Anhang 13: Lexikon der wichtigsten liturgischen und theologischen Begriffe
(Die griechischen und slawischen Begriffe werden in lateinischer Umschrift dargeboten wobei für h (ita) i und für w (griechisch) (omegha) oo gesetzt wird. Für die Aussprache ist zu beachten, daß im Griechischen auch ei, oi und y als i ausgesprochen werden. e und ai werden völlig gleich als e gesprochen werden. Zwischen o und oo gibt es in der Aussprache keinen Unterschied; au und eu werden aIs aw, ew oder af, ef gesprochen.)
Absolutionsgebete:
Nicht nur in der Beichte dem Büßenden, sondern auch bei der Krankensalbung sowie beim Begräbnis dem Toten spendet der Priester aufgrund seiner Vollmacht, zu binden und zu lösen (Mt 18 18; Joh 20,22), die Vergebung der bewußt und unbewußt begangenen Sünden. Er tut dies in Gebetsform, indem er entweder anstelle des Sünders Gott um die Vergebung und die Gabe des Heiligen Geistes bittet, oder auch in der Form eines Segens, indem er dem Sünder im Optativ Gottes Vergebung zuspricht, nicht (wie im römisch-katholischen Bereich) in der Ichform mit Indikativ. Diese andere Form hängt damit zusammen, daß auch hier im Grunde eine Epiklese (s. daselbst) vollzogen wird. (Vgl. dazu Heitz, Christus in euch, a. a. 0., S. 112-114.
Ainoi:
s. Laudes
Akathistos-Hymnus:
ein Hymnos an die jungfräuliche gottesmutter, in dem der Gruß des Engels (Lk 1, 28) aufgenommen und meditiert, sowie die Gottesgebärerin als Beschützerin der Stadt (Konstantinopel) gepriesen wird. Der Name des Hymnus kommt daher, daß er „nicht-sitzend“ (akathistos), also stehend, angehört wird. Der Hymnus wird am Samstag der fünften Fastenwoche (Akathistos-Samstag) vorgetragen, bei den Griechen außerdem jeweils ein Viertel im Apodipnon (d.h. Komplet) an den Freitagen der ersten vier Fastenwochen (s. auch Theotokos) (s. auch Glossar(.
Acht-Wochen-Zyklus:
Jeder Sonntag (Herrentag) des Kirchenjahrs ist eine Vergegenwärtigung der Auferstehung Christi, so daß gemäß den acht Kirchentönen im Zaklsu von acht Wochen die Texte, die im Oktoich (Acht-Töne-Buch) festgehalten sind, wiederholt werden.
Akoluthia:
Lat. officium = Dienst als die Abfolge der einzelnen gottesdienstlichen Stücke, die zusammen die Ganzheit eines Gottesdienstes darstellen. Man kann in diesem Zusammenhang auch von Gottesdienstformularen oder Agenden sprechen.
Alleluja (gr. alliloúia):
Ein aus dem Hebräischen kommender Aufruf zum Lob Gottes, besonders in den Psalmen (vgl. die Gruppen Ps 113 (114) - 118 (119); 135 (136); 144 (145) - 150). Im Orthodoxen Gottesdienst wird der Gebetsruf ‘Alleluja’ zum Hinweis auf die Trinität überwiegend triadisch gebraucht. Nach Psalmen-Kathismen folgt z. B. ‘Alleluja; alleluja, alleluja. Ehre Dir, o Gott!’ (dreimal).
Bei Gedächtnissen von Entschlafenen und bei Begräbnissen wird das sog. ‘Alleluja für die Entschlafenen’ gesungen, dessen Herzstück Ps 118 (119) bildet und das von ‘Alleluja’-Rufen begleitet ist. Der ‘Alleluja’-Ruf ist aber auch besonders mit der Fastenzeit, speziell mit den Großen Fasten, verbunden. In dieser Zeit singt man an den Wochentagen anstelle des ‘Feierlichen Tropars’ im Orthros das ‘Alleluja’, d. h. eine Reihe von Stichen, die im Wechsel mit dreimaligem ‘Alleluja’ vorgetragen werden. Man beachte zur Aussprache: Im orthodoxen Raum wird auch auf deutsch ‘Alliluia’ gesungen und gesprochen.
Ambo (gr. amboon):
erhöhter Platz im Mittelschiff, von wo aus Lesungen und manchmal auch bestimmte Psalmverse und Troparien vorgetragen werden; auch Platz des Diakons.
Amen (gr. amín):
Bereits in den Psalmen (vgl. Ps 71 (72), 19) wird dieses dem Hebräischen entstammende Wort zur einstimmenden Bestätigung und Ratifizierung des Gesagten gebraucht, etwa im Sinne von: "Ja, so ist es und sei es!" Im orthodoxen Gottesdienst gehört das Amen des anwesenden Volkes nach Gebeten (Priestergebeten), Segnungen, Epiklese und Sakramentsempfang konstitutiv zur Gebetshandlung dazu. Es soll daher, wo immer möglich, von allen an einer Gebetshandlung Beteiligten gesungen oder gesprochen werden, nicht nur vom Chor oder Lektor. Beim Sakramentsempfang spricht das Amen der Empfänger oder (bei Kindern) dessen Vertreter. Man beachte zur Aussprache: Es wird im orthodoxen Raum immer ‘Amín’ (mit Betonung auf der letzten Silbe) gesprochen und gesungen.
Amomos (gr. ámoomos):
Bezeichnung von Ps 118 (119) nach seinem Anfang in der griechischen Bibel (Septuaginta): "Untadelig . . " ("Selig, die untadelig auf ihrem Weg . . ").
Anagogie:
"Hinaufführung". Es geht hierbei um eine geistliche Schriftauslegung (Allegorese) mit der besonderen Ausrichtung, die Seele des zu Unterrichtenden von der irdischen Welt "hinauf" in die himmlische Welt zu führen. Anagogie ist also "Psychogogie" (Seelenführung) (vgl. Hausammann, a.a.O., S. 232).
Anaginoskomena:
Im 39. Festbrief von 367 unterscheidet Athanasius von Alexandreien drei Kategorien von Büchern der Heiligen Schrift: kanonizomena (= kanonische), anaginoskomena (= zur Erbauung gelesene) und apokryphe (= im Verborgenen überlieferte). Die "Anaginoskomena" sind also Schriften, die zwar nicht zum hebräischen Kanon der Hl. Schrift gehören, aber z.T. schon vom Neuen Testament und den Apostolischen Vätern zitiert und von den Vätern zur Lektüre empfohlen wurden. Sie sind Teil des älteren, alexandrinischen Kanons der Septuaginta, die von Anfang an der offizielle alttestamentliche Text der hauptsächlich griechischsprechenden Urkirche war. In verschiedenen östlichen und westlichen Lokalkonzilien wurden sie mehr oder weniger vollzählig den kanonischen Schriften gleichgestellt. Für den Osten geschah dies abschließend im Trulanum II (692). In der lateinischen Kirche werden sie seit Sixtus von Siena (1520-1569) als "deuteronomistisch" bezeichnet. Inhaltlich entsprechen sie etwa den sog. Apokryphen der Lutherbibel (aus Hausammann, a.a.O., S. 232).
Anamnese:
Gedächtnis im Sinne der Gegenwärtigsetzung (Repräsentation) des ganzen Heilsgeschehens im Heiligen Geist durch die kultische Feier. So wie im Judentum durch die Passahfeier die Errettung Israels aus Ägypten vergegenwärtigt wird, so wird in der orthodoxen Liturgie (Eucharistiefeier) Christi Selbsthingabe für uns, Sein Tod, Seine Auferstehung, Seine Himmelfahrt, Sein Sitzen zur Rechten Gottes vergegenwärtigt. Es handelt sich also weder um ein subjektives "Denken an ..." noch um eine "unblutige Wiederholung des Opfers Christi".
Anatolika Stichira (gr. anatolikón stichirón):
Es handelt sich um eine Reihe sonntäglicher poetischer Troparien zu den Luzernariums- und Lobpsalmen, die vermutlich syro-palästinensischen Ursprungs und vor dem 7. Jh. entstanden sind. Der Begriff besagt, daß sie etwas mit dem Aufgang der Sonne (Christi Auferstehung, Christus als Sonne der Gerechtigkeit) zu tun haben. Sie werden als Stichira zwischen die letzten Psalmverse eingeschoben, an Festen jedoch durch Eigentexte verdrängt.
Anastasima Stichira (gr.anastásimon stichirón):
Den Stichira Anatolika (s. oben) werden an den Sonntagen zu den Luzernariumspsalmen 3 und zu den Laudespsalmen 4 Stichira Anastasima (Auferstehungstroparien) vorangestellt, die auch an Festen nicht durch Eigentexte verdrängt werden. Sie sind wohl sehr verschiedener Herkunft.
Anastasima Troparia (gr. anastásimon tropárion):
Allgemeine Bedeutung: Auferstehungstropare, d.h. poetische Gesänge, in denen die Auferstehung Christi besungen wird. Wir bezeichnen aber im besonderen zwei Tropare mit diesem Begriff, die an den Sonntagen des Kirchenjahres abwechslungsweise nach der Großen Doxologie gesungen werden: "Heute wird der Welt Heil" und "Auferstanden aus dem Grabe".
Anavathmi (gr. anavathmoí):
Stufengesänge, d.h. poetische Gesänge zu den Stufenpsalmen in Form von drei Antiphonen zu je drei kurzen Troparen.
Antiphon (antíphoonon):
Einrahmung von Psalmen oder Psalmversen, die entweder durch Wiederholung eines Psalmverses im Wechselgesang geschieht oder durch kurze poetische Zwischentexte. Dabei wird nicht nur der Refrain oder wiederholte Zwischentext selbst als Antiphon bezeichnet, sondern bisweilen das ganze Stück, das durch diese Antiphone bestimmt ist. So spricht man am Anfang der Liturgie von ‘drei Antiphonen’, die auf die Ektenie folgen. Im Orthros haben die Stufengesänge (s. Anavathmi) die Form von Antiphonen, ebenso befinden sich drei Antiphone iwS z.B. am Anfang der Liturgie.
Apodipnon (gr. apódeipnon):
das Nachtgebet nach dem Abendessen, an das anschließend Nachtruhe gehalten wird, also das Gebet, das man im lateinischen Stundengebet ‘Komplet’ nennt. Man unterscheidet zwischen dem sog. ‘Kleinen Apodipnon’, das in klösterlichen Gemeinschaften täglich gehalten wird, und dem ‘Großen Apodipnon’, welches mancherorts in Klöstern und Gemeinden in der Nacht auf die Christi Geburt, auf Theophanien und an bestimmten Tagen der Großen Fasten gehalten wird.
Apolytikion (gr. apolytíkion tropárion)
bezeichnet allgemein ein Entlassungstropar, das am Ende eines Gotresdienstes gesungen wird. Speziell beziehen wir diesen Begriff auf das Entlassungstroparion, das am Ende des Orthros wie am Ende der Vesper gesungen wird (am Sonntag ‘Sonntagstroparion’ in einem der acht Töne).
Aposticha (gr. apósticha tropária)
Troparien, die am Ende eines Gottesdienstes in der Weise der Stichiren biblische Verse einrahmen. In der Vesper stehen die Aposticha an Sonn- und Festtagen am Ende der Litia wochentags oder an Sonntagen, an denen keine Litia stattfindet, nach dem Hauptbeugungsgebet, immer gefolgt vom Lobgesang des Symeon. Das Apostichon vor dem ersten Psalmvers (Apostichon Anastasimon an Sonntagen) ist oft ein Text von besonderem Gewicht, wurde früher gerne als Refrain benutzt und auch heute wiederholt, wenn zuwenig Aposticha vorhanden sind. Die anderen Aposticha bilden an den Sonntagen der acht Töne ein Alphabetisches Akrostichon.
Artoklasia (gr. artoklásia):
Brotbrechung im Sinne von Brotsegnung. Mit dem Begriff wird auf Psalm 4,8 angespielt ("Du erfreust mein Herz, ob jene auch viel Wein und Korn haben"). Das gesegnete Brot (in Klöstern auch der Wein) wird am Ende der Vesper oder (in Gemeinden) zu Ps 50 als Stärkung für die Vigil an die Gläubigen verteilt und im Narthex genossen. In manchen Klöstern wurde früher oder wird noch das Brot in das geweihte Öl getunkt und so gegessen. Der Begriff bezeichnet auch die Segnung von Brot, Weizenkörnern, Wein und wird anläßlich einer Vigil nach der Litia vom Zelebranten im Kirchenschiff vollzogen.
Auferstehungshymnus:
Wir bezeichnen damit den hymnischen Gesang, der im Orthros an Sonntagen und in der Osterzeit nach der Verlesung des Morgenevangeliums vorgetragen, bei den Russen gesungen, wird. Er wird mancherorts auch nach der Liturgie vom Lektor laut gebetet:
‘Die Auferstehung Christi haben wir geschaut,
so lasset uns anbeten den heiligen Herrn Jesus,
der allein ohne Sünde ist.
Vor Deinem Kreuze fallen wir nieder, o Christus,
und Deine heilige Auferstehung besingen
und verherrlichen wir.
Denn Du bist unser Gott,
außer Dir kennen wir keinen anderen.
Deinen Namen rufen wir an.
Kommt, all ihr Gläubigen,
lasset uns anbeten die heilige Auferstehung Christi.
Denn siehe, durch das Kreuz
ist Freude gekommen in die Welt.
Allezeit lobsingen wir dem Herrn
und preisen Seine Auferstehung.
Er hat die Kreuzigung erlitten
und den Tod durch den Tod zertreten’.
Biblische Oden (gr. oodai):
lat. ‘Cantica’. Mit diesem Begriff werden neun poetische Gesänge des Alten Testaments, der alttestamentlichen Apokryphen und des Neuen Testaments bezeichnet, die ursprünglich im Orthros rezitiert wurden. Heute werden außer dem Magnifikat nur noch die poetischen Zwischentexte zu diesen Biblischen Oden (auch Oden genannt) gesungen, mit Ausnahme der Großen Fasten (Triodion), wo an den Wochentagen drei davon (am Samstag vier) zum Vortrag kommen. Dabei gilt folgende Ordnung:
am Montag: die erste, achte und neunte Ode
am Dienstag: die zweite, achte und neunte Ode
am Mittwoch: die dritte, achte und neunte Ode
am Donnerstag: die vierte, achte und neunte Ode
am Freitag: die fünfte, achte und neunte Ode
am Samstag: die sechste, siebte, achte und neunte Ode
Bitt-Ektenie:
eines der drei großen, in Vesper (Hesperinos), Orthros (Morgendienst) und Liturgie wiederkehrenden Gebeten, das mit den Worten beginnt: "Lasset das (Abend-/Morgen-)Gebet zum Herrn uns vollenden". Es handelt sich um ein Gebet in Form einer Litanei, dessen Gebetsanliegen vom Diakon (oder zelebrierenden Priester) vorgetragen und in seinem Mittelteil vom anwesenden Volk durch die Worte, “Gewähre, o Herr!“ als die seinen aufgenommen und erfleht werden. Der Begriff ‘Ektenie’ weist auf die Inständigkeit dieses Gebetes hin. Für den liturgischen Vollzug ist wichtig, daß nicht nur der Chor, sondern das ganze Volk in das “Gewähre, o Herr!“ einstimmt. Vgl. Heitz, a.a.O. Mysterium I, S. 40 f.
Cantica: s. Biblische Oden
Cherubikon oder Cherubim-Hymnus:
Der Cherubimhymnus (Cheruvikon) ist einer der ältesten Hymnen der Kirche und wurde z.Zt. des Kaisers Justinian (573/574 in die Liturgie eingeführt, wo er zur Vorbereitung des *Großen Einzugs dient. Der Hymnus stammt jedoch zweifellos aus einer noch älteren Zeit. Er unterstreicht nicht nur den Bildcharakter der Liturgie, die eine Wiederspiegelung der himmlischen Liturgie darstellt, sondern er weist auch auf die Verbindung der himmlischen und irdischen Welt hin, wenn es heißt:
"Im Mysterium bilden wir die Cherubim ab und singen der lebensschaffenden Dreiheit den Hymnus des dreifachen Heilig. Lasset uns jetzt ablegen alle Sorgen dieser Welt, um zu empfangen den König des Alls, den unsichtbar erheben die Heerscharen der Engek. Alleluja, alleluja, alleluja (aus: Heitz, Mysterium I, a.a.O., S. 361; vgl. auch Kallis, a.a.O., S. 96)
Der Cherubim-Hymnus wird seit je her sehr langsam und melismatisch gesungen. Das Cheruvikon, dessen Verfasser unbekannt geblieben ist, erhielt seinen Namen aus seinen ersten Worten: "Oi ta Cherubim mystikos eikonisontes". Er umrahmt den Großen Einzug der Liturgie, wobei er unterbrochen wird, wenn die noch nicht konsekrierten Gaben durch die linke Tür der Ikonostase und das Hauptschiff des Gotteshauses zum Altar getragen werden (aus: Nikolakopoulos, Konstantin: Hymnologisch-musikalische Terminologie der Orthodoxie: Ein Lexikon; in Orthodoxes Forum 1995, S. 216).
Das griechische Verb "eikonizein" besagt hier: Wir, die wir hier einziehen, bilden ikonenhaft ab, was sich unsichtbar neben, vor und mit uns ereignet. So wie wir hier einziehen, ziehen mit uns die Cherubim ein in das Heiligtum. Es wird deutlich, was hier geschieht: Der Himmel bricht auf über der feiernden Gemeinde und himmlische und irdische Liturgie vereinen sich mit dem gemeinsamen Einzug von Engeln und Menschen durch die Gemeinde und hinein in den Altarraum (aus: Nothhaas, Johannes, Priester: Das Amt des Diakons in der Orthodoxen Kirche; in: Orthodoxie in der Gegenwart, Heft 1/96, S. 9f).
Der Cherubimhymnus hat einen beeindruckenden Vertonungsreichtum, der alle Kirchentöne und Rhythmen der byzantinischen Musik abdeckt. Neben diesem Hymnus, der bei fast allen Liturgien des Kirchenjahrs gesungen wird, existieren noch drei weitere Hymnen, die denselben Namen führen, weil sie an seiner Stelle zu singen sind. Diese Ausnahmen betreffen die Liturgie der Vorgeweihten Gaben und die Göttliche Liturgie am Gründonnerstag und Karsamstag (aus: Nikolakopoulos, Konstantin: Hymnologisch-musikalische Terminologie der Orthodoxie: Ein Lexikon; in Orthodoxes Forum 1995, S. 216).
Diptychen:
Doppelreihige Tafeln mit den Namen der lebenden und verstorbenen Gläubigen, derer in der Liturgie gedacht werden soll.
Dogmatikon Theotokion (gr. dogmatikón):
In der Kleinen und Großen Vesper vor Sonn- und Festtagen werden am Schluß der Stichira zu den Luzernariumspsalmen die Mysterien der Fleischwerdung des Wortes Gottes in der Gottesgebärerin dogmatisch präzis, aber in poetischer Form zusammengefaßt.
Doxastikon (gr. doxastikón):
Es handelt sich um ein Troparion, das die Mysterien der Trinität besingt und dem meistens der Stichos “Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste“ vorangeht. Vgl. Heitz, a.a.O. Mysterium I, S. 32.
Doxologie (gr. doxología):
Allgemein: ’Lobpreis der Trinität in Ekphonesen am Ende von Gebeten oder Segensformeln. Besonders: “Große Doxologie“ = Hymnus am Ende des Orthros nach den Lobpsalmen an Sonn-und Festtagen. “Kleine Doxologie“ = Hymnus an derselben Stelle an Wochentagen und ferner täglich im Kleinen oder Großen Apodipnon.
Dringende Ektenie:
Dieser aus dem Gemeindegebrauch übernommene Begriff ist im Grunde eine Tautologie, da bereits der Terminus ‘Ektenie’ ein inständiges Gebet bezeichnet. Es handelt sich um eine in den verschiedensten Diensten wiederkehrende (oft auch abgekürzte) Litanei, die vor allem Bitten für die christliche Gemeinschaft und ihre lebenden und verstorbenen Glieder enthält. In der ungekürzten Fassung beginnt sie mit den Worten: “Wieder und wieder lasset zum Herrn uns beten! Herr erbarme Dich unser” (“Eti kai eti en eirini tou Kuriou denqvmen! Kurie eleison”). Die Bitten werden vom Priester oder Diakon vorgetragen und in ihrem Mittelteil von der Gemeinde durch dreimaliges ‘Kyrie Eleison’ bestätigt.
Ekphonese (gr. ekphoónisis):
Trinitarischer Gebetsschluß, der vom Zelebranten laut gesungen wird, wenn nicht besondere Umstände (z.B. Vortrag des Chors) ihn daran hindern:
“Denn Du bist unser Gott
und Dir senden wir Lobpreis empor,
dem Vater und dem Sohne
und dem Heiligen Geiste,
jetzt und immerdar
und in die Äonen der Äonen.
Amin.”
Ektenie (gr. ekteni)
Es handelt sich um inständiges Gebet in Form einer Litanei, wobei die Gebetsanliegen vom Diakon oder Priester vorgetragen und vom Volk durch Respondieren (meist mit “Kyrie eleison“ = Herr erbarme Dich“ aufgenommen und verstärkt werden. Die ‘Kleine Ektenie’ oder ‘Kleine Synaptie’ ist eine Kurzform der Ektenie ohne deren Mittelteil mit den konkreten Gebetsanliegen:
P: “Wieder und wieder in Frieden
lasset uns beten zum Herrn:
V: Kyrie eleison.
P: Stehe bei und errette, erbarme Dich
und bewahre uns,o Gott, in Deiner Gnade:
V: Kyrie eleison.
P: Unserer allheiligen, allreinen, über
alles gesegneten und ruhmreichen Herrin,
der Gottesgebärerin und steten Jungfrau Maria
mit allen Heiligen eingedenk,
lasset uns einander und uns selbst
und unser ganzen Leben
Christus Gott befehlen:
V: Dir, o Herr.”
Am Ende jeder Ektenie steht die Selbsthingabe (“Unserer allheiligen, allreinen...”), die von den Gläubigen mit Kreuzeszeichen und Verneigung auch körperlich mitvollzogen werden soll. Danach folgt die priesterliche Ekphonese und das “Amen“ der Gemeinde.
Eothinon Euangelion: s. Morgenevangelium
Eothinon Stichiron (gr. eoothinón):
Es sind poetische Stücke zum Ostermorgen, die alle den Gang der Frauen zum Grabe oder Jesu Erscheinen vor den Seinen in der Osterzeit zum Thema haben. Es gibt elf solche Auferstehungs-Eothina zu den Laudespsalmen, entsprechend den elf Auferstehungs-Evangelien, die in der Osterzeit und an den Sonntagen gesungen werden. Diese Eothina-Stichira schreibt man dem byzantinischen Kaiser Leon IV., dem Weisen, zu, der 886-912 gelebt hat. Sie werden an Sonntagen zusammen mit einem Theotokion vor der Großen Doxologie im Orthos gesungen.
Die elf Auferstehungs-Eothina:
1. Eothinon (zu Mt 28,16-20) im ersten Ton:
Als Er von der Erde erhöht werden sollte, *trat der Herr zu den Jüngern, die eilends zum Berge gekommen waren. *Sie beteten Ihn an und wurden belehrt über die Macht, die allerorten Ihm gegeben ist. *Sie wurden gesandt, aller Kreatur unter dem Himmel zu verkünden Seine Auferstehung von den Toten und Seine Auffahrt in die Himmel.*Der Untrügliche hat ihnen verheißen, immerdar bei ihnen zu sein, *Christus unser Gott, * der Heiland unserer Seelen.
2.Eothinon (zu Mk 16, 1-8) im zweiten Ton:
Die myrrhentragenden Frauen waren mit Maria herbeigekommen *und fragten sich, wie sie zu dem Ersehnten gelangen könnten. *Da sahen sie den Stein hinweggewälzt. *Und der göttliche Jüngling nahm hinweg die Betrübnis ihrer Seelen, *da er zu ihnen sprach: *Erwacht ist Jesus, der Herr! *Verkündet Seinen Verkündern, den Jüngern, nach Galiläa zu eilen. *Dort werdet ihr sehen den Auferstandenen von den Toten als Lebenspender und Herrn.
3. Eothinon (zu Mk 16,7-20) im dritten Ton:
Als Maria von Magdala die Frohbotschaft der Auferstehung des Erlösers von den Toten *und Seine Erscheinung verkündete, *glaubten ihr die Jünger nicht. *Sie wurden getadelt, ob ihres Herzens Härte. *Doch mit Zeichen und Wundern ausgerüstet wurden sie ausgesandt zur Verkündigung. *Und Du Herr, wurdest emporgenommen zum Urheber allen Lichtes. *Jene aber verkündeten allenorts das durch Wunder verbürgte Wort. *Durch sie erleuchtet, verherrlichen wir Deine Auferstehung, menschenliebender Herr.
4. Eothina (zu Lk 24, 1-12) im vierten Ton:
Bei Anbruch des Tages kamen die Frauen zu Deinem Grabe, Christus, *doch Deinen Leib, den sie sehnlich suchten, fanden sie nicht. *Als sie nun ratlos waren, sprachen die Männer, die in glänzenden Kleidern dort standen, zu ihnen: *Weshalb suchet ihr den Lebenden unter den Toten? *Er ist auferstanden, wie Er vorhergesagt, * warum habt ihr Seine Worte vergessen? *Daraufhin, voll Vertrauen, verkündeten die Frauen, was sie gesehen. *Doch die Frohbotschaft schien wie eine Täuschung. *Noch waren die Jünger langsam im Verstehen. *Petrus aber lief und sah. *Zurückgekommen verherrlichte er Deine Wunder.
5. Eothinon (zu Lk 24,13-35) im fünften Ton:
Welche Weisheit in Deinen Fügungen, Christus! *Du gabst dem Petrus allein aus Deinen leinenen Binden zu erkennen Deine Auferstehung. *Mit Lukas und Kleopas aber sprachst Du als Begleiter, *und im Gespräch offenbartest Du Dich nicht sogleich Selbst. *Deshalb wurdest Du auch getadelt, als wärest Du nur ein Fremder in Jerusalem, *dem die letzten Ratschlüsse unbekannt waren. *Indem Du aber alles zum Wohle des Geschöpfes hast angeordnet *und erfüllt die Weissagungen über Dich, * wurdest Du von ihnen beim Segnen des Brotes erkannt, *denn schon brannte ihr Herz im Begehren Dich zu erkennen. *Sie verkündeten den versammelten Jüngern deutlich Deine Auferstehung. *Durch sie erbarme Dich unser!
6. Eothinon (zu Lk 24,36-53) im sechsten Ton:
Du bist der wahre Friede Gottes fünr die Menschen, Christus, *Der Du nach Deiner Auferstehung den Jüngern Deinen Frieden gegeben. *Dein Erscheinen erschreckte sie, denn sie glaubten, einen Geist zu sehen. *Du nahmst die Furcht von ihrer Seele als Du ihnen zeigtest Hände und Füße. *Da sie noch zweifelten, aßest Du mit ihnen. *Du ließest sie Deiner Lehren gedenken und hast ihren Sinn geöffnet zum Verständnis der Schriften. *Du verhießest ihnen die Verheißung des Vaters. *Du segnetest sie und entferntest Dich in den Himmel. *Mit ihnen beten wir Dich an, Herr, Ehre Dir!
7. Eothinon (zu Joh 20,1-10) im siebten Ton:
Sieh noch ist Dämmerung zur frühmorgendlichen Stunde. *Was stehst du da, Maria, deine Seele von Finsternis umhüllt? *Du suchest zu erfahren, von wem und wohin Jesus gelegt worden war. *Sieh doch, wie die herbeigeeilten Jünger *in den leinenen Binden und dem Schweißtuch ein Zeugnis der Auferstehung fanden *und sich der Schrift über diesem Mysterium erinnerten. *Mit ihnen und durch sie glauben auch wir und besingen Dich, *Christus, als den Lebenspender.
8. Eothinon (zu Joh 20,11-1H) im achten Ton:
Marias heiße Tränen flossen nicht umsonst. *Denn sie ward gewürdigt, durch die Engel belehrt zu werden und Dich zu schauen, o Jesus. * Sie aber dachte noch an Irdisches als schwache Frau. *Deshalb wurde sie gewiesen, Dich, Christus, nicht zu berühren. * Und doch wurde sie zugleich als Deine Botin zu Deinen Jüngern gesandt, *ihnen die frohe Botschaft zu bringen und zu verkünden Deine Auffahrt zum väterlichen Erbe. *Mit ihr würdige auch uns Deiner Erscheinung, Gebieter Herr.
9. Eothinon (zu Joh 20,79-31) im fünften Ton:
Zur vorgerückten Stunde, spät am Sabbat, tratest Du, Christus zu Deinen Freunden und hast durch ein Wunder das Wunder bekräftigt. *Dein Eingang durch verschlossene Türen bestätigte Deine Auferstehung von den Toten. *Du erfülltest mit Freude die Jünger. *Du gabst ihnen den Heiligen Geist * und erteiltest ihnen die Vollmacht, Sünden zu vergeben . *Den Thomas ließest Du nicht in derSturmflut des Unglaubens untergehen. *Deshalb gewähre auch uns wahre Erkenntnis und Nachlaß unserer Verfehlungen, barmherziger Herr!
10. Eothinon (zu Joh 21,1-14) im sechsten Ton:
Nach Deinem Hinabstieg zum Hades und Deiner Auferstehung von den Toten, * kehrten die Jünger zu ihrer Tätigkeit zurück, * zurück zu ihren Schiffen und Netzen. * Sie waren traurig ob Deines Weggehens, Christus wie es natürlich ist. * Doch sie taten keinen Fang. * Du aber, Heiland, erscheinst als Gebieter des Alls * und befiehlst, die Netze nach der rechten Seite auszuwerfen. *Das Wort ward befolgt * und groß war die Menge der Fische unerwartet aber das Mahl, das ihnen bereitet am Land. * Wie die Jünger daran teilnahmen, * so würdige auch uns jetzt teilzuhaben in geistlicher Freude, menschenliebender Herr!
11. Eothinon (zu Joh 2l,15-25) im sechsten Ton:
Du zeigtest Dich Deinen Jüngern, Erlöser, nach Deiner Auferstehung, * und übergabest dem Simon Deine Schafe zu weiden. * Von seiner Liebe hast Du die Sorge um die Herde gefordert. * Deshalb sagtest Du: Wenn du Mich liebest, Petrus, weide Meine Lammer, weide Meine Schafe! * Dieser bewies sogleich seine Liebe und fragte wegen des anderen Jüngers. * Auf ihre Fürbitten, Christus, bewahre Deine Herde vor den Wölfen, die sie verderben wollen.
Epiklese (gr: epíklisis):
Anrufung Gottes mit der Bitte um das Herabkommen des Heiligen Geistes. Die Epiklese ist konstitutiv für alle ‘sakramentalen’ Handlungen, wobei die Epiklese in der Eucharistie nur eine unter anderen ist. Die Form der Epiklese ist im allgemeinen die Gebetsform, in seltenen Fällen die Segensform, der Sprecher ein gültig geweihter Priester, der damit aufgrund seines ,Amts-Charismas’ die Kirche repräsentiert. Aufgrund der Verheißung des Herrn (vgl. Lk 11,13; Mt 28,16-20 und Joh 14,15-18) bleibt die Bitte der Kirche um den Heiligen Geist nicht unerhört.
Die Epiklese als Bittgebet um die Herabsendung des Heiligen Geistes wird von der Gemeinde bei jeder sakramentalen Handlung an Gott gerichtet, im Vertrauen auf die Verheißung des Herrn in Lk 11,13: “wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten”.
Bei der Liturgie bildet die Epiklese einen Bestandteil der Anaphora und folgt nach der Anamnese als Vollendung der Konsekration, die das Werk des Heiligen Geistes ist, der die eucharistische Versammlung heiligt, Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt und damit die Heilsökonomie zur Vollendung bringt:
“So bringen wir Dir diesen geistlichen und unblutigen Dienst der Anbetung dar und rufen und bitten und flehen zu Dir: Sende herab Deinen Heiligen Geist auf uns und diese vorliegenden Gaben” aus: der Heiligen Anaphora in der Göttlichen Liturgie des Heiligen Johannes Chrysostomos.
Anm.: latreia heißt‘Kult’ oder ‘Gottesdienst’: es ist der Dienst, der Gott allein gebührt und zugleich auch der Dienst der Verherrlichung und Vergöttlichung, den Gott in Christus an uns vollzieht.
Epistel:
Es handelt sich um die Lesung der Apostelbriefe und der Apostelgeschichte des Neuen Testaments. Nach allgemeinem Brauch spricht man vielfach auch einfach vom ‘Apostel’.
Evhologion
(gr. euchológion, von eulogia = Segen, Lobpreis), Gebetsbuch, das die für die gebräuchlichsten gottesdienstlichen Handlungen wichtigen Formulare und Gebete enthält, etwa der Liturgie, der Mysterien; ferner Gebete für Geburt, Ehe sowie Totendienste, Segnungen, Tischgebete, aber auch ein Menologion kann angefügt sein.
Evlogitaria (gr. eulogitária, von eulogia = Segen, Lobpreis)
In der dritten Stichologie oder Nokturn des nächtlichen Psalmengebetes nach Ps 118 oder 134f. werden die Auferstehungs-Evlogitaria angestimmt, die zwischen dem Kehrvers Ps 118 (119),12: “Gesegnet bist Du, Herr, lehre mich Deine Ordnungen“ die Erfahrungen der Frauen am Grab in der Osternacht und ihren Lobpreis besingen. Den gleichen Kehrvers Ps 118 (119), 12 nehmen auch die sog. ‘Evlogitaria der Entschlafenen’ auf, die bei Begräbnissen und im Orthros bei Gedenktagen der Entschlafenen nach dem Vortrag von Ps 118 gesungen werden. In der Parastasis oder Pannychida, wie wir sie, etwas gekürzt, feiern, haben diese nach dem ,Alleluja für die Entschlafenen“ ihren Ort. In der Osterzeit werden die ‘Evlogitaria der Entschlafenen’ durch die ‘Auferstehungs-Evlogitaria’ ersetzt:
Auferstehungs-Evlogitaria in fünften Ton:
Ch: Am frühen Morgen eilten die Myrrhenträ gerinnen wehklagend zu Deinem Grabe. Es trat aber der Engel vor sie hin und sprach: “Die Zeit des Klagens ist vorüber, weinet nicht, vielmehr die Auferstehung verkündet den Aposteln!"
Gesegnet bist Du, Herr, lehre mich Deine Ordnungen.
Die myrrhentragenden Frauen, die mit Balsam kamen zu Deinem Grabe, Er1öser,
wurden vom Engel laut angerufen, der zu ihnen sprach: : “Was glaubt ihr unter den Toten den Lebenden! Denn als Gott ist Er auferstanden aus dem Grabe.”
Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
Triadikon:
Wir beten an den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist: die Heilige Dreiheit in einem Wesen; mit den Seraphim rufen wir: „Heilig, heilig, heilig bist Du, o Herr.“
Jetzt und immerdar und in die Äonen der Äonen. Amen.
Theodikon:
Den Lebenspender hast du geboren und Adam befreit von der Sünde, o Jungfrau. Freude aber hast du Eva gegen Trübsal ge tauscht. Lenke uns hin zu dem, der das Leben hervorströmen läßt, dem aus dir Fleisch gewordenen Gott und Menschen.
Alleluja, alleluja, alleluja, Ehre Dir, o Gott! (dreimal)
Exapostilarion (gr. exaposteilárion):
Das sonntägliche Exapostilarion, das am Ende der Oden gesungen wird (vor den Lobpsalmen) und aus einem Troparion und einem Theotokion besteht, stellt einen Rückbezug zum Auferstehungs-Evangelium dar und reflektiert dieses. Wie es elf Auferstehungs-Evangelien gibt, so gibt es auch elf Exapostilaria. Sie werden Kaiser Konstantin Porphyrogenitos (913-959) zugeschrieben. In der Fastenzeit werden die Exapostilarien durch die Photagogika ersetzt. Gewisse Feste haben ein eigenes Exapostilarion.
An Wochentagen gilt folgende Regel: Es wird gesungen:
1.das Exapostilarion des Wochentags (s. unten). Dieses fällt aber aus, wenn der Tagesheilige zwei Doxastika in der Vesper hat;
2.das Exapostilarion des Tagesheiligen aus dem Minäon;
3.das Theotokion aus dem Minaon oder (falls ein solches fehlt) das des Wochentages (s.unten).
Folgendes sind die Exapostilaria der Wochentage:
Am Montag: von den Engeln (Ton 3):
Der Du den Himmel zierest mit Sternen * und die ganze Erde durch Deine Engel erleuchtest, * Du Bildner des Alls, * rette, die Dich besingen.
Theotokion:
Du Milde der Engel, * du Freude der Betrübten, * du Schützerin der Christen, Jungfrau, des Herrn Mutter, * tritt für uns ein * und halte fern die ewigen Strafen.
Am Dienstag: vom Vorläufer Johannes dem Täufer (Ton 3):
Laßt uns feiern den Vorläufer Johannes, den Täufer des Erlösers * den Propheten unter den Propheten, * den Sproß der Wüste, * das Kind der Elisabeth.
Theotokion wie am Montag.
Am Mittwoch und Freitag: vom Kreuz (Ton 2:
Das Kreuz bewahrt die ganze Welt, * das Kreuz schmückt die Kirche, * das Kreuz macht stark die, so in der Welt Verantwortung tragen, * das Kreuz stützt die Gläubigen, * das Kreuz macht herrlich die Engel und vertreibt die Dämonen.
Stauro-Theotokion:
Am Fuß des Kreuzes stand und rief, * die jungfräulich Dich gebar, * in ihrer Klage: * Mildestes Kind, wie entziehst Du Dich meinem Blick, * wie wirst Du für tot gehalten.
Am Donnerstag: von den Aposteln (Ton 2:
Überallhin unter der Sonne seid ihr geeilt, * habt Christi wahrhafte und heilige Menschwerdung aus dem Schoß einer Jungfrau verkündet, * die Heiden vom Irrwahn befreit und erleuchtet, * und alle gelehrt, zu verehren die heilige Dreiheit, * ihr Apostel des Erlösers.
Vom heiligen Nikolaus: Laßt alle uns singen das Lob des guten Hirten und Hierarchen, * des Bischofs von Myra, Nikolaus. * Denn viele hat er gerettet, die vor ungerechtem Tode standen: * im Traum erschien er dem König und Avlavios, * aufzuheben unverdientes Urteil.
Theotokion:
Du hast dich erwiesen, Maria, als goldene Weihrauchschale, * als ganz reines Gefäß der untrennbaren Dreiheit. * In dir hat Wohlgefallen gefunden der Vater und gezeltet der Sohn; * der Heilige Geist hat dich überschattet * und ließ dich erscheinen als Gottesgebärerin.
Am Samstag: für die Entschlafenen (Ton 7)
Als Gott hast Du Macht über Tote und Lebendige. * Durch die Heiligen erleuchtest Du die Erde, Bildner des Alls, * rette, die Dich lobpreisen.
Theotokion:
In dir freuen wir uns, Gottesgebärerin. * Dich haben wir als Schirmherrin bei Gott. * Stecke aus deine unsichtbare Hand, * daß fliehen unsere Feinde. * Komm zu Hilfe deinen Knechten vom Heiligtum her.
Mit den Exapostiliaria schließen die Nokturnen (d.h. die nächtlichen Gebete).
Friedensektenie oder Große Ektenie:
nennt man das große Fürbittengebet der Kirche, das mit den Worten beginnt: “In Frieden lasset uns beten zum Herrn!” und vom Volk mit „Kyrie eleison” respondiert wird. Es ist das eigentliche ‘Kirchengebet’, das beinahe in allen Diensten vorkommt. Den Höhepunkt dieser Ektenie stellt die Selbsthingabe der Gläubigen am Schluß dar:
“Unserer allheiligen . . . Dir, o Herr”, die leider mancherorts durch sekundäre Zusätze des Chors überdeckt wird.
P o D: In Frieden lasset uns beten zum Herrn:
V: Kyrie eleison.
P o D: Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten:
V: Kyrie eleison.
P o D: Um den Frieden der ganzen Welt, um den schönen (Zu)Stand der heiligen Kirchen Gottes und um die Einheit aller
lasset uns beten zum Herrn:
V: Kyrie eleison.
P o D: Für dieses heilige Haus und für alle, die hier mit Glauben, Demut und Gottesfurcht eintreten, lasset uns beten zum Herrn:
V: Kyrie eleison.
P o D: Für unseren Patriarchen (Metropoliten, Erzbischof, für unseren Abt oder Archi- mandriten), für die ehrwürdige Priester schaft, den Diakonat in Christus, für den
ganzen geistlichen Stand und für alles Volk lasset uns beten zum Herrn:
V: Kyrie eleison.
P o D: Für diese Stadt (dieses Kloster, diese Ge - meinde), für jede Stadt und alles Land und für die Glaubigen, die darin wohnen,
lasset uns beten zum Herrn:
V: Kyrie eleison.
P o D: Um günstige Witterung, um gutes Gedei- hen der Früchte der Erde und um friedli - che Zeiten lasset uns beten zum Herrn:
V: Kyrie eleison.
P o D: Für die Reisenden und Heimatlosen, für die Kranken und Bedrängten, für die Ge- fangenen und um ihre Rettung lasset uns beten zum Herrn:
V: Kyrie eleison.
P o D: Daß Er uns erlöse von aller Trübsal, von Zorn, Gefahr und Not, lasset uns beten zum Herrn:
V: Kyrie eleison.
P o D: Stehe bei und errette, erbarme Dich und bewahre uns, o Gott, in Deiner Gnade:
V: Kyrie eleison.
P o D: Unserer allheiligen, allreinen, über alles gesegneten und ruhmreichen Herrin, der Gottesgebärerin und steten Jungfrau Ma - ria mit allen Heiligen eingedenk, lasset uns
einer den anderen und uns selbst und un - ser ganzes Leben Christus Gott befehlen:
V: Dir, o Herr.
P: (Ekphonese:) Denn Dir gebührt alle Herr lichkeit und Ehre und Anbetung, dem Va- ter und dem Sohne und dem Heiligen Gei- ste, jetzt und immerdar und in die Äonen
der Äonen.
V: Amen.
Gallicantus: s. PolyeIeos
Große Ektenie: s. Friedensektenie
Große Fasten (gr. megáli tessarákosti):
Die Fastenzeit auf Ostern (unterscheide die Fastenzeit vor Weihnachten u.a.) dauert vom Herrntag der Versöhnung sechs Wochen bis zum Herrntag der P almen (Palmsonntag). In dieser Zeit sollen nach den Fastenregeln außer an Samstagen und Sonntagen nur vegerarische Speisen (kein Fleisch, keine Eier- und Milchprodukte) ohne Öl und Wein genossen werden. Für Samstage und Sonntage jedoch werden Öl und Wein und gewisse Meeresfrüchte (Tintenfisch, Muscheln) als "erlaubte Speisen" angesehen; an Hochfesten (25. Marz, Palmsonntag sind zudem Fische jeglicher Art erlaubt. Die Fastenvorschriften dürfen aber nicht gesetzlich genommen werden; sie sind landschaftlichen und persönlichen Gegebenheiten anzupassen, doch nicht einfach nach persönlichem Ermessen, sondern in Rücksprache mit dem Beichtvater. Zum Fasten gehört neben der Enthaltung auch die Intensivierung des Gebetes und das Almosengeben.
Hauptbeugungsgebet:
Wir bezeichnen mit diesem Begriff das Priestergebet, das der Aufforderung folgt "Beugen wir unsere Häupter vor dem Herrn." Es ist ein Entlassungs-Gebet, auch da, wo heute der Gottesdienst noch nicht zu Ende ist. Die Gläubigen stehen während dieses Gebetes mit gebeugtem Kopf (was vielerorts heute nicht mehr gewußt und beachtet wird), und zwar bis zum trinitarischen Schluß der Ekphonese. Es ist zu wünschen, daß der Zelebrant außer der Ekphonese immer auch andere Stücke aus diesem Gebet laut spricht, damit die Gläubigen sie mitbeten können. Der Priester, gegen Osten gewendet, spricht mit ewas gedämpfter Stimme das Hauptbeugungsgebet:
“Herr, unser Gott, Du hast die Himmel sich herabneigen lassen und bist herniedergestiegen zur Erlösung des Menschengeschlechtes. Schaue herab auf Deine Knechte und Deine Mägde, auf Dein Erbe. Denn Dir, dem furchtbaren und menschenliebenden Richter, haben Deine Knechte und Mägde ihre Häupter gebeugt und ihre Nacken geneigt. Sie erwarten nicht Hilfe von Menschen, sondern harren Deiner Gnade und erwarten Dein Heil. Behüte sie zu jeder Zeit, so auch an diesem Abend und in der anbrechenden Nacht, vor jedem Widersacher, vor jeder feindlichen Einwirkung des Teufels und vor eitlem Sinnen sowie schlechten Gedanken.”
(Ekphonese:) “Denn die Herrschaft Deines Reiches ist gesegnet und verherrlicht, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und in die Äonen der Äonen.”
V: “ Amen.”
Hexapsalm (gr. exápsalmos):
Am Anfang des Nächtlichen Psalmengebetes im Orthros werden sechs Eingangspsalmen vom Lektor vorgetragen, namlich die Psalmen 3, 37 (38), 62 (63) und 87 (88), 102 (103), 142 (143). Während dieser Psalmen liest heute der Zelebrant leise die 12 Morgengebete vor der Heiligen Pforte. Eigentlich handelt es sich bei dem Hexapsalm um Psalmen “zum Sichererheben vom Lager”, welche die schon in der Synagoge gebräuchlichen Psalmen 3 und 62 begleiten. Der Hexapsalm wird vom I.ektor oder Vorsteher meistens in der Mitte der Kirche gelesen.
“Herrlichkeit Gott in den Höhen und auf Erden Friede und den Menschen Sein Wohlgefallen (dreimal).
Herr, tue auf meine Lippen, daß mein Mund Dein Lob verkündet (zweimal).
Psalm 3: Ach Herr, warum sind so viele, die mich anfechten, so viele, die wider mich aufstehen? Viele sagen von mir: Er hat keine Hilfe bei Gott. Aber Du, Herr, bist mir Schild und Ehre, Du hebest mein Haupt empor. Laut rufe ich zum Herrn, und Er erhört mich von Seinem heiligen Berge. Ich lag und schlief; nun bin ich erwacht, denn der Herr stützet mich. Ich fürchte mich nicht vor viel tausenden Volkes, die sich rings wider mich lagern. Stehe auf, o Herr, hilf mir, mein Gott! Denn Du zerschlägst all meinen Feinden die Backen, der Gottlosen Zähne zerschmetterst Du. Beim Herrn ist die Hilfe. Dein Segen aber Deinem Volke!Ich lag und schlief; nun bin ich erwacht, denn der Herr stützet mich.
Psalm 37: Herr, strafe mich nicht in Deinem Zorne, und züchtige mich nicht in Deinem Grimme. Denn Deine Pfeile haben mich getroffen, und Deine Hand ist auf mich herabgefahren. Nichts Gesundes ist an meinem Fleische ob Deines Grolls, nichts Heiles ist an meinen Gebeinen ob meiner Sünde. Denn meine Missetaten gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last erdrücken sie mich. Es riechen und eitern meine Wunden ob meiner Torheit. Ich bin gekrümmt und tief gebeugt, den ganzen Tag gehe ich trauernd einher. Denn meine Lenden sind voll Brandes, und nichts Heiles ist an meinem Fleische. Ich bin gepeinigt und gar sehr gedemütigt; ich stöhne vor Unruhe meines Herzens. Herr all mein Verlangen liegt offen vor Dir, und mein Seufzen ist Dir nicht verborgen. Mein Herz pocht heftig, meine Kraft hat mich verlassen; auch das Licht meiner Augen ist dahin. Meine Freunde und Gefährten stehen abseits von mir, und meine Nächsten halten sich ferne. Die mir nach dem Leben trachten, legen Schlingen, und die me ein Unheil suchen, beschließen Verderben und sinnen auf Arglist den ganzen Tag. Ich aber bin wie ein Tauber ohne Gehör und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufmacht. Ich bin geworden wie einer, der nicht hört und in dessen Mund keine Erwiderung ist. Denn Deiner harre ich, Herr, Du wirst mich erhören, o Herr, mein Gott. Ich spreche: “Daß sich nur nicht freuen meine Feinde über mich und wider mich großtun, wenn mein Fuß wankt”. Denn ich bin bereit, gegeißelt zu werden, und mein Schmerz verläßt mich nie. Ich bekenne meine Schuld und sorge mich ob meiner Sünde. Aber meine Feinde leben und sind mächtig, und derer die mich hassen ohne Grund, sind viele.
Die mir Gutes mit Bösem vergelten, verurteilen mich, weil ich dem Guten nachjage. Verlaß mich nicht, o Herr! Mein Gott, sei mir nicht ferne! Eile mir zu helfen, o Herr, mein Heil!
Verlaß mich nicht o Herr! Mein Gott, sei mir nicht
ferne! Eile mir zu helfen, o Herr, mein Heil!
Psalm 62: 0 Gott, mein Gott, früh erwache ich zu Dir; meine Seele dürstet nach Dir. Mein Leib schmachtet nach Dir wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser. So habe ich Dich geschaut im Heiligtum, habe gesehen Deine Macht und Herrlichkeit. Denn Deine Gnade ist besser als das Leben; meine Lippen sollen Dich preisen. So will ich Dich loben mein Leben lang, will in Deinem Namen meine Hände erheben. Gleich wie an Mark und Fett ersättige sich meine Seele, und mit jauchzenden Lippen lobpreise mein Mund, wenn ich Deiner auf meinem Lager gedenke, in Nachtwache über Dich sinne. Denn Du bist meine Hilfe geworden, und unter dem Schatten Deiner Flügel frohlocke ich. Meine Seele hängt an Dir, Deine Rechte hält mich fest. Sie aber, die mir vergebens nach dem Leben trachten, werden in die Tiefe der Erde hinabfahren. Sie werden mit dem Schwerte dahingegeben, die Beute der Schakale werden sie. Doch der König wird sich Gottes freuen, alle, die bei ihm schwören, werden sich rühmen; denn den Lügnern wird der Mund gestopft.
In Nachtwachen sinne ich über Dich. Denn Du bist meine Hilfe geworden, und unter dem Schatten Deiner Flügel frohlocke ich. Meine Seele hängt an Dir, Deine Rechte halt mich fest.
Ehre... jetzt...
Alleluja, alleluja, alleluja. Ehre Dir, o Gott! (dreimal)
Kyrie eleison, Kyrie eleison, Kyrie eleison.
Der Priester kommt durch die nördliche Tür des Heiligtums, stellt sich vor die Heilige Pforte und liest leise die Morgengebete, die ursprünglich nach den einzelnen Ektenien ihren Platz hatten.
Gebet 1: Wir danken Dir, Herr unser Gott, daß Du uns von unserem Lager erheben ließest und in unseren Mund gelegt hast das Wort des Lobes, um anzubeten und anzurufen Deinen heiligen Namen. Wir bitten Dich ob des Mitleids, das Du stets gehegt hast für unser Leben: Sende auch jetzt Deine Hilfe denen, die hier vor dem Angesicht Deiner heiligen Herrlichkeit stehen und Deiner reichen Gnade harren; gewähre ihnen, allezeit mit Furcht und Liebe Dir zu dienen, Dich zu loben, Dich zu preisen, anzubeten Deine unaussprechliche Güte.
(Ekphonese) Denn Du bist unser Gott und Dir senden wir die Verherrlichung empor, dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste, jetzt und immerdar und in die Äonen der Aonen. Amen. (es folgen die weiteren Gebete II - XII)
Der Lektor oder Vorsteher fährt mit dem Hexapsalm fort:
L Ehre . . . jetzt . . .
Psalm 87: 0 Herr, Du Gott meines Heils, ich rufe um Hilfe bei Tage und schreie des Nachts vor Dir. Laßmein Gebet vor Dich kommen, neige Dein Ohr zu meinem Flehen Herr! Denn meine Seele ist mit Unheil gesättigt und mein Leben dem Totenreich nahe. Schon zähle ich zu denen, die zur Grube fuhren; ich bin geworden wie ein Mensch ohne Hilfe, entlassen zu den Toten, den Erschlagenen gleich, die im Grabe schlafen, derer Du nicht mehr gedenkst und die von Deiner hilfreichen Hand geschieden sind. Man brachte mich in die unterste Grube, in Finsternis und Schatten des Todes. Schwer lastet Dein Grimm auf mir, all Deine Wege gehen über mich hin. Meine Freunde hast Du mir entfremdet, hast mich ihnen zum Abscheu gemacht. Ich bin ausgeliefert und habe keinen Ausweg. Meine Augen erloöschen vor Elend. Ich rufe Dich an, o Herr, den ganzen Tag. Ich strecke meine Hand aus nach Dir. Wirst Du an den Toten Wunder tun? Werden Ärzte sie auferwecken, daß sie Dich þreisen? Wird Deine Barmherzigkeit im Grabe verkündigt und Deine Treue im Abgrund? Werden Deine Wunder in der Finsternis kund, Deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens? Darum schreie ich zu Dir, o Herr, und lasse am frühen Morgen mein Gebet vor Dich kommen. Warum, Herr, verstößest Du meine Seele, verbirgst Dein Antlitz vor mir? Arm bin ich und mühselig von Jugend auf, erhöht und doch gedemütigt und betrübt. Dein Zorn geht über mich hin, Deine Schrecknisse vernichten mich. Sie umfluten mich wie Wasser den ganzen Tag; sie umringen mich allzumal. Den Freund und Gefährten hast Du mir entfremdet, mein Vertrauter ist die Finsternis.
0 Herr, Du Gott meines Heils, ich rufe um Hilfe bei Tage und schreie des Nachts vor Dir. Laß mein Gebet vor Dich kommen, neige Dein Ohr zu meinem Flehen, Herr!
Psalm 102: Lobe den Herrn meine Seele, und alles, was in mir ist, Seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was Er dir Gutes getan! Der dir all deine Schuld vergibt und alle deine Gebrechen heilt, der dein Leben vom Verderben erlbst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit, der mit Gutem dein Verlangen stillt, daß deine Jugend sich erneuert gleich dem Adler. Taten des Heils vollbringt der Herr und schafft Recht allen unterdrückten. Er tat Mose Seine Wege kund, den Kindern Israel Seinen Willen. Barmherzig und gnadig ist der Herr, langmütig und reich an Güte. Er hadert nicht immerdar und verharrt nicht ewig im Zorn. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unseren Vergehen. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch ist Seine Gnade über denen, so Ihn fürchten. So fern der Aufgang ist vom Niedergang, so fern tut Er unsere Übertretungen von uns. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt Sich der Herr über die, so Ihn fürchten. Denn Er weiß, was für Geschöpfe wir sind; Er denkt daran, daß wir Staub sind. Des Menschen Tage sind wie das Gras; er blüht wie die Blume des Feldes: Wenn der Wind darüber weht, so ist sie dahin, und ihre Stätte weiß nichts mehr von ihr. Aber die Gande des Herrn ist von Ewigkeit her über denen, so ihn fürchten. Und seine Gerechtigkeit ist über den Kindeskindern, über denen, die Seinen Bund bewahren und Seiner Gebote gedenken durch die Tat. Der Herr hat Seinen Thron im Himmel bereitet, und Seine Königsherrschaft gebietet über das All. Lobet denHerrn all Seine Engel, ihr Mächtigen und Starken, die ihr Sein Wort vollbringt und Seine Stimme hört! Lobet den Herrn, all Seine Mächte, ihr Seine Diener, die ihr Seinen Willen erfüllt! Lobet den Herrn, all Seine Werke, an allen Orten Seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele! An allen Orten Seiner Herrschaft, lobe den Herrn meine Seele!
Psalm 142: 0 Herr, höre auf mein Gebet, vernimm mein Flehen in Deiner Treue, in Deiner Gerechtigkeit erhöre mich. Gehe nicht ins Gericht mit Deinem Knecht; denn kein Lebender ist vor Dir gerecht. Der Feind trachtet mir nach dem Leben; er beugt mich zu Boden. Er legt mich in Finsternis gleich ewig Toten. Mein Geist in mir will verzagen, mein Herz erstarrt mir in der Brust. Ich gedenke vergangener Tage, ich sinne nach über all Dein Tun und erwaäge das Werk Deiner Hände. Ich breite meine Hände aus zu Dir, meine Seele ist vor Dir wie lechzendes Land. Erhöre mich bald, o Herr, mein Geist verläßt mich. Verbirg Dein Angesicht nicht vor mir, daß ich nicht denen gleich werde, die zur Grube fahren! Laß mich frühe Deine Gnade hören, denn ich hoffe auf Dich. Tue mir kund, o Herr, den Weg, den ich gehen soll, denn zu Dir erhebe ich meine Seele. Errette mich vor meinen Feinden, o Herr! Zu Dir nehme ich meine Zuflucht. Lehre mieh Deinen Willen tun, denn Du bist mein Gott; Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn. Um Deines Namens willen, Herr, erhältst Du mich. In Deiner Treue führst Du meine Seele aus der Not. In Deiner Gnade zerstreust Du meine Feinde und vernichtest alle, die mich bedränden; demm ich bin Dein Knecht. In Deiner Gerechtigkeit erhöre mich! Gehe nicht ins Gericht mit Deinem Knechte. Dein guter Gesit führe mich auf ebener Bahn!
Ehre . . . jetzt . . .
Alleluja, alleluja, alleluja. Ehre Dir, o Gott.
(Dreimal, jedesmal mit einer Verneigung, wobei man sich bekreuzigt, wie stets, wenn das Alleluja die Psalmmodie beschließt. Beim dritten Mal fügt man bei): Unsere Hoffnung, Ehre Dir!
Hore (gr. oora):
Stunde, im Sinne von Stundengebet. Die sog. Kleinen Horen sind: Prim (ca.6 Uhr morgens), Terz (ca. 9 Uhr mittags), Sext (ca. 12 Uhr), Non (ca. 15 Uhr) und das Apodipnon nach dem Abendessen vor der Nachtruhe. Dazu kommen als weitere Gebetszeiten: das Mesonyktikon (Mitternachtsgebet),der Orthros (Morgengebet) bei Sonnenaufgang, die Vesper bei Sonnenuntergang. Was die Zeiteinteilung betrifft, so gilt es zu beachten, daß man ursprünglich nicht von einer Tageseinteilung in immer gleichlange Stunden, Minuten und Sekunden ausging, sondern von einer flexibleren Zeiteinteilung, die Sonnenaufgang und Sonnenuntergang als Orientierungspunkte nimmt. So wird heute noch auf dem Athos täglich die Zeit justiert.,
Hymnus (gr. ymnos):
feierlicher Lobgesang. Es gibt bereits biblische Hymnen, wie Ex 15,1-20; Dan 3,57-88; Phil 2,6-11. Einer der ältesten nachneutestamentlichen Hymnen ist der Abendhymnus „Heiteres Licht . . „ (gr. phoos ilaron), dessen Existenz bereits Basilius der Große (330-379), als von den Vätern überkommen, bezeugt.
Hypakoi (gr. ypakoi)
Sie ersetzt an Sonntagen das dritte poetische Kathisma der Psalmodie des Orthros, an Festtagen steht sie vor diesem. Es handelt sich um alte, relativ kurze AuferstehungsTroparien, die vermutlich jerusalemitischen Ursprungs sind und in den acht Tönen gesungen werden.
Idiomelon (gr. idiomelon)
Der Begriff bezeichnet ein Troparion, das nach einer eigenen Melodie gesungen wird.
Ikonostase (gr. eikoonostasis):
Bilderwand, die den Altarraum vom Kirchenschiff trennt und die ursprünglich niederen Altarschranken ersetzt. Die Ikonostase hat drei Türen, wovon die südliche ins Diakonikon, die nördliche in die Prothesis und die mittlere in den Altarraum führt, wo der Heilige Tisch steht. Diese mittlere Pforte heißt: „Heilige Pforte“ (nicht „Königliche Pforte ; wie vielfach zu lesen ist, denn diese ist die mittlere Pforte, die vom Narthex ins Kirchenschiff führt) und kann durch eine halbhohe Tür und einen Vorhang verschlossen werden. Unter den Ikonen, die die Bilderwand schmücken, und die mancherorts von den Gläubigen beim Eintreten in die Kirche geküßt werden, ist bei aller Verschiedenheit im einzelnen südlich der Heiligen Pforte Christos mit dem Evangelienbuch in der linken Hand und der rechten im Segensgestus, nördlich der Heiligen Pforte aber die Gottesgebärerin mit dem göttlichen Kind auf den Armen.
Ikos (gr. oikos)
Der Ikos ist eine zum Kondakion gehörende Strophe, die das Heilsereignis meist ausführlicher erzählt als das ältere Kondakion, das ihm als Model diente. Es kann zu einem Kondakion bis zu 24 Ikoi geben; im sonntäglichen Orthros singen wir jedoch nur einen Ikos.
Irmos (gr. eirmos)
Es handelt sich um ein Troparion, das in Bezug auf Melodie und Rhythmus den anderen Troparien einer Ode als Modell dient. Was seine Entstehung und inhaltliche Thmeatik betrifft, so ist der Irmos meist ganz unabhnängig von den ihm folgenden Troparien.
Kanon (gr. kanoon)
Der Gebrauch des Begriffs ist nicht einheitlich. In unserem Zusammenhang meint Kanon zunächst die Gesamtheit der Oden, die in einem Dienst gesungen werden. Heute sind es nach einer Jerusalemer Tradition neun Oden, wobei die zweite nur in der Fastenzeit zum Vortrag kommt, sonst jedoch entfällt. Mit den genannten „Oden“ sind ursprünglich die „Biblischen Oden‘ gemeint. Seit dem 7. Jh. aber haben unter syrischem Einfluß die poetischen Zwischentexte überhand genommen und die „Biblischen Oden verdrängt. (Nur an den Wochentagen der Großen Fasten werden noch drei, am Samstag vier biblische Oden gesungen. Umgekehrt wird an hohen Festen und den Sonntagen der Osterzeit auch das Magnifikat weggelassen). Die poetischen Texte aber, die die „Biblischen Oden verdrängt haben und nun ihrerseits „Oden“ genannt werden, sind oft ohne jeglichen Bezug zu den alten Biblischen Oden“. Der Kanon aber besteht heute im wesentlichen aus diesen poetischen Oden, wobei er allerdings bisweilen von Elementen unterbrochen wird, die ihm nicht angehören, so z. B. gelegentlich von einem Kathisma (Sedalen) nach der Synaptie der Dritten Ode oder vom Kondakion und dem Ikos nach der Sechsten Ode. Auch das Exapostilarion nach der Neunten Ode gehört nicht zum Kanon.
Eine andere Bedeutung hat der Begriff, wenn in unserem Zusammenhang von Kanones (Pl.) die Rede ist. Dann sind meist Sammlungen von Oden gemeint, die entweder von einzelnen Verfassern gedichtet oder zusammengestellt worden sind oder in der Tradition zusammengewachsen sind. In diesem Sinne kann man beispielsweise vom Kanon des Andreas von Kreta (ca.660-740) reden. In unserem sonntäglichen Kanon der Oden finden sich drei Kanones: der Kanon Anastasimos (Auferstehungskanon), der Kanon Stauro-Anastasimos (Kreuz- und Auferstehungskanon) und der Kanon der hochheiligen Gottesgebärerin. Von jedem dieser Kanones werden in einer Ode im Höchstfall 3 bis 4 Stichiren gesungen. Da aber an vielen Festen noch Stichiren aus den Minäen dazukommen und in keiner Ode mehr als 14 Stichiren gesungen werden, erscheinen an vielen Sonntagen die drei genannten Kanones reduziert, oft fällt der Kanori der Gottesgebärerin ganz weg. Kommt man einmal nicht auf 14 Stichiren in einer Ode, so werden entweder die ersten Stichira Anastasima wiederholt oder man singt überhaupt nur deren sechs bis zehn.
Kathisma:
Der Begriff hat verschiedene Bedeutungen. Zunächst: das Kathisma ist immer ein Stück des Gottesdienstes, währenddessen man sich setzen kann (kathizoo = sich setzen). Sodann bezeichnet ein Kathisma eine der 20 Gruppen von Psalmen, in die der Psalter zur fortlaufenden Lesung eingeteilt ist. Während dieser Lesung sitzt man, erhebt sich aber an deren Ende zu den Lobpreisungen und Gebeten.
In unserem Zusammenhang wird ferner häufig von sog. „Poetischen Kathismen“ gesprochen. Es handelt sich um Troparien; die nach einer Kleinenn Synaptie stehen, zu der man aufgestanden ist. So folgen im ersten Teil des Orthros dreimal poetische Kathismen nach einer Synaptie den Psalmenkathismen, wobei die ersten zwei Poetischen Kathismen aus zwei Troparien und einem Theotokion bestehen, das dritte Kathisma an Sonntagen jedoch auf die Hypakoi reduziert worden ist, mit Ausnahme von Festtagen, die ihre eigenen Kathismen haben. Solche Poetischen Kathismen (sl. Sedalen) finden sich aber nicht nur in der Nächtlichen Psalmodie, sondern auch gelegentlich in den Oden, so z. B. nach der Kleinen Synaptie der Dritten Ode.
Katavasie (gr. katabasia):
Dieser Name wird dem Irmos gegeben, wenn er an Sonn- und Festtagen am Ende einer Ode wiederholt wird. Die Chöre steigen zu dieser feierlichen Wiederholung von ihren Stasidien und vereinigen sþch in der Mitte des Kirchenschiffes, daher der Name. Zu bestimmten Zeiten des Jahres wird als Katavasie anstelle des Irmos die sog. Katavasie der Gottesmutter gesungen.
Königliches Offizium:
Dieser Dienst ist entstanden in kaiserlichen oder königlichen (Sizilien) Klostergründungen, die damit dem Amt ihres Stifters zu Hilfe kamen. Als Fürbitte für Staat, Gesellschaft und öffentliches Wohl wird der Dienst auch heute noch gehalten, im Wissen darum, daß, wo der Herr nicht die Stadt behütet, ihre Hüter umsonst wachen (Ps 126 (127), 1). Er wird dem Orthros vorgeschoben und ohne Chor nur vom Lektor gelesen. Er fällt weg, wenn Vigilien gehalten werden. Schließt er an das Mesonyktikon an, so fehlen die Eingangsgebete, wenn nicht, so werden sie wie bei allen Horen gelesen.
Königliche Stunden:
feierliches Stundengebet am Hohen Freitag, am 24. Dezember und am 5. Januar.
Kollyba: s. Litia
Kondakion:
Das Kondakion ist ein relativ altes hymnisches Stück, in dem eine Zusammenfassung des Heilsmysteriums, dessen man im Gottesdienst des betreffenden Tages besonders gedenkt, gegeben wird. An Sonn- und Festtagen ist das Kondakion im Orthros, wo es seinen Platz nach der sechsten Ode hat, von einem Ikos gefolgt, der eine nach dem Modell des Kondakions gebaute Strophe darstellt. In der Liturgie wird das Kondakion mancherorts nach dem Kleinen Einzug mit dem vorangehenden Sonntags- oder Tagestropar zusammen wiederholt. In unseren Kondakien finden sich zum Teil noch Reste der Dichtungen von Romanos dem Meloden, der um die Wende des 5./6. Jahrhunderts von Emesa nach Konstantinopel gekommen war und hier begann, seine Kondakien gleichsam als metrisierte Predigten zu schaffen, die von einem Kantor rezitiert wurden, dem sich die ganze Versammlung anschloß. Diese Kondakien waren so gebaut, daß sie ein kurzes Präludium hatten, unser Kondakion, dem dann langatmige Iken (oikoi) folgten, bis zu 24. Reste dieser Dichtungen sind in unseren Stücken noch erhalten. Vgl. Heitz I S. 105 ff.)
Laudes (gr. ainoi)
Im dritten Teil des Orthros werden die Lobpsalmen Ps 148-150 (die Ainoi) mit 8 bis 10 eingeschobenen Stichira gesungen. Das ist das Morgenlob oder die Laudes (Vgl. Heitz I S. 112 ff.)
Litia (gr: liti):
Der Begriff umfaßt zwei ganz verschiedene Bedeutungen:
1. Die Litia ist ein Fürbittegebet im Narthex am Ende der Vesper vor Sonn- und Feiertagen, wenn an die Vesper ein Teil des Orthros angeschlossen wird, also Vigilien stattfinden. An diesem Fürbittegebet konnten früher auch die Katechumenenund Büßer, die ihren Platz im Narthex hatten, unmittelbar teilnehmen. Während der Prozessi-on der Zelebranten in den Narthex werden die Litiagesänge gesungen, die, falls Eigentexte fehlen, aus dem Kanon der Gottesmutter von Paulus von Arnorrhäa genommen werden.
2. Litia nennen wir auch ein Fürbittegebet für Verstorbene, das nach der Vesper, nach dem Orthros oder nach der Liturgie vor der Entlassung im Kirchenschiff gehalten wird, wobei mancherorts die Mitfeiernden brennende Kerzen in den Händen tragen und die Angehörigen der Toten oder diejenigen, die das Gedächtnis veranlassen, Kuchen aus gekochten Weizenkörnern mit kandierten Friichten und Zucker garniert (gr. Kolyba; sl. kolivo) und Gebäck mit Kerzen besteckt vom Priester segnen lassen und an die Mitfeiernden verteilen. Das Formular für diese Litia (oder auch Kolyba nach dem genannten Brauch geheißen) ist eine gekürzte Fassung der Pannychida oder Parastasis. Vgl. Heitz IS. 455 ff.
Liturgie
Dieser Begriff ist irn orthodoxen Raum ausschließlich für den Eucharistischen Gottesdienst reserviert. Es werden heute im wesentlichen zwei Liturgie-Formulare gebraucht: die sog. „Chrysostomus-Liturgie“ und die „Basilius-Liturgie“; die am Gedenktag des hl. Basilius (1. Januar), an den Sonntagen der Großen Fasten und an den Tagen, an denen die Eucharistie mit der Vesper verbunden wird (Hoher Donnerstag, Hoher Sabbat, vor Weihnachten und vor Theophanien) gehalten wird. Die sog. „Jakobus-Liturgie“ wird kaum mehr gehalten. Die Präsanktifikaten-Liturgie (oder Liturgie der vorgeweihten Gaben) wird am Mittwoch und Freitag der Großen Fasten gefeiert; ebenso an den drei ersten Tagen der Heiligen und Hohen Woche. Es fehlt aber in ihr das Eucharistische Hochgebet. Die heiligen Gaben werden am Sonntag vorher konsekriert.
Luzernarium (gr. lychnikón):
Es handelt sich um den ersten Teil der Großen und Kleinen Vesper, der benannt wird nach dem Hereintragen des Lichtes, was auf jüdische Sabbatbräuche zurückgeht. Die Lichtprozession wird vorbereitet durch das stille Lesen der Luzernariumsgebete durch den Priester während des Eingangspsalms und sie wird begleitet, nach Friedensektenie und Psalterkathisma, von dem Vortrag der „Luzernariumspsalmen“ Ps 140 (141); 141 (142); 129 (130); 116 (117), die oft gekürzt und mit höchstens zehn poetischen Stichiren durchsetzt sind. Den Abschluß bildet der Abendhymnus „Heiteres Licht` ; unter dessen Gesang Priester und Diakon in den Altarraum zurückkehren (Vgl. Heitz I S. 24 ff).
Makarismen
Mit diesem Ausdruck werden die Seligpreisungen (Mt 5,1-12) bezeichnet. Sie finden sich nicht nur an gewöhnlichen Sonntagen als drittes Antiphon am Anfang der Liturgie, sondern vor allem in den Typika der Fastenzeit, wo Lk 23, 42 als Kehrvers vor und nach jeder Seligpreisung erscheint. Beim Begräbnis werden die Makarismen im 6. Ton mit eingeschobenen Troparien gesungen. Vgl. Heitz I S. 342; 207 f.
Megalynarion:
Der Begriff stammt aus dem Anfang des Magnifikats (Lk 1 ,46-55) „Hochpreiset meine Seele den Herrn . . “. Als Megalynaria können Stichira der Neunten Ode bezeichnet werden, wenn sie enden mit den Worten: „... dich erheben wir“. Insbesondere wird aber als „Megalynarion der Gottesmutter“ immer wiederkehrende Tropar bezeichnet: „Wahrlich, würdig ist es, selig zu preisen ... die du geehrter bist als die Cherubim ... dich erheben wir.“ Vgl. Heitz I. S. 108 f.
Mesonyktikon:
Mitternachtsgebet, das faktisch ausschließlich in Klostergemeinschaften gehalten wird.
Metanie
Der Begriff (wörtlich: Buße, Umkehr) bezeichnet einen Ge stus, der sowohl die Bitte um Verzeihung der Sünden als auch Verehrung zum Ausdruck bringt. Man unterscheidet zwischen der „Großen Metanie“ , die einien Kniefall, so daß die Stirne den Boden berührt darstellt, und der „Kleinen Metanie“, bei der man sich so weit verneigt, daß die Rechte den Boden berührt ohne Kniebeuge. Die Metanien werden nicht nach persönlichem Belieben, sondern zu festgesetzten Stellen der Gottesdienste gemacht. Dabei gilt streng zu beachten: an Sonn- und Feiertagen mit Polyeleos (Kehrvers: „...denn ewig währet sein Erbarmen“) werden keine „Großen Metanien gemacht, wie auch nicht gekniet wird; an den Sonntagen der Osterzeit und nach Empfang der Kommunion werden auch keine „Kleinen Metanien“ gemacht.
Minäen (gr. minaia):
Es handelt sich um die Bücher, in denen für alle zwölf Monate des Jahres die mit festen Daten verbundenen Feste und Gedenktage verzeichnet sind und deren Eigentexte angegeben werden.
Morgenlob: s. Laudes
Morgenevangelium (gr. eothinon evangelion):
Es handelt sich um das Evangelium, das an Sonn- und Festtagen im Orthros nach der Psalmodie des Nächtlichen Psalmengebetes verkündigt wird. An den meisten Sonntagen des Jahres ist es eines der 11 Auferstehungsevangelien (gr. Evangelion anastasima eothina); Nur bestimmte Festtage haben ein eigenes Morgenevangelium.
Nächtliches Psalmengebet: s. Orthros
Narthex (gr. narthix):
Der orthodoxe Kirchenraum ist grundsätzlich dreiteilig und gliedert sich in Vorhalle (Narthex), Schiff (naos) und Altarraum (ierateiron). Symeon von Thessaloniki vergleicht den Narthex mit der Erde, das Schiff mit dem Himmel und den Altarraum mit dem, was über den Himmeln ist (MPG 155,705).Im Narthex hielten sich früher die Katechumenen und die Büßer auf, also die, die am inneren sakramentalen Leben der Kirche nicht teilnahmen. Wenn die Kirche kein Baptisterion hat, wird die Taufe im Narthex vollzogen. Der Narthex ist ja auch der Ort des Eintritts in die Kirche. Wo der Narthex durch Türen ins Schiff führt, ist die mittlere Tür die „Königliche Pforte“ (vgl. Hagia Sophia in Konstantinopel). Im Narthex wird am Ende der Vesper, wenn Vigilien stattfinden, die Litia gehalten (s. Litia).
Nokturn: s. Stichologie
Non: s. Hore
Oden: s. Kanon und Biblische Oden
Oktoich (gr.oktoíchos):
Der Oktoich ist das Buch der „Acht Töne , d. h. in ihm finden sich die Wechseltexte für Vesper, Mesonyktikon, Orthros und Liturgie in den acht Tönen (s. Ton): Er wird im Griechischen mit Bezug auf den Inhalt der Texte auch „Paraklitiki“ (Buch des Trostes) genannt.
Orarion
Stola des Diakons, d. h. ein langes Stoffband, das unter der rechten Achsel durchgezogen wird und normalerweise über der linken Schulter frei herunterfällt.
Orologion
Buch mit den Formularen und Texten für die Stundengebete (s. Hore).
Orthros
Die Gebetszeit bei Sonnenaufgang umfaßt drei Dienste:
1. das „Nächtliche Psalmengebet“ mit dem Hexapsalm, drei Psalmenkathismen und drei Poetischen Kathismen, an Sonn- und Festtagen die Anavathmi und das Morgenevangelium und schließlich Psalm 50;
2. die Oden mit dem Kanon der Oden und am Schluß das Exapostilarion;
3. die Laudes (Ainoi, Morgenlob) mit den Laudespsalmen und der Doxologie und, wenn nicht die Liturgie direkt anschließt, die abschließenden Gebete und Troparien.
Es gibt im wesentlichen drei verschiedene Weisen, den Orthros zu feiern: an Sonn- und Festtagen mit den Anavathmi, der Verkündigung des Morgenevangeliums und dem feierlichen Vortrag von Psalm 50, währenddessen die Gläubigen das Evangelium und gegebenenfalls die Festikone verehren, vom Priester mit geweihtem Öl auf die Stirn gesalbt werden und mancherorts von den in der Artoklasie gesegneten Gaben erhalten. Bei dieser Feier des Orthros wird das „Nächtliche Psalmengebet“ und vielerorts auch die Oden und die Laudes direkt an die Feier der Vesper angeschlossen, andernorts werden die Oden und die Laudes am anderen Morgen vor der Liturgie gefeiert. Man nennt diese zusammengenommene Feier von Vesper und einem Teil des Orthros „Vigilien“. Vor großen Feiertagen werden diese Vigilien durch Schriftlesungen erweitert, so daß man einen Teil der Nacht in der Kirche bleibt. Von daher versteht sich der Name „Vigilien“ (gr. pannychis). Die „Pannychis“ bezeichnet ursprünglich einen Gottesdienst der die ganze Nacht durch dauerte, wie er in Konstantinopel gehalten worden ist. Reste dieser Pannychis finden sich heute auch noch im Apodipnon.
Die Vigilien mit den Lesungen vor Festtagen können als „Vollvigilien bezeichnet werden. An Wochentagen fallen Polyeleos, Auferstehungs-Evlogitarien, Anavathmi, Morgenevangelium und Große Doxologie (die durch die Kleine Doxologie ersetzt wird) weg. Aber nur wenn kein Heiligengedächtnis gefeiert wird (also sehr selten) und in den Großen Fasten wird anstelle des Feierlichen Tropars nach der Friedensektenie „Alleluja“ gesungen. Was das „Nächtliche Psalmengebet“ betrifft, so ist es rnonastischen Ursprungs und wird im Kirchenschiff gehalten. Psalm 50 gehört“ im Osten (im Gegensatz zum Westen) an den Schluß dieses Teils, was schon die damit verbundenen Handlungen zeigen (Küssen des Evangeliums und der Festikone, Salbung, Austeilung von Brot und Wein). Die „Oden“ beginnen also mitdem Kanon der Oden, der seinem Ursprung nach ebenfalls monastisch ist.
Der Kanon der Neun Oden, wie wir ihn heute kennen, ist im 6. oder 7. Jh. in Palästina entstanden. Die Laudes (Ainoi, Morgenlob) ist der eigentliche Morgengottesdienst. Dieser Teil wird erheblich gekürzt, wenn die Liturgie direkt anschließt, was in Gemeinden meistens der Fall ist. Es gibt zwei Weisen, die Laudes zu feiern: an Sonn- und Feiertagen werden die Laudespsalmen und die dazugehörigen Stichiren von den Chören gesungen; es folgt darauf das Eothinon-Stichiron und die Große Doxologie. An gewöhnlichen Wochentagen werden die Laudespsalmen vom Lektor gelesen und es folgt darauf die ebenfalls gelesene Kleine Doxologie. In diesem Falle werden aber noch die Aposticha hinzugefügt, die in der ausführlichen Fassung der Wochentags-Vigilien nach dem Hauptbeugungsgebet und vor dem Trisagion und dem ‘Vater Unser’ stehen.
Pannychida
Totengedenken bei dem der „Kanon der Entschlafenen“ (s. Kanon) wenigstens auszugsweise gesungen wird; also eine vollständigere Litia (s. litia).
Pannychis, auch Agrypnia: s. Orthros
Paraklitiki; Oktoich
Paramonie
Am Hohen und Heiligen Sabbat und vor Weihnachten und Theophanien wird die Versper durch8 bis 15 alttestamentliche Lesungen erweitert und mit der Basileios-Liturgie verbunden. Nach einer Pause folgt dann der Orthros mit Morgenevangelium und den Oden, vielerorts wird daran aus praktischen Gründen noch die Laudes angeschlossen.
Paradosis (Apostolische Tradition):
d.h. Überlieferung, deren Inhalt und Norm Jesus Christus Selber ist, wie Er Sich für uns hingegeben hat (überliefert) hat und wovon die Verkündigung der Apostel in ihrer durch den Heiligen Geist bevollmächtigten Weitergabe bis heute zeugt.
Parastasis, s. Pannychida
Parathronion:
Stasidie des Bischofs im Mittelschiff
Parimie
Alttestamentliche Vesperlesungen der Fastenzeit. Vgl. Heitz I. S. 38; 494 ff.; 746 ff.
Pascha
Pascha bezeichnet im Raum der Orthodoxen Kirche sowohl das Fest der Feste: Ostern, als auch Christus als Osterlamm Selbst und Sein transitus (d.h. Übergang, hebr. pasach) vom Leben zum Tod und vom Tod zum Leben. So redet man vom „Pascha Staurosimon“ (Kreuz-Pascha) und vom „Pascha Anastasimon (Auferstehungs-Pascha) und beide gehören zusammen, aber so, daß das Leben über den Tod triumphiert. Darum ist das Pascha das große Freudenfest, das alle Trauer auslöscht und alles erneuert. Im Kirchenjahr folgt auf den ersten Sonntag nach Ostern (= Ostersonntag) die „Lichte Woche der Erneuerung‘ bis zum „Antipascha“ (Thomassonntag = zweiter Sonntag nach Ostern), in der es keine Metanien, kein Knien, keine Totenklagen, keine Psalmenlesungen gibt. Vgl. Heitz I S. 564 ff.
Pentikostarion
Sammlung der Eigentexte für die Zeit vom 1. Herrntag nach Ostern (Ostersonntag) bis zum Allerheiligen-Sonntag (Sonntag nach Pfingsten). Im slawischen Raum (seltener im griechischen) „lichtes Triod“ (gr. triodoin charmósynon) genannt.
Photagogika:
Anstelle der Exapostilaria stehen während der Großen Fasten kurze Anrufungen Christi als des Lichtes der Welt, der uns das Licht bringt, eben die Photagogika. Vgl. Heitz I S. 170.
Polyeleos
Der Kehrvers in Ps 135 (136): „. . . denn ewig währet Sein Erbarmen“ hat dem dritten Psalmenkathisma des Nächtlichen Psalmengebetes seinen Namen gegeben: „Viel-Erbarmen“. Dieses Kathisma besteht aus: Ps 134 (135); 135 (136); 136 (137), wobei jedoch Ps 136 (137) nur in der Vorfastenzeit vorgetragen wird und an den Mutter-Gottesfesten Ps 44 (45) dazukommt Vgl. Heitz S.. 83 ff.
Präsanktifikaten-Liturgie: s. Liturgie
Prim: s. Hore
Prokimenon
Das Prokimenon ist ein einer Lesung vorangestellter Vers, der im Wechselgesang zwischen Lektor und Chor oder Diakon und Chor vorgetragen wird und so die Lesung einleitet. Dieser Vers besteht meistens aus zwei Psalmversen, die nach dem folgenden Schema gesungen werden: D. (L.) a1 + a2; Ch. a1 + a2; D. (L.) b; Ch. a1 + a2; D. (L.) al; Ch. a2. Vgl. Heitz I S. 35.
Prosomion
Es handelt sich um ein Troparion, das keine eigene Melodie hat, also kein Idiomelon ist, sondern auf die Melodie eines anderen Tropars gesungen wird.
Psalmodie:
Lesung der vorgeschriebenen Kathismen des Psalters (s. Kathisma).
Psalmenkathisma: s. Kathisma
Sext: s. Hore
Stasis
lat. statio, die Pause. Der Begriff und seine Abwandlungen hat verschiedene Bedeutungsfelder, von denen in unserem Zusammenhang vor allem wichtig sind:
1. Ein Psalmenkathisma wird geteilt in drei Teile; jeder dieser Teile ist eine Stasis (Stanze). Auch poetische Gesänge, wie der Akathistos-Hymnos können geteilt werden, im genannten Falle so, daß eine Stasis ein Viertel des Hymnus ist.
2: Die Seitenbänke im Kirchenschiff mit hohen Rückenlehnen, aufklappbaren Sitzflächen und Seitenlehnen heißen Stasidien. die Chöre haben ihre Stasidien. Zu bestimmten Gesängen (z. B. Katavasie am Ende jeder Ode) und während der Verkündigung des Evangeliums und dem Eucharistischen Hochgebet treten sie von den erhöhten Stasidien herunter, eben so das Volk, das in den übrigen Stasidien Platz genommen hat.
3. Die genannte Grundbedeutung des Begriffs liegt auch dem Ausdruck ‘Statio’ als Versammlungs- und Ausgangsort für Festgottesdienste mit Prozessionen zugrunde.
Stasidien: s. Stasis
Stauro-Theotokion
Es handelt sich um ein Troparion, das die Gottesgebärerin besingt und das auch des Kreuzes gedenkt. Vorbild dafür ist das Bild der Gottesmutter unter dem Kreuz.
Stichiron
Stichira oder Stichiren) nennen wir ein Troparion, das zwischen Palmversen eingefügt worden ist, so z. B. in den Luzernariums- und Laudespsalmen die Stichira Anastasima, die Stichira Anatolika und die Stichiren der Gottesmutter.
Stichologie
Der Begriff bezeichnet zunächst die fortlaufende Lesung des Psalters, und zwar Vers für Vers. Es ist an sich ein monastischer Brauch, die Psalmen fortlaufend Vers für Vers zu lesen. In den Gemeinden werden sie meist gekürzt und mit Zwischentexten durchsetzt. Von da ist die weitere Bedeutung des Begriffs verständlich. Er bezeichnet auch die Lesung von Psalmversen, in die Troparien eingeschoben sind, wie bei den Luzernariums- und Lobpsalmen.Schließlich wird eine Einheit von Psalmversen, Kleiner Synaptie und Troparien wie sie sich z.B. dreimal im Nächtlichen Psalmengebet findet, Stichologoe genannt. In dem genannten Fall kann man anstelle von „Stichologie’ auch den Ausdruck ‘Nokturn’ verwenden.
Stichos
Mit diesem Ausdruck wird ein Vers aus der Heiligen Schrift, vorwiegend aus den Psalmen, bezeichnet.
Stufengesänge: s. Anavathmi
Stufenpsalmen:
Ps 119 (120) - 133 (134)
Synaptie
Anstelle des Begriffs „Synaptie“ (Collecta) brauchen wir normalerweise den Begriff ‘Ektenie’, Speziell: ‘Friedensektenie’ oder ‘Große Ektenie. Wenn diese jedoch gekürzt auftritt, wie in den Stichologien des Psalters oder im Kanon der Oden, dann spricht man auch von der „Kleinen Synaptie“.
Synaxarion
Der Begriff bezeichnet zunächst ein Martyrologion, d. h. ein Verzeichnis von Feiertagen der Martyrer oder Heiligen, deren Gedächtnisse in einer Kirche begangen werden, samt den Eigentexten dieser Gedenktage. Da im Orthros nach der 6. Ode eine verkürzte Fassung der Heiligenviten der Tagesheiligen“ (d. h. der an diesem Tag gefeierten Heiligen) verlesen wird, heißt auch diese Lesung ‘Synaxarion’. Vgl. Heitz I S. 543.
Terz: s. Hore
Theotokion
Den Namen ‘Theotokion’ trägt ein Tropar, das das Mysterium der Fleischwerdung Christi aus der Gottesgebärerin (Theotokos) besingt. Ein solches Tropar steht meistens als letztes einer Reihe von Troparien und wird eingeleitet mit dem Stichos: „Jetzt und immerdar und in die Äonen der Äonen. Amen.
Ton (gr. ichos):
Wo in unserem Zusammenhang vom „Ton“ gesprochen wird, ist einer der acht Kirchentöne der byzantinischen Musik gemeint, die in mancher Hinsicht den „Tönen“ des gregorianischen Gesanges im Westen entsprechen. Im Bereich der byzantinischen Musik unterscheidet man vier Haupt- und vier Neben- oder Plagialtöne und zählt sie in folgender Weise: Erster Ton (ichos a’), Ton 2 (ichos b’), Ton 3 (ichos g’), Ton 4 (ichos d’), Ton 5 (ichos plagiou prootou = ichos pl. a’), Ton 6 (ichos pl. b’), Ton 7 (ichos pl. g’), Ton 8 (ichos pl. d’). Jeder Ton ist im wesentlichen gekennzeichnet durch ein Fünffaches:
1.die Folge der Töne in der Tonleiter (die „Gamme")
2. die beherrschenden Töne, die im Aufbau derMelodie gleichsam den Zettel des Gewebes darstellen,
3. die Auslaute, mit denen jede Phrase endet
4. die „Lagen“, d. h. die jedem Kirchenton als Muster dienenden melodischen Formen,
5. das „Apechema“ (Nachklang), d. h. eine kleine einleitende melodische Phrase.
Triadikon
Troparion zum Lobpreis der hl. Trinität. Vgl. Heitz S. 102; 132 ff.
Triodion
Der Begriff hat zwei Bedeutungen. Er bezeichnet einerseits einen Kanon mit nur drei Oden, wie er wochentags in den Großen Fasten zum Vortrag kommt (samstags mit vier Oden = Tetraodion). Andererseits bezeichnet der Begriff die Sammlung der Eigentexte der Großen Fasten. Seltener wird das Pentikostarion "Triodion des Freudenfestes genannt (s. Pentikostarion).
Trisagion
Es handelt sich um die christologisch-trinitarische Akklamation und Proklamation (Anbetung und Bekenntnis): „Heilig ist Gott, heilig der Starke, heilig der nsterbliche. Erbarme Dich unser!“, die Jes 6,3; 9,5; Ps 41,3 (LXX) entnommen ist und in den Akten des Zweiten Ökumenischen Konzils von Chalkedon (451) im Kontext der Schlußakklamationen erstmals schriftlich auftaucht, aber sicher älter ist. Die Übersetzung des griechischen Textes ist insofern schwierig, als zwei Teile zu unterscheiden sind: eine Akklamation und ein Gebetsruf. Die slawischen und rumänischen Versionen haben dies nicht beachtet und übersetzt: „Heiliger Gott, heiliger Starker, heiliger Unsterblicher, erbarme Dich unser!“ Die lateinische und armenische Version dagegen sind näher beim Original, indem sie an der Zweiteilung von Indikativ und Vokativ festhalten.
Wegen der monophysitischen Ergänzung des Trisagion ("Dreimal-Heilig") mit einem Zusatz vom "gekreuzigten Gott" in der Liturgie brach 512 in Konstantinopel ein Aufstand los, der Kaiser Anastasios fast den Thron gekostet hätte (vgl. Beck, Geschichte der orth. Kirche S. 14). Die Krise gipfelte in der Erhebung des Vitalian, den Befehlshaber von Thrakien und Vorkämpfer der Orthodoxie, der ab 513 dreimal mit Heer und Flotte bis zur Hauptstadt vorstieß und Konstantinopel belagerte. So konnte Anastasios zwar die Unruhe in den monophysitischen Provinzen Ägypten und Syrien besänftigen, erlitt in Konstantinopel aber schwere politische Niederlagen.
Literatur:
- Janeras, V.S.: Les Byzantins et le trisagion christoloque, Miscellanea in hon. G. Lercaro II, Rom 1967, 469-499
- Schulz, Liturgie
Troparion:
Mit Troparion oder Tropar bezeichnen wir ganz allgemein eine poetische Strophe, die im Gottesdienst für sich allein oder zusammen mit anderen nach eigener (Idiomelon) oder bereits vorhandener (Prosomoion) Melodie gesungen wird. Der Text ist sehr oft aus dem Gedankengut der Psalmen oder Evangelien herausgewachsen.
Typikon:
Buch mit genauen Anweisungen für alle Gottesdienste des Kirchenjahres sowie die kirchlichen Feste und den christlichen Alltag. Kalenderartige Ausgaben für ein Jahr werden auch „Taxis“ (Ordnung der heiligen Dienste (taxis ton ieron akolouthion) genannt.
Typika:
Im engeren Sinn bezeichnet der Name „Typika“ die drei Antiphone in der Liturgie gewöhnlicher Sonntage vor dem Kleinen Einzug, also den Vortrag von Ps 102 (103), 145 (146) und der Seligpreisungen (Mt 5,1-12) mit den jeweiligen Kehrversen (s. Antiphon). Da diese Typika das Kernstück eines alten Offiziums für Tage ohne Liturgie darstellen, eines Offiziums mit Kommunion, palästinensischer Herkunft, ist der Name „Typika“ auf die Formulare übergegangen, die die Ordnung eines Gottesdienstes geben, der anstelle der Liturgie gehalten wird. Es gibt nun verschiedene Ordnungen der Typika: Da sind die Typika, die gehalten werden anstelle der Liturgie an Sonn- oder Feiertagen, wenn kein Priester anwesend ist. Es muß dabei unterschieden werden, ob ein Diakon da ist oder nicht. Davon zu unterscheiden sind die Typika der Fastenzeiten, die an die Non angeschlossen werden, wobei hier noch Unterschiede zwischen den Großen Fasten und den übrigen Fastenzeiten bestehen.
Vesper (gr. hesperinos):
Die Vesper ist der Abenddienst und soll möglichst bei Sonnenuntergang gefeiert werden. Man muß zwei verschiedene Dienste unterscheiden: Die Kleine Vesper, die nur gelegentlich in mönchischen Gemeinschaften gehalten wird, wenn nach dem Abendessen Vigilien stattfinden, die mit der Vesper beginnen, ist eine Vorwegnahme der Vesper vor dem Abendessen, wobei nachher gewisse Texte wiederholt werden, andere Eigentexte sind. Nach dem Aþendhymnus folgen gegebenenfalls die alttestamentlichen Lesungen, danach Ektenien und die Abenddoxologie, die Aposticha, der Lobgesang des Symeon und die abschließend Gebete. Wird der Orthros oder ein Teil davon (s. Orthros) direkt an die Vesper angeschlossen, so findet eine Litia statt, die ihren Ort nach dem Hauptbeugungsgebet und vor dem Lobgesang des Symeon hat und die mit dem Gesang der Aposticha beendet wird (s. Litia). Vor der Entlassung wird dann auch die Artoklasia vollzogen (s. Artoklasia). An bestimmten hohen Feiertagen (Hoher Donnerstag und Hoher Sabbat, sowie Paramonie vor Ostern, Weihnachten und Theophanien) wird die Basiliusliturgie an die Vesper angeschlossen, wie auch die Präsanktifikaten-Liturgie (s. Liturgie) eine Verbindung von Vesper und Typika (s. Typiþa) ist.
Es gibt also streng genommen drei Hauptformen der Vesper: die Kleine Vesper, die eine Vorwegnahme der eigentlichen Vesper mit teilweise anderen Texten darstellt, die Große Vesper mit Eingangsprozession, die an Sonn- und Festtagen gefeiert wird und mit dem Orthros verþunden den Anfang der Vigil darstellt, aber doch auch ohne Vigil gefeiert werden kann, und schlieþlich die Wochentagsvesper oder Gewöhnliche Vesper ohne Eingangsprozession, die man mancherorts verwirrenderweise auch „Kleine Vesper“ nennt, obwohl sie andere Texte hat als die „Kleine Vesper“.
Vigilien: s. Orthros
Vollvigilien: s. Orthros
Wasserweihe:
die große Wasserweihe findet an Theophanien, sowohl nach der Versper am Vorabend, wie auch am Tag selbst nach der Liturgie statt. Kleine Wasserweihen werden dagegen im Lauf des Jahres gehalten. Das Taufwasser wird bei jeder Taufe durch einen eigenen Segen neu geweiht.
Die Wasserweihe hängt eng zusammen mit dem Ereignis der Taufe Christi an Theophanien (6. Januar). Als im letzten Viertel des vierten Jahrhunderts auch Konstantinopel den neuen römischen Brauch übernahm, das Geburtsfest Christi vom Epiphanienfest zu trennen und auf den 25. Dezember vorzuverlegen, da hatte das Hochfest vom 6. Januar im Osten bereits den Namen Theophanien (Gotteserscheinung) und andere Akzente als im Westen erhalten. So stand hier im Gegensatz zum Westen die Taufe des Herrn im Zentrum des alten Festes und damit verbunden die Offenbarung der Dreieinigkeit Gottes und der Gottessohnschaft Christi durch das sichtbare Herabsteigen des Heiligen Geistes auf den Herrn. Damit verbunden war die Vermittlung der Gotteserkenntnis an die Gläubigen durch die Erleuchtung (photismos) in der Taufe, sowie die Heiligung und Segnung der Materie dadurch, daß der Herr in das Wasser des Jordans hinabstieg und es berührte. An Theophanien findet daher seit alters eine Wasserweihe statt, die nicht nur den praktischen Zweck hat, das Taufwasser zu weihen, sondern außerdem das zeichenhaft anhebende Heilwerden der durch Sünde verdorbenen Schöpfung symbolisiert. So ist Theophanien als Fest der Taufe und der Offenbarung der Dreieinigkeit Gottes zugleich auch das Fest einer anfänglichen Verwandlung und Verherrlichung der Schöpfung Gottes (vgl. Hausammann, a.a.O., S. 74/75).