Anhang 3: Die Entwicklung des byzantinischen Reiches

 

 

(aus Spitzing: Lexikon byzantinisch-christlicher Symbole, a.a.O., S. 330 f)

 

 

 

Jahr Herrscher Ereignis Ausdehnung d. Reiches

 

 

323 Konstantin I Konstantin wählt Byzantion als neue Vier Präfekturen:

Hauptstadt des Reiches aus -Osten: Thrakien, Kleinasien, Palästina, Ägypten

Die Hauptstadt wird unter dem Namen -Illyrien: Griechenland mit südlichem und Konstantinopel ein­geweiht. Rom ver- chem und mittlerem Balkan

liert an Bedeutung -Italien: Heutiges Italien, Nordbalkan, Dalmatien, Teile Nordafrikas

-Gallien: Heutiges Frankreich, Spanien

Mauretanien, Britannien

 

395 Theodosios I. Tod d. Theodosios und Teilung des Die byzantinische Hälfte umfaßt die Präfek-

379-395 Reiches in eine Osthälfte - Kerngebiet turen Osten und Illyrien. Das Westreich

des byzantinischen Reiches - Italien und Gallien. Britannien war bereits

Arkadios unter Arkadios und eine Westhälfte an die Germanen verlorengegangen

395-408 unter Honorius

 

476 Zenon Das gesamte Westreich wird von Auch das Ostreich ist germanischen Ein-

474-491 den Germanen erobert fällen ausgesetzt, kann sich aber halten

 

493 Anastasios Beginn der Einfälle der Slaven Thrakien, Makedonien und Thessalien von

491-518 und Bulgaren Slaveneinfällen heimgesucht

532 Justinian I. Frieden mit Persien

527-565 Beginn der Rückeroberung der ver- Südspanien, Nordafrika, Italien und

lorenen Gebiete. Jusinian ist der Nordadria werden zurückerobert. Weit-

Bauherr der Aghia Sophia, Schöpfer gehend gelungene Wiederherstellung des

des Corpus IurisJustinianum und Gesamtreiches - Ost und West - in den

Dichter liturgischer Hymnen alten Grenzen. Nach Justinians Tod erreicht

d. byz. Reich nie mehr eine derartige Größe

 

568 Justin II. Langobarden-Einfall in Italien Italien geht bis auf Ravenna, Rom und den

565-578 Süden verloren

 

Ende Tiberios Awaren-Einfälle, Perserkrieg Slaven und Awaren dringen in den

6. Jh. 578-582 Balkan ein

 

591 Maurikios Friede mit Persien, Vertrag mit den Armenien wird byzentinisch, Slaven dringen 582-602 Sassa­niden über Armenien bis zum Peloponnes vor

 

602 Phokas Ermordung des Maurikios Die Sassaniden fallen in Kleinasien, Syrien

602-610 Seine sassanidischen Verbündeten und Palästina ein

rächen ihn

 

614 Herakleios Sassaniden erobern Jerusalem und das Palästina (614) und Ägypten (619)

610-641 Heilige Kreuz persisch besetzt

 

 

Jahr Herrscher Ereignis Ausdehnung d. Reiches

 

 

627 Siege gegen die Perser Rückeroberung von Palästina und

Wiederaufrichtung des Heiligen Ägypten

Kreuzes in Jerusalem Spanien wird endgültig aufgegeben

 

632 Tod Mohammeds

 

640 Die Sassaniden endgültig durch die Der ganze Osten - Palästina, Persien,

Araber vernichtet Ägypten - alles fällt dem Arabersturm zum

Opfer. Nordafrika geht verloren

674-678 Konstantin IV. Die Araber belagern Konstantinopel. In Italien verbleit nur Ravenna mit einer

Prophyrogenitos Die byz. Flotte vertreibt die Muslime Landverbindung nach Rom und Küsten-

668-685 streifen in Sizilien dem byz. Reich

 

8. und Ikonoklastische Ende der Kriege mit den Balkanslaven. In Kleinasien geht das kilikische Bergland

9. Jh. Kaiser Missionierung. Verhandlungen und verloren, wird Stützpunkt der Araber, die von

Kämpfe mit den Muslims dort aus Beutezüge tief nach Anatolien

hinein unternehmen. Unteritalien und

Neapel wieder byzantinisch

 

717- Isaurische Bilderstreit seit seit 726

802 Dynastie

 

717- Leon III.

741

 

797- Kaiserin

802 Irene

 

872/875 Basileios I. Der Kaiser aus der Makedonen- Gewinne am Euphrat und im Taurus. Zypern

867-886 dynastie erobert Unteritalien zurück vorübergehend befreit

 

10. Jh Makedonische Auseinandersetzung mit Bulgaren Einfälle d. Bulgaren. Rückeroberung Kretas. Dynastie und Russen. Gefahr für Konstantinopel Vorstöße der Bulgaren nach Thrakien

 

988 Basileios II. Die Russen des Reiches von Kiew Ausweitung des Territoriums nach Osten am

nehmen das byz. Christentum an Euphrat, in Armenien und Syrien. Gewinne

in Unteritalien. Eroberung Bulgariens (ein-

schließlich Makedoniens)

 

Mitte Makedonische Im Westen bedrohen die Normannen, Die Normannen nehmen Unteritalien und

11. Jh Dynastie im Osten das aus Innerasien einflutende fassen im Balkan Fuß. Die Seldschuken er-

Turkvolk der Seldschuken das byz. obern erst Persien, dann Armenien und

Reich Kleinasien mit Ausnahme der Westküste

 

1097 Alexios I. 1. Kreuzzug. Die Kreuzfahrer suchen um Auseinandersetzung mit den Normannen

Komnenos Unterstützung nach und versprechen alle unter Bohemund

1081,1118 eroberten früheren byz. Besitztümer

zurückzugeben

 

1098 Die Kreuzfahrer erobern Antiochia Sie übergeben Antiochia an den Erzfeind der

der Byzantiner, Bohemund

 

1158 Manuel I. Wiedereroberung von Antiochia Ungarn von Byzanz abhängig

1152-1180

Jahr Herrscher Ereignis Ausdehnung d. Reiches

 

 

 

1204 Isaak II. Unter Führung Venedigs erobern die Das Reich ist unter Lateiner und Venezianer

1203-1204 Lateiner im sog. 4. Kreuzzug Konstan- aufgeteilt. Drei selbständige Restterritorien:

tinopel. Plünderungen und Morde -Despotat Epiros (Westgriechenland und

Südalbanien)

-Despotat Nikäa (NW-Kleinasien)

-Königreich Trapezunt

 

 

Jahr Herrscher Ereignis Ausdehnung d. Reiches

 

 

1261 Michael VIII. Der Despot von Nikaia erobert Das byz. Reich umfaßt znächst noch

Palaiologos Konstantinopel und begründet die Thrakien und die Hauptstadt, NW-Klein-

1261-1282 letzte Kaiserdynastie asien, in der Folge auch Epirus und Teile

der Peloponnes

13. Jh Dynastie der Das Seldschukenreich von Rum, Gewinne der Byzantiner auf dem Pelopon-

Palaiologen das zu einem Stabilisierungsfaktor nes. Dort entsteht ein selbständiges Despo-

geworden war, zerfällt tat unter der Herrschaft eines Palaiologen

 

14. Jh Dynastie der Das Emirat von Osman vereinigt Die Osmanen erobern ein Stück des ehe-

Palaiologen unter seiner Vorherrschaft die maligen byz. Reiches nach dem anderen.

Turkstämme Kleinasiens Dem Kaiser verbleibt fast nur noch die Hauptstadt und ihre Umgebung

Das Sultanat wird nach Adrianopel

(Edirne) auf europäischen Boden

verlagert

 

29.5. Konstantin IX. Mehmed I. Fatih erobert Das Despotat von Mistra und Trapezunt

1453 Palaiologos Konstantinopel überleben noch einige Jahre nach dem

Ende des byz. Reiches

 

Die territoriale Ausdehnung des byz. Reiches unterlag in den elf Jahrhunderten seines Bestehens erheblichen Schwankungen. Ganz unabhängig von seiner jeweiligen Größe war der geistig-kulturelle Einfluß des byz. Reiches außerordentlich stark. Weit abgelegene Länder, die ihm niemals direkt angehörten, sind byzantinisch überprägt worden. Mit Rußland und Äthiopien erstreckt sich die byz, Kunst- und Kulturzone vom Polarkreis bis in Äquatornähe. Die abendländischen Menschen des Mittelalters haben byz. Kunstobjekte gesammelt, gekauft, gestohlen, geraubt, bewundert und als Anregung für eigene Schöpfungen benutzt.

 

 

 

 

 

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