Die Geschichte der Papierfabrik Ed. Mann & Co. in Ebertsheim bis 1975

 

(aus Gemeinde Ebertsheim: Festschrift 1250 Jahre Ebertsheim, 2015)

 

 

Die Papierfabrik entstand auf dem Gelände der früheren Dorfmühle oder Neuen Mühle in Ebertsheim, die im Osten des damaligen Dorfes gelegen war.

 

 

I.

 

Die Dorfmühle wurde erstmals 1745 als „neu erbaute weitere Mahlmühle bishero unter Wörth und Dorf gelegen“ genannt 1. Sie lag lag im Osten des damaligen Dorfes in der früheren Kellergasse, spätere Brunnengasse, heute Eduard Mann Straße. Der erste nachweisbare Besitzer war das St.-Guidonis-Stift in Speyer 2. Bereits in der Flurkarte von Ebertsheim 1735 war an dieser Stelle eine Mühle eingezeichnet 3, die durch den Neubau von 1745 ersetzt worden war.

 

 

1745 waren die Eheleute Johannes Weygand und Anna Dorothea NN. Erbbeständer der beiden Mühlen im Dorf, der Obermühle (in der heutigen Wassergasse) und der Dorfmühle. Sie erhielten vom St. Guido-Stift Speyer ein Darlehen über 2000 fl und bestellten dafür eine Hypothek an ihrem Grundbesitz in Ebertsheim, darunter an ihren beiden Mühlen in Ebertsheim, sowie an weiteren landwirtschaftlichen Grundstücken in Ebertsheim 4.

 

In der Darlehensurkunde sind die beiden Mühlen in Ebertsheim beschrieben:

a) eine Mahlmühl samt selben Gebau und Garten oben dem Dorf zwischen dem Pfarrgut gegen Wald und gegen Rhein ...gelegen [Anm. d. Verf.: es handelt sich nach der Lagebeschreibung um die Obermühle]

b) eine neu erbaute weitere Mahlmühle bishero unter Wörth und Dorf gelegen samt daran liegendem Garten nach der zeitlichen Be­forchung taxiert wie aus geworfen [Anm. d. Verf.: es handelt sich nach der Lagebeschreibung um die Dorfmühle].

 

 

Zwischen den Eheleuten Weygand und deren Sohn Valentin Weygand war es nach dem Neubau der Dorfmühle zu einer Übergabe der Dorfmühle und Teilung des Weygandischen Mühlenbesitzes in Ebertsheim gekommen. Wie sich aus einer späteren Urkunde der gräflich-leiningischen Kanzlei Grünstadt vom 17.9.1766 5 bezüglich einer, ursprünglich auf den beiden Mühlen lastenden Hypothek zugunsten des St. Guido-Stiftes Speyer ergibt, behielten die Eheleute Johannes Weigand bei der Teilung die Obermühle, während die Dorfmühle auf den Sohn Valentin Weygand übertragen worden war. In dieser Urkunde von 1766 heißt es u.a.: „Da das anfänglich von Johannes Weigand und deßen Ehefrau entliehene Capital ... unter denselben und seinem längst verstorbenen Sohn Valentin Weigand ... dergestalt verteilt worden, daß erster [Anm. d. Verf.: der erstgenannte ist Johannes Weygand] 1200 fl auf der einen Mühle [Anm. d. Verf.: die Obermühle] behal­ten, letzter aber [Anm. d. Verf.: Valentin Weygand] mit der ihm von dem Vatter abgetretenen Dorfmüle 800 fl übernommen ...“. 6

 

Dieser Sohn Valentin Weygand war bereits um 1756 verstorben. Seine Witwe Catharina Elisabetha Frankfurter (Tochter des Bäckermeisters und Kirchenältesten in Westhofen Johann Henrich Frankfurter) heiratete in 2. Ehe am 2. Advent 1756 7 in Ebertsheim den aus Albsheim stammenden Müller Johann Adam Bogen 8. Die Mühle wurde in den folgenden Jahren mehrfach veräußert. In der Urkunde vom 17.9.1766 9 ist die Reihenfolge der Müller aufgezählt: „... die bisherigen Besitzer der Valentin Weigandi­schen Müle Johann Adam Bogen, Georg Ziegler, und jetzigen Inhaber Frankfurter ...“.

 

In einem Aktenvermerk des gräflich-leiningischen Canzlei-Actuars J[ohannes ] Ilgen vom 16.12.1766 heißt: „.So ist mir auch be­fohlen worden, den dermaligen Inhaber der vormalig Valentin Weigandischen Müle, Georg Frankfurter zu Ebertsheim, wegen dessen auf seiner müle haftenden schuldig Capitals ... anzuklagen ..“ 10.

 

In einer am 27.1.1770 von dem gräflich-leiningischen Aktuar Johannes Ilgen gefertigten Aufstellung über die Forderung des St. Gui­do-Stiftes über die geleisteten Teilzahlungen wird für die Zeit vom 6.4.1756 bis 1757 eine Zahlung „für 1 Jahr“ in Höhe von 40 fl verbucht aus dem „auf der Valentin Waigandischen Mühle haftenden Capital ad 800 fl.“ 11. Unter dem 18ten May 1757 der gleichen Urkunde ist unter Nr. f) eine weitere Abzahlung in Höhe von 40 fl vermerkt: „Die von Johann Adam Bogen alß Besitzer der Valentin Waigandischen Mühle ... d: 18ten May 1757 abgezahlt 40 [fl].“ 12

 

Das Verfahren zur Beitreibung der Schulden zog sich immer länger hin, auch nachdem durch die gräflich Altleiningen-Westerburgische Kanzlei am 28.11.1767 dem für die Vollstreckung zuständigen Schultheiß und Gericht von Ebertsheim eine Strafe von 50 Reichstalern angedroht worden war 13.

 

Am 24. März 1772 14 verkaufte das St. Guido-Stift in Speyer die Dorfmühle in Ebertsheim an den Ebertsheimer Bürger Michael Gutekunst. In einer in Abschrift vom 22.11.1784 erhaltenen Urkunde 15 heißt es: „Das St. Guidons Stift in Speyer verkaufte eine Ihme Nov [die] Mühle zu Ebertsheim einem in der Altleiningisch Westerburger Grafschaft liegenden Dorf pro 1050 fl im Monat Märtz 1772 an den daselbstigen Bürger Michel Guten Kunst, hierauf wurden ... bezahlt dem 21. Märtz 1772 7oo fl, verblieben also im Rückstand 350 fl ...“.

 

Im ältesten Beedbuch von Ebertsheim ist Michael Gutekunst 1773 als Eigentümer von Äckern, Wiesen und „Eine[r] Mahlmühle im Dorf, samt Hofraith und Garten“ 16.

 

Im gleichen Beedbuch ist 1779 vermerkt: „Mathes Meier 1779 von Michel Gutekunst ersteigt (Anm.: neben weiteren umfangreichen Grundbesitz).... Eine Malmüle im Dorf samt Hofrait und Garten [,] nach Sonn die Eißbach, nach Pfrimm die alte Bach [,] nachm Wald Henrich Steinmetz [,] nach rhein Lehen-Gut“. Ferner ist vermerkt: „Nota. Von diesem Schatzungs Capital ad 100 fl gibt der Gulden wie die Obermüle ... 3X Schatzung mithin 5fl.“ Der Name „Mathes Meier“ ist in der Urkunde durchgestrichen und vermerkt: „modo Kriegsrath Verges“. Auch der letzte Name ist gestrichen und vermerkt: „Konrad Ebel“ 17

 

Am 1.2.1785 schreibt der Amtskeller des früheren Klosters St. Guido in Speyer an die fürstbischöflich-speyerische Kanzlei 18: „Zu unserer größten Verwunderung haben wir aus dem von Hofgerichts Rath Staub communicierten Kanzlei=protocular Auszug vom 2ten Xber vorigen Jahrs die bedrückliche Lage unseres Schuldners Michel Gutekunst und deßen Mühl Käufers Mathias Meyer zu Eberts­heim ersehen … Gleichwie wir nun in Erfahrung gebracht haben, daß der kurpfälzische Kriegs Commissarius Tit. Rath Verges zu Mannheim dem Mathias Meyer auf seine Mühle und Güter ein Capital von 1000 fl geliehen ... Euer hochlöblichen Kanzlei ist aber ex actis hinlänglich bekannt, daß unser Stift schon im Jahr 1779 gegen den Müller Michel Gutekunst wegen rückständigen Mühl Kauf Schilling geklaget habe, und selbigen laut der Anlage Sub Nro 1et 2 Terminus ad liquidandum anberaumt worden sei. Diese Liquidati­on kam auf besagte adjuncti Sub Nro 3 unterm 8t 9ber nemlichen Jahrs wirklich zu stande, und bliebe uns gedachten Gute­kunst wegen der an ihn im Jahr 1772 verkauften, aber nicht ganz bezahlten Mühle einen Kauf Schillings Rest von 285 fl 32 Xr schul­dig. Derselbe verkaufte aber bald darauf seine Mühle an Mathias Meyer, und versprach den darauß an uns noch rückhaftenden Kauf Schilling von den Meyerischen Kauf Geldern ... entrichten zu wollen, welchem Handel wir nur unter dem ... [Anm.: Bedingung], daß uns auf ge­melte Mühle wegen unserer Forderung ein vorzügliches Recht vorbehalten sein sollte, genehmigt, und auch eine hochlöbli­che Kanz­ley dem Stift sein habendes Pfand Recht in alle Weege unbeschränkt zu belaßen ... hat. Als aber dennoch keine Bezahlung erfolgte, habe man sich ... im Jahr 1782 zu weiterem Klag Führen genötigt ... und dem Beklagten nun abermalige Zahlungs Frist von 14 Tagen unter Betrohung der Mühl Versteigerung anberaumt und auf die von Herrn Hofrath Brand [Anm. d. Verf.: Ludwig Brand, gräf­lich-leiningisch-westenburg. Hofrat und Kanzleidirektor von 1775-1793 in Grünstadt; 19] gleich hernach ... weiterer Aufstand gestattet worden ist. Nachdem aber auch diese fruchtlos blieb, hat man von Seiten des Stifts an wohl gedachten Herrn Hofrath Brand unterm 6ten April 1782 und 1ten März 1783 wiederholt um Zahlungs Hilfe und Versteigerung des Unterpfands angerufen, ohne bishero darauf mit einer ... Antwort bedacht worden zu sein. Aus dieser actenmäßigen Geschichts Erzählung ist also ... klar erwießen, daß uns in Rücksicht des noch ... [bestehenden] Gutenkunstischen Kauf Schillings auf die befragliche Mühle ein vorzügliches Pfand Recht zu­stehe, und wir noch vor der an Tit: Hof: Verges ausgefertigten Hypotheque ... befriediget werden müßen, als Mathias Meyer nicht ... das volle Eigenthum dieser verkauften Mühle erlangen konnte, bis erst der darauf noch gehaftete Gutenkunstische Kauf Schillings Rest berichtiget wäre und unserem Stift diese Schuld Jure Separationis proherentialiter verabfolget werden muß.“

 

Der Streit um die Frage des Vorrangs der Kaufpreisrestforderung gegenüber der Hypothek zu Gunsten des Hofrats Verges zog sich weiter hin. Am 15ten gbris 1784 teilt die kurfürstliche Hohe Regierung in Mannheim mit, daß sie es für erforderlich halte, zur weiteren Sachaufklärung eine Kommission nach Grünstadt zu entsenden. Dieser Aktenvermerk gelangte aus unbekannten Gründen erst am 20 gbris 1789 zu den Akten des Hochstifts Speyer. Der weitere Verlauf der Angelegenheit ist den erhaltenen Akten nicht zu entnehmen, die Sache ging wohl in den Wirren der Revolutionskriege unter.

 

Am 6ten Vendemaire 9ten Jahrs [der französischen Republik = 28.9.1800) und am 15ten Nivose 9tes Jahr [= 5.1.1801] wendet sich der Müller Heinrich Weigand an die Präfektur des Departement Donnersberg und erinnert an die Beantwortung einer Petition“ vom 2ten Ergänzungstage Alten Jahrs der Republik“. Am 15ten Nivose 9ten Jahres (= 5.1.1806) schreibt er erneut: „Zufolge Ihres Befehls vom 3ten frimaire diesen Jahres (= 13.12.1798) gestatteten Sie mir 2 Decaden Zeit um meinen Bestandsbrief zu produzieren. Ich war wäh­rend dieser Zeit schon einige Male in Mannheim, wo dieser Bestandsbrief sich in den Händen der Famille Verges (Anm.: der kurpfäl­zische Rat in Mannheim Verges, 1785 dem damaligen Eigentümer 1000 fl geliehen, sich anschließend aus der hierfür erhaltenen Hy­pothek befriedigt und die Mühle an sich gezogen) befindet, konnte aber denselben, aller angewandten Mühe ungeachtet, bißher noch nicht antreffen.“ Dem Müller wurde antragsgemäß Fristverlängerung bewilligt. Am 9ten Germinal des Jahres 9 (=30.3.1806) teilt die Präfektur Mainz auf „la petition du Citoyen Weygand fermier temporaire du Moulin“ (= auf den Antrag des Bürgers Weygand, Tem­poralbeständer der Mühle) mit, daß die Pacht von 15 Malter Korn, die er unter dem alten Regime als Wasserfallzins gezahlt hat, nach republikanischen Recht abgeschafft ist. Zugleich wird darauf verwiesen, daß der Eigentümer „Mr de Verges Conseiller de l'Electeur Palatin nunmehr eine Jahrespacht von 15 Florin fordert 20.

 

Im Zuge der französischen Nationalgüterveräußerung wird die dem Herrn Verges aus Mannheim gehörende Mühle am 19. Pluviose X [= 8.2.1802] als „freigegebenes Emigrantengut“ durch Herrn Bauer aus Deidesheim erworben 21.

 

Die Mühle ist im Mühlenverzeichnis des kgl. Bayerischen Bezirksamts vom 15.12.1817 verzeichnet 22 und weist 2 unterschlächtige Wasserräder auf.

 

In der Besitzstands- und Steuer-Musterrolle der Gemeinde Ebertsheim 1842 ist der Müller Jakob Schiffer u.a. als Eigentümer einge­tragen „Im Dorf: die Dorfmühle genannt ... Dorfmühle: Wohnhaus mit Mahlmühle mit zwei Mahl- u. einem Schälgang, Scheuer mit zwei Ställen, Schweinestall ...“ 23.

 

II.

 

 

Unter Jakob Schiffer ging die Dorfmühle in der späteren Papierfabrik auf. Der aus Obrigheim stammende Müller und Bankier in Grünstadt [Schiffer'sche Bank, spätere Hypo-Bank] Jakob Schiffer erweiterte die Dorfmühle gem. einer Urkunde vom 19.4.1854 zu einer Knochenmahlmühle und Stärkefabrik. Mit dem aus Lautersheim stammenden, in Grünstadt ansässigen Kaufmann Philipp Leonhard Mann gründete Jacob Schiffer 1861 unter dem Firmennamen 'J. Schiffer' die Papierfabrik, die aus Teilen der alten Mühle bestand, verbunden mit einem Neubau. Diese Papiermühle trug dann den Firmennamen 'Schiffer und Mann'.

 

Nach dem Tod des Jacob Schiffer kam es am 13.10.1869 vor dem Notar Machwirth in Grünstadt zu einer Erbteilung und zur Auflö­sung der bestehenden ehelichen Gütergemeinschaft mit Barbara Metz 24. Hierin heißt es zu den Familienverhältnissen: „... auf Ansu­chen von 1) der obengenannten Frau Wittwe Schiffer, 2) Georg Schiffer, Rentner in Neustadt wohnhaft, handelnd in eigenem Namen, ferner als Bevollmächtigter von Maria Schiffer und Carl Schiffer, beide ohne Gewerbe, in Kleinenkarlbach wohnhaft, und emanci­pierte Minderjährige, ... und als Bevollmächtigter von Jacob Schiffer ... in Brklyn, im Staate New York .. wohnhaft ... und amtlich als Kurator der obengenannten ... Maria Schiffer und Carl Schiffer, 3) Carl Schiffer, Hammerschmied in Ebertsheim wohnhaft und 4) Heinrich Schiffer, Müller in Ziegelhausen bei Heidelberg.

 

Der Nachlaß bestand u.a. in Mühle, „wie sie der Erblasser erworben hat zufolge Akts des königlichen des königlich Notärs Wagner“ am 2.9.1842. „Diese Mühle war ursprünglich eine Mahlmühle und wurde nach und nach in eine Papiermühle umgewandelt, wobei aber ein Theil der neu aufgeführten Anbaulichkeiten auf errungenschaftlichem Grund und Boden gestellt worden ist, und weil eine Trennung der verschiedenen Fabrikgebäuden, welche ... zum Theil auf persönlichem Grund und Boden des Erblassers und zum Thei­le auf errungenschaftlichen Grund und Boden stehen nicht möglich, war so haben ... die Experten [Anm. d. Verf.: Jacob Thomann Bür­germeister und Wirth in Ebertsheim, Carl Scheffel, Zimmermann in Grünstadt und Conrad Hugler, Maurer in Eisenberg] die gan­ze Fabrik für untheilbar erklärt, worauf dieselbe dann abtheilungshalber versteigert wurde zufolge Protocolls ... des Notärs vom 30.9.1869, und es wurden daraus erlöst 39500 Gulden. .... durch Philipp Leonhard Mann, Kaufmann in Grünstadt ...“ 25.

 

 

Philipp Leonhard Mann, der die Papiermühle mit Steigbrief vom 30.9.1869 die die Papiermühle erworben hatte 26, führte den Betrieb nunmehr al­lein weiter 27. Philipp Leonhard Mann betrieb daneben sein Geschäftshaus am Schillerplatz in Grünstadt und war Landtagsabgeordneter im bayrischen Landtag in München. Er starb 1876 auf der Rückreise von einer Landtagssitzung.

 

Sein Sohn Eduard Mann arbeitete seit 1873 als 17jähriger in der Papierfabrik in Ebertsheim, bis er nach zwei Jahren 1875 ans Polytechnikum in Zü­rich ging, um sich zum Papiermacher ausbilden zu lassen. Währenddessen übernahm nach dem Tod des Vaters 1876 sein ältester Bru­der Heinrich Maria Mann die Leitung der Papierfabrik. Nach Abschluß der Ausbildung am Polytechnikum arbeitete Eduard Mann in einer Papierfabrik in Aschaffenburg, um Berufserfahrung zu sammeln. Dort erlitt er einen Unfall, als er sich in der Walzenpartei der Papiermaschine einen Finger quetschte und acht Wochen arbeitsunfähig war. Um nicht untätig zu bleiben, entschloß er sich zu einer Studienreise nach Nordamerika, in die damalige „Welthauptstadt der Papierindustrie“ in Holyoke / Massachusetts, aus der unerwartet ein mehrjähriger Aufenthalt wurde. Dieser brachte ihm gründliche Fachkenntnis­se und die Bekanntschaft mit seiner künftigen Frau, deren Vater August Stursberg in Holyoke eine Tuchfabrik besaß.

 

1880 kehrte Eduard Mann nach Deutschland zurück, und übernahm die Leitung der Papierfabrik als Geschäftsführer, während sein Bruder Heinrich Maria *Mann das väterliche Geschäft in Grünstadt weiterführte. Eduard Mann fand schließlich die Möglichkeit seine Mutter und Geschwister auszuzahlen, nachdem ihm sein Schwiegervater August Stursberg ein - hochverzinsliches Darlehen - gewährt hatte, und zugleich zum stillen Teilhaber der Papierfabrik wurde. Die Firma lautete deshalb ab 30.4.1887: 'Ed. Mann & Co.

 

Eduard Mann baute den Betrieb um und brachte diesen auf modernen technischen Standard. 1888 wurde eine neue Papiermaschine mit einer Arbeitsbreite 1,60 m (Hersteller Gebr. Hemmer, Neidenfels) aufgestellt und die Jahresproduktion von 200 Tonnen/Jahr (1862) auf 450 Tonnen (1888) gesteigert. Durch weitere technische Investitionen konnte die Produktion bis 1900 auf 1750 Tonnen und bis 1914 auf 2800 Tonnen weiter erhöht werden. Durch den 1. Weltkrieg und der anschließenden schlechten wirtschaftlichen Lage in Deutschland gingen die Geschäfte stark zurück. Infolge des passiven Widerstands der Pfalz gegen die französische Herrschaft 1923 mußte die Firma wegen Ausfalls der Eisenbahntransporte für neuen Monate stillgelegt werden 28. Eduard Mann wurde wegen seiner führenden Tätigkeit im Widerstand anschließend mit dem Titel Kommerzienrat ausgezeichnet. Eduard Mann starb 1927.

 

Die Nachfolge übernahm sein Schwiegersohn Hauptmann a.D. Wilhelm Ziegler. Er konnte während der Weltwirtschaftskrise 1929 das Überleben der Papierfabrik sicher stellen, u.a. die Verkauf von Obstkistenpapier in die Oase Siwa/Libyen. Wilhelm Ziegler, im Dorf Ebertsheim bis zu seinem Tod als „Herr Hauptmann“ angesprochen, hatte die Geschäftsführung bis 1959 inne. Unter seiner Leitung erfolgte Erweiterung der Produktion durch Einbau der noch heute vorhandenen Langsiebmaschine (Erbauer Fa. Voith, Heidenheim) mit einer Arbeitsbreite von 2,30 m.

 

Nachfolger von Wilhelm Ziegler wurden 1959 Werner Ref, mit einer Mann'schen Enkelin verheiratet und Cornelie Ziegler, ebenfalls eine Enkelin von Eduard Mann, die beide bereits seit 1948 in der Papierfabrik gearbeitet hatten. Unter deren Ägide wurde u.a. das neue Kesselhaus gebaut und die Turbine erneuert, sowie die moderne Trockenhaube auf der Papiermaschine errichtet. Die Tagesproduktion wurde auf 60 Tonnen/Tag erhöht. Außerdem wurde der neue Papiersaal gebaut. 1975 erfolgte der Verkauf an den österreichischen Investor Handler.

 

 

 

1 LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I, fol. 2-6.

2 Vgl. Vgl. LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I, fol. 1ff., Best. D2 Nr. 720 II, fol. 772.; vgl. Wahl: Ebertsheim, a.a.O., S. 113.

3 Vgl. LA Speyer W1/371, 3-5.

4 Vgl. LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I, fol. 2-6.

5 Vgl. LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I fol. 53.

6 Vgl. LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I, fol.54/54r.

7 Vgl. luth KB Ebertsheim, Copulationseintrag vom 2. Advent 1756.

8 Vgl. dazu LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I fol. 45: „Vormalig Valentin Weigandische Wittib und nunmehrige Johann Adam Bogische Ehefrau“.

9 Vgl. LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I fol. 56r.

10 Vgl. LA Speyer Best.D2 Nr. 720 I fol. 59.

11 LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I fol. 10.

12 LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I fol. 10.

13 Vgl. LA Speyer Best. D2 Nr. 720 I, fol. 89.

14 zum Datum Vgl. LA Speyer Best. D2 Nr. 720 II, fol. 773.

15 LA Speyer Best. D2 II, Bl. 855-857.

16 LA Speyer Best. L35 Nr. 5 Beedbuch Ebertsheim I 1773-1806, S. 333.

17 LA Speyer Best. L35 Nr. 5 Beedbuch Ebertsheim 1773-1806, S. 440.

18 LA Speyer Best. D2 II fol. 854 ff..

19 Vgl. Fries: Zeitenwende, a.a.O., S. 37; bei Kell: Fürstentum Leiningen, a.a.O., S. 373 Anm. 528 als Karl Brand angegeben.

20 Vgl. LA Speyer Best. G7 fasc. 183.

21 Vgl. Werner: Die Nationalgüter im Department Donnersberg, a.a.O., Beilage 2, S. 18, der die Mühle allerdings als „Altmühle“ aufführt.

22 Vgl. LA Speyer Best C33 Nr. 173; vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S.271.

23 LA Speyer Best. U35 Nr. 6 Besitzstands- und Steuer-Musterrolle der Gemeinde Ebertsheim 1842, fol. 214.

24 Vgl. LA Speyer Best. K16 Nr. 9634 vom 13.10.1869.

25 LA Speyer Best. K16 Nr. 9634 vom 13.10.1869.

26 Vgl. Steigbrief abgedruckt bei: Wahl: Ebertsheim, a.a.O., S. 234.

27 Vgl. Wahl: Eberts­heim, a.a.O., S. 113, 225.

28 Vgl. Weber: Geschichte der pfälzischen Mühlen besonderer Art, a.a.O., S. 33.