Anhang 11: Heilige, Kirchenväter und Häretiker
(Anm.: es werden im wesentlichen nur die im Text erwähnten Heiligen und Kirchenväter aufgeführt)
1. Heiligenverehrung in der Orthodoxie - Geschichte, Dogmatik, Erscheinungsformen
Literatur:
Mark, Archimandrit (Dr. M. Arndt): Zum dogmatischen Verständnis der Ikonen-, Reliquien- und Heiligenverehrung; in: Seminar für Orthodoxe Liturgie und Spiritualität, Frankfurt 1988, Band 4, S. 157, Bibliothek Ref OrtSem1/4
2. Kirchenväter:
3. Heilige, Kirchenväter und Häretiker:
Anargyroi, die heiligen Anargyroi:
Die Heiligen Anargyroi: die heiligen Ärzte: bei Krankheit angerufene hl. Märtyrer, die schon zu Lebzeiten den Arztberuf ausübten und dabei unentgeltlich halfen. Das Malerhandbuch des Berges Athos (§ 412) zählt zu ihnen die Märtyrer Abbacyrus und Johannes, Kosmas und Damian, wobei es zwischen den römischen, asiatischen und arabischen Märtyrern unterscheidet, Panteleimon - Arzt und Märtyrer in Nikomedien, Hermolaus als Lehrer des vorherigen, Samson den Spitalaufseher von Konstantinopel, Diomedes - Arzt und Märtyrer von Nicaea, Photios und Anicetus von Nikomedien, (von beiden keine Heilungen zu Lebzeiten berichtet), Thaleläus - Arzt und Märtyrer zu Edessa, sowie Tryphon - Märtyrer von Phrygien (bei ihm sind Heilungen erwiesen), (vgl. LCI, a.a.O., Band 5, S. 127).
Anm. zur Ikonographie: Die meisten christlichen Arztbilder stellen die hl. Ärzte (Anargyroi) dar; dort ist auch die Theorie zu behandeln, ob die Äskulap-Ikonographie im christlichen Bereich fortlebt. Mittelalterliche und neuzeitliche Ärzte sind ikonographisch im Westen - wenn nicht allein aus dem Zusammenhang erkennbar - an Beigaben wie Uringlas, Knochen, Chirurgenbesteck erkennbar (zur Abbildung der hl. Kosmas und Damian s. dort).
Andreas, der Asket
(“der Narr” [um Christi Willen] (gest. 936), Festtag (ostkirchlich) 2. Oktober, (westkirchlich) 28. Mai. Andreas ist slawischer Abstammung, kam nach Konstantinopel; später einer der bekanntesten heiligen Narren (= Narren um Christi willen). Er ist u.a. wegen einer Vison bekannt, die er in der, der Gottesmutter geweihten Blachernenkirche von Konstantinopel hatte. Er hatte eine Erscheinung der Gottesgebärerin und sah, wie diese in einer Vigil ihr Maphorion (Schleier) über das betende Volk ausbreitete. Auf der Festikone ist daher Andreas als asketischer Büßer dargestellt, wie er auf die Erscheinung der Gottesmutter hinweist und zu seinem Freund und Schüler Epiphanias sagt: "Siehst du die Gebieterin und Königin der Welt ?“ (vgl. LCI, Lexikon d. christlichen Ikonographie, Freiburg 1968, Bd. 5, S. 156; Heitz, Sergius: Mysterium der Anbetung - Göttliche Liturgie und Stundengebet der Orthodoxen Kirche, hsrg. von Erzpriester Sergius Heitz, übersetzt und bearbeitet von Susanne Hausammann und Sergius Heitz, Köln 1986; vgl auch “The Life of Saint Andrew the Fool for Christ of Constantinole, in: Live of Saints - volume 6, hrsg.v. Achangel Michael Orthodox Mission, Sydney / Australien, S. 3-32)
Andreas der Kreter:
* um 660 in Damaskus, 678 Mönch in Jerusalem, 685 Diakon in Konstantinopel, wurde um 692 Erzbischof von Gortyna auf Kreta, ein Verteidiger der Bilderverehrung (gest. um 740). Andreas hinterließ ungefähr 50 Predigten, von denen etwa 30 gedruckt sind; diese erweisen ihn als hervorragenden Redner. Als Dichter von Kanones wurde er der Begründer einer neuen Gattung von Kirchenliedern; berühmt ist sein ‘Großer Kanon’, ein Bußgesang von 250 Strophen, der bis heute seine Stellung in der östlichen Liturgie behauptet. Ferner schuf Andreas viele Idiomela, jurze Lieder mit eigener Melodie (vgl. Altaner/Stüber, a.a.O., S. 534; vgl auch “The Life of Saint Andrew the Crete, in: Live of Saints - volume 3. hrsg.v. Achangel Michael Orthodox Mission, Sydney / Australien, S. 3-8).
Antonios II. Kauleas von Konstantinopel (Blacheas):
dessen Festtage am 11. und 20. Februar gefeiert werden, wurde um 826 inKonstantinopel geboren. Er war lange Zeit Mönch und wurde aufgrund des hohen Ansehens wegen seines kontemplativen Lebenswandels durch Akklamation zum Patriarchen gewählt. Er starb zwischen 895 und 901.
Auxentius von Bitynien:
Der heilige Märtyrer Auxentius von Bithynien, geboren in
Persien, ließ sich unter Theodosios d.J. am Berg Oxiam b. Chalkedon als Eremit nieder, und hatte zahlreiche Schüler. Vor dem Konzil von Chalkedon befreite er sich vom Vorwurf der Häresie.
Blasios von Sebaste:
Der Heilige Blasios von Sebaste (römischer Festtag 3. Februar) war nach der Legende zunächst Arzt, später Bischof von Sebaste / Armenien. Er erlitt das Martyrium vermutlich unter dem Caesar des Ostens Licinius (307-323), nach anderer Überlieferung 287 während der diokletianischen Verfolgung. Während der Folter soll seine Haut mit eisernen Wollkämmen zerfetzt worden und der Heilige anschließend enthauptet worden sein. Deshalb wird er im Westen ikonografisch oft mit einem eisernen Kamm dargestellt. In der Ostkirche wird der Heilige seit dem 6. Jh verehrt, im Westen seit dem 9. Jh, in Deutschland (St. Blasien!) seit dem 11. Jh. Er zählt zu den 14 Nothelfern und wird seit dem 14./15. Jh gegen Halsleiden angerufen. Er gilt als Schutzheiliger der Ärzte,Wollhändler, Wachszieher und Blasmusiker sowie als Vieh- und Wetterpatron (vgl. LCI, a.a.O., Bd. 5, S. 415; Keller, Reclams Lexikon der Heiligen, a.a.O., S. 89).
Charalambos
von Magnesia, stammt als Grieche aus Antiochien in Pisidien. Er wurde während der Verfolgung des Septimius Severus in Magnesia 203 verurteilt und mit den Folterknechten Porfirius und Dauctos sowie drei Frauen, die sich durch das Wunder der Heilung der Hände eines der Folterknechte bekehrten, enthauptet. Nach anderen Berichten soll Charalambos Bischof von Magnesia gewesen sein. Der Heilige wird in der Ostkirche als Schutzheiligier gegen Pest, Cholera und Viehseuchen verehrt. Ikonographisch ist er im Malerhandbuch des Berges Athos (§ 404 der Hermeneia) als Greis mit weißen Bart geschildert.
Eusebios von Caesarea (um 263 - 339):
Eusebios war weniger ein großer Theologe als ein bedeutender Historiker, der durch seine Quellennutzung die Grundlage für die Kirchengeschichtsschreibung des Altertums gelegt hat.
Er steht an der Wende zweier Zeitalter. Mit seiner Bildung, seinen Interessen und seinen den Ertrag der Vergangenheit zusammenfassenden Werken gehört er noch der vornizänischen Zeit an, als Bischof und Kirchenpolitiker steht er mitten in der kampfdurchtobten neuen konstantinischen Epoche. Um 263 in Palästina, vielleicht in Caesarea, geboren, erhielt er am Sitz der von Origenes gegründeten Schule und berühmten Bibliothek durch den Schüler und Nachfolger des Origenes, Pamphilos, seine Ausbildung. Seine früh beginnende schriftstellerische Arbeit wurde durch die große, 303 einsetzende diokletianische Christenverfolgung unterbrochen. Pamphilos wurde umgebracht, Eusebios eingekerkert. Vielleicht schon 313 wurde er Bischof von Caesarea und gewann großen Einfluß auf Kaiser Konstantin. Er war Anhänger des origenistischen Subordinatianismus, und stand im arianischen Streit auf Seiten des Arius.
Auf der Synode von Antiochia (325) wurde er wegen Ablehnung des gegen Arius gerichteten Glaubensbekenntnisses exkommuniziert. Auf den Konzil von Nicaea (325) legte er ein vermittelndes Glaubensbekenntnis vor, unterschrieb mit innerem Vorbehalt die Konzilsbeschlüsse, beteiligte sich dann aber an dem Vorgehen gegen die nizänische Partei, so auch an der Synode von Tyrus (335), die Athanasius absetzte.
Anläßlich der Einweihung der vom Kaiser erbauten Grabeskirche in Jerusalem (335) widmete er dem Kaiser eine apologetisch gehaltene Einführung in das Christentum und hielt im selben Jahre anläßlich des dreißigjährigen Regierungsjubiläums des Kaisers die offizielle Festrede in Konstantinopel. Die Welt- und Kirchengeschichte sieht Eusebios mit höfischem Optimismus; als kaiserfrommer Staatsbischof entwickelt er ein christliches Kaiser- und Reichsideal, das stark uns lange nachgewirkt, auch im Westen. (vgl Stüber/Altaner, Patrologie - Leben, Schriften und Lehre der Kirchenväter, Freiburg 1978, 1993, S. 217 f; Campenhausen, Hans Freiherr von, Griechische Kirchenväter, 8 Auflage, Stuttgart 1993, S. 61 f)
Chrysostomos, Johannes Chrysostomos
O AgioV IwanniV O CrusostomoV: Bedeutender Kirchenvater, sehr beredsam ("Goldmund") und liebevoll. Seinen Namen trägt die meistbenutzte der beiden griechischen Liturgien.
Geboren zwischen 344 und 345 in Antiochia (sein Tag ist der 13. November). Erhielt eine Ausbildung als Rhetoriker, zog sich 372 als Einsiedler in die Wüste zurück, war dann Presbyter in Antiochien, wurde 398 zum Patriarchen von Konstantinopel berufen. Mitreißende Predigten und große Herzensgüte trugen ihm die Freundschaft der Bevölkerung und die Feindschaft einflußreicher Höflinge, besonders die der Kaiserin Eudoxia ein. Zu der Zeit stritten sich die Theologen um die Lehre des Origenes von der Apokatastasis Panton, der Gesamterlösung der Welt einschließlich des Satans. Theophilos Patriarch von Alexandria, verfolgte seit 399 die Originisten. Chrysostomos war Anhänger der antiochenischen Schule, die die Gedanken des Origenes verfocht. Als er 50 aus Alexandrien geflohene origenistische Mönche aufnahm, kam 403 Theophilos nach Konstantinopel und erreichte auf einer Synode 404 die Absetzung des Patriarchen. Eine empörte Menschenmenge ließ die erste (360 erbaute) Aghia Sophia in Flammen aufgehen und erzwang die Rückkehr des Chrysostomos auf den Patriarchenstuhl.. Wenig später schickte ihn jedoch Kaiser Arkadios entgültig in die Verbannung. Er starb 407 in Comana am Pontus. Nach seiner vollen Rehabilitierung wurden seine Gebeine 438 feierlich nach Konstantinope überführt (Gedenktag der 27. Januar).
Nachwirkungen des Chrysostomos:
"Wer fromm ist und Gott liebt, genieße dieses gute und glänzende Fest... Hat einer gearbeitet von der ersten Stunde an, nehme er heute seinen gerechten Lohn entgegen. Kam einer nach der dritten Stunde, feiere er mit nach Herzenslust. Erscheint einer nach der sechsten Stunde, sollen ihn keine Zweifel quälen: Er wird nicht zu Schaden kommen. Wenn einer sich verspätet bis zur neunten, soll er ohne Zögern dazukommen. Erscheint aber einer in der elften, habe er keine Angst wegen der Verspätung; der Herr nämlich ist großmütig, er nimmt den Letzen an, wie den Ersten... Kommet alle in der Freude unsres Herrn ..." (Osterpredigt des Johannes Chrysostomos zum Abschluß der Osterliturgie).
Die Osterpredigt ist wahrscheinlich das einzige authentische Stück des Chrysostomos innerhalb der nach ihm benannten Liturgie. Sein reichhaltiger schriftlicher Nachlaß besteht aus Predigten und Bibelexegesen. Bei ihm finden wir (PG 62, 29) das früheste Zeugnis für die Gleichsetzung des Altarraums mit dem Himmel.
Ikonografische Darstellung:
Abbildungen des Heiligen betonen asketische Züge: spitzen Mund, hohe Stirn mit Schläfenlocken, Stirnglatze, bräunlichen, kurzen, bisweilen schütteren Bart. Trägt ein Bischofsgewand - bis in mittelbyz. Zeit ein helles Phelonion, später das Polystawrion mit viereckigem Halsausschnitt und locker geschlungenem Omorphion. Man findet ihn in Seitennischen, dicht unter dem Gewölbe (frühbyz.) oder in der unteren Zone des Apsisrundes (ab mittelbyz. Zeit) mit anderen Liturgen und Kirchenvätern den Altar umstehend.
Literatur:
Altaner / Stuiber, a.a.O.,
Campenhausen, a.a.O., S. 137
Spitzing, Lexikon, a.a.O., S. 171 f
Damaskinos, Johannes Damaskinos:
Johannes Damaskinos war einer der großen Kirchenlehrer der Orthodoxie, geboren um 650 in Damaskus, gestorben um 750 im Kloster Saba bei Jerusalem. Sein Hauptwerk, die "Quelle der Erkenntnis", hat für die orthodoxe Kirche hohe Bedeutung. Sein Festtag in der Ostkirche ist der 4. Dezember. Johannes Damaskinos spielte eine wesentliche Rolle in den theologischen Auseinandersetzungen zu Beginn des Bilderstreits, als er eine hervorragende Apologie der Ikonen schrieb und somit eine umfassende christliche Bilderlehre entwarf (729).
Johannes Damaskinos war der große Dogmatiker der Orthodoxie in der Zeit des Abschlusses der frühen dogmatischen Entwicklung, der ersten Periode der Orthodoxen Theologie, die nach ihm in den Traditionalismus der Patristik überging und zeitweise erstarrte. Die Bedeutung des Damaskinos liegt weniger in neuer theologischer Entwicklung als in der dogmatischen Zusammenfassung der Väterüberlieferung. "Seine im Westen vielfach mißverstandene Devise: »ich sage nichts Eigenes« (Dial. Prooem. 60; 2,9) hat ihn zum Repräsentanten der ostkirchlichen theologischen Arbeitsweise gemacht, nach der die verbindung zur kirchlichen Tradition unter möglichst weihgehendem Verzicht auf Subjektivität in der theologischen Spekulation unerläßlich ist" (Kallis,a.a.O., S. 290). Damaskinos gilt daher als Interpret der patristischen Tradition.
Er ist derjenige Johannes, der nach der Legende die Ikone der Panhagia Tricherousa (heute im Serbenkloster Chilandar) vor der Vernichtung im Bildersturm verbarg, und dem wegen seines Eintretens für den Ikonoklasmus die rechte Hand abgehauen wurde. Als Kaiser Leon III., der Syrer (717-741) die Zerstörung aller Ikonen befahl, widersetzte sich Johannes Damaskinos. Der Legende nach ließ ihm daraufhin der Kalif von Damaskus auf kaiserlichen Befehl, die rechte Hand abhauen, damit dieser keine weiteren Streitschriften gegen die Ikonoklasten schreiben könne. In seiner Not eilte Johannes - so der Bericht im Hagiograph - eilte Johannes daraufhin zur versteckt gehaltenen Ikone der Gottesmutter, welche sich seiner erbarmte und ihm die Hand wiederanwachsen ließ. Gleichzeitig gab sie ihm den Auftrag, Hymnen an Christus und die Gottesmutter zu schreiben (Huber, Athos, a.a.O., S. 318).
Johannes Damaskinos ist ein bekannter Hymendichter der Orthodoxie, der u.a. den Osterkanon ("Wohlan, Neuen Trank laßt uns trinken, nicht Wundertrank aus dürren Felsen, nein, der aus dem Grab Christi strömendem Unvergänglichkeit Born, in welchem wir Kraft erlangen") und den Hymnus zum Taborfest (6. August: Hochfest der Verklärung) schrieb (aus Spitzing, Günter: Lexikon byzantinisch christlicher Symbole - Die Bilderwelt Griechenlands und Kleinasiens, München 1989, S. 171)
Literatur:
- Altaner / Stuiber, a.a.O., S. 526/32; - Kallis, Anastasios: Johannes Damaskinos in: Greschat, Martin: Gestalten der Kirchengeschichte, Band 2: Alte Kirche II, Kohlhammer Verlag Stuttgart 1993, unveränderter Nachdruck der Auflage 1984, Bibliothek Ref OrtKiVä7/2; - Spitzing, a.a.O., S. 171
Demetrios, der Reiterheilige:
0 Ajios Dimitrios, der Heilige Demetrios. Kriegerheiliger, stehend oder zu Pferd, einen Drachen bekämpfend.Einer der berühmtesten griechischen Märtyrer, 306 in Achaia im Kerker erstochen und besonders in Thessaloniki verehrt. Weitere Reiterheilige sind Georg und die beiden Theodore.
Brauchtum um den Demetriostag
Der 26. Oktober, Tag des drachentötenden Reiterheiligen, leitet das Winterhalbjahr ein, der Tag des ihm so ähnlichen Georg (23. April) das Sommerhalbjahr. Beide Heiligen bewachen die für den bäuerlichen Jahreszyklus wichtigen Zeitmarkierungen der Tag- und Nachtgleiche. Am Demetriostag beginnen die Arbeitskontrakte für den Winter wirksam zu werden, erstmalig wird der junge Wein genossen. Gewöhnlich flackert Ende Oktober noch einmal eine schöne Spätsommerperiode auf - ”das kleine Sommerchen des Heiligen Dimitrios“.
Die Vita des heiligen Demetrios:
Der Sohn vornehmer Eltern, um 280 in Thessaloniki geboren, erreichte jung eine hohe Armeeposition, wurde Prokonsul in Achaia (Peloponnes, die Halbinsel, die übrigens die Göttin Demeter bei der Suche nach ihre Tochter Kore durchstreifte!). Zum Christentum übergetreten, begann er seine Umgebung zu missionieren. G. G. Valerius Maximilianus ließ den 26jährigen nach Thessaloniki kommen und tötete ihn - nach einer Überlieferung eigenhändig - mit einer Lanze. Der Schwerverletzte wurde nach anderer Überlieferung gefoltert und schließlich enthauptet.
Demetrios ist Stadtpatron von Thessaloniki, seine Gebeine sind beigesetzt in einer Nebenkapelle der frühchristlichen fünfschiffigen Demetriosbasilika (Anfang 5.Jh.), errichtet neben einer kleinen, kurz nach seinem Tod 306 gebauten Erinnerungsstätte am Ort seines Martyriums.
Demetrios vollbrachte in seiner Kirche Wunderheilungen und wurde mehrfach als Schutzpatron gegen türkische Angreifer in Anspruch genommen. 1912 mußten die türkischen Besatzungssoldaten an seinem Namenstag aus Thessaloniki abrücken.
Darstellungen als Drachentöter:
Die verbreitete, nach 1200 aufgekommene Ikone unterscheidet sich von der Darstellung des Heiligen Georg lediglich durch die Beischrift und die rote Farbe seines Pferdes. Da die Drachentötung ursprünglich nicht zur Vita des Heiligen gehört, scheint es sich um eine Anpassung an das Georgsmotiv zu handeln. Bilder des stehenden Heiligen, gekleidet in ein kostbares mantelartiges Obergewand (Chlamys), das mit einer Spange zusammengehalten wird, gehen auf Anfang 7. Jh. zurück (Mosaik in der Demetrios-Basilika, Thessaloniki): Mit zum Himmel weisender Rechten d.i. abgeschwächte =>Orantenhaltung) steht Demetrios vor einem Jungen oder zwei Kindern. In mittelbyzantinsicher Zeit wird Demetrios in Ritterrüstung anderen Kriegerheiligen zugesellt und in der untersten Zone der Kirchenwände postiert.
Seltener: Der Megalomärtyrer reitet feindliche Herrscher nieder - den Bulgarenzaren Kolojan (dessen Angriff auf Thessaloniki 1207 mit Hilfe des Schutzpatrons abgewehrt wurde); ferner Kaiser Diokletian, Merkurios von Caesarea, den abtrünnigen Kaiser Julian Apostata.
Demetrios und Demeter:
Auffällig die Übereinstimmung in der Namensbedeutung von Demetrios und Georg. Georgios ist „der die Erde Bearbeitende“ (den mütterlichen Erddrachen tötende), Demetrios „der mit der Erdmutter Verbundene“. Sein Name bedeutet weniger der zur Demeter (Erdmutter) Gehörige - die Christen haben Demeter scharf abgelehnt -, als der Erdmutter (Erddrachen)-Überwinder. (Der Beiname Apollons, Pythios, stammt von der Pythonschlange, die er getötet hat.) Beide Reiterheilige markieren Winter- und Sommerbeginn, den Abstiegs- und den Rückkehrpunkt der Demetertochter =>Persephone, die das Winterhalbjahr im Hades verbringt und nur im Sommer die Erde aufsucht (=>Drache, => Georg).
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Georgios, hl. Georg:
Festtag und Volksglaube: Agios Georgios in Thessaloniki ist dem Hl. Georg geweiht, dessen Festtag am 23. April gefeiert wird. Der Heilige Georg (O Agios Georgios Nikiforos), ikonographisch als Drachentöter zu Pferde dargestellt, ist der Schutzpatron der Landleute (Georgios, gr. Bauer) und der Krieger. Der hl. Georg ist in Griechenland der populärste Heilige. Sein Pendant ist der Heilige Demetrios. Der griechische Bauer hält sich an zwei Jahreszeiten, Sommer und Winter. Die Wendepunkte dazwischen werden von zwei Reiterheiligen markiert. Am Georgstag (23. April) beginnt mit dem Sommer das ländliche Wirtschaftsjahr, am Tag des Demetrios (26. Oktober) der Winter. Der Heilige Georg ist Schutzpatron der Bauern und Hirten - die Sommerarbeitsverträge für Landarbeiter und Schafhirten gelten von seinem Namenstag an - er schützt auch die Gefangenen, die Armen und die Soldaten. Einer byzantinischen Legende nach hatte ein Sarazene in Palästina in einer eroberten Kirche, die die Gebeine des Heiligen barg, auf ein Georgsmosaik im Gewölbe geschossen. Dicht vor dem Bild wendete der Pfeil und traf den Schützen mitten ins Herz. Der Mosaik-Georg streckte seine Hand aus, die Sarazenen gerieten in Panik und trampelten sich gegenseitig tot. Die Berichte der Davongekommenen hatten zur Folge, daß sich die Sarazenen einem Georgsheiligtum von nun an nur zitternd und ihn lobpreisend näherten.
Aus Kleinasien vertriebene Griechen berichteten, Georg sei oftmals hoch zu Roß als Lichterscheinung aufgetaucht, im von muslimischen Türken bedrohte Christen zu retten. Im alten Rußland hatte man Georg als Schutzpatron gegen die Tartaren angerufen. Ein Bild des Heiligen schmückte die Kaiserbanner von mittelbyzantinischer Zeit an und heute noch die Regimentsflaggen des griechischen Heeres.
Der Heilige Georg stammte aus Kappadokien, ging in den Kriegsdienst und erlangte unter Diokletian hohe Ehren. Als Christ wurde Georg nach mehreren Martern entweder in Nikomedien oder zu Lydda 303 enthauptet.
Kult:
Erste Verbreitung im ganzen Vorderen Orient einschließlich Ägyptens und Äthiopiens. Schriftliche Quellen bezeugen den Georg-Kult in Diopolis-Lydda, angeblich Ort des Martyriums und des Grabes, sowie in Syrien. Über Zypern, Kappadokien und Georgien kam der Kult nach Konstantinopel und anschließendem Übergreifen auf die slavischen Länder. In der Orthodoxie seit alters als Erzmärtyrer gefeiert, ist seine Verehrung auch in Rom seit dem 23.4.683 nachgewiesen.
Die Georgslegende:
In einem See in Lykien (Kleinasien) hauste ein gewaltiger *Drache, von den Ureinwohnern als Gott verehrt. Als Tribut für die allsommerliche Bewässerung der Felder verlangte das Ungetüm jährlich ein Kind zum Fraß. Als die Reihe an die Königstochter Elisabe kam, griff der Heilige aus Lydda in Kappadokien ein, ritt gegen den Drachen und tötete ihn. Dieser Tat wegen bekehrten sich viele Heiden, darunter auch die Frau des Kaisers Diokletian zum Christentum - Ursache für Georgs Märtyrertod gegen 303. Nach einer anderen Überlieferung wurde er als Soldat seines Christenglaubens wegen gemartert. Seine Standhaftigkeit löste eine Welle von Bekehrungen aus. Nach dieser Version war es die Seele des bereits getöteten und zum Heiligen gewordenen Georg, die gegen den Drachen anritt.
Nach orthodoxer Auffassung leben die Verstorbenen bis zum Wiederkunft Christi in einer ihnen vorbehaltenen Totenwelt. Die Heiligen werden jedoch gleich nach ihrem Tode vergöttlicht (Theosis) und können als Helfer bedrängter Menschen in die Geschehnisse auf der Erde eingreifen.
Auch die legenda aurea beruft sich bei der Darstellung des hl. Georg auf mehrere ältere Legenden. Diese benennen einmal eine Arianerbischof Georg von Alexandrien, der nach zahllosen Martyrien immer wieder vom Erzengel Michael zum Leben erweckt wird, andere beziehen sich auf einen Perserkönig Dadian, der in späterer Legendenfassung als Richter Dacian die Martern des Christenbekenners Georg unter Diocletian veranlaßt. Nach der legenda aurea haust in der Stadt Silena in Lybia ein Drache in einem See vor der Stadt und verpestet diese mit seinem Gifthauch. Zwei Lämmer müssen ihm täglich geopfert werden, um seinen Grimm zu stillen. Als nun keine Lämmer mehr aufzutreiben sind und schon viele Söhne und Töchter geopfert werden mußten, trifft das Los die Königstochter, die nach herzzerreißendem Abschied von den Eltern an den See vor der Stadt geht. Da kommt Georg und verspricht ihr Hilfe. Als der Drache erscheint, schwingt Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrt das Untier, das zu Boden stürzt. Er fesselt diesen mit dem Gürtel der Königstochter und zieht das Untier daran in die Stadt, wo alle die Flucht ergreifen. Aber Georg winkt ihnen und verspricht den Drachen zu töten, wenn sie sich zu Christus bekehren lassen. Dann erschlägt er den Drachen und der König und das Volk lassen sich taufen (nach Reclams Lexikon der Heiligen und biblischen Gestalten. 7. Auflage Stuttgart 1991, S. 249).
Diese in den ältesten Georgslegenden immer wieder auftauchenden Vorstellungen von der heldischen Bekämpfung und Befreiung aus der Drachengewalt des Bösen durch ein neues Bewußtsein verdeutlicht symbolhaft die Befreiung vom Heidentum als dem Bösen durch die Taufe, bzw. des Guten über die Schlange Drachen) als Symbol des Bösen. Hinter dem weitverbreiteten Drachentötermotiv steckt der Kampf dergöttlich geordneten Menschenwelt, des Kosmos, gegen das Chaos, letzteres symbolisiert durch das Drachenungeheuer der Unterwelt (Germanisch: vgl. Siegfriedssage; mesopotamisch: Marduk tötet den Drachenh des Herrn der Meere Tiamat zund formt dessen Leiche zur Welt; griechisch: Apollon tötet Python, Zeus Typhon, Herakles die Hydra). Eine psychologische Interpretation legt das Nebenmotiv der Jungfrauenbefreiung nahe: Der Drache als chaotisch-zerstörerische Seite des mütterlichen Prinzips, das den Jugendlichen nicht loslassen und sich entfalten läßt. Erst wenn dessen Einfluß überwunden ist, kann die "Jungfrau erobert werden". Der Kampf stellt so einen Reifeprozeß des Jugendlichen dar, in dem sich dessen Einstellung zur Frau wandelt. O Georgios heißt im Alt- wie im Neugriechischen "der Bauer", wörtlich, "der, der die (mütterliche) Erde bearbeitet" (nach Spitzing, a.a.O., S. 130 f).
Ikonographische Darstellung:
Auf griechischen, serbischen, rumänische und russischen Ikonen reitet der Heilige, jugendlich bartlos, mit militärisch kurzem Haar, üblicherweise von limks her auf einem lichtweißen Roß. weiß hat die größtmögliche Nähe zum göttlichen Licht (in der griechischen Mythologie besiegt der Lichtgott Apollo die Schlange Python). Als Lichterscheinung haben die klienasiatischen Griechen den Heiligen gesehen. Sein Militärmantel, rot, in der Farbe des Märtyrerblutes und des Triumphes, flattert flügelgleich hinter ihm her. Georg rammt dem Drachen seine Lanze ins Maul (Eine frühe fassung dieses Motivs zeigt ein Außenrelief an der Nordwestwand der Kirche von Achtarmar, Ostanatolien, 916-921; vom 13. Jh. an wird dieser darstellungstyp populär. Der ältere - Georg zu Pferd aber ohne Drachen - ist selten). Das als Kreuz ausgebildete Lanzenende bedeutet: Georg verdankt seinen Sieg nicht eigener Kraft, sondern der Gottes. Auf postbyzantinischen Ikonen ist rechts als winzige Gestalt Elisabe vor einer Stadtmauer zu sehen. Gelegentlich ragt von der rechten oberen Ecke aus die Hand Gottes, umgeben von einem mehrstrahligen bläulichen Himmelskreis, ins Bild; öfters hält ein schwebender Engel die Krone des Martyriums über den Heiligen.
Zusammen mit den Megalomärtyrern Demetrios, Theodoros und Merkurios wird Georg bereits vom 9. Jh. an als stehender junger Mann in der Ritterrüstung mit Schild und Lanze in den unteren Bildreihen an Kirchenwänden dargestellt (s. hierzu die Darstellung in Agios Nikólaos Orfanos, Thessaloniki, Anfang 14. Jh., Abb. bei Spitzing, a.a.O., S. 132).
Als eigenständige Wandmalerei oder als Miniaturbilder an den Rändern von Ikonen kommen Marterszenen des hl. Georg, oder die Tötung des gefangenen Drachens in der Stadt mit dem Schwert häufig vor. Auch die Rettung des Thermodatis (Teewasser-Einschenkers): Georg prescht mit dem Pferd durch ein Gewässer. Auf der Kuppe des Pferdes ein orientalisch gekleideter Junge mit Teekanne oder Pokal in der Hand, der Seeräubern hatte dienen müssen (Nikólaos Phountoukli Rhodos 14. Jh.).
Literatur:
- Keller, Hiltgart: Reclams Lexikon der Heiligen und biblischen Gestalten. 7. Auflage Stuttgart 1991, S.249; - LCI: Lexikon der Christlichen Ikonographie, Sonderausgabe Freiburg 1974, S. 366 f; - Spitzing, Günter: Lexikon byzantinisch-christlicher Symbole: die Bilderwelt Griechenlands und Kleinasiens, München 1989
Gregorios Theologos:
Der hl. Gregorios Theologos (Gregor von Nazianz, Gregor d.Gr.; geboren 329/30, gestorben um 390) wurde auf dem Landgut Arianz bei Nazianz in Kappadokien als Sohn des Bischofs Gregor d. Ält. von Nazianz (329/30) geboren. Seine fromme Mutter Nonna, unter deren Einfluß ihr Gatte (325) Christ geworden war, beeinflußte ihn entscheidend in seinen Jugendjahren. Seine Ausbildung erhielt er zunächst auf der Rhetorenschule zu Caesarea in Kappadokien; er weilte darauf kurze Zeit auf den christlichen Schulen in Caesarea in Palästina und in Alexandrien, um schließlich die heidnische Hochschule von Athen zu besuchen, wo er bis etwa 356/57 blieb und mit Basilius Freundschaft fürs Leben schloß. Die Taufe empfing er wahrscheinlich erst nach seiner Rückkehr in die Heimat. Eine Zeitlang wollte er damals Mönch werden.
Um 362 wurde er gegen seinen Willen auf Drängen der Gemeinde von seinem bischöflichen Vater zum Priester geweiht. Unmutig über die ihm angetane ‘Gewalt’, floh er in die Einöde und schrieb zu seiner Rechtfertigung seinen Apologetibus de fuga. Bald jedoch kehrte er nach Nazianz zurück und stand seinem Vater in Verwaltung und Seelsorge zur Seite. Als dann Basilius zur Festigung seines durch die Teilung Kappadokiens verminderten Einflusses als Metropolit neue Bischofssitze gründete und deshalb seinen auch jetzt widerstrebenden Freund Gregor zum Bischof der kleinen Stadt Sasima weihte, trat dieser sein neues Amt in dem “verwunschenen und elenden Flecken“ niemals an. Eine Zeitlang verwaltete er nach dem Tode seines Vaters (374) die verwaiste Diözese Nazianz, um sich bald wieder dem beschaulichen Leben in Seleucia (Isaurien) zu widmen.
379 folgte er dem an ihn ergangenen Ruf und übernahm die Leitung und Neuordnung der damals sehr zusammengeschmolzenen nizänischen Gemeinde von Konstantinopel. Damit betrat er für kurze Zeit die Bühne der großen Kirchenpolitik. Nachdem er 380 vom Kaiser Theodosios I. feierlich in der Apostelkirche der Stadt eingeführt war, wurde er 381 von dem in Konstantinopel tagenden 2. allgemeinen Konzil als Bischof bestätigt. Mancherlei Wirren und Intrigen - u.a. wurde die Rechtmäßigkeit seines bischöflichen Amtes bestritten - verleideten ihm seine neue Stellung so sehr, daß er, um allem Streit ein Ende zu machen, nach wenigen Tagen, schnell entschlossen, abdankte. Vor seinem Weggang hielt er seine berühmt gewordene Abschiedsrede (or. 42) an die Bischöfe und an das Volk. Zwei Jahre lang betreute er jetzt die noch immer verwaiste heimatliche Diözese, um sich dann während seiner letzten Lebensjahre in Muße auf seinem Landgut in Arianz mit literarischen Arbeiten zu beschäftigen und der Askese zu leben (gest. um 390).
Gregor der Theologe, von empfindsamer Natur, hatte im Unterschied zu Basilius nur geringe Begabung und Neigung zu praktischer Tätigkeit. Am liebsten gab er sich gelehrt-beschaulicher Muße hin, ließ sich aber zeitweise im Vollgefühl seiner geistigen Kraft und in dem edlen Streben, der bedrängten Kirche oder den Freunden zu nutzen, in die Öffentlichkeit und zu praktischer Tätigkeit. hinziehen. Seine Kränklichkeit hatte Gereiztheit und namentlich gegen Ende seines Lebens auch Bitterkeit gegen andere im Gefolge, die jedoch durch seine versöhnliche Gesinnung gemildert wurden. Sein Lebenselement war die Rhetorik, deren Gesetze und Kunstmittel er in Prosa und Poesie mit vollendeter Meisterschaft handhabte; keiner der großen Prediger des 4. Jh. ist ihm an Gewandtheit der Rede und an Belesenheit gleichgekommen.
Gregor schloß sich ebenso wie Basilius - beide ohne Neigung zu selbständiger spekulativer Vertiefung - in seinen theologischen Darlegungen streng an Schrift und Tradition an und kann darum als guter Zeuge des Glaubensstandes in der damaligen griechischen Kirche gelten.
Die besten Leistungen des hl. Gregorios sind seine 45 Reden die nur eine Auswahl seiner rhetorisch-literarischen Arbeit darstellen. Unter den dogmatischen Reden ragen die sogenannten 5 theologischen Reden hervor (or. 27/31), die er 380 zu Konstantinopel gehalten hat, um die orthodoxe Trinitätslehre gegen Eunomianer und Mazedonianer zu verteidigen. Sie haben ihm den Beinamen G. der Theologe verschafft. Am zahlreichsten sind Gregors panegyrische Reden, Predigten für kirchliche Feiertage, Lobreden auf die Makkabäer, Cyprian und Athanasius, Leichenreden auf den Tod seines Vaters, seiner Geschwister (Cäsarius und Gorgonia) und seines Freundes Basilius; ferner Kampf- und Schmähreden gegen Kaiser Julianus Apostata; mehrere Reden knüpfen an Ereignisse seines eigenen Lebens an: Apologeticus de fuga, die Abschiedsrede in Konstantinopel.
In den letzten Lebensjahren sind seine Gedichte, die den Vorwurf der Rückständigkeit der Christen entkräften sollten, entstanden. Seine Poemata dogmatica und moralia, die lehrhafte Ziele verfolgen, sind meist nichts anderes als versifizierte Prosa. In den Poemata historica dagegen, die von dem Sünden und Irren, Lieben und Hoffen seiner Seele erzählen, begegnet uns manch echtes Dichterwort voll zartem, meist elegischem Empfinden. Das längste seiner Gedichte, De vita sua (1949 iambische Trimeter), ist nicht nur als Quelle seines Lebens, sondern auch als autobiographisches Denkmal wertvoll. Man kann dieses und ähnliche Gedichte den Confessiones Augustins an die Seite stellen.
Der hl Gregorios zählt neben dem hl. Basilios d.Gr. und Gregorios von Nyssa zu den sog. "Drei Großen Kappadokiern", den bedeutendsten Theologen des vierten Jahrhunderts. In seiner Trinitätslehre bezeichnete er als erster die Unterschiede der drei göttlichen Personen untereinander mit den Ausdrücken aggennhsia ekporeusiV und ekpemyiV (or. 25.16). Im Unterschied zu Basilios sprach er die Gottheit des Heiligen Geistes klar und formell aus (to pneuma agion kai QeoV) und fragt: ‘Wie lange noch sollen wir das Licht unter den Scheffel stellen und den andern die vollkommene Gottheit (des Heiligen Geistes) vorenthalten?“ (or. 12, 6; s. S. 296).
Hinsichtlich der Christologie bezeugt der hl. Gregorios die Einheit der Person in Christus; Christus sei ‘Eins aus zwei’, ‘zwei Naturen vereinigen sich in ihm zu Einem, es sind nicht zwei Söhne’ (or. 37, 2). Gegenüber den Apollinaristen (Anhänger des Apollinaris v. Laodicea, gest. um 390: Kirchenlehrer, der zusammen mit dem hl. Athanasios den Arianismus bekämpfte, andererseits die volle menschliche Natur Christi leugnete, und Christus als Mischung aus Mensch und Gott beschrieb. Die später als Diophysitis bezeichnete Zweinaturenlehre lehnte er ab) lehrte er die Vollständigkeit der menschlichen Natur Christi, welcher nicht der nous fehlen dürfe. Zur Bestimmung des ‘Wie’ der Vereinigung der zwei Naturen prägt er den für die Folgezeit wichtigen Ausdruck: Kat ousian sunhfdai te kai sunaptesdai: Wer die hl. Maria nicht Qeotokoj nennt, steht der Gottheit fern (ep. 101, 4.5.). Von der hl. Justina berichtet er, daß sie die hl. Maria um Hilfe angefleht habe (or. 24, 10f).
Bezüglich Erbsünde und Taufe spricht der hl. Gregorios d. Theologe klar von den schlimmen Folgen der Adamssünde: ‘Ich bin ganz gefallen und verurteilt wegen des Ungehorsams des ersten Menschen und der trügerischen List des Teufels’ (or. 22, 13). Aber der Satz (or. 38, 12): “Wehe meiner Schwachheit, denn die des ersten Menschen ist die meine“ bezeugt nicht klar die Erbsünde. Die unmündigen Kinder gelten ihm als schuldlos (aponiros). Wer die Taufe wegen Unmündigkeit oder plötzlichen Todes nicht empfangen könne, komme zwar nicht in die Hölle, aber auch nicht in den Himmel (or. 40, 23). Wenn keine Gefahr dränge, rät er, die unmündigen Kinder erst nach etwa drei Jahren zu taufen (or. 40, 28).
Zu Eucharistie und heiligem Opfer sagt er in seiner Osterpredigt (or. 45, 19): “Ohne Furcht und Zweifel iß den Leib, trinke das Blut, wenn du Verlangen trägst nach dem Leben.“ Von einer Krankheit genesen, schreibt er an seinen Freund B. Amphilochius: ‘So lasse nicht nach, frommer Mann, für mich zu beten und zu flehen, wenn du durch das Wort den Logos herabziehst, wenn du mit unblutigem Schnitt durch die Schärfe deines Wortes den Leib und das Blut des Herrn opferst“ (ep. 171).
Hl. Ignatius von Antiochia (gest. um 110)
Ignatius, Bischof von Antiochien, wurde z.Z. des Kaisers Trajan von Syrien nach Rom verschleppt und in der Arena von wilden Tieren zerrissen (Eus. h.e. 3,22). Auf der Reise nach Rom schrieb der Heilige sieben Briefe und zwar vier in Smyrna und drei in Troas. In Smyrna schrieb er an die kleinasiatischen Gemeinden von Ephesus, Magnesia und Tralles, um ihnen zu danken, daß sie ihn durch Abgesandte auf seinem Leidensweg hatten begrüßen zu lassen, sodann an die Römer, daß sie beim Kaiser keine Schritte zu seiner Befreiung einleiteten. In Troas erhielt er die Nachricht, daß die Verfolgung in Antiochien aufgehört hatte; darum schrieb er von hier an die Gemeinden in Philadelphia und Symrna und an Polycarb, den Bischof von Symrna mit der Bitte, durch Gesandtschaften die Brüder in Antiochien zum wiedererlangten Frieden zu beglückwünschen.
Die sieben Briefe des Ignatius sind etwa um 380 überarbeitet und durch Zusätze erweitert worden; auch wurden ihnen damals sechs Briefe beigefügt. Im Mittelalter wurden noch vier weitere kurze Briefe hinzugefügt. Die Echtheit der Briefe ist gut bezeugt. Schon der hl. Polycarb spricht in seinem Schreiben von Briefen des hl. Ignatius und sagt: "Sie enthalten Glauben und Geduld und alle auf unseren Herrn bezügliche Erbauung". Die Briefe sind auch durch Irenäus, Origenes und Eusebios bezeugt. In ihnen spricht zu uns eine von leidenschaftlicher, mystischer Christusliebe und heißer Sehnsucht nach Martyrium erfüllte, tiefreligiöse Persönlichkeit.
Diese Briefe und die Laudatio von Johannes Chrysostomos föderten die Verehrung des hl. Ignatius einen der Väter der Orthodoxie. Seine Gebeine sollen von Rom nach Antiochia überführt worden sein, wo sie im Coemeterium vor der Porta Daphnitica beigesetzt waren. Unter Theodosius II. (408-450) wurden seine Gebeine in einen zur Kirche umgewandelten und dem hl. Ignatius geweihten früheren Fortunatempel überführt. Nach westl. Tradition sollen seine Gebeine bei einem plötzlichen Einfall der Sarazenen oder Perser im 6./7. Jahrhundert wieder nach Rom gebracht worden sein, wo sie in San Clemente ruhten. Reliquien kamen von da nach nNeapel, Sizilien, Belgien, Frankreich und Deutschland; das nach Paris gelangte Haupt kam 1559 wieder nach Rom zurück und wird in Il Gesu aufbewahrt.
Die älteste ikonographische Darstellung in Mosaik befindet sich im nördlichen Bogenfeld des Mittelschiffs der Haghia Sophia in Konstantinopel. Weitere Darstellungen in Hosias Lukas um 1130, auf dem hl. Berg Athos im Protaton (14. Jahrhundert), in der Trapeza der Megisti Lavra (1512) (vgl. LCI - Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 6, Freiburg 1974, S. 575).
Irenäus von Lyon
Irenäus, der bedeutendste Theologe des 2. Jh. stammte aus Kleinasien und war in seiner Jugend Schüler Polycarbs von Smyrna. Zur Zeit Kaiser Marc Aurels war er Presbyter in Lyon; er ging als Abgesandter der Märtyrer von Vienne und Lyon nach Rom, um in der montanistischen Frage (*Montanus) um Milde zu mahnen. Nach dem Märtyrertod des Bischofs Photinus von Lyon (177/78) wurde Irenäus dessen Nachfolger. Er mahnte wie viele andere Bischöfe den Bischof von Rom Victor in einem Brief zum Frieden mit den *Quartedezimanern (Quartedezimanischer Paschastreit um 195). Über das spätere Leben des Irenäus ist nichts bekannt; erst bei Gregor von Tours taucht die Nachricht auf, Irenäus sei als Märtyrer um 202 gestorben.
Als Schüler Polycarbs war er von Jugend an hineingetaucht in die johannäischen Überlieferungen. Aus diesen übernahm Irenäus die heilsgeschichtliche Schau, die das Wort im Alten Bund wirken sieht, bis es Fleisch wurde und unter uns wohnte. Von daher hat er auch den Kampf gegen die sektiererische Erkenntnislehre (Gnosis) übernommen, die den Boden der Tatsachen verließ und mit von der Wirklichkeit losgelösten Begriffen Phantasiegebäude aufführte und diese Wahngebilde Erkenntnis höherer Welten nannte. Er weist in fünf Büchern »Gegen die Häresien« unter genauer Darstellung der gnostischen Gedankengebilde ihre Widersprüche auf. Der Ausgangspunkt seiner Widerlegung ist die Einheit der Gottesoffenbarung in der Heiligen Schrift. Er beweist die Christusoffenbarung des Neuen Testaments aus der Erfüllung der alttestamentlichen Weissagung. Sein Grundgedanke ist dabei: Christus ist nach Eph 1,10 die Summe, die Zusammenfassung, das Haupt aller Dinge im Himmel und auf Erden. Adam und Christus entsprechen sich als solche Zusammenfassung der Menschheit. Irenäus schreibt die erste Theologie der Tatsachen, nicht der Begriffe. So bekämpft er die zügellosen Gedankenbilder der gnostischen Sekten durch das Zeugnis der alles zusammenfassenden Wirklichkeit der Person Jesu Christi.
Irenäus war ein geistvoller, hochgebildeter Theologe. Er erkannte scharfsichtig die Bedrohung der Kirche durch die Gnosis, die er mit seinen Schriften überwunden hat.
Der göttliche Heilsplan:
Denen, die ihm wohlgefielen, zeigte Gott wie ein Baumeister den Plan der Erlösung. Ohne, daß sie es sahen, führte er sie in Ägypten, gab denen, die ruhelos in der Wüste umherzogen, das passende Gesetz und denen, die in das gute Land einzogen, das schöne Erbe. Denen, die zum Vater zurückkehren, schlachtet er das Mastkalb und schenkt ihnen das beste Kleid und führte auf vierlei Weise das menschliche Geschlecht zu dem einen Heil. Daher sagt Johannes in der Offenbarung: "Seine Stimme ist wie die Stimme vieler Wasser." Wahrhaft viele Wege hat der Geist, reich und groß ist der Vater.
Vom heiligen Abendmahl:
Denn wie das von der Erde stammende Brot, wenn es die Anrufung Gottes empfängt, nicht mehr gewöhnliches Brot ist, sondern die Eucharistie, die aus einem irdischen und aus ei- nem himmlischen Element besteht, so gehören auch unsere Körper, wenn sie die Eucharistie empfangen, nicht mehr der Verweslichkeit an, sondern haben die Hoffnung der Auferstehung.
Von der Kirche:
Wegen kleiner und nichtiger Ursachen zerschneiden sie den großen und herrlichen Leib Christi in Stücke und möchten ihn, soviel an ihnen liegt, töten. Denn nimmermehr können die eine Besserung bewerkstelligen, die so groß ist wie der Schaden eines Schismas. Die wahre Gnosis ist die Lehre der Apostel. Den Leib der Kirche erkennt man an der Nachfolge der Bischöfe, denen die Apostel die gesamte Kirche übergeben haben. Hier sind die Schriften in treuer Überlieferung aufbewahrt. Nichts ist hinzugetan, nichts ist fortgenommen. Hier ist vor allem das Geschenk der Liebe. Daher schickt die Kirche an allen Orten wegen ihrer Liebe zu Gott eine Menge Märtyrer zum Vater voraus, und alle übrigen können nichts derartiges aufweisen.
Literatur:
- Altaner/Stuiber, a.a.O., S. 110 f
- Brox, Norbert, a.a.O., S. 82-97
- Campenhausen, a.a.O., S. 24-31
- Hauss, a.a.O., S. 7-9
Johannes Klimakos:
auch genannt Johannes von der Leiter, um 580 - 650. Johannes war 50 Jahre Mönch im Sinaikloster, zuerst als Einsiedler, später wurde er zum Abt des Klosters gewählt. Seinen Ruhm und seine Hochschätzung in der Kirche begründet sein Buch "Paradiesleiter" (Klimax tou paradeidou). Nach diesem Werk erhielt er den Beinamen "Klimakos". Es wurde als ein Hauptwerk der Frömmigkeit und des geistlichen Kampfes betrachtet. Es stellt eine abgeschlossene Lehre über das geistliche Leben dar. In dreißig Stufen oder Leitersprossen führt er den Novizen zur Vollkommenheit, d.h.. zur Gottesliebe. Die Zahl dreißig ist nach der Zahl der Lebensjahre Christi bis zur Taufe im Jordan genommen. Johannes schreibt ieL für Mönche, nur nebenbei findet er auch Worte für den Christen in der Welt.
Literatur zu Johannes Klimakos: Dietz, Matthias: Kleine Philokalie - Belehrungen der Kirchenväter der Ostkirche über das Gebet - Benziger Verlag Zürich 3. Auflage 1989 S. 87; Altaner/Stüber: Patrologie, S. 519; Tritsch, Walter: Christliche Geisteswelt, Band II: Die Welt der Mystik, Hanau 1986, S. 75: “Gebet und Meditation sollen vereinigt sein, so wie die zwei Naturen in der Person Christi vereinigt sind .... Der Anachoret soll sein Leben Führen, wie ein Engel auf Erden; sein Gebet darf niemals aufhören, sein Herz muß ganz rein sein, seine Zweisprache mit Gott darf niemals abreißen, er soll so entrückt von allem Irdischen leben, als ob er keinen Leib hätte .... Doch diese Zwiesprache mit Gott bedarf einer langen Vorbereitung: viele Sprossen der Himmelsleiter sind vorher zu erklimmen ... Die höchste Sprosse ist also die der Liebe: sie allein einigt mich mit Gott, durch sie allein vermag er in mir zu wohnen ...”
Justin der Märtyrer:
(† um 165), ‘Philosoph und Märtyrer’, erstmalig so von Tertullian genannt, gilt als der bedeutendste Apologet des 2. Jh. Er entstammt einer heidnisch-griechischen Familie zu Flavia Neapolis (heute Naplus), dem alten Sichem in Palästina. Er selbst erzählt, wie er als Jüngling in seinem Wissensdurst mit einem Lehrer der stoischen, peripathetischen und schließlich pythagoreischen Philosophie in Verbindung trat. Doch wurde er teils von den Lehren dieser Philosophenschulen, teils von der Persönlichkeit ihrer Vertreter abgestoßen. Ein Lehrer der platonischen Philosophie führte ihn tiefer in die Gedankenwelt Platos ein. Durch einen ihm zufällig wahrscheinlich in Ephesus bekannt gewordenen Greis wurde ihm die Unzulänglichkeit aller philosophischen Lösungsversuche, die das Wesen und die Unsterblichkeit der Seele ergründen wollen, dargetan und zugleich wurde er auf die ‘Propheten’ und damit auf das Christentum aufwerksam gemacht: nur anhaltendes Gebet eröffne schließlich den Weg zu Gott und zu Christus. Von nun an galt sein Leben ausschließlich der Verteidigung des Glaubens, der „allein zuverlässigen und brauchbaren Philosophie“ (Dial. 8). Im Pallium, den griechischen Philosophenmantal, zog er als Wanderlehrer umher und gründete in Rom eine Schule; hier hatte er Tatian zum Schüler, fand aber einen heftigen Gegner in dem kynischen Philosophen Kreszenz (Tatian. or. 19,4). Über sein Ende haben wir einen alten treuen Bericht in dem ‘Martyrium s. Iustini et sociorum; nach diesem wurde er um 165 in Rom unter dem Stadtpräfekten Junius Rusticus mit sechs anderen Christen enthauptet.
Von seinen acht Schriften, die Eusebios gekannt hat, besitzen wir in einer einzigen, schlechten Handschrift von 1364 zusammen mit neun unechten oder unsicheren nur drei, und zwar die zwei Apologien gegen Heiden und den Dialog mit dem Juden Triphon.
Literatur:
- Stüber/Altaner, a.a.O., S. 65 f; - Greschat, Martin (Hrsg.)/ Caroline Bammel: Gestalten der Kirchengeschichte, Band Alte Kirche I, Stuttgart 1993, S. 51
Kosmas und Damian:
die Ärzteheiligen; die Aghii Anargyroi Kosmas und Damian sind zwei Brüder aus Ägea in Kilikien (Südküste der heutigen Türkei), die als Ärzte ihre Patienten unentgeltlich behandelten. Da das auch im 3. Jahrhundert ungewöhnlich war, bekehrten sie viele zum Christentum. Damian mußte sich einmal gegenüber seinem Bruder verantworten: Er hatte drei Eier von einer geheilten Frau angenommen, um sie nicht zu kränken. Da das Minologion (vgl. Kirchenjahr) für sie zwei Gedenktage (den 1. Juli und den 1. November) enthält, wird angenommen, es hätte zwei Ärztepaare gleichen Namen gegeben. Der doppelte Gedenktag kommt wohl dadruch zustande, daß die beiden an unterschiedlichen Tagen unter Diokletian den Märtyrertod erlitten. Die beiden Anargyroi, die das Silber als Bezahlung ablehnten, werden auf Ikonen und Kirchenwänden jugendlich und vornehm gekleidet wiedergegeben, mit zartem Flaumbart, Salbenbüchse und einem Löffel in der Hand. Auf einigen Ikonen (Ärzte-Ikonen ist auch ein wichtiges häusliches Hilfsmittel gegen Krankheiten aller Art) wird den beiden auch der Heilige Panteleimonos zugeordnet. Ihr Kult hat sich vom 6. Jahrhundert an ausgebreitet, nachdem sie dem erkrankten Kaiser Justinian im Traum erschienen und ihn von einer Krankheit geheilt hatten. Traumkonsultationen, oft in drei Nächten hintereinander, sind keine Seltenheit. Noch heute übernachten Erkrankte in Kirchen von Kosmas und Damian oder anderen heiligen Ärzten, um gesund zu werden oder entsprechende Traumanweisungen zu erhalten (vgl. die antike Tradition des Heilschlafs Kranker in Tempeln des Asklepios) (aus Spitzing, Lexikon, a.a.O., S. 190).
Lukas Steiriotes:
der Jüngere, Thaumaturgus, Mönch, Festtag 7. Februar. geboren auf Ägina, Flucht nach Kastoria. 7 Jahre Mönch auf dem Berg Joanitza b. Korinth; aufgrund der Bulgaren-Einfälle mußte er seinen Aufenthaltsort merhfach wechseln. Gestorben um 946 bei Stirion i. Phokis. Bei seinem Grab errichtet Kaiser Romanos II. Theophanu die berühmten Kirchen und das Kloster Hosios Lukas. Lukas Steiriotes ist einer der bedeutendsten Heiligen Griechenlands (vgl. LCI, a.a.O., Bd. 7, S. 463).
Marcion:
Marcion (gest. ca. 160) wurde vom Bischof von Sinope am Schwarzen Meer, seinem Vater, aus der Gemeinde ausgeschlossen, dann in Kleinasien auch von Polykarp abgewiesen, aber gegen 140 in der römischen Gemeinde aufgenommen. Jedoch auch hier wurde er 144 exkommuniziert. Er gründete erfolgreich marcionitische Gemeinden, die im Gegensatz zu gnostischen Konventikeln und Schulen gut organisiert waren und erst im 6. Jh. verschwanden.
Seine Lehre hat Marcion in den Antithesen (Gegensätze zwischen AT und NT) niedergelegt. Er verwirft das gesamte AT mit seinem zürnenden und gerechten Schöpfergott (Demiurgos) und stellt ihm den bisher unbekannten Gott der Liebe entgegen, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat; dieser lebte und litt in einem Scheinleib, um die Gläubigen aus der Macht des Demiurgen zu befreien. Die christliche Offenbarung findet Marcion in einem von allen judäischen Fälschungen zu reinigenden Neuen Testament, das nur das Lukasevangelium (ohne Kindheitsgeschichte) und 10 Paulusbriefe (ohne Hebräerbrief und Pastoralbriefe) umfaßt; auch diese verbliebenen Texte bedürfen einer Verbesserung (vgl. die marcionitischen Prologe S. 95). Dieser Schriftkanon Marcions hat natürlich die kirchliche Kanonbildung zur Auseinandersetzung gezwungen, sie aber nicht erst veranlaßt, wie manche annehmen wollten.
Während die christlichen Gnostiker die Kirche überhöhen wollten durch die Idee der vertieften Erkenntnis, ging es Marcion um ihre Rückführung auf den ursprünglichen Stand. Diese Reformation war nach seiner Ansicht notwendig infolge einer judaistischen Verfälschung der Glaubensinhalte. Marcion war wie Luther innerlich gefangengenommen von der Größe der paulinischen Botschaft. Die Gnade Gottes in Christus war für ihn das Zentrum der christlichen Verkündigung. Paulus weiß von der Höhe der Forderung Gottes an die Menschen, die kein Mensch erfüllen kann und daß jeder Mensch verloren ist, der Gott mit seinen Werken gegenübertritt. Das judäische Gesetz schafft nicht Gerechtigkeit, sondern nur unendlichen Zwang. Paulus hat demgegenüber von Jesus gelernt, daß Gott die unbedingte Liebe ist, die dem Gottlosen die Sünde vergibt, oder wie der Pharisäer Paulus dies ausdrückte, ihn rechtfertigt. Paulus hat gewußt, daß mit der Sündenvergebung zugleich alles andere uns von Gott geschenkt ist, ewiges Leben und Herrschaft über alle Mächte, die wider Gott sind (Röm 5,17-21). Von da aus ist es Paulus klargewesen, daß das Gesetz keine Statt mehr im Christentum haben kann. Denn der Gehorsam gegen das Gesetz hat Israel dazu geführt, den Gesandten Gottes zu verwerfen. Er hat deshalb in leidenschaftlichem Kampf mit seinen Gemeinden, vor allem mit der Urgemeinde, hat er die Befreiung der Heiden vom jüdischen Gesetz ertrotzt (vgl. Schmidt, Kurt-Dietrich, Kirchengeschichte, S. 53).
Die Gnade Gottes in Christus war das Zentrum seiner Verkündigung. Von hier aus lehnte er vor allem den Gott ab, den er im Alten Testament reden hörte. In ihm spricht seiner Ansicht nach nur der Gott des Judentums, ein zorniger, gerechter Gott, der nichts kann als vergelten. Dieser ist in seiner Größe begrenzt, denn er muß seine eigenen Werke später im Auftreten Jesu Christi ändern. Hiervon lehnt Marcion das alttestamentliche Gesetz, das von diesem Gott stammt, ab. Daß auch im Alten Testament eine frühere Verkündigungsstufe liegt, sieht Marcion - im Gegensatz zu Paulus - nicht. Das Vertrauen Marcions galt allein dem Gott der Gnade, dem Gott des Neuen Testaments. Von ihm hat nach seiner Ansicht, vor der Offenbarung in Jesus Christus niemand gewußt. Es ist also ein in jeder Hinsicht "fremder Gott", den das Neue Testament verkündigt.
Christus scheint ihm die "Erscheinungsform" des guten Gottes auf Erden gewesen zu sein. Von der Welt des Demiurgen hat Christus nichts angenommen, sein Leib ist ein "Scheinleib" (vgl. =>Doketismus). Der Demiurg bringt Christus ans Kreuz. Gott konnte es nicht mehr ansehen, wie der Demiurg die Menschen geschunden hat, durch die Kreuzigung, das Opfer Christi, verliert der Demiurg die macht über die Menschen (vgl. Schmidt, a.a.O., S. 70).
Mit dem Gnostizismus hat Marcion vor allem die Deutung des alttestamentlichen. Schöpfergottes gemeinsam; aus dem konsequenten Gegensatz zum Demiurgen und seiner jammervollen Schöpfung ergibt sich die Verwerfung der Ehe, eine weltverachtende Askese und eine auffällige Martyriumsbereitschaft. Von der gnostischen Allegorese, der Äonenspekulation, dem Astralglauben und der Überschätzung der "Erkenntnis" will Marcion nichts wissen. Die aus gnostischen Wurzeln stammende Beurteilung der Welt, als Welt des Demiurgen, lehnte Marcion als Welt des Bösen ab, und brachte ihn zu einer streng asketischen düsteren Ethik. Völlige Enthaltung von der Welt ist unabdingbare Pflicht.
Marcion konnte nicht übersehen, daß manche Züge des kirchlichen Christentums, das er ablehnte, schon in neutestamentlichen Schriften ausgeprägt war. Marcion nimmt an, daß die judaistische Verfälschung des Christentums schon sehr früh angefangen hat. Schon die Apostel, geborene Juden, haben Christus in vielen Punkten mißverstanden. Nur die von judaistischen Interpretationen gereinigten Paulusbriefe und ein von Zusätzen befreites Lukasevangelium ließ Marcion für den Kanon gelten.
Die Kirche, die Marcion 144 endgültig ausschloß, stufte ihn als Häretiker ein. Zutreffend sah sie, daß die gnostische Auffassung vom Demiurgen, das Auseinanderreißen von Schöp-fergott und Erlösergott (=>Dualismus), das Zentrum des christlichen Glaubens, den Monotheismus zerstört. Diese Auffassung gefährdet zugleich die Erlösung, die darauf beruht, daß der Herr der Welt zugleich der ist, dessen Liebe uns zur Gemeinschaft ruft. An Marcion wird deutlich, wohin eine Kirche gelangt, die das Alte Testament nicht entschlossen christozentrisch interpretiert.
Die kirchengeschichtliche Bedeutung des Marcion liegt darin, daß die marcionische Krise der Kirche Fragestellungen aufzwang, die eine theologische Entwicklung auslösten, die letztendlich erst im Niceanum gelöst wurden. Wenn die Kirche Marcion gegenüber die Identität von Schöpfer und Auslöser betonte, war sie damit vor die Aufgabe gestellt, diese Identität auszugleichen mit ihrer Urlehre vom Monotheismus. Wie ist dieser zu vereinbaren mit der Tatsache zweier göttlicher Personen.
Apelles, ein Marcionschüler, schrieb Syllogismen (Kritik des AT) und Offenbarungen der marcionitischen Prophetin Philumene. Existenz und Inhalt eines Evangeliums des Apelles sind zweifelhaft.
Literatur:
- Altaner/Stuiber: Patrologie, Sonderausgabe, Freiburg 1978, S. 106
- Schmidt, Kurt-Dietrich, Kirchengeschichte, Göttingen, 9. Auflage 1990
-TRT - Taschenlexikon Religion und Theologie, Band I, Stichwort Bibel, Ziffer 2b, S. 172
Maron von Syrien:
(Festtag bei den Maroniten 9. Februar) war Eremit bei Apamea in Syrien; Freund des Johannes Chrysostmos; er starb um 410. Seine Schüler gründeten das Kloster St. Maron am Orontes.
Maximos Confessor:
Maximus Confessor, geboren um 580 als Sohn einer vornehmen Familie Konstantinopels, war um 610 erster Sekretär des Kaisers Heraklelios, trat jedoch bereits 613/14 in ein Kloster in Chrysopolis (Skutari) ein. Seit 626 auf der Flucht vor den Persern, weilte er 632 in Begleitung des Sophronius in Alexandrien und hielt sich dann wahrscheinlich in Nordafrika (Karthago) auf. Sein theologischer Kampf galt zunächst dem Monophysitismus und erst von 642 ab auch dem Monotheletismus mit dessen Vertretern (Sergius, Pyrrhus I.) er längere Zeit gute Beziehungen unterhalten hatte. 645 disputierte er in Karthago siegreich mit dem Expatriarchen Pyrrhus von Konstantinopel, veranlaßte die Verwerfung des Monotheletismus durch mehrere afrikanische Synoden und erreichte schließlich die Verurteilung der Häresie (Ekthesis, Typus) auf der Lateransynode in Rom (649).
Wohl schon 653 wurde Maximus als Gefangener nach Konstantinopel gebracht. Der Prozeß endete mit seiner Verbannung nach Thrazien (655). 662 mußte er abermals in Konstantinopel vor einer Synode erscheinen. Jetzt wurden er und seine Leidensgenossen, sein Schüler Anastasius und der römische Apokrisiar Anastasius, nach Lazien im Kolcherlande verwiesen, nachdem man den standhaften Bekennern die Zunge ausgeschnitten und die rechte Hand abgehauen hatte. Am 13. August 662 erlag Maximos in der Verbannung seinen Leiden (MG 91, 287/354 [Protokoll der Disputation von 645).]; MG 90, 67/172 [Prozeßberichte und eine anonyme Vita]; Devreesse, AB 1955, 5/16 (griech. Bericht des Apokrisiars Anastasius über den Tod des M.).
Maximos ist im 7. Jh. der bedeutendste griechische Theologe, der aber auch noch in lebendiger Verbindung mit der westlichen Kirche steht. Er ist der theologische Überwinder des Monotheletismus. Seine zahlreichen Schriften erweisen ihn als scharfsinnigen Dogmatiker und tiefen Chri-
stusmystiker, der, auf der Bibel aufbauend, eine Synthese patristischer Überlieferungen versucht (Origenes, Evagrius, Gregor von Nazianz, Ps.-Dionysius). Eine weitreichende Bedeutung gewann seine orthodoxe Auslegung der ps.-dionysischen Schrifen (vgl. *Dionysios Aroapagita). Als Philosoph ist Maximos Eklektiker, der vor allem von Aristoteles und vom Neuplatonisrnus beeinflußt ist.
Die ungcfähr 90 Schriften des Maximos sind formlos und oft schwer verständlich geschrieben.
a) In seinen exegetischen Schriften, die hauptsächlich Erklärungen zu schwierigen Stellen bringen, zeigt sich M. als Anhänger der allegorischen und moralischen Auslegung: Quaestiones ad Thalassium; Quaestiones et dubia; Erklärung des Ps. 59; Erklärung des Herrengebetes.
b) Die Ambigua wollen Stellen aus Gregor von Nazianz und Ps.-Dionysius durch Erklärungen vor Mißdeutungen schützen.
c) 11 dogmatisch-polemische ABhandlungen und Briefe bekämpfen den Monophysitismus und weitere 23 den Monotheletismus; 3 handeln über anthropologische Fragen.
d) Von den aszetisch-mystischen Schrifen sind am wichtigsten der Dialog Liber asceticus, ferner die 400 Capita de caritate und die 200 Capita gnostica. Dazu kommen die durch Epifanovic bekanntgewordenen 100 Capita gnostica. Als unecht sind erwiesen worden 500 Diversa capita theologica et oeconomica, die um 1100 aus echten Werken kompiliert wurden, ferner die 243 Capita alia.
e) Liturgisches bieten die Mystagogia, eine symbolische Auslegung der Liturgie, und der Computus ecclesiasticus, der die Berechnung der kirchlichen Festzeiten und andere chronologisrhe Fragen behandelt. 3 Hymnen sind unecht.
Lehre des Maximos:
a.Christologie. Der Logos steht im Mittelpunkt der Weltgeschichte. Die Zeit vor Christus ist die Zeit der Vorbereitung auf die Menschwerdung Gottes (sárkosis); die Zeit nach Christus ist die Zeit der Vergöttlichung des Menschen (théosis), die durch die Menschwerdung des Logos eingeleitet wird. Als neues Lebensprinzip der Menschen muß Christus notwendig wahrer Gott und vollltommener Mensch sein. Aus der Zweiheit der unversehrten Naturen folgt aber die Zweiheit der Willen und Wirkungsweisen (gegen den Monotheletismus; enérgeiai). Nur das Wollen oder Willensvermögen gehört jedoch zur Natur, dagegen ist das Wählen oder das Sowollen Sache der Person. Maximus nennt dieses Sowollen oder die Willensrichtung den gnomischen Willen (gnómi). Die menschliche Natur Christi hat nur einen physischen Willen, nicht den gnomischen Willen; denn die Willensrichtung bestimmt allein der Logos, der mit seinem göttlichen Willen auch den menschlichen leitet und so bei ihm jeden Irrtum und jede Sünde ausschließt.
b. Eschatologie. M. ringt mit dem schweren Problem der apokatastasis apanton und verrät deutlich seine Sympathie für die früher von Origenes und Gregor von Nyssa vorgetragene Anschauung. Er will jedoch nicht, daß man diese Ansicht offen und ungescheut vertrete. Anfänger und Unvollkommene sollen nicht allein durch freundliche Blicke in den Abgrund der Barmherzigkeit Gottes geführt, sie müssen auch von der Furcht gelenkt werden (cap. 200 [2, 99]; MG 90, 1172D). Diese Lehre ist für jene vorbehalten, die ein mystisch-tiefes Verständnis besitzen; "wir wollen sie durch Schweigen ehren" (quaest. Thal. prol.; MG 90, 260A).
Ein Nachklang des antik-origenistischen Weltbildes ist festzustellen, wenn Maximos (MG 90, 1108 A/B) Kreuzigung und Auferstehung auch als allgemein kosmische Vorgänge auffaßt.
Literatur:
Altaner/Stuiber, a.a.O., S. 521-23; Hauptmann, Peter: Maximos Confessor; in: Gestalten der Kirchengeschichte, Band Alte Kirche II, S. 275 ff).
Meletios von Antiocheia:
war als Erzbischof von Antiocheia bis zu seinem plötzlichen Tod 381 (LCI, a.a.O., Bd. 8, S. 2: 381; nach Alberigo, a.a.O., S. 72) der Vorsitzende des 2. Ökumenischen Konzils von Konstantinopel.
Montanismus:
Der Montanismus war eine von Montanus um die Mitte des 2. Jh von Montanus ins Leben gerufenen Bewegung, der eine Weiterentwicklung der Kirche in spirituellen Bahnen bezweckte.
Um 170 trat in Phrygien Montanus (gest. 179) auf, der sich als Sprachrohr und Prophephet des Parakleten verstand und wie seine Begleiterinnen Priscilla und Maximilla in ekstatischen Erfahrungen neue Offenbarungsworte durch den Geist empfangen haben wollte. Wiederbelebung der Naherwartung, asketische Strenge und ethischer Rigorismus waren die Kennzeichen dieser Bewegung, der sich schließlich auch Tertullian anschloß. Dieser war allerdings weniger von den charismatischen Phänomenen als vom montanistischen Rigorismus fasziniert und legitimierte durch die Berufung auf den Geist seine Kritik an der Laxheit der Bischöfe und ihrer Anmaßung im kirchlichen Bußverfahren. Dieses Elitedenken hat deutliche Parallelen bei Gnostikern, die sich im Unterschied zu den Normalchristen, den Psychikern, als Pneumatiker verstanden, welche Anteil am göttlichen Geist und damit höhere Erkenntnis für sich in Anspruch nahmen.
Gegenüber dem Anspruch auf neue Offenbarungen und wahrere Erkenntnis wird in den Bischofskirchen den Bischöfen selbst die Fülle des Geistbesitzes zugesprochen (vgl. Hippolyt [gest. um 235], Didaskalie, Cyprian [gest. 258]) und die Wahrheit kirchlicher Lehre durch die Ausbildung des Gedankens der apostolischen Sukzession sowie die Feststellung des Kanons und der Regula fidei (einer ausführlicheren, erläuternden Fassung des Taufbekenntnisses) abgesichert. Allerdings darf der durch den Montanismus virulent gewordene Konflikt nicht einfach in die Alternativen “Charisma oder Amt” gefaßt werden, zumindest was die vorkonstantinische Zeit anbetrifft. Die Amtsträger müssen sich in der als ganzer vom Geist beseelten Gemeinde als Geistträger bewähren. Von daher lautet die entscheidende Frage, wo der Geist konkret wirkt: in der neuen Prophetie oder in der charismatischen und apostolischen Gemeinde, die jene dann als Pseudoprophetie zu entlarven hatte.
Mit der entschiedenen Ablehnung des Montanismus verschwinden die Prophetinnen und Propheten aus dem kirchlichen Leben, während charismatische Lehrer im 3 . Jh. noch eine bedeutende Rolle spielen. Origenes verbindet das Idealbild des gnostischen Pneumatikers im Unterschied zu Clemens von Alexandrien mit dem Amtsträger. Daneben gelten auch Asketen, Witwen und vor allem Märtyrer als Charismatiker. Nach dem Ende der großen Verfolgungen setzt das Mönchtum dieses Erbe fort und bleibt jedenfalls offen für charismatische Aufbrüche.
Als exemplarisch für die weitere Geschichte kann gelten, daß in Krisenzeiten prophetisch-charismatisch-eschatologische Bewegungen entstehen, die sich gegen das Erschlaffen des Glaubenslebens, gegen die Überbewertung von Strukturen und gegen klerikale Machtansprüche erheben. Sie sind geprägt von der Sorge um die Identität des Glaubens, die sie durch die Ungleichzeitigkeit seiner Verkündigung oder (wohl häufiger) durch zu große Anpassung gefährdet sehen (vgl. Hilberath, Bernd-Jochen, in: Schneider, u.a. (Hrsg), Handbuch der Dogmatik, Band 1, 1. Aufl. Patmos-Verlag Düsseldorf 1992, S. 492)
Montanus soll vorher Priester des Apollo oder der Kybele gewesen sein (möglicherweise Verleumdung späterer Zeit). Wahrscheinlich um 156/157 traten in Kleinasien, der eben erst zum Christentum übergetretene Montanus und bald mit ihm zwei Frauen, Priscilla und Maximilla auf, mit dem Anspruch, Gefährten und Werkzeuge des Heiligen Geistes zu sein, d.h.. als Paraklet, die höchste Offenbarungsstufe und damit den Abschluß des christlichen Glaubens zu bringen. So sagt Montanus von seiner zu Art zu prophezeien: "Siehe, der Mensch ist wie eine Leier und ich (nämlich der Heilige Geist) fliege über sie wie das Plektron".
Inhaltlich bringt die montanistische Botschaft nichts Neues. Charakteristisch ist die apokalyptische Grundstimmung. Das nahe Weltende wird verkündet und zu einer rigorosen Ethik aufgerufen (Verbot der 2. Ehe, verschärfte Fastenvorschriften, Verbot der Flucht in der Verfolgung, Verbot der Vergebung der Todsünden usw.). Bei Perpuza und Tymion wird das Herabsteigen des himmlischen Jerusalem und des 1000jährigen Reiches erwartet.
Nur mühsam hat sich die Kirche Kleinasiens dieser Restauration urchristlicher Gedanken erwehrt. Mit Geisteraustreibung, den ersten bekannten Synoden und Gegenschriften wurde der Kampf gegen den Montanismus aufgenommen, der sich bald über Phrygien hinaus ausbreitete (in Gallien wie in Rom, wo man anscheinendseine Anerkennung erwog). Um 207 hat sich in Karthago ihm Tertullian angeschlossen. Erleichtert wurde die Auseinandersetzung erst mit dem Tode des Gründers und seiner Prophetinnen, als das vorausgesagte Weltende ausblieb. Bis etwa 200 muß die von der Enderwartung beherrschte erste Epoche des Montanismus angenommen werden, bald danach beginnt die zweite Epoche, der schon Tertullian angehört. In ihr ist die im Gegensatz zur Großkirche verschärfte Ethik das Hauptkennzeichen, während Prophetie und Endzeiterwartung verblassen. Die Schriften der montanistischen Urpropheten werden gesammelt und treten neben das alte und neue Testament als dritte Offenbarungsurkunde. Von dem wohl umfangreichen Schrifttum des Montanismus sind noch etwa ca. 20 Orakel aus den (ebenfalls verlorenen) Gegenschriften des 2. Jh nach den Zitaten der späteren Kirchenväter (insbesondere Eusebios und Epiphanius) rekonstruierbar. Dazu kommen als zusätzliche Quellen Tertullian und einige Inschriften. Es scheint, als ob der ursprüngliche Montanismus orthodox war, jedenfalls greift ihn die Polemik des 2. Jh wegen dogmatischer Abweichungen nicht an. Einflüsse kleinasiatischer Kulte werden wahrscheinlich zu Unrecht behauptet. Wie lange der Montanismus bestand, ist nicht sicher zu sagen, er wird allerdings regelmäßig in den staatlichen Gesetzen gegen die Ketzer erwähnt.
Neben dem Monarchianismus des Theodot, Gerbers aus Byzanz, verbreitete Noetus aus Smyrna, gegen den Hippolyt schrieb, und Praxeas, den Tertullian bekämpfte, eine monarchianische Logoslehre (pater passus est, daher Patripassianismus).
Literatur:
- Schneider: Grundriß der Kirchengeschichte, S. 71;
- RGG: Die Religion in Geschichte und Gegenwart;
- Altaner/Stuiber, Patrologie, Freiburg Sonderausgabe 1978,
S. 107
Hl. Nikólaos, Nikolaus:
Der Heilige Nikolaus (O Agios Nikólaos), einer der beliebtesten Heiligen Griechenlands, Schutzpatron der Schiffahrt, hat im Osten keinen Bezug zum Weihnachtsbrauchtum.
Leben und Legende des Heiligen Nikólaos:
Vor 290 in Lykien in Kleinasien geboren, verteilte Nikólaos nach dem Tode seiner Eltern das ererbte Vermögen an die Armen. Pilgerte zu Schiff nach Jerusalem. Als Bischof von Myra (am Phinike Körfezi im Südwesten von Antalya/Türkei) in Lykien setzte er sich für die Armen ein: Den zum Verkauf ins Bordell bestimmten Töchter eines Verarmten warf er drei Säckchen mit Gold als Aussteuer ins Schlafzimmer. In der letzten Christenverfolgung unter Diokletian und Maximian im Gefängnis, rettete er drei zum Tode Verurteilte. Er kämpfte auf dem Konzil zu Nikäa 325 gegen die Arianer, verstarb um 350.
Die byzantinische Prinzessin Theophanu, ab 972 Gemahlin des deutschen Kaisers Otto II. führte die Nikolausverehrung in Mitteleuropa ein. Sein Grab in Antalya wurde durch die Seeräuber ausgeraubt, seine Gebeine gelangten unter dubiosen Umständen nach Bari / Unteritalien.
Ikonographische Darstellung:
Niklaus trägt Bischofsornat, hat einen gepflegten, gerundeten weißen Bart, Stirnglatze oder rundum kahlen Kopf. Auffällig ist sein mit großen Kreuzen besetztes Omophorion. Er erscheint als Einzelfigur in Apsiswölbungen (Athen, Daphni, Ende 11. Jh.), oft unter den Kirchenvätern und Liturgen in der untersten Zone der Hauptapsiswand, in spätbyzantinischer Zeit oft mit Schriftband: „Der Du uns mit diesen gemeinschaftlichen Gaben wohlmeinend beschenkt hast ...“. Beliebtes Motiv: Überreichung der bischöflichen Insignien (der Überlieferung nach im Gefängnis). aus den Wolken heraus überreicht ihm von der einen Seite her Christos der Evangelienbuch, von der anderen Seite her die Allheilige (Panhagia-Maria) das Omophorion (die Stola des Bischofs) (Nikólaos Orfanos, Fresko Anfang 14. Jh.; Charaki Agios Nikólaos, Rhodos 17. Jh.). Zahlreiche Szenen aus seiner Legende befinden sich in der Vorhalle von Agios Nikólaos Orfanos, Thessaloniki.
Nikólaos als Schutzpatron der Seeleute und der See-Schiffahrt:
Bei der Überfahrt nach Jerusalem brachte Nikolaus den Sturm zum Schweigen, rettete so einen über bord gegangenen Seemann. Der Heilige wird besonders von Schiffern und Fischern verehrt. Dem Volksglauben nach trieft sein Bart vor Wasser, seine Kleidung ist feucht, ständig ist er damit beschäftigt, in Seenot geratene Schiffe über Wasser zu halten. Ihm sind Kapellen auf Molen (z.B. in Ägina) oder an vorspringenden Kaps geweiht (Gegenstück Elias).
Der Nikolaustag (6. Dezember) markiert den Zeitpunkt, an dem die heftigen Winterstürme einsetzen. Kein Schiff sticht ohne Nikolaus-Ikone in See. Sie soll vor Sturm schützen. Eine Spende von Kolywa (eine Totenspeise, die zur Stärkung der Gläubigen nach Totengedächtnissen verschenkt wird, bestehend aus Getreide, Honig, Nüssen, Rosinen etc.; Brauch geht auf das der Demeter, der antiken Herrin über die Toten und die Getreidesamen (Göttin der Fruchtbarkeit), zurück. In der Antike hat man der Demeter, der Herrin über die Toten und die Getreidesamen, die wie die Toten in der Erde liegen, eine Getreidekornspeise geweiht - zugleich als Sühneopfer für die Unterwelt, Nahrung für die Toten, Dank für die Ernte. Christus hat seinen Tod und seine Auferstehung mit dem Tod in Verbindung gebracht: „Wenn das Getreidekorn nicht in die Erde fällt und stirbt, dann bleibt es für sich allein (ohne sich zu vermehren). Stirbt es aber, dann trägt es viele Frucht.“ Joh 12, 24. Die Kollywaspende an Lebende und Tote hält die Gemeinschaft aller untereinander aufrecht, weil man die gleiche Substanz zu sich nimmt), geweiht am Nikolaustag, und die Worte: „Heiliger Nikolaus, halt ein mit Deinem Sturm!“ garantieren eine Wiederholung eines Sturmwindwunders. Günstiger Wind kommt auf, wenn etwas Kollywa gespendet und die Nikolaus-Ikone an einem Strick ins Meer gelassen wird. Die Zueignung der Totenspeise Kollywa kennzeichnet seine Herrschaft über das Meer als Totenwelt. Nikolaus hat Poseidon abgelöst, ist zugleich als Steuermann des Lebens Gegenspieler zum Steuermann des Todes (Charon).
Die Bedeutung des Nikolaos und seine Funktion für die Seefahrt wird erst verständlich, wenn man sich die Gefahren vor Augen fürt, die früher mit einer Schiffsreise verbunden waren. Die Galeeren, d.h. mit Riemen versehene Segelschiffe waren seit den Tagen Homers bis ins 19. Jh. im Mittelmeer gebräuchlich. Sie waren meist offene Boote, mit sehr beschränkter Steuerungsmöglichkeit, Wind und Wellen schutzlos ausgeliefert, und Stürmen in keiner Weise gewachsen. Steuerruder, wie wir sie heute kennen, waren eine nordeuropäische Erfindung des 15. Jahrhunderts. Zuvor verwendete man zum Steuern Handpaddel und konnte deshalb nur vor dem Wind Segeln.Die Seefahrt war daher mit einem Höchstmaß an Ausgeliefertsein und oft mit Lebensgefahr verbunden, weshalb das Anrufen des Heiligen verständlich und nachvollziehbar ist (vgl. Bradford, Ernle: Reisen mit Homer -Auf den wiederentdeckten Fährten des Odysseus ... , Neuauflage 1989, S. 27 f).
Panteleimonos:
O Agios Panteleimonos, Großmärtyrer aus Nikomedia (heute Ismit/Türkei - knapp 100 km östlich von Konstantinopel). Er war Leibarzt des Kaisers Maximian, von Kollegen wegen seines Christentums angeklagt, am 27.7.304 grausam gefoltert und enthauptet; der 27. Juli ist sein Gedenktag. Panteleimon erscheint auf zahlreichen Ikonen und an Kirchenwänden als bartloser, junger Mann mit krausem Haar, vornehm gekleidet, in der Linken eine Büchse oder ein Kästchen mit Medizin, in der Rechten einen langen Löffel, ähnlich dem, mit dem das Abendmahl verteilt wird. Der Volksmund sagt über den Schutzpatrion der Invaliden: "Alle Blinden und Lahmen gehen zum Heiligen Panteleimon." Im Westen einer der 14 Nothelfer, zählt er im Osten zu den Heiligen Anargyroi (den ‘Geldverächtern’), steht auf Ikonen zwischen Kosmas und Damian.Alle drei werden anläßlich der Ölweihe (Krankensalbung, vgl. Mysterien) um Fürbitte für die Gläubigen angerufen. Im Kloster Panachrontou auf der Insel Andros postieren die Mönche am Namenstag des Panteleimon einen Wächter benen den vor den Schädesrelequien brennenden Öllampen: die Gläubigen sind darauf aus, nach der Andacht das Öl als Heilmittel zu entnehmen (vgl. Spitzing, Lexikon, a.a.O., S. 257 f).
Paraskevi:
H Agia Paraskevi (vgl. die Kirche der Heiligen Paraskevi in Thessaloniki), wurde an einem Freitag (Paraskevi) in Ikonium (heute Konya - Türkei) geboren. Sie erhielt den Namen des Leidenstages Christi (paraskeui d.h. Vorbereitung). Nach dem Tod ihrer Eltern verteilte sie ihr Erbvermögen, zog nmach Rom, verkündete das Evangelium, wurde gemartert und enthauptet. Am 26. Juli, einen Tag vor Panteleimon, sammeln sich Volksmassen vor ihren über das Land verstreuten Kapellen, oft mit angebauter Küche. Nach dem Gottesdientst wird ein gemeinsames Mahl eingenommen. In Griechenland trägt Paraskevi gewöhnlich Nonnenkleidung, in der Rechten ein Holzkreuz der Märtyrerin, in der Linken ein Tablett mit Augen. Wie Panteleimon heilt sie Augenleiden, die als Folge der Sündhaftigkeit gelten. Ihre Ikonen sind stets überhäuft mit Tamata (Silberblechen als Votivgaben) mit eingeprägten Augenreliefs, gespendet von Heilungssuchenden. In Rußland kommt ihr dagegen mehr die Bedeutung der weiblichen Nothelferin (ähnlich der des männlichen Nikólaus) zu; sie erscheint dort fast immer als Nonne mit Maphorion angebildet. Zu unterscheiden ist die im bulgarisch-serbischen Raum seit dem 17. Jh verehrte Parakeve die Jüngere (Petka).
Parthenius von Lampsakos:
Bischof, stammte aus Miletopolis am Hellespont; von Ascolius d. Metropoliten v. Kyzikos, zum Nachfolger des Theonas geweiht, nahm er wahrscheinlich am Konzil von Nicaea teil. Er ist ein bedeutender Wundertäter, gestorben nach 337 (vgl. LCI, a.a.O., Bd. 8, S. 122).
Paul von Samosata:
als Häretiker verurteilt, vgl. Anhang 12 (Kirchliche Lehrstreitigkeiten), Stichwort Paul von Samosata
Pelagius, Pelagianer:
Pelagius, ein von den britischen Inseln stammender Mönch, verließ um 410 mit seinem Freund Coelestius Rom und reiste über Karthago nach Jerusalem. Coelestius blieb in Karthago und wollte da Priester werden, was dazu führte, daß die Lehre der Pelagianer vom freien Willen und ihre Ablehnung der Lehre von der Erbsünde Aufsehen erregte. Augustinus entwickelte in der Auseinandersetzung mit dem Pelagianismus seine extreme Gnaden- und Prädestinationslehre, die im Osten nie anerkannt worden ist. Der Pelagianismus wurde jedoch verurteilt, zuerst im Westen, bereits 418 auf einer Generalsynode von Karthago. Pelagius selbst konnte sich im Osten zunächst noch gegen seine Ankläger behaupten, da er sich von den extremen Thesen des Coelestius distanzierte, später jedoch wurde er auch im Osten auf verschiedenen Synoden verurteilt. Er starb 454 in Sizilien. Die Ostkirche lehrte inbezug auf den ‘freien Willen’ immer differenzierter als die Kirchen des Westens, die die extremen Positionen von Augustin und den Pelagianern nie überwunden haben. Die Orthodoxe Kirche hält fest an der Lehre von der Erbsünde, lehnt aber eine Lehre von der ‘Erbschuld’ ab. Für sie ist die Gnadenhaftigkeit des Heils und die von Gott gewährte Freiheit des menschlichen Willens kein sich ausschließender Gegensatz, sondern ein heilsnotwendiges Paradox, das damit zusammenhängt, daß Gott dem Menschen in der persönlichen Begegnung im Heiligen Geist das Personsein schenkt und ihn durch die Theosis in Freiheit zu sich wachsen läßt.
Polycarb von Smyrna:
Der hl. Polycarb († 156) sah und hörte noch den Evangelisten Johannes und wurde von ihm zum Bischof von Smyrna bestellt (Tert. praescr. 32,2; Eus. h.e. 5,20,5f). Der Name Polycarb (gr.) bedeutet der ‘Fruchtreiche‘. *Eusebios nannte ihn den "greisen Lehrer von Asien". Er war Lehrer des hl. Bischofs und Märtyrers Irenäus von Lyon, der in seinem Brief an Florinus von der Apostelschülerschaft Polycarbs berichtet. Polycarb erlitt 156 in Smyrna das Martyrium. Die Niederschrift in den Märtyrerakten stellt den ältesten, echten und ausführlichen Bericht über ein Einzelmartyrium dar. Demgegenüber stellt die ‘Vita Polycarpi‘ von Pionius ein unbedeutendes, völlig legendäres Machwerk dar, das wahrscheinlich um 400 zur Ergänzung des alten Leidensberichts verfaßt wurde.
Polycarb unternahm in Rom einen Schlichtungsversuch im *Quartedezimanerstreit um den Ostertermin, konnte sich aber mit Papst Anicet nicht einigen. Nach dem Zeugnis des Irenäus (Eus. h.e. 5,20,8) schrieb Polycarb mehrere Briefe an Gemeiden und einzelne Brüder.
Literatur:
- Altaner/Stuiber,a.a.O., S. 50-52;
- Hauss: Väter der Christenheit, a.a.O., S. 5;
- Melchers, a.a.O., S. 123;
- Tritsch, Walter: Christliche Geisteswelt, a.a.O., Bd. 1, S. 38 f
mit Übersetzung der Märtyrerakten
Quartedezimaner:
Quartedezimanischer Paschastreit um 195; in den Bistümern Kleinasiens wurde in der frühen Kirche Das Osterfest am Tag des jüdischen Passahfestes gefeiert. Nach dem Johannesevangelium handelt es sich dabei jedoch um den Tag der Kreuzigung. Die Synoptiker erklären das Letzte Abendmahl zum Passahmahl und legen die Kreuzogung auf den nächsten Tag, was sich auf die Berechnung des Ostertemins auswirkt. In Rom wurde Ostern demgegenüber an dem Sonntag gefeiert, der auf den Vollmond nach der FrühjahrsTagundnachtgleiche folgte: als Erinnerung an die Auferstehung. Nach 150 besuchte *Polycarb von Smyrna in dieser Angelegenheit Rom. Es wurde jedoch keine Einigung erzielt. Nach 190 erschien es dem damaligen Bischof von Rom, Viktor I. (189-198), unerträglich, daß in den Kirchen in Kleinasien Ostern an einem anderen Tag gefeiert wurde, und drohte mit der Exkommunation. Die Kirchen Kleinasiens berriefen sich darauf, die ältere Regeln zu haben, und lehnten die Unterwerfung ab; der Unterschied blieb erhalten.
Literatur:
McManners:Geschichte des Christentums, a.a.O., S. 44
Schmidt, Kurt Dietrich: Kirchengeschichte, a.a.O., S. 137
Romanos der Melode:
byzantinischer Hymnendichters (gest. um 573), Festtag 1. Oktober (Schutzfest der Gottesgebärerin). Auf der Festikone dieses Tages findet sich Romanos auf dem Ambo vor seinem Chor, wie er durch die Eingebung der Gottesgebärerin mit neugeschenkter Stimme seine Kondakien und Iken vorträgt. Das Fest ist vermutlich im 10. Jahrhundert in Byzanz entstanden, geriet jedoch bald wieder in Vergessenheit. Im 12. Jahrhundert hat es FürstAndrej Bogoljubskij (gest. 1174) in Vladimir-Suzdal eingeführt. Von hier aus verbreitete es sich in der übrigen orthodoxen Welt. Die Kirche von Hellas hat allerdings auf Beschluß des heiligen Synods von 1952 das Schutzfest auf den Nationalfeiertag am 28. Oktober verlegt.
Romanos ist gegen Ende des 5. Jh in Emesa (Syrien) geboren und wahrscheinlich jüdischer Herkunft. Er war Diakon in Berytus und kam zwischen 491 und 518 als Diakon nach Konstantinopel, wo er starb. Romanos war der bedeutendste Kontakiendichter des 6. Jh, der sehr viele Hymnen gedichtet haben soll; von dem ihm hsl. zugeschriebenen 85 Texten sind ungefähr 60 echt. Diese Kontakia sind Predikten in Liedform, wahrscheinlich unter syrischem Einfluß entwickelt; sie befolgen nur noch den Wortakzent, nicht mehr die Quantität der Silben. Zum Inhalt haben sie Leben und Wirken Christi, atl. und ntl. Gestalten, auch ntl. Parabeln, ferner Heilige und einige andere Themen. Romanos wird u.a. als Dichter des Akathistos-Hymnos genannt (vgl. Altaner/Stüber: a.a.O., S. 532).
Theodor Stratelates:
(der Heerführer) von Euchaïta, Festtag römische Kirche 7.2., Orthodoxe Kirche 8.2. Seine Passion wird seit dem 9. Jh verehrt. Legendäre Weiterbildung der Passion des Theodoros Tiro von Eichaïta seit dem 9. Jh. Er stammt aus Herakleia, erlitt dort sein Martyrium (nach anderer Version in Euchaïta) unter Licinius; seine Gebeine wurden nach der Überlieferung nach Euchaïta transferiert. Zentrum seines Kultes ist Tiro in Euchaïta, von wo aus auch die Legende ausging, erstmals faßbar in der Laudatio des Niketas Paphlagon (vgl. LCI, a.a.O., Bd. 8, S. 443).
Theodoros Tiro von Euchaïta (von Amasea):
hl. Märtyrer, war nach den ältesten Berichten (bei Gregor von Nyassa mit Übernahmen aus der Passion des Nestor, Polykarb und anderer Märtyrer) Soldat im Heer des Kaisers Maximianus. Bei Ausbruch der Christenverfolgung (306-311) steckte er den Tempel der Kybele in Amasea in Brand und wurde daraufhin grausam gemartert und verbrannt. In späteren Fassungen weist die Passion des Theodoros starke legandäre Erweiterungen auf, u.a. durch einen Drachenkampf und zahlreiche Wunder. Zentrum des Kultes des Heiligen ist Euchaïta (seit 971 Theodoropolis) bei Amasea. Über dem Grab des Heiligen wurde unter Kaiser Athanasios (491-518) eine berühmte Wallfahrtsbasilika errichtet; eine andere berühmte Theodoros-Kirche 452 in Konstantinopel, weitere Kirchen befinden sich im gesamten Orient. Das älteste Zeugnis seines Kultes im Westen ist die Basilika Cosmas und Damian in Rom. Theodoros gehört neben =>Georgios und =>Demetrios zu den bedeutendsten und ältesten verehrten heiligen Soldaten; er war Patron des byzantinischen Heeres. Im Volksglauben wurde er mit dem antiken ‘thrakischen Reiter’ identifiziert. Ikonographie: Die älteste Darstellung als Martyrer mit dunklem, meist gelocktem Haar in mittlerem Alter, typisch sein spitzer Bart.
Theodora Augusta:
Die Kaiserin Theodora Augusta wurde um 830 in Elissa (Paphlagonien) geboren. Als Frau des byzantinischen Kaisers Theophilos übernahm sie 842 bei dessen Tod die Regentschaft für ihren dreijährigen Sohn und Thronerben Michael II. Sie setzte die Entschließungen des II. Nicaeanums durch, befreite alle Ikonophilen, setzte den ikonoklastisch gesinnten Patriarchen Johannes ab und ernannte den Methodios zu dessen Nachfolger. 843 berief sie die Synode von Konstantinopel ein, beendete den =>Bilderstreit und setzte das =>Fest der Orthodoxie am ersten Fastensonntag ein. 856 mußte sie abdanken und lebte seither klösterlich im Karianuspalast von Konstantinopel. Wie die Kaiserin Irene, die das II. Nicaenum einberief, wird sie als Verteidigerin der Orthodoxie verehrt (vgl. Spitzing, a.a.O., S. 54; LCI, a.a.O., Bd. 8, S. 451)