Anhang 17: Götter, Dämonen und Gestalten der Antike
Demeter:
‘Erdmutter’, die gütige Göttin der Fruchtbarkeit, der römischen Ceres entsprechend; Tochter des Kronos und der Rheia, von ihrem Bruder Zeus Mutter der Persephone, mit der zusammen sie besonders in Eleusis bei Athen verehrt wurde. Wer sich dort in den Gemeinkult einweihen ließ, hoffte auf ein seliges Weiterleben nach dem Tod. Durch Triptolemos lehrte Demeter die Menschen den Ackerbau; dem Kreter Iasion gebar sie Plutos, den Gott des Reichtums. Ihr segensreiches Wirken preist der zweite homerische Hymnos; Aristophanes dagegen treibt in der Komödie ‘Thesmophoriazusai’ (Die Frauen am Thesmophorienfest, 411 v.Chr.) seinen Spott mit einem zehntägigen Fest zu Ehren der Göttin, an dem auch Frauen teilnehmen durften. Daß sich in einem Stück Euripides und dessen Schwager verkleidet unter die Festgesellschaft mischen, gibt Anlaß zu zahllosen derben Scherzen. Wenige Jahre vorher hatte der politische Abenteurer und Playboy Alkibiades sich nicht gescheut, die heiligen Mysterien von Eleusis zu verulken.
Als die Mutter aller Kultur und Gesittung erscheint Demeter in Friedrich von Schillers Gedicht ‘Das Eleusische Fest’ (1798/99); Künstler stellen sie als reife Frau mit einem Ährenkranz im Haar und einer Garbe im arm dar, oft zusammen Bacchus. Dichtern dienten die Namen der beiden Götter als Umschreibung ihrer Gaben: Brot und Wein. (aus Gerhard Fink: Who's who in der antiken Mythologie, München 1993, 89).
Kore:
‘Mädchen’, ‘Tochter’; häufige Bezeichnung der Persephone (Mythologie). Kore (Kuros), moderne Bezeichnung für archaische nackte Jünglings- bzw. bekleidete Mädchenstatuen, deren Benennung unmöglich ist, wenn die Basis mit der Inschrift fehlt oder der Ort der urspünglichen Aufstellung nicht mehr bekannt ist. Die Griechen haben in der Frühzeit das gleiche ‘Zeichen’ sowohl für den Gott (vgl. z.B. die kolossalen Kuroi vom Heiligtum von Sunion), als für den Weihenden, als auch für Heroen und hervorragende Sterbliche und schließlich für das Erinnerungsmahl des Verstobenen verwandt.Die Benennung und Deutung ergab sich auch für die Griechen erst unmißverständlich durch Inschrift und Ort der Aufstellung und aus dem Zusamenhang. Erst die klassische Zeit begann, die einzelnen Bereiche und Sphären voneinander abzuheben und in ihrer Eigenart darzustellen (vgl. Lexikon der Alten Welt, Bd. 2, S. 1652).
Persephone:
Tochter des Zeus und der =>Demeter, von Hades in sein dunkles Reich entführt, wo sie nun als seine gattin mit ihm über die Toten herrscht. Als das Mädchen (gr. kore) beim Blumenpflücken geraubt worden war, suchte die Mutter vergebens auf der ganzen Erde nach dem Kind und ließ die Saat und Ernte verkommen. Angesichts der drohenden Vernichtung der Menschheit schickte Zeus den Götterboten Hermes in die Unterwelt und gebot Hades, die entführte zu Demeter zurückkehren zu lassen. Jener gehorchte, steckte aber der Scheidenden eine Granatapfelkern in den Mund. So kam sie nicht nüchtern aus dem Totenreich und mußte darum nach dem willen des Zeus ein Drittel des Jahres bei Hades verbringen; die übrige Zeit weilte sie bei ihrer Mutter und den anderen unsterblichen Göttern (Homerischer Hymnos II an Demeter).