tarasios fand das Konzil von Nikaia 787 statt (HDThG I 310).
Theodora Palaiologina:
Tochter des Kaisers Michael IX. Palaiologos 1294-1320 und Rita/Maria, die Tochter des kleinarmenischen Königs Lewon II. († 1289); Schwester des Kaisers Andronikos III. Palaiologos; in erster Ehe verheiratet mit Theodor Swetoslaw (1300-1322); nach dessen Tod verheiratet mit dem Bulgarenzar *Michael III. Sisman;
Theodora Komnena Palaiologina:
Gattin des Großadmirals *Isaak Asanes Palaiologos. Theodora war Tochter des Mongolenchans Abaqa († 1282) und der *Maria Komnena Palaiologina (die als Despina ton Mongolon, als 'Mongolenfürstin' bekannt ist, einer unehelichen Tochter Kaiser Michaels VIII. Palaiologos).
Theodora Dukaina Palaiogina:
Theodora Dukaina war Tochter eines Johannes Dukas bzw. Enkelin des Isaakios Dukas Sebastokrator (eines Bruders des Kaisers Johannes III. Dukas Batatzes). Michael Palaiologos, einer der tüchtigsten Militärs um die Mitte des 13. Jh., wurde 1253 wegen Hochverrats eingekerkert, bald darauf allerdings wieder freigelassen und heiratete 1253/1254 Theodora, worauf diese auch den Familiennamen des Gatten annahm (was erst damals "in Mode kam"). Die folgenden Jahre verliefen sehr turbulent, bis er im September 1258 - nach der Ermordung des Georgios Muzalon, des Regenten für den achtjährigen Johannes IV. Laskaris - selbst Regent wurde. Der weitere Aufstieg ging sehr schnell. Am 1.1.1259 wurde er als *Michael VIII. Palaiologos zum Mitkaiser gekrönt. Nach der Rückgewinnung Konstantinopels ließ er sich am 15.8.1261 erneut krönen, worauf Johannes IV. von der Macht entfernt wurde; damals soll der Kaiser auch daran gedacht haben, seine Gattin zu verstoßen. In den 60er Jahren erließ die Kaiserin einige Urkunden (für das Johannes-Theologos-Kloster auf Patmos). Michael VIII. starb am 11.12.1282, Theodora am 4.3.1303. (zu Theodora und Michael VIII. vgl. PLP IX 21380 u. 21528 mit weiterer Lit.; Seibt/Zarnitz, S. 61).
Theodoros Metochites:
1260-1332; Schriftsteller und Gelehrter; seit 1290 bis 1328 Großlogothet und engster Berater Kaiser *Andronikos II. Palaiologos (Norwich III 318), Großlogothet; einer jener hochbedeutenden Humansiten, die in spätbyzantinischer Zeit das philosophische, wissenschaftliche und literarische Erbe der Antike wiedererweckten (Hutter, Frühchristliche Kunst, Byzantinische Kunst, S. 166 ; Kunst-Mäzen: er stiftete das bedeutendste Denkmal der Paläologischen Kunst, die Kirche des Chroa-Klosters in Konstantinopel, heute Kahrie Djami (Hutter, a.a.O., S. 166).
Theodor Studites:
auch Theodor von Studios; Theologe, Abt des *Studiosklosters in Konstantinopel um 800; Führer der zelotisch gesinnten konservativen Orthodoxie in Konstantinopel.
Nach dem Sturz des Kaisers Michael I. Rangabe (811-913) und der Krönung des ikonoklastischen Kaisers Leon V. des Armeniers (813-820) widersetzte sich Theodoros Studites, zusammen mit Patriarch *Nikephoros I. (806-815), der ikonoklastischen Reaktion, die von *Johannes Grammatikos und *Theodotos Melissenos (auch als Th. Kassiteras bezeichnet), dem späteren Patriarchen (815-821) angeführt wurde. Patriarch Nikephoros I. wurde deportiert und legte sein Amt nieder, um, wie er selbst äußerte, die Befriedung der Kirche nicht zu behindern.
Gegen die Synode von Konstantinopel (815), die das Verbot der Bilderverehrung unter Aufhebung der Konzilsbeschlüsse von Nikaia II (787) machten Teile des Mönchtums unter Theodoros Studites Front. Theodoros wurde wegen seiner Haltung verurteilt und ins Gefängnis geworfen.(vgl. Nikolaou: Die Ikonentheologie als Ausdruck einer konsequenten Christologie bei Theodoros Studites, in: Orthodoxes Forum 1993 Heft 1, S. 23 f; Norwich II, S. 41; Beck, S. 86/87; Ostrogorsky, S. 165/166)
Theodoros Swetoslaw:
1300-1322; bulgarischer Herrscher (Ostrogorsky, S. 423), vertrieb die mongolischen Stämme aus Bulgarien, griff 1304 Thrakien an und bedrohte Konstantinopel (Norwich III 310) bis 1307 (Norwich III 311); seit dem Frieden mit Byzanz und der Überlassung der von ihm bereits eroberten ehemals byzantinischen Häfen am Schwarzen Meer, verheiratet seit 1307 mit *Theodora Palaiologina, der Tochter des Kaisers *Michael IX. Palaiologos 1294-1320 und der Rita/Maria, die Tochter des kleinarmenischen Königs Lewon II. († 1289), Enkelin des Kaisers *Andronikos II. Palaiologos (-1328) und Schwester des Kaisers *Andronikos III. Palaiologos (Norwich III 321);
Theodoros, Hexapterygos:
Schriststeller 13. Jh. (vgl. Hunger, H.: Byz.Ztg 1995, 26; Hörander, W.: Die Progymnasmata des Theodoros Hexapterygor, in: Byzantion. Festschrift für Herbert Hunger zum 70. Geburtstag, Wien 1984, 147-162
Theodotos Kassiteras:
s. Theodotos I. Melissenos
Theodotos I. Melissenos:
auch Theodotos Kassiteras genannt. 815-821 Patriarch von Konstantinopel; Theodotos stammte aus vornehmen Geschlecht und war mit der dritten Gattin Kaiser Konstantin V. (741-775), *Theodote, verwandt. Am Hof Kaiser Leon V. des Armeniers (813-820) war er Höfling; er wurde in der neuen ikonoklastischen Krise unter Kaiser Leon V. wegen seiner ikonoklastischen Gesinnung, und wegen seiner Abhängigkeit als Höfling des Kaisers als Nachfolger des abgesetzten Patriarchen Nikephoros I. (806-815) zum Patriarchen von Konstantinopel ernannt. (vgl. Ostrogorsky, S. 165)
Theodote:
dritte Gemahlin Kaiser Konstantin V. (741-775), verwandt mit Theodotos I. Melissenos, dem späteren Patriarchen (815-821).
Theophanes Confessor:
Mönch und Chronist (Ende 8. / frühes 9. Jh.); einzige Quelle der Regierungszeit Kaiser Nikephoros I. (802-811); vgl. Theophanes Confessor, Bilderstreit und Arabersturm in Byzanz. Das 8. Jh. (717-813) aus der Weltchronik des Theophanes, übers., eingeleitet und erklärt von Leopold Breyer, in: Byzantinische Geschichtsschreiber, hrsg. von Endre Ivánka, Band 6, Graz 1957.
Theophano:
Schwiegertochter des Kaisers Nikephoros I. (802-811) und Ehefrau des Mitkaisers Staurakios. Theophano war Athenerin und ihre offensichtliche (wenn auch wahrscheinlich nut entfernte Verwandschaft) mit der Kaiserin Irene )797-802; durch Nikephoros I. gestürzt) hatte Kaiser Nikephoros I. (802-811) nicht daran gehindert, sie auf eine Liste schöner Jungfrauen setzen zu lassen, die er als mögliche Bräute für seinen Sohn und Mitkaiser Staurakios in Betracht zog. Wie uns zu versteheh gegeben wird, erfüllte sie beide Bedingungen (Jungfernschaft und Schönheit) nicht ganz und soll nur deshalb ausgewählt worden sein, weil Nikephoros ihre beiden Rivallinnen seinem Sohn nicht gönnte (Norwich II 480).
Theophano, die Ältere:
Gattin des Kaisers Romanos II. (959-963); Mutter der Kaiser *Basileios II. (976-1025) und Konstantin VIII. (Mitkaiser neben seinem Bruder Basileios seit 962; Alleinherrscher 1025-1028). Tochter eines peloponnesischen Schankwirts; sie hieß zunächst Anastaso, als Kaiserin trug sie seit 959 den Namen Theophano; seit ca. 956 mit dem späteren Kaiser Romanos II. verheiratet; von atemberaubender Ausstrahlung, nach Diogenes Diakonos die "liebreizendste Frau ihrer Zeit"; ehrgeizig, sittenlos und skrupellos; erreichte gegen alle Widerstände trotz nicht standesgemäßer Herkunft die Eheschließung mit dem späteren Kaiser Romanos II. und beherrschte ihren Kaisergatten völlig; wurde mit 18 Jahren Kaiserin (vgl. Norwich II, 220, Ostrogorsky, a.a.O., S. 236); setzte nach der Thronbesteigung die Entmachtung ihrer Schwiegermutter Helena und der fünf Schwestern des Kaisers durch, wobei letztere als Konkurrentinnen um die Macht als Nonnen ausgeschaltet wurden.
Theophano spielte in der Geschichte des byzantinischen Reiches eine außergewöhnliche Rolle.
Die Kaiserin hatte mit Kaiser Romanos II. vier Kinder. Nach dem frühen und überraschenden Tod des Kaisers (15.3.963) führte sie für 5 bzw. 3 Jähre alten Mitkaiser *Basileios II. und *Konstantin VIII. die Regentschaft (15.3. - 16.8.963). Sie sah sich einer gefährlichen gegeneinandergerichteten Machtkonstellation gegenüber, bestehend aus den mächtigen Feldherrn Nikephoros Phokas, Leon Phokas und Johannes Tsimiskes, wobei auch der Eunuch Joseph Bringas mitmischte. Zum Überleben ihrer Familie und der kleinen Söhne brauchte sie Schutz, den sie in Heirat mit dem erfolgreichen Feldherrn Nikephoros Phokas. Die Pläne des Parakoimomenos (Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen) *Joseph Bringas, eines entschiedenen Gegners der Phokas, der als Eunuch von der Übernahme der Kaiserstellung ausgeschlossen war, durchkreuzte sie bereits vor Ostern 963 durch eine geheime Verständigung mit Nikephoros Phokas, der auf ihren Ruf hin bereits im April 963 ohne Truppen nach Konstantinopel kam, sich dort die Unterstützung von Volk und Kirche durch die kluge Bitte um Asyl in der Hagia Sophia gegen angebliche Verfolgung durch Joseph Bringas sicherte und nach Ostern zu seinen Truppen zurückkehrte. Dort wurde Nikephoros Phokas von seinen Truppen in Kaisereia zum Kaiser ausgerufen, zog am 14.8.963 in Konstantinopel ein, brach den Widerstand des Bringas in blutigem Straßenkampf und wurde am 16.8.963 in der Hagia Sophia zum Kaiser gekrönt (nach Ostrogorsky, S. 237; Norwich II., S. 232 f, 234) und heiratete die Kaiserin.
In den Kampf um die Macht schaltete sich der Patriarch Polyeuktos (956-970) ein, der sich geschickt mit dem Senat (Vorsitzender der frühere Parakoimomenos und jetzige Proedros Basileios, unehelicher Sohn Kaiser Romanos I.) verständigt hatte. Polyeuktos warf sich zum Wahrer der Rechts der kleinen Söhne des verstorbenen Kaisers Romanos II. (959-963), *Basileios II. und *Konstantin VIII.(bereits 960 bzw. 962 als Kleinkinder zu Mitkaisern ernannt) auf. Er verlangte von Nikephoros Phokas, der im Ruf eines frommen und asketischen Lebens stand (und angab, unter seinem Freund Athanasios, dem Abt des Athosklosters Megisti Lavra, Mönch werden zu wollen), einen besonderen Treueid gegenüber den Rechten der Kaisererben und denen des Senats. Nachdem Nikephoros Phokas die Kaiserin Theophano geheiratet hatte, verweigerte der Patriarch diesem den Eintritt in die Kirche, wegen abgeblicher "geistlicher" Verwandschaft beider, bis die Frage zugunsten des Kaisers geklärt war (Beck, Geschichte der orthodoxen Kirche, S. 125).
Theophano, deutsche Kaiserin:
»In einem Vortrag über die Herkunft der Theophano für Förderung kulturellen Lebens in Zürich im Jahr 1939 und in dem Roman "Die Kaiserin Theophano" 1941 hat Albert Heinrich Rausch unter dem Pseudonym Henry Benrath die in den Quellen namentlich nicht genannten Eltern der Kaiserin Theophano, ab 971/2 Gemahlin Kaiser Ottos II., mit dem Patrikios Konstinnos Skleros und der Sophia Phokaina erschlossen. Er hatte die beiden byzantinischen Geschichtswerke des Leon Diakonos und des Johannes Skylitzes in richtiger Weise interpretiert.« aus Buschhausen, in: Konstantinou, Byzanz ..., GeschByz8, 57
Theophano war am 14. IV. 972 mit dem bereits am 25. XII. 967 in Rom zum Mitkaiser Ottos I. gekrönten Sohn Otto II. vermählt worden und hatte damit in das sächsische Herrscherhaus jenen berühmten und überlegenen Glanz der byzantinischen Kultur gebracht, welcher in der Kunstgeschichte zu so vielen Theorien Anlaß gegeben hat. P.E. Schramm hatte auf I die Kontinuität der Leitnamen hingewiesen, denen zufolge die 976 geborene erste Tochter der Theophano Adelheid nach ihrer Großmutter väterlicherseits, die 977 geborene zweite Tochter Sophia nach ihrer Großmutter mütterlicherseits benannt worden ist.
Theophano war nicht die durch Otto I. von Kaiser Nikephoros Phokas für die Hochzeit mit dem gleichnamigen Sohn erbetene byzantinische Porphyrogenneta Anna, die Tochter Kaiser Romanos II. und der Theophano d.Ä., also die Stieftochter des Nikephoros Phokas, sondern sie war die leibliche Nichte des Kaisers Johannes Tzimiskes; sie galt während dessen Regierungszeit ab 969, zumindest aber nach der Zeit der Vermählung 971/2 zwar als Garant des Friedens, löste aber nicht das Zweikaiserproblem für die Ottonen in deren Sinne.
Theophano dürfte nach 963 an den byzantinischen Kaiserhof gekommen sein, sie war möglicherweise das Patenkind von Theophano d. Ä., die ab 954/6 mit Kaiser Romanos II. verheiratet war, und nach der sie den Namen erhalten hat. Sie dürfte 954/6 geboren worden sein. als Romanos II. und Theophano d.Ä. sich vermählten, wahrscheinlicher aber erst 959, als Romanos II. zum Kaiser und Theophano d.Ä. zur Kaiserin erhoben wurden. Nach dem Tod von Romanos II. verhalf Theophano d.Ä. am 11. XII 969 Johannes Tzimiskes zur Kaiserherrschaft, beide konnten sich aufgrund des Einspruchs der Kirche nicht vermählen. Theophano ging in die Verbannung und ist erst 976 nach dem Regierungsantritt von Basileios II. Bulgaroktonos (976-1025) am byzantinischen Hof nachweisbar.
Theophylaktos Simokattes:
Historiker, seine »Weltgeschichte « ist die Hauptquelle der Regierungszeit Kaiser Maurikios (Norwich I 499 Anm. 8)
Thomas von Gaziura, auch Thomas der Slawe:
Offizier, am erfolglosen Putschversuch des *Bardanes Turkos (803) zusammen mit den späteren Kaisern *Leon V. und *Michael II. Psellos beteiligt; einer der drei Offiziere, die Bardanes Turkos zum Einsiedler von Philomelion begleiteten (Norwich II 16, 49, 479). Nach der erfolgreichen Usurpation des Thrones durch Kaiser Michael II. Psellos (820) begann Thomas von Gaziura den Aufstand gegen den neuen Kaiser, und ließ sich als angeblich noch lebender Kaiser *Konstantin VI. [780-797] ausrufen, der 797 den Tod nach Blendung durch seine Mutter Kaiserin *Irene gefunden hatte) in Antiochia krönen; er eroberte innerhalb von 2 Monaten mit einem Heer von 80000 Mann fast ganz Anatolien und setzte im Dezember 821 nach Thrakien zur Belagerung von Konstantinopel über. Nach dem Scheitern der ersten Belagerung begann er im Frühjahr 822 einen weiteren Versuch zur Einnahme der Stadt; durch das Eingreifen des Bulgaren-Khans Omurtag (Sohn des Khans *Krum) 823 und der Niederlage des Thomas von Gaziura in der Schlacht von Heraklea (das heutige Erekli) in der Keduktos-Ebene im März 823 wurde der Aufstand niedergeschlagen und der Bürgerkrieg beendet (Norwich II 49-53; Beck: Geschichte der orthodoxen Kirche, a.a.O., S. 88). Folge des Aufstandes war u.a. die Eroberung Kretas durch die Araber zwischen 823 und 828 (Detorakis, Geschichte von Kreta S. 132).
Tiberios II. Konstantinos, Kaiser (578-582):
pragmatischer aber verschwenderischer Kaiser; Zerrüttung der Staatsfinanzen durch Steuersenkung und ungezügelte Ausgabenpolitik; Versuch den steten Niedergang von Byzanz entgegenzuwirken; Zunahme des griechischen Einflusses im byzantinischen Reich; Absetzung und Verbannung der Kaiserinwitwe Sophia; Heeresverstärkung und Aufrüstung des Heeres; 581 Aufstellung eines Elitekorps aus 15000 Foederati (spätere Warägergarde); 581 byzantinischer Sieg unter Maurikios über die Perser unter Hormisdas; 582 Heirat des Generals Maurikios und der Kaisertochter Constantina; 13.8.582 Tod des Kaisers (durch Vergiftung?).
Urselios (Roussel) von Bailleul:
Normanne (Nord-Franzose), seit etwa 1069/70 in byzantinischen Diensten, war zunächst mit Robert Guiskard nach Süditalien gekommen; Aufstand 1073 unter Kaiser Michael VII. Doukas (1071-78) mit Versuch, sich in Kleinasien ein unabhängiges Fürstentum einzurichten zeigte auch Aspirationen auf den Kaiserthron; er plünderte nach der Schilderung der Anna Komnena nahezu sämtliche Ostprovinzen des Reichs (vgl. Schilderung der Anna Komnena, Alexias, S. 26; zu ihm vgl. ODB sub v. Roussel; zu seiner Revolte: Cheynet, Pouvoir, Nr. 97).
Zelotenaufstand:
1342-1349; ++++ Papagiannopoulos, S. 112f