Anhang 19: Personenglossar

 

 

Nikolaos Kabasilas:

um 1322 in Thessaloniki - 1371 oder wohl eher nach 1391 (nach Schulz, Liturgie S. 15: † nach 1363); "Der eigentliche Familienna­me väterlicherseits war Nikolaos Chamaëtos, aber er ist mehr unter dem Familiennamen der Mutter, Kabasilas, bekannt. Kabasilas wurde um 1322 in Thessaloniki in eine vornehme Familie hineingeboren. Aus dem Kreis seiner Verwandten ist besonders sein Onkel Neilos Kabasilas bekannt, Erzbischof von Thessaloniki, und aus dem Kreis seiner Freunde Demetrios Kydones. Wohl aufgrund sei­ner allgemein einfachen und zurückgezogenen Lebensführung sind die Nachrichten über ihn spärlich. In den Jahren 1335-1340 stu­dierte Kabasilas in Konstantinopel nicht nur Klassische Philologie, Philosophie und Rhetorik, sondern auch Mathematik, Jura und Kunst. Nach der Wahl von Gregor Palamas zum neuen Erzbischof von Thessaloniki im Jahre 1347 begleitete er diesen auf Anwei­sung des Kaisers Johannes VI. Kantakuzenos dorthin. Nachdem aber Gregor in Thessaloniki den Bischofsthron nicht besteigen konn­te, verbrachte Kabasilas mit ihm ein Jahr auf dem Berg Athos. 1353/54 wurde er vom Kaiser neben zwei Bischöfen für den Patriar­chenthron vorgeschlagen. Im Februar 1354 hielt er bei der Krönung des Kaisers Matthaios Kantakuzenos die Festrede, und im Jahr 1363 kam er wegen der Beerdigung seines Vaters und seines Onkels Neilos nach Thessaloniki. Für die Zeit danach besitzen wir keine Informationen über ihn. Anhand seines Briefwechsels mit Demetrios Kydones nach 1379, Manuel II. Palaiologos um 1387 und 1391 und Joseph Bryenios nach 1390 wird das Datum seines Todes entgegen früherer Vermutungen erst nach 1391 angesetzt. Ebenfalls entgegen früherer Hypothesen gilt es heute in der Forschung als weitgehend sicher, daß Kabasilas weder Kleriker noch Mönch war.

 

Neben Briefen, Epigrammen und mehreren kleineren Schriften verfaßte Kabasilas folgende wichtige Werke: 1) »Über das Leben in Christus« (Peri tis en Christo Zois, »Auslegung der göttlichen Liturgie« (Erimnia tis Theias Litourgias), eine Art Ergänzung seines Werkes »Über das Leben in Christus«, die danach verfaßt wurde und sich an die »eingeweihten« Gläubigen richtet. 3) Drei Reden über die Gottesmutter, und zwar über die Geburt, die Verkündigung und den Heimgang (Koimisis) der Gottesmutter. In seiner Lehre über die Gottesmutter fußt Kabasilas auf der patristischen Überlieferung und hebt die zentrale Stellung hervor, die Gott Maria im Mysterium des Heilsplanes eingeräumt hat. Sie ist die »Frucht der Geschöpfe« (Or. III, 3), »die vielgepriesene Ursache aller Zierde und Würde und Loblieder unter dem Menschengeschlecht« (Or. III, 2). Sie setzte die »Kraft«, welche Gott dem Menschen bei der Schöpfung gegeben hat und der niemand vor ihr in gleichem Maße würdig wurde, in Werke um. Es handelt sich um die Kraft des »kat eikona« (nach dem Bilde) und die Entfaltung des »Kat omoioson« (nach Ähnlichkeit) der Genesis. Diese trat zum ersten Mal nach dem Fall der Erstgeschaffenen bei der neuen Eva, der Jungfrau Maria, in Erscheinung, »deretwegen der von den Menschen Ver­haßte Mensch wurde« (Or. II, 2); »sie wurde zum Helfer des Schöpfers und arbeitete an der Statue mit dem Künstler. Denn sie gab ihr (sc. der Statue) das, was sie vorher gehabt hatte; er (sc. Gott) aber fügte (sc. der Statue) hinzu, was sie nicht hatte; er hätte das zweite (sc. das, was ihr fehlte) nicht hinzugefügt, wenn er das nicht gefunden hätte, was schon da gewesen war und was es nötig machte, daß das zweite hinzugefügt wird.« (Or. I, 17). Mit diesen und ähnlichen Ausführungen preist Kabasilas einerseits die Größe und Einmaligkeit Marias, stellt aber andererseits klar, daß Gott das Heil erwirkte. Hierdurch betont er das gesunde patristische Prin­zip der »Mitwirkung« (synergia).

 

Kabasilas ist ein wichtiger Zeitzeuge in der Auseinandersetzung innerhalb der griech.-orth. Kirche über die *Epiklese-Frage, ob die Anrufung des Hl. Geistes, damit er die Opfergaben in den Leib und das Blut Christi verwandle, nur eine Erläuterung der durch die Worte Christi (Hoc est corpus meum usw.) vollzogenen Wandlung ist, wie man es bis zum XIV. Jh. mit Ausnahme des Joannes v. Da­maskos geglaubt hat (vgl. Salaville: Epiclèse, in: Dict. Th. Cath. V. 247), oder ob sie den Glauben einschließt, daß nicht durch die Worte Christi, sondern durch dies Gebet allein die Wandlung bewirkt sei. Im letzten Fall wären die Worte Christi nur eine conditio sine qua non (so Joannes v. Damaskos, De fide Orth. IV 13: Migne P. G. 94, 1148 und Homil. in Sabb. sanct. 35: ebda. 96,637-640; dazu M. Jugie, L'épiclèse et le mot archetype de la messe de S. Basile, Ech. d'Or. 9 [1906] 196. Bemerkenswert ist die Auffassung der Vita Barlaam et Joasaph 19: Migne P. G. 96, 1032: sie bleibt der Tradition treu, als ob sie den ganzen Streit über das "Antitypon" ignoriert hätte), oder ein Same, der durch die Wandlungsbitte befruchtet wird (so die Tradition der griech.-orthod. Kirche von Nikol. Kabasilas [Liturg. Expositio c. 27-28: Migne P. G. 150, 425-440) an; vgl. Salaville a. o. O. 248 und 256 ff.). (vgl. hierzu auch *Mi­chael Psellos und die dort zitierte Literatur).

 

Einteilung und Inhalt des Werkes »Vom Leben in Christus«:

Das Werk »Vom Leben in Christus« setzt sich aus sieben Büchern (Logoi) zusammen. Es handelt sich nicht um Predigten, sondern um Kapitel, die in systematischer Weise das Leben in Christus behandeln. Im ersten Buch wird eine Einleitung in das ganze Werk dargeboten; vor allem geht es Kabasilas hier darum zu zeigen, daß das Leben in Christus durch die göttlichen Mysterien der Taufe, der Salbung (Myron) und der heiligen Eucharistie entsteht. Denn der Herr »hat den Heiligen nicht nur verheißen, bei ihnen zu sein, sondern auch, bei ihnen zu bleiben, und, was noch mehr ist, Wohnung in ihnen zu nehmen. Doch was sage ich? Es heißt sogar, daß er sich mit ihnen so menschenfreundlich vereinigt, daß er ein Geist mit ihnen ist. Denn »wer dem Herrn anhängt, ist ein Pneuma« (1 Kor 6,17), »damit ihr seiet ein Leib und ein Pneuma, wie ihr ja auch berufen seid« (Eph 4,4) - so das Wort des Paulus.«352 Diese Vereinigung mit dem Herrn übertrifft jede andere, sei es die des Hauptes mit den Gliedern oder die der Liebenden. Sie beginnt nicht erst in der zukünftigen Welt, sondern schon jetzt, in diesem Leben. Aber gerade diese Überzeugung wirft die Frage auf, erstens, wo­her diese Vereinigung kommt, und zweitens, was diejenigen tun müssen, mit denen sich Christus so sehr verbindet und zusammen­wächst." vgl. Nikolaou, Theodor: Die Sakramentsmystik bei Nikolaos Kabasilas anhand seines Buches “Vom Leben in Christos”; in: Askese, Mönchtum und Mystik in der Orthodoxen Kirche, EOS-Verlag 1995, S. 172 ff, Bibliothek Ref OrtMön3

 

aus Fatouros, Georgios; in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Bd. VI (1993), Sp. 849-851 (http://www.bautz.de):

 

Nikoalos Kabasilas-Chamaëtos, Mystiker und Philosoph (ca. 1320 - ca. 1391). - Quellen zu seiner Biographie sind an erster Stelle die Geschichtswerke des Nikephoros Gregoras und des Johannes Kantakuzenos, an zweiter Stelle N.s Briefe sowie Briefe an ihn, ge­schrieben von Demetrios Kydones, Manuel Palaiologos, u.a. zu erwähnen; sie fließen alle sehr spärlich, was Leben und theologische Tätigkeit des N. betrifft.

 

N. entstammte einer vornehmen Familie aus Thessalonike. Der Bruder seiner Mutter, Neilos Kabasilas, war ein berühmter Theologe, der Stammbaum ihrer Familie umfaßte auch andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Deshalb zog N. den Familiennamen seiner Mutter dem seines Vaters, Chamaëtos, vor. In die theologische Wissenschaft ist er von seinem Onkel eingefnhrt worden. Er setzte dann (ca. 1335-1340) seine Studien in Konstantinopel fort, wo er außerdem Philosophie und Mathematik studierte. In den Jah­ren 1345-1347 betätigte er sich als Vermittler zwischen den Bürgerkriegsparteien. Da er ein Freund des Johannes Kantakuzenos war, weilte er nach dessen Einzug in Konstantinopel (3.2.1347) zeitweilig in seinem Hof. 1354 wurde er von Kantakuzenos für den Patri­archenthron von Konstantinopel vorgeschlagen, lehnte die Würde jedoch ab. In dem Hesychastenstreit nahm er für Gregorios Pala­mas Partei. Das Jahr seines Todes ist nicht bekannt.

 

Werke:

N. gilt als der vornehmste Vertreter östlicher Sakramentalmystik in Spätbyzanz. Zugleich hat er die praktische Seite theologischer Tä­tigkeit keineswegs vernachlässigt: An Johannes Chrysostomos anknüpfend, befaßte er sich mit sozialen Fragen seiner Zeit. Seine wichtigsten Werke sind: 1) Die Erklärung der Liturgie, eine vortreffliche Analyse der Symbolik der liturgischen Handlungen, und 2) Das Leben in Christus, eine in 7 Büncher geteilte Schrift, von denen die ersten fünf das Wirken Gottes in den Sakramenten und die beiden letzten die Art und Weise der menschlichen Mitwirkung behandeln. Dabei stellt das vierte Buch die beste Abhandlung dar, die je über die Eucharistie geschrieben wurde. Andere Schriften: 3) Gegen die Wucherer; 4) Über den Zins; 5) Gegen die Zeloten; 6) theologisch-philosophische Schriften; 7) Enkomien und Predigten; 8) Vorrede zum Werk seines Onkels Neilos über den Ausgang des Heiligen Geistes; 9) Briefe; 10) Epigramme.

 

Editionen:

1) Ermineia tin leitourgia: R. Bornert/J. Gouillard/P. Périchon, Nicolas Cabasilas, Explication de la divine liturgie. Paris 1967 (mit franz. Übersetzung von S. Salaville); Migne, PG 150, 368-492; 2) W. Gass, Die Mystik des Nikolaus Kabasilas vom Leben in Chris­to. Greifswald 1849 (2. Auflage: 1899); U. Neri, Nicolas Cabasilas, La vita in Cristo. Torino 1971; M.-H. Congourdeau, N. Cabasi­las, La vie en Christ, I. Paris 1989; II. Paris 1990 (mit franz. Übersetzung); Migne, PG 150, 493-725 (deutsche Übersetzung: E. von Ivanka, Nikolaos Kabasilas, Das Buch vom Leben in Christus. München 2. Aufl. 1966); 3) Migne, PG 150, 728-749; 4) R. Guilland, in: ? Athen 1935, 269-277; 5) I.Sevenko, Nicolas Cabasilas' »Anti-Zealot« Discourse: A Reinterpretation: DOP 11 (1975) 91-125; 6) Gegen die Skeptiker:A. Elter/L. Radermacher, Analecta graeca. Bonner Universitätsprogramm. Bonn 1899; gegen Gregoras: A. Garz­ya, Un opuscule inédit de Nicolas Cabasilas. Byz 24 (1954) 524-532; kleine philosophische Schriften: A.A. Angelopulos (s. un­ten) 111-118; 7) hl. Theodora: Migne, PG 150, 753-772; hl. Demetrios: Th. Ioannu, Venedig 1884, 67-114; B. Laurdas, in: EEBS 22 (1952) 99-105; drei Hierarchen: K. Dyobuniotes, in: EEBS 14 (1938) 157-162; hl. Andreas der Jüngere: A. Papadopulos-Kerameus, Sullog 2 Palaistiniak I. Petersburg 1907, 173-185; Marienpredigten: M. Jugie, in: PO 19 (1921) 465-510 (neugriech. Übersetzung: P. Nellas, Athen 1968); Christusgebet: S. Salaville, Prière inédite de Nicolas Cabasilas Jésus-Christ. EO 35 (1936) 43-50 (mit franz.­Übersetzung); 8) A.K. Demetrakopulos, Orthodoxon Ellan. Leipzig 1872, 78-80; Migne, PG 149, 677-680; 9) P. Enepekides, Der Briefwechsel des Mystikers Nikolaos Kabasilas. Kommentierte Textausgabe. ByZ 46 (1953) 18-46 (18 Briefe); 10) B. Laurdas a.a.O. 105, 108-109 (5 Epigramme).

 

Literatur:

M. Lot-Borodine, Un maître de la spiritualité byzantine au XIV. siècle: Nicolas Cabasilas. Paris 1958; - Ders., La doctrine de l'amour divin dans oeuvre de Nicolas Cabasilas. Irénikon 26 (1953) 376 f.; - Dies., Le martyre comme témoignage de l'amour de Dieu d'après Nicolas Cabasilas. Ebenda 27 (1954) 157 f.; - W. Völker, Die Sakramentsmystik des Nikolaus Kabasilas. Wiesbaden 1977; - S. Sala­ville, Quelques précisions pour la biographie de Nicolas Cabasilas. III. Athen 1958, 215 f.; - Ders., Le christocentrisme de Nicolas Cabasilas. EO 35 (1936) 129 f.; - Ders., Cabasilas le Sacellaire et Nicolas Cabasilas. EO 35 (1936) 411 f.; - S. Lampros, in: NE 2 (1905) 299 f.; - C.N. Tsirpanlis, The Career and Writings of Nicolas Cabasilas. Byz 49 (1979) 414 f.; - Ders., The liturgical and my­stical Theology of Nicholas Cabasilas, Athen 1976; - R.-J. Loenertz, Chronologie de Nicolas Cabasilas, 1345-1354. OCP 21 (1955) 205 f.; - Ders., in: REB 7 (1949) 16 f.; - I. Sevcenko, Cabasilas' Correspondence and the Treatment of Late Byzantine Literary Texts. ByZ 47 (1954) 49 f.; - R. Guilland, La correspondance inédite de Nicolas Cabasilas. ByZ 30 (1929-1930) 96 f.; - M. Jugie, La doctrine mariale de Nicolas Cabasilas. EO 18 (1916-1919) 375 f.; G. Anrich, Hagios Nikolaos, II. Leipzig 1917, 168 f.; - M. Bieder­mann, Die Lehre von der Eucharistie bei Nikolaos Kabasilas. Ostkirchliche Studien 3 (1954) 29 f.; - Ders., in: LThK 7 (1962) 988; - A. Ehrhard, in: Krumbacher 158 f.; - Beck 780 f.; - H. Hunger, Die hochsprachliche profane Literatur der Byzantiner, II. München 1978, 254; - F. Vernet, in: DThC 2 (1905) 1292 f.

 

 

Thomas Magistros:

berühmter Schriftsteller und Redner in Thessaloniki im 14. Jh. (Papagiannopoulos, Istoria, S. 102)

 

 

 

 

 

 

 

 

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