Anhang 11: Kunstgeschichtliche (englische und deutsche) Begriffe
Achtstützenkirche:
Eine weitere besondere Entwicklung stellt die Achtstützenkirche dar, die ausschließlich in Griechenland in der Zeit vom 11. bis 13. Jh. vorkommt, obwohl sie ihren Ursprung wahrscheinlich in Konstantinopel hat. Es handelt sich um eine Kreuzkuppelkirche, bei der sich zwischen die vier Kreuztonnen in der Vierung vier Ecktrompen einschieben: so bildet sich, auf acht Pfeiler gestützt, ein Oktogon als Basis der Kuppel. Diese Konstruktion ermöglicht eine weiträumigere Kuppelwölbung, ohne daß die Einheit des Raumes von tragenden Säulen durchbrochen wird. Diese Bauform diente der Hauptkirche des Klosters Hosios Lukas und dem Kloster Dafni zum Vorbild.
Ambo:
paarweise angeordnete Lesepulte (Plural: Ambonen) für Evangelien und Epistel in der altchristlichen Basilika (Melas, S. 301), aber auch in byzantinischen Kirchen.
Architrav:
gerades Gebälk über Säulenreihen
Archivolte:
Archivolte (von lat. arcus volutus), ein häufig mit Fascien versehenes, bisweilen mit Kyma und Astragal geschmücktes Band an der Stirnseite eines Rundbogens sowie dessen Laibung. Die A. ist durch ein Profil oder durch die Steinsetzung von der anschließenden Wand abgehoben. In der ägypt. und etrusk. Baukunst nachweisbar, tritt die A. in hellenist. Zeit vereinzelt auf und ist bes. durch die röm. Architektur (Bogenkonstruktionen) an die nachantike Baukunst vermittelt worden. In der mittelalterl. Baukunst trat die A. meist als Bogenlauf im roman. und got. Gewändeportal auf, wobei sie oft mit Figuren geschmückt war (z.B. Goldene Pforte in Freiberg/Sa.; Tambour der Kirche Agios Sotiros in Thessaloniki).
Barrel-Vault:
s. Tonnengewölbe
Basilika, anatolischen oder hellenischen Typos:
hellenischer Typ (vgl. Mellas, S. 37): man erkennt ihn an der halbkreisförmigen, meist vorspringenden Apside des Altarraumes und and er hochgezogenen Holzabdachung des Mittelschiffs, die eine stärkere Ausbildung des Lichtgadens zuließ.
anatolischer Typ (vgl. Pelekanis/Chatzidakis: Kastoria, S. 6)
Man unterscheidet zwei Bautypen nach der Art der Bedachung und der Beleuchtung des Mittelschiffs: die Basilika 'hellenistischen' Typs mit der hochgezogenen Dachanlage des Mittelschiffs, mit Dachstuhl und mehreren Fenstern und daneben die Basilika des anatolischen (östlich beeinflußten) Typs, fensterlos und nur mit langen Tonnengewölben bedeckt, der seltener zu finden ist (auf Kreta und auf der Südpeloponnes) (vgl. Melas, S. 41)
Basilika:
Bastllika (griech. »basiliki stoa« «königl. Halle»). Die Bezeichnung stammt von dem Amtsgebäude des Archon Basileos auf dem Markt von Athen; das Aussehen dieses Gebäudes ist nicht überliefert. Von einer 3schiffigen Halle an der Agora von Elis schreibt jedoch Pausanias. In Rom nannte man B. ein Markt- oder Gerichtsgebäude, eine langgestreckte Säulenhalle, die von Seitenschiffen begleitet wurde. An einer Schmalseite befand sich ein Portikus, an der anderen meist eine Halbkreis-Nische (Exedra, Tribuna, Apsis), die den Richterstuhl oder ein Götterbild aufnahm. Neben der Markt- und Palast-(Thron-)B. gab es auch die meist einschiffige Privat-B., die innerhalb eines Villen- oder Landhauskomplexes gelegen, ebenso zu Repräsentationszwecken und Amtshandlungen diente. Die Anlagen richteten sich nach den jeweiligen lokalen Gegebenheiten (z. B. Klima), ein einheitl. Typ war nicht ausgebildet. Der röm. Architekturtheoretiker Vitruv (5,1,4) nennt die B. «breitgelagert», ohne damit alle Formen der B. hinreichend zu charakterisieren. Das älteste Beispiel ist die B. Porcia des Cato (184 v. u. Z.), danach folgten die Basiliken am Forum Romanum.
1. Für das frühe Christentum bez. der Name «B.» zunächst keinen festliegenden architekton. Typus, dem aber - wie bei den konstantin. Stiftungen in Jerusalem und Rom ein repräsentativer Charakter und eine monumentale Würde zu eigen war. In Analogie bez. der kirchenrechtl. Titel bis heute nur einen Ehrenrang unabhängig von einem bestimmten Kirchenbautyp. Die christl. B., die Kirche, besteht aus dem Versammlungsraum der Gemeinde, ein oblonger Bau mit einem breiten Mittelschiff, dessen Hochwand im äußersten Gegensatz zu antiker Sehgewohnheit und ihrem tekton. Verständnis auf einem von Säulen getragenen *Architrav ruhte (frühestes Beispiel: Lateran-B., um 313) - nur vereinzelt dienen Pfeiler vermittelnd als Stützen (S. Sebastiano in Rom) oder werden Rundbogenarkaden aus dem spätantiken Profanbau übernommen (Sta. Sabina in Rom). Das überhöhte Mittelschiff mit Satteldach besitzt wie in der profanen B. einen Lichtgaden und wird von 2 oder 4 niedrigeren und schmaleren, mit Pultdächern versehenen Seitenschiffen begleitet. Die Schiffe (englisch: »aisle« sind zum Dachstuhl hin offen («Basilica sine tecto») oder durch eine flache Holzdecke geschlossen. An der einen Schmalseite des Mittelschiffs (meist im O) schließt sich eine halbrunde Apsis an. Entweder stand der Altar in der Apsis (v. a. Syrien) und das Presbyterium war davor angeordnet, in der Regel befand sich jedoch in der Apsisrundung eine Presbyterbank (*synthronon) mit dem Bischofsstuhl in der Mitte und dem Altar auf der Apsissehne zum Kirchenschiff hin. Mit dieser Anordnung wird u.a. das Prinzip der kaiserl. Palastb. aufgenommen. Die Seitenschiffe schließen gerade oder führen zu Nebenräumen (Pastophorien), gelegentl. enden sie auch apsidial. An der anderen Schmalseite (im W) liegt das Portal, davor ein offener Säulenhof, das Atrium. In den ostmittelmeer. Ländern befindet sich vor dem Portal eine offene Vorhalle (Narthex), hier wird dann zuweilen auf ein Atrium verzichtet. Das Äußere ist meist schlicht, das Innere dagegen reich mit Mosaiken oder Malereien geschmückt. Die ganze Anlage wird bestimmt durch das Gegenüber von Altar und Gemeinde. Das Langhaus als festl. Versammlungsraum vor dem Altar ist zugleich Prozessionsstraße. Größere Prachtbauten (Alt-Sankt Peter oder S. Paolo fuori le mura in Rom) sind auf ein bes. (Grab-) Heiligtum ausgerichtet und verfugen als dessen abschließenden Raumteil über ein Querhaus (in S. Giovanni in Laterano erst karoling. Zeit), haben aber ebenso als Gemeindekirchen ein basilikales Langhaus. In den Querhausarmen fanden zu Seiten des eucharist. Altars Gabentische (sie tragen eventuell im Unterschied zur Bezeichnung des eucharist. Altars als «mensa« die des «altare») Aufstellung. Ein Triumphbogen trennt das Querhaus und Langhaus. Beide Typen, mit und ohne Querhaus, waren bereits in konstantin. Zeit ausgebildet. Bei der Geburtskirche zu Bethlehem und der Grabeskirche zu Jerusalem (hier durch einen Zwischenhof getrennt) sind die Basiliken jeweils mit einem oktogonalen Heiligtum verbunden. Außerdem weichen die Coemeterial-Basiliken dadurch von der normativen Form ab, daß ihre Seitenschiffe (die ältesten röm. Beispiele gewestet) als halbkreispörmiger Umgang über das Mittelschiff hinausgeführt werden (S. Sebastiano, S. Pietro e Marcellino, Sta. Agnese, S. Lorenzo, sämtl. Rom).
Die Schwierigkeit, die frühen christl. Kirchenbauten typenmäßig zu erfassen, ergibt sich daraus, daß die fulr unterschiedl. Zwecke konzipierten Kirchenräume (Gemeinde-, Coemeterial-B., Memoria), sich im Verlaufe des 4. Jh. funktionell zu überschneiden beginnen. Die am Rande oder außerhalb Roms gelegenen ursprüngl. Coemeterial-Basiliken werden zu Gemeinde-Basiliken der Campaguabevölkerung.
2. Die B. hatte seit frühchristl. Zeit zunehmend aber auch Bedeutung als religiös-liturg. «Wegbau», als «eine Art Triumphstraße, die dem Gläubigen den Weg zur Ewigkeit weist» (S. Guyer). Als «Richtungsbau» (W. Hager) zeigte sich schließl. seit dem FrühMA immer klarer in ihrer horizontalen wie vertikalen Ausdehnung und Strukturiertheit eine streng gestufte «hierarch. Ordnung» als gebaute räuml. Realität und als «architekton. Bild». Von Anf an werden die so geschaffenen Formen und Räume auf vielfältig vermittelte Weise prakt. Erfordernissen gerecht wie Träger von Bedeutungen.
Das Gebäude ist nicht nur Kirche, es bedeutete auch die Kirche und nimmt demgemäß verschiedene symbol. Vorstellungen auf: Tempel Salomos, des Himmels, des Paradieses, des Thronsaals Christi und des Himml. Jerusalems. Zunächst versucht man die Bedeutungen real zu stützen, indem Reliquien in den Fundamenten (konzentriert an der W- und N-Seite) und Säulenkapitellen (Apostelkirche, Konstantinopel, 4. Jh.; St.Michael, Hildesheim, Anf ll.Jh.) einlegte, während es danach seit dem 12. Jh. zur Veranschaulichung der Apostel an den Säulen (Aachen, Chorpfeiler), der Hl.gestalten in den Glasfenstern, den Engelsplastiken um die Kirche (Reims, Kathedrale) und des Himmels im Gewölbe kam. Ihr höherer repräsentativer wie religiöser Rang gegenüber dem Saalbau (E. Lehmann) begünstigte die bewußte karoling. Rezeption der röm. B.
Für die Entwicklung und Differenzierung der B. vom 8.-11. Jh. war auf diesen Grundlagen ein ganzer Komplex von Faktoren, Bedürfnissen und Interessen maßgebend. Sie zeigen die B. - bes. in den «Schlüsselbauten» der einzelnen Phasen - als aktives ordnendes Element im Feudalisierungsprozeß. «Wanderliturgie im höf. Kontext» (F. Möbius), die allen sozialen Gruppen ihren Platz anwies (Centula) ist ebenso wirksam gewesen wie die Tendenz zur Geschlechtertrennung in den Seitenschiffen und deren Belegung mit symbol. Bedeutungen.
Im Zusammenhang mit den religiösen, sozialen und polit. Reformbestrebungen des 10./11.Jh. (bes. der Cluniacenser) und der Organisierung des Pilgerwesens wurden weitere Faktoren für Gebrauch und Gestalt der B. bedeutungsvoll: die wachsende Zahl von Altären im Gefolge der quantitativ ansteigenden Privat- und Seelenmessen, die Ordnung der Pilgerströme um das Hauptheiligtum. Sie führten zur Weiterentwicklung bes. der O-Partie (u. a. benediktin. Staffelchor seit Cluny II) aber auch der westl. Portalzone (u. a. durch Skulpturenschmuck, S-, W-Frankreich und N-Spanien seit E. 11. Jh.).
Schließl. kam die Tendenz zur deutlicheren Trennung von «Kirche der Geistlichen» und «Kirche der Laien» hinzu, die u. a. in der Gestalt des Lettners (vgl. hierzu die unterschiedliche Funktion der *Ikonostase als Trennung von Welt und Mysterium Gottes) bes. prägnanten Ausdruck fand. Schließl. konnte die B. bes. Ausweis eines religiös begründeten geistl. und weltl. Machtanspruches des jeweiligen Bauherrn in den Auseinandersetzungen zwischen den venchiedenen herrschenden Kräften oder angesichts häret. Bewegungen sein, stets ordnend und integrierend wirkend in einer zunehmend differenzierteren Sozialstruktur der feudalen Ständeordnung. In der Wandlung von der frühchristl. zur frühmittelalterl. Sakralarchitektur vollzog sich der Weg von der «Kirchenfamilie» über den Gruppenbau zum vereinheitlichten Kirchenraum.
Im OTeil wurde seit karoling. Zeit das Querhaus zu einem festen Bestandteil des Bauprogramms. Zwischen Querhaus und Apsis schiebt sich ein neuer Raum von meist quadrat. Grundriß, das Presbyterium (Chor). Langhaus und Querhaus durchdringen sich, der Grundriß erhält die Form des lat. Kreuzes (Crux immissa; Plan von St. Gallen; Reichenau, Mittelzell; Köln, Hildebold-Dom). Der Durchdringungsraum, die Vierung, wird zum Maß in Grund- und Aufriß (gebundenes System).
Unter Apsis, Presbyterium und häufig auch Vierung ist meist eine Krypta (nicht bei Bauten der Reformorden). Die O-Partie kann mit Chorumgang und Kapellenkranz gebildet sein. Folgenreich wird hier um 1000 der Bau der königl. Abtei von St. Martin in Tours (Grab des «franz. Nationalhl.»), aufgegriffen bes. bei den großen Pilgerkirchen S-Frankreichs und N-Spaniens. Im Langhaus der früh- und hochmittelalterlichen B. wird der gerade Architrav durch den Bogen ersetzt (vgl. zur Bedeutung des Bogens im westl.- u. östlichen Kirchenbau: Teil F: Die Epochen byzantinischer Kunst).
Im Unterschied zum Okzident, wo die B. eine Grundform im Kirchenbau bleibt, wird sie in Byzanz und im christl. Osten seit dem 6. Jh. vom Zentral- bzw. Kreuzkuppelbau abgelöst. Die Mannigfaltigkeit der Formen und Varianten der konstantin. und nachkonstantin. B.en, wo nebeneinander große und kleine, 3-, 5-, aber gelegentl. auch 7- und sogar 9schiffige Bauten (Karthago, Tipasa), ohne oder mit Querschiff, flachgedeckt oder gewölbt, manchmal auch mit Kuppel (Konstantinopel, Polyeuktos-Kirche, um 524; Gottesmutterkirche in Blachernen, nach 518; B. in Philippi und B. in Pirdop, 6.Jh., aber auch in Armenien, Kilikien und Phrygien) und als Emporenb.en, v. a. Hl. Demetrios, Saloniki, erscheinen, ist bis in die Zeit Justinians I. (527-565) charakterist. In der mittelbyz. Architektur verschwindet die B. völlig, mit Ausnahme von Randgebieten, wie Bulgarien und Serbien (auch Kastoria), wo die liturg. Bestimmungen des bulgar. autonomen Patriarchats (919-1018) wie auch der mit Rom unierten serb. Kirche stärker die Einflüsse der frühchristl. Tradition fortleben lassen. Vom 9. Anf. 11.Jh. ist die B. vorherrschender Bautypus im Bulgarenreich. Es handelt sich sowohl um große eingewölbte und gelegentl. mit Kuppel versehene Bischofs- und Patriarchenkirchen (Erzbischofsb. Pliska, Sophienkirche in Sofia) als auch um Kirchen des verkürzten basilikalen Typs (Kirche Nr. 25 und 36 in Pliska, Stephanoskirche in Nesebar, alle 10. Jh.). Doch auch hier tritt mit Einflüssen von Byzanz die B. seit dem 11. Jh. immer stärker zurück (Kirche der hl. 40 Märtyrer in Tarnovo, 1230). In Serbien dagegen häuft sich der basilikale Bautypus im 13./14. Jh., bes. in der Raska-Schule. Eine erneute allg. Verbreitung fand die B. auf der ganzen Balkanhalbinsel in nachbyz. Zeit seit dem späten 18. Jh. bis ins 20. Jh., gelegentl. auch als Kuppelbau (Katholikon im Rila-Kloster, Kathedrale Athen, Aleksander-Nevski-Gedächtniskirche Sofia). (im wesentlichen nach dtv-Lexikon der Kunst, S. 417-419)
a.A. teilweise Melas (a.a.O., S. 41): »Unter den üblichen basilikalen Typen des 10.-12.Jh erfuhr der basilikale Typ eine gewissen Erneuerung. Er wurde bevorzugt für die Kathedralen der wichtigen Städte, aber auch als gültiges Vorbild der Kirchen in den einzelnen Landschaften (wie z.B. in Kastoria). Man unterscheidet zwei Bautypen nach der Art der Bedachung und der Beleuchtung des Mittelschiffs: die Basilika 'hellenistischen' Typs mit der hochgezogenen Dachanlage des Mittelschiffs, mit Dachstuhl und mehreren Fenstern und daneben die Basilika des anatolischen (östlich beeinflußten) Typs, fensterlos und nur mit langen Tonnengewölben bedeckt, der seltener zu finden ist (auf Kreta und auf der Südpeloponnes). Der Wechsel dieser Typen zeigt, daß die Basilika in Griechenland als Kirchenbaumuster lebendig geblieben ist."
Melas (a.a.O., S. 45): in der letzten Blütezeit des Kirchenbaus im 13.-15. Jh. erlebte die Basilika "in Euböa und Epiros, aber auch andernorts ... eine Spätentwicklung mit kreuzförmiger Dachanlage. Das Querhaus (Transept) wurde mit dem dreigeteilten Hauptschiff verbunden, es dominiert im Altarraum und überragt in Höhe und Breite die übrigen Schiffe. Dieser Typus mit einigen Varianten war in allen Gegenden Griechenlands während des 13. und 14. Jh. weit verbreitet, insbesondere in der einfachen Form der einschiffigen Kirche mit hochgezogenem Querschiff."
Bema:
der etwas erhöhte Altarbereich in orthodoxen Kirchen
Blendbogen:
(blind arches), ein der Wandfläche - aus rein dekorativen Gründen - vorgeschalteter Bogen ohne Öffnung.
Dreikonchen-Kirche:
(triconchial churches); s. auch *Konche; als D. bezeichnet man Kirchen, deren Katholikon von drei Konchen auf drei Seiten umgeben ist in der Grundrißform eines dreiblättrigen Kleeblattes; (s. auch Athoskirchen); Beispiele: Panhagia Koubelediki in Kastoria
Gebundenes System:
ein im mittelalterl. Kirchenbau an der roman. Basilika entwickeltes und häufig angew. Planungs- und Konstruktionssystem. Das Ausgangsmaß gab in der Regel das Grundrißquadrat über der.Vierung; die Länge der Schiffe betrug ein Vielfaches dieses Quadrates. Die Seitenschiffe erhielten meist die halbe Breite des Mittelschiffes: auf ein quadrat. Mittelschiffoch kamen so je 2 quadrat. Seitenschiffjoche. Die Höhenentwicklung war ähnl. »gebunden«: das Mittelschiff erhielt die Höhe zweier Quadrate, die Seitenschiffe die Höhe eines Quadrats. Wollte man die Schiffe über den in der Romanik gebräuchl. Halbkreisbögen einwölben, wurde dies auf dem Quadrat aufbauende Ordnungsprinzip notwendige Voraussetzung. Ein sehr frühes Beispiel des g. S.s bietet der Idealplan des Klosters St.Gallen (um 820); aus späterer Zeit sei die Klosterkirche Knechtsteden b. Neuß (12.Jh.) gen. Dieses System auf der Grundlage des Quadrats als Maßeinheit wird auch als «quadrat. Schematismus» bezeichnet. (aus dtv-Lexikon der Kunst, Bd. 2, S. 674; vgl. W. v. Rothkirch, Die Bedeutung des quadrat. Schematismus, Diss., Be. 1933)
Ikonologie:
Ikonologie (griech. eikon <<Bild>>, logos <<Wort, Kunde>>) war ursprünglich eine kompendiumartige Sammlung ikonograph. Muster (Allegorien, Symbole, Attribute) für den künstler. Werkstattgebrauch. Große Bedeutung gewannen neben den mittelalterl. Musterslg. (z. B. der engl. <<Pictor in Carmine>>,12.Jh.; in gewisser Weise auch die typolog. MS, => Typologie) vor allem die <<Ikonologia>> von C.Ripa (Rom 1593), die auch dt. erschien und einige Nachfolge fand. In H.Lacombe de Prezels <<Dictionaire iconologique>> (Paris 1756) ist die I. als eine sitzende Frau personifþziert, die unter Anleitung eines geflügelten Genius eine Allegorie erfindet. Bes. im Manierismus und Barock wurde auf die Erfindungsgabe (Invention) des Künstlers großer Wert gelegt wobei sich darin auch eigene Interessen des Künstlers äußern, u. a. seinen sozialen Rang zu sichern. Anf. 20. Jh. erhielt das Wort einen völlig neuen Sinn, zum erstenmal nachweisbar (<<ikonolog.>>) in A.Warburgs Untersuchungen der Fresken im Palazzo Schifanoia in Fenara (1912). Er verstand darunter eine kunstwissenschftl. Methode, die im Unterschied zur beschreibenden und klassifizierenden =>Ikonographie, aber auf dieser aufbauend, den sozialpsycholog. (soziokulturellen) Zusammenhängen aller Ebenen nachgeht, um den zeitgenöss. Gehalt und Lebenssinn zu rekonstruieren. Geteilt wurde dieses neuerl. Interesse an der thematisch-inhaltl. Seite der bild. Kunst auch von der <<Wiener Schule>>, wo die formale Kunstbetrachtung in der Wölfflinschen Konsequenz nie festen Fuß gefaßt hatte und schon A. Riegls Nachfolger A. Dvorák die Wendung zur sog.<<Kunstgeschichte als Geistesgeschichte>> vollzog. Warburg forderte noch vor dem Erscheinen von Wölfflins <<Kunstgeschichtlichen Grundbegriffen" (1915), also ehe die kunstwissenschaftl. Aufmerksamkeit für die Form ihren Höhepunkt erreicht hatte, eine allg. Kulturwissenschaft, der die Kunstwissenschaft verflochten werden solle: im Interesse einer <<hist. Psychologie des menschl. Ausdrucks>> (1912). Er hielt die Deutung ihrer Objekte nur auf dieser breiten Ebene für möglich. In den 20er Jahren wurde Warburgs umfangreiche Bibliothek in Hamburg (später Warburg-Inst.) bes. durch die Initiative von F. Saxl zu einem Treffpunkt von Gelehrten aus verschiedensten Bereichen (u. a. der Orientalist W. Prinz, der Philosoph E. Cassirer, der Kulturtheoretiker E. Wind, die Kunsthistoriker G. Bing, W. Waetzoldt, E. Panofsky) und zu einem Zentrum geistgeschichtl. Forschung. Unabhängig von diesem Kreis wendeten sich auch andere Kunsthistoriker der I. als Interpretatationswissenschaft im Unterschied zur deskriptiven Ikonographie zu (G. J. Hoogewerff 1928-31). Seit etwa 1930 (»Hercules am Scheideweg u. a. antike Bildstoffe in der neueren Kunst«) begann Panofsky seine systemat. Ausarbeitung der I. zu einer Interpretationsmethode. In der Abhandlung »Zum der Beschreibung und Inhaltsdeutung von Werken der bild. Kunst« (1932) ist ihr Dreistufenschema bereits erkennbar .... (aus dtv-Lexikon der Kunst, a.a.O., Stichwort »Ikonologie« S. 392).
Kämpfer:
Zone, in der Bogen oder Gewölbe ansetzen
Konche:
eine halbrunde Nische, überwölbt von einer Halbkuppel, auch die Apsis selbst
Kreuzkuppelkirche:
Der Bautyp der Kreuzkuppelkirche ist der Inbegriff der orthodoxen Kirchenbaukunst. Er stellt im byzantinischen Reich den Höhepunkt einer langen Entwicklung dar und wurde nach seiner Durchsetzung bis zum Ende des oströmischen Reichs 1453 und darüber hinaus in verschiedenen Ausformungen verwendet. Den Begriff der Kreuzkuppelkirche bezieht man im allgemeinen auf einen Kirchenbautyp mit einem im Grundriß kreuzförmigen Zentralbau über dessen Vierung sich die Zentralkuppel erhebt. Das Rund der Kuppel überschreibt das Vierungsquadrat oder ist in ihm eingeschrieben, so daß entweder die Ecken oder die Seitenmitten belastet werden. Sowohl die Architektur der byzantinischen Kirchen als auch die Freskenmalerei der Innenräume sind bis in alle Einzelheiten nach der sich in ihnen vollziehenden Liturgie ausgerichtet. Die Kreuzkuppelkirche ist eine Fortentwicklung Kreuzkuppelbasilika, einer Kombination des Bautyps der Basilika und der Zentralbaues im 5./6. Jh, und stellt ab dem 9. Jh. den hauptsächlichen gebauten Kirchentyp dar.
Im 4. Jh. entstanden nach der Einführung des Christentums als Staatsreligion zwei Grundarten von Kultbauten für kirchliche Zwe>
Vorherrschend in der frühchristlichen Periode Griechenlands war der Typ der Basilika mit Narthex (Vorhalle), der sog. ‘hellenistische Typ’. Kennzeichen dieser Kirchen ist die halbkreisförmige, meist vorspringende Apsis und die hochgezogene Holzabdachung des Mittelschiffs, die eine Betonung des Lichtgadens durch über den Seitenschiffen angebrachte Fenster und damit eine bessere Beleuchtung des Mittelschiffs ermöglichte (vgl. Agios Demetrios in Thessaloniki). Am häufigsten ist die einfache dreischiffige Basilika, aber auch die Basilika mit Querschiff kommt in Griechenland recht häufig vor (vgl. Melas, Evi: Alte Kirchen und Klöster Griechenlands, a.a.O., S. 37). Die Herkunft der Basilika ist auf römische Versammlungs- /Markthallen zurückzuführen. Die Basilika blieb bis ins 6. Jh. der bevorzugte Bautypus und wurde durch Hinzufügung von Querschiff und Kuppel zur Kuppelbasilika, der Vorläuferin der Kreuzkuppelkirche (vgl. dtv-Lexikon der Kunst, Neuausgabe München 1996, Band 1, S. 746).
Als weitere Grundform neben der Basilika bestand der zentrale Rundbau, der zunächst auf die ebenfalls antike Bauform der Rotunde zurückging. Die Entwicklung des antiken Rundbaus, der Rotunde, zur christlichen Kirche begann u.a. mit der Kirche Agios Georgios in Thessaloniki, die vom Mausoleum des Galerius Ende des 4. Jh. derart umgebaut wurde, daß ein völlig neuer Kirchenbautyp entstand, dessen Weiterentwicklung zu den Zentralkuppelbauten des 6. Jh. führte (Polemoi, a.a.O., S. 173/174). Der runde Innenraum findet in der, in die Höhe strebenden Kuppelhalle seine Vollendung, und beinhaltet damit eine architektonische Neuerung, die mit der Rotunde aus der Zeit des Galerius, deren Kennzeichen der abgeschlossene Raum ist, nichts mehr gemeinsam hat. Hagios Georgios ist Ende des 4. Jh. eines der ersten Baudenkmäler für jene Strömungen der frühbyzantinischen Architektur des 4.-6. Jh, in der die "hellenistischen Grundlagen" der byzantinischen Kunst bemerkbar wurden (Polemoi, a.a.O., S. 174). Der Zentralkuppelbau ist damit neben der Kuppelbasilika ein weiterer Vorläufer der Kreuzkuppelkirche (vgl. dtv-Lexikon der Kunst, Neuausgabe München 1996, Band 1, S. 746).
Im Gegensatz "zur Basilika mit ihrer auf der Horizontalen liegenden Längsachse wird der Zentralbau von der Vertikalachse (wie später in der westeuropäischen Gotik) derart beherrscht, daß sich alle Raumteile zu ihr (weniger symmetrisch als) gleichmäßig, besser gleichzeitig verhalten. In der Basilika bewegt sich der Besucher auf ein Ziel (die Apsis) hin und ‘verbraucht’ dabei Zeit, indem er die verschiedenen Raumteile hinter sich läßt. Im Zentralbau bleibt er unter der Kuppel stehen und mit ihm die Zeit. Sich bewegen kann er nur noch um diese Mitte mit den sie umkreisenden Umläufen. Diese Kreisbewegung aber ist schon keine Bewegung mehr in der Zeit als vielmehr außerhalb der Zeit, insofern sie, nach der Weltanschauung des Areopagiten, ähnlich wie die ‘Wohlordnung der himmlischen Wesen’, den Besucher ‘im Kreise Gottes und unmittelbar zu Gott aufgestellt’ sein läßt, wie denn im Kulturbewußtsein des spätantiken Menschen der Kreis mit der Kugel Zeichen war für das schlechthin Vollkommene, endgültig Abgeschlossene, Zeitlose, Unendliche. Nicht umsonst wurden deshalb Zentralbauten für Martyrien und Mausoleen bevorzugt, um die Vollendung des Entschlafenen zum Ausdruck zu bringen und den Besucher zur Meditation über diese Bedeutung aufzufordern. An solchen Orten - nicht anders als bei neuzeitlichen Mausoleen - blieb die Zeit stehen und öffnete sich für die Ewigkeit, die für das damalige Verständnis nur eine andere Gestalt der Zeit, gewissermaßen ihre ‘verklärte’, ‘zur Ruhe gekommene’ Selbstdarstellung bedeutete. Vollendetster architektonischer Ausdruck dieser ideellen Vorstellungen von vollendeter Zeit ist die Rotunde gewesen, weil in ihr Kreisform am konsequentesten, um nicht zu sagen: am unerbittlichsten durchgeführt worden ist " (vgl. Onasch, Konrad: Lichthöhle und Sternenhaus - Licht und Materie im spätantik-christlichen und frühbyzantinischen Sakralbau, Dresden/Basel 1993, S. 187 f).
Die Architekturform des Zentralkuppelbaus war mithin Ausdruck der "vertikalen Weltanschauung" des spätantiken Idealismus. Der innerste Kern dieser Anlagen, das zentrale Stützensystem, besaß dabei eine Eigendynamik, die ihn in gewisser Weise unabhängig von den ummantelten Umgängen machte und ihn zum Ausgangspunkt anderer, in die Zukunft weisender Typen des Zentralbaus werden ließ (vgl. Onasch, a.a.O., S. 194). In eindrucksvollster und klarster Weise wurde in den Anfängen der Neuentwicklung, erstmals das alte - der Bauform der Basilika wie auch des Zentralbaus innewohnende - architektonische Raumproblem zweier sich widersprechender Zwecksetzungen von Kirche und Mausoleum, in der Kirche des Heiligen Symeon Stylites (s. Anm. 2) in Antiochia (der Hauptstadt der Diözese Oriens) gelöst: Im Oktogon (vgl. zur byzantinischen Zahlenmystik Anhang 7) des Zentralbaus konnten die Pilgerscharen sich zur Andacht um die dorthin gebrachte Säule des Heiligen vereinigen, während in der geosteten Basilika, mit ihren drei Apsiden und flankierenden Prothesis- (Nebenraum orthodoxer Kirchen zur Vorbereitung der eucharistischen Gaben) und Diakonikonkammern (Sakristei der frühchristlichen und orthodoxen Kirchen, meist südlich der Bema gelegen), die heilige Liturgie gehalten werden konnte. "Nicht die römische Basilika, sondern der Reichtum des orientalischen, syro-palästinensischen Formenschatzes war in der Lage, die Frage der Synchronisierung von Andacht am Heiligengrab und liturgischer Feier, das heißt von Zentralbau und Basilika , zu lösen und gleichzeitig den Besuchermassen in der Kirche reichlich Platz zu bieten, indem sie, nicht zuletzt durch die mit Säulen voneinander abgegrenzten Schiffen der Basiliken, jener Ordnungsdisziplin unterworfen wurden, wie sie von den römischen Vorbildern her bekannt ist" (vgl. Onasch, a.a.O., S. 206).
Das Architekturgeschehen des 5. und 6. Jh. war von der Suche nach dem Neuen bestimmt. Von der einfachen Basilika und dem Rundbau gelangte die Architektur binnen weniger Jahrzehnte zu jenem komplizierten Bautyp, der in Konstruktion und Komposition beispiellos war, der Kuppelbasilika (vgl. Polemoi, a.a.O., S. 183). Bei diesen Kirchen neues Bautyps handelt es sich um Basiliken mit T-förmigen Transept, mit einer Kuppel in der Nähe der Apsis, im Schnittpunkt von Transept und Mittelschiff (vgl. Polemoi, a.a.O., S. 195). Aus Gründen mangelnder Beherrschung der statischen Probleme wurden die Kuppeln als zunächst als Holzkonstruktionen errichtet. Einer der ersten Versuche zum Bau einer Steinkuppel scheiterte gründlich, wie die Geschichte der Basilika B in Philippi zeigt, deren Kuppel kurz vor der Fertigstellung - ebenso wie die der Vorgängerkirche der Hagia Sophia in Konstantinopel einstürzte - im Gegensatz zu jener jedoch nicht mehr aufgebaut wurde. Die Lösung des statischen Problems der Kuppelbasilika wurde schließlich durch die Verwendung von riesigen außenseitigen Strebepfeilern bzw. in einem System von Halbkuppel und Bögen gefunden, die für die Ableitung der vom Gewicht der Kuppel ausgehenden Schubkräften zu sorgen hatten, wie dies insbesondere an der Hagia Sophia, oder der einzigen in Griechenland erhaltenen Kuppelbasilika, der Acheiropoietos-Basilika in Thessaloniki, deutlich wird (vgl. Polemoi, a.a.O., S. 199/200).
In der Architektur der nachjustinianischen Zeit fand ein erneuter Entwicklungsprozeß statt, der konsequent auf ein Ziel hingerichtet ist, das schließlich im 9. Jh erreicht wurde: die Kreuzkuppelkirche (vgl. Hutter, Irmgard, a.a.O., S. 89; Polemoi, a.a.O., S. 228). Diese Entwicklung ist vor allem aus dem Bedürfnis, die theologische Konzeption des Kirchengebäudes als eines Symbols der kosmischen Ordnung immer klarer zu entwickeln. Vorbereitet wurde diese Neuentwicklung durch die Kuppelbasilika des 5. Jh. Die Kirchen des 6.-8. Jh. überraschen durch ihre kubische schwere, und die Verschiebung der basilikalen Elemente in die Außenflucht der Kuppelpfeiler, wie dies bei der Hagia Sophia in Thessaloniki (717-741) in monumentalster Weise verwirklicht wurde (Hutter, a.a.O., S. 89).
Die Kuppel über dem Quadrat rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt, dem überkuppelten Raum werden die Seitenräume nunmehr untergeordnet, und bilden im Abschluß der Entwicklung nur mehr einen dreiseitigen, die Kuppelhalle im Norden, Osten und Süden, umschließenden Umgang (Polemoi, a.a.O., S. 230). Hierdurch wird die bereits seit dem orientalischen Altertum symbolische Bedeutung der Kuppel über dem Quadrat auch bautechnisch verwirklicht: die Verbindung von Himmelgewölbe und Erdengeviert, die Übereinstimmung von Priestertum und Königtum, die Vorstellung vom Kultraum als ‘Weltnabel’, die Einheit von überirdischem Licht und chtonischer Höhle. Mit dem architektonischen Baldachin (H. Sedlmayr: Das erste mittelalterliche Architektursystem; in: Sedlmayr: Epochen und Werke, Bd. 1, München 1959), der Altar, Grablege oder Herrscherthron überwölbte, vererbte sich sakrale und kosmische Symbolik. Das Kreuz im Grundriß verweist auf den Triumph Christi über den Tod und die Erlösung durch den christlichen Glauben. "Die durchfensterte Tambourkuppel erhöht nicht nur die Vierung, sondern sammelt das Licht und breitet es stufenweise von oben nach unten und vom Zentrum zur Peripherie aus. Diese Lösung bringt die neuplatonische Analogie zwischen Gott und Licht (Johannes-Evangelium, Kirchenväter, Dionysios Areopagita, Maximos Confessor) zur Geltung. Als herrschende Richtung erscheint die zentriert und dreiteilig gestaffelte Vertikale. Den zweiten Akzent setzt die Horizontale zwischen der Hauptapsis des Bemas (Bema ist der etwas erhöhte Altarbereich in orthodoxen Kirchen), dem Mittelschiff des Naos und dem Hauptportal. Kirchenlehrer sahen hier eine Andeutung der Trinität und der drei Ränge der Engel. Der Narthex als Eingangszone symbolisiert im Erdgeschoß die unverklärte, in Sünden liegende Welt (Anm.: er war zugleich Aufenthaltsort der ungetauften Katechumenen und aller anderen, von der Kommunion ausgeschlossen Anwesenden) ... Der Naos gilt als Abbild der erschaffenen, irdischen, das Bema der himmlischen Kirche, des Paradieses, wobei das Verhältnis beider das der menschlichen zur göttlichen Natur Christi widerspiegeln sollte. In Übereinstimmung mit der Raumsymbolik steht das Bildprogramm, die beide an der Göttlichen Liturgie der Orthodoxen Kirche orientiert sind und den irdischen als Abbild des himmlischen Gottesdienstes verstehen (dtv-Lexikon, a.a.O., Band 4, S. 65).
Die byzantinische Architektur bevorzugte in der Folgezeit vor allem den Kirchentyp der Kreuzkuppelkirche, die die Vorgängertypen der Basilika bzw. des Zentralbaus bzw. des Zentralkuppelbaus mehr und mehr verdrängte. Seit dem 6. Jh. entwickelte sich der Kirchenbau mehr und mehr in Richtung auf diesen neuen Kirchentyp, bis im 9. Jh. die Entwicklung der klassischen Kreuzkuppelkirche erreicht war. Bis zum Zusammenbruch des byzantinischen Reiches 1453 (1460) blieb die Kreuzkuppelkirche der vorherrschende Bautyp. "Diese unvergleichliche Beständigkeit verdankt die Kreuzkuppelkirche der Koinzidenz von Form und Idee: Die theologische Vorstellung der Kirche mit ihren vielfältigen Symbolbezügen findet im realen Kirchengebäude genaueste Entsprechung, jeder Raumteil hat seinen festen Platz in den theologischen Ideengebäude, daher kann keiner fehlen oder wesentlich sich ändern. Das gleiche gilt für die formale Raumstruktur" (Hutter, Irmgard: Frühchristliche Kunst - Byzantinische Kunst, Stuttgart 1968, S. 102; vgl. auch Polemoi, Wadim M.: Die Kunst Griechenlands - Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Dresden 1991, S. 203, Lexikon der Kunst S. 206).
Eine weitere besondere Entwicklung stellt die Achtstützenkirche dar, die ausschließlich in Griechenland in der Zeit vom 11. bis 13. Jh. vorkommt, obwohl sie ihren Ursprung wahrscheinlich in Konstantinopel hat. Es handelt sich um eine Kreuzkuppelkirche, bei der sich zwischen die vier Kreuztonnen in der Vierung vier Ecktrompen einschieben: so bildet sich, auf acht Pfeiler gestützt, ein Oktogon als Basis der Kuppel. Diese Konstruktion ermöglicht eine weiträumigere Kuppelwölbung, ohne daß die Einheit des Raumes von tragenden Säulen durchbrochen wird. Diese Bauform diente der Hauptkirche des Klosters Hosios Lukas und dem Kloster Dafni zum Vorbild.
Oktogonalkirche:
s. Achtstützenkirche
Pententif:
Pendentif (franz. pendre «hängen»), 1. im MA an einer Kette befestigtes Anhängsel (Edelstein, Amulett, Reliquiendose usw.), noch im 18. Jh. so bezeichnet. 2. in der franz. Terminologie Schlußstein mit bildl. Verzierung («ciefs en p.s»). 3. in der Architektur Hängezwickel, konstruktionsbedingter Bauteit in Form sphärischer Dreiecke, der beim Kuppelbau über polygonalem Grundriß von den überstehenden Ecken zum Fußkreis der Kuppel überleitet. Dabei ist das Pententif von 3 Viertelkreisbogen begrenzt. Eine andere Möglichkeit der Überleitung sind die *Trompen. Durch die Pententif-Lösung, die bes seit der vollen Ausbildung des byz. Kuppelbaus (z. B. Konstantinopel, Hagia Sophia; Venedig, S. Marco; Perigueux, St. Front) gebräuchlich ist, wurden nicht nur die Architekten, sondern auch die Wandmaler zu oft originellen kompositor. Lösungen gezwungen (vgl. z. B. die byz. Wandmalerei von Hosios Lukas).
Synthronos:
Klerusbank, meist in der Apsis; in älteren Kirchen mit einem Bischofs-Thronos in der Mitte.
Tonnengewölbe:
Tonnengewölbe, auch Topfgewölbe, ist ein Gewölbe von halbkreistörmigem Querschnitt, auch zur Ellipse, Parabel, zum Korbbogen oder Spitzbogen (Spitztonne) abgewandelt; vorwiegend über einem Rechteckraum und bei gleichhoher Kämpferlage gebräuchlich, auch über dem Rundraum vorkommend (Ringgewölbe); bei unterschiedl. Kämpferhöhe steigendes oder einhüftiges T. gen. T. erscheinen v. a. mit waagerechter Achse, sind bei Treppenaufgängen auch schräg oder spiralig (Spiralgewölbe) angeordnet. Bei parallel zum längsgerichteten Raum verlaufender Achse des Gewölbes handelt es sich um eine Längstonne, sind die Gewölbe im rechten Winkel zur Raumachse geordnet um Quertonnen (Tournus, St. Philibert). Hier werden die *Kämpfer durch quergestellte Schwibbogen unterfangen. Das T. überträgt seine Schubkraft gleichmäßig linear auf die Widerlagermauern. Neben der Kuppel und einfachen Kraggewölben gehört das T. zum ältesten Gewölbebau und war für Jh. oft einzige Gewölbeart, aus Ziegel, Haustein oder Holz geschaffen, verkleidet mit Kassettierung oder bemalt. Die gemauerte Tonne gibt es bereits in Babylon, Assyrien, Ägypten, nur bei geringen Spannweiten benutzt, da sie zunächst ohne Mörtel durch allmähl. Vorkragen der Steinschichten gebildet wurde (Falsches Gewölbe). Erst Mörtel und Gußmauerwerk ermöglichten eine techn. und künstler. Ausbildung des T.s; die reichl. Mörtelbettung faßte das T. zur einheitl. Mauermasse zusammen. Anfänge monumentaler T. liegen in der griech. und etrusk. Architektur; die röm. Architektur entwickelte die Tonnendeckung als beherrschendes Gestaltungsmittel für den großen Raum (halbzylindr. T., z. T mit Gurtverstärkung) im repräsentativen Bau.
Bis zur Ausbildung des röm. Kreuzgewölbes blieb das T. die in ihrer Konstruktion ins Großartige gesteigerte einzige Wölbtechnik: Großer Saal des Flavierpalastes auf dem Palatin mit dem wohl frühesten und bedeutendsten röm. T., die angrenzenden Räume dienten dem Widerlagersystem, Tempel der Venus und Roma auf mächtigen Widerlagemauern, Konstantinsbasilika mit 3 Tn nebeneinander.
Auch die späthellenist. und sasanid. Baukunst hat T. von bedeutenden Ausmaßen geschaffen: Großer Tempel Baalbek, in dem eine anzunehmende Halbkreistonne nur über innerer Säulenstellung möglich gewesen wäre; Palast in Ktesiphon mit dem größten antiken T. von parabol. Querschnitt. Das Motiv der tonnengewölbten Eingangshalle pers. Palastbauten ist später in die islam. Baukunst eingegangen und schmückt zahlreiche Moscheen.
Die Gewölbe der Konstantinsbasilika deuteten bereits das stat. Zerlegen der Tonne an: In die Gewölbeschalen von Gußmauerwerk sind schmale unsichtbare Backsteinbänder oder Bänder von gitterartiger Gestaltung eingefügt; die antike Kassettierung geht - obwohl dekorativ vom konstruktiven Gewölbegerüst aus. Die röm. Architektur kannte auch die zuerst stat., dann ästhet. zur Raumbelebung genutzte Bildung der aus der Wölbfläche vorspringenden sichtbaren Gurte (Tempel der Diana, Nimes; Amphitheater Lambese, N-Afrika).
Die röm. Bauten Galliens wurden vermutlich vorbildlich für die T. der Romanik, die sämtlich von schmalem und hohem Querschnitt sind und in den Ausmaßen weit unter dem der Antike liegen. Früheste Beispiele sind in der Aachener Pfalzkapelle und in Corvey, W-Werk. Fortgeschrittenere Beispiele im Kirchenbau vorwiegend des 11. Jh. zeigen in der Provence, im Poitou, in Aquitanien und Spanien das T halbkreisförmig oder schwach spitzbogig über dem einschiffigen Saal oder parallele Tonnen über Hauptschiff und Seitenschiffen oder auch Halbtonnen seitlich. Die basilikale Anlage mit tonnengewölbtem Hauptschiff entwickelte sich in Burgund (Vorkirche Sti Philibert in Tournus, 11. Jh., bald danach Quertonnen im L.nghaus das.; Nevers, St.-Etienne, beg. 1063).
Der got. Baukunst ist die Tonnendecke weithin wesensfremd (häufiger smd hölzerne, vielfach Spitz-T in niederländ. Kirchen des 15./16. Jh.: Delft, Nieuwe Kerk, 15./16. Jh.; Leiden, Pieterskerk, 15. Jh.); ferner erwähnenswert die hölzerne Spitztonne im Hansasaal des Rd hauses Köln (nach 1349).
In der Renaissance erhält das T. neue Bedeutung in Konstruktion und Ausstattung nach dem Vorbild der röm. Antike. Zahlreiche repräsentative Bauten der europäischen Renaissance und in der Folge des Barocks weisen über einem langgestreckten Raum das T. auf. Sein ästhet. Wert scheint gesteigert durch die harmon. Verbindung mit einer Kuppel od. zweier einander durchdringender T., z. B. von Langhaus und Querschiff, Raumwirkungen der ital. sakralen Architektur selt E. 15. Jh.
Trommel:
1. Säule; 2. seltene Bezeichnung für den Tambour einer Kuppel.
Trompe:
(franz. eigentlich «Jagdhorn»), auch Ecktrichter oder trompe conique genannt, eine doppelt gekrümmte nischenförmige Wölbung, die im Grundtyp einen auf 90° geöffneten halben Hohlzylinder oder Trichter darstellt, ausgeführt in Ziegel oder Haustein, entwickelt im röm. und islam. Gewölbebau. Sie dient
durch Überwölbung der Ecken eines quadrat. Unterbaues der Überleitung zum vieleckigen Raum bzw. Kuppelfuß, zur Hochführung achteckiger Vierungstürme oder achtseitiger Klostergewölbe. Vom Zwickel oder *Pendentif unterscheidet sich die Trompe wesentlich in Konstruktion und Anwendung, weniger in der statischen Wirkung. Die T. wirkt v. a. konstruktiv und gestalterisch; ihre Wölbung ist übereck gemauert, vorn senkrecht abschneidend, unten waagerecht und besteht entweder aus senkrechten, hintereinandergesetzten, konisch verjüngten Steinbögen (Stufentrompe) oder aus radialen in der Trichterspitze zusammenlaufenden Steinschichten (Kuff). Der hintere Eckstein weist auch Verzierungen auf, die Wölbfläche Malerei, Mosaik, Relief. Aus dem an der Stirnseite nmdbogigen Grundtyp ist abgewandelt: die Flachtrompe mit Stichbogen vorn (Mailand, S. Lorenzo), die steigende Flachtrompe, d. h. mit gesenkter hinterer Spitze, die steigende Flachtrompe, d.h. mit gesenkter hinterer Spitze, die steigende spitzbogige Stufentrompe auf spitz auslaufender Ecknische (Straßburger Münster), u. a. Beispiele für Ausarbeitung nur der vorderen Stirnbögen sind: Clermont-Ferrand (Rundbogen), Freiburg i. Br. (Stichbogen), Gelnhausen (Spitzbogen). Baldachinartige Bildungen (Baldachintrompe) mit 3 gleichhohen Spitzen (Ravenna, S Vitale) oder herabgezogener Ecke (Autun) führten zur Zwickeltrompe und bei tieferer Aushöhlung zur Halbkuppel (Worms). Diese kleinen, quasi Eckkuppeln, die auch auf Säulen vorkommen, haben im W-Turm des Mainzer Domes großartige Gestaltung erfahren. Weitere Tumformungen zeigen Muschel- und Stalaktitengewölbe oder auch Bildungen, die aus ebenen Dreiecksflächen, übereck gestellten Kragsteinen oder Steinplatten zum Vieleck überleiten.
Trivelon:
dreibogige Arkade auf zwei Säulen oder Stützen; durch das T. führt der Durchgang vom Narthex in den Naos (z.B. Agios Demetrios in Thessaloniki) oder Esonarthex zum Narthex (Athoskirchen z.B. in Philotheou); der Name stammt von den drei Vorhängen (trevela) zwischen den Säulen und entspricht spiegelbildlich den drei Vorhängen an den Türen der Ikonostasis. Dem Trivelon begegnet man fast nur in Griechenland. (vgl. Melas, S. 38)