Version 15.3.2016

 

 

Fachbegriffe und Erläuterungen

zum

Pfälzischen Mühlenlexikon

 

 

erstellt von Eberhard Ref (email: mailto: eberhard.ref@gmx.de)

 

 

 

 

Die Zusammenstellung beinhaltet technische Erläuterungen und Begriffe zu Mühlen iwS., zur Mühlentechnik, wie auch Rechtsbe­griffe aus dem materiellen Recht und Prozeßrecht der frühen Neuzeit, die im Zusammenhang mit einzelnen Mühlen im Mühlenlexi­kon ange­sprochen sind.

 

 

 

Achatschleifen:

wassergetriebene Schleifstätten für Achat-Edelsteine. Um die Mitte des 18. Jh. wurden im Zeitalter des Merkantilismus im Herzog­tum Pfalz-Zweibrücken große Anstrengungen unternommen, eine staatliche Schmuckstein-Manufaktur aufzubauen, die die Macht und den Wohlstand des Landesherrn verstärken sollte. Die Grundlage bildeten ieL. Die zahlreichen Fundorte von Achaten und ihnen verwandter Halbedelsteine im Raum Baumholder. Um Baumholder lag das weitaus bedeutendste Vorkommen im Gebiet des Herzog­tums, zu dem aus vertraglichen Abmachungen zwischen den Landesherrn die benachbarten Fundorte in der Wild- und Rheingraf­schaft Grumbach und um 1785 die Achatschleifen „bei Oberkirchen im Oberamt Schaumburg“ hinzukamen, deren Besitz der Herr­schaft Oberstein schon län­gere Zeit vorher verloren gegangen war. Die Verarbeitung der Steine erfolgte zum größten Teil in herr­schaftlichen Regiebetrieben, ver­einzelt auch in staatlich stark subventionierten Schleifereien als Lohnwerkstätten. Alle Kosten und Gewinne wurden über die Fürstliche Rentkammer in Zweibrücken verrechnet. Die erste Achatschleiferei wurde auf herzogliche An­ordnung im Schloßgarten der Residenzstadt Zweibrücken erbaut. Später traten noch Achatschleifen in (Anm.: Nieder-)Auerbach, Bliesberger Hof und in Mittelbach bei Hornbach hin­zu 1.

 

Die vier Achatschleifmühlen im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken (Bliesbergerhof bei Limbach, Mittelbach, Niederauerbach und Zwei­brücken) arbeiteten alle in bzw. in der Nähe der Residenzstadt Zweibrücken, so daß sie als Regiebetriebe der Verwaltung leicht zu be­aufsichtigen waren. Für diese vier Achatmühlen mußte ständig für Rohmaterial gesorgt werden. Das Abbaugebiet für Halbedelsteine lag zwischen Glan und Nahe. Mit den Grafen von Grumbach/Lauterecken hatte die Zweibrücker einen Kolla­bora­tionsvertrag abge­schlossen, so daß alle Lagerstätten (die bedeutenden bei Oberstein ausgenommen) zur Verfügung standen. Folgende Fundorte sind bekannt: Mambächel (im Gelände des heutigen Truppenübungsplatzes Zweibrücken), bei Grumbach (ein streifig bun­ter Achat), bei Ronnenberg und Berschweiler (Kugelachat) nächst Baumholder bei der Lehmkaut (Kugelachat) und hinter der Stahr­wiese viel Jaspis. Diesen fand man auch im Baumholder Loch. Auf eine „Spur von Achat“ stieß man in dem Hoffmännischen Stollen, einer Kupfergru­be bei Baumholder 2.

 

Weitere Achatschleifen waren in der Umgebung von Nohfelden im Nahetal und eine weitere bei Ellweiler gebaut worden, die am 15.8.1748 dem Herzog als betriebsfertig gemeldet wurde3.

 

1785 wurde der Bergrat Jacobi „aus Moschel“ mit einer Bestandsaufnahme der Achatvorkommen und Bergwerke beauftragt, der ein Verzeichnis erstellt.

 

Auch die Kurpfalz, die mit ihren Ämtern Lauterecken und Rockenhausen (Odernheim seit 1768 kurpfälzisch) an die bekannten Achat­fundgebiete heranreichte, interessierte sich in der 2. Hälfte des 18. Jh. für das Graben und Schleifen von Halbedelsteinen. Kur­fürst Karl Theodor von der Pfalz wünschte vor alle „Kabinettstücke“ für sein von C. Collini geleitetes Naturalienkabinett in Mann­heim 4. Er versuch­te, auch mit dubiosen Mitteln, den Meister der Ellweiler Schleife für sich zu gewinnen und Pachtverträge für Zwei­brücker Achatgruben zu erschleichen 5. Als diese Bemühungen fehlschlugen, beauftragte der Kurfürst 1768 seinen Keller in Wolf­stein Heyler, bei Lauterecken, Wolfstein, Rockenhausen und in der Gegend von Alzey nach Achaten schürfen zu lassen. Christian Köhler und Peter Pfeiffer, zwei bergkundigen Männern aus der Gegend von Wolfstein aus der Gegend von Wolfstein, wurde die Lei­tung übertragen. Fündig wurde man bei Reichenbach und Fockenberg am Potzberg. Den ursprünglichen Plan, bei Wolfstein eine Achatschleifmühle zu errichten, hatte man aufgegeben 6.

 

Achatschleifmühlen gab es im Untersuchungsgebiet an folgenden Orten:

- Bliesbergerhof bei Limbach

- Ellweiler

- Kirchheimbolanden, Rothenkircherhof

- Mittelbach

- Neustadt, im Speyerbachtal

- Niederauerbach

- Nohfelden

- Schifflick/Tschifflick bei Zweibrücken

- Wolfstein

- Zweibrücken

 

Urkunden/Literatur:

- Reitenbach, Albert: „Achatschleifen und -Fundstätten im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken“; in: Pfälzische Heimatblätter 1963,

S. 67-68

- Weber: Mühlen besonderer Art, a.a.O., S. 335-340

- Zink, Albert: Pfälzische Achate für das Mannheimer Naturalienkabinett; in: Pfälzische Heimatblätter Jg. 12, S. 77

 

 

 

 

Admodation:

auch Amodiation ist eine heute kaum noch gebräuchliche Bezeichnung für einen Pachtvertrag. Der Begriff war bis zum frühen 19. Jahr­hundert vor allem in Frankreich gebräuchlich. In dem Vertrag ging es beispielsweise um die Pacht eines großen Gutes (Lehen) mit allen dazugehörigen Rechten, z. B. Jagdrecht, Patrimonialgerichtsbarkeit,Braugerechtigkeit. Alles, was über das vereinbarte Admodiationsgeld (= vereinbarter Pachtbetrag) hinausging, blieb im Besitz des Admodiators (= des Pächters). Admodiationen können sich im Rechtsge­biet des Deutschen Reichs auch auf die Verpachtung von Schürfrechten, Zollrechten, Brau- und Jagdrechten oder auf Rechte zur Aus­beutung von Salinen durch einen Landesherrn beziehen 7.

 

 

 

Afterbeständer:

ist die altertümliche Bezeichnung für einen Unterpächter

 

 

 

agnatische Erbfolge:

Eine Stammlinie wird auch als agnatisch bezeichnet, ein Begriff aus dem alten römischen Recht für ausschließlich männliche Blutsver­wandte, die Agnaten (von lat. agnatus, „der Hinzu-/Nachgeborene“). Die Agnation war Teil der römischen Vorstellung von „väterlicher Gewalt“ (patria potestas) und betrachtete Frauen und männliche Seitenverwandte als nur „kognatisch“ (lateinisch „mitgeboren“). Für den Fall, dass es in der Stammlinie keinen männlichen Nachkommen gibt, entwickeln Adelsfamilien komplizierte Regelungen bezüg­lich der Erb- und Rechtsnachfolge.

 

 

 

Aichpfahl:

s. *Eichpfahl

 

 

 

Amerikanische Mühlen:

da das Königreich Bayern an einer qualitativen wie quantitativen Verbesserung der Mühlenprodukt, speziell auf dem handelsmülleri­schen Sektor, interessiert war, wurde bereits 1837 ein Empfehlungsschreiben zur Errichtung „amerikanischer“ bzw. „englisch-amerikanis­cher Mühlen“ veröffentlicht. Das Staatsministerium des Innern verwies eindringlich darauf, daß die „englisch-amerikanischen Mahlmüh­len“ aus „gleichen Getraide … unendlich besseres Mehl“ erzeugten, als dies von den „teutschen Mahlmüh­le“ geschehe. Ferner sei dieses Mehl auch zu jahrelanger Aufbewahrung geeignet, da man es auf trockene Weise bereite. Aufgrund der verbesserten Getriebe und der sehr harten und glatten Mahlsteine der amerikanischen Mühlen werde „aus demselben Getraide“ eine „größere Menge feinsten Mehles“, also „wenig schwarzes Mehl“ gewon­nen. Darüber hinaus vermahle der neue Mühlentyp wesentlich mehr Mehl, wobei (Anm.: wegen der eingesetzten Beförderungstechnik) „menschliche Beihülfe“ lediglich noch zum „Dirigieren der Ma­schinen“ erforderlich sei. Ein weiterer Vorteil zeige sich in der Konstruktion der Wasserräder, die es den Mühlen ermögliche, den Wasserver­brauch beim Antrieb des Werkes auf die Hälfte zu senken 8.

 

Ein besonderer Vorzug der amerikanischen Mühlen war, daß das Getreide nicht mehr gewaschen und getrocknet wurde, sondern, au­ßer Schäl- und Bürstmaschinen, Reinigungsmaschinen wie *Aspirateure und gelochte Bleche durchlief. Die Vermahlung basierte im wesentli­chen auf harten französischen Mühlsteinen, den sog. *Champagnersteinen. Die Verwendung der „Schnecke“ und des „Eleva­tors“ als „mechanische Fördermittel“ trugen weiterhin primär zur maschinellen Bewegung des Mahlgutes und der Fertigfabrikate in der Mühle bei, so daß der Müller den Ablauf nur noch zu überwachen brauchte 9.

 

 

 

Albus:

Weißpfennig, von lat. Albus weiß

 

Albus war eine seit dem Spätmittelalter in den Teilen des deutschen Reiches, vor allem im Rheinland, verbreitete Währung. Der Name albus stammt aus dem Latein und bedeutet weiß. Wegen des höheren Silbergehalts differenzierte sich diese hellere Münze farblich von den anderen minderwertigen Münzen. Daraus resultierte der Name denarus albus (weißer Pfennig).

 

Der Albus wurde etwa in der Mitte des 14. Jahrhunderts vom Trierer Erzbischof Kuno II. von Falkenstein eingeführt und ist erstmals im Münzvertrag zwischen Köln und Trier 1372 urkundlich nachweisbar. Im Laufe der Zeit wurde Albus zur Währung im Münzverein der Kur­fürsten von Trier, Mainz und Köln und wurde von zahlreichen angrenzenden Territorien übernommen.

 

Am Avers befanden sich zuerst christliche Motive (Christus, Heilige). In Trier wurde der Albus auch als „Petermenger“ (Petermänn­chen) wegen des Hl. Petrus im Avers bezeichnet. Am Revers zeigten die Münzen meist die Wappenschilde, in Mainz beispielsweise das Mainzer Rad (sog. Raderalbus, der dem Wert von 24 Pfennigen - einem Doppelschilling - entsprach). Mit der Zeit veränderte sich auch das Münzbild.

 

Nach dem Münzedikt zur Umrechnung fremder Währungen des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm vom 1. September 1620 wurden für die Herzogtümer Jülich-Berg die folgenden Werte festgelegt: 1 Reichstaler = 78 Albus; 1 Albus = 12 Heller.

 

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) verlor die Münze an Bedeutung und wurde noch als Kleinmünze im 18. Jahrhundert regional ge­prägt (u.a. in Hessen). In Jülich-Berg gewann in der Zeitperiode mehr Stüber an Bedeutung.

 

 

 

Antoniusfeuer:

das Mutterkorn, eine Pilzerkrankung des Roggengetreides; die tödliche Wirkung wurde erst im 19. Jh. erkannt; die schwärzlichen Wu­cherungen an der Getreideähre verursachten Vergiftungen und Geschwüre, auch Halluzinationen auf Grund von Vergiftungserscheinung­en im Gehirn; die Erkrankung ist drastisch dargestellt im Isenheimer Altar im Colmar; die einzelnen Schoten des Mutter­korn gelangten mit dem Getreide bei Mahlen in das Mehl und vergiftete dieses unerkannt 10.

 

 

 

Aspirateur:

Einrichtung zur Reinigung des Getreides; die Reinigung des Getreides von Staub und Schmutz erfolgt beim Aspirateur durch den Einsat­ze eines Luftstromes 11.

 

In den 1860er Jahren gab es in Deutschland einige verheerende Mühlenbrände, z.T. Unter Explosionserscheinungen, die große Beunruh­igung hervorriefen. Man hatte keine Erklärung dafür und 1871 erließ der Verband Deutscher Müller ein Preisausschreiben zur Aufklärung dieser Brände. Prof. Weber vom Königlichen Gewerbeinstitut Berlin errang den Preis, weil er erkannte, daß Mehl in „dünnver­staubtem Zustand“ sich bei Berührung mit einem Funken entzündet. Aus Folge wird der Aspiration bei der Konstruktion und Planung mehr Beachtung geschenkt 12.

 

Die Vermahlung zwischen tiefgeführten Mühlsteinen verursachte eine erhebliche Mahlwärme, das Produkt kommt feucht-warm aus dem Mahlgang und ist schlecht siebfähig. Zum Kühlen des Gutes wurde zuerst in amerikanischen Mühlen ein Lehrjunge mit dem Umschau­feln des Schrotguts eingesetzt. Dann wurde ein Kühlrührwerk entwickelt, das noch bis um 1900 in Roggenmühlen zu finden war. 13. Dann erfolgte die Einführung der Luftkühlung durch Saugwind­ventilation.

 

 

 

Asylrecht der Mühlen:

die Mühlenfreiheit hat ihren Ursprung im säkularen Recht. Die Vermutung, Mühlen seien in alter Zeit sakrale Orte gewesen, entbehrt je­der Grundlage. Einzelnen Mühlen, nicht jedoch der Gesamtheit, kam das Asylrecht zu. In der Pfalz gehörten hierzu Weidenthal 14.

 

Literatur:

- Vandré, Rudolf: Zum Ursprung der Mühlenfreiheit; in: Genealogie. Deutsche Zeitschrift für Familienkunde, 2009, S. 735-738

 

 

 

Augpfahl:

ist ein lokal begrenzter Ausdruck für *Eichpfahl; so 1757 genannt für die Mühle in Niederhausen a. d. Appel 15.

 

 

 

Ausfauth:

s. auch *Hörfaut

 

Das Amt des A. ist seit etwa 1500 nachgewiesen. Der Ausfauth nahm kurfürstliche Recht der Kurpfalz wahr an Orten außerhalb der kur­pfälzischen Grenzen, insbesondere solche, die mit Leibeigenschaft, Wildfangrecht sowie den Waisen in Zusammenhang standen. Er war also der juristische Vertreter eines bestimmten Personenkreises. Nicht selten trat er auch als Ankläger auf, z.B. vor dem Male­fizgericht 16.

 

Der kurpfälzische Ausfauth war ein von der Herrschaft eingesetzter Vogt, der leibherrliche Hoheitsbefugnisse über außerhalb der Kur­pfalz wohnende Leibeigene ausübte, wozu auch seine notarielle Kompetenz gehörte 17.

 

 

 

Ausfautheien, Ausfauteiakten:

die Ausfautei war eine in der Kurpfalz und darüber hinaus gepflegte Verwaltungsstruktur, durch die die Vogteigewalt außerhalb des ei­gentlichen landesherrlichen Territoriums ausgeübt wurde, insbesondere über die pfälzischen Leibeigenen. Diese saßen auch in fremden Herrschaftsgebieten, in Dörfern, die in der Kurpfalz aus Ausdörfer bezeichnet wurden. Im allgemeinen befand sich in jedem dieser Dör­fer ein kurpfälzischer Faut, der gelegentlich auch für mehrere Orte zuständig war. Diese Ortsfauteien waren einem Ausfaut unterstellt, der seinen Sitz in der jeweiligen Oberamtsstadt hatte. Die Ausfautei war mithin eine Unterbehörde des jeweiligen Ober­amts. Der Aus­faut war, neben allgemeinem Rechtsschutz für die Leibeigenen, insbesondere für deren Erbschaftsangelegenheiten zu­ständig. Ausfautei­akten beinhalten daher vor allem Nachlaßakten, Eheverträge, Vermögensinventarien sowie Akten zur Betreuung und Versorgung von Witwen und Waisen 18.

 

Das Institut der Ausfautei war neben der Kurpfalz auch auch im Hochstift Speyer, dem weltlichen Herrschaftsgebiet des Fürstbi­schofs von Speyer, üblich 19.

 

Bei der Ausfauthei handelt es sich praktisch um ein Amtsnotariat, das im LA Speyer überwiegend für die Kurpfalz überliefert ist, ob­wohl das Institut selbst auch in anderen Territorien bestanden hat und dort u.a. die Vormundschaftsverwaltung für Witwen und Wai­sen wahr­nahm 20.

 

Im LA Speyer enthalten einzelne Bestände der Ausfautheiakten über 4000 Akten und reichen bis in die erste Hälfte des 17. Jh zu­rück 21.

 

Literatur/Urkunden:

- Miebach, Christa und Peter: Die Ausfauteiakte des Kilian Sepp. Transkription und Zusammenfassung des Originaltextes aus dem Lan­desarchiv Speyer; in: PRFK, 62. Jg. 2013, S. 634-648.

 

 

 

Ausstreifen:

nennt man das Wandern des Mahlgutes durch die *Schranzen von der Mitte zum Rande des Mühlsteins 22.

 

 

 

Auswanderung, örtliche Mobilität:

im Mittelalter finden sich in den Urkunden zahlreiche Hinweise auf die Bedrückung durch die Herrschaft als Ursache für Abwande­rung und als einer der Gründe für die Landflucht im Mittelalter 23

 

Einer Abwanderung durch jeweilige Ortsherrschaft wurde allenfalls dann zugestimmt, wenn die weitere Entrichtung der Abgaben gesic­hert war oder dies durch einen Freikauf abgelöst wurden. Beiden Möglichkeiten waren jedoch Grenzen gesetzt. Die erste stieß auf den Widerstand der Städte, die zweite setzte eine gewisse Vermögensmasse voraus, die sicher nicht jeder Abwanderungswillige auf­bringen konnte 24. Der herrschaftliche Druck, der die Landflucht mitverursacht hat, fand seine Ergänzung in der Attraktivität der Städte. Diese waren dank der unterentwickelten Belagerungstechnik praktisch uneinnehmbar. Die Städte boten vor allem aber eine Chance zur wirt­schaftlichen Prosperität die den mit vielen Abgaben und Diensten belasteten Landbewohnern ver­lockend erschien. Die Stadt gewährte aber darüber hinaus den zahlreichen Unfreien die Möglichkeit, durch Ausnahme des Bürger­rechts die Einschrän­kungen ihres rechtlichen Status abzuschütteln und die persönliche Freiheit zu erlangen. Der Rechtssatz „Stadtluft macht frei“ war al­lerdings durch vielerlei Aus­nahmen zulasten der Unfreien durchbrochen und galt in machen Städten gar nicht 25.

 

Dem steht auch nicht entgegen, daß die Zahl der Wüstungen erst seit Mitte des 14. Jh. nennenswert zunahm, weil im 13. Jh. zuerst überwiegend Personen in die Städte abwanderten die nicht für die Bewirtschaftung des Bodens eingesetzt waren. Erst die in der zwei­ten Hälfte des 14. Jh. einsetzende Agrarkrise zwang nun auch die Bauern in großer Zahl zur Landflucht und führte damit zu den zahlreic­hen Wüstungen 26.

 

Die Landesherren versuchten der Abwanderung ihrer Untertanen dadurch entgegenzuwirken, daß sie Vereinbarungen mit den Städten bzw. der diesen übergeordneten Landesherrn schlossen, die den Städten die Aufnahme von Landflüchtigen verbieten sollte. Solche Auf­nahmeverboten stellten zwar keine Garantie gegen die Abwanderung von sog. Eigenleuten in die Städte dar, bedeuteten jedoch ande­rerseits einen gewissen Schutz für die in der Nachbarschaft von Städten sitzenden Leibherren, sofern diese ihre Interessen mit der nöti­gen Beharrlichkeit und Durchsetzungskraft zu wahren wußten und der Stadt ihrerseits an einem guten Verhältnis zu den be­nachbarten Herren gelegen war. Da auch solche Vereinbarungen vom wohlwollen der jeweiligen Stadt abhängig waren, versuchten die jeweiligen Herren auch mit ihren Untertanen vertragliche Vereinbarungen gegen eine Abwanderung zu schließen, auch als Treue­reverse, Leibei­genschaftsreverse etc. bezeichnet, so z.B. in den Grafschaften Sponheim, Leiningen, Herzogtum Zweibrücken, Pfalz­grafschaft 27. Oft wurden hierzu Bürgschaftsverpflichtungen abgeschlossen, wobei der Eigenmann für den Fall seiner Flucht entweder Liegenschaften oder eine Geldsumme stellen mußte die wiederum durch die Stellung von Bürgen abgesichert wurde 28. Es gibt Indi­zien dafür, daß diese Nichtabzugsverpflichtungen schon in der ersten Hälfte des 14. Jh. größere Verbreitung fanden und nicht erst während der Agrarkrise in der 2. Hälfte des 14. Jh./Beginn des 15. Jh. 29.

 

Die Städte regierten grundsätzlich positiv auf die Landflucht, d.h. sie nahmen ständig neue Bürger auf. Die Bemühungen der Leib­herren um die Bekämpfung der Abwanderung ihrer Eigenleute stießen nur auf geringes Verständnis der Städte und auch die Kompro­misse zei­gen, daß sich die Städte nur gezwungenermaßen Einschränkungen in der Aufnahmepraxis auferlegen ließen. Andererseits waren die Städte darum interessiert eine Auswahl bei der Zuwanderung vorzunehmen, da sie kein Interesse daran haben konnten, sich mit mittel­losen Einwanderern zu belasten. Das geeignete Mittel, um einen bestimmten Vermögensstandard zu garantieren, stellte das Bürgerauf­nahmegeld dar. Diese Aufnahmegebühr wurde in unterschiedlicher Höhe und Form gefordert 30.

 

 

 

Bachstaden:

s. *Staden

 

 

 

Baliermühle:

1542; ließ der Rat der Stadt Landau „für die Harnascher (= Harnisch-Macher) noch eine eigene Baliermühle einrichten“ 31. Balieren = Polieren 32.

 

 

 

Bannpflicht:

s. auch *Nachwiegen

 

Nach fränkischer Rechtsauffassung verstand man unter Bann eine Gewerbegerechtigkeit, d.h. die dem Herrscher zustehende Macht, die Bewohner eines Gebietes zu verpflichten, sich ausschließlich von einem Betrieb beliefern zu lassen oder sich ausschließlich einen sol­chen Einrichtung zu bedienen. Bannrechte bestanden vor allem beim Mühlenrecht, Braurecht, Weinrecht (Kelterzwang), Stadt­recht mit Ausschluß der Gewerbefreiheit (Zunftrecht) oder im Forstrecht 33.

 

Das Bannprivileg an eine Mühle wurde nicht aus reiner Gnade (ex mera gratia principis) erteilt, sondern die Pachthöhe war an dieser Privilegienerteilung orientiert. So kann man aus den pfalz-zweibrückischen Aktenstücken erkennen, daß bei den Bestandsbriefen, die keine Vergabe des Bannrechts beinhalten, die Pachthöhe niedriger veranschlagt wurde als bei Briefen, die einen gesicherten größeren Stamm an Mahlgästen aufweisen 34. Die Kurfürstlich Geistli­che Güteradministration war in einem Streit mit der Rentkammer Zwei­brücken um die Klostermühle in Hornbach und die Baugeneh­migung zur Errichtung einer neuen Mühle in Hornbach (Mahlmühle von 1725) der Auffassung, daß dem Landesherrn nur dort das Recht zukomme, über die Errichtung neuer Mühle zu befinden, wo kein Bann vergeben sei. Die Rentkammer stellte hingegen klar, daß dem Landesherrn dieses Regal immer zustehe, gleichgültig, ob sie bereits für das Gebiet einen Bann vergeben habe 35. Die Rentkammer Zweibrücken stellte gegenüber der CGA in Ansehung des Banns, der ihr über die Hornbacher Klostermühle zustand, klar, daß sie lediglich ein diesbezügliches Privileg erteilt bekommen habe 36.

 

Im Zuge der sich ausbreitenden merkantilistischen Politik wurde, als eine erste Maßnahme gegen das expandierende Gewerbe, das Bannrecht auch auf das Verbotsrecht gegenüber fremden Müllern in Bezug auf den Mehlhandel ausgedehnt. Erst im letzten Drittel des 18. Jh. gewann ein freiheitlicheres wirtschaftliches Denken Raum; die Beschränkungen gegenüber den fremden Müllern wurden nicht mehr unter das Bannrecht subsumiert und aufgehoben 37.

 

Die offizielle Beseitigung aller “Zwangs- und Bannrechte“ basiert zwar schon auf der 1801 für den Raum der Pfalz proklamier­ten“Gewer­befreiheit“, doch ist ein gewisser retardierender Effekt zu berücksichtigen, der etwa in der erst folgenden im wesentlichen zwi­schen1802 und 1806 erfolgten sog. Nationalgüterversteigerung begründet liegt 38.

 

Literatur:

- Metzke, Hermann: Streitigkeiten um den Mahlzwang; in: Genealogie. Deutsche Zeitschrift für Familienkunde 2009, S. 691-695

 

 

 

Bauernmühle:

die Bauernmühlen sind kleine Mühlen, die zumeist van den Oberläufern der Bäche liegen und aufgrund ihrer geringen Kapazität für einen begrenzten Eigenbedarf in Betracht kommen. Die zur Verfügung stehenden kleinen Wassermengen setzen oberschlächtige Was­serräder voraus, weshalb solche Mühle im Volksmund auch als “Plätschmühlen” bezeichnet werden (von ‘plätschern’). Bauernmüh­len sind auch auf genossenschaftlicher Basis betriebene Mühlen; solche gab es schon z. Zt. der fränkischen Markgenossenschaften, aber auch noch im 20. Jh., z.B. in Gumbsweiler/Glan, St. Julian/Obereisenbach, Horschbach und im Eßweiler Tal. Die Bezeichnung kann auch bedeuten: Mühle zu einem einzelnen Bauernhof gehörig, mit einfacher technischer Einrichtung, im Gegensatz zu den handwerklichen Mühlen 39. Auch ganze Gemeinden konnten als Beständer von Mühlen in Erscheinung traten. In den pfalz-zwei­brückischen Kernlanden sind solche genossenschaftlichen nur selten anzutref­fen, sie konzentrierten sich auf die zu Pfalz-Zwei­brücken gehörende “Hintere Graf­schaft Sponheim” Die schlechten Wasserverhält­nisse bei den kurzen und schwachen Hunsrückbä­chen in den engen und tief eingesenk­ten Tälern bildeten ungünstige Bedingungen für eine noch lohnende Arbeit der Müller und wa­ren oft Anlaß für eine genossenschaftliche Bauernmühle 40.

 

Das Aufkommen der Bauernmühlen hatte um die Mitte des 19. Jh. erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die „bestehenden älter­en Mühle“ und tat diesen ganz allgemein „seit der Errichtung“ von „sogenannten Bauernmühlen .. einen namhaften Abbruch 41.

 

Literatur:

- Simons, G.: Die genossenschaftlichen Bauernmühlen im Hunsrück; in: Rheinische Vierteljahresblätter, 1962, S. 117-221

 

 

 

Bede, Beed, Beeth:

auch Beede, (mhd. und niederdeutsch bëte „Bitte, Gebet; Befehl, Gebot“) ist im engeren Sinn eine erbetene, freiwillig geleistete Ab­gabe oder eine regelmäßig erhobene, meist landesherrliche Steuer. Im weiteren Sinn steht Bede auch im Zusammenhang mit Geldern für kirchliche Zwecke.

 

Die Bede war „eine ursprünglich vom Stadt- oder Landesherren nur bei außergewöhnlicher Belastung (...) erhobene Umlage, die von den steuerpflichtigen Untertanen erbeten werden mußte (...). Im Laufe des Mittelalters entwickelte sich die Bede jedoch zu einer regel­mäßig erhobenen Grundsteuer.“ 42.

 

Seit dem 13. Jahrhundert war die Bede eine in allen deutschen Territorien übliche direkte Steuer, die der Landesherr vom bäuerlichen und bürgerlichen Grundbesitz erhob. Sie war eine durch den Fürsten von seinen Landständen (Geistlichkeit, Ritterschaft, Städte) zu­nächst erbetene, bald aber geforderte ordentliche Steuer. Die Ritterschaft und teilweise auch die Geistlichkeit waren von der Bede be­freit, und die Städte zahlten im Allgemeinen weniger als das Land. Die Reichsstädte zahlten eine Bede (precaria imperii) an den Kai­ser. Während im Westen und Süden Deutschlands die Bede in der Hand der Landesherren blieb und erst im 19. Jahrhundert abge­schafft wurde, geriet sie im Osten vielfach in die Hand der Grundherren und Städte.

 

Auf dem Land erging die Bede neben anderen ertragsabhängigen Abgabe- und Steuerformen. Sie selbst wurde direkt vom Grundbe­sitz abgeleitet und nicht in Naturalien, sondern in Geld bemessen. In den Städten stand die Bede zunächst dem Stadtherrn zu, und unmitt­elbarer Steuerschuldner war anfangs der einzelne Bürger. Die Städte erreichten jedoch die Festschreibung der Bede in einer pauschaliert­en Summe und die Anerkennung der Kommune als Schuldner. Die Steuerhoheit lag nun bei der Stadt. Die Bede, zuerst eine Grund- und Gebäudesteuer, wandelte sich in den Städten in eine Vermögenssteuer. Der Bürger hatte oft das Recht der Selbsteinschät­zung und der unter Eid vorgenommenen Deklaration. In seinem Steuereid verpflichtete er sich, jeden ihm bekannten unehrlichen Mit­bürger anzuzeigen. Die Gemeinde besaß außerdem das Recht, ein Vermögen zu dem vom Steuerpflichtigen erklärten Schätzungs­wert anzukaufen. Für die Bürger hatte die Bede den Charakter einer innerstädtischen Umlage, während die Steuerpflicht der Kommu­ne ge­genüber dem Stadtherrn durch Ablösung, Geldentwertung oder sonstige Umstände allmählich gegenstandslos wurde.

 

Von dieser Steuer war aber nicht die gesamte Dorfgemarkung betroffen. Bestimmte adlige und geistliche Güter konnten durch besond­ere Privilegien davon ausgenommen sein. In Dannstadt hatten beispielsweise die Güter des Speyerer Domkapitels sowie die Klöster Hördt, St. Lambrecht und Maria Magdalena vorm Hasenpfuhl (Speyer) und damit ein Großteil der Flur solche einen heraus­gehobenen Steuerstatus. Damit stand die dörfliche Gemeinschaft vor der Schwierigkeit, daß die jeweils für den gesamten Ort pau­schal eingeforder­te Bede nur noch auf wenige Dorfgenossen umgelegt werden koten. Die Belastung dieser Bauern stieg also erheb­lich an, während die Pächter der befreiten Grundherrschaften befreit blieben 43.

 

 

 

Bederich:

mittelalterliche Bezeichnung für die Stelle im Mühlgraben, an der das Wasser vom oberschlächtigen Mühlrad in den Unterlauf des Mühl­baches stürzt. Diese Stelle ist meist mit Steinen ausgelegt (lat. Petraria, daher der eingedeutschte Ausdruck 'Bederich'), um ein Aushöh­len zu vermeiden 44. Bedeutet auch eine mit Steinen belegte Furt über einen Bach 45.

 

In Heppenheim gibt es den Bellerich-Platz. In Fürth im Odenwald nennt man den Bellerich hingegen Betterich 46.

 

Das Pfälzische Wörterbuch hat die Erklärung: bätterich m.: ' Teil des Wassergrabens, in dem sich das Mühlrad dreht'; a. 1534: Mühlbedd­erich 47.

 

In Kaiserslautern will Peter *Saling (Sallin) am 2.8.1673 am Sauwoog eine neue Lohmühle errichten 48. Peter Sallin beantragt am 29.5.1673 die Genehmigung zur Errichtung der Mühle: „Es hat das Stifft Lautern obig der Papiermühl einen Wog, der Sauwog ge­nandt, an welchem ein Wasserbeth [Anm.: s. Bederich], dann dann ein ziemlicher Fall ist, bey welchem noch niemals etwaß gestan­den, daran der Forstmeister Rettig [Anm.: Georg Daniel *Rettig 49] undt Peter Sallin bürger alhier willens eine Lohmühle zu bauen ….“ 50.

 

Auch das Dudenhofener Weistum (vermutlich aus dem 15. Jh.; Original schon im 16. Jh. nicht erhalten, aber überliefert in einem „Büch­lein“ vom 19.9.1583 51) spricht von der Maulbronner Mühle. In Nr. 8 des Weistums heißt es: „Weissen und sprechen daß ein gemeiner allment Weeg seyn soll zu der Muhlbronner (= Kloster Maul­bronn) *bederich.“ In Nr. 9 heißt es: „were es sach, daß der müller oder ein andere Muller wolt weren vor sanct Geörgentag [Anm.: 23. April] und nach sanct Michaelstag (29. September) durch den hoff reiten, so mögen wir ein weg uffthun zu dem bederich der un­tersteint ist.“

 

 

 

Beforchung:

die Grenzbegehung eines Grundstücks, auch: Begrenzung eines Grundstücks

 

 

 

Beneficium, Beneficien, pl.:

Rechtsvorteil, Vergünstigung

 

 

 

Beneficium divisionis:

das Teilungsrecht an einem Grundstücks

 

 

 

Beneficium excussionis:

auch beneficium ordinis; die Einrede, die dem Schuldner in der Beitreibung zur Verfügung steht, daß der Gläubiger zuerst ein Pfand zu verwerten habe, bevor er auf das Vermögen des Schuldners zugreifen kann.

 

 

 

Beutelkasten:

von mhd. biuteln = durch einen Beutel sieben/sichten; biutel = Beutel; Beutelkasten ist ein mannshoher, vorne oben abgeschrägter, mit Klappe versehener, geschlossener schmaler Holzkasten, in dem ein sackartiger Stoffbeutel hing, der von einer ebenfalls hölzer­nen Stock­gabel (s. *Zeiß) geschlagen wurde; in ihm wurden Mehl und Kleie getrennt; der Stoffbeutel hatte eine Sieb-Funktion. Der Beutelkasten wurde Ausgangs des 19. Jh. durch die Sichtmaschine abgelöst 52. Eine Übergangsstufe des Beutelkastens benutzte statt eines Stoffbeu­tels mehrere Siebe; dieser Typ stellt die Übergangsstufe zum *Plansichter dar 53.

 

„Das im Rüttelschuh liegende Getreide gelangt durch das Läuferauge bzw. die Haue auf den Bodenstein. Hier wird es vom Läufer er­faßt und zwischen den Steinen zerrieben. Das Mahlprodukt wird in den umgebenden Mantel, die Zarge, geworfen. Von hier gelangt es zum Absieben durch das Mehlloch in das Beutelgeschirr. Die Trennung von Mehl und Kleie geschieht im Beutel. Dieser aus Beu­teltuch beste­hende Schlauch, der schräg durch den Beutelkasten verläuft, wird durch eine schwingende Gabel ständig gerüttelt, wobei das Mehl je nach dem Gewebe grob oder fein in den Beutelkasten fällt, während die Kleie und gröbere Bestandteile im Beuteltuch zurückbleiben und dann in den Vorkasten entleert werden. Beutelkästen wurden von Schreinern gefertigt. Sie waren wie ein Möbel­stück, auf vier Fü­ßen stehend, solide gearbeitet und in der Barockzeit nicht selten mit reichem Schnitzwerk versehen, das in der Re­gel ein Müllerwappen umschloß. Am Beutelkastenauslauf befanden sich oft sogenannte „Kleiekotzer", handwerklich geschnitzte und farbig bemalte fratzenhaf­te Masken. Auch an anderen Stellen befanden sich bildkünstlerische Zutaten der Volksphantasie, zumeist in handwerklich derber Aus­führung. So war am Mahlwerk der „Mühlenhahn" oder „Klingelmann" angebracht, eine Automatik, die sich bemerkbar machte, wenn der Getreidenachschub ausblieb und damit ein Heißlaufen der Steine drohte." 54.

Der Beutelkasten nahm also das Mehl auf, das aus dem Mahlgang herunterfiel und in einen Beutelschlauch geleitet wurde. Diese ein­fachste Siebung trennte dabei das Mehl von der Kleie, die dann aus dem holzgeschnitzten *Kleiekotzer ausgeschieden wurde. Dieses oft kunstvoll geschnitzte, meistens fratzenhafte Gesicht mit offenem Mund war auch der Schutzgeist der Mühle. Holzge­schnitzte Kleiekotzer wurden nur in wassergetriebenen Getreidemühlen bekannt. Es war beispielsweise ein verzerrt aufgerissener menschlicher Mund mit her­aushängender Zunge dargestellt.

Abbildung:

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 77, 79, 80 (Beutelkasten)

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 78 (Antrieb des Schlagstocks im Beutelkasten über eine senkrecht aufgestellte Wal­ze, das sog. “Männchen”)

 

 

 

Bieth, Biet:

in der Pfalz auch Bühet, Mühlbiedt, Gebiet genannt; mhd. biet = Gebiet, Lager. Das Biet ist eine vom Mühlarzt, vom Mühlenbauer aus Balken und Brettern gezimmerte erhöhte Bühne für den Mahlgang.

 

Es gab auch das Wasserbiet. So durften 1755 in Eisenberg die “Weiber” nicht auf dem “Wasserbieth” bei der Kurz’schen Privatmühle waschen 55.

 

 

 

Bille:

ist die in die Ausnehmung im verdickten Teil eines Holzstiels gesteckte und verkeilte, zweischneidige Haue aus Stahl zum Schärfen von Mühlsteinen. Der Stiel ist manchmal auch wie im normalen Hammer eingefügt 56.

 

 

 

Bodenstein:

nennt man den unteren ruhenden Stein des Mahlgangs; er ist unbeweglich; der bewegliche obere Stein heißt Läufer. Der Bodenstein hat in seiner Mitte ein axiales Loch, welches aber mit Holz ausgefüttert ist (s. Büchse) und das Mühleisen, durch welches der Läufer herum­gedreht wird, so umschließt, daß sich das Mühleisen eben nur noch leicht in der Büchse umdrehen kann. Der Bodenstein ist auf dem Mühlgerüst (s. *Gerüst) befestigt. Das Mühlgerüst (Mahlgerüst) besteht aus zwei niedrigen Grundmauern; der leere Raum zwischen den Grundmauern, unter dem Kammende, heißt Kammkuhle; quer über die Grundmauern liegen zwei Schwellen; auf die­sen liegen mit den Grundmauern parallel die zwei Hausbäume; auf diesen stehen aufrecht vier Docken, quer über diesen liegen paral­lel zu den Schwelen die zwei Launen (Balken), welche noch durch Bänder oder Eckstreben, unter sich aber durch die in Richtung der Schwellen auf ihnen liegende bohlene Decke (Boden) verbunden sind, auf letzter aber ruht das Steinlager, ein viereckiger Rahmen von starkem eichenem Holz (Bodensteinviereck), oder ein Kranz aus starken Fegen, in welchem der Bodenstein in eine Schicht Kalk­mörtel genau horizontal fest eingelagert ist. Bei großen Steinen werden außerdem unter dem Boden noch zwei starke Tragbalken (Bodensteinriegel) so mit dem Mühlgerüst verbunden, daß sie den Bodenstein mehr gegen die Mitte hin unterstützen; auf ihnen wird der Bodenstein durch eiserne Nä­gel (Boxnägel) befestigt.

 

 

 

Bollmehl:

ist ein Nachmehl von geringer Qualität; von mhd. bolle = Nachmehl, Gebäck aus diesem, lat. pollen, inis = Staubmehl. Die grobe Kleie wurde für Bollmehl nochmals ausgemahlen. Bollmehl wurde in der Nord- und Westpfalz zur Herbstzeit gern zum Backen von Zwetsch­genkuchen verwendet, auch für lange, breite Fladenbrote, für Flammkuchen 57.

 

 

 

Bordmühle, Bordenmühle:

'Bord’ pfälzisch-mundartlich für ‘Brett’; d.h. Sägemühle

 

 

 

Brachmonat, Brachet:

ist der Monat Juni; die Bezeichnung stammt daher, daß in der Dreifelderwirtschaft des Mittelalters in diesem Monat die Bearbeitung der Brache begann.

 

 

 

Brandgefahr:

der beim Mahlen anfallende Staub war der Verursacher von vielen Mühlenbränden. Fein in der Luft verteilter Staub kann explosions­artig abbrennen. Der sehr trockene, brennbare Mehlstaub kann schon durch den Schaltfunken des Lichtschalters gezündet werden. Eine Staubexplosion ist die Folge. Deshalb wurde das Getreide vor dem Mahlen angefeuchtet.

 

 

 

Briefprotokolle:

unter diesem Begriff sind im LA Speyer die Aufzeichnungen aller dem Gerichtszwang bzw. dem Beurkundungszwang unterliegende Rechtsgeschäfte, wie Kauf, Verkauf und Versteigerung, Tausch und Teilung, Hypothek und Kaution, Ehevertrag und Testament, Viehkont­raktenprotokolle etc. 58.

 

 

 

Buchse, Büchse:

das Stück Holz, womit das Loch des *Bodensteins am Mühlrad ausgefüllt ist.

 

 

 

Büttenpapier:

ist ein mit einem Sieb „aus der Bütte“ (einem flachen, wannenförmigen Gefäß) geschöpftes Papier. Dieses wurde aus Lumpen von Woll- und Leinenstoffen als Rohmaterial gewonnen. Das sortierte Material wurde von mechanisch bewegten Stampfen unter Zufüh­rung von Wasser zu Brei zermahlen. Der mit Wasser verdünnte Papierbrei wurde mittels einer Schöpfform (ein hölzerner Rahmen der mit einem Drahtsieb bespannt war) aus der Bütte geschöpft. Der auf der Schöpfform gleichmäßig verteilte Faserbrei wurde auf eine Filzplatte ge­preßt (gegautscht). Die so gewonnenen Papierbogen wurden danach auf Leinen zum Trocknen aufgehängt. Nach dem Trocknen tauchte man die Papierbogen im Leimwasser, wodurch sie haltbar und beschreibbar gemacht wurden. Der Leim war zu­sammengesetzt aus heißem Wasser, das mit filtriertem Alaun und weißen und blauen Vitriol gemischt war. Nach der Leimung wurden die Papierbogen aber­mals getrocknet und anschließend gepreßt und geglättet.

 

 

 

CGA:

churfürstlich Geistliche Güteradministration in Heidelberg

 

 

 

Champagnersteine:

Mühlsteine aus besonders hartem, aus Süßwasserquarzen bestehend, die in Frankreich gewonnen wurden. Durch Einsatz der Champag­nersteine konnte ein besonders feines Mehl gewonnen werden. Diese kamen insbesondere ab Mitte des 19.Jh. zum Einsatz 59.

 

 

 

Commisfrüchte:

Getreide, das wegen Zollhinterziehung beschlagnahmt wurde

 

 

 

Dinkel:

s. *Spelz

 

 

 

Dominium:

als Dominium (heute Eigentum) wurde im Mittelalter ein Komplex von mehreren Herrschaften und Gütern bezeichnet, die das Ver­mögen einer Herrschaft bildeten. Die Verwaltung des Vermögens erfolgte in der Regel zentral durch einen Beamten, der in den Quel­len meis­tens als Regent bezeichnet wurde. Nach dem Allgemeinen preußischen Landrecht existierten mehrere Eigentumsformen. Ne­ben dem Volleigentum das Obereigentum (dominium directum) und das Unter- oder nutzbare Eigentum (dominium utile).

 

 

 

Doppelmühle:

als D. bezeichnet man Mühlen mit Einrichtungen zum Mahlen mit unterschiedlichen Produktarten, z.B. Mahlmühle und Ohligschlag.

 

Die ursprüngliche strikte Trennung zwischen „Mahlmühlen“ und „Mühlen besonderer Art“ wurde teilweise später nicht mehr eingehalt­en, was sich im Laufe der Zeit unvorteilhaft auswirken mußte 60.

 

Beispielsweise haben die guten Wasserverhältnisse an der Lauter das Entstehen von Doppelmühlen gefördert, ebenso wie Mühlenteilung­en (mE. Meist aus erbrechtlichen Gründen) 61. Wegen der schlechten Wasserverhält­nisse am Speyerbach und Woogbach fehlen dort Doppelmühlen vollständig 62.

 

 

 

Dorfmühle:

s. Stadtmühle

 

 

 

Dromay:

s. *Trummey

 

 

 

Dunst:

heißt bei den Müllern das Produkt zwischen feinem Gries und Mehl 63.

 

 

 

Eichpfahl:

heißt ein in der Nähe des Wehres in festen Boden von Amts wegen eingeschlagener, u.U. eingemauerter oder einzementierter Pfahl mit einer Eichmarke. Das durch das Wehr gestaute Wasser darf die Höhe dieser Marke nicht überschreiten (s. auch *Stauziel), Hoch­wasser natürlich ausgenommen. Zweckbestimmung: der Müller ist verpflichtet, darauf zu achten, daß durch die Stauung weder dem benach­barten Müller noch den an den Bach anstoßenden Grund und Hauseigentümern Schaden entsteht. Ein in das Wehr einzubauen­der Schoß mit *Schließ dient ebenso wie das Hinzufügen oder Wegnehmen von Stellbrettern der Regulierung des Wasserstandes 64.

 

 

 

Einwanderung:

s. Schweizer Einwanderung

 

 

 

Emphyteuse:

als Emphyteuse (von griechisch εμφυθεύειν = einpflanzen) bezeichnete man ein Leiheverhältnis an Grundstücken, das der Erbpacht ähnlich ist. Im 5. Jahrhundert verschmolzen die älteren Formen des ius emphyteuticum und des ius perpetuum zu einem einheitlichen Rechtsinstitut, das Kaiser Zenon als ius emphyteuticarium 476/484 kodifizierte. Seine Konstitution beschrieb das Recht als einen Vertrag eigener Art, der durch Schriftform bekräftigt wurde. Der Codex Iustinianus regelte die Emphyteuse gemäß dem Vorbild der Konstitutio­nen Zenons. Nach C. 4,66,1 muss der Pächter (Emphyteuta) eine jährliche Abgabe leisten und das Geliehene sorgfältig be­bauen bzw. urbar machen. Er kann das emphyteutische Recht am Grund veräußern, muss dem Eigentümer (dominus) aber ein Abga­be vom Ver­kaufserlös (laudemium) zahlen. Der Eigentümer kann im Verkaufsfall das Gut innerhalb von zwei Monaten wieder an sich ziehen 65.

 

Im Mittelalter verstand man unter dem Begriff Emphyteuse das vererbliche und veräußerliche dingliche Recht, ein fremdes, fruchttrag­endes Grundstück zu bewirtschaften und Früchte aus ihm zu ziehen. Der Emphyteuta hatte am fremden Grundstück das vollstän­dige Nutzungsrecht und über dasselbe die Verfügungsbefugnis wie ein Eigentümer, jedoch mit der Einschränkung, dass er das Grund­stück nicht verschlechtern durfte. Dem Eigentümer hatte er eine jährliche Abgabe zu zahlen und diesem den beabsichtigten Verkauf des Erb­pachtrechtes anzuzeigen. Im Falle des Verkaufs hatte der Erbpächter dem Grundherrn einen gewissen Prozentsatz vom Ver­kaufspreis (das sogenannte laudemium) zu zahlen 66.

 

 

 

Erbbestand:

s. auch Temporalbestand, s. Emphyteuse

 

Der Erbbestand ist ein Rechtstitel, aus dem der Müller ein lebenslanges Besitzrecht gegenüber dem Grundeigentümer herleiten konn­te. Das Erbbestandsrecht ist grundstücksgleiches Recht. Es war zwar ein Minus zum Eigentum, dem Eigentumsrecht jedoch stark angenäh­ert, ähnlich dem heutigen Erbbaurecht. Die gegenseitigen Rechte und Pflichten und der Inhalt des Erbbestandsrechts war im Erbbe­standsbriefs festgelegt. Das Erbbestandsrecht wurde idR auch für die Erben des Müllers gegeben. Das Recht war dauer­haft, war also vererbbar und zudem veräußerlich. Demgegenüber war der *Temporalbestand ein Recht auf Zeit.

 

Das Leiheverhältnis beim Erbbestand leitete sich aus der Erbleihe, einer besonderen Art der bäuerlichen Leihe her. Der Müller hatte le­diglich das Nutzeigentum, das dominium utile, an Grund und Boden und, falls die Herrschaft die Mühle erbaut und nicht an ihn verkauft hatte, auch an der Mühle, den zusätzlichen Gebäuden und dem Geschirr. Der Obrigkeit stand das Obereigentum, das domini­um direc­tum, zu. Neben dem gesamten eigentümlichen Nutzungsrecht, das meist erblich war, entstanden für den Müller bei diesem Leihever­hältnis auch Pflichten; so mußte er das Grundstück und die Mühle in gutem Stand halten und dem Obereigentümer eine jähr­liche Abga­ben zahlen. Verbesserte der Müller ein solche Mühle, so wurde er beschränkter Eigentümer dieser Besserung. Auf diesem Weg konnte der Müller auch beschränkter Eigentümer einer neuen Mühle werden, wenn er diese auf herrschaftlichem Grund auf sei­ne Kosten errich­tete und nicht nur eine vorhandenen verbesserte 67. Das Erbbestandsrecht war mit Zustimmung der Herrschaft frei veräußerlich. Es war zudem vererblich.

 

Daneben gab es auch Erbbestandsverhältnisse bei denen der Müller beschränktes Eigentum am Grund und Boden und der Mühle hat­te. Dies war dann der Fall, wenn der Müller auf seinem eigenen Grund und Boden und auf seine Kosten eine Mühle errichtete. Be­schränkt war das Eigentum insofern, als der Müller nur mit Einwilligung der Herrschaft die Mühle oder den Grund und Boden ver­kaufen oder ver­pfänden durfte 68.

 

Mithin hatte bei einer Erbbestandsmühle der Verleihende nur einen Anspruch auf Grundbesitzabgaben sowie ein Recht auf Rückgabe bei Rückstand derselben oder bei schlechter Wirtschaftsführung und schließlich ein Vorkaufsrecht bei Veräußerung der Mühle.

 

Daß Mühlen im Gegensatz Hofgütern scheinbar meist in Erbpacht vergeben wurden, führt Schmitt 69 darauf zurück, daß der Betrieb ei­ner Mühle besondere hand­werkliche Fähigkeiten erforderten, die wohl am ehesten vom Vater auf den Sohn weitergegeben werden könnten. Wichtig war zudem auch der große Wert der Anlagen, die einen pfleglichen und verantwortungsvollen Umgang erforderten.

 

 

 

Erbbestandsbrief:

die Mühlenbriefe stellten die wichtigste rechtliche Grundlage dar, nach der sich das Verhältnis der Beteiligten und gegebenenfalls auch Dritter zu richten hatte; außerdem waren sie als Urkunde ein äußerst wichtiges Beweismittel und hatten Auswirkungen auf die Beweis­lastverteilung. So mußte der klagende Müller, der den Brief in Händen hielt und Ansprüche geltend machte, nicht die Beweis­last tragen. Im Laufe des 18. Jh. wurde diese umfassende materiell- und prozeßrechtliche Funktion der Briefe in der Beziehung der Müller zu Dritten abgeschwächt. So war der Brief allein nicht mehr ausreichend, einen Anspruch, etwa das Bannrecht, zu begründen; der Müller mußte auf Rechnungen und Verordnungen zurückgreifen; auch hatte er nunmehr im Prozeß die Beweislast zu tragen. Im rechtlichen Verhältnis zwischen der Obrigkeit und dem Müller wurde zwar versucht, die umfassende Funktion der Briefe zu respek­tieren und ihre In­tegrität zu wahren; es wurden z.B. direkte Eingriffe in die Briefe vermieden; eine Abänderung wurde immer erst nach der Bestandszeit vorgenommen. Unverkennbar ist jedoch, daß die Funktion im Hinblick auf den Bann mehr und mehr aufge­weicht wurde; so verhielt sich die Herrschaft zunehmend passiv auf die klagen der Müller, daß ihr Bannrecht beeinträchtigt werde 70.

 

 

 

Erbrecht:

im fränkischen Recht bildete die gesamte Fahrnis eine einheitliche Masse, die bis auf gelegentliche Absonderung des Hausrates der überlebende Ehegatte allein erbte. Für den Immobiliarbesitz wurde unterschieden zwischen den eingebrachten Gütern, welche an die Erben des verstorbenen Gatten fielen, und den Errungenschaften, die dem Ehemann zustanden, an denen aber der Witwe beim Tode des Ehemannes ein bestimmter Anteil (1/3 oder 1/2) eingeräumt wurde. Waren Kinder vorhanden, so stand dem überlebenden Gatten zwar für Lebenszeit die Nutzung am Immobilienbesitz (Eingebrachtes und Errungenes) zu, jedoch durfte ohne Genehmigung der Kinder nicht über diesen Besitz verfügt werden. Im Laufe der Zeit wurden die Grundlagen dieser Rechtsauffassung vielfach verän­dert, so daß es in einigen Rechten üblich wurde, das gesamte Erbe zu teilen, wobei der Witwe in der Regel 1/3 zufiel; anderwärts er­folgte die Tei­lung nach Schwert- (2/3) oder Spindelteil (1/3) oder nach Köpfen. Auf Einzelheiten kann bei der Mannigfaltigkeit der Entwicklung des fränkischen Rechts hier nicht eingegangen werden. Es kommt wesentlich darauf an, daß Heergeräte und Gerade we­sentliche Bestand­teile des sächsischen Rechtes waren, die im fränkischen Recht in dieser Form nicht auftraten.

 

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Erbrecht in der Grafschaft Leiningen:

In einem vom leiningischen Heimatforscher Johann Ludwig *Knoch (1712 St. Goar – 1808) erstellten Repertorium heißt es am 21.5.1691 71: „In der Grafschaft Leiningen ist Herkommen, daß der letzt lebende Ehegatte, wan keine Kinder bey handen, alle mobi­lia, so seyen errungen oder Zugekauft[,] von dem erst Verstorbenen ererbet, wenn er sich schon wieder zu anderen Ehe schreibt, da­gegen aber alle Passiv Schulden übernehmen muß. Von den unbeweglichen[Gütern] aber sie seyen zu­kauft oder Errungen ad dies vita ahn fructarie genießet [d.h. das Fruchtziehungsrecht des Längstlebenden besteht zu seinen Lebzei­ten], nach dessen Tod aber mit aller Blum oder Besserung an des erst Verstorbenen Verwandten zurückfallen.“

 

 

 

Es klappert die Mühle …:

s. Müllerlied

 

 

 

Expeditum-Vermerk:

der Expeditum-Vermerk im Protokollbuch deutet jeweils an, daß eine reichskammergerichtliche Entscheidung ergangen war. Für den Fall daß mit dieser Entscheidung der Rechtsstreit beendet war, enthielt das Protokoll regelmäßig nur den Expeditum-Vermerk, nicht aber den Urteilstenor 72. Ging der Streit weiter, ist das Endurteil im Protokollbuch dokumentiert. Zwischenurteile sind fast immer in den Protokoll­büchern enthalten 73.

 

 

 

Fach oder Gefach:

das Wehr hieß früher Fach oder Gefach. Der Name kommt von der zuerst sehr einfachen Bauweise der Stauanlage aus senkrechten und waagrechten Balken. In den entstandenen “Fächern” wurden Steine, Reisig und Moos gestopft 74.

 

 

 

Fahrnis:

Der alte Begriff der Fahrnis bezeichnet bewegliche Sachen, im Gegensatz zu den unbeweglichen Sachen (Immobilien). Fahrnisrecht be­zeichnet das Sachenrecht der beweglichen Sachen im Gegensatz zum Liegenschaftsrecht. Fahrnisvollstreckung bezeichnet die Mobiliarzw­angsvollstreckung. In älteren Texten werden die Wörter farnis, farnus, varnde, fliegende oder rührende habe, varende oder roerende goedern verwendet im Gegensatz zu eigen, erbe, legendes gut, onroerende goederen. Zur Fahrnis zählen also alle Sachen, die weder Grundstücke noch Bestandteile von Grundstücken sind. Beweglich bezeichnet daher in erster Linie die natürliche Eigen­schaft ei­ner Sache. So sagt schon der Schwabenspiegel in Nr. 168 a: „waz varende gut heizet, daz suln wir iu sagen. Golt, silber, edel ge­steine, vie, ros und allez, daz man triben und tragen mag.“ Dazu gehörten auch nicht mit dem Boden verbundene Holzgebäude, al­les, was nicht niet- und nagelfest war. Für Holzhäuser galt: „Was die Fackel zehrt, ist Fahrnis.“ Im römischen Recht gehörten auch Skla­ven zur Fahrnis 75.

 

Sobald aber die Rechtsordnung für bewegliche und unbewegliche Sachen besondere Rechtsvorschriften erlässt, wird aus dem natürli­chen Begriff ein Rechtsbegriff. Dies geschah im römischen Recht nur marginal, ist aber im germanisch-deutschen Recht schon im­mer sehr stark ausgeprägt gewesen. Vom Begriff der Gewere hat für eine tiefgreifende Scheidung zwischen Liegenschafts- und Fahr­nisrecht geführt, nach Gierke 76 vom Fundament bis zum Giebel. Das hat sich bis ins moderne Recht fortgesetzt, wo für Liegenschaf­ten ein um­fangreiches Registerwesen geschaffen wurde, während es für Fahrnis nichts vergleichbares gibt. Allerdings gab es auch Fahrnisgesamt­heiten mit besonderem Rechtsstatus. So galten für Liegenschaften immer andere Regeln als für Fahrnis. Diese Unter­scheidung ent­sprang sozialpolitischen Erwägungen, da der nicht vermehrbare Grund und Boden im Rechtsleben größere Bedeutung hatte, z. B. beim Lehen. Auch spielte lange Zeit der Grundbesitz eine besondere Rolle für den sozialen Status einer Fami­lie. Daher war der Liegenschafts­verkehr vielen Beschränkungen unterworfen, indem die Erben ein Mitspracherecht hatten (Erben­wartrechte, Veräußerungs- und Belas­tungsverbote) 77.

 

Demgegenüber ließ das Fahrnisrecht schon früh eine große Freiheit des Eigentümers in der Verfügung darüber zu. Beschränkungen gab es für bestimmte Sachgesamtheiten (Heergewäre, Frauensondergut) mit besonderen Regelungen, besonders beim Erbgang 78.

 

Sobald für Fahrnis und Liegenschaften unterschiedliche Regelungen geschaffen sind, ist die natürliche Eigenschaft der Beweglichkeit nicht mehr zwingendes Merkmal der Zuordnung. So können Sachen, die durchaus physikalisch beweglich sind, zu unbeweglichen Sa­chen im Rechtssinne werden und umgekehrt. Grund dafür war und ist häufig, wirtschaftlich zusammengehöriges einheitlich zu behand­eln, so z. B. den Bauernhof mit seinem Inventar, oder eine faktische Verbindung mit einer unbeweglichen Sache rechtlich zu lö­sen (z. B. die Früchte auf dem Acker). Ältestes Beispiel für die Unterordnung beweglicher Sachen unter das Liegenschaftsrecht sind die auf dem Herrenland angesiedelten Knechte, die schollengebunden waren, und das tote und lebende Inventar (Ackergerät, Vorräte). Sogar die Fi­sche in einem Teich und das Wild in einem Wald werden in bestimmten Rechtsordnungen erst dann zur beweg­lichen Sache, wenn sie gefangen oder erlegt sind (§ 295 Österreichisches ABGB). Auch Sachgesamtheiten, wie Bibliotheken oder wertvolle Sachen wie Har­nisch, Gold- und Silbergerät wurden den Liegenschaften zeitweise gleichgestellt. Schiffe wurden und wer­den in einzelnen Beziehungen dem Liegenschaftsrecht unterworfen (Schiffsregister) 79.

 

Der umgekehrte Weg ist seltener. So wurden das ausgebrachte Saatgut und die noch nicht geernteten Früchte als Fahrnis behandelt, obgleich sie mit dem Boden bereits verbunden waren. So führte das Erfurter Stadtrecht von 1306 in Art. 44 aus: „Wanne Getreide odir same uffe den Ackir geworfen wirt und ez die eyde (Egge) bestrichet, so sal iz varnde habe sie.“ Im heutigen Recht ist davon noch et­was erhalten, wenn die Früchte auf dem Halm der Pfändung unterworfen sind (§ 810 ZPO) 80.

 

 

 

Farbmühlen:

diese verarbeiten teils mineralische teils pflanzliche Rohmaterialien. Zur ersten Gruppe gehörte vor allem der Ocker, wie er vor dem 1. Weltkrieg in der Gemarkung Battenberg bei Grünstadt im Tagebau gewonnen wurde. Neben dem gelben Schlemm-Ocker förderte för­dert man den dunklen Brenn-Ocker, der in den Farbmühlen des nahen Eckbachtals mit Hilfe des Kollergangs gemahlen und zu Anstrich­farben verarbeitet wurde 81.

 

Vor der Erfindung künstlicher Farbstoffe wie Indigo oder Anilin-Farben benutzte man für die Herstellung der Farbe 'blau' die Waid­pflanze (Färberwaid) und für Rottöne die Krapp-Pflanze (s. Krappmühlen) 82

 

Farbmühlen im Untersuchungsgebiet wurden betrieben in:

- Germersheim, Krappmühle

- Kleinkarlbach, Backmühle (Mineralmühle)

- Kleinkarlbach, Neumühle (Mineralmühle)

- Kleinkarlbach, Schleifmühle (Mineralmühle)

. Mußbach, Krappmühle

- Speyer, Krappmühle

- Speyer, Hasenpfuhler Mühle rechts des Woogbaches

 

 

 

Fiskal:

lat. fiscalis = die Staatskasse betreffend; Fiskal war ab dem 14./15. Jahrhundert in den meisten deutschen Staaten die Bezeichnung für einen öffentlichen Beamten, der die Gerechtsame und das Interesse des Fiskus wahrzunehmen hatte.

 

Aus seinen Aufgaben ergab sich auch die Stellung als öffentlicher Ankläger im Kriminalprozess. Er hieß so, weil nach dem alten Sy­stem, in dem ein Verbrecher sich durch Erlegung von Bußen an den Verletzten und von Friedgeldern an den König lösen konnte, der Vertreter des königlichen Schatzes solche Straffälle als Gelegenheiten eines öffentlichen Einkommens wahrzunehmen hatte.

 

Den Reichsfiskalen im Deutschen Reich beim Reichskammergericht und beim Reichshofrat oblag es als Ankläger aufzutreten, wenn die Gerechtsame, Gesetze und Verfassung des Reichs verletzt wurden, beispielsweise gegen Missbrauch des Münzregals oder Störun­gen des Landfriedens.

 

Im 18. Jahrhundert waren in Preußen Fiskale in fast allen Bereichen der Verwaltung tätig, diese unterstanden einem Generalfiskal. Mit der Einführung von Staatsanwaltschaften übernahmen diese den Großteil der Aufgaben.

 

 

 

Flachmüllerei:

bei diesem Mahlverfahren wird der Abstand zwischen den Mahlsteinen sehr eng gewählt, so daß nur ein Mahlgang notwendig war. Der Nachteil dieser sofortigen, scharfen Vermahlung ist allerdings, daß die Schale des Getreidekorns fast ebenso stark pulverisiert wird, wie der Mehlkern. Die feinen Schalenteile können nur mangelhaft vom Mehl getrennt werden, das daher dunkelfarbig wird (Vollkornmehl).

 

 

 

Flößen von Holz:

in der Pfalz kam es zu unterschiedlicher Beeinträchtigung des Mühlenbetriebes durch die Holzflößerei. Das Triften von Holz auf den „floßbaren“ Bächen hatte meist einen zeitlich befristeten Stillstand der Mühlen und manchmal Beschädigungen an deren Einrichtun­gen und Stauanlagen zur Folge.

 

Man unterscheidet bei der Holzbeförderung zu Wasser die sog. „gebundene Flößerei“, bei der das zu befördernde Holz (idR Stamm­holz) nicht in einzelnen Stücken, sondern zu mehreren zusammen gebunden wird, von der Einzel- oder Wildflößerei, die als Trift be­zeichnet wird. Bei der Trift wird das Holz, meist Schichtholz oder Klafterholz, in losen Stücken in das Triftwasser gebracht und von diesem zum Bestimmungsort befördert.

 

Wohl hat der Pfälzerwald während eines längeren Zeitraums Material geliefert, das zu Flößen gebunden, auf dem Rhein bis nach Holland gebracht wurde (sog. Holländerholz). Auf den pfälzischen Bächen kam es jedoch lediglich zur Ausbildung des Triftbetriebes für Schicht­holz, Brennholz und Nutzholz 83.

 

Die Auswirkungen der Trift auf die Mühlen war regional unterschiedlich. Auf der Lauter ist es nur zu einer relativ bescheidenen Trift ge­kommen 84. Die Trift auf der Lauter wurde bereits 1846 aufgegeben 85.

 

Das Flößen von Holz auf dem Speyerbach wurde durch das Triftamt erst 1882 aufgehoben 86

 

Literatur:

- Hauck, F.: Vom Triftbetrieb auf den Bächen des Pfälzerwaldes; in: Vom Triftbetrieb in der Pfalz, Teil I (masch.-schriftliche Zusammens­tellung, Neustadt / Weinstraße 1957, S. 1-8

 

 

 

Frauen als Beständerinnen auf Mühlen:

waren Frauen Beständerinnen auf Mühlen, so ergibt sich aus den Quellen, daß ihnen die Mühlen jedoch nie direkt übergeben wurden, sondern sie wuchsen quasi in die Rolle der Beständerin hinein. Dies geschah meist im Todesfall des Müllers; beim Erbbestand konnte sie als Erbin neue Beständerin werden; beim Temporalbestand endete der Bestand nicht mit dem Tod des Müllers, sondern erst mit dem Ablauf der Pachtzeit und so konnte die Frau, wieder in ihrer Position als Erbin, in den Bestand eintreten 87.

 

Als Beispiel für diese rechtlichen Befugnisse ist zu nennen die Müllerin Anna Elisabeth *Labach aus Albisheim, die Witwe des Mül­lers Da­niel *Heilmann. Sie kaufte als Witwe hochbetagt 1720 die Wiesenmühle bei Einselthum, verbunden mit einer Wiederaufbauverpflicht­ung. Sie war auch Beständerin der Unteren Herrenmühle in Gauersheim. Anläßlich des Ausbaus der unteren Herrenmühle in Gauersheim hat sie sich selbst ein Denkmal gesetzt. Dort befindet sich noch heute folgende Inschrift: "ANNA ELISABEDA HEILMENNIN IST ALT GE­WESEN 84 JAHR WIE SIE DEN BAU MIT GOTTES HILF AUS ER UNT GEBAUT 1721". Außer­dem war sie Erbbeständerin der Pfortmühle Albisheim und des dortigen Zeller Hofguts, Anna Elisabeth Labach war also eine angese­hene, außerordentlich energische und erfolgrei­che Geschäftsfrau.

 

Die am 13.7.1784 publizierten „Pfalzzweibrükische neue Zunftordnung“, die mit 43 Artikeln die umfangreichste Kodifikation des pfalz-zweibrückischen Zunftrechts enthält in Art. 19 und 20 das Zunftrecht der „Wittweiber“. Wenn eine Meisterwitwe das Hand­werk ihres verstorbenen Ehemanns fortführen wollte, mußte sie lediglich ein Viertel des in der Zunft üblichen Meistergeldes entrich­ten (Art. 19). Die Witwe trat völlig in die Rechtsposition des Gatten ein, sie durfte lediglich die Lehre der vorhandenen Lehrjungen nicht fortsetzen und auch keine neuen Lehrjungen annehmen. „Hat sie aber Kinder, so ist ihr (….) erlaubt, das Handwerk so lang fortzuführen, bis ent­weder einer der Söhne sich auf demselben etabliert, oder eine ihrer Töchter einen Meister des nemlichen Hand­werks geheurathet hat. Welchem vorgängig diese Koncession aufhört“ (Art. 3). „Endlich bleibt jede Witwe von jährlichem Zuschuß zu Lade (….) befreiet, genie­set aber dennoch allen Vorteil des jedem Zunftglied zukömmt“ (Art. 4) 88.

 

 

 

Frauen und Rechtskenntnis:

nach den Regeln des gemeinen römischen Rechts konnten von Frauen keine Rechtskenntnisse erwartet werden und diese ignorantia facti war u.U. unschädlich 89.

 

 

 

Friese:

zur Erstellung des Flussbettes, des Mühlteichs und der Dämme gab es früher einen eigenen Berufszweig. Diese Zunft hieß Friese oder Seegräber; mhd. Vriese = Damm- oder Schlammarbeiter. Beide Bezeichnungen waren in der Pfalz gebräuchlich.

 

 

 

Fronmühle:

leitet sich ab von mhd. „vro“ = Herr, bzw. das Adjektiv „vron“ = dem Herrn gehörig 90.

 

 

 

Galgmühle:

Mühle mit Galgen, d.i. senkrechte Holzachse mit langem Querbalken für das Göpelwerk 91.

 

 

Gant:

oberdeutsches Wort für „gerichtliche Versteigerung“ 92.

 

 

 

Geistliche Güterverwaltung Pfalz-Zweibrücken:

s. auch *Kurfürstliche Geistliche Güterverwaltung Heidelberg (CGA)

s. auch *Kirchenschaffnei

 

Durch die Reformation kam es zu einer Neuordnung des Kirchenvermögens im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Der Zweck und die Ver­waltung wurden anders bestimmt. Direkte Folge der 1559 verfügten Säkularisation über die noch bestehenden Klöster war die Übertra­gung des Kirchenvermögens auf die sog. Klosterschaffneien. Die Kircheneinkünfte wurden von den Kirchenschaffneien ver­waltet. Insge­samt wurden es im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken vier solcher Schaffneien eingerichtet: in den Oberämtern Zwei­brücken, Bergzabern, Meisenheim und Kusel (Lichtenberg). Die Rechenkammer blieb oberste Aufsichtsbehörde 93. Eine durchgrei­fende Veränderung für die Verwaltung begann erst 1663; Herzog Friedrich Ludwig von Pfalz-Zweibrücken richtete eine Ge­neralkasse zur Aufnahme der Überschüs­se der geistlichen Gefälle ein und Leitung von Hermann Fölckling. Damit wurde die Aufsicht über die Kirchenschaffneien aus dem Zu­ständigkeitsbereich der Rechenkammer herausgenom­men. Das Ende dieser gesonderten geistlichen Güterverwaltung (nicht mit der kur­füstlichen geistlichen Güterverwaltung in Heidel­berg, CGA, zu verwechseln) kam mit der schwedischen Herrschaft; diese ließ die Kir­chengüter wieder von der Rechenkammer ver­walten. 1719 wurde die geistliche Güter­verwaltung wieder eingeführt und dem Herzog di­rekt unterstellt 94. “... auch keine einzige Mühlen im hießigen Herzogthum wird ge­nennet werden können, welche ohne dergleichen fürstli­che Landesconcession wenigstens a Seculis, als wovon Acta noch vorhanden und solches ausweisen, wäre erbauet worden oder noch existire”. Weiterhin führt sie aus, “daß von undencklichen Zeiten her das Recht Mühlen zu bauen inter Regalia referiret, mithin eine solche Mühle oder Mühlenconcession nicht als eigenes Dominium vel Ju­ris proprium, sondern vielmehr zu allen und jeden Zeiten als ein Closterprivilegium angesehen und gehalten wurde” 95. Letzt­lich kann sich die Güterverwaltung mit ihrer Ansicht nicht durchsetzen 96. Die ständigen Differenzen zwischen Herzog und dem Administrativ­kollegium 97 gipfelten 1755 in der Auflösung des Oberkonsistoriums 98. Der Herzog erklärte, daß die geistlichen Güter ihm gehörten und daß den Reformierten lediglich die Nutznießung des Besitzes für Kir­chen und Schulen zustünde. Die Überschüsse seien jedoch der landesherrlichen Verfügungsgewalt zuzuordnen 99.

 

 

 

Gemeines Recht:

im 18. Jh. wurden im Bereich des positiven (Anm.: d.h. geschriebenen kodifizierten Rechts) unter dem einsilbigen Begriff „Gemei­nes Recht“ inhaltlich verschiedene Rechtsquellen zusammengefaßt. Die Rechtswissenschaft und -praxis verstand darunter nach aller­dings nicht einheitlicher Meinung einmal den modernen, zeitgemäßen Gebrauch des im Corpus iuris civilis enthaltenen römischen Rechts, der in sachlichen Teilbereichen des ius civile durch das kanonische Recht (Anm.: d.h. kirchliche wissenschaftliche Recht) und das langobardi­sche Lehensrecht flankiert wurde. Und zum anderen sollte es aus dem Inbegriff einheimischer Rechtsregeln beste­hen, die – so nahm man an – aus einzelnen mittelalterlichen Rechtsquellen gewonnen werden könnten. Der genaue Inhalt dieses ius germanicum war durch die Wissenschaft allerdings noch nicht hinreichend präzisiert. Entscheidend ist, daß die Rechtsquellen des po­sitiven gemeinen Rechts nach Kreittmayer nicht mehr als losgelöste und voneinander unabhängige Rechtsmaterien begriffen wurden, sondern nun in ih­rer Gesamtheit den Gegenstand eines einzigen gemeinen Rechts mit universellem Charakter bilden sollten 100.

 

Die frühneuzeitliche deutsche Rechtsgeschichte zwischen 1500 und 1800 wird häufig in zwei Abschnitte unterteilt. In der ersten Pha­se so lautet ein gängiges Urteil der rechtsgeschichtlichen Forschung, soll das römische Recht in Wissenschaft und Praxis steig an Bedeut­ung zugenommen haben, in der zweite dagegen sei der Stern des römischen Rechts langsam aber sicher abgesunken sein. Ab wann man den Beginn dieser zweiten Phase datieren kann, wird in der Literatur unterschiedlich beantwortet. Einig ist man jedoch in der Auf­fassung, daß ein besonderes Merkmal der späteren Epoche darin bestand, daß die Bedeutung einheimischer Rechtsquellen wieder zu­nahm, nachdem in der Rezeptionszeit das wissenschaftlich bearbeitete römisch-kanonische Recht ganz im Vordergrund ge­standen hatte. Ferdinand Frensdorff prägte 1908 das plastische Wort vom „Wiedererstehen des deutschen Rechts“, und bereits im 19. Jh. sprach Ru­dolph Sohm von der „deutschen Gegenbewegung gegen den Angriff des römischen Rechts“ 101.

 

Charakteristisch für den Pendelschlag in Richtung des einheimischen Rechts soll die verstärkte Hinwendung der Juristen zur deut­schen Rechtsgeschichte gewesen sein. Dem Sammelfleiß der sog. Germanistischen Rechtsantiquare verdanken wir u.a. heute noch wertvolle Editionen mittelalterlicher Rechtsbücher und partikularer Stadt- und Landrecht, z.B. Friedrich Esaias Pufendorf: Observa­tiones Juris uni­versi, Frankfurt und Leipzig 1744, Hannover 1748-1770. Die Frage, auf welche Weise verschiedene deutsche Rechts­wissenschaftler des 17. und 18. Jh. ein gemeines deutsches Gewohnheitsrecht konstruierten, ist Gegenstand einer Untersuchung von Oestmann 102.

 

Die gemeinrechtliche Rechtsanwendungsdoktrin besagte, daß es für die Gültigkeit einer Norm, insbesondere einer partikularrechtli­chen Vorschrift, darauf ankam, daß diese in der Rechtspraxis beachtet und angewendet wurde, „consuetudo est facti“ und „statutum est fac­ti“ 103.

 

 

 

Gemeines Recht und Auslegung:

es galt zunächst der Grundsatz der strikten Interpretation des vom römischen Recht abweichenden Partikularrechts 104.

 

Der berühmte Professor David Mevius (1609-1670) hatte als einer der ersten deutschen Autoren die strikt-romanistische Interpretati­on von Partikulargesetzen überwunden, griff aber dennoch häufig auf das römische Recht zu 'Auslegungszwecken zurück 105. Demgegen­über waren jüngere Autoren des 18. Jh. als Anhänger der sog. Germanistischen Rechtsantiquare bestrebt, in der Rechtsüberlieferung den Prototyp ein echtes deutsches Privatrecht zu postulie­ren 106.

 

 

 

Genossenschaftsmühlen:

s. *Bauernmühlen

 

 

 

Gerinn, Gerenn:

heißt bei unterschlächtigen Wasserrädern die “Rinne”, gemauert oder aus Holz, in der das Mühlrad steht bzw. sich bewegt. Ursprüng­lich hatte jeder Gang sein eigenes Wasserrad und somit auch sein eigenes Gerinn 107.

 

 

 

Gerüst:

Der Bodenstein ist auf dem Mühlgerüst befestigt. Das Mühlgerüst (Mahlgerüst) besteht aus zwei niedrigen Grundmauern; der leere Raum zwischen den Grundmauern, unter dem Kammende, heißt Kammkuhle; quer über die Grundmauern liegen zwei Schwellen; auf diesen liegen mit den Grundmauern parallel die zwei Hausbäume; auf diesen stehen aufrecht vier Docken, quer über diesen lie­gen par­allel zu den Schwelen die zwei Launen (Balken), welche noch durch Bänder oder Eckstreben, unter sich aber durch die in Richtung der Schwellen auf ihnen liegende bohlene Decke (Boden) verbunden sind, auf letzter aber ruht das Steinlager, ein vierecki­ger Rahmen von starkem eichenem Holz (Bodensteinviereck), oder ein Kranz aus starken Fegen, in welchem der Bodenstein in eine Schicht Kalkmörtel genau horizontal fest eingelagert ist. Bei großen Steinen werden außerdem unter dem Boden noch zwei starke Tragbalken (Bodenstein­riegel) so mit dem Mühlgerüst verbunden, daß sie den Bodenstein mehr gegen die Mitte hin unterstützen; auf ihnen wird der Boden­stein durch eiserne Nägel (Boxnägel) befestigt.

 

 

 

Geschirr:

auch laufendes Geschirr; dazu gehört das Wasserrad, Getriebe Mahlgang, d.h. alles, was sich bei der Mühlentechnik bewegt 108.

 

 

 

Getreidemaße:

sie waren von Mühle zu Mühle verschieden. Als gängiges Maß kannte man Malter, Scheffel und Simmern, alles Hohlmaße. Ein Mal­ter wog nach der Wiegeordnung von 1448 176 Pfund. Dazu war das Sackgewicht mit dreieinhalb Pfund angesetzt. Ein Simmere faßte in der Pfalz z.B. 12 1/2 Liter. Aus einem Bericht des Bäckerhandwerks um 1430 ist zu entnehmen, daß aus einem Malter Korn 86 Brote geba­cken werden mußten 109.

 

1 Ma = 4 Faß = 100 Ltr; = 160-180 Pfund (Frucht je nach Art und Feuchtigkeit)

1 Faß = 4 Sester = 25 Ltr = 64 Pfund

1 Sester = 4 Mäßchen / 4 Viertel = 6,25 Ltr. = 8 kg Roggen oder 13 kg Hafer

1 Mäßchen = 1,563 Ltr.

1 Maß = 4 Schoppen = 2 Ltr

1 Malter Weizen = 152-162 Pfund

1 Malter Korn = 140-154 Pfund

1 Malter Spelz = 80-90 Pfund

1 Malter Dinkel = 78-85 Pfund

1 Malter Gerste = 124-135 Pfund

 

Dabei sind nochmals unterschiedliche Maße zwischen den einzelnen Herrschaftsgebieten zu unterscheiden, da es erst im 19. Jh. zur ei­ner schrittweisen Vereinheitlichung kam.

 

Kurpfalz (Heidelberg):

Ein Malter Getreide entsprach 4 Viernsel, 8 Simmern, entsprechend 16 Infel, entsprechend 64 Mäßel, d.h. etwa 220 Liter. 110. 14 Achtel 0 2 Maß = 4 Sester = etwa 28 Liter 111.

 

Lichtenberg, Oberamt:

Lichtenberger Maßung, 4 Malter 4 Faß Lichtenberger Maßung entsprechen 4 Malter Saarbrücker Maßung 112

 

Meisenheim, Oberamt:

4 Faß = 100 Liter 113.

Mäßchen = 1,563 Ltr 114

 

Moscheler Maßung (zweibrückisches Amt Landsberg-Obermoschel):

 

Literatur:

- Anthes, Günter F.: Die Kellerei-Rechnung des zweibrückischen Amtes Landsberg im Jahre 1601; in: PRFK 1975, S. 244 (mit Umrechn­ungstabelle)

 

Saarbrücker Maßung:

4 Malter 4 Faß Lichtenberger Maßung entsprechen 4 Malter Saarbrücker Maßung 115

 

Speyer:

Trockene Sachen wie etwa Getreide wird zu dieser Zeit in Speyer durch vier geteilt: Ein Malter Getreide entspricht vier Viernzel oder acht Simmern, 32 Immel oder 128 Seßling oder Mäßchen. Ein Simmer für Roggen und Weizen entsprach 12 Achtel, d.h. etwa 330 Li­ter. Dagegen bei Hafer und Hülsenfrüchte entsprach ein Malter 9 Achtel, d.h. etwa 250 Liter 116.

 

1 Mltr (Speyerer Maß) 8 Sim. 32 Im.

1 Mltr. 125,88 Liter

1 Sim. 15,736 Liter

1 Im 3,9339 Ltr

1 Mltr (Sp. Maß)Weizen/Dinkel 97,34 kg (1 l 0,7733 kg)

1 Mltr (Sp. Maß) Roggen (Korn) = 91,62 kg (1 l 07278 kg)

1 Mltr (Sp. Maß) Gerste 74,43 kg (1 l 0,5913 kg)

1 Mltr (Sp. Maß) Hafer 54,97 kg (1 l = 0,4367 kg) 117

 

 

Wormser Malter:

195 Pfund oder 125 Liter; der Malter war in 4 Viernzel, 8 Simmern oder Sester, 16 Vierling oder Kumpf, 32 Immel, 64 Zweiling und 128 Mäsel unterteilt. Dieses Maß galt für schwere Frucht wie Korn und Weizen Das Malter für leichte Frucht (Hafer, Spelz=Dinkel, Gerste) hatte 9 Simmern 118.

 

Literatur:

- Verdenhalven, F.: Alte Maße, Münzen und Gewichte aus dem deutschen Sprachgebiet, Neustadt/Aisch 1968

 

 

 

Gießen, Gießenmüller:

wegen der Hochwasser- und Eisgefahr wurde die Mühle meist nicht direkt an den Bach oder den Fluß gebaut; es wurde vielmehr ein be­sonderer Mühlteich gegraben. Der Ablauf oder Hinterteich hieß Gießen (auch 'Giesen'). In Meisenheim gab es einen Gießenmüller, des­sen Mühle am Gießen der Stadtmühle lag.

 

 

 

Gipsmühlen:

in diesen Mühlen wurde Düngemittel aus gemahlenem Gips hergestellt, die erste verbreitete Form der Mineraldüngung von Äckern und Wiesen. Die Mühlen waren selten reine Gipsmühlen, sondern meist ein Betriebszweig von Mahl- oder Ölmühlen.

 

Um 1760 Friedrich Mayer machte Pfarrer Johann Friedrich Mayer im Amt Kupferzell / Fürstentum Hohenlohe-Waldenburg-Schil­lingsfürst erfolgreiche Versuche beim Düngen der Wiesen und Kleeäcker mit Gips. Er schrieb 1768 das in Ansbach erschienene Buch „Lehre vom Gips“. Johann Christian Schubart, Edler von Kleefeld (1734-1787) führte ca. 1774 das „Gipsen“ auf seinen Gütern in Zeitz ein. Der spä­tere amerikanische Staatsmann und Wissenschaftler Benjamin Franklin († 1790) lehrte etwa um die gleiche Zeit in Nordamerika das Düngen mit dem neuen Wundermittel 119.

 

Als die Erfolge dieser Gips-Pioniere in der Pfalz bekannt wurden, brach ein regelrechter Boom dieser neuen Bewirtschaftungsmetho­de aus. In allen Teilen der Pfalz wurden Gipsmühlen gebaut, wurden Kollergänge in vielen Ölmühlen mit breiten, schweren Steinen zum Mi­neralienmahlen umgerüstet 120.

 

Die Spezialmühlen verschwanden schnell, als man erkannte, daß das Kalken nur die vorhandenen Nährstoffe er­schließt, jedoch zum Auslaugen der Böden führt.

 

Gipsmühlen gab es im Untersuchungsgebiet in:

- Albisheim / Pfrimm, Pfortmühle

- Biebermühle bei Waldfischbach-Burgalben

- Bischheim Herrenmühle

- Bischheim, oberhalb Bischheim am Gutleitbach/Leiselbach

- Contwig

- Eichelsbacher Mühle bei Pirmasens

- Germersheim, Stadtmühle des Martin Heene

- Gersheim, Öl- und Gipsmühle

- Hatzenbühl, Wanzenheimer Mühle

- Heppenheim / Bergstraße

- Kirchheimbolanden, Gutleutbacher Mühle

- Lautzkirchen, ehem. Papiermühle

- Lustadt, Lachenmühle

- Mimbach, Öl- und Gipsmühle an der Schellwerbach

- Münchweiler a.d. Alsenz, Dorfmühle/Klostermühle (Mühle Jennewein)

- Münchweiler a.d. Rodalb, Hombrunnerhof

- Oberndorf a.d. Alsenz, Obere Mühle oder Felsenmühle

- Queichheim bei Landau

- Rittersheim, Steuerwaldmühle

- Rockenhausen, Untermühle

- Schweix, Obere Hilster Mühle

- Speyer, Drekmühle

- Speyer, Spitalmühle

- Speyer, Hasenpfuhler Mühle

- Zweibrücken, Olichmühle an der Erbach

- Zweibrücken, Öl- und Gypsmühle Dätweiler (Detweiler)

 

 

 

Glück zu:

ist der Müllergruß, früher besonders von wandernden Müllergesellen angewandt.

 

 

 

Grangie:

Mittellateinisch von „grangium“ = Vorratshaus, Scheine; lat. von „granum“ = Korn; unter Grangie versteht man eine Kornscheune oder Kornhaus o.ä., auch einen eingefriedeten mit Hof oder Mauer bzw. Palisade umgebenen Hofbereich; vor allem bezeichnet „Grangie“ den gesamten von einer Hoflage aus bewirtschafteten Landkomplex, also einen agrarischen Großbetrieb mit allem Zubehör 121.

 

 

 

Gravatoriallibell:

s. Libell

 

 

 

Grundstücksrecht in Speyer:

in Speyer lebten auch nach dem Vordringen des römischen Rechts die alten gemeinrechtlichen Vorstellungen weiter, ohne daß es der rö­mischen Besitz- und Eigentumslehre gelang, in das städtische Rechtsleben einzudringen (anders z.B. in Frankfurt/Main). Man kann da­von ausgehen, daß die mittelalterlichen Klageverfahren das gesamte Fahrnisrecht weiter beherrschten. Im Grundstücksrecht galt der überlieferte Satz weiter, daß nur die Vornahme der „Wehrschaft“ in der vom Stadtrat vorgeschriebenen Form Rechte an Grund­stücken begründen könne. Von römisch-rechtlichen Begriffen frei, stellte der Stadtrat in Speyer die Wehrbriefe nach bisherigem Mu­ster aus und verwies ausdrücklich auf „der Stadt Recht und Gewohnheit“. Gegenüber dieser gewohnheitsrechtlichen Übung gewann die römische praescriptio keinen Boden. Trotzdem bürgerte sich im Grundstücksrecht eine Gewohnheit ein, die sich von dem im Mit­telalter geprägten Offenkundigkeitsprinzip abwandte und gegen die der Rat 1565 in einer Verordnung an alle Zünfte einschritt. Es hatte sich nämlich her­ausgestellt, daß in Speyer zahlreiche Liegenschaften durch „heimliche, stille und im Recht unzulässige und un­beständige“ Kaufverträge ohne Errichtung eines Wehrbriefe veräußert worden waren. Der Rat warnte unter Hinweis auf den jedem Beteiligte entstehenden scha­den vor solchen Rechtsgeschäften und wies darauf hin, daß bei allen Grundstücksveräußerungen dem Käufer „an gebührenden Orten gewisse sichere Wehrschaft getan“ werde 122.

 

Den Rat veranlaßten zu diesem vorgehen Ansprüche, die aus einem dinglichen Anwartschaftsrecht erhoben wurden. Dieses in Speyer auch „Losung“ benannte „Näherrecht“ (d.h. ein näheres Recht, Vorkaufsrecht) befugte nächste Verwandte und Freunde des Veräuße­rers einer Liegenschaft innerhalb Jahresfrist, das Grundstück im Falle des Verkaufs an einen Minderberechtigten gegen Erfüllung der vom Käufer übernommenen Verbindlichkeiten zu erwerben. Das römische Recht beseitigte diese im Mittelalter entwickelte, dem heutigen Vorkaufsrecht entsprechende Befugnis nicht, nachdem auch die italienische Jurisprudenz ein ius retractus geprägt hatte. So bestätigte das Reichskammergericht 1579 in dem Prozeß zwischen Lorenz Junghens und den Brüdern Gregor und Max Riesen auf deren Appellati­on dieses seit „unvordenklichen Zeiten“ in Speyer geltende Gewohnheitsrecht 123.

 

 

 

Güterrecht, eheliches in Speyer:

das eheliche Güterrecht in Speyer wurde von der Rezeption des römischen Rechts nur wenig berührt. Es behauptete sich in Speyer mit einer erstaunlichen Zähigkeit und betonte immer wieder seine bisherige Form. In dieser Weise entschied der Stadtrat noch am 18.8.1547 „nach altem Herkommen, Gebrauch und Stadtrecht“, daß dem überlebenden Ehegatten beim Tode des anderen die Fahrnis als Erbe und Eigentum gebühre. Dafür müsse der Überlebende, dem an den eingebrachten, ererbten oder sonstwie erworbenen Gü­tern beim Vorhandensein von Kindern die lebenslängliche Nutznießung zustehe, sämtliche Schulden des Verstorbenen bezahlen. Die­sen Grundsatz konnte nur eine durch Vertrag oder Testament rechtswirksam errichtete Verfügung anderen Inhalts durchbrechen 124.

 

Zu diesem Zeitpunkt deutete noch nichts auf die Übernahme des römischen Rechts in das eheliche Güterrecht hin. Ein Statut vom 20.11.1667 änderte zwar das ältere des Jahres 1383 ab, hielt aber im großen an den bisherigen Normen des Familiengüterrechts fest. Es brachte nur einige Ergänzungen. Die Verteilungsquote der ehelichen Errungenschaft, die beim Ableben eines Ehegatten nach Zah­lung der Schulden zu 2/3 dem Manne und des Erben (Anm.: der sog. Schwertteil) und der überlebenden Ehefrau und ihren Erben 1/3 zufiel (Anm.: sog. Kunkelteil oder Spindelteil), blieb bestehen. Die Begriff Schwertteil und Kunkelteil finden immer noch Erwäh­nung 125.

 

Die Schuldenregelung wurde dahin erweitert, daß die in bestehender Ehe gemachten Schulden, wenn die Errungenschaft nicht ausrei­chen sollte, verhältnismäßig aus ganzer Nahrung beider Eheleute abzutragen seien 126.

 

Nur aus den übrigen Bestimmungen des Status von 1667 sind einige römisch-rechtliche Gedanken zu erkennen. Der überlebende Ehe­gatte erhielt nunmehr von dem Gesamtnachlaß des Verstorbenen, der sich aus eingebrachten oder in bestehender Ehe erworbenen Gü­tern zusammensetzen konnte (wenn drei, weniger oder gar eine Kinder vorhanden waren) nach gemeinem Recht ein Viertel als Erbe und Eigentum. Waren vier oder mehr Kinder vorhanden, erfolgte Realteilung nach Quoten pro Kopf 127.

 

 

 

Gulden:

eine seit dem 13. Jh. gebräuchliche Münzeinheit, zunächst Goldmünze, später auch Silbermünze, nach dem ursprünglichen Prägeort Flo­renz auch Florin genannt; ihr Wert richtete sich nach Goldgehalt; 1 (Rheinischer) Gulden = 30 Albus = 15 Batzen = 60 Kreuzer 180 Pfennige. Der Wert des Gulden wurde bei der Währungsreform von 1871 mit 1,71 Reichsmark umgerechnet 128.

 

 

 

Hadern:

Begriff aus der Papierfabrikation. Hadern sind Lumpen aus Baumwolle, Leinen, Hanf, Flachs oder sonstigen textilen Flächenerzeug­nissen pflanzlicher Herkunft; gereinigt und gerissen sind sie Faserrohstoff für die Herstellung von Feinpapier, insb. Schreibpapiere.

 

 

 

Halde:

mhd. 'halte' „Weideplatz für Vieh“

 

 

 

Handelsmühle:

im Gegensatz zur Handelsmüllerei (bis zum Beginn des 19. Jh. gebräuchlich) wurde bei der Kundenmüllerei die Frucht durch den Bauern selbst in die Mühle zur Vermahlung gebracht, wofür der Müller als Vergütung für das Mahlen den sog. „Multer, den Mahl­lohn als Natural­lohn in Form eines Teils der Frucht erhielt. Demgegenüber ist das Charakteristikum der Handelsmüllerei, daß der Müller Brotgetreide auf eigene Rechnung und Gefahr kaufte, hiervon Mehl herstellte, um dieses selbst zu verkaufen 129. Die im Vergleich zur Vorderpfalz deutli­che schlechtere Verkehrsanbindung der Nordpfalz hatte, zur Folge, daß sich dort die Handelsmüllerei teilweise erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. durchsetzte 130.

 

 

 

Hanfreibe:

ein wichtiges Zwischenglied in der auf Hauf basierenden Leinengewinnung stellte die Hanfreibe dar, den die „Arbeitsgang zur Faserber­eitung übernahm. Die Aufgabe der Hanfreibe bestand nämlich darin, die Fasern „zarter und weicher“ zu gestalten. Die Hanfreibe arbei­tete“nach dem Prinzips des Kollergangs“ der Ölmühle, „nur daß statt zwei Steinen ein Läufer sich um einen runden Trog beweg­te“; zu­dem war der Hanfreibstein niedriger und kegelförmig. „Durch das 'Reiben' sollten die Fasern für den Spinnprozeß vorbereitet, d.h. mür­be und leicht drehbar gemacht werden 131.

 

Der Hanfumbau im frühen 19. Jh. in der Vorderpfalz diente nicht nur der Eigenbedarfsdeckung. Die vor allem in der Rheinebene von Speyer bis zur französischen Grenze erzielten Überschüsse gingen im wesentlichen nach Holland und Belgien für Schiffstaue und Segel­tücher. Die Ursachen eines um 1840 beginnenden allgemeinen Rückganges der Hanferträge lagen in der langwierigen, um­ständlichen Aufbereitung und der Einfuhr billigerer oder besserer ausländischer Sorten sowie insbesondere im Vordringender Baum­wolle 132.

 

 

 

Haue:

heißt das doppelt schwalbenschwanzförmige Eisen, auf dem der Läuferstein ruht; sie ist mit dem *Mühleisen (= senkrecht Antriebs­welle der Mühlsteine) fest verbunden; die Haue trägt den Läuferstein und dreht ihn durch Mitnahme.

 

 

 

haunften, gehaunft:

bedeutet „in die Zunft aufnehmen“, wie es in der Meisenheimer Bäcker- und Müllerordnung von 1560 ausgewiesen 133.

 

 

 

Heilige Katharina:

eine der vierzehn Nothelfer; Schutzpatronin der Mühlen und Müller aller Art; an ihrem Namenstag, dem 25. November heißt es: „St. Ka­threin stellt das Mühlwerk ein!“ 134.

 

 

 

Hetschmühle:

ist eine Bezeichnung für oberschlächtige Mühlen; sie hatten statt Schaufeln (bei unterschlächtigen Mühlen) Wasserkasten, in die von oben her über eine Holzkandel das Wasser geleitet wurde. Das Gewicht des Wassers setzte das Mühlrad in Bewegung; aber je weiter ein Wasserkasten nach unten geriet, umso mehr Wasser schüttete er wieder aus, um sich gänzlich zu entleeren, und wenn er oben hin­kam, wieder gefüllt zu werden. Das ständige Geräusch des Wasserausschüttens klang wie unausgesetztes Schluchzen, Gurgeln und Seufzen und wurde als „hetschen“ bezeichnet 135.

 

 

 

Hinterwasser:

ein Rückstau; es entsteht, wenn der bachabwärts wohnende Nachbarmüller zu stark staut oder bei Hochwasser. Das von „hinten“ im Gegenstrom wirkende Wasser bricht die Schaufeln des Wasserrades. An ein Mahlen ist dann nicht zu denken.

 

Das Hinterwasser führt durch einen Abflußstau zu einer geringeren Fließgeschwindigkeit des vor dem Stau fließenden Gewässers und beeinträchtigt dadurch die Antriebsleistung der oberliegenden Mühlen. Dies erfolgt auch über eine größere Entfernung, weshalb es im 19. Jh. immer wieder zu Einsprüchen obenliegender Müller gegen die Errichtung oder Erweiterung von unterliegenden Mühle kam. So widersprach z.B. der Müller Kinscherff aus Dudenhofen der Errichtung einer 700 m unterhalb seiner Mühle geplanten Öl­mühle; dieser wurde 1839 die Betriebserlaubnis verweigert, weil dadurch die Mahlmühle „von verderblichem Hinterwaßer bedroht“ werde 136.

 

 

 

Hirsenmühle:

Hirse ist eine Sammelbezeichnung für kleinfrüchtiges Spelzgetreide mit 10–12 Gattungen. Alle gehören zur Familie der Süßgräser (Poa­ceae). Der Name Hirse stammt aus dem Altgermanischen (hirsi) und steht für „Sättigung, Nahrhaftigkeit“. Hirse ist das älteste Getreide, das bereits vor 8000 Jahren dazu diente, ungesäuertes Fladenbrot herzustellen. In China wird Rispenhirse seit mindestens 4000 Jahren landwirtschaftlich genutzt. Die Rispenhirse oder Echte Hirse (Panicum miliaceum) wurde früher auch in Europa als Nahrungsmittel ange­baut 137.

 

Noch im 18. Jh. diente Hirse, deren Anbau ein warmes, trockenes Klima erfordert 138, abgesehen von der Viehfutternutzung, in Form von Mehl, Graupen, Grütze oder Grieß als Nahrungs­mittel, doch wurde die Ernährung durch Hirsebrei zugunsten des Brotes zunehmend zu­rückgedrängt. Damit verlor auch die „Hirse- oder Breimühle“, eine Stampfmühle zum Schälen und Quetschen von Hirse zunehmend an Bedeutung. Noch im Mittelalter war die Herstellung von Hirse von solcher Bedeutung, daß es den Berufszweig des „Hirsenmüllers“ gab 139.

 

 

 

Hochmüllerei:

bei der Flachmüllerei wird (im Gegensatz zur *Hochmüllerei) schon im beim ersten Durchgang (Zug) das Getreide möglichst stark ge­quetscht, geschrotet, um sofort Mehl zu gewinnen. Demgegenüber werden bei der Hochmüllerei die Getreidekörner in mehreren Durch­gängen nach und nach zerkleinert und hierdurch besseres Mehl gewonnen 140.

 

Noch um 1800 wurde jeder Mahlgang durch ein besonderes Wasserrad angetrieben. Die Vermahlung wurde allgemein mit angefeuchtet­em Weizen vorgenommen (s. Naßmüllerei). Das Getreide wurde gleich möglichst klein geschrotet und nur die gröberen Teilchen einer Sortierung mittelst Sieben unterzogen. Um 1810 vereinfachte Ignaz Paur, Mühlenbesitzer in Leobersdorf, das mühsame Gries­sieben durch Erfindung der Griesputzmaschine, und er stellte zuerst aus den feineren geputzten Grießen zuerst Mehl (Auszug) her. Paur wurde zum Begründer der Hochmüllerei 141.

 

Bei der Hoch- oder Grießmüllerei, auch Wiener, österreichisches, ungarisches, Prager oder sächsisches Mahlverfahren genannt, wird durch allmähliche Zerkleinerung der Getreidekörner eine große Menge Grieße erzeugt, welche geputzt, aufgelöst, wieder geputzt usw., also stufenweise zu Mehl zerkleinert werden. Dieses, zuerst in der Wiener Gegend eingeführte Mahlverfahren liefert die schön­sten und hellsten Mehle und die feineren Mehlsorten (Vgl. Kastenmüller/Klabunde: Mühlentechnik, a.a.O., S. 96). Beim österreichi­schen Mahlver­fahren stellte man die Steine bzw. Walzen beim ersten Durchgang des Getreides so weit (hoch) auseinander, daß nur ein geringes Abrei­ben und Brechen der Körner erfolgt. Die Walzen werden dann bei den weiteren Schrotdurchgängen immer en­ger ein­gestellt 142.

 

 

 

Hörfaut:

auch Ausfaut; der Hörfaut war ein kurpfälzischer Beamter, der für die exterritorial wohnenden kurpfälzischen Leibeige­nen zuständig war. Die Bezeichnung als „Ausfaut“ rührt daher, daß sich seine Befugnisse nicht nur auf die pfälzischen Ortschaften erstreckte, sondern auch auf die pfälzischen Rechte in den sog. „Ausdörfern“, die unter fremder Landeshoheit standen.

 

Das Amt des Ausfauts ist seit etwa 1500 nachgewiesen. Er nahm kurfürstliche Rechte der Kurpfalz wahr an Orten außerhalb der kurpfälz­ischen Grenzen, insbesondere solche, die mit Leibeigenschaft, Wildfangrecht sowie den Waisen in Zusammenhang standen. Er war also der juristische Vertreter eines bestimmten Personenkreises. Nicht selten trat er auch als Ankläger auf, z.B. vor dem Malefizger­icht 143.

 

Eine erhebliche zusätzliche Bedeutung kam dem Ausfaut während des Wildfangstreits bei der Ausübung sog. Wildfangrechte zu 144.

 

So gab es im kurpfälzischen Oberamt Germersheim einen Hörfaut, der die kurpfälzischen Leibeigenen, die ihren Wohnsitz außerhalb des kurpfälzischen Oberamts hatten (daher auch die Bezeichnung Ausfaut) vor allem in Rechtsfragen beriet und sie vor Gericht ver­trat. War er mit einem juristischen Problem überfordert, konnte er er den Fall an seine Vorgesetzten, den Germersheimer Vogt oder den Land­schreiber und schließlich auch an den Hof in Heidelberg weiterreichen 145.

 

Die gleiche Einrichtung bestand im kurpfälzischen Oberamt Alzey. Auch dort bestand eine Ausfautei. Diese war für die Ausübung vogtei­licher Rechte außerhalb des Oberamts bezüglich der kurpfälzischen Hörigen zuständig. Aus seiner Zuständigkeit für die Höri­gen wurde der Ausfaut auch als „Hörfaut“ bezeichnet 146.

 

Einen Ausfaut gab es auch im Oberamt Heidelberg, im Oberamt Neustadt, Oberamt Boxberg und im Unteramt Dilsberg 147.

 

So heißt es in dem Werk „Vorläuffige jedoch gründliche Ausführung Der Hochstifft=Speyerischen Landes=Fürstlichen Gerechtsamen In und über Die beyden Dorffschaften Grevenhausen und St. Lamprecht … gedruckt Anno 1753“ unter „Num. 23 Extract Kirrweiler Ober-Ambts Scheffnerey=Rechnung de Anno 1615: „... Gulden V. Batzen 4. … verzehrt der Pfaltz=Grevisch Hörfaut zu Germers­heim beneben seinem Schreiber und Ausknecht alhie, als die Speyerische in der Pfaltz gesessene Leibeigene allhie gehuldiget.“

 

 

 

Holländer:

sind Mahlwerke die in der Papierfabrikation, insbesondere bei der Schreibpapierherstellung, seit dem späten 17. Jh. Verwendung finden. Holländer wurden für die Lumpenverarbei­tung (Hadern) verwendet und bestanden aus einem Steintrog mit einem gegenläufigen Mes­serwerk, durch das die Lumpen hindurch­laufen mußten und in kleinste Bestandteile zerlegt wurden.

 

 

 

Holzflößerei:

s. *Flößen von Holzflößerei

 

 

 

Kalenderbezeichnungen in Urkunden:

s. Monatsbezeichnungen

 

 

 

Kammrad, Kamm:

im Mühlenbau werden die Zähne der hölzernen Räder (Kammräder) sowie die in eiserne Räder besonders seitlich eingesetzten Holzzähn­e als “Kämme” (in der Westpfalz Mehrzahl: die Kammen) bezeichnet. Kamm (westpfälzisch: die Kamme) bedeutet manchmal auch “Hebedaumen” bei den Wellbäumen der Stampfen und Stempelpressen 148.

 

Abbildung:

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 49

 

Photo:

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 67

 

 

 

Kampfrad:

s. Kammrad

 

 

 

Kandel:

heißt bei oberschlächtigen Wasserrädern die Holzrinne, die das Wasser zum oder über das Rad leitet.

 

 

 

Kappen:

= Kapaun; d.h. ein kastrierter Masthahn; in vielen Mühlenberichten wird als Pachtzahlung u.a. der 'Kappen' aufgeführt

 

 

 

Kastenvogtei, auch Schirmvogtei:

weltlicher Besitz eines Klosters; in einer eigenen Verwaltung zusammengefaßt, konnte die Kastenvogtei Gegenstand eines Lehens sein. So wurde z.B. die Herrschaft Wartenberg Inhaber der Kastenvogtei des Klosters Marienthal.

 

Schirmvogtei oder Kastvogtei ist ein Rechtsbegriff alemannischen Ursprungs und wurde vom Hoch- bis Spätmittelalter verwendet. Mit Hinweis auf das ihnen zustehende Amt des Kast(en)vogts konnten Feudalherren die Schutzaufsicht über ein Kloster oder ein geistliches Stift erlangen und Einfluss auf die klösterliche Wirtschaftsführung (Kasten = Speicher), dessen Gerichtsbarkeit und die rechtliche Vertre­tung nach Außen und vor Gericht ausüben. Als Gegenleistung fielen dem Schirmvogt Teile der diesbezüglichen Ein­künfte (Zehnten) zu 149.

 

 

 

Kirchenschaffnei, Zweibrücken:

s. auch *Geistliche Güterverwaltung Pfalz-Zweibrücken

 

Durch die Reformation kam es zu einer Neuordnung des Kirchenvermögens im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Der Zweck und die Ver­waltung wurden anders bestimmt. Direkte Folge der 1559 verfügten Säkularisation über die noch bestehenden Klöster war die Übertra­gung des Klostervermögens und des Kirchenvermögens auf die sog. Kirchenschaffneien. Insgesamt wurden im Herzogtum Pfalz-Zwei­brücken vier solcher Schaffneien eingerichtet: in den Oberämtern Zweibrücken, Bergzabern, Meisenheim und Kusel (Lichtenberg). Die Rechenkammer blieb oberste Aufsichtsbehörde 150. Als fünfte Kirchenschaffnei kam 1629 noch diejenige in der zwischen Pfalz-Zwei­brücken und Pfalz-Veldenz bestehenden Gemeinschaft Guttenberg in Minfeld hinzu 151. Eine durchgreifende Veränderung für die Verwal­tung begann erst 1663; Herzog Friedrich Ludwig von Pfalz-Zweibrücken richtete eine Ge­neralkasse zur Aufnahme der Überschüs­se der geistlichen Gefälle ein und Leitung von Hermann Fölckling. Damit wurde die Aufsicht über die Kirchenschaffneien aus dem Zu­ständigkeitsbereich der Rechenkammer herausgenommen. Das Ende dieser gesonderten geistlichen Güterverwaltung (nicht mit der kur­füstlichen geistlichen Güterverwaltung in Heidelberg, CGA, zu verwechseln) kam mit der schwedischen Herrschaft; diese ließ die Kir­chengüter wieder von der Rechenkammer verwalten. 1719 wurde die geistliche Güter­verwaltung wieder eingeführt und dem Herzog di­rekt unterstellt 152. Das Kirchenschaffnei-Archiv ist nicht etwa, wie der Name vermuten läßt, ein Archiv derjenigen Akten und Rechnun­gen, welche sich aus der Verwaltung der der geistlichen Güterverwaltung unterstehenden Liegenschaften und Gefälle im Laufe der Zeit ergeben haben, sondern es ist als neben den kgl. Kreisarchiv der Pfalz bestehendes zweites Staatsarchiv zu bezeich­nen, das einen sehr großen Teil der Archivalien des früheren Herzogtums Zweibrücken in sich enthält” 153. In Rep. IV des Kirchenschaffneiarchivs Zwei­brücken ist der weitaus größere Teil (ca. 4700 Faszikel) des gesamten Archivs verzeichnet.

 

Literatur:

- Sohn, Franz: Geschichte der Kirchenschaffnei Zweibrücken und ihres Archivs; in: Blätter für Pfälzische Kirchengeschichte und re­ligiöse Volkskunde Heft 3 und 4 1965; S. 187

 

 

 

Klause, klausen:

Wasserstauanlage vor der Mühle (Weiher, verbreiterter Mühlteich); besonders wichtig bei geringer Wasserkraft. Das Verb dazu heißt klausen = Wasser stauen.

 

 

 

Kleie:

Kleie (lat. clia) ist ein Sammelbegriff für die bei der Getreideverarbeitung nach Absieben des Mehles zurückbleibenden Rückstände aus Schalen (Samenschale, Fruchtschale). Kleie ist ein Mühlennachprodukt.. Kleie wurde früher vorwiegend als Futtermittel verwen­det. Im Rahmen der Vollwerternährung hat Kleie als Ballaststofflieferant zur menschlichen Ernährung zunehmende Bedeutung (etwa in Müsli oder in Knäckebrot) bekommen. Sie besteht hauptsächlich aus den Nichtstärke-Kohlehydraten Cellulose, Hemicellulose und Lignien 154.

Als Kleie bezeichnet man die im *Beutelkasten oder durch *Plansichter abgesonderten, zermahlenen Schalenteile und äußeren Klebers­chichten der Getreidekörner. Der Beutelkasten nahm das Mehl auf, das aus dem Mahlgang herunterfiel und in einen Beutel­schlauch ge­leitet wurde. Diese einfachste Siebung trennte dabei das Mehl von der Kleie, die dann aus dem holzgeschnitzten *Kleie­kotzer ausge­schieden wurde. Dieses oft kunstvoll geschnitzte, meistens fratzenhafte Gesicht mit offenem Mund war auch der Schutz­geist der Mühle.

 

 

 

Kleiekotzer:

auch Mühlgötze, Mühlgosche oder Schreckkopf genannt waren in alten Getreidemühlen Bestandteil des „Beutelkastens“.

„Das im Rüttelschuh liegende Getreide gelangt durch das Läuferauge bzw. die Haue auf den Bodenstein. Hier wird es vom Läufer er­faßt und zwischen den Steinen zerrieben. Das Mahlprodukt wird in den umgebenden Mantel, die Zarge, geworfen. Von hier gelangt es zum Absieben durch das Mehlloch in das Beutelgeschirr. Die Trennung von Mehl und Kleie geschieht im Beutel. Dieser aus Beu­teltuch beste­hende Schlauch, der schräg durch den Beutelkasten verläuft, wird durch eine schwingende Gabel ständig gerüttelt, wobei das Mehl je nach dem Gewebe grob oder fein in den Beutelkasten fällt, während die Kleie und gröbere Bestandteile im Beuteltuch zurückbleiben und dann in den Vorkasten entleert werden. Beutelkästen wurden von Schreinern gefertigt. Sie waren wie ein Möbel­stück, auf vier Fü­ßen stehend, solide gearbeitet und in der Barockzeit nicht selten mit reichem Schnitzwerk versehen, das in der Re­gel ein Müllerwappen umschloß. Am Beutelkastenauslauf befanden sich oft sogenannte „Kleiekotzer", handwerklich geschnitzte und farbig bemalte fratzenhaf­te Masken. Auch an anderen Stellen befanden sich bildkünstlerische Zutaten der Volksphantasie, zumeist in handwerklich derber Aus­führung. So war am Mahlwerk der „Mühlenhahn" oder „Klingelmann" angebracht, eine Automatik, die sich bemerkbar machte, wenn der Getreideausschub ausblieb und damit ein Heißlaufen der Steine drohte." 155.

Dieser Beutelkasten nahm also das Mehl auf, das aus dem Mahlgang herunterfiel und in einen Beutelschlauch geleitet wurde. Diese ein­fachste Siebung trennte dabei das Mehl von der Kleie, die dann aus dem holzgeschnitzten *Kleiekotzer ausgeschieden wurde. Dieses oft kunstvoll geschnitzte, meistens fratzenhafte Gesicht mit offenem Mund war auch der Schutzgeist der Mühle. Holzge­schnitzte Kleie­kotzer wurden nur in wassergetriebenen Getreidemühlen bekannt. Es war beispielsweise ein verzerrt aufgerissener menschlicher Mund mit heraushängender Zunge dargestellt.

 

Literatur:

- Landratsamt Ortenaukreis (Redaktion: Dieter Kauß): Mühle und Kleiekotzer. Veröffentlichung des Schwarzwälder Freilichtmuse­ums, Band 3 aus der Buchreihe: Aus dem Schwarzwald

- Die Kulturgeschichte der Mühlen", Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen 1998

 

 

 

Knochenmühlen:

nach dem bewährten System der vom Wasserrad angetriebenen Stampfe wurden früher Knochen, nachdem sie zur Leimgewinnung aus­gekocht waren, zerkleinert. Das kalk- und phosphathaltige Knochenmehl wurde als Dünger verwendet. Es gab selbständige Knochenm­ühlen und Knochenstampfen als Nebenbetriebe zu anderen Mühlen 156.

 

Knochenmühlen wurden betrieben in:

- Bergzabern, Knochenmühle im Kurtal

- Dörrenbach, Knochenmühle am Erlenbach

- Ebertsheim, Alte Papierfabrik

- Ixheim, Ixheimer Mühle

- Kaiserslautern, Komtureimühle

- Knittelsheim, Knittelsheimer Mühle

- Krickenbach, Knochenstampfe

- Maßweiler, Rosselmühle

- Rockenhausen, Obermühle

- Schauerberg, Knochenstampfe

- Schopp, Knochenstampfe

- Uffhofen, Geistermühle

- Wernersberg, Knochenmühle

 

 

 

Königsrad, Königsstock:

Die Wasserkraft wurde vom Wasserrad über den Wellbaum in die waagrechte Achse zum *Kammrad des Winkelgetriebes übertragen, mit dem die Umlenkung in die senkrechte Richtung zum Königsstock erfolgte. Das am Königsstock befestigte große Kammrad be­wirkte mit Hilfe des kleineren Zahnrades, dem Ritzel, den Antrieb der Mahlsteine. Letztere bestanden aus dem festliegenden Boden­stein und dem sich bewegenden Läuferstein, zwischen denen das Korn zermahlen wurde.

 

Königsrad und Königsstock sind die wichtigsten Teile des Mühlengetriebes. Der Königsstock ist die senkrechte Welle zwischen Kammrad und Königsrad, in der Anfangszeit aus Holz (daher 'Stock'), später aus Eisen hergestellt. Das oben am Königsstock befe­stigte große *Kammrad läuft in der waagrechten ebene und treibt mit Hilfe eines kleinen Spindel- oder Stockrades die senkrechte Achse des Mahl­ganges oder über kleine eiserne Zahnräder zwei Gänge 157.

 

 

 

Konfirmationsschein:

mittels Konfirmationsschein wurde vorwiegend ein neuer Erbbestand nach Besitzwechsel einer Mühle begründet und die herrschaft­liche Kaufvertragsbestätigung, bzw. die Bestätigung des Wechsels des dominium utile oder dominium directum ausgesprochen 158.

 

 

 

Kopialbücher:

ein Kopialbuch (auch Kopiar, Kartular oder Chartular; vom lat. cartularium, copiarium, diplomatarium) ist eine archivalische Quel­le, die Urkundentexte in Abschriften enthält.

 

Ein Kopialbuch wurde vom Empfänger angefertigt, um der Beschädigung (durch häufige Benutzung) der wertvollen Originale vorzubeug­en. Außerdem sollten Kopialbücher einen schnellen und genauen Überblick über Rechts- und Besitztitel ermöglichen, was die Verwaltungsarbeit vereinfachte. Nicht zuletzt wollte man durch ein Kopialbuch auch Verlusten wichtiger Besitztitel (etwa durch Brand oder Kriegseinwirkungen) vorbeugen. Deshalb wurden Kartulare vielfach notariell beglaubigt.

 

Kopialbücher waren in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Archivverwaltung ein Mittel, um der eigenen Verwaltung und evtl. Benutzern des Archivs einen geordneten Überblick über die vorhandenen Bestände zu ermöglichen. In sie wurden die Urkun­den, meis­tens nach ihrem Betreff geordnet, mit ihrem Text eingetragen und oft auch bereits mit Registern versehen. Schon im frühen Mittelalter haben Klöster Abschriften von ihren Urkunden erstellt. Sie sind damit eine hervorragende Quelle für frühmittelalterliche Privaturkunden, die außer im Archiv des Stifts St. Gallen, das kein frühmittelalterliches Kopialbuch kannte, kaum im Original über­liefert sind.

 

Der Eintrag in ein Kopialbuch ähnelt von der Form her der bei der Erstellung von Regesten verwandten Methode, bei der nur der jurist­isch relevante Teil der Urkunde aufgenommen wird (während andere Teile der Urkunde wie das Eingangsprotokoll mit der Aren­ga) weg­fallen können 159.

 

 

 

Korn:

in der Pfalz gebräuchlich für *Roggen

 

 

 

Krappmühle:

der Krapp ist eine dem Labkraut ähnliche Pflanze; sie liefert aus ihrem kriechenden Wurzelstock, gedörrt oder mit Säure behandelt, einen sehr dauerhaften roten Farbstoff. Die Zerkleinerung erfolgte in den Krappmühlen, einer Farbmühle, oft auch als „Röthmühle“ be­zeichnet.

 

Der Name „Röthmühle“ stammt vom Färbemittel “Röth” oder Färberröth. Der Farbstoff Röth entsteht aus den getrockneten und gemahl­enen Wurzeln der Färberpflanze Krapp (rubra tinctorum); der daraus gewonnene Farbstoff gehörte bis zur Erfindung der Aliza­rin-Farbe 1868 zu den wichtigsten europäischen Färbemitteln. Beispielsweise in Haßloch wurde Krapp in größeren Mengen angebaut und auf der dortigen Röthmühle verarbeitet, wo sich früher eine Krappdarre und neben der Mahlmühle eine Einrichtung befand, um Farbe aus den Krappwurzeln herzustellen 160.

 

Nachdem 1869 es der BASF gelang die „rote Farbe = Alizarin künstlich herzustellen, verdrängte der künstliche Farbstoff bald die Natur­farbe 161.

 

 

 

Kreuzer:

s. Münzen

 

 

 

Kropf:

pfälzische 'Kropp' ist ein *Gerinne aus Holz, das sich dicht an die von den äußeren Schaufelkanten des Wasserrads beschriebene Bahn anschließt 162.

 

 

 

Kumpf:

mhd. Kumpf, kumb, komph = Schüssel, Napf, Gefäß

 

Ein Kumpf von germanisch 'kump'- oder 'kumb' (= (Maß)-Gefäß); bezeichnet verschiedene alt- oder mittelhochdeutsche Hohlmaße so­wie das (teilweise mit Wasser gefüllte) Behältnis zum Mitführen des Wetzsteins. Ein Kumpf im ersten Sinne entsprach regional unters­chiedlich zwischen 6,8 und 10 Liter. Abgeleitet ist die bereits im 15. Jahrhundert bekannte Bedeutung aus Brunnentrog oder Kump auf dem Marktplatz. Die Wurzeln des Wortstammes scheinen bis auf die indo-europäische Ursprache zurückzugehen, was bei der früher ele­mentaren Be­deutung des Gegenstandes für das alltägliche Leben nicht verwundert. So bezeichnet „Kumbh“ auch im Sanskrit den Krug. Ein Bei­spiel ist der hohe hinduistische Feiertag Kumgb Mela, übersetzt das „Fest des Heiligen Kruges“. Der Ausdruck hat sich in Süd­deutschland und in Österreich auch als Familienname erhalten. Als Namensbestandteil tritt der Ausdruck auch bei dem Namen Kumpf­müller auf 163.

 

In der Mühlentechnik bezeichnet 'Kumpf' unterschiedliches; es bezeichnet zu einen die einzelnen Zwischenräume eines oberschläch­tigen Wasserrads. Eine Kumpfmühle ist eine Mühle mit Kumpfrad, d.h. oberschlächtigem Wasserrad. Mit Kumpf bezeichnet man auch die Büchse aus Holz (mit 4 Eisenringen), die zur Führung des Mühlsteins im Zentrum des Bodensteins angebracht ist. Schließlich versteht man unter Kumpf auch die Behälter, in welche die Stampfe der Ölmühle mit ihren Stempeln stößt 164.

 

 

 

Kunkellehen:

seit Ende des 10. Jh. in Frankreich bekannte, in Deutschland erst im 12. Jh. Fuß fassende Form des Lehens, das bei Fehlen männli­cher Nachkommenschaft durch Übergang auf die Tochter des verstorbenen Lehensmannes in der weiblichen Linie vererblich wurde.

 

 

 

Kunkelteil:

auch Spindelteil; Frauenerbteil; „von diesem (in der Ehe erworbenen) güthern gebüren dem ehemann und seinen erben ein zweytel, ge­nant das schwerdtheil, der frawen und ihren erben das drittel, genant das kunckel- oder spindeltheil“ 165. Dies gilt auch umgekehrt am Erbe des Ehemanns hinsichtlich dessen in der Ehe erworbenen Vermögens. Grundlage war offensichtlich das jeweilige Ortsrecht. So kommt es 1524 zu einem Verfahren vor dem RKG Speyer, we­gen des Erbes der Katharina Stehel aus Landau, der Ehefrau des vorver­storbenen Wilhelm, Gastwirt „Zum Bart“ in Landau. Kathari­na Stehel verstarb kinderlos, nachdem ihr gemäß Landauer Stadtbrauch als Kunkelteil ein Drittel des ehelichen Vermögens zugefallen war. Dessen Herausgabe wurde von den Erben des Gastwirts Wilhelm verweigert, so daß die Erben der inzwischen verstorbenen Ka­tharina Stehel den Kunkelteil gerichtlich geltend machten. Die Kläger als Erben Wilhelms verweigerten in 1. Instanz (Bürgermeister und Rat der Stadt Landau) die Übergabe an Katharinas Erben, werden in erster Instanz (wohl Feststellungsklage o.ä.) abgewiesen und appellieren daher an das RKG 166.

 

 

 

Kundenmühle:

s. auch *Lohnmüllerei; im Gegensatz zur *Handelsmüllerei (ab dem 19. Jh. gebräuchlich) wurde bei der Kundenmüllerei die Frucht durch den Bauer selbst in die Mühle zur Vermahlung gebracht, wofür der Müller als Vergütung für das Mahlen den sog. „Multer, den Mahllohn als Naturallohn in Form eines Teils der Frucht erhielt. Demgegenüber ist das Charakteristikum der Handelsmüllerei, daß der Müller Brotgetreide auf eigene Rechnung und Gefahr kaufte, hiervon durch Mahlen Mehl herstellte, um dieses selbst zu verkau­fen 167.

 

 

 

Kunstmühle:

nach dem 1870er Krieg in der Gründerzeit begann man mit dem Bau von elektrischen Mühlen oder mit Wasserturbinen getriebenen Großmühlen. Diese nannte man damals Kunstmühlen. Das Mühlrad wurde langsam von der Wasserturbine verdrängt. Um die Pro­duktion und die Qualität zu verbessern, mußte der Müller, um seine Kundschaft zu behalten, seine Mühle stets auf dem neuesten Stand der Technik halten, was große Investitionskosten verursachte. So kam es z.B. zur Einführung von Walzenstühlen. Auch der An­trieb der Müh­len unterlag einer laufenden Verbesserung in der Technik. Die Kunstmühlen entwickelten sich zur technischen Voll­kommenheit und im­mer größer werdenden Kapazität. Sie wurden zur tödlichen Konkurrenz der vielen kleinen Wassermühlen im Lande.

 

Der Wortbestandteil „Kunst“ bezieht sich auf 'Ingenieurkunst, also auf die Kunst des technischen Fortschritts 168.

 

 

 

Kurfürstliche Geistliche Güterverwaltung Heidelberg (CGA, GGA):

s. auch *Geistliche Güterverwaltung Pfalz-Zweibrücken

 

In der Pfalz wurden bei Einführung der Reformation fast alle Klöster aufgehoben, wozu die ausgeübten Vogteirechte (s. Kastenvog­tei) die Grundlage boten. Hierfür waren ieL wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend, da durch die großen wirtschaftliche Ressourcen der kirchlichen Institutionen die Finanznot der Kurpfalz behoben bzw. weitgehend gelindert werden konnte. In der Frühphase der Reformatio­n wurden 1551 mit päpstlicher Dispens 12 Klöster aufgehoben, darunter die Klöster Lambrecht, Kollegiatsstift Zell, Kloster Daimbach, Kloster Weidas, Kloster der Augustinereremiten Alzey, deren Archivalien sich heute im Universitätsarchiv Heidelberg be­finden (die wichtigsten Urkundenbestände des Universitätsarchivs Heidelberg befinden sich auch als Mikrofilm im LA Speyer, X 9 Nr. 107-123 169). Die anderen Klöster wur­den fast alle zwischen 1670 und 1680 aufgelöst. Die Klöster blieben als Wirtschaftseinhei­ten bestehen, wo­bei die Wirtschaftsführung und Verwaltung der "Kloster-Betriebe" zunächst im Kloster selbst verblieb, bis nach kurz­er Zeit in Heidelberg eine zentrale Behörde der Kirchengüterverwaltung geschaffen wurde, die sich 1576 eine besondere Ge­schäftsordnung gab und nach wechselnden Bezeich­nungen 'Geistliche Güteradministration' genannt wurde.

 

Mit der Verwaltung verblieben auch die Klosterarchive am Ort ihres Entstehens, und wurden durch neue Beurkundungen, vor allem gü­terrechtlicher Art, laufend vermehrt. Die vorhandenen Urkundenbestände der einzelnen Klöster wurden in Verzeichnissen erfaßt, die heute z.B. in den Staatsarchiven München und Speyer lagern.

 

Erst kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg wurden Teile der Klosterarchive in Heidelberg zentralisiert und 1621 wegen der Kriegswir­ren nach Frankenthal geflüchtet, von wo sie trotz eines Rückrufs von 1633 wohl erst nach 1648 nach Heidelberg zurückgekehrt sind.  Die Archivalien, darunter auch Lagerbücher, wurden nunmehr in einem Gewölbe der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg gelagert und regis­triert. Dort wurden sie durch den verheerenden Brand vom 22.12.1729 erheblich geschädigt. Damals sind die Lagerbücher fast völlig und die Urkunden zu einem beträchtlichen Teil verloren gegangen; die erhalten gebliebenen Urkunden sind teilweise fast bis zur Un­kenntlichkeit brandgeschädigt.

 

In der Kurpfalz bestehend; die infolge der Reformation im 16. Jh. säkularisierten Güter der Klöster und Stifte wurden meist nicht dem allgemeinen Staatsbesitz zugeschlagen, sondern getrennt verwaltet und die Einnahmen für kulturelle Zwecke verwendet. In Hei­delberg wurde die Geistliche Güteradministration eingerichtet. Sie verwaltete über viele Schaffneien und Kollekturen eine umfang­reichen Streu­besitz in den verschiedensten Teilen der Pfalz. Dazu gehörte auch eine größere Anzahl Mühlen 170. Daneben gab es im Herzogtum Zwei­brücken eine eigene Geistliche Güterverwaltung, die nicht mit der CGA verwechselt werden darf.

 

Literatur:

- Debus: Urkunden des Gatterer-Apparats im Stadtarchiv Heidelberg; in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz 2002, S. 115ff, 118

- Glasschröder, Franz Xaver: Über die Schicksale der rheinpfälzischen Archive. Vortrag gehalten auf dem Deutschen Archivtag zu Speyer am 30.8.1927; in: Archivalische Zeitschrift III.5 = 38. (1929), S. 4ff, 5

 

 

 

Kurpfälzisch-Lothringischer Krieg (1663-1668):

Kurpfalz hatte 1648 im Frieden von Münster und Osnabrück eine Vielzahl von Rechten und Gebieten verloren, und war in der Folge be­strebt, seine Position nicht nur zu stabilisieren, sondern zu verbessern. Es kam zu einer Schaukelpolitik zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich, beim Versuch, durch Lavieren Vorteile herauszuholen.

 

Die Nähe der lothringischen Garnison in Homburg wirkte sich im Oberamt Lautern, das damals zum Herzogtum Pfalz-Simmern und *Pfalz-Lautern gehörte (und erst 1675 mit dem Aussterben der pfalz-simmerschen Linie wieder mit der Kurpfalz vereinigt wurde) nega­tiv aus; es kam es immer wieder zu lothringischen Übergriffen, insbesondere im westlichen Teil des Fürstentums, die sich hemmend auf die Wiederbesiedlung des im 30jährigen Krieg entvölkerten Land auswirkten. Einwohner flüchteten vor der Gewalt, einige nach Kaisers­lautern Als die Lothringen 1652 noch Landstuhl besetzten, flüchtete eine größere Zahl der sickingischen Untertanen und wurde als Exu­lanten Lauterer Bürger oder Hintersassen. Am 10.8.1668 eroberten kurpfälzische Soldaten die Burgen Nanstein und Hohenecken und nahmen die lothringische Besatzung gefangen. Unmittelbar danach begann die Wiederbesiedlung von Landstuhl und dem nordöst­lichen Teil der Sickingen Höhe, wobei die Einwohner von Kaiserslautern einen großen Anteil hatten, was jedoch der Stadt einen wei­teren Ab­wanderungsverlust brachte (vgl. Herzog. Kaiserslautern 1651-1681, a.a.O, S. 7).

 

Eines der Mittel der Kurpfalz, die eigene Position zu stärken, war das Beharren auf alten, überholt erscheinenden Rechten, wie dem Wildfangrecht. Dieses überholt erscheinende Institut hatte bei der Wiederbesiedlung des durch den 30jährigen Krieg entvölkerten Ober­rheingebiets enorme Auswir­kungen und führte zum Krieg um die sog. Wildfänge, den der Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz gegen den Herzog von Lothringen und den Erzbischof von Mainz führte.

 

"Wildfänge" waren heimatlose Leibeigene. Herr dieser Menschen war ursprünglich der Kaiser. Später ging das Wildfangrecht auf den Kurfürsten von der Pfalz über. Diese Zuwanderer hatten idR keinen nachfolgenden Herrn und mußten also nach pfälzischer Auffas­sung als Wildfänge in die Leibeigenschaft der Pfalz kommen, auch dann, wenn sie sich außerhalb des pfälzischen Territoriums nie­derließen. Das Wildfangrecht, das Kaiser Maximilian I. noch einmal nach dem Landshuter Krieg erneuert hatte, machte die Betroffe­nen gegenüber der Pfalz steuer- und kriegsdienstpflichtig. Waren nun durch hohe Zuwanderungsraten manche Dörfer ganz überwie­gend von pfälzi­schen Wildfängen bewohnt, so konnte das bedeuten, daß die zuständige territoriale Herrschaft dort völlig ausgehöhlt wurde zugunsten einer pfälzischen Herrschaft über Personen. Dieses Wildfangrecht wurde um 1660 als nicht mehr zeitgemäß emp­funden und wider­sprach auch allen Bestrebungen nach territorialer Vereinheitlichung und Souveränität. Da Kurpfalz dieses verbriefte Recht nicht aufge­ben wollte, kam es zum *Wildfangstreit (vgl. Schaaf: Kurpfalz, a.a.O., Bd. 2, S. 132).

 

Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz erhob Anspruch auf die Wildfänge in allen mittelrheinischen Gebieten. Mit seinem Anspruch stieß der pfälzische Kurfürst aber bald mit dem Herzog von Lothringen und dem Erzbischof von Mainz Johann Philipp von *Schön­born zusammen, die sich derartige Leibeigene nicht nehmen ließen. 1663 entbrannte der offene Krieg. Lothringische Truppen besetz­ten Homburg, Land­stuhl und die Burg Hohenecken und erzwangen den Durchzug durch das zu Pfalz-Simmern gehörende Kaiserslau­tern. Die Lothringer machten in den folgenden Jahren die ganze Gegend um Lautern unsicher. Herzog Karl IV. von Lothringen mar­schierte mit einer starken Truppe ins Glantal und plünderte die dortigen Ortschaften aus. Die Schlacht von Bingen wurde zwar vom Kurfürst verloren. 1667 er­zwang der Kurfürst die Entscheidung. Er besetzte trotz Einspruches die Stadt Kaiserslautern, verjagte die Lothringer aus den Burgen zu Hohenecken und Landstuhl und zwang sie zum Abzug (vgl. Schaab: Kurpfalz, a.a.O., Bd. 2 S. 133). Dieser Rückmarsch war auch im Glantal mit schweren Plünderungen verbunden. Die Müllerswitwe Petry aus Glanodenbach schreibt in einem Brief an die Regierung in Zweibrücken vom 17.3.1669, daß wegen des "lothringischen Heraus- und Rückmarsches nicht ge­mahlen werden konnte" (LA Speyer B2 Nr. 1213/4; Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 10). 1668 wurde die Burg Falkenstein, seit 1667 im Besitz von Lothringen, endgültig zer­stört. Der Kurfürst siegte und das Wildrangrecht blieb ihm für den kurpfälzischen Be­reich zu­gesichert.

 

Nach erfolglosem Versuch des Kaisers konnten Schweden und Frankreich den Frieden vermitteln und im Heilbronner Schiedsspruch von 1667 wurden infolge der Begünstigung der Pfalz durch die beiden Siegermächte des 30jährigen Krieges ihre alten Vorrechte be­stätigt Die Auseinandersetzung mit Mainz und Lothringen lief unabhängig vom Wildfangstreit noch weiter (vgl. Schaab: Kurpfalz, a.a.O., Bd. 2 S. 133).

 

andere Darstellung bei Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 10:

dieser brach 1665 aus; nachdem Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz die von Lothringen gehaltenen Schlösser Hohenecken und Landstuhl besetzt hatte und in die Grafschaft Falkenstein eingefallen war, holte Herzog Karl IV. von Lothringen zum Gegenschlag aus; er mar­schierte mit einer starken Truppe ins Glantal und plünderte die dortigen Ortschaften aus ...

 

Die Tatsache, daß die Herren von Hohenecken ihr kurpfälzisches Lehen ohne gegenseitiges Einverständnis an den Herzog von Lothring­en verkauften, zwang Kurfürst Karl Ludwig zum Handeln. Anfänglich gegen den Widerstand seiner Tante, der regierenden Her­zogin und Fürstin Maria Eleonore von Pfalz-Simmern, zog er im Juni/Juli 1668 ein Kontingent kurpfälzischer Soldaten, insbesondere aus der Fes­tung Frankenthal, n den Wäldern von Kaiserslautern zusammen und begehrte die Öffnung der Stadttore. Der Stadtrat wollte ein Blutver­gießen vermeide. Eleonore gab schließlich nach und stimmte dem Einmarsch zu. Oberst Jeremias Chauvet über­nahm das Kommando und leitete die militärischen Maßnahmen von einem Lager bei Landstuhl aus (vgl. Herzog. Kaiserslautern 1651-1681, a.a.O, S. 6-7).

 

 

Läufer, Läuferstein:

nennt man den obersten Stein des Mahlgangs; er ist beweglich; der ruhende untere Stein heißt Bodenstein

 

 

 

Laudemium:

eine ‘Besitzänderungsgebühr’; die dem Grundeigentümer zustehende Gebühr bei Verkauf eines Erbbestandsrechts; der Begriff stammt aus dem römischen Recht, wo beim Verkauf eines Erbleihrechts, eine Gebühr von 2% des Verkaufspreises zu entrichten war 171.

 

Diese betrug im Herzogtum Zweibrücken 2% der Kaufsumme (Vgl. Jaffé: Papiermühlen im ehemaligen Herzogtum Zweibrücken, a.a.O., S. 91). Bei Grundstückskäufen war außerdem die Zahlung des sog. Halbbatzengeldes zu leisten (Vgl. Jaffé: Papiermühlen im ehemaligen Herzogtum Zweibrücken, a.a.O., S. 91; Keßler: Schatzungsrenovation a.a.O., S. ++++klären ++++).

 

 

 

Lehensmühlen:

Mühlen, die eigentlich Lehen waren, sind im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken während des 18. Jh. nur noch äußerst selten anzutreffen; diese Lehensverhältnisse stammen aus früheren Zeiten. Beim Lehen gehörten Lehensherr und Lehensempfänger zum Adel. Beim Erstle­hen wurden durch Lehensvertrag die gegenseitigen Rechte und Pflichten bestimmt. Ab dem Spätmittelalter wurde es üblich, aus Be­weisgründen, den Lehensvertrag schriftlich durch Lehensbrief festzulegen. Das Lehensverhältnis, das auch ein Leihverhältnis über die betroffenen Güter umfaßte, unterschied sich von anderen Leihverhältnissen durch das besondere persönliche Treueverhältnis zwi­schen Lehensgeber und Lehensnehmer, das sich neben der dinglichen Seite ausbildete. Eine Lehensmühle ist z.B. die Breitfurter Bannmühle der Freiherrn von *Schorrenberg (Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 129-130).

 

 

 

Libell:

Begriff aus dem Prozeßrecht der frühen Neuzeit.

 

Als Libell wird in erster Linie eine Prozessakte, namentlich eine Klageschrift bezeichnet. Das Libell (vom lateinischen libellus = Büchlein) kann jedoch auch eine Urkunde in Buchform, ein kurzes Schriftstück, eine Streit- oder eine Schmähschrift sein. Im alten Rom war das Libell die bei Gericht eingereichte Klageschrift. Vorliegend war damit ein schriftlicher Sachvortrag des erstinstanzli­chen Beklagten ge­meint. Im gerichtlichen Verfahren übergab der Beklagte nach der sog. Insinuation (Verkündung; auch: Zustellung der Ladung an den Beklagten. "Die Processus sind zwar insinuiert"; s. hierzu Oestmann: Ein Zivilprozeß vor dem Reichskammerge­richt,Köln 2009, S. 24), d.h. nach Zulassung und Zustellung der Klage, übergab der Beklagte im ersten Termin mit der sog. Repro­duction der Prozesse den Gra­vatoriallibell (Vgl. Linde: „Beiträge zu der Lehre von der Gemeinschaft der Appellation ...“; in: Archiv für die Civilistische Praxis, 19. Band, Heidelberg 1836, S. 477). Nach der außergerichtlichen Zulassung einer Klage, ihrer Ausferti­gung und Insinuation folgte ihre Re­produktion. Der Prokurator des Klägers erschien gewöhnlich während der zweimonatigen Insi­nuationsfrist in der Audienz, um die Streit­sache durch Übergabe von Schriftstücken zu reproduzieren. Es hing vom Kläger ab, ob die bis zu diesem Zeitpunkt nur extrajudizial be­ratene Streitsache Judizialsache wurde oder nicht. Bei Appellationen sollte die Reproduk­tion spätestens innerhalb von 6 Monaten nach der Appellationseinlegung geschehen, sofern nicht das RKG nichts anderes anordnete 172.

 

 

 

Lichtwerk:

ist eine Vorrichtung, um den Abstand der Mahlsteine in der Vertikalen mit Hilfe eines Winkelhebels zu verändern, zu lichten, zu he­ben und zu senken 173.

 

 

 

Lizitation:

von lat. licitari = bei der Versteigerung auf etwas bieten. Lizitation ist ein heute nicht gebräuchliches Synonym für eine Versteige­rung, Auktion

 

 

 

Lochmühle:

ist eine Stampfmühle; Lochgeschirr = Einrichtung derselben mit Stempeln oder Hämmern (wie z.B. bei der Papiermühle) 174.

 

 

 

Lohmühle:

dienten der Herstellung von Eichenlohe. Getrocknet und in Ballen gebündelt brachte man die im Schälwaldbetrieb gewonnen Eichenrind­e in die Lohmühle, wo sie zerkleinert , gestoßen und zu Lohe gemahlen wurde. Daraus bildete sich in den Gerbergruben eine gerbsäurehaltige bittere Brühe die den Gerbvorgang einleitete 175.

 

Die Lohgerber oder Rotgerber gerbten mit Rindenlohe, also mit organischen Stoffen. Im Gegensatz hierzu gerbten die Weißgerber ihre Leder mit anorganischen Stoffen wie z.B. Alaun und ihr Wasserbedarf war viel geringer. Deshalb (Anm. und wohl auch wegen der star­ken Geruchsentwicklung) wurden z.B. in Speyer nur Weißgerber innerhalb der Stadt zugelassen (Vgl. Müller, Karl Rudolf: Mauern der freien Reichsstadt Speyer, a.a.O., S. 8).

 

 

 

Lohnmüllerei:

s. auch *Kundenmüllerei; sie ist die ursprüngliche wirtschaftliche Form der Müllerei, bei der im Gegensatz zur Handelsmüllerei, die Bau­ern ihr Getreide zur Mühle bringen und („wer zuerst kommt, mahlt zuerst), das beim Mahlen gewonnene Produkt, das ist Mehl und Kleie, gleich wieder nach Hause nehmen. Der Mahllohn wird hierbei zumeist nicht in Geld, sondern als Naturallohn bezahlt. Erst die größeren Mühlen gehen später zur Handelsmüllerei über und betreiben einen Mehlhandel (Vgl. Kastenmüller/Klabunde, Mühlentechnik, a.a.O., S. 8).

 

 

 

Mahlwerk:

ist die Bezeichnung für eine funktionelle Einheit oder ein Aggregat zur Vermahlung (Zerkleinerung) von Stoffen in Mühlen, z.B. In Ge­treidemühlen oder Ölmühlen. Mahlwerke bestehen meist aus metallischen Werkzeugen, seltener auch aus Korund (Haushaltsgetreidem­ühlen). Die Mahlwirkung wird erzielt durch mehrfache Zerkleinerung in einem sich zunehmend verengenden Mahlspalt, der meist durch axiale Verschiebung des Rotors oder Stators variiert werden kann. Gemahlen wird durch Scher- und/oder Reibwirkung. Weitere Mahlsys­teme sind Walzenstühle, Schlag- und Prallmühlen. In Walzenstühlen wird zwischen zylindrischen geriffelten oder (rauen) Glattwalzen, die mit verschiedenen Geschwindigkeiten (Voreilung) drehen, zerkleinert. In Prallmühlen wird das Mahlgut durch Ein- oder Mehrfach­prallung zerkleinert, indem es von den sehr schnell drehenden Mahlwerkzeugen (bis 11.000 min−1 oder 250 m/s) erfasst wird. Hierbei gibt es auch Mühlen mit gegenläufigen Rotoren, mit Rotor und Stator und nur mit Rotor. Bei Mahlgän­gen wird das Mahlgut zwischen den Mühlsteinen zerrieben (aus Internetdatei Wikipedia: Getreidemühle).

 

 

 

Mahlzwang:

s. Bannpflicht

 

 

 

Malter:

s. auch *Getreidemaße

 

der Malter war ein Gewichtsmaß; alles das, was in einen Sack hinein ging. 1 Malter = 160-180 Pfund (Frucht je nach Art und Feuchtigk­eit)

 

 

 

Manngeld:

die wiederkehrende Geldleistung an eine Person für deren Dienste oder als Verzinsung für deren Kapitaleinsatz; Geldlehen, auch Leib­rente (Vgl. Speer [Hrsg.]: Deutsches Rechtswörterbuch, a.a.O., Bd. 9 S. 134); Manngeld zahlten z.B. die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken an die Herrn von Steincallenfels für die St. Julianer Mahlmühle 176.

 

 

 

Manumissionsschein:

Nachweis der Befreiung von der Leibeigenschaft

 

 

 

Mitterer:

von mhd. 'mitter' =Vermittler; ein amtlich bestellter Mehl- und Getreidewieger, ein Fruchtmesser, z. Zt. der Hohlmaße (Vgl. Weber: Müh­len und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 21).

 

 

 

Molter:

Der Molter war der Mahllohn in natura d.h. durch Einbehalt von Mehl anstelle von Geld aus Vergütung für das Mahlen; moltern heißt vom Malter nehmen. Die Menge war früher von der Landesherrschaft festgesetzt (Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 21); in der pfalz-zweibrückischen Mühlenverordnung von 1582 betrug die Molterhöhe den 8. Teil des Mahlgutes. Dies war für die dama­lige Zeit sehr hoch; in anderen Gegenden war eine wesentlich geringere Höhe angesetzt. Beispielsweise regelte die Mühlenord­nung vom 11.9.1561 für die Mühlen an Schwarzen Elster in Sachsen den Mahllohn mit einem 16tel des Mahlguts; dagegen bestimm­te die Ordnung vom 18.3.1613 für die Mühlen an der Weiseritz und an der Elbe, daß der 20. Teil erhoben werden sollte (Vgl. Schil­ling: Handbuch Müh­lenrecht, a.a.O., S. 94; Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 52/53). Herzog Johannes I. von Pfalz-Zweibrücken be­stimmte daraufhin für die Zweibrücker Mühle und das Oberamt Zweibrücken durch Verordnung vom 2.11.1588 (Vgl. LA Speyer B2 Nr. 292/3) den 16. - höchstens 12. Teil als zu zahlenden Mahllohn (Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 53, 82). Eine für das gan­ze Herzogtum verbindliche Rechtsver­ordnung gab es dagegen nicht (Vgl. Stürmer, a.a.O., S. 60); solche erübrigten sich wohl auch des­halb, weil entsprechende Regelungen in den einzelnen Erbbestandsbriefen getroffen worden sind (Vgl. Stürmer, a.a.O., S. 81. Anders in der Kurpfalz, wo unter Kurfürst Lud­wig IV. 1582 eine für das ganze Land verbindliche Mühlenordnung erlassen wurde (Vgl. Stür­mer, a.a.O., S. 60).

 

 

 

Monatsbezeichnungen in Urkunden:

in Urkunden werden oft Abkürzungen verwendet, so z.B. bei Monatsnamen. Nach dem römischen Steuersystem begann das Jahr im März, weshalb der September der 7. Monat, der Oktober der 8. Monat, der November der 9. Monat und der Dezember der 10. Monat war.

 

Monatsnamen wurden deshalb oft wie folgt abgekürzt (Vgl. Minert, Roger P.: Alte Kirchenbücher richtig lesen, a.a.O., S. 126):

7ber/7bris = September, septembris

8ber, 8bris = Oktober, octobris

9ber, 9bris, auch gbr = November, novembris

Xber, Xbris = Dezember, decembris (X = 10)

 

 

 

Mühlarzt, Mühlenarzt, Mühlenbauer:

ist ein Angehöriger des Mühlenbauerhandwerks; der Mühle baut oder repariert; auch Bezeichnung für den Mühlenpächter. Das Berufsr­echt der Müller z.B. in Frankfurt 1455 bestimmte: „da aber einer eine mühle kaufft, und doch das handwerck nicht kan, noch treiben will … soll er denen hierzu verordneten … einen erfahrnen mühlartzt, der das handwerck erlernet, fürzustellen, und darüber, ob derselbige zum mühlwerck tauglich … seye … bescheids zuerholen“ 177.

 

Hierzu heißt es bei Grimm: „mühlarzt, m. qui molas reparat, der die mühlen zu bessern und wieder zuzurichten weisz. Frisch 1, 672c; müelärzt und keltermacher unter zimmerleuten in der Heidelberger ordnung für goldschmid, zimmerleut u. s. w. 1579 B 2b; ich war mit einem mühlarzt in die stuben (des wirtshauses) kommen. Simpl. 3, 387 Kurz; aber ich fande sie (die mühle) gleich den ersten tag an al­len orten baufällig, mangelhaft und krank, dasz ich nit nur einen, sondern etliche mühlärzte suchen ... muste, ihr etlicher maszen zu­recht zu helfen. Simpl. (1684) 3, 323.“ (Vgl. Grimm: Wörterbuch, Bd. 12 Sp. 2636).

 

Der Mühlarzt, des -es, plur. die -ärzte, im gemeinen Leben, ein Müller, welcher den Mühlenbau verstehet, Mühlen anzulegen und auszu­bessern weiß“ 178.

 

 

 

Mühleisen:

ist die senkrecht Antriebswelle der Mühlsteine. Vom Hauptantrieb kommt das Drehmoment über Kammrad und Stockspindel (alte Aus­führungsart), bzw. über das Kegelräderpaar (neuere Ausführung) auf die senkrecht Antriebswelle, Mühleisen genannt. Die Füh­rung des Mühleisens erfolgt durch eine Buchse im Bodenstein. Durch die Verwendung von Hanf und Rüböl wurde eine Langzeit­schmierung er­reicht. Eine Dreikantnocke auf der Spindel am oberen verjüngten Ende des Mühleisens betätigt den Rüttelkasten, d.h. den Einlauf des Getreides; das Rütteln dient der regelmäßige Nachfuhr des Getreides in den Läuferstein und verhindert eine Blocka­de im Nachfüll-Trich­ter. Das Klopfgeräusch welches die Haue verursacht führte zur Bezeichnung “Klappern der Mühle am rauschen­den Bach”.

 

Ein Mühleisen ist eine metallene Verankerung, die in den Mühlstein eingepaßt wird. Wie auch immer die Kraft zum Drehen des Mühlstei­nes erzeugt wird, ob durch Wasserkraft, Windkraft, Tierkraft oder neuerdings Maschinenkraft, immer muß die Drehung über eine senk­recht zum Läuferstein stehende Welle auf diesen übertragen werden. Da der Stein selbst am Loch ausbrechen würde, würde man die Achse direkt hineinstecken, wird an dieser Stelle ein metallenes Widerlager eingelassen, das in seinem Zentrum als Nabe den Vierkant der treibenden Welle aufnimmt und mit seinen Außenkanten den Druck auf eine größere Fläche verteilt. Dieses Widerlager, diese Nabe, ist das Mühleisen. Entsprechend wird es auch Mühlsteinnabe genannt. Das Mühleisen überspannte die Öffnung des Läu­fersteines, seit­lich des überbrückenden Eisens konnte das Mahlgut über z. B. einen Trichter mit Schieber und Rüttelschuh zugegeben werden. Dem Läuferstein wurde eine paßgenaue Vertiefung eingeschlagen, so daß die Verankerung die Kraft wirksam übertragen konnte. Dabei konn­te die Antriebswelle von unten oder von oben kommen, entsprechend sitzt das Mühleisen verdeckt oder obenauf (wie in der folgenden schematischen Abb., Typ 1). Die in den Stein reichenden Enden nennt man Anker oder auch Zapfen (Anm.: Dr. Bernhard Peter hat im Internet unter http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik//seiten/muehleisen.htm eine umfassende Information zum Thema "Was ist ein Mühleisen?" zusammengestellt. Daraus stammt der Auszug; Hinweis von Dr. Hermann Müller, Heppenheim Homepage www.muel­ler-heppenheim.de/fam-mue1.htm).

 

Die Darstellung eines Mühleisens befindet sich auf einem Inschriftenstein von 1577 befindet sich am Wohnhaus in Heppenheim­/Berg­straße, Siegfriedstraße 124 (s. Tugersmühle Heppenheim/Bergstraße).

 

Photo:

- Müller, Dr. Hermann, Heppenheim, Homepage www.mueller-heppenheim.de/fam-mue1.htm: Schmuckstein von 1577 am Wohn­haus in Heppenheim/Bergstraße, Siegfriedstraße 124

 

 

 

Mühlenbann:

s. . Bannpflicht

 

 

 

Mühlenfreiheit:

der Begriff beschreibt unterschiedliche Regelungsbereiche

 

a) *Asylrecht der Mühlen

b) das Recht, eine Mühle zu errichten und zu betreiben (Vgl. Speer u.a.: Deutsches Rechtswörterbuch, a.a.O., Bd. 9, S. 927)
 

 

 

Mühlhaue:

heißt das doppelschwalbenschwanzförmige Eisen, auf dem der Läuferstein ruht, das diesen trägt und bewegt 179.

 

 

 

Mühlrad:

Das Mühlrad ist das beliebteste Symbol für die Mühlen und den Beruf der Müller. Das "Rad der Müller" wird sehr unterschiedlich darge­stellt und es ist nicht immer eindeutig, was dargestellt wird. Rudolf Wild aus Annweiler hat dazu einen Beitrag im Internet (sie­he ww­w.heimat-pfalz.de). Hier ein Auszug:

 

„Das bekannteste Symbol der Müller ist ein meist vierspeichiges Rad, dessen äußerer Rand – im Gegensatz zum Wagnerzeichen und dem „Mainzer Rad“ – mit kleinen Quadraten besetzt ist. Nicht im­mer lässt sich mit Sicherheit sagen, ob dabei das eindrucksvollste Er­kennungszeichen einer Mühle – das durch Wasserkraft betriebene Mühl­rad – dargestellt werden sollte. Es kann auch ein hölzernes Kammrad darstellen, wie es in den Mühlen als Zahnrad verwendet wurde.“ (mitgeteilt von Dr. Hermann Müller, Heppenheim).

 

Besonders schön zu erkennen ist es auf dem ältesten und zugleich rätselhaftesten Müllerzeichen unserer Region, die am Haus Nr. 50 der Godramsteiner Hauptstraße angebracht ist. Dieser 1556 datierte Stein enthält als weiteres Symbol ein Beil, das in der Literatur als Metzgerzeichen gedeutet wurde. Doch die Form des Beils erinnert eher an das Breitbeil der Zimmerleute, das zum Behauen der Bal­ken verwendet wurde. Und ursprünglich mussten die Müller in der Lage sein, alle Arbeiten an der Mühle selbst auszuführen – das Berufsbild des Mühlenbauers oder Mühlarztes entstand erst viel später (Vgl. Beitrag von Rudolf Wild, Annweiler in: www.hei­mat-pfalz.de; vgl. An­ton Eckardt: Die Kunstdenkmäler der Pfalz, Bd. 2, München 1928 / 1974, S. 177, Haus Nr. 21 ).

 

Photo:

- Beitrag von Rudolf Wild, Annweiler www.heimat-pfalz.de: Haus in Godramstein, Hauptstraße 50

 

 

 

Mühlenrecht:

mittelalterliches Recht gab den Mühlen einen besonderen Status; „wer Mühlen beraubt, wird gerädert (so der Sachsenspiegel um 1200). Als lebensnotwendige Betriebe genossen sie das Recht der Friedung wie die Kirchen. „So jemants frevel oder übermut began­gen und queme in die mule, so ist er frey, solange er sich darin behelfen kann.“ (Vgl. Grimm: Weistümer, 2/25 von 1532; auch als Asylrecht der Mühlen bezeichnet). Schon früh genossen die Mühlen auch weitgehende Privilegien, z.B. die Kruggerechtigkeit und das Braurecht, sie durften selbst Roggenbrot backen, sie hatten die Fischgerechtsame zum Fang für die eigene Tafel (Anm.: für Aal­körbe mußte im Erb­pachtvertrag meist eine besondere Gebühr bezahlt werden), sie hatten die Freiweide für ihr eigenes Vieh und das Wiesennutzungsrecht bei der Mühle für die Zugtiere ihrer Mahlkunden. Diese Rechte waren existenzsichernd für die Mühlen und ga­rantierten auch die Subsis­tenzwirtschaft mit Getreide, Vieh und Gemüse etc. 1158 erließ Kaiser Friedrich I. Barbarossa ein Mühlen­regal, welches die Errichtung von Mühlen regelte. Damit wurde auch der Betrieb der Mühlen in die alleinige Zuständigkeit der das Regal innehabenden Obrigkeit/Herrschaft gestellt. Auf die Errichtung von Mühlen hatten die Gemeinden zunächst keinen Einfluß. Rechtspartner waren Grundherrn und Mühlenpächter. In den folgenden Jahrhunderten kümmerten sich die Gemeinden zunehmend um den geordneten Ab­lauf, um den Rechtsfrieden und die sozialen Belange zwischen Müller und Mahlkunden zu gewährleisten. Dies fand in den Weistümern der Gemeinden einen Niederschlag. Der geregelte Betriebsablauf in den Mühlen erfolgte durch herrschaftli­che Setzung in den Mühlen­ordnungen sowie durch Rechtspraxis in den Gemeinden, niedergelegt in den Weistümern (aus: Spengel: Mühlen im Gebiet der oberen und mittleren Nahe, a.a.O., Bd. 1, S. 21).

 

Die Mühlenordnung war ein den Lehnsherrn und Erbbeständer zunächst allein tangierendes Rechtsverhältnis. Sie regelte den Bau von Mühlen, den Betrieb derselben und nicht zuletzt den Wasserbau mit den Wasserrechten. Die älteste Mühlenordnung ist aus Frei­burg 1347 bekannt, im Oberamt Simmern gab es auch schon 1570 eine kurpfälzische Ordnung (aus: Spengel: Mühlen im Gebiet der oberen und mittleren Nahe, a.a.O., Bd. 1, S. 21).

 

 

 

Mühlensterben:

1875 gab es im Deutschen Reich ca. 70000 Getreidemühlen. Die Zahl schrumpfte bis 1966 auf etwa 6400 Mühlen (Vgl. Zillien, Fe­lix: Mühlen in Pfeddersheim; in: Heimatjahrbuch Stadt Worms 2014, S. 166).

 

1955 wurde durch den Bundestag ein Gesetz verabschiedet, durch das die Neuerrichtung von Mühlen verboten wurde. Ab 1957 wur­de die Stillegung von Mühlen durch den Bund durch Zahlung einer Stillegungsprämie gefördert. Die Maßnahmen zielten darauf, den vielen kleinen und mittleren Mühlen den Ausstieg aus dem durch die übermächtige Konkurrenz der Großmühlen unrentabel gewor­denen Müh­lenbetrieb zu ermöglichen, und die nach 1945 entstandene Überkapazität zu beseitigen. Die gesetzgeberische Maßnahme wurde in den 1960er Jahren wiederholt und bereitete einer großen Anzahl kleinerer Mühlen den Untergang.

 

 

Mühlhaue:

s. *Haue

 

 

 

Müllerlied:

es gibt eine ganze Reihe von Müllerliedern, die das Berufsbild des Müllers romantisch verklären und meist aus der Zeit des Biedermeier und der Romantik stammen.

 

„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach:Klipp klapp!

Bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach:Klipp klapp!

Er mahlet uns Korn zu kräftigem Brot

Und haben wir solches so hat's keine Not:

Klipp klapp! Klipp klapp!“

 

Flink laufen die Räder und drehen den Stein, klipp klapp,
und mahlen den Weizen zu Mehl uns so fein, klipp klapp.
Der Bäcker dann Zwieback und Kuchen draus bäckt,
der immer den Kindern besonders gut schmeckt.
(alternativ: Der Bäcker, der füllt uns den schweren Sack,
Der Bäcker das Brot und den Kuchen uns backt.)
Klipp klapp, klipp klapp, klipp klapp!

Wenn reichliche Körner das Ackerfeld trägt, klipp klapp,
die Mühle dann flink ihre Räder bewegt, klipp klapp.
Und schenkt uns der Himmel nur immerdar Brot,
so sind wir geborgen und leiden nicht Not.
Klipp klapp, klipp klapp, klipp klapp!

 

Der Text des Liedes stammt von dem deutscher Lehrer, Organist, Dichter und Komponisten Ernst Anschütz (1780-1861). Das Lied wurde vom Texter Ernst Anschütz erstmals 1824 in der Kinderliedersammlung "Musikalisches Schulgesangbuch" im Verlag Philipp Reclam ver­öffentlicht. Die Melodie komponierte Carl Reinecke (Opus 91, Nr. 1), abgeleitet vom Volkslied "Es ritten drei Reiter zum Tore hinaus", welches um 1770 bekannt wurde. Das Lied ist eines von vielen Liedern über Mühlen und Müller aus dem 19. Jahrhundert (Vgl. beispiels­weise Eichendorff/Glück: "In einem kühlen Grunde, da steht ein Mühlenrad"; Kerner: "Dort unten in der Mühle"; u.v.a.m.). Von anderen Liedern dieser Zeit hebt sich "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" vor allem dadurch ab, dass das Motiv des Täglichen Brotes aus dem Vaterunser aufgegriffen und besonders betont wird. In Preußen wurde das Lied für den Musikunterricht der ersten und zweiten Klasse an Volksschulen empfohlen. Im Zuge der Heimatbewegung Ende des 19. Jh. avancierte das Stück zu einem beliebten Volkslied. Der Refrain mit der "klappernden" Mühle wurde zum geflügelten Wort (Vgl. In­ternet-Datei Wikipedia: Es klappert die Mühle am rau­schenden Bach …).

 

Das Klappern stammt vom Schlagstock am Beutelkasten der Mühleneinrichtung, der ein klapperndes Geräusch verursachte. Der Beutel­kasten ist ein mannshoher, vorne oben abgeschrägter, mit Klappe versehener, geschlossener schmaler Holzkasten, in dem ein sackarti­ger Stoffbeutel hing, der von einer ebenfalls hölzernen Stockgabel (s. *Zeiß) geschlagen wurde; in ihm wurden Mehl und Kleie getrennt; der Stoffbeutel hatte eine Sieb-Funktion.

 

Nach a.A. stammt das Klappern vom sog. „Rüttelschuh“, einem Brett unten an der Getreideschütte, auf dem das Mahlgut zwischen die Mahlsteine rutscht. Die Welle des Korbrades, die den Läuferstein in Drehung versetzt, stößt mit ihren 4 Kanten gegen das Brett und rüt­telt daran. Dadurch rutscht immer soviel Mahlgut nach, daß die Mahlsteine nicht aneinander reiben (Vgl. Geiger, Roland: Mül­ler, Mühlen und Mühlenrecht, Skript zu einem Vortrag zum Thema „Familienforschung bei Müllerfamilien“, gehalten am 10.11.2002, Privatdruck St. Wendel 2002 S. 26).

 

 

Das Wandern ist des Müllers Lust,
das Wandern.
Das muß ein schlechter Müller sein,
dem niemals fiel das Wandern ein,
das Wandern.

 

Vom Wasser haben wir's gelernt,
vom Wasser:
Das hat nicht Rast bei Tag und Nacht,
ist stets auf Wanderschaft bedacht,
das Wasser.

 

Das sehn wir auch den Rädern ab,
den Rädern:
Die gar nicht gerne stille stehn,
die sich mein Tag nicht müde drehn,
die Räder.

 

Die Steine selbst, so schwer sie sind,
die Steine,
sie tanzen mit den muntern Reih'n
und wollen gar noch schneller sein,
die Steine.

 

O Wandern, Wandern meine Lust,
o Wandern!
 

Herr Meister und Frau Meisterin,
laßt mich in Frieden weiter ziehn
und wandern.

 

„Das Wandern ist des Müllers Lust ...“ ist ein Gedicht des deutschen Dichters Wilhelm Müller, das er 1821 unter dem Titel Wander­schaft als Teil der Gedichtsammlung „Die schöne Müllerin“ in dem Sammelwerk „Sieben und siebzig Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten“ veröffentlichte 180. Das Gedicht wurde zuerst 1823 von Franz Schubert unter dem Titel Das Wandern als Teil des Liederzyklus Die schöne Müllerin vertont. In der Folgezeit vertonten verschiedene Komponisten das Gedicht, unter ihnen Heinrich Marschner und Karl Hellmuth Dammas. Im Jahr 1844 komponierte Carl Friedrich Zöllner in Oldisleben einen vierstimmi­gen Chorsatz für Männerchöre, in dieser Fassung wurde das Lied zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Volkslieder 181.

 

Der Anfang des Gedichtzyklus der Schönen Müllerin geht zurück auf das poetische Gesellschaftsspiel „Rose, die schöne Müllerin“, das im Herbst 1816 im Hause des Berliner Staatsrats Friedrich August von Staegemann uraufgeführt wurde. Inspiriert von Giovanni Paisiel­los Oper La Molinara veröffentlichte der Komponist Ludwig Berger wenig später den Stoff als Liedspiel. Während seines Studienaufent­haltes in Italien schrieb Müller auf Bitten von Berger weitere Textvorlagen zu diesem Thema und vollendete den Zyklus 1820 in Des­sau. Im Kontext dieses Zyklus zeigt sich, dass der Text nur vordergründig ein unbeschwertes Wanderlied ist, sondern dass es im Kern den Zwang zur *Wanderschaft von Handwerksgesellen und deren Sehnsucht, Ruhe zu finden, behandelt 182.

 

Literatur:

- Wilhelm Müller (Hrsg.): Sieben und siebzig Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten. Christian Georg Ackermann, Dessau 1821, S. 7f.

- Erika von Borries: Wilhelm Müller: Der Dichter der Winterreise. Eine Biographie. C.H. Beck, München 2007, S. 126f.

 

 

 

Müllersprüche:

bei Kinderreimen heißt es:

„Miller, Miller, mahl er!

Geb mer e Sack voll Daler!

Geb mer noch e bissel meh dazu,

bischt aa e braver Millersbu!“ 183

 

Hermann Karch weist eine ganze Reihe von Müllersprüchen nach 184:

„Eine schöne Mühl' im Wiesental,

ein schönes Pferd im Stall,

ein schönes Weib im Bett,

das sind drei Dinge, die ich gern hätt'“.

 

oder:

„Eine Mühle, die nicht läuft,

ein Müller, der nicht säuft,

ein Mädel ohne Geld,

sind drei verkehrte Dinge auf der Welt.“

 

 

 

Münzen:

1 Gulden = 60 Kreuzer (Xer) = 15 Batzen = 20 Groschen oder 240 Pfennige

1 Batzen = 4 Kreuzer = 16 Pfennige

1 Kreuzer = 4 Pfennig (manchmal auch 3 Pfg.)

1 Albus = 2 Kreuzer = 8 Pfennige

1 Schilling = 1 Kreuzer = 4 Pfennige

1 Heller = 1/2 Kreuzer = 2 Pfennige

1 Dukaten = 5 Gulden

 

 

 

Mutterkorn:

s. *Antoniusfeuer

 

 

 

Nachwiegen:

als Korrektiv des Mühlenmonopols der Bannmühlen gab es behördliche Kontrollen der Müller, insbesondere durch Nachwiegen des Mahl­guts. Es ist bemerkenswert, daß sich an dem für die Kontrolle der Müller entscheidenden Punkt, nämlich bei der Pflicht,das Mahlgut vor und nach dem Mahlen zu wiegen, das Oberamt bzw. der Landesherr einschaltete und von obrigkeitlicher Seite her den Gemeinden Un­terstützung gewährte Ende des 16 Jh. erließ der Pfalzgraf die Vorschrift, in jeder Gemeinde eine öffentliche Waage einzurichten, auf der durch zwei Gemeindebeauftragte das Korn bzw.. das Mehl gewogen werden sollte. Auf Befehl des Burggrafen von Alzeys wurden dar­aufhin im gesamten Oberamt Alzey bekanntgemacht: Da durch Stichproben festgestellt wurde, daß die Müller und Bäcker zu wenig ab­wiegen, sollen diese überall kontrolliert und die Betrüger dem Oberamt zur Bestrafung gemeldet werden. Wie in der Landesverordnung vorgeschrieben, sollen überall im Oberamt Alzey Mehlwaagen und Wiegemeister bereit gestellt wer­den (Vgl. Schmitt: Oberamt Alzey, a.a.O., S. 273 und Anm. 50).

 

 

 

Näherrecht:

s. auch Grundstücksrecht in Speyer

 

Dieses in Speyer auch „Losung“ benannte „Näherrecht“ (d.h. ein näheres Recht, Vorkaufsrecht) befugte nächste Verwandte und Freun­de des Veräußerers einer Liegenschaft innerhalb Jahresfrist, das Grundstück im Falle des Verkaufs an einen Minderberechtigten gegen Erfüllung der vom Käufer übernommenen Verbindlichkeiten zu erwerben. Das römische Recht beseitigte diese im Mittelalter entwickelte, dem heutigen Vorkaufsrecht entsprechende Befugnis nicht, nachdem auch die italienische Jurisprudenz ein ius retractus geprägt hatte. So bestätigte das Reichskammergericht 1579 in dem Prozeß zwischen Lorenz Junghens und den Brüdern Gregor und Max Riesen auf deren Appellation dieses seit „unvordenklichen Zeiten“ in Speyer geltende Gewohnheitsrecht (Vgl. Niederhöfer: Re­zeption des römischen Rechts in Speyer am Rhein, a.a.O., S. 72-73).

 

 

 

Naßmüllerei:

vor Einführung der Walzenstühle wurde Weizen angefeuchtet gemahlen; dadurch wurde auch die hohe Brandgefahr reduziert.Mit der Einführung der Walzenstühle in Verbindung mit Siebzylinern und Grießputzmaschinen geht man von der Naßmüllerei zur trockenen Mül­lerei über, um die Mehle haltbarer zu machen (Vgl. Kastenmüller/Klabunde, Mühlentechnik, a.a.O., S. 10). Vor allem aber war es für die Herstellung von Weißmehl erforderlich, die Schalen zu entfernen, durch deren Mahlen (Vollkornmehl) das Mehl eine braune Farbe er­hielt. Um zu verhindern, daß beim Mahlen die Schalen des Weizenkorn zersplittert und gemahlen wird, wurde im Zeitalter der Gangmül­lerei (vom Begriff Mahlgang = Verwendung von Mühlsteinen) der Weizen etwas genäßt gemahlen. Mit der Einführung der Walzenmülle­rei ging man zur Trockenvermahlung über, um eine längere Haltbarkeit des Mehls zu erreichen (Vgl. Kastenmüller/ Klabunde: Mühlen­technik, a.a.O., S. 83).

 

 

 

Netzen:

nennt man das Befeuchten des Getreides vor dem Mahlen mit Wasser zur Verringerung der Staubentwicklung und der Brandgefahr (Staubexplosion)

 

 

 

Notmühle:

große Mühlen an der Blies und am Glan hatten für Zeiten mit Hochwasser oder Eisgang an kleinen Seitenbächen Notmühlen mit ober­schlächtigen Wasserrädern, z.B. bei der der Bannmühle des Freiherrn von Schorrenburg in Breitfurt oder bei der Mühle in Rehweiler am Glan 185.

 

 

 

oberschlächtig:

nennt man ein Mühlrad, bei dem das Wasser von oben auf die Schaufeln fällt; an den Oberläufen der Bäche dominierte das ober­schlächtige Mühlrad, das für kleinere Wassermengen und größere Gefälle geeigneter ist; an Unterläufen der Bäche ist dagegen idR das unterschlächtige Mühlrad vorherrschend. Der Wortstamm 'schlächtig' stammt von 'schlagen'; beim unterschlächtigen Mühlrad „schlägt das Wasser in die seitlich offenen, leicht gebogenen Schaufeln. Beim oberschlächtigen Wasserrad werden zwischen breiten Radkränzen Kammern gebildet, die mit einem Kandel über das Rad geleiteten Wasser voll laufen. Die Schwerkraft erzeugt hier den Bewegungseffekt (Vgl. Weber: Museumsmühle in St. Julian, a.a.O., S. 16).

 

 

 

Ölmühlen:

diese Mahlen vermahlten überwiegend Raps, pfälzisch „Kohl“ und Rübsen, beides Pflanzen aus denen man Öl sowie „Ölkuchen“, ein hochwertiges Kraftfuttermittel gewann; das Öl spielte als Speisefett und als Brennstoff für die Lampen eine wichtige Rolle in den Haus­haltungen (Vgl. Weber, Friedrich Wilhelm: Die bäuerlichen Ölmühlen der Nordpfalz; in: Nordpfälzer Geschichtsverein 1963, S. 9-14).

 

Literatur:

- Weber, Friedrich Wilhelm: Die historischen Ölmühlen in der Pfalz. Die Geschichte eines untergegangenen Handwerks; in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz, 1975, S. 191-225

 

 

 

Onerum:

von lat. 'onus', pl. 'onera' = Lasten, Verbindlichkeiten, Beschwerden

 

 

 

 

Orléans'scher Krieg:

s. Pfälzischer Erbfolgekrieg

 

 

 

 

Pfalz-Zweibrücken und Mühlen:

durch die vielen Kriegswirren im 17. Jh. lag die Wirtschaft im Herzogtum darnieder; viele Mühlen waren zerstört; an einen geregel­ten Mühlenbetrieb war für die dezimierte Bevölkerung nicht mehr zu denken. Mit einem planvollen Wiederaufbau der Mühlen wurde erst ge­gen ende des 17. Jh. durch die schwedische Gouvernementsregierung begonnen. Schon zur Mitte des 18. Jh, waren unter der Regie­rung Christian IV. alle Mühlenruinen wieder aufgebaut und zusätzliche Mühlen errichtet worden, so daß 200 Mühlen insgesamt verzeich­net werden konnten. Dieser Aufschwung war Ausdruck der merkantilistischen Wirtschaftspolitik von Christian IV. Ziel die­ser Politik war es, die Macht des Staates durch eine leistungsstarke, aber reglementierte Wirtschaft zu fördern und so zur Wohlfahrt der Bevölkerung beizutragen. Auch das gesamte Mühlenwesen sollte von oben her geordnet in den Rahmen dieser Wirtschaftspolitik eingefügt werden. Dies nahm in der Mühlenrenovation von 1743 seinen Anfang, als Christian IV. Durch Edikt eine Bestandsaufnah­me aller Mühlen im Her­zogtum anordnete (Vgl. Stürmer: Mühlenrecht im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken während des 18. Jh.; in: Volkskunde im Saarland Bd. 3 [Hrsg. Gesellschaft für Volkskunde im Saarland e.V]:, Saarbrücken 2000, S. 66).

 

 

 

 

Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688–1697):

auch Orléans'scher Krieg, Krieg der Augsburger Allianz, Krieg der Großen Allianz oder Neunjähriger Krieg genannt, war ein vom französi­schen König Ludwig XIV. provozierter Konflikt, um vom Heiligen Römischen Reich die Anerkennung seiner Erwerbungen im Rahmen sei­ner Reunionspolitik zu erreichen.

 

 

Als Vorwand dienten Streitigkeiten um das Erbe des Kurfürsten Karl II. von der Pfalz. Ein ähnlicher Vorwand war auch der Konflikt um die Besetzung des Kölner Erzbischofssitzes (Kölner Bistumsstreit).

 

Gegen Ludwig XIV. bildete sich die Wiener Große Allianz unter anderem aus England, den Niederlanden, Spanien, Savoyen und dem Heiligen Römischen Reich. Innerhalb des Reiches spielten neben der Kaiserlichen Armee und territorialen Kontingenten insbe­sondere ei­nige armierte Reichsstände und die vom Kriegsgeschehen betroffenen Vorderen Reichskreise eine wichtige Rolle.

Der Krieg fand anfangs vorwiegend in der Kurpfalz, in großen Teilen Südwestdeutschlands sowie am Niederrhein statt. Als Reaktion auf die vorrückenden Alliierten verwüsteten französische Truppen systematisch die Pfalz und angrenzende Gebiete. Zahlreiche Dör­fer, Bur­gen, Festungen, Kirchen und ganze Städte wie Speyer, Mannheim und Heidelberg wurden in der Pfalz, in Kurtrier und in Württem­berg zerstört.

 

Der Krieg weitete sich in Europa auf die Kriegsschauplätze in den Niederlanden, Italien und Spanien aus. Damit in Zusammenhang stan­den die glorious revolution und die Thronbesteigung Wilhelms III. von Oranien sowie die jakobitischen Gegenreaktionen auf den briti­schen Inseln. Kaiser Leopold I. kämpfte zugleich im Großen Türkenkrieg gegen die Osmanen.

 

Auf dem Festland verlagerte sich der Schwerpunkt der Kämpfe im Laufe des Krieges in die Niederlande. Die Kriegsführung war ge­prägt von einer Zermürbungstaktik, vom taktischen Manöver der Armeen und Belagerungen. Größere Schlachten waren relativ sel­ten. Dane­ben kämpften die Seemächte England und die Niederlande gegen Frankreich auch auf See und in den Kolonien. Neben großen Flotten­operationen spielte auf beiden Seiten der Kaperkrieg eine wichtige Rolle. Insgesamt konnten sich die Franzosen gegen die gegnerische Übermacht behaupten. Einen klaren Sieger gab es nicht.

 

Schließlich einigten sich Ludwig XIV. und Wilhelm III. auf einen Friedensschluss, dem sich das Reich anschließen musste. Im Frie­den von Rijswijk musste Ludwig XIV. einige eroberte Gebiete wie das Herzogtum Lothringen und einen Teil der reunierten Territori­en räu­men. Das 1681 von Frankreich besetzte Elsass und Straßburg verblieben dagegen bei Frankreich (vgl. Internetdatei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Pfälzischer_Erbfolgekrieg, Abruf vom 18.7.2014).

Die Reunionspolitik Ludwigs XIV. trug dazu bei, dass die meisten Reichsstände – mit Ausnahmen wie dem Kurfürstentum Brandenburg – wieder an die kaiserliche Seite rückten.[4] Ludwig XIV. beanspruchte mit Hinweis auf einen unscharfen Artikel des Westfälischen Frieden zum Elsass Reichsterritorien und setzte die französische Herrschaft teilweise mit Hilfe der sogenannten Reunionskammern als Legitimati­onsbasis durch. Ohne Rechtsanspruch annektierte er 1681 die Reichsstadt Straßburg. Sofort begann Sébastien Le Prestre de Vauban mit der Befestigung der Stadt. Mit der Unterwerfung des Elsass einher ging die Förderung des Katholizismus in diesem Gebiet. Dies führte relativ bald zu einer Veränderung der Konfessionsverhältnisse. Im Rahmen des Reunionskrieges von 1683/84 gewann Ludwig XIV. Lu­xemburg. Damit konnten Lücken im Festungssystem von Vauban geschlossen werden. Auch in Italien konnte der König seine Position mit dem Erwerb von Casale ausbauen.

 

Im Reich stieß die französische Politik auf Empörung und trug zum Abschluss einer strikt defensiven Reichskriegsverfassung bei. Sie sah ein von den Reichskreisen zu stellendes stehendes Heer vor, das im Kriegsfall verstärkt werden würde. Widerstand dagegen kam von den armierten Reichsständen wie Kurbrandenburg, die ihre Machtstellung in Gefahr sahen. Kaiser Leopold I. war ebenfalls mit dem Er­gebnis wenig zufrieden, weil er das Reichsheer lieber unter der eigenen Kontrolle gehabt hätte. Er setzte stattdessen auf Bündnisse mit Kreisassoziationen wie in der Laxenburger Allianz. Bei allen Defiziten bereitete sich das Reich auf künftige militärische Auseinander­setzungen vor.

 

Durch die Offensive der Osmanen 1683 mit dem Höhepunkt der zweiten Wiener Türkenbelagerung war Leopold I. gezwungen, sich um die Sicherung seiner Erblande zu kümmern. Nach der Überwindung der akuten Krise konzentrierte er sich weiter auf den Kampf gegen die Osmanen. Der Große Türkenkrieg dauerte bis 1699 und führte dazu, dass Österreich zur Großmacht aufstieg und beförderte das Prestige des Kaisers im Reich stark. Diese Verschiebung der Prioritäten führte dazu, dass Leopold I. im Regensburger Stillstand von 1684 einen Waffenstillstand mit Frankreich schloss und die Reunionen vorläufig anerkannte. Der Regensburger Stillstand bedeutete kei­neswegs, dass Ludwig XIV. seine Expansionspolitik aufgegeben hätte.

 

Zusätzlich zur expansiven Politik im Westen des Reiches empörte die Aufhebung des Edikts von Nantes durch das Edikt von Fontai­nebleau 1685 und die Verfolgung der Hugenotten das protestantische Deutschland und die anderen protestantischen Mächte. Ludwig XIV. verlor auch dadurch mit dem Kurfürsten von Brandenburg einen seiner wichtigsten Verbündeten im Reich (vgl. Internetdatei Wiki­pedia http://de.wikipedia.org/wiki/Pf%C3%A4lzischer_Erbfolgekrieg, Abruf vom 18.7.2014).

 

Ludwig XIV. versuchte die Gebundenheit des Kaisers im Türkenkrieg zur Sicherung und zum Ausbau der durch die Reunionspolitik ge­wonnenen französischen Gebiete auf Reichsboden zu nutzen. Als Vorwand kamen ihm zum einen der Streit um die Nachfolge im Erzbis­tum Köln zu statten, zum anderen die Erbfolgefrage in der Pfalz. Ein weiterer Faktor war die Gründung der Augsburger Allianz. Der Streit um den Erbanspruch der Liselotte von der Pfalz verheiratet mit Philippe I. de Bourbon, Duc d’Orléans war einer der Auslöser des Krieges. Kurfürst Karl I. Ludwig, der Sohn Friedrichs V., des Winterkönigs, hatte ursprünglich beabsichtigt, das politische Verhältnis zum angrenzenden Frankreich durch die Hochzeit seiner Tochter Liselotte von der Pfalz mit Herzog Philipp von Orléans, dem Bruder des „Sonnenkönigs“, zu stabilisieren. Das Projekt ging auf die Vermittlung Anna Gonzagas (1616–1684), der Schwägerin des Kurfürsten, und ihre Verbindungen zum französischen Hof zurück. Ludwig XIV. beabsichtigte damit eine enge politische Verbindung mit der Kurpfalz ein­zugehen, um seinen Einfluss im Reich zu wahren. Dass der Sohn des Kurfürsten seiner Schwester an Vitalität erheblich nachstand und sie sich deshalb gewisse Chancen auf ein Erbe ausrechnete, mag eine Rolle gespielt haben. Der Ehevertrag sah den Verzicht der pfälzi­schen Braut auf ihre territorialen Ansprüche im Reich vor. Aber die allodialen Besitzungen blieben davon ausgenommen. Nach dem Tod des Kurfürsten 1680 starb sein kinderloser Sohn Karl II. im Jahr 1685. Damit erlosch die reformierte Linie der Familie. Die Herrschaft ging mit Philipp Wilhelm an das katholische Pfalz-Neuburg über. Der neue Kurfürst machte kein Hehl aus seiner antifranzösischen Hal­tung. Anlass für die französische Politik war der Anspruch auf das Erbe der Liselotte von der Pfalz, das im Heiratsvertrag nur unzurei­chend umschrieben war. Kurfürst Karl Ludwig hatte zwar Verfügungen in Geld und Naturalien in seinem Testament anerkannt, während der Kurfürst alle Ansprüche in seinem Testament wiederum abgelehnt und Liselotte enterbt hatte, aber Ludwig XIV. ließ dieses Testa­ment durch das Pariser Parlament für nichtig erklären (vgl. Internetdatei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Pf%C3%A4lzischer_Erb­folgekrieg, Abruf vom 18.7.2014).

 

Frankreich versuchte, wie angekündigt, seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, indem es 1688 in die Pfalz und das linksrheini­sche Gebiet einfiel. Ludwig XIV. hoffte auf einen kurzen Feldzug nach Art des Reunionskrieges von 1683/84. Einen langen Krieg hatte er nicht im Sinn. Im Zusammenhang mit dem Streit um die Besetzung des Kölner Erzbischofstuhls besetzten französische Trup­pen auf Einladung Fürstenbergs Bonn, Neuss und Kaiserswerth. In Kurtrier leisteten Koblenz und die Festung Ehrenbreitstein Wider­stand. Nicht angegriffen wurde die Reichsstadt Köln, weil diese von den Truppen des Brandenburger Kurfürsten geschützt wurde.

 

Für die Hoffnung auf einen kurzen Feldzug spricht, dass die Armee, die am 24. September 1688 den Rhein bei Straßburg überquerte, nur 40.000 Mann[19] stark war. Sie stand unter dem Kommando des Dauphins Louis de Bourbon, Dauphin de Viennois und des Mar­schalls Jacques-Henri de Durfort, Duc de Duras. Erstes Kriegsziel war die Festung Philippsburg. Sébastien Le Prestre de Vauban über­nahm den Befehl bei der Belagerung. Die Festung fiel im Oktober 1688. Zwei Wochen später fiel Mannheim. Kurze Zeit später eroberten die Franzosen die Festung Frankenthal. Vom Kriegsausbruch überrascht, ergaben sich im weiteren Verlauf der ersten Kriegswo­chen Mainz und Heidelberg. Französische Truppen griffen weit darüber hinaus bis Ulm und Mergentheim aus, um das Land auszuplün­dern und Kontributionen einzutreiben. So wurden Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms und weitere Orte verwüstet. Bei dem Versuch, die Kaiserdome in Speyer und Worms zu zerstören, brannte der Wormser Dom völlig aus und der Speyerer Dom wurde so stark beschä­digt, dass das westliche Langhaus einstürzte und der Westbau teilweise abgetragen werden musste. Bei den militäri­schen Operationen in Deutschland kam es zu keiner einzigen Feldschlacht. Das Ziel der Franzosen war vielmehr, den Gegner durch gezielte Zerstörungen unter Druck zu setzen. Die Hoffnung, die Gegenseite dazu zu zwingen, die Bedingungen Ludwigs XIV. zu ak­zeptieren, erfüllten sich nicht.

 

Der schwäbische Reichskreis und auch die rheinischen Kurfürsten hatten noch nicht mit konkreten Kriegsvorbereitungen begonnen. Die kaiserlichen Truppen waren anfangs im Wesentlichen noch im Türkenkrieg gebunden und konnten keine wirksame Hilfe leisten. Die auf die Reichskreise aufbauende Verteidigungsordnung erwies sich als völlig überfordert. Erste Hilfe kam von den armierten Reichsständen. Es dauerte aber einen Monat, ehe die Kurfürsten von Brandenburg, Sachsen, der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der Landgraf von Hessen-Kassel in Magdeburg (Magdeburger Konzert) zusammenkamen, um über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten. Als armier­te Reichsstände stellten die beteiligten Fürsten die Truppen, während die nichtarmierten Stände für Quartier und Finanzierung aufzukommen hatten. Die Truppen der armierten Reichsstände erhoben in den von den Franzosen geräumten Ge­bieten selbst Kriegs­kontributionen, die das Leiden der Bevölkerung noch vermehrte. Die Unterstützung der armierten Stände zwang den Kaiser später auch zu politischen Zugeständnissen. So hing die Verleihung der Kurwürde an Hannover mit der Stellung einer Ar­mee zusammen und auch die Zustimmung des Kaisers zur Königserhebung des Brandenburger Kurfürsten in Preußen hing mit des­sen militärischer Unterstützung zusammen. Sie profitierten auch finanziell von den Subsidien der Seemächte und Assignationen des Kaisers.

 

Zunächst wurden die Truppen des Magdeburger Konzertes seit Oktober 1688 am Niederrhein und am Mittelrhein eingesetzt. Der bayeri­sche Kurfürst Maximilian II. Emanuel befehligte eigene und kaiserliche Truppen in der Gegend von Frankfurt am Main. Die Reichweite des Krieges begann sich auszuweiten, als die Niederlande im November sich zur Teilnahme entschlossen. Zum ersten Mal kam es an 15. Februar 1689 auch zu einer Reichskriegserklärung, an die sich freilich nicht alle Reichsstände gebunden fühlten.

 

Die klare Reaktion des Reichs, die Unterstützung durch die Niederlande und die allmähliche Konzentration von Truppen am Rhein zeig­ten Ludwig XIV., dass er nicht mit einer kurzen Kriegsdauer rechnen konnte. Er entschloss sich, die eigenen Truppen aus ihren vorge­schobenen Positionen abzuziehen. Stattdessen wurden starke defensive Kräfte in Philippsburg,Freiburg im Breisgau, Breisach und in Kehl konzentriert. Auch in Mainz gab es französische Besatzungen. Auf Anraten seines Kriegsministers Louvois ließ Ludwig XIV. auf dem Rückzug die Pfalz und angrenzende Gebiete systematisch verwüsten. Dörfer, Burgen und Festungen und ganze Städte wurde in der Pfalz, in Kurtrier und in Württemberg zerstört. Ezéchiel de Mélac trug dazu als französischer General maßgeb­lich bei. Ab dem Januar 1689 wurden planmäßig elf Dörfer des Oberamts Heidelberg südlich des Neckars niedergebrannt, nachdem die Bewohner vertrieben worden waren. Vor dem Widerstand kursächsischer Truppen bei Weinheim wichen die Franzosen zurück und legten unter Ausschreitun­gen gegen die Bevölkerung Handschuhsheim in Schutt und Asche. In Heidelberg wurden nur die Befe­stigungen von Schloss und Stadt gesprengt, der französische Stadtkommandant Graf Tessé begnügte sich seinen Oberen gegenüber mit einigen kleineren Feuern in der Stadt, die letztlich nur 34 Häuser zerstörten. Mannheim dagegen wurde als Festungsstadt dem Erdboden gleichgemacht. Die französi­schen Truppen wandten sich daraufhin nach Süden und setzten ihr Zerstörungswerk am mittle­ren Oberrhein (Durlach und Pforzheim) und im Kraichgau (Bretten) fort.Später folgte die systematische Zerstörung des linksrheini­schen Gebietes nördlich einer Linie Philipps­burg – Neustadt – Kaiserslautern – Mont Royal, vor allem die pfälzischen Oberämter Oppenheim und Alzey, aber auch die Reichsstädte Speyer[24] und Worms samt ihren romanischen Bischofskirchen.

 

Das Ziel war die Bildung eines Gebietes, das keine Hilfsmittel und Befestigungen mehr aufwies und nicht mehr als gegnerisches Auf­marschgebiet dienen konnte.[26] [27]Daher wurden insbesondere zahlreiche Burgen und andere Befestigungswerke zerstört. Die meis­ten bis dahin vollständig oder teilweise noch bestehenden Burgen im linksrheinischen Teil des heutigen Rheinland-Pfalz wurden in die­sem Zusammenhang vernichtet. Dazu zählten etwa die Burg Lahneck, die Burg Stolzenfels, die Reichsburg Cochem, die Dah­ner Burgen­gruppe oder das Hambacher Schloss.

 

Der militärische Effekt der verbrannten Erde wurde allerdings durch einen ungeheuren Einbruch der öffentlichen Meinung im Reich und im Ausland zu Ungunsten Frankreichs und seines Zerstörungswerks erkauft. Dies trug dazu bei, die gegnerische Koalition zu stärken (vgl. Internetdatei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Pf%C3%A4lzischer_Erbfolgekrieg, Abruf vom 18.7.2014).

 

 

 

Plansichter:

s. auch *Beutelkasten

 

Der Plansichter wird zum Trennen von Mehl und Kleie benutzt und löste den *Beutelkasten und den Sichtzylinder ab; der Plansichter be­steht aus mehreren mechanisch bewegten Rüttelsieben.

 

Noch bei den Mühlen der Barockzeit bestand die Mühleneinrichtung auch aus Flachsieben, zur Reinigung des Mehls und der Tren­nung von Schrot und Mehl. Von den Flachsieben früherer Zeit ging die technische Entwicklung über das Beuteltuch des Mittelalters zunächst zum Sechskanter, den man seit etwa 1790 in amerikanischen Mühlen findet, zu der Zeit als Oliver Evans die ersten automa­tischen Müh­len baute. Die Sechskanter erhalten später eine Siebreinigung aus gardinenartig herabhängenden Gummischnüren. Paral­lel dazu entwi­ckelte sich eine Rundsichterkonstruktion,die eine Siebeinrichtung mit Bürstenwalze von außen zuläßt und im Inneren Schöpf- und För­derschaufeln hat. In den letzten 3 Jahrzehnten des 19. Jh. setzte eine stürmische Entwicklung ein. In kurzer Zeit wer­den Zentrifugal­sichter, Plansichter und Wurfsichter erfunden.Zunächst sprach man noch vom „Beuteln“ des Mehls, hergeleitet vom mittelalterlichen Beuteltuch. Erst mit dem Plansichter, dessen horizontale, dem Handsieb nachgeahmte Bewegung, kein reines Sieben war, sondern auch ein Aufschwimmen der leichteren Teile nach oben bewirkt, setzt sich dafür der Begriff „Sichten“ durch (Vgl. Ka­stenmüller/Klabunde, Mühlentechnik, a.a.O., S. 47).

 

Photo:

- Kastenmüller/Klabunde, Mühlentechnik, a.a.O., S. 47 ff

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 79, 83

 

 

 

Pflege:

Eine Pflege war früher ein Verwaltungsbezirk, der eine Anzahl von Ortschaften und Höfen umfaßte. An der Spitze stand der Gerichtss­chultheiß. Die Pflege Achtelsbach z.B. umfaßte die Dörfer Achtelsbach, Rode, Burnen (Born), Traunen, Meckenbach, Dam­bach und Ell­weiler sowie den im Hochwald bei Züsch gelegene Neuhof (Vgl. Jung, Rudi: Familienbuch Achtelsbach 1572-1799, Nonnweiler 1988, S. 8).

 

 

 

Pletschmühle:

der Begriff ist in der heimatkundlichen Literatur umstritten; Weber (Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O.) beschreibt den Fachbegriff nicht. Teilweise wird Pletschmühle als Gegensatz zur Bannmühle verstanden, als eine Mühle ohne Bannrecht (Vgl. z.B. Hart: Ruschberg, a.a.O., S. 122). Richtigerweise dürfte jedoch die Abgrenzung nach der Größe der Mühle erfolgen. Pletschmühle ist also eine kleine, nicht gebannte Mühle i.S. einer *Bauernmühle. Hierfür spricht das Mundartliche 'Pletschen', i.S. von 'plätschern'. Der lautmaleri­sche Wortsinn verweist auf ein eher tröpfelndes Antriebswasser, das eine große Mühle gar nicht antreiben kann.

 

Eine Pletschmühle ist eine Mühlenart mit oberschlächtigem Wasserrad für kleinste Wasserräder.

 

 

 

Pulvermühlen:

dienten der Herstellung von Schießpulver und Sprengstoff bis weit ins 19. Jh. hinein. Sie wurden betrieben als Wassermühle oder auch als *Zuckmühle.

 

Wie gefährlich der Betrieb einer Pulvermühle war, ergibt sich beispielsweise aus einer Meldung in Landauer Eilboten vom 23.7.1836: „Zu Metzingen, an der frequenten Straße nach Reutlingen, ist am 14. d. die Pulvermühle in die Luft geflogen. Niemand kam ums Leben, auch das neben der Mühle stehende große Laboratorium blieb verschont; seit 60 Jahren flog diese Mühle zum vier­tenmal [!] in die Luft“ (Vgl. „Der Eilbote“ Landau vom 23.7.1836, Nr. 30, S. 119).

 

Pulvermühlen gab es in der Pfalz am folgenden Orten:

- Bergzabern

- Frankenstein

- Ginsweiler, nahe des Dorfes im Odenbachtal

- Hardenburg, unterhalb des Schlosses

- Kaiserslautern, am Kaiserswoog

- Kirchheimbolanden, zwischen Bischheim und der Stadt Kirchheimbolanden gelegen

- Kupferthal bei Altleiningen unterhalb der Burg

- Landau

- Lemberg

- Lohnsfeld, zwischen Wartenberg und Lohnsfeld gelegen

- Mertesheim

- Mittelbach

- Münsterappel

- Neustadt nordöstlich der Stadt lag am „Alten Weg“ bzw. „Karlsberg zur Schiefbrücke“, der heutigen Sauterstraße , im Neustadter Tal außerhalb der Stadt gelegen 186.

- Neustadt, Pulvermühle Fink

- Schopp

- Speyer, alte Pulvermühle bis vor 1602

- Speyer, Pulvermühle (neue) oberhalb der Galkmühlen

- Winzingen

- Worms

- Zweibrücken

 

 

 

Pulvermühlen, Funktionsweise:

 

 

Literatur:

- Weber: Mühlen der besonderen Art, a.a.O., S. 204-207

 

 

 

Quirn, Wortstamm:

in Quirnheim, Quirnbach noch erhalten; der Ortsname leitet sich von ahd "quirn" = Mehlbereitung, mhd "kürn(e) ab; die ahd-Form "quirn" hat sich im mitteldeutschen Sprachraum, d.h. im rheinfränkischen, bis ins Mittelalter erhalten (Vgl. Weber: Mühlen und Müllerh­andwerk, a.a.O., S. 13).

 

Kampfmann meint, der Quirn sei eine Roßmühle, d.h. als Nachfolger der Handmühle, eine größere, von einem Pferd angetriebene Mühle (Vgl. Kampfmann, L.: Zur Geschichte der Mühlen im Bezirksamt Zweibrücken; in: Westpfälzische Geschichtsblätter 1908, S. 17).

 

 

 

Rachtung:

die Rachtung bezeichnet im altertümlichen Deutsch eine spezielle Art eines Vertrages. Der Begriff war im Bereich der Rechtspre­chung vermutlich seit dem späten 14. Jahrhundert geläufig, wobei der älteste Beleg aus dem Jahre 1402 stammt. Gebräuchlich war er bis ins 16. Jahrhundert, in dessen Folge er allmählich ausstarb (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rachtung).

 

Rachtung bezeichnete meist den aus der Beilegung eines Streits oder dem Friedensschluss zweier Gegner resultierenden Vertrag. Die Herkunft des Begriffes wird im mittelhochdeutschen rihtunge bzw. rehtunge gesehen (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rach­tung).

 

 

 

Rechenkammer Zweibrücken:

s. auch *Geistliche Güterverwaltung Pfalz-Zweibrücken

 

sie war eine Abteilung der herzoglichen Kanzlei, unterstand also direkt dem Kanzler als Teil der Verwaltung; Sie hatte u.a. die Auf­sicht über die Kirchenschaffneien. Außerdem hatte sie die Befugnis, bestimmte Kammergefälle (“Renten”) direkt zu erheben, wes­halb sie auch die Bezeichnung Rentkammer trug (Vgl. Held: Kirchenschaffnei Meisenheim, a.a.O., S. 67)

 

 

 

Renovation:

von lat. renovare 'erneuern'; es handelt sich um eine Landesaufnahme im Sinne einer Lagerbuch-Erneuerung Das ist die Überprü­fung, ob noch eine Übereinstimmung von Personen, Abgaben oder Grundstücken in dem jeweiligen geographischen Bereich oder Ort gegeben ist, um sie dann evtl. entsprechend anzupassen (Vgl. Richter, Gregor: Lagerbücher- oder Urbarlehre, Stuttgart 1979, S. 39-40).

 

Literatur:

- Budell, Georg E.: Die schwedische Landesaufnahme des ehemaligen Herzogtums Pfalz-Zweibrücken; in: Konersmann/ Ammerich: His­torische Regionalforschung im Aufbruch. Studien zur Geschichte des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken (Speyer 2010), S. 209 ff

 

 

 

 

Reff:

vor dem Wasserhaus mit unterschlächtigen Mühlrad befindet sich meist eine Brücke oder ein Holzsteg. Vom Randbalken dieser Über­führung reichen abwärts ins Wasser des Mühlteichs in handbreitem Abstand schräggestellte Holzstangen. Sie sollen den angeschwemmt­en Unrat, besonders Stämme und Äste, auch Eisschollen von den Schaufeln des Mühlrads fernhalten (Vgl. Weber: Müh­len und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 23).

 

Photo:

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 57 (Dorfmühle in Gumbsweiler mit Mühlteich, Überlauf, Reff, Schließ für das Mühlrad, Schließ für den Leerschoß, Wasserhaus mit unterschlächtigem Mühlrad)

 

 

 

Rentkammer Zweibrücken:

s. Rechenkammer

s. auch *Geistliche Güterverwaltung Pfalz-Zweibrücken

 

 

 

Revolutionskriege 1792/1797

a. Kriegsausbruch 1792:

Nach dem Ausbruch der französischen Revolution 1789 und der Verhaftung des französischen Königs Ludwig XVI. nach seiner gescheit­erten Flucht 1791, wurde der österreichische Kaiser Leopold II. von adligen französischen Emigranten immer stärker gedrängt, zuguns­ten der französischen Krone einzugreifen. Am 6. Juli 1791 erließ der Kaiser schließlich in Padua ein Rundschreiben an die Monarchen Eu­ropas, in dem er diese zu einem Eintreten für die verletzten Rechte des Königs von Frankreich aufforderte. Am 27. Au­gust 1791 fand in Pillnitz eine Besprechung Leopold II. mit König Friedrich Wilhelm II. von Preußen statt, an der auch Graf von Ar­tois, der jüngere Bruder Ludwigs XVI., einer der rührigsten Emigrantenführer, der Kurfürst von Sachsen und der Erbprinz von Ho­henlohe-Ingelfingen teilnahmen.

 

Resultat der Besprechung war das Ziel, die französische Königswürde und ihre alten Rechte wiederherzustellen. Zwar starb Leopold II. am 1. März 1792. Sein Sohn Franz II. setzte dessen Politik fort, insbesondere, nachdem in Paris die Girondisten den ohnmächtigen Kö­nig am 20. April 1792 zur Kriegserklärung zunächst gegenüber Österreich zwangen. Nach dem Vertrag von Pillnitz war Preußen gezwun­gen, an der Seite Österreichs am Krieg teilzunehmen.

 

Zum Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen wurde Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig gewählt (geboren 9. Ok­tober 1735, gestorben nach schwerer Verwundung bei der Schlacht von Auerstedt gegen Napoleon am 10. November 1806). Nach­dem es am 10. August 1792 in Paris zum Sturm auf die Tuillerien und zur Festnahme des französischen Königs und seiner Familie kann, rückte die alliierte Hauptarmee unter dem persönlichen Befehl des Herzogs von Braunschweig von Trier über Luxemburg vor. Der Vormarsch er­folgte außerordentlich langsam, im Stil der “methodischen Kriegsführung”. Es gelang zwar, Longwy und Verdun einzunehmen, die Erwar­tung, daß die Franzosen die Alliierten mit offenen Armen aufnehmen würden, und es zum Umsturz in Paris kommen würde, wurden ent­täuscht. Als die Alliierten endlich die Argonnen erreicht hatten, fand man deren Pässe von den Gruppen des französischen Generals Du­mouriez, der am 18. August 1792 das Kommando über die Nordarmee übernommen hatte, versperrt.

 

Zwar gelang es den Alliierten durch geschicktes Manövrieren, die Argonnen bei Grandpré nordwestlich zu umgehen, aber dadurch gerie­ten die Alliierten in die Lage, daß beide Heere sich mit umgekehrten Fronten gegenüber standen. Während die preußischen Truppen zum Angriff drängten, entschied der Oberbefehlshaber, der Herzog von Braunschweig, nicht anzugreifen. Es kam lediglich zur Kanonade von Valmy, die keinerlei Entscheidung brachte. An diesem Abend äußerte Goethe, der seinem Herzog Karl August von Weimar hierher gefolgt war, zu seiner Umgebung die berühmten Worte: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltge­schichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabeigewesen.“ Der Herzog von Braunschweig ordnete nach dieser erfolglosen Kanonade am 29. September 1792 den Rückzug an. Entscheidend hierfür dürfte die völlig unzureichende Versorgungslage, der frühe Herbstein­bruch und die mangelnde Unterstützung seitens der französischen Bevölkerung gewesen sein.

 

Nachdem das alliierte, stark dezimierte Heer Trier wieder erreicht hatte, kam es zu einer Verschlechterung der Lage. Kaiserliche Truppen hatten zu Beginn des Feldzuges nach Überschreitung des Rheins bei Ketsch und Mannheim das linke Rheinufer gedeckt. Ih­nen hatten sich die französischen Emigrantencorps Condé und Mirabeau angeschlossen und in der Gegend zwischen Diedesfeld und Edesheim Quartier bezogen. Doch bereits nach kurzer Zeit waren diese Truppen auf höheren Befehl wieder abgerückt, um an der Saar die linke Flanke der preußischen Armee zu decken und sollten anschließend bei der Belagerung von Thionville Verwendung fin­den. Darauf aber hatte der französische General Custine (Adam Philipp Graf von Custine, geboren 1740 zu Metz, am 28. August 1793 in Paris durch die Guillotine hingerichtet) gewartet. Die Möglichkeit zu einem Stoß in den Rücken der preußisch-österreichi­schen Verbände und damit der Weg zum Rhein war nun gegeben. Custine nahm von den Weißenburger Linien und von Landau her den Vormarsch auf und erreichte Ende September 1792 Speyer, das, von schwachen Mainzer und ungarischen Truppen verteidigt, nach nur kurzem Kampf übergeben wurde. Als Gerüchte verbreiteten, daß alliierte Kräfte im Anmarsch seien, zog sich Custine vor­übergehend wieder zurück, wobei er sein Hauptquartier in Edesheim nahm, rückte aber Mitte Oktober wieder vor. Nacheinander fie­len ihm nun ohne erheblichen Widerstand, ja teilweise durch Einverständnis mit den Bewohnern, Worms, Mainz und sogar Frankfurt in die Hand. Statt die weichenden alliierten Trup­pen zu verfolgen und deren Basis Koblenz abzuschneiden, zögerte Custine jedoch, wodurch der König von Preußen Gelegenheit fand, seine Verluste auszugleichen und Frankfurt gegen Ende des Jahres den Franzosen wieder zu entreißen.

 

Daß bei dieser Auseinandersetzung die Kurpfalz neutral geblieben war, machte auf Custine und seine Soldaten keinen Eindruck. Der Kur­fürst Karl Theodor war nach Kräften bemüht gewesen, sich aus dem Krieg herauszuhalten, den Preußen und Österreicher ge­meinsam gegen das revolutionäre Frankreich führten. Dieses Vorhaben war jedoch im Ergebnis sinnlos, da sich beide Kriegspartei­en um die pfäl­zische Neutralität in keiner Weise kümmerten.

 

 

 

b. Das Kriegsjahr 1793 und das Hauptquartier Edighofen:

Am 17. Januar 1793 wurde Ludwig XVI. in Paris zum Tode verurteilt und bereits am 21. Januar hingerichtet. Ihre Hauptaufgabe sa­hen die Alliierten für dieses Jahr darin, die Franzosen aus Belgien, wo Dumouriez im November 1792 einen entscheidenden Sieg er­rungen hatte und nun Holland bedrohte, zu verdrängen und am Rhein die Festung Mainz wieder in deutsche Hand zu bringen. In der Tat gelang es dem Herzog von Sachsen-Coburg, Belgien zurück zu erobern (Schlacht von Neerwinden am 18. März 1793). Mainz wurde am 15. Hatte 1793 von preußischen, hessischen und österreichischen Truppen eingeschlossen. Kurz zuvor hatte sich Custine auf Landau zurück­gezogen.

 

Um Entsatzversuchen der Franzosen vorzubeugen, wurde unter dem Herzog von Braunschweig ein Observationskorps in die Linie Eden­koben-Kaiserslautern vorgeschoben, an dessen linken Flügel sich österreichische Truppen unter General von Wurmser anschlos­sen, die in Stärke von 20 000 Mann nebst 6 000 Condéern und 7 000 Mann schwäbischer Kreistruppen am 1. April über den Rhein gegangen waren. Am rechten Flügel stand der Erbprinz von Hohenlohe-Ingelfingen in der Umgebung von Kaiserslautern. Der Her­zog von Braun­schweig nahm sein Hauptquartier in Edenkoben. Hinter dieser Front stand ein Reservekorps, bei dem sich der preußi­sche König (Haupt­quartier in Guntersblum) befand. Bei Trier stand ein Zwischenkorps, welches die Verbindung zu der am Nieder­rhein stehenden K.K. Ar­mee des Prinzen von Coburg aufrecht zu erhalten hatte. Mehrfache Versuche Custines bzw. seines Nachfol­gers Beauharnais, Mainz zu entsetzen, führten zu keinem Erfolg.

 

Während des zweiten Kriegsjahres trat Edenkoben – oder Edighofen, wie es damals genannt wurde - mehrfach in das Blickfeld. Hier be­fand sich ab 25. April das Hauptquartier des Herzogs von Braunschweig. Dieser erkundete von hier aus persönlich die zur Verteidi­gung bestimmte Linie Weyher - Rhodt - Hainfeld und belegte Edenkoben mit drei Infanterie-Bataillonen und einer halben schweren Batterie. Auf seinen Befehl wurde etwa dort, wo sich heute der Bahnhof befindet, ebenfalls eine Batterie in Stellung gebracht, wobei die nach Edesheim führende Straße abgegraben werden mußte. Auch König Friedrich Wilhelm II. nahm vorübergehend in Edenko­ben Quartier, wo er am 28. April unter dem Geläute aller Glocken seinen Einzug nahm, und im Wimpfen’schen Hause wohnte.

 

Da der Herzog im Juni in Erfahrung gebracht hatte, daß die Franzosen größere Angriffe zum Entsatz von Mainz beabsichtigten, die den Stellungen von Kaiserslautern gelten sollten, nahm er eine allgemeine Verschiebung der Truppen nach rechts vor. Demzufolge bezog der Erbprinz von Hohenlohe-Ingelfingen Stellungen bei Ramstein-Hohenecken, während der Herzog in die bisherigen Stellun­gen Hohenlohes einrückte. Wurmser, der inzwischen Verstärkungen erhalten hatte, mußte obwohl er ins Elsaß vordringen wollte, ebenfalls Stellungen um Edenkoben übernehmen.

 

General von Wurmser ließ die durch die Preußen geräumten Stellungen von dem General von Hotze übernehmen, dem außer der zu­rückgebliebenen preußischen Brigade von Thadden sechs Infanterie-Bataillone und fünf Kompagnien Rotmäntel (eine besonders ge­fürchtete österreichische Truppe) zur Verfügung standen.

 

Nach mehrfachen Durchbruchsversuchen unternahm General Beauharnais auf Drängen des französischen Nationalkonvents am 19. und am 21. Juli 1793 letzte allgemeine Angriffe mit der Rheinarmee, um Mainz zu entsetzen. Am 21. Juli wollte er von Annweiler her über Ramberg und das Modenbachtal Hotzes rechten Flügel umklammern und nach Neustadt vorstoßen. Bei Ramberg riegelten jedoch preu­ßische leichte Truppen den Bergpfad ab, unterstützt von Rotmänteln und einigen Kompagnien des Regiments von Kleist und hielten hier drei Tage stand. Dann zwang sie der an Kräften weit überlegene Feind zum Rückzug in das Modenbachtal. Hier wur­de erneut nach­drücklich Widerstand geleistet, doch schließlich mußte auch dieses Tal aufgegeben und infolgedessen auch die östlich anschließende Edenkobener Stellung vorübergehend geräumt werden.

 

Als dann aber Mainz am 23. Juli 1793 endlich fiel und damit weitere Entsatzversuche der Franzosen zwecklos waren, gingen letztere wieder in ihre Ausgangsstellungen zurück.

 

Zu Beginn des August überschritt General von Wurmser (geboren 1739; er diente in Württemberg und Rußland und trat 1778 in kaiserl­iche Dienste; gefallen ist er am 25.9.1799) in Verfolgung seines ursprünglichen Plans, das Elsaß anzugreifen, die Queich, um sich eine günstige Ausgangsposition für die Säuberung des Bienwaldes und für den späteren Angriff auf die Weißenburger Linien zu ver­schaffen.

 

Zu diesem Zweck erbat er preußische Unterstützung, die dadurch erfolgte, daß das dem unmittelbaren Befehl des preußischen Königs unterstehende Korps in die von Wurmser geräumte Edenkobener Stellung vorrückte. Der König nahm Quartier in dem Anwesen des Herrn von Täuffenbach (der kurpfälzische Rat und Oberschultheiß von Täuffenbach hatte sich schon 1792 bei den Franzosen dadurch verhaßt gemacht, daß er längere Zeit Emigrierte begünstigt und in der Umgebung von Edenkoben untergebracht hatte. Die Franzosen nahmen später immer wieder die angebliche Begünstigung von Emigranten als Grund für Requisitionen und Erpressungen), und verlegt­e auch sein Hauptquartier nach Edenkoben, wo er bis Ende September verblieb. Die Preußen wollten zunächst die österreichi­schen Ope­rationspläne aus Wien abwarten und sich zuvor nicht auf größere Operationen einlassen. Da der Plan jedoch auf sich war­ten ließ, erwo­gen die Preußen von sich aus gegen die Saar vorzugehen, um nicht die militärisch günstige Jahreszeit verstreichen zu lassen. Nach die­ser Planung sollte General von Wurmser „die Gegend zwischen dem Rhein und dem Dorfe Edighofen, nach dem Ge­birge zu, zu verteidi­gen und sich dabei allein auf die Defensive zu beschränken haben... Die preußischen Truppen werden ihren lin­ken Flügel an Edighofen setzen und bei ihrem Abmarsch von da ihre Linien quer durchs Gebirge, längs dem Herzogtum Zwei­brücken und so fort bis Saarlouis ausdehnen.“ Diese Planung fand jedoch keine Unterstützung bei den Österreichern.

 

Immerhin rückte der Herzog von Braunschweig am 11. August 1793 bis Pirmasens vor. Wurmser griff am 20. August die französi­schen Stellungen im Bienwald an und warf die Franzosen über die Lauter zurück, er versuchte sogar am 6. September - freilich mit unzurei­chenden Kräften - den linken Flügel der französischen Rheinarmee, die immer noch hinter den Weißenburger Linien stand, zu umgehen, um dadurch die feindlichen Stellungen an der Lauter zum Einsturz zu bringen und die Verbindung zur französischen Mo­selarmee zu zer­reißen. Nach anfänglichem Erfolg scheiterte dieser Versuch, zumal seitens der Preußen keine zureichenden Hilfsmaß­nahmen getroffen wurden.

 

Nun traten aber feindlicherseits mehr und mehr ernsthafte Angriffsabsichten zu Tage. Am 12. September wurde die österreichische Front - wenn auch ohne Erfolg - auf der ganzen Linie angegriffen, zwei Tage später erfolgte ein stärker Angriff auf die preußischen Lini­en bei Pirmasens.

 

 

 

c. Der Kampf um Pirmasens:

Die Preußen hatten unter dem Herzog von Braunschweig bereits im Juni eine allgemeine Truppenverschiebung nach Westen vorgenomm­en, um den französischen Entsatzversuchen Richtung Mainz zuvorzukommen, und waren um Kaiserslautern konzentriert. Nach der Eroberung von Mainz am 23. Juli und der Beseitigung der Mainzer Republik durch die Alliierten, hatte sich die preußische Ob­servationsarmee weiter vorgeschoben und die ungefähre Linie Neunkirchen, Homburg, Pirmasens, Landau und Germersheim be­setzt. Ihr gegenüber standen die Franzosen in den Weißenburger Linien und in der Linie Bundenthal, Saarbrücken, Saarlouis, mit der Festung Bitsch im Rücken und mit befestigten Lagern bei Ketterich, um Hornbach, bei Blieskastel und St. Ingbert.

 

Im Lager von Hornbach befand sich das französische „Corps de Vosges“. Es hatte die linke Flanke der Rheinarmee zu decken und die Verbindung zwischen der Rheinarmee und der Moselarmee zu sichern. Die Führung hatte seit 5. September 1793 der Divisions­general Moreaux inne. In der Nacht vom 11. auf den 12. September rückte eine starke französische Truppenabteilung aus dem Horn­bacher Lager gegen die preußischen Stellungen bei Bottenbach vor, wurde jedoch rechtzeitig durch eine vom Herzog von Braun­schweig persön­lich geführte Erkundung aufgeklärt, wodurch rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden konnten. Daraufhin zo­gen sich die Franzo­sen nach zweistündigem heftigen Artilleriefeuer gegen die preußischen vorgeschobenen Stellungen in das Horn­bacher Lager zurück. Auf Anordnung des Nationalkonvents sollte der Angriff jedoch erneut durchgeführt und der Herzog von Braun­schweig mit starken Kräften bei Pirmasens in die Zange genommen werden. So brach also am 13. September der General Moreaux mit 15000 Mann und starker Ar­tillerie gegen 10 Uhr abends aus dem Lager Hornbach auf, in langer Kolonne und bei völliger Dun­kelheit. Unweit Pirmasens gliederte sich die ermüdete Truppe in drei Kolonnen, da Moreaux die Absicht hatte, den rechten Flügel der Preußen zu umgehen, beschleunigt die Husterhöhe zu gewinnen und dann die preußischen Linien aufzurollen.

 

Inzwischen hatte der Herzog Kunde von dem Anrücken der Franzosen erhalten. Er hatte rechtzeitig seine Truppen in die vorgesehe­nen Stellungen rücken lassen und begab sich sofort zur Husterhöhe, wo er der bereits aufgesessenen Kavallerie den Befehl gab, anzugreif­en. Als die Tschirsky-Dragoner daraufhin befehlsgemäß gegen das Dorf Fehrbach vorritten, erhielten sie so heftiges Feuer, daß sie sich wieder zurückziehen mußten. Inzwischen war hinter den Dragonern auch das Kürassierregiment von Borstell aufmarschiert, während die Infanterieregimenter Braunschweig und Prinz Heinrich auf der Husterhöhe östlich der Straße bereit standen. Zum Schutz seiner rechten Flanke entsandte der Herzog das Grenadierbataillon Heinrich, sowie einige Geschütze über den Steinbach in die Gegend des Grünbühls. Nach links entwickelten sich die Schützen des II. Bataillons Braunschweig zu einer Linie vor der Nord­seite der Stadt.

 

Die preußischen Batterien erwiderten zunächst das Feuer der nach und nach in breiter Front aufgefahrenen vierzig feindlichen Geschütz­e, doch war die beiderseitige Wirkung bei der großen Entfernung nur gering. Der Herzog ließ inzwischen seine Reserven heranr­ücken und sie hinter der Husterhöhe zu einem zweiten Treffen formieren. Nach etwa zweistündigem Artilleriefeuer stellten die Franzosen plötzlich ihr Feuer ein und rückten nun aus Fehrbach in drei Kolonnen vor, die Generale an Spitze. Als ihnen aber heftiges Ar­tilleriefeuer entgegenschlug, geriet der Angriff ins Stocken. Es entstand ein schlimmes Durcheinander. Alles suchte an den Hängen Schutz, eine Kolonne drückte auf die andere. Nur mit Mühe gelang es den Führern, die Truppe zum weiteren Vorgehen zu veranlas­sen.

 

Als Herzog von Braunschweig bemerkte, daß am linken Flügel seiner Aufstellung die Tschirsky-Dragoner langsam zurück wichen, führte er zum Schutz seiner linken Flanke persönlich ein Bataillon auf die westliche Seite der Straße hinüber, zugleich ließ er mehre­re Geschüt­ze den Gegner mit Kartätschen beschießen. Damit brach der feindliche Angriff auf dieser Seite völlig zusammen. Anders die Lage auf dem rechten Flügel der Preußen. Dort rückte die Kavallerie der rechten Feindkolonne gegen die Stadt Pirmasens vor, und geriet hierbei in eine Attacke der Tschirsky-Dragoner, welche aber zurückgeworfen wurde. Feindliche Infanterie folgte gegen die Stadtmauern und drängte zum Neuen Tor nach. Doch erhielt sie in diesem Augenblick plötzlich Artilleriefeuer, zugleich wurde sie in der linken Flanke von sechs preußischen Bataillonen angegriffen. Das brachte die Entscheidung. Die Truppen fluteten unter dem neu einsetzenden preußischen Artilleriefeuer zurück, von preußischer Kavallerie und von der Infanterie verfolgt. Der preußische Oberbe­fehlshaber brach jedoch die Verfolgung ab, da hierfür die Kräfte nicht ausreichten, um das feste Lager Hornbach anzugreifen. So blieb der Sieg ungenutzt, und brachte keine Entscheidung.

 

 

 

d. Die weiteren Geschehnisse des Jahres 1793:

Inzwischen hatte sich Wien endlich zu weiteren Operationen entschlossen. Die Pläne sahen vor, daß Wurmser über die Weißenburger Li­nien in das Elsaß vorstoßen, das preußische Heer dagegen den Feind in der linken Flanke angreifen und aus dem Lager Hornbach wer­fen sollte. König Friedrich Wilhelm II. teilte am 17. September 1793 dem Herzog von Braunschweig mit, daß er einen Teil seines Korps vorrücken und ein Lager in Nußdorf beziehen sollte. Tatsächlich ließ er denn auch, um österreichische Truppen für den vorge­sehenen Angriff auf die Weißenburger Linien freizumachen, die Belagerung Landaus durch preußische Regimenter unter dem Kron­prinzen, dem späteren König Friedrich Wilhelm III. übernehmen, der sein Hauptquartier in Böchingen nahm. Er selbst verlegte sein Hauptquartier nach Burrweiler. Am 29. September verließ er, nachdem er noch der Einnahme der Lager von Hornbach und St. Ing­bert beigewohnt hat­te, das Heer, um sich nach Polen zu begeben. Das Oberkommando übertrug der König dem Herzog von Braun­schweig, während der Kronprinz nunmehr das ganze dem König bisher unmittelbar unterstellte Korps übernahm (der preußische Kronprinz leitete die Belage­rung Landaus bis Ende November, dann folgte er dem König nach Preußen. Das Belagerungskorps über­nahm General von Knobelsdorff).

 

Wurmser, der seit der Säuberung des Bienwaldes in fortwährenden Kämpfen gestanden hatte, erstürmte am 13. Oktober 1793 die Wei­ßenburger Linien, wobei das preußische Oberkommando erneut sehr darauf bedacht war, die eigenen Truppen möglichst nicht in weite­re Operationen zu verwickeln, sondern lediglich Wurmsers rechte Flanke zu decken. Während nun in der Folgezeit die Österrei­cher auf elsässischem Boden kämpften und der preußische Kronprinz Landau belagerte, war Edenkoben zum Etappenort geworden. Inzwischen ließ der Kronprinz, um Landau zur Übergabe zu zwingen, dieses vom 28. ist 31. Oktober aus drei Batterien beschießen, allein der Zweck wurde nicht erreicht, da Bevölkerung und Besatzung ausharrten und auf Entsatz hofften. Der Herzog von Braun­schweig versuchte ver­geblich durch Handstreich am 17. November die Feste Bitsch zu nehmen, der Versuch scheiterte jedoch unter schweren Verlusten. Wäh­rend die Preußen nun in die Winterquartiere abrückten, wurden sie von den nachrückenden Franzosen am 28., 29. und 30. November 1793 bei Kaiserslautern angegriffen.

 

 

 

e. Die Kämpfe bei Kaiserslautern:

Als der junge General Hoche den Oberbefehl über die französische Moselarmee übernommen hatte, brannte er darauf, die Preußen an­zugreifen. Er ließ deshalb am 17. November die Moselarmee vorrücken und stieß für beide Seiten unerwartet auf die in die Winterquart­iere abmarschierenden Preußen. Für letztere hatte der Herzog von Braunschweig die Gegend Lauterecken-Kaiserslautern-Ann­weiler vor­gesehen. Am 23. November wurde diese Linie erreicht. Das Hauptquartier des Herzogs wurde nach Kaiserslautern verlegt, in weitem Bogen waren die Vorposten von Lauterecken bis Leimen vorgeschoben.

 

Hoche hatte zunächst die Fühlung mit den Preußen verloren. Er hatte sie in Pirmasens vermutet und setzte sich, als er seinen Irrtum er­kannt hatte, auf Kaiserslautern in Bewegung. Seine Dispositionen waren so getroffen, daß Taponier über Landstuhl marschieren und den Gegner in Front und linker Flanke packen sollte, während er selbst mit der Hauptarmee die rechte Flanke zu umklammern gedach­te, Ambert aber über Otterbach dem Gegner in den Rücken fallen sollte. Dem Herzog war jedoch der Anmarsch gemeldet worden. Er ließ deshalb sogleich die vorgesehenen Stellungen besetzen.

 

Hoche hatte beim Vormarsch infolge der schlechten Wegeverhältnisse größte Schwierigkeiten zu überwinden, insbesondere fuhr sich die Artillerie in den sumpfigen Niederungen fest. Am 28. November abends hatten seine Truppen folgende Positionen inne: Ambert lagerte am linken Lauterufer bei Sambach, die Hauptkolonne befand sich bei Siegelbach und Taponier in den Waldungen westlich der Galgen­schanze. Auf preußischer Seite stand General Kalckreuth bei Morlautern, Kalckstein in drei Treffen auf dem Kaiserberg und der Herzog von Weimar in den Schanzen auf dem Galgenberg. Der Herzog von Braunschweig verbrachte die Nacht im Biwak Regi­ments in der Hauptstellung und erwartete für den folgenden Morgen den Hauptangriff.

 

In der Tat hatte Hoche hierzu seine Vorbereitungen getroffen. Noch in der Nacht ließ er am Maienberg (bei Erlenbach) sechzehn schwe­re Geschütze in Stellung bringen, die den Übergang seiner Truppen über die Lauter decken sollten.

 

Um 7 Uhr früh entbrannte der Kampf. Die Franzosen überschritten die Lauter und schwenkten jenseits des Lauterbachs nach Süden ein. Auf die entsprechende Meldung des Generals Kalckreuth hin begab sich der Herzog persönlich nach Morlautern und nahm auch gleich Verstärkungen mit. Um Kalckreuths Truppen dem mörderischen Feuer vom Maienberg zu entziehen, ließ er sie aus dem Otter­bachtal auf die Hochfläche zurückgehen. Hier marschierte Bataillon neben Bataillon in langer Reihe auf, der rechte Flügel durch Ka­vallerie gedeckt. Indessen drang der Feind vor und brachte auf dem Osterberg (unweit Morlautern) sechsundzwanzig schwere Ge­schütze in Stellung, un­ter deren Feuer es ihm gelang, sich der Stellung der Preußen zu nähern. Am rechten Flügel stieß Hoche jedoch bei dem Versuch, von Erlenbach her den Flügel zu umklammern, auf die preußische Kavallerie, die sogleich zur Attacke anritt und den Gegner zusammenhieb. Auch die Angriffe vom Ruhetal und vom Osterberg her scheiterten am Feuer der Preußen, und insbeson­dere durch eine Attacke sächsi­scher Reiter unter persönlicher Führung des Herzogs. So ging der Tag für Hoche erfolglos zu Ende. Aber erst in den Abendstunden ver­stummte nach und nach der Kampflärm. Der Herzog, selbst leicht verwundet, ergriff für die Nacht alle erdenklichen Vorsichtsmaßnah­men.

 

Kaum begann der Morgen des 30. November zu grauen, als auch schon der Kampf von neuem begann. Es gelang den Franzosen, den Bornberg (östlich von Erlenbach) zu besetzen, doch wurden sie von sächsischen Bataillonen alsbald wieder zurückgeworfen und im Nachstoß sogar vom Buchberg verjagt. General von Kalckreuth wurde hierbei verwundet. Hoche sah nun von erneuten Angriffen ab, da sich bei seinen Truppen bedenklich nachlassende Kampfeslust, vor allem aber erheblicher Munitionsmangel einstellte. Trotz hefti­gen Nachdrängens des Gegners gelang es ihm aber, beim Zurückgehen die Ordnung leidlich zu wahren und insbesondere seine Ge­schütze zu retten.

 

Inmitten dieser Geschehnisse erhielt der Herzog die Meldung, daß die Galgenschanze mit starken Kräften angegriffen würde. Er brach sofort mit entbehrlichen Kräften auf, dem Herzog von Weimar zu Hilfe zu eilen, der von Taponier mit starken Massen umfaßt zu werden drohte und vom Lämmchesberg durch Artillerie heftig beschossen wurde. Gerade noch zur rechten Zeit - da sich die Ba­taillone bei den mehrfachen Angriffen der Franzosen schon verschossen hatten und zurückgingen - griffen die Verstärkungen in den Kampf ein, wodurch der Gegner schließlich gezwungen wurde, in die Wälder zurückzuweichen. Gegen drei Uhr verstummte aber auch hier der Kampflärm, Hoche hatte sich genötigt gesehen, auf der ganzen Linie den Kampf abzubrechen. Am nächsten Morgen war er verschwunden, jedoch bereits mit neuen Plänen und auch Weisungen, nämlich denen, nunmehr beim Entsatz von Landau ent­scheidend mitzuwirken. Der Her­zog von Braunschweig sah unverständlicherweise von einer Verfolgung ab. Neue Risiken wollte er eben nicht eingehen, da der Winter vor der Tür stand.

 

 

 

f. Landau wird entsetzt:

Indessen hatten die Franzosen vom Nationalkonvent strengsten Befehl erhalten, Landau zu entsetzen. “Landau ou la mort“, hieß die Pa­role. Daher galt es, zunächst Wurmser aus dem Elsaß zu verjagen, nachdem man ihn durch fortgesetzte Angriffe mehr und mehr ge­schwächt und zermürbt hatte. Seine Stellungen waren allmählich unhaltbar geworden. Es gelang dem Gegner, dessen Stärke sich nach der Vereinigung mit Hoche’s Moselarmee auf 90000 Mann belief, mit Todesverachtung am 22. Dezember die Redouten von Reichshofen und Wörth zu stürmen und die österreichischen Linien von Fröschweiler zu durchbrechen. Im letzten Augenblick hatte der Herzog von Braunschweig, der über Edenkoben und Landau nach Bergzabern geeilt war, versucht, die Lage zu retten, noch es war bereits zu spät. Am 26. Dezember wurden Wurmser’s Truppen am Geisberg bei Weißenburg geschlagen. Der österreichische Oberbefehlshaber sah am Ende nur noch die Möglichkeit, auf der Linie Germersheim-Philippsburg über den Rhein zurückzugehen, um die Trümmer seines Heeres in Sicherheit zu bringen. Auch die preußische Armee, deren Führung die Hoffnung auf einen wenigs­tens leidlichen Ausgang dieses Feld­zuges aufgegeben hatte, mußte jetzt den Rückzug antreten und die Belagerung Landaus aufheben. Am 27. Dezember 1793 hielt Gene­ral Hoche, nunmehr Generalissimus beider Armeen, unter dem Jubel der Bevölkerung seinen Ein­zug in die befreite Festung.

 

So hatte denn auch dieses Kriegsjahr einen bösen Ausgang genommen. Der Herzog von Braunschweig reichte noch an dessen Ende sein Entlassungsgesuch ein und bat darin den König, das Oberkommando im neuen Jahre einem Manne anzuvertrauen, der „plus de bonheur et plus de forces“ besitze als er. “Die Gründe”, schrieb er, „die mich zwingen, meine Abberufung zu erbitten, sind auf die von mir gemachte unglückliche Erfahrung begründet, daß der Mangel an Übereinstimmung, die Selbstsucht und der Geist der Kabale unaus­gesetzt alle getroffenen Maßregeln vernichtet und die von den vereinigten Armeen gemeinschaftlich getroffenen Dispositionen vereitelt haben.“ Offenbar meinte er insbesondere die Weigerung Wurmsers, während des Winters hinter die Sauer zurückzugehen. An des Her­zogs Stelle trat alsbald der alte Feldmarschall von Möllendorff (am 18. Januar 1794 wurde Wurmser nach Wien zurückbe­rufen, um wei­tere Zwistigkeiten zwischen ihm und dem preußischen Oberkommando zu verhindern).

 

 

 

g. Der Winter 1793/94:

Den zurückweichenden Truppen der Alliierten waren die republikanischen Scharen auf dem Fuße gefolgt, denen sich die berüchtig­ten Entleerungskommissionen angeschlossen hatten, die „unabhängig von den Befehlshabern der republikanischen Truppen diesen schau­derhaften Entschluß (der Ausleerung der Pfalz) vollstrecken sollten“. Mit welcher Härte vorgegangen wurde, sei am Beispiel von Edenko­ben geschildert. Auch hier traten drei Vertreter der ‘Ausleerungskommission’ in Tätigkeit, die von der Gemeinde Liefe­rungen und Geld­leistungen ungeheuerlichen Umfangs forderten. Der Gerichtsschreiber Hügler berichtet, am 16. Februar 1794 sei der Präsident der Aus­leerungskommission in höchsteigener Person erschienen und habe aus der katholischen Kirche alles, was irgend von Wert, entführt. Die Hostien habe man zerstreut und zertreten. Am nächsten Tag seien vom Turme der reformierten Kirche zwei Glocken, die eine von 18 und die andere von 12 Zentnern, herabgenommen worden. „Die größte“, fährt er fort, „samt der Uhr wur­den auf vieles Bitten gerettet. Die beiden Glocken der katholischen und der lutherischen Kirche von je 170 Pfund wurden ebenfalls herabgeworfen und weggeführt.“ Alle drei Kirchen seien alsdann geräumt und als Magazine verwendet worden. Am 8. März sei dann gleich eine ganze Schar“ von Kom­missaren in Edenkoben eingeschwärmt. Man habe bei jeder Gelegenheit abscheulich auf den Kur­fürsten von dar Pfalz und auf seine Be­amten geschimpft und habe überall die Zimmerwände und Böden aufbrechen lassen, um ver­stecktem Geld und Wertsachen nachzuspü­ren. Auch habe man allen Wein abgeführt. An der Wohnung des Oberschultheißen von Täuffenbach sei alles Holzwerk im Innern her­ausgebrochen und dieses für die dem Haus gegenüber angelegte Schnapsbrennerei ver­wendet worden. Am 19. April schließlich wären dann vor dem Rathause alle Bilder, Fahnen und Zeichen „der früheren Unter­drückung und Knechtung“ verbrannt worden. Unter wildem Getümmel habe man sodann den Freiheitsbaum errichtet.

 

Während dieser Zeit lag das preußische Heer in den Ortschaften zwischen Oppenheim und Bingen in Winterquartieren, von wo aus stär­kere Vorposten und Patrouillen, die ständigen Plänkeleien und Überfälle durchzuführen und durchzustehen hatten, weit vorge­schoben waren. Einer der Tätigsten war der Obrist Blücher, der zu Beginn des Jahres 1794 mit seinen Truppen Quartiere um Alzey herum bezo­gen hatte (Das in Pommern garnisonierende Regiment, dem Blücher zunächst als Bataillonskommandeur angehörte, hatte erst am 17. November 1792 Marschorder erhalten und war im Februar 1793 auf den damaligen Kriegsschauplätzen eingetroffen. Das erste Bataillon, das Blücher zu jener Zeit kommandierte, machte den Feldzug in den Niederlanden mit, während das zweite Bataillon zur Armee des Herzogs von Braunschweig stieß. Erst im Januar 1794 wurden die beiden Bataillone unter dem Kommando Blüchers wieder vereinigt).

 

Blücher erzählt in seinem Kampagne-Journal u.a., er habe damals eine Eskadron seines Regiments nach Offenheim vorgeschoben ge­habt, um sich in der linken Flanke vor Überraschungen zu sichern. Diese Eskadron sei aber fast Nacht für Nacht vom Gegner alar­miert worden, da dieser von Morschheim her im Schutze des Waldes bis nach Offenheim vorgefühlt habe. Blücher hatte sich daher entschlos­sen, diesem Treiben kurzerhand ein Ende zu setzen. Zu diesem Zwecke wurde ihm ein Füsilierbataillon und eine Jägerkom­pagnie zuge­teilt worden. Blücher berichtet selbst: „Der Feind stand mit 800 Mann Infanterie und 80 Mann Kavallerie in Morschheim und hatte in dem vor Offenheim liegenden Wald einen Vorposten von 200 Mann Infanterie; diesen mußte ich zuerst zu überwältigen suchen. Ich nä­herte mich demselben mit möglichster Stille, ließ dann mein Detachement Halt machen und wies nun einem jeden sei­nen Platz an.“ Die Füsiliere und Jäger ließ er mit größter Vorsicht die feindlichen Posten umzingeln, während er sich selbst mit drei Husareneskadrons in der Nähe des Waldes gedeckt aufstellte, „um so à porté zu sein, daß wenn der Feind sich aus demselben über die Plaine auf Morsch­heim zurückziehen sollte, ich ihn attackieren könnte”. Der Überfall gelang. Die Franzosen hatten sich, ohne et­was von der Nähe des Gegners zu ahnen, ohne Sicherungen zur Ruhe niedergelegt. Da tauchten plötzlich die Füsiliere aus der Dun­kelheit auf. Was sich von den Franzosen noch davonmachen konnte, eilte auf Morschheim zurück. Nun aber drang Blücher „mit zwei Eskadrons auf sie ein, der größte Teil wurde niedergehauen und es entkam kein Mann“. Gleich hernach kam es am Dorfeingang zu heftigen Kämpfen. „Der Feind ... machte ein lebhaftes Feuer, unsere Füsiliers, die, um das Dorf geschwind zu erreichen, sich an die Steigbügel der Husaren an­gefaßt hatten, erwiderten solches und die Wagen (mit denen der Dorfeingang verrammelt war) wurden aus dem Wege geräumt ... Es entstand eine wahre Massacre; der Feind schoß aus Fenstern und Läden und wollte sich auf dem Kirchhof setzen; ich eilte noch mit 1 Eskadron zum Soutien ins Dorf, wir warfen alles über’n Haufen.“ Solche Überfälle und Attacken, wie von Blücher berichtet, erfolgten auch weiterhin überall bis in den Mai hinein.

 

Inzwischen war an die Stelle des Herzogs von Braunschweig im Oberkommando des Heeres der siebzigjährige Feldmarschall von Möl­lendorf (Wichard Joachim Heinrich v. Möllendorf, geb. 7.1.1724, gestorben 28. 1. 1816. 1746 ernannte ihn Friedrich d. Gr. zum Kapitän im Regt. Garde. Als solcher focht er bei Roßbach und bei Leuthen, woselbst er für die Wegnahme des Dorfes den Orden pour le mérite erhielt. 1758 wohnte er als Kommandeur des III. Batl. Garde dem Überfall von Hochkirch bei. Von Möllendorf stand diesem Kriege am Rhein, der nach seiner und der Anschauung einflußreicher Kreise in Potsdam nurmehr im Interesse Österreichs ge­führt wurde, völlig ab­lehnend gegenüber. Er hätte am liebsten gesehen, wenn Preußen jetzt schon aus der Koalition ausgeschieden wäre und sich ganz sei­nen Interessen im Osten zugewendet hätte. So wollte er denn auch nichts von größeren Operationen des preu­ßischen Heeres wissen. Allerdings hatten sich Großbritannien und Holland durch den Haager Traktat vom 19. April 1794 verpflichtet, monatlich 50 000 Pfund Sterling an Subsidien zu zahlen. Vorerst also mußte wenigstens der Schein gewahrt und der Krieg fortgesetzt werden.

 

 

h. Die Schlacht bei Otterbach - der Angriff auf das Korps Ambert am 23. Mai 1794:

Da die Unterhandlungen über die Subsidienzahlungen sich monatelang hinzogen, blieb das preußische Heer bis in den Mai hinein untät­ig in den Winterquartieren. Die preußisch-sächsische Armee in Stärke von 55 000 Mann stand zwischen Kreuznach und Gunters­blum. Der K.K. General von Blankenstein stand mit einem schwachen Korps Österreicher in Trier und sollte die Verbindung mit Lu­xemburg und den Niederlanden aufrecht erhalten, wo sich etwa 161 700 Mann unter dem Prinzen von Coburg befanden. Am 16. Mai endlich fand in Mainz zwischen dem Feldmarschall von Möllendorf, mehreren hinzugekommenen preußischen Ministern und dem vom Reichsfeldmar­schall, dem Herzog von Sachsen-Teschen, hinzu beorderten Generaladjutanten Freiherrn von Seckendorf eine Be­sprechung und Bera­tung über die zu unternehmenden Operationen statt. Es galt, den Feind hier am Oberrhein mit Nachdruck anzu­greifen, um so das Ab­ziehen französischer Truppenteile nach der niederländischen Front zu verhindern. Die ursprünglichen Planun­gen, den Feldzug im Norden zu eröffnen und das preußische Heer zum Flankenangriff gegen die französische Nordarmee und her­nach zum gemeinsamen Vorstoß auf Paris anzusetzen, hatten im preußischen Hauptquartier schroffe Ablehnung gefunden. Der neue Plan fand jedoch Möllendorfs zö­gernde Zustimmung; er erklärte sich einverstanden, zugleich mit dem Hauptschlag, der gegen das Ambert’sche Korps bei Kaiserslautern spricht sein sollte, nach rechts die Verbindung zu den Österreichern in Trier zu sichern und links in der Rheinebene den Feind durch den Erbprinzen von Hohenlohe-Ingelfingen zu binden. Sein Hauptquartier verlegte er nach Kirchheimbolanden. Der 23. Mai wurde zu einem blutigen Tage, nicht nur für die Franzosen bei Kaiserslautern, sondern auch am Rehbach für die an Hohenlohe in der Rheinebene ange­lehnten Österreicher unter dem Fürsten Hohenlohe-Kirchberg.

 

Schon am frühen Morgen des 23. Mai wurde die erste Linie der Franzosen bei Otterbach angegriffen, um die feindliche (weiter S. 34) +++++

 

 

i. Gefechte um Frankenthal 1794:

Nachdem gegen Ende des Jahres 1793 der K. K. General Dagobert von Wurmser nach anhaltenden, blutigen Kämpfen aus dem Elsaß verdrängt und gezwungen worden war, sich auf das rechte Rheinufer zurückzuziehen, mußte infolgedessen auch die preußische Ar­mee die Belagerung Landaus aufgeben und den Rückzug auf Mainz antreten. Der preußische Oberkommandierende, Herzog Karl Ferdinand von Braunschweig, hatte daraufhin seinen Abschied erbeten. An seine Stelle war der alte Generalfeldmarschall von Möl­lendorf getreten, der diesem Kriege am Rhein von vorneherein ablehnend gegenüberstand. Er wollte sich deshalb auch 1794 nicht auf irgendwelche grö­ßere Operationen einlassen und verschwendete die Zeit mit Besprechungen und Verhandlungen bis in den späten Mai hinein. Während all dieser Monate lag das preußische Heer in den verstreuten Ortschaften zwischen Oppenheim und Bingen in engen Winterquartieren und hatte sich gegen Überraschungsangriffe der Franzosen durch stärkere, vor allem aus Husaren und leich­ten Fußtruppen (Jägern und Füsilieren) zusammengesetzten Detachements gesichert.

 

Diese hatten naturgemäß ständige Plänkeleien und Überfälle zu bestehen, bzw. durchzuführen. Einer der tätigsten „Vorpostenkommand­eure“, der damalige Husarenobrist Blücher, hat in seinem Kampagne-Journal ausführlich und packend von solchen Über­fällen und „Ne­ckereyen“ erzählt, die sich in der Umgegend von Alzey zur damaligen Zeit abgespielt haben. Den Anschluß an Blü­chers linken Flügel hatte das Vorpostendetachement des Generals von Wolfrath, das ebenfalls aus Husaren und leichten ‘Truppen be­stand und in der Ge­gend von Worms postiert war.

 

Bei dem allgemeinen Rückzug im Dezember 1793 war Frankenthal, das zu dem Wolfrathschen Abschnitt gehörte, unbesetzt geblie­ben und den nachdringenden Franzosen überlassen worden, die denn auch den Einwohnern mit Plünderungen und „Entleerungen“ bald übel zusetzten. Ende Januar 1794 aber räumten sie unerwarteterweise die Stadt wieder, da zu dieser Zeit eine Neugruppierung der Rhein- und Moselarmee durchgeführt wurde. Von nun ab erschienen bald französische, bald preußische Patrouillen an den Toren, und nicht sel­ten kam es auch zu Scharmützeln, wenn just Streifen beider Parteien dort zusammentrafen. Im allgemeinen handelte es sich dabei aber meist nur um kleinere Raufereien, bis dann am 1. Mai 1794 sich doch ein ernsteres Gefecht entwickelte. Ich zitiere hier einige Sätze aus Remlings „Die Rheinpfalz in der Revolutionszeit von 1792 bis 1798:

 

„Am Morgen des 1. Mai schlugen sich die Freihusaren des Regiments Wurmser (also Österreicher) wieder mit einem Haufen feindli­cher Kavallerie zwischen Mundenheim und Oggersheim herum, während ein anderes feindliches Korps sich in Frankenthal und der umliegen­den Gegend mit Brandschatzen und Plündern beschäftigte. Die Tore von Frankenthal waren bei Ankunft der Franzosen ge­schlossen, sie sprengten diese daher mit Kanonen. Der schwache preußische Posten daselbst mußte sich zurückziehen und einige Ge­fangene zurücklassen. Schon morgens 4 Uhr kam die Nachricht nach Worms, daß die Feinde in vollem Anzuge gegen Frankenthal seien. Die Husaren des Regiments “Wolfrath“ rückten gleich vor ... Die Franzosen hatten, etwa 6000 Mann stark, in drei Kolonnen die sämtli­chen Vorposten der Preußen angegriffen. Eine Kolonne zog gegen Mutterstadt, um die Österreicher in der Rheinschanze zu beobachten. Eine andere Kolonne nahm ihre Richtung gegen Frankenthal und Worms. Hierbei kam es zu einem heftigen Scharmüt­zel. Die Preußen verloren 7 Husaren, einer derselben wurde gefangen. Dagegen wurden 10 Franzosen von den Preußen gefangen und 13 Pferde einge­bracht. Die Fliehenden wurden von den Husaren des Regiments ,Wolfrath‘ bis nach Eppstein verfolgt.“

 

Das weitere kriegerische Geschehen jener Zeit weist folgende Entwicklung aus. Noch manchen Tag dieses Maimonats 1794 verleb­ten die Frankenthaler Bürger in Ängsten und Sorgen, da die Franzosen noch mehrfach in die Stadt zurückkamen, um Nahrungsmittel und Futter zu requirieren. Schließlich aber rückten preußische Truppen, nachdem am 16. Mai Möllendorf mit Vertretern der österrei­chischen Armee entsprechende Entschlüsse gefaßt hatte, aus ihren Winterquartieren vor und befreiten Frankenthal vorerst aus seinen Nöten. Es galt nämlich, das französische Korps Ambert bei Kaiserslautern in die Zange zu nehmen, zugleich rechts die Verbindung zu den Österrei­chern in Trier zu sichern und links in der Rheinebene den Gegner zu binden. Doch leider kam schon im September der böse Rückschlag. Vom 20. bis 23. Oktober erfolgte der neuerliche Rückmarsch des Heeres an und sogar über den Rhein und wenig später gar das Aus­scheiden Preußens aus der Koalition.

 

Ein preußischer Kriegsteilnehmer beschreibt in seinen Erinnerungen an jenen letzten Rheinübergang des Möllendorfschen Heeres und setzt hinzu : „Selbst der General Wolfrath, der die braunen Husaren und leichten Truppen kommandierte, sagte beim Übergang: Es ist gut, daß ich auch einmal zur Ruhe komme, denn meine Kräfte reichen nicht hin, noch länger als drei Jahre hindurch gewisser­maßen die Feldwache zu haben.“ Blücher würde wohl anders gesprochen haben. (aus: Schütte, Ludwig: Ein Ölgemälde von den Kämpfen um Fran­kenthal 1794, in: Pfälzer Heimat 1968, S. 138 / 139).

 

 

j. Blücher, der General „Vorwärts“ in der Pfalz:

Gebhard Leberecht Blücher, Fürst von Wahlstatt (1742-1819), der legendäre Haudegen und volkstümlichste Held der Deutschen in den Befreiungskriegen erlebte eine höchst seltsame Karriere: Mit 19 Jahren preußischer Kornett, eben 31 Jahre alt aber von Friedrich dem Großen mit dem Wunsch, er möge „zum Teufel gehen“ aus der Armee verabschiedet, kommandiert er, von des ungnädigen Kö­nigs Nachfolger wieder in den Dienst genommen, als 52jähriger ein Husarenregiment im Koalitionskrieg gegen die französischen Revolutions­heere. In vorderster Front nahm er, 64 Jahre alt, 1806 an der verhängnisvollen Schlacht von Auerstedt teil und gewann schließlich, nun 73 Jahre alt, als preussischer Oberbefehlshaber und Feldmarschall bei Waterloo die letzte entscheidende Schlacht ge­gen Napoleon.

 

Der Draufgänger mit Temperament, einem unbeugsamem Willen und prächtigem Optimismus begabt, hat trotz seiner mangelhaften Schreibkünste umfangreiche Korrespondenz geführt und auch ein „Kampagne-Journal“ der Jahre 1793 und 1794 geführt, das detail­liert über den Feldzug in der Pfalz berichtet. Diese Erinnerungen, die mit dem „Marsch an den Rhein“ im Spätjahr 1792 beginnen und dem „Frieden von Basel“ im April 1795 enden, schildern über viele Seiten in die militärischen Ereignisse auf dem pfälzischen Kriegsschauplatz während des Sommers 1794.

 

Die Verbündeten wollten damals - um nach dem „Plünderwinter“ der Franzosen, der den Pfälzern so viel Leid und Lasten gebracht hat­te, eine Entscheidung erzwingen - erneut zur Saar und weiter nach Frankreich rücken. Feldmarschall von Möllendorff sollte dem preußi­schen rechten Flügel über Kaiserslautern, der Prinz von Hohenlohe den linken, österreichischen über Dürkheim nach Süden führen. Blü­chers Husaren, die durch drei Infanterie-Bataillone und zwei Jägerkompanien verstärkt waren, sollten zwischen den bei­den verbündeten Armeen operieren und sie - so der Plan - „ miteinander verbinden“. Am 23. April 1794 begann der Vormarsch.

 

Blücher, der am Morgen dieses Tages gegen Frankenstein vorrückte, traf dort auf erbitterten Widerstand: „Die Chaussee war auf bei­den Seiten vergraben und verhauen, hinter dem Verhau rechts vor Frankenstein stand ein starker feindlicher Infanterieposten, ich ließ den­selben durch Jäger und Schützen angreifen und nach Frankenstein hineinwerfen. Der Ort selbst war nicht anzugreifen, und da meine Bestimmung übrigens auf die Neustadter Straße ging ..., ließ ich, um mir den Rücken zu sichern, einen starken Posten auf der Steige stehen”.

 

Während sich die Franzosen schließlich in Richtung Neidenfels zurückzogen, kämpften sich die Preußen „höher hinauf“, um Weidenthal zu besetzen. Daß die Einheit aber nach Lage der Dinge auf keinerlei Unterstützung durch andere preußische Truppen rech­nen konnte, stellte sich spätestens dann heraus, als Kundschafter mit der Meldung zurückkehrten, es seien zwei feindliche Batail­lone im Anmarsch. Nun half nur noch eine List: Blücher hoffte, den französischen Kommandeur täuschen zu können und ritt ihm un­ter einer Parlamentärsflagge entgegen. Auf Rufweite schrie er dem General Cisée zu, er solle sich am besten auf der Stelle samt sei­nen Leuten ergeben, da sie ohnehin alle abgeschnitten seien. Ich hoffte um so mehr, daß das geschehen würde, weil er meine Stärke nicht überse­hen konnte.“ Glück hatte er mit diesem Versuch freilich nicht, die Aufforderung zur Kapitulation „wurde mit einer Ge­wehrsalve beant­wortet“. So blieb keine andere Wahl, als den Gegner „mit aufgepflanzten Bajonetten anzugehen ... Und da wir auf 30 Schritt an ihm wa­ren, stürzten sich alle mit Geschrei auf denselben los, er wurde über’n Haufen geworfen und völlig en deroute ge­bracht.“

 

Während am 25. Mai „bei Tagesanbruch die ganze Gegend mit einem dichten Nebel überzogen“ war, stellten Spähtrupps fest, daß die Franzosen während der Nacht heimlich das Tal geräumt hatten. Blücher nutzte diese überraschende Situation sofort aus: Da seine Vor­hut lediglich auf unwesentlichen Widerstand traf, erreichte das Gros der Truppen Neustadt noch vor Einbruch des Abends. Der Gegner hatte sichtlich eine Umgruppierung seiner Kräfte vorgenommenen und neue Bereitstellungsräume erst im Umfeld von Land­au „hinter der Queich“ und „auf der Walsheimer Höhe“ bezogen. Die Preußen stießen bis Edenkoben nach, und ihre Vorposten ver­schanzten sich, als die Verstärkungen aus der Dürkheimer Gegend eingetroffen waren, bei Edesheim und Kleinfischlingen.

 

Am 28. Mai jedoch gingen die Franzosen, für deren hastigen Rückzug keine schlüssige Erklärung vorliegt, „frühmorgens“ in zwei Kolon­nen wieder gegen Edenkoben vor. Auch von Kirrweiler her griff französische Artillerie in das Geschehen ein. Der in diesem Abschnitt kommandierende Prinz von Hohenlohe meinte gar, „man solle sich wohl, wenn man zu sehr gedrängt würde“, auf Neustadt zurückzie­hen; doch Blücher zog die wagemutige Attacke vor. Für detaillierte Pläne blieb ohnehin keine Zeit: Vier seiner Schwadro­nen befahl er, hinter einem Flügel versteckt zu halten und „bis zum letzten Augenblick dort zu bleiben.” Er schätzte richtig ein, daß von ihrem Flankenangriff im entscheidenden Augenblick der Ausgang des Gefechts abhängen werde. Die Vorhut führte Blüchers äl­tester, eben 16jähriger Sohn, der gerade zum Leutnant befördert worden war: „Major von Planitza stürzte mit seiner Eskadron in einen dichten Haufen feindlicher Infanterie und hieb mehrere hundert Mann nieder. Ich forcierte mit den übrigen Eskadrons das Dorf Kirrweiler, woselbst Kanonen und mehrere Ammunitionswagen in unsere Hände fielen; die hinter dem Dorf stehende Infanterie wur­de über’n Haufen geworfen; die braunen Husaren und einig Züge des Dragonerregiments von Schmettau stießen zu mir und halfen den Sieg vollkommen machen. Die feindliche Kolonne, völlig in Unordnung gebracht, floh. Wir verfolgten sie bis Fischlingen.“

 

Die Kunde von diesem Erfolg muß sich rasch bis zum Hauptquartier durchgesprochen haben, denn am 13. Juni erhielt der Oberst Blü­cher die „angenehme“ Nachricht, daß der König von Preußen „allergnädigst geruht hatten, mich zum Generalmajor und zugleich zum Chef des bisher vakant gewesenen Husarenregiments Graf von der Goltz zu ernennen“.

 

Damit, so vermerkte der Beförderte, sei „das Ziel meiner Wünsche erreicht.” Die Ruhe entlang der Front hielt während des ganzen Mo­nats Juni an. Der frischgebackene General hatte in Edenkoben Quartier bezogen. Seine Soldaten waren weitgehend in den Wein­dörfern der Umgebung untergebracht. So lagen zwei Eskadronen in Maikammer, andere Kompanien in St. Martin, und eine gegen Monatsende erreichte Frontbegradigung bezog auch Biwakunterkünfte „auf den Höhen hinter Venningen“ ein. Derweil besetzten aus dem Raum Neustadt anmarschierende Bataillone unter dem Kommando des Generals von Pfau das „Schänzel“ auf dem Stegerkopf am Ende des Edenkobener Tales und bauten Stellungen „auf der Platte im Gebirge“ aus: „Meine Vorposten-Chaine zog sich über Weyher, Hainfeld, Edesheim und links gegen Großfischlingen, wo selbst sie mit der des Generals von Wolfrath in Verbindung stand, die über Freimersheim nach Freisbach ging.” Bezüglich der Lage ist anzumerken, daß z. Zt. der Revolutionskriege durch Mißwirt­schaft in den Waldungen der Haingeraide das Gelände am Haardtrand derart abgeholzt war, daß die Umgebung des Schänzel ein baumloses schußfreies Glacis bildete (vgl. Müller, Forstamtsassessor: Die Geschichte der pfälzischen Geraidewaldungen, in: Pfälzer Heimatbuch Band I, Hrsg. Pfälzer Wald­verein, Neustadt 1988, S. 30)

 

Daß man sich auf französischer Seite zur Entlastung des Landauer Raumes für eine Änderung der bislang abwartenden Taktik entschloss­en hatte, zeigte sich unmittelbar zu Beginn des folgenden Monats: Die Soldaten der Republik rückten am 2. Juli „frühmorgens mit einem starkem Detachement von der Walsheimer Höhe und der Nußdorfer Höhe vor”, drängten die preußischen Vorposten bei Edes­heim, Rhodt und Weyher im ersten Anlauf zurück: „Der Feind avancierte bis hinter den links bei Edesheim liegenden Bruch und placierte dort vieles Geschütz... Anfangs schien es nicht, als wenn er wirklich offensive Absichten hätte, bald aber begann von Rhodt und Weyher her seine Attacke, indem er durch mehrere Bataillone Infanterie meine in den Weinbergen zwischen Edenkoben und dem Gebirge pos­tierten Füsiliere und Jäger angreifen ließ.“

 

Das französische Artilleriefeuer wurde schon bald so stark, daß Blücher mit seinen „reitenden Kanonen... nichts mehr ausrichten konnte und sie daher zurückziehen mußte. „Seine Husaren konnte er „der immer heftiger werdenden Kanonade nicht entziehen, weil ich den Feind verhindern wollte, aus Edesheim zu debouchieren, und ich überhaupt fest entschlossen war, meine Stellung bei Eden­koben zu be­haupten; ich mußte daher mit Leidwesen meinen nicht zu verhütenden Verlust an Leuten und Pferden ansehen.“

 

Für den Augenblick gelang es zwar, den von den Franzosen vorgetragenen Kavallerieangriff gegen Edenkoben abzuschlagen, doch die von den Kundschaftern zugetragene Neuigkeit, der Gegner habe Order vom Pariser Nationalkonvent erhalten, „uns anzugreifen und zu schlagen, es koste, was es wolle”, ließ nichts Gutes erwarten: „Den 12. bemerkte ich schon viele Bewegungen beim Feinde... Gegen Abend ritt ich noch durchs Edenkobener Tal nach dem Jägerposten im Krautgarten, welcher zur Brigade des Generals von Voss gehörte, der unter dem General von Pfau mit auf dem Schänzel stand; der Jägeroffizier sagte mir: er habe verschiedene Trupps vom Feinde am jenseitigen Abhang der Gebirge marschieren sehen, die, so viel sichs bemerken ließe, ihren Marsch nach dem Schän­zel zu nähmen; um mich gewisser hiervon zu überzeugen, stieg ich vom Pferde und schlich mich durchs dicke Gebüsch vor; nun konnte ich selbst deutlich sehen, daß eine feindliche Infanteriekolonne nach oben angeführter Richtung in Marsch war. Ich schickte sogleich den Grafen von Goltz zum General Pfau und ließ ihn von meinen gemachten Entdeckungen avisieren mit dem Hinzufügen, daß ich versichert sei, er würde am anderen Morgen angegriffen werden.”

 

Der erwartete Angriff galt indes nicht nur dem Schänzel, sondern wurde auch am Gebirgsrand gegen Rhodt und Weyher vorgetragen: „Salve um Salve fegte durch die Weinberge, zerfetzte das Laub und hämmerte in die preußischen Barrikaden. Die französischen Soldat­en erhoben sich aus der Deckung und rückten in Wellen unter den Kastanien vor.” Es muß ein heißer Tag gewesen sein: „Eine Menge Tote lagen schon hingestreckt ... Der Feind hatte einige Piecen in Gange; jetzt mit meinen wenigen Kanonen noch länger Wi­derstand zu leisten, wäre Vorwitz und Tollkühnheit gewesen; ich gab solchen daher die Order, sich zurückzuziehen.“ Eine im rechten Augenblick be­fohlene Attacke, „zu der ich alle Trompeter blasen ließ”, schaffte den bedrängten Verteidi­gern etwas Luft, und als am Nachmittag gegen 4 Uhr - die Kämpfe hatten den ganzen Tag über getobt - österreichische Verstärkung heraneilte, konnte man sogar den Gegenschlag wagen. Prinz Louis Ferdinand von Preußen „sprang - kaum war dieser Entschluß ge­faßt - auch schon vom Pferde, vereinigte seine Infan­terie mit der meinigen und stürzte mit der ganzen Linie auf den Feind, welcher in großer Bestürzung floh.“

 

Allerdings kam dann „gegen 9 Uhr Abends die Hiobsbotschaft: den Franzosen war es nach stundenlangem, zunächst vergeblichem An­rennen gegen die Waldstellungen gelungen, das Schänzel im Sturm zu nehmen. Dieser Erfolg zwang „unsere sämtlichen im Gebir­ge, auch bei Johanniskreuz und Trippstadt gestandenen Truppen, sich zurückzuziehen.” Damit war eine von Grund auf veränderte Lage ent­standen, und der kommandierende Prinz von Hohenlohe sah sich gezwungen, mit seinem Korps ebenfalls nach Norden zurückzuweic­hen. Blücher, durch diese unangenehme Nachricht „wie vom Blitz getroffen“, erhielt Befehl, mit seinen Truppen die Nachhut zu bilden: „Schon hörte man bei St. Martin, welches ganz in unserem Rücken lag, schießen. „Der triste Marsch dauerte bis in die frühen Morgen­stunden des folgenden Tages; erst dann wurde kurze Rast eingelegt. Es galt, Neustadt so zeitig zu erreichen, daß man provisorische Verteidigungsstellungen beziehen konnte, ehe die nachdrängenden Franzosen „aus den Hügeln auftauchten” und wenig später bereits „verschiedene feindliche Kavallerieoffiziere, die wahrscheinlich Kühnheit zeigen wollten, wild auf uns herange­sprengt kamen.” Am ande­ren Morgen - es war der 15. Juli - „rückte der Feind mit einer ansehnlichen Force vor”, während sich das preußische Korps, das „auf den Höhen bei Mußbach” in Schlachtordnung stand, weiteren Kämpfen „durch Zurückgehen längs dem Gebirge durch die Weingärten” ent­zog. Nach mancherlei Geplänkel bei Winzingen, in der Gegend von Haardt und Königsbach, er­reichte Blüchers Nachhut Ungstein, „die Stadt Bad Dürkheim im Rücken habend“. Der Prinz von Hohenlohe hatte sein Lager bei Herxheim am Berg aufgeschlagen. „Den 17. Juli rückte unser Korps bis in die Position bei Pfeddersheim.“

 

Was Wochen zuvor mit viel Schwung begonnen hatte, war nun zur „Retraite“ geraten. Blücher fand dennoch bei einer Reihe kleine­rer Zusammenstöße mit den Franzosen „Befriedigung und Anerkennung”, ja der König übersandte ihm am 27. August gar den Roten-Adler-Orden.

 

Da sich der französische Druck nach der Umgruppierung der feindlichen Streitkräfte zu einer „neuen Rhein-und Mosel-Armee „stei­gerte, wurden die Verbündeten nach und nach, obwohl sie eine Bastion an der Hauptstraße nach Kaiserslautern zu behaupten suchten, stetig weiter zurückgedrängt. Die Kämpfe in den Wäldern gerieten zusammenhanglos, Dörfer wechselten wieder und wieder den Be­sitzer. Die Blücher´schen Abteilungen setzten sich aus dem Kaiserslauterer Raum über Ramstein, Weilerbach, Rodenbach und Stein­wenden bis zum Glan hin ab. In den Notizen des Generals tauchen neben den genannten noch eine ganze Reihe pfälzischer Ortsna­men - so auch Münchweiler, Kleinbockenheim oder Kirchheim - auf, bis er „den 23. Oktober“ den Strom passierte, um „wieder zum Korps des Prinzen von Hohenlohe zu kommen”. Mit diesem Übergang endete die Kampagne von 1794.

 

Es hat dann nahezu 20 Jahre gedauert, bis Gebhard Leberecht von Blücher nach diesen zwei Jahrzehnten der Erniedrigung und Fremd­herrschaft in der Neujahrsnacht 1814 als Oberbefehlshaber der II. Schlesischen Armee den Rhein bei Kaub in umgekehrter Richtung wieder überschritt, um nun von Lauterecken aus einen ersten Aufruf an die Bewohner des befreiten Landes zu richten. Drei Monate spä­ter zogen die siegreichen Verbündeten in Paris ein, und wenige Tage danach dankte Kaiser Napoleon I. ab (aus: Wien, Ludwig: "Den Generalsrang holte er sich bei Edenkoben - Notizen aus Blüchers ‘Kampagne-Journal’ 1794, in: ‘Die Rheinpfalz’ vom 4. Oktober 1986).

 

 

Literatur:

- Blücher, Gerhart Leberecht von: Kampagne-Journal der Jahre 1793 und 1794, Hamburg 1866

- Dolínek, V. u. Durdík, J.: Historische Waffen, Augsburg 1996

- Fiedler, Siegfried: Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Revolutionskriege, Reihe Heerwesen der Neuzeit Abteilung III: Das Zeitalter der Revolutionskriege, Band 2: Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Revolutionskriege, Koblenz 1988

- Hoffmann, Karl: Die Schlacht bei Pirmasens am 14. September 1793, in: Pfälzer Heimat 1978, S. 45

- Militärgeschichtliches Forschungsamt: Deutsche Militärgeschichte 1648-1939, herausgegeben vom Militärgeschichtliches Forschungsa­mt, Bd. 6

- Mörsch, Karl: Geschichte der Pfalz - Von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert, Pfälzische Verlagsanstalt Landau 1987

- Ortenburg, Georg: Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Revolutionskriege, Reihe Heerwesen der Neuzeit Abteilung III: Das Zeitalter der Revolutionskriege, Band 1: Waffe und Waffengebrauch im Zeitalter der Revolutionskriege, Koblenz 1988, S. 64 ff

- Schütte, Ludwig: Friedrich Ludwig von Hohenlohe-Ingelfingen. Ein preußischer Offizier in den Koalitionskriegen gegen Frank­reich - Pfälzer Heimat 1985, S. 9 f

- Remling, Franz Xaver: Die Rheinpfalz in der Revolutionszeit von 1792-1798, 2 Bände, Speyer 1865

- Schütte, Ludwig: Die Kämpfe um Edenkoben, das Schänzel und Johanniskreuz während der französischen Revolutionskriege

- Stein, Günter: Festungen und befestigte Linien in der Pfalz und im nördlichen Baden, Teil III [Schluß], in: Pfälzer Heimat 1969, S. 8-13

- Wien, Ludwig: "Den Generalsrang holte er sich bei Edenkoben - Notizen aus Blüchers Kampagne-Journal’ 1794, in: ‘Die Rhein­pfalz’ vom 4. Oktober 1986

 

 

Ries:

Maßbezeichnung im Papierhandel; von mhd. ris(t), von arab. Ritma 'Ballen'; Papierzählmaß, früher 1 R = 20 Buch = 480 Bogen Schreib­papier oder 500 Bogen Druckpa­pier. Ab 1877 galt dann einheit­lich 1 R (Neu-Ries) = 1000 Bogen (Vgl. Brockhaus 18. Aufl. 1992, S. 409; Grimm: Deutsches Wörterbuch, a.a.O., Bd. 14, S. 930).

 

 

 

Römisches Recht und Rezeption:

mit der Rezeption des römischen Rechts ist der Vorgang gemeint, der schließlich zur Anerkennung des Corpus Iuris Civilis als im Heili­gen Römischen Reich geltenden Reichsrecht geführt hat. Die Rezeption minderte den bestehenden Charakter des Rechts als blo­ßes In­strument der Interessendurchsetzung, indem sie logische und nachvollziehbare juristische Formen schuf und so das Recht befä­higte, als fachjuristischer Konfliktlösungsmechanismus zu wirken (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Obgleich dem römischen Recht stets nur subsidiäre Bedeutung zukam („Landesrecht bricht Reichsrecht“), war sein auf seiner unangreifb­aren Autorität beruhendes faktisches Übergewicht so groß, dass es in der frühen Neuzeit das partikuläre deutsche Recht in der Rechtspraxis sehr weitgehend und in der Rechtstheorie fast vollständig verdrängen konnte. Dennoch umfasst der Prozess der Re­zeption mehrere Jahrhunderte. Als wichtigstes gemeinrechtlich-nationales Rechtssystem entwickelte sich das Ius Romano-Germanicum, das Römisch-Deutsche Recht (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Die historische Situation des Rechts vor Beginn der Rezeption war geprägt von Partikularismus als Folge des Untergangs Westroms im Jahre 476. Dieser hatte das in der Zeit des Niedergangs bereits vulgarisierte römische Recht im italienischen Kernbereich außer Geltung gesetzt. Während der Übergangsphase von der Spätantike zum Frühmittelalter (5. bis. 8. Jahrhundert) entstanden Germani­sche Stam­mesrechte, in denen mit wechselndem Gewicht germanische, römische und christliche Rechtsvorstellungen verschmolzen. Die folgen­den, von einem weitgehenden Verfall der Schriftkultur gekennzeichneten Jahrhunderte ließen die Kenntnis um die origina­len antiken Rechtsquellen im Westen weitgehend verschwinden. Dieser Zeitraum wird deshalb bisweilen als „dunkle Jahrhunderte“ bezeichnet (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Im 12. Jahrhundert herrschte eine allgemeine wissenschaftliche Aufbruchsstimmung, die eine Wiederbefassung mit klassischen Quel­len begünstigte. Die Entdeckung eines Textes der beinahe in Vergessenheit geratenen Digesten (Littera Florentina) um 1070 gab den An­stoß zu einer Rechtswissenschaft, die sich wieder mit dem römischen Recht beschäftigte, die nachfolgenden frühmittelalterlichen Rechtsaufzeichnungen als leges barbarorum („Barbarengesetze“) abtat und einen theoretischen Umschwung im Recht leistete. Insbe­sondere der Bologneser Rechtsunterricht auf Grundlage der antiken Quellen, den wahrscheinlich Irnerius einführte, muss in diesem Zu­sammenhang Erwähnung finden, kann er doch als Geburtsstunde fachjuristischer Ausbildung im Mittelalter gelten (Vgl. Internet­datei Wikipedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Die Pandekten erreichten große Bedeutung in der sich erneuernden Rechtswissenschaft. Sie wurden als ratio scripta, also geschriebe­ne Vernunft, angesehen, und nahmen einen Status ein, der dem der Bibel in der Theologie gleichkam. Dieses lässt sich leichthin mit der damaligen Vorstellung von der Herkunft des Rechts erklären. Anders als heute, war das Recht keineswegs eine Materie, deren Schaf­fung Sterblichen oblag. Recht wurde gemeinhin als „gottgegeben“ betrachtet (Naturrecht). Die Aufgabe bestand also nicht dar­in, Men­schenrecht zu schaffen, sondern das göttliche Recht zu erkennen und zu weisen. Sich hierbei auf tradierte Quellen berufen zu können, hieß in etwa, dass man das „Althergebrachte“ zur Argumentation zuzog - das Recht also, das schon von den Vorfahren er­kannt und ge­wiesen worden war. Das brachte den Pandekten den Status der ratio scripta ein. Juristische Prüfungen bestanden dementsprechend in der Exegese von Texten des römischen Rechts (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts breitete sich die römische Rechtswissenschaft in ganz Ober-und Unteritalien und bis nach Süd­frankreich aus. Nach scholastischer Sitte fand die Bearbeitung der Rechtstexte durch kommentierende Randbemerkungen (Glos­sen) statt. Man spricht daher auch von der Glossatorenzeit. End- und Höhepunkt dieser Bearbeitung war die Glossierung des Accursi­us, die eine eigene Rechtsverbindlichkeit erhält. Die Neugründung von Universitäten unterstützte die Ausbreitung des Rechtsunter­richts, so auch im Reich: Prag 1348, Wien 1365, Heidelberg 1386)(Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Die frühneuzeitliche deutsche Rechtsgeschichte zwischen 1500 und 1800 wird häufig in zwei Abschnitte unterteilt. In der ersten Pha­se so lautet ein gängiges Urteil der rechtsgeschichtlichen Forschung, soll das römische Recht in Wissenschaft und Praxis steig an Bedeut­ung zugenommen haben, in der zweite dagegen sei der Stern des römischen Rechts langsam aber sicher abgesunken sein. Ab wann man den Beginn dieser zweiten Phase datieren kann, wird in der Literatur unterschiedlich beantwortet. Einig ist man jedoch in der Auf­fassung, daß ein besonderes Merkmal der späteren Epoche darin bestand, daß die Bedeutung einheimischer Rechtsquellen wieder zu­nahm, nachdem in der Rezeptionszeit das wissenschaftlich bearbeitete römisch-kanonische Recht ganz im Vordergrund ge­standen hatte. Ferdinand Frensdorff prägte 1908 das plastische Wort vom „Wiedererstehen des deutschen Rechts“, und bereits im 19. Jh. sprach Ru­dolph Sohm von der „deutschen Gegenbewegung gegen den Angriff des römischen Rechts“ (Vgl. Oestmann: Aus den Akten des Reichs­kammergerichts, a.a.O., S. 1; mit Hinweis auf Luig, Klaus: Samuel Stryk [1640-1710] und der Usus modernus pan­dectarum; in: Michael Stolleis u.a. [Hrsg.]: Die Bedeutung der Wörter. Studien zur europäischen Rechtsgeschichte. Festschrift für Sten Gagnér zum 70. Ge­burtstag. München 1991, S. 219-235; Luig, Klaus: Römisches Recht, Naturrecht, Goldbach 1998, S. 91-107; Stintzing, Roderich: Ge­schichte der Deutschen Rechtswissenschaften Bd. I, München und Leipzig 1880, S. 652; Wieacker, Franz: Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, 2. Auflage Göttingen 1967, S. 212; Wiegand, Wolfgang: Die privatrechtlichen Rechtsquellen des Usus modernus; in: Dieter Si­mon [Hrsg.]: Alten des 26. Deutschen Rechtshistorikertages, Frankfurt 1987, S. 237-252).

 

Die im römischen Recht gebildeten Juristen fanden in erster Linie in den Verwaltungen Verwendung, da die eigentliche Rechtspre­chung weiterhin in den Händen von Laienrichtern lag. Die verschiedenen Regionalrechte blieben weiterhin als Statutalrechte ver­bindlich, wäh­rend das römische Recht nachrangig dazutrat („Landesrecht bricht Reichsrecht“). In der Rechtswirklichkeit kam es zu einer „osmoti­schen“ Durchdringung des Alltagsrechts durch römische Rechtsbegriffe (wie etwa die Bona fides), die in den Sprachge­brauch der Fach­juristen Eingang fanden (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Wichtig für das Fortschreiten der praktischen Rezeption war ferner die Popularisierung des rezipierten Rechts durch leicht verständli­che, deutschsprachige Rechtsbücher römisch-rechtlichen Inhalts, so namentlich und zuerst den Klagspiegel des Conrad Heyden (um 1436), sowie im 16. Jahrhundert u.a. Ulrich Tenglers Laienspiegel und Justin Goblers Rechtenspiegel. Derartige Schriften förderten das Eindrin­gen des römischen Rechts auch in die unteren Ebenen der Rechtspraxis, die zu dieser Zeit noch weitgehend von Nichtjuri­sten geprägt waren. Mittelbare Folge war eine verstärkte Verrechtlichung des Alltagslebens. Ähnliche Vorgänge der prakti­schen Re­zeption fanden in weiten Teilen Kontinentaleuropas statt. Nur England beschritt einen Sonderweg: da hier bereits eine for­malisierte Juristenausbildung in­stitutionalisiert war, die aber an den Universitäten vorbeiging, erreichte das akademische Recht die Praxis nicht (Vgl. Internetdatei Wiki­pedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Für die Rezeption haben natürlich auch politische Faktoren eine Rolle gespielt. Da gab es die besonders in der Stauferzeit starke Bestreb­ung, ein einigendes „Kaiserrecht“ einzuführen, wofür das römische Recht als geeignet angesehen wurde. Zur Festigung des Rei­ches wurde ab 1495 das Reichskammergericht (RKG) eingesetzt. Das Reichskammergericht beschäftigte auch ausgebildete Juristen und rekurrierte hauptsächlich auf das „reichsgemeine Recht“, also das Ius Civile. In so genannten „Untertanenprozessen“, aber be­sonders durch seine Appellationsmacht konnte das Gericht seine Rechtsprechung und damit römisches Recht auf die Einzelstaaten (Stände) wir­ken lassen. Die Spruchpraxis des Reichskammergerichts in Bauernprozessen wurde in einer umfangreichen Bauern­rechtsliteratur verfüg­bar gemacht. Insgesamt kann das Reichskammergericht als bedeutendste Instanz der praktischen Rezeption des römischen Rechts auf Reichsebene gesehen werden. Eine zweite Wirkung des RKG beschleunigte die Rezeption ebenfalls. Um als Landesherr das privilegium de non appellando vom Kaiser verliehen zu bekommen, also das Recht, seine Rechtsstreitigkeiten vom Reichskammergericht fernzuhal­ten, mussten akademisch gebildete Juristen als oberste Richter eingesetzt werden, die hauptsächlich römisches Recht studiert hatten. So fand das gemeine Recht auch auf Landesebene zu größerer Macht, da es zur Schließung partiku­larrechtlicher Lücken und Ausle­gungsfragen stets herangezogen wurde. Ihren Höhepunkt in Wissenschaft und Praxis fand die Rezept­ion im Alten Reich im usus moder­nus pandectarum. Auf der Ebene der Einzelstaaten fand das römische Recht Verwendung im Rah­men der Neukodifizierung der alten Partikularrechte. Im Ergebnis wurde es mit den gewachsenen lokalen Rechtsformen ver­schmolzen, so in den Stadtrechten der Hanse, aber auch in den Landrechten der Territorialstaaten (sog. Stadt- und Landrechtsrefor­mationen). Aus der Romanisierung entstanden so Mischrechte (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Die letzten Auswirkungen der Rezeption äußerten sich in Deutschland in jener Entwicklung, die letztendlich zur Kodifikation des BGB führten, nämlich die im 19. Jahrhundert auf Anregung Friedrich Carl von Savignys stattfindende historische Erneuerung, die eine Neube­fassung mit den römischen Rechtsquellen forderte, auf deren Grundlage ein allgemeines deutsches bürgerliches Recht ent­stehen sollte (Pandektenwissenschaft) (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Rezeption des römischen Rechts).

 

Erst als sich im 18. Jh. mehr und mehr die Vorstellung durchsetzte, daß unter positivem Recht allein ein einfaches, klares und feststellb­ares Gesetzesrecht zu verstehen ist, „das seinen Ursprung in der naturrechtlich untermauerten Gesetzgebungsgewalt des absolutistis­chen Fürsten hat […]“, sei das in der Gestalt einer communis opinio doctorum überlieferte römische Recht in seiner Kompli­ziertheit, Unklarheit und Manipulierbarkeit als allgemeine Grundlage des Rechts zunehmend ins Hintertreffen geraten (Vgl. Andreas, Daniel: Ge­meines Recht. Eine systematische Einordnung der Rechtsfigur und ihrer Funktion sowie die Bestimmung der inhaltlichen Probleme aus der Sicht des 18. Jahrhunderts; Diss. iur., Berlin 2003, S. 98).

 

Der Geltungsgrund des römischen Rechts erwies sich für die Rechtswissenschaft seit der Mitte des 17. Jh. als problematisch. Eine for­mell umfassende Geltung konnte sowohl über die Fiktion einer translatio imperii (Anm.: angeblich vom Kaiser veranlaßte Samm­lung und Übertragung ins hl. Römische Reich deutscher Nation) als auch mit der lange Zeit behaupteten Einführung durch einen for­mellen Ge­setzgebungsakt nicht mehr begründet werden. Auch die Annahme einer inhaltlich umfassenden gewohnheitsrechtlichen Geltung war für Deutschland mit Schwierigkeiten verbunden. Denn das römische Recht hatte in inhaltlicher und örtlicher Hinsicht teilweise gar nicht oder nur in ungeklärtem, jedenfalls aber in uneinheitlichem Umfang in die Rechtsprechungspraxis der Territorien Eingang gefunden. Die übliche Begründung für die Zulässigkeit der Anwendbarkeit des römischen Rechts in den Territorien über den tatsächlichen Gebrauch hinaus (Gestattungstheorie) ist aber auf der Grundlage der Erkenntnis von Hermann Conring ein In-sich-Schluß. Die Ansicht der Zuläs­sigkeit eines umfassenden Gebrauchs in allen Territorien wäre deshalb eigentlich zu verwerfen. Späte­stens gegen Ende des 18. Jh. hatte man darüberhinaus erkannt, daß man das römische Recht im Verhältnis zu einem umfassenderen Rechtskreis wegen seiner nur parti­kularen Geltung durch gerichtlichen Gebrauch am jeweiligen Ort durchaus auch als Partikularrecht in Anspruch nehmen konnte (Vgl. An­dreas, Daniel: Gemeines Recht. Eine systematische Einordnung der Rechtsfigur und ihrer Funk­tion sowie die Bestimmung der inhaltli­chen Probleme aus der Sicht des 18. Jahrhunderts; Diss. iur., Berlin 2003, S. 122).

 

Charakteristisch für den Pendelschlag in Richtung des einheimischen Rechts soll die verstärkte Hinwendung der Juristen zur deut­schen Rechtsgeschichte gewesen sein. Dem Sammelfleiß der sog. Germanistischen Rechtsantiquare verdanken wir u.a. heute noch wertvolle Editionen mittelalterlicher Rechtsbücher und partikularer Stadt- und Landrecht, z.B. Friedrich Esaias Pufendorf: Observa­tiones Juris uni­versi, Frankfurt und Leipzig 1744, Hannover 1748-1770. Die Frage, auf welche Weise verschiedene deutsche Rechts­wissenschaftler des 17. und 18. Jh. ein gemeines deutsches Gewohnheitsrecht konstruierten ist Gegenstand einer Untersuchung von Oestmann (Vgl. Oest­mann: Aus den Akten des Reichskammergerichts, a.a.O., S. 2).

 

 

 

Römisches Recht und Auslegung abweichenden Partikularrechts:

es galt der Grundsatz der strikten Interpretation des vom römischen Recht abweichenden Partikularrechts (Vgl. Oestmann: Aus den Ak­ten des Reichskammergerichts, a.a.O., S. 22; Coing, Helmut: Zur romanistischen Auslegung von Rezeptionsgesetzen; in: ZRG 56 [1936], S. 264-277).

 

 

 

Roggen:

lat. Secale cereale, ist eine in gemäßigten Breiten verbreitete Getreideart. Es gibt Sommer- und Winterroggen, wobei in Mitteleuropa fast ausschließlich Winterroggen an­gebaut wird. Winterroggen kann die Winterfeuchtigkeit besser nutzen und übersteht eine Frühjahrst­rockenheit leichter und ist deshalb im Kornertrag überlegen. Die Som­merform findet sich nur in Lagen mit Spätfrostgefahr und auf ex­ponierten Berglagen. Winterroggen benötigt zur Überwindung der Schosshemmung eine Vernalisation (Vgl. bezeichnet die na­türliche In­duktion des Schossens und Blühens bei Pflanzen durch eine längere Kälteperiode im Winter. Das Wort hat seinen Ursprung im lateini­schen 'ver­nalis' [dt. 'Frühlings...']) wie alle Wintergetreidearten. Um von der vegetativen Wachstumsphase in die generati­ve Phase zu gelangen, ist ein Kältereiz (Dauer und Tempera­tur sind relevant) notwendig. Nach der Abreife auf dem Halm hat der Rog­gen nur eine sehr kurze Keimruhe. Bei regnerischer Erntezeit be­steht die Gefahr, dass die Körner schon in der Ähre auskeimen und die Ernte nur noch als Futtergetreide verwandt werden kann.

 

Roggen ist besser an kühle und trockene Klimate angepasst als Weizen, und ist deshalb das Getreide der Regionen mit verbreiteten Sandböden. Roggen ist ein Lichtkeimer und stellt deshalb besondere Anforderungen an Saat, Saatbeet und Sähzeitpunkt. Männliche Pol­len und weibliche Blüte werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten aktiv, da­her ist Roggen in aller Regel ein Fremdbefruchter (im Gegens­atz zu anderen Getreidearten wie Gerste oder Weizen, bei denen die Selbstbefruchtung die Regel darstellt). Gezüchtet werden Hybrid­sorten und Populationssorten.

 

Geschichte: 1975 und 1978 wurden von Gordon Hillmann Roggenkörner und Ährenspindeln an zwei Stellen in steinzeitlichen Schichten (ca. 6600 v. Chr.) in Nordsyrien (Tell Abu Hureyra) nachge­wiesen. In Deutschland tauchen Roggenkörner in archäologi­schen Ausgrabun­gen erst relativ spät auf, nämlich 3000–3500 Jahre nach dem Be­ginn der Ackerbaukultur (Bandkeramik). Sie wur­den da­tiert auf das 6.–5. Jahrhundert v. Chr. (Hallstattzeit). Seit den 1980er Jahren werden neben den klassischen Populati­onssorten auch Hybridsorten ge­züchtet, die eine bessere Krankheitsresistenz, höhere Erträge (Heterosis-Effekt) und eine geringere Auswuchs­neigung aufweisen. Diese Hy­bridsorten sind allerdings wegen der geringeren Pollenausschüttung anfälliger für Mutterkorn.

 

Verwendung: Roggen wird besonders in Mittel- und Osteuropa als Brotgetreide verwendet. Darüber hinaus ist Roggen aber kaum ver­breitet, so dass der Anteil von Roggen an der Weltgetreideerzeu­gung bei nur einem Prozent liegt. In Deutschland wird Roggen vor allem in der Tierernährung als Futter-, Brotgetreide und neu als nachwachsen­der Rohstoff eingesetzt. Hier wurden im Jahr 2006 von 539.000 ha 2,6 Mio. t Roggen geerntet. Davon wurden u.a. 900.000 t für die Vermahlung eingesetzt.

 

Die Backeigenschaften des Roggenmehls sind grundsätzlich verschieden zu denen des Weizenmehls. Dies liegt hauptsächlich daran, dass im Roggenteig die Glutenmole­küle durch die Anwesenheit von Pentosanen (Schleimstoffe) kein Klebergerüst zur Gashaltung auf­bauen können. Diese Schleimstoffe haben beim Roggen etwa die gleiche Funktion wie der Kleber beim Weizen. Sie sind wichtig für das Wasserbindungs- und Wasserhaltungsvermögen der Mehle während der Teigführung und des Backvorgangs (Reiner et al., 1979, Winter­roggen aktuell). Roggengebäcke zeichnen sich im Ge­gensatz zu Weizengebäcken durch einen dunklen, festen und aro­matischen Teig aus, dem aber das "luftige" des Weizenteiges fehlt. Ein Roggenbrot besteht hauptsächlich aus verkleisterter Stärke. Da­her sind Roggen­teige dichter und enthalten weniger "Luftbla­sen". Oft werden aus Roggenmehl daher Mischbrote und Brote aus Vollkorn hergestellt. In feuchten Erntejahren besteht häufig die Gefahr des „Auswachsens“ der Körner auf dem Halm. Dabei werden Amylasen gebildet, die die Stärke abbauen. Um trotzdem zu verkaufsfähigen Produkten zu kommen, müssen die Roggenmehl-Teige auf je­den Fall gesäuert werden, das heißt, sie müssen einer Sauerteig-Führung (siehe auch Physiologie) unterworfen werden. Reines Roggenbrot ist Pumpernickel, das aus Rog­genschrot hergestellt und mehr gedämpft als gebacken wird. Pumpernickel ist eine westfä­lische Brotsorte (Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Roggen).

 

 

 

Rudera:

Anm.: von lat. Ruder, rude­ris = Schutthaufen

 

 

 

Scabinus:

lat. Schöffe

 

 

 

Schälgang:

auch Spitzgang genannt; in den Beschreibungen pfälzischer Mühlen ist er ab dem 16. Jh. fast für jeden Betrieb erwähnt. In der Pfalz wurde im Unterschied zu ande­ren Regionen zur Gewinnung von Weißmehl viel Spelz angebaut. Eine Eigenart dieser in der Pfalz heute nicht mehr kultivierten Ge­treideart war, daß beim Dreschen und Windmühlen die Spreu nicht vom Korn zu trennen war. Das gelang erst im Schälgang in der Mühle, und zwar durch das Scheuern der Körner an den weit gestellten, nicht geschärften Mahlstei­nen und durch das Scheuern der Körner untereinan­der. Die Spreu löste sich hierbei und mußte nun aus dem Gang entfernt werden. Dies geschah durch eine besonders konstruierte Windmühle (Gebläse), die in der Nähe des Mahlgangs angebracht und durch ein Holzrohr (Schälrohr) sowie einen schmalen Treib­riemen mit dem Schälgang verbunden war. Die Windmühle blies die Spreu durch ein weiteren Holzrohr in einen ab­geschlossenen Nebenraum, die *Spreukammer/Spraukammer (Vgl. Weber: Mühlen und Müller­handwerk, a.a.O., S. 75/76).

 

 

 

Scheffel:

= 2 Fünftel Malter

 

 

 

Schließ:

sie besteht aus einem massiven Brett in einer Nutenführung und reguliert den Wasserzulauf zum Mühlrad. In Bewegung gesetzt wird sie durch einen Wellbaum mit entsprechender Kette. Eine Schließ ist auch in das Wehr eingesetzt (Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandw­erk, a.a.O., S. 23).

 

 

 

Schoß:

über und durch diesen „schießt“ das Wasser zum Mühlrad, durch den „Leerschoß“ wird es abgeleitet, wen die Mühle stillsteht 187.

 

 

 

Schranze:

mundartlich auch Schrenze; mhd. Schranz, Riß, Spalte, Scharte. Die Schranzen sind die tieferen, gebogenen, fächerförmigen Rillen im Mühlstein; im oberen mehr zum Lüften, im unteren zum Transport des Mahlgutes von innen nah außen. Mundartlich „schrenzen“ heißt, solchen Rillen in den Mühlstein zu schlagen. Der Schranzenhammer mit gewürfelter Schlagfläche und die Zweispitz sind die Werkzeuge dafür 188.

 

 

Schweizer, Einwanderung:

sie kamen um 1664 in Zuge der kurpfälzischen Ansiedlungspolitik in die Kurpfalz, die Einwanderer waren größtenteils durch einen ge­scheiterten Bauernaufstand im Kanton Bern heimatlos geworden, der durch eine Wirtschaftskrise und dem strengen Regiment der Kan­tonsregierung ausgelöst war (Vgl. Rau: Geschichte von Schifferstadt, a.a.O., S. 25) und übernahmen in den unmittelbaren Nachkriegsj­ahren vielfach Bauernstellen in den pfälzischen Ämtern von Kraichgau bis in den Pfälzer Wald (Vgl. Schaab: Geschichte der Kurpfalz, a.a.O., S. 137). Nach neuerer Ansicht ist ein Klimawandel, sog. kleine Eiszeit für die Wanderungsbewegung ieL verant­wortlich (Vgl. Mül­ler, Hermann und Stefanie Müller: Klimawandel als Hauptursache für die Auswanderung aus dem Alpenraum zwi­schen 1650 und 1700; in Pfälzisch-Rheinische Familienkunde 2008, S. S. 409 ff).

 

Literatur:

- Drumm, Ernst: Die Einwanderung Tiroler Bauhandwerker in das linke Rheingebiet 1660-1730, Zweibrücken 1950

- Müller, Hermann und Stefanie Müller: Klimawandel als Hauptursache für die Auswanderung aus dem Alpenraum zwischen 1650 und 1700; in Pfälzisch-Rheinische Familienkunde 2008, S. S. 409

- Petto, Walter: Wanderungen aus Tirol und Vorarlberg in das Saarland, Saarbrücken 2000

- Petto, Walter: Die Einwanderung aus Tirol und Vorarlberg in die Saargegend, Saarbrücken 1976

- Schneider, Nina: Die Wiederbesiedlung der sickingschen Herrschaft Landstuhl nach dem 30jährigen Krieg, Magisterarbeit, Uni Mainz 1998

- Schweizer Einwanderer im Westrich 1650-1750; Zweibrücker Arbeitsgemeinschaft für Familienforschung, 195

- Steiner, Peter und Heinz R. Wittmer: Bemerkungen zum Buch "Schweizer (Einwanderer) in der Vorder- und Südpfalz"; in Pfäl­zisch-Rheinische Familienkunde 2003, S. 235

- Stopka, Günter: Schweizer Einwanderer aus Lenk im Simmental im Holzland; in Pfälzisch-Rheinische Familienkunde 2003, S. 229

- Stopka, Günter: Die Schweizer Vorfahren des Pfarrers Jacob Ludwig Gink; in Pfälzisch-Rheinische Familienkunde 2003, S. 234

- Stopka, Günter: Die Nachkommen des Hans und Peter Jaggi aus Lenk, Kanton Bern in der Pfalz, im 'krummen Elsass' und im 'Hanaue­rland'; in: Pfälzisch-Rheinische Familienkunde 2008, S. S. 415

- Wittner, Heinz R.: Die Schweizer Einwanderung in die Südpfalz: Wirtschaftsflüchtlinge besiedeln die Pfalz (Mitteilungen zur Wander­ungsgeschichte der Pfälzer; 2000); in: Pfälzisch-rheinische Familienkunde (2000), S. 412-419

- Wittner, Heinz R.: Schweizer (Einwanderer) in der Vorder- und Südpfalz, Ludwigshafen  2003

 

 

 

Schwertteil:

Erbrecht des Ehemanns nach dem Ableben der Ehefrau an deren in der Ehe erworbenen Gütern; „von den durch die Frau in der Ehe er­worbenen güthern gebüren dem Ehemann und seinen erben ein zweytel, genant das schwerdtheil, der frawen und ihren erben das drit­tel, genant das kunckel- oder spindeltheil“ (Vgl. Dickel/Speer:Deutsches Rechtswörterbuch, a.a.O., Bd. 8, S. 114).

 

 

 

Schwingmühle:

auch Schwingkraftmühle; Maschine zum Feinzerkleinern von Gütern; besteht aus trogförmigen oder zylindrischen Gefäßen mit eingefüllt­en Mahlkörpern (Stahl- oder Porzellankugeln), die durch starke Vibrationen zum Schwingen gebracht werden.

 

 

 

Seegräber:

ist das Fachhandwerker für Wasserbauten (s. Friese)

 

 

 

Sester:

s. Getreidemaße

 

 

 

Sichtmaschine, Sichten:

beim Sichten wird die Kleie vom Mehr getrennt; der erfolgt in der einfachsten Form mittels Beutelkasten. Es folgen in der zeitlichen Ent­wicklung der Sechskantzylinder mit Seidengaze bespannt, dann der Plansichter, eine Konstruktion mit horizontalen Sieben 189.

 

 

 

Siebe:

noch bei den Mühlen der Barockzeit bestand die Mühleneinrichtung auch aus Flachsieben, zur Reinigung des Mehls und der Tren­nung von Schrot und Mehl. Von den Flachsieben früherer Zeit ging die technische Entwicklung über das Beuteltuch des Mittelalters zunächst zum Sechskanter, den man seit etwa 1790 in amerikanischen Mühlen findet, zu der Zeit als Oliver Evans die ersten automa­tischen Müh­len baute. Die Sechskanter erhalten später eine Siebreinigung aus gardinenartig herabhängenden Gummischnüren. Paral­lel dazu entwi­ckelte sich eine Rundsichterkonstruktion,die eine Siebeinrichtung mit Bürstenwalze von außen zuläßt und im Inneren Schöpf- und För­derschaufeln hat. In den letzten 3 Jahrzehnten des 19. Jh. setzte eine stürmische Entwicklung ein. In kurzer Zeit wer­den Zentrifugal­sichter, Plansichter und Wurfsichter erfunden.Zunächst sprach man noch vom „Beuteln“ des Mehls, hergeleitet vom mittelalterlichen Beuteltuch. Erst mit dem Plansichter, dessen horizontale, dem Handsieb nachgeahmte Bewegung, kein reines Sieben war, sondern auch ein Aufschwimmen der leichteren Teile nach oben bewirkt, setzt sich dafür der Begriff „Sichten“ durch (Vgl. Ka­stenmüller/Klabunde, Mühlentechnik, a.a.O., S. 47).

 

 

 

Spelz:

in Schwaben Dinkel genannt; eine Getreideart, bei der sich beim Dreschen die Hülse (Spreu) oder Spelze nicht vom Korn löst. Diese Ar­beit übernimmt in der Mühle der *Schälgang. Dinkel (Triticum spelta oder Triticum aestivum ssp. spelta) oder „Spelz“ (auch: Spelt, Fe­sen, Vesen oder „Schwabenkorn“) ist eine Getreideart und ein enger Verwandter des heutigen Weizens. Es gibt sehr viele Mischformen und Übergänge zwischen "modernem" Weizen und Dinkel, weil beide in manchen Regionen gemeinsam angebaut und auch miteinander gekreuzt wurden. Dinkel wird in jüngerer Zeit wieder verstärkt angebaut. Ertragsmäßig bleibt er zwar hinter dem Weizen zurück, er ver­trägt jedoch rauheres Klima und ist resistenter gegen Krankheiten. Typische Anbaugebiete sind Baden-Würt­temberg, die Schweiz (Sor­ten: Bauländer Spelz, Schwabenkorn), Belgien (Rouquin) und Finnland (Speltti). Die Sorte Franckenkorn wurde von Dr. Peter Franck ge­züchtet, der Name hat mit der Region Franken nichts zu tun. Dinkel ist mit einem hexaploiden (sechs­fachen) Chromosomensatz wie auch der Weichweizen (Triticum aestivum) ausgestattet. Wildformen von Dinkel und Weichweizen kennt man nicht, weshalb man an­nimmt, dass er durch Mutation aus älteren Weizenarten wie dem Hartweizen (Triticum durum) mit 4-fachem Chromosomensatz, dem Emmer oder dem Eichkorn (Triticum monococcum), einer steinzeitlichen Form, entstanden ist.

 

Im Unterschied zum Weizen ist das Dinkelkorn fest mit den Spelzen verwachsen (wie etwa auch Gerste), dadurch ist es zwar besser ge­schützt, die Verarbeitung erfordert aber einen zusätzlichen Verarbeitungsschritt – es muss (z. B. auf einem „Gerbgang“) entspelzt wer­den.

Dinkel baute man idR auf geringen Böden an.

 

Dinkel war schon vor 15.000 Jahren als Kulturpflanze im südwestlichen Teil Asiens bekannt. In der Jungsteinzeit wurde Dinkel in Mittel- und Nordeuropa (vor allem im Alpenraum) angebaut, was archäologische Funde beweisen. Ab 1700 v. Chr. kam er in der heu­tigen Deutschschweiz vor. Im 18. Jahrhundert war Dinkel ein wichtiges Handelsgetreide. Er erscheint in den Ortsnamen Dinkelsbühl und Din­kelscherben, sowie deren Wappen (jeweils drei Ähren). Daran kann abgelesen werden, wie hoch dieses Getreide geschätzt wurde. Pil­gerväter (christliche Wanderer) nahmen ihn als haltbare Frucht überallhin mit, daher ist er heute weltweit verbreitet. Aus früheren Zei­ten stammt die Tradition (wohl ausgelöst durch mehrere Missernten hintereinander), dass ein Teil des Dinkels schon vor der eigentlichen Reife (noch grün) geerntet wurde, um wenigstens über den Winter zu kommen. Dieses unreife Getreide war aber nicht lagerfähig, wes­halb es gedarrt, das heißt getrocknet wurde. Dieses Grünkern genannte Getreide ist aber nicht backfähig. Es wird zu Suppen oder Grün­kernküchle verarbeitet.

 

 

Spindelrad:

ist ein Getrieberad mit runden Stäben statt mit Kämmen (s. Stockrad)

 

 

 

Spindelteil:

s. Kunkelteil

 

erbrechtlicher Anteil der Ehefrau am Gesamtgut der Eheleute; pars muliebris, auch Schwerteil (Vgl. Grimm: Deutsches Wörterbuch, a.a.O., Bd. 16, S. 2503).

 

 

 

Spitzgang:

s. Schälgang

 

 

 

Sporr:

ein in Vergessenheit geratener mundartlicher Ausdruck der Nordpfalz; mhd. spor = Sporn. Für die Fleckenmühle in Alsenz 1764 in fol­gendem Zusammenhang gebraucht: Mühl- oder Langeisen samt Sporr, Kumpf und Mühlhaue. Es könnte sich um die spornförmige Ei­sengabel handeln, die beim Ausdrücken des Mahlgangs dem Kammrädchen im Trilles untergeschoben wird (Sporr = Sperre ?) 190.

 

 

 

Spraukammer:

s. Spreukammer

 

Sprau ist eine pfälzische mundartliche Bezeichnung für ‘Spreu’ (Vgl. Pfälzisches Wörterbuch, a.a.O.: Sprau)

 

 

 

Spreu:

auch Kaff genannt, sind die beim Dreschen von Getreide abfallenden Spelzen und Hülsen, Grannen, Samenhüllen und Stengelteile. Spreu dient als Raufutter. Im übertragenen Sinne hat sich der Spruch aus der Bibel (Matthäus 3, 12) „die Spreu vom Weizen trennen“ etabliert, und meint damit, das Gute vom Schlechten, das Verwertbare/Nutzbringende vom Nutzlosen zu trennen.

 

 

 

Spreukammer:

pfälzische mundartliche Bezeichnung für ‘Spreu’ ist auch ‘Sprau’ (Vgl. Pfälzisches Wörterbuch, a.a.O.: Sprau); sie im Schälgang vom Korn gelöste Spelzenspreu wurde von einer an das Mühlengetriebe angeschlossene Windmühle durch ein Rohr in die Spreu­kammer ge­blasen (Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 24). Im pfalz-zweibrückischen Mühlenverzeichnis vom 1776 ist bei der Be­schreibung der Mühle in Lauterecken ausdrücklich eine “Spraukammer” vermerkt 191.

 

 

 

Staden, Bachstaden:

von mhd. state, stat, ‘stade’ adverbial gebraucht = ruhig, gemach; vom Wasser: stillstehend, tiefgründig, langsam fließend. Bachsta­den ist also eine tiefe Stelle im Bach oder im Mühlteich, wo das Wasser langsam fließt; auch im Sinne von Gestade, Ufer gebraucht.

 

 

 

Stadtmühle:

Weber (Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 15) nimmt an, daß die jeweilige Benennung "nach der Lage zu Siedlungen" erfolgt. Ich halte das für wenig überzeugend und nehme an, daß die Bezeichnung auf eine alte "herrschaftliche" Mühle i.S. von "Schwer­punkt/Zen­tral"-Mühle oder wirtschaftlich bedeutenden Mühle hinweist oder auf städtisches Eigentum. Dann rührt die Unterschei­dung zwischen Dorf- und Stadtmühle lediglich von jeweiligen Lage in Stadt oder Dorf her.

 

In Hornbach gab es die schon im 16. Jh. auch als 'Untere Stadtmühle' oder “Closter Ober Mühle bezeichnete Mühle (Vgl. Schneider: Aus der der wechselvollen Geschichte, a.a.O., S. 369) und die Obere Stadtmühle, Obere Mahl- und Ohligmühle (Goffingmühle) (Bannmühle):

 

In Kaiserslautern gab es die die Stadtmühle am Stiftsplatz in Kaiserslautern gelegen. Neben der Burgmühle war die Spittelmühle/Stadt­mühle die älteste Mühle von Kaiserslautern und lag zentral in der Innenstadt. Sie gelangte 1774 vollends in städti­schen Besitz und wur­de deshalb „Stadtmühle“ genannt.

Die Kuseler Stadtmühle und Bannmühle hatte die Stadt Kusel von 1662 bis 1695 inne. Sie wird bereits in der Renaissancezeit als Stadt mühle bezeichnet (Vgl. LA Speyer Best. B2 Nr. 814 1: „Stadtmühle zu Kusel, 1583-1752“).

 

Auch in Landau gab es eine Stadtmühle. Am 12.8.1584 verkaufen der Stadtmüller zu Landau, Adolf *Hardtweck und „Gertruda sein eheliche Hausfraw“ ein Gülte und einen Acker (Vgl. LA Speyer Best. A13 Nr. 843). Seit der Errichtung der Neumühle oder Unteren Mühle aufgrund der Bewilligung von 1589, wurde für die ursprüngliche Mahlmühle und ältere Stadtmühle fortan nur noch die Be­zeichnung „Alte Stadtmühle“ gebraucht (Vgl. Stadtarchiv Landau, Best. S 2-308 Neumühle, Mitteilung vom 3.5.1962). Andreas * Britz war an 1676 Stadtmüller in Landau (geb. ca. 1643 - 14.09.1706). Er wurde 1676 nach den Ratsprotokollen als Bürger aufge­nommen und die Stadt­mühle zur Pacht erhalten.

 

Eine Stadtmühle bestand auch in Lauterecken. Urkundlich werden zwischen 1580-1592 werden “Mühlen in Lauterecken” genannt, die von der veldenzischen Herrschaft im Erbbestand gegen einen Erbpachtzins von 18 Gulden und 40 Ma Hafer verliehen waren. Es handelt sich hierbei zweifellos um die mit einer Ölmühle verbundene Stadtmühle, die eine Bannmühle war und deren Bannbezirk die Bewohner von Lauterecken, Lohnweiler und Heinzenhausen gebannt waren (Vgl. Zink: Lauterecken, a.a.O., S. 359). Lückenlose Er­gebnisse für die Geschichte der Stadtmühle liegen nicht vor. Am 18.8.1597 starb der Müller Wenzelaus Müller an der Pest. 1632 wird Johann Müller als Pächter der Stadtmühle urkundlich benannt; 1637 erscheint der Müller Abraham Wild. Nach ihm kam die Stadt­mühle ca. 100 Jahre lang an in die Hände der Müllerfamilie Heil, die auf zahlreichen Mühlen im Glangebiet saß (auch Heyel, Heyl oder Heul).

 

In Meisenheim gab es ebenfalls eine Stadtmühle. Um 1686 war Simon *Matthias Stadtmüller in Meisenheim. Die Stadtmühle wird be­reits 1568 urkundlich erwähnt (Vgl. LHA Koblenz Best. 24 (Herzogtum Pfalz-Zweibrücken) Nr. 1473: Die Meisenheimer Stadt­mühle, 1568-1744).

 

Auch in Neubamberg/Rheinhessen gab es die Bamberger Stadtmühle, auch Hesselborner Mühle genannt.

 

In Neustadt gab es die Stadtmühle oder Untermühle; sie lag westlich des Stadtzentrums am Juliusplatz, direkt an der Stelle, an wel­cher der Speyerbach unter der Stadtmauer in die Stadt eintrat; dort entstand an der westlichen Stadtmauer unter dem Schutz des fe­sten Turms der Marientraut (abgerissen 1894, lediglich die Grundmauern überwölben noch den Speyerbach zwischen Kirchgarten und Stadt­garten) die Mühle, von der noch heute die Reste des Wehrs am Juliusplatz an der Südseite des Stadthauses zu sehen sind (Vgl. Haas, Alban: Aus der Nüwenstat. Vom Werden und Leben des mittelalterlichen Neustadt, 2. Auflage 1964, S. 35, 80). Die Stadt­mühle wurde schon vor 1382 zur Unterscheidung von der Obermühle als Untermühle bezeichnet; einst gelegen bei dem Bach­turm Marien­traut der Stadtbefestigung (Vgl. Weintz/Habermehl: Neustadt Häuserbuch, a.a.O., S. 129; Habermehl: Türme, a.a.O., S. 244), südlich des heuti­gen Stadthauses. Türsturz mit Aufschrift 1596 und den Initialen eines Ehepaars N K. - A.H. [Anm.: = Nicolaus Kantz] (Vgl. Weintz/Ha­bermehl: Neustadt Häuserbuch, a.a.O., S. 129).

 

In Odernheim/Glan gab es ebenfalls eine Stadtmühle oder Obermühle, die der Stadt Odernheim gehörte. Odernheim hatte im Mittel­alter zwei Mühlen; die eine gehörte zur Ortschaft Odernheim, die anderen zum Kloster Disibodenberg. Die zur Stadt gehörige Mühle hatte im Laufe der Jahre verschiedene Namen; sie heiß Obermühle, Flecken- oder Stadtmühle, Bannmühle, auch Nächstmühle (Vgl. Weber, Friedrich Wilhelm: „Von der Klostermühle zur Ölfabrik. Ein Beitrag zur Heimat- und Wirtschaftsgeschichte Odernheims und der Nord­pfalz; in: Pfälzische Heimatblätter 1963, S. 65-67).

 

Auch Otterberg hatte seine Stadtmühle die zunächst als Klostermühle bezeichnet wurde.

 

In Ottweiler gab es eine Stadtmühle, auf der bis 1647 Johann Nickel *Stephan († 6.8.1647 Ottweiler) der Stadtmüller in Ottweiler war (Vgl. Herzog: Kaiserslautern 1651-1680, a.a.O., S. 121 Nr. 3421; luth. KB Ottweiler).

 

Rockenhausen besaß ebenfalls eine Stadtmühle, auch als Schloßmühle, Niedermühle oder Untermühle bezeichnet (Vgl. Weber: Müh­len und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 260), auch als Herrenmühle (Vgl. Christmann: Siedlungsnamen II, a.a.O., S. 272). 1490 war die Mühle „in Unbau und Abgang“ gekommen und die Stadt sollte sie in „Wesen, Bau und Besserung“ halten. Kurfürst Philipp von der Pfalz über­ließ die Mühle 1490 der Stadt Rockenhausen gegen 40 Malter Korn jährlich (Vgl. Weber: Untermühle in Rockenhausen, a.a.O., S. 364). In der Rockenhauser Renovation von 1574 (Extrakt s. LA Speyer, Kurpfalz Akten 1559, 2a) wird sie als „Nieder­mühl“ bezeichnet, verse­hen mit 2 Mahlgängen, gelegen „auswendig am Stadtgraben“; sie wird 1574 von dem „jetzigen Müller Fried­rich“ erkauft. 1574 wird sie zudem ausdrücklich als Bannmühle bezeichnet (Vgl. Weber: Untermühle in Rockenhausen, a.a.O., S. 364). 1611 heißt es zur Lage der Mühle: „geforcht einseit der Stadtgraben, anderseit die Bach, Alsentz genannt, oben Kurpfalz Tafel­gut, unten auf gemeine Stadt stoßend“ (Vgl. Weber: Untermühle in Rockenhausen, a.a.O., S. 364).

 

Auch Speyer hatte seine Stadtmühle (Vgl. „Die Rheinpfalz“ vom13.3.1969: „500 Jahre Stadtmühle. Die Anfänge der Neumühl“).

 

In Wachenheim/Weinstraße gab es die Stadtmühle, auch Weißenburger Mühle; sie lag wie die Burgmühle am Burgtalbach. Die Müh­le lag innerhalb der Stadtmauern und gehörte dem Kloster Weißenburg. Der Name Mühlgasse, benannt nach der Stadtmühle, wird erst­mals 1416 urkundlich erwähnt (Vgl. Oberste-Lehn, Gert: Rauschende Bäche, klappernde Mühlen : Geschichte der Wachenheimer Müh­len; Heimatjahrbuch des Landkreises Bad Dürkheim 2003, S. 171-172). Heinrich Steinhäuser von Neydenfels zu Rechenberg und seine Voreltern hatten die Mühle vom Kloster Weißenburg als rechtem Mannlehen. Später kam sie über Ulrich von Steinhauser und dessen Tochter Agnes durch Heirat an Burkardt von Angelloch, der sie 1575 (?) an Conrad Kolb von Wartenberg verkaufte (Vgl. Wendel: Wa­chenheim, a.a.O., S. 82, 298).

 

Wolfstein besaß ebenfalls eine Stadtmühle (Vgl. Rohe, Ralf: Elektrisches Licht für Wolfstein. Die Stadtmühle liefert schon 1903 Energie; in: Westrich Kalender 2009, S. 73-78 (mit Veröffentlichung der Beschreibung des Mühlgrabens von 1848).

 

Auch Zweibrücken besaß seine Stadtmühle (Bannmühle), Schloßmühle. Im Mühlenverzeichnis des Oberamts Zweibrücken vom 6.1.1745 ist die Mühle als „allhier in Zweybrücken gelegene Stadt- und Schloß-Mühle“ bezeichnet (Vgl. LA Speyer Best. B2 Nr. 295/5 fol. 13: Müh­lenprotokoll vom 6.1.1745). Ursprünglich müssen es jedoch zwei Mühlen gewesen sein, da die Mühlenordnung von 10.5.1596 in Zi. 36 eine Regelung enthält, die das Verhältnis der Schloßmühle zur Stadtmühle (Bannmühle) betrifft (Vgl. LA Speyer Best B2 Nr. 292/3: das Mahlen der Früchte au­ßer Landes u. dem Banne, 1588-1596). Nach 1587 und vor 1596 errichtet; dies ergibt sich aus den Unterschieden der beiden pfalz-zweibrückischen Mühlenordnungen von 1587 und 1596; in der Mühlenordnung von 1596 ist in Zi. 36 eine ausdrückliche Regelung für die Schloßmühle enthalten, die in der Ordnung von 1587 noch fehlt (Vgl. hier­zu Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 52). Die Schloßmühle stand direkt beim Schloß und gehörte den Herzögen von Zweibrücken; sie hatte 3 Mühlräder. Die pfalz-zweibrückische Mühlenordnung vom 10.5.1596 enthält in Zi. 36 eine Regelung, die das Verhältnis der Schloßmühle zur Stadtmühle (Bannmühle) betrifft (Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 47): “Dennoch auch wir ein Mahlmüel all­hier anrichten laßen, so wohl den Mahlgesten zugelassen sein, wann in zu Zeiten die Frucht zu unserer Stattmüel überfüret und die Mahlgeste mit dem Mahlen nit befördert werden können, sol­che ihre Frucht in berührte unser Schloßmüelen zu tragen und dieselbe darinnen mahlen zu lassen. Doch soll solche Frucht von unserm Schloßmüller nicht angenommen werden, es bringe Webern ihme dann ein jeder zuvorderst ein Zeichen von unsern Mühlschreiber, das solche Frucht gemoltert seie.”

 

 

 

Stauziel:

s. auch *Eichpfahl

 

das Stauziel war die Angabe der Höhe, bis zu welcher der Müller das Wasser aufstauen durfte oder mußte 192.

 

 

 

Steinauge:

heißt die runde Öffnung in der Mitte des Mühlsteins

 

 

 

Stockrad, Stockgetriebe:

ein Getrieberad, das anstelle von Zähnen (Kämmen) kurze Holzstäbe (auch Holzspindeln) besitzt; das Stockrad war schon den Rö­mern bekannt. Als Stockgetriebe wird dagegen eine Buchse bezeichnet, die anstelle der Seitenwände mehrere Holzstäbe besitzt, die in die Kämme eines Antriebsrades eingreifen.

 

Photo:

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 67

 

 

 

Streichbaum:

ist ein starker Baumstamm, der auf das Wehr oder auf den Mühlstaden (Teichufer) gelegt wurde, um den zulässigen Wasserstand zu markieren, so 1757 in Niederhausen an der Appel (Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 24; vgl. LA Speyer Best. C 38 Nr. 140/5).

 

 

 

Tabakmühle:

in diesen Mühlen wurde Schnupftabak hergestellt, d.h. „eine Mühle, wo man den feinen Schnupftabak mahlt“ (Vgl. Grimm: Deut­sches Wörterbuch, a.a.O., Bd. 21, S. 3).

 

Von Tabakmühlen gab es zwei Systeme, einmal eine Säge ohne Zähne zum Tabakschneiden und ein Stampfwerk zum Pulverisieren der getrockneten Blätter zu Schnupftabak 193.

 

Wie oft bei Mühlen gebräuchlich, gab es mehrere Betriebszweige nebeneinander, z.B. Öl- und Tabakmühle, oder Walk- und Tabak­mühle. Auch bildeten Tabakmühlen manchmal Annexe zu Mahlmühlen.

 

 

 

Tagwerk, Tagewerk:

altes deutsches Flächenmaß/Feldmaß; ein Tagwerk entspricht 1,5 Morgen = 4727,618 m² (Württemberg), bzw. 400 Quadratruten = 3407,22 m² (Bayern).

 

 

 

Temporalbestand:

s. auch Erbbestand

 

Beim Leiheverhältnis, das im Temporalbestand geregelt war, wurde nur ein dingliches Nutzungsrecht an fremdem Grund und Boden und auch meist an der Mühle dem Müller entgeltlich auf Zeit übertragen. Die Nutzung bestand in der Gewinnung der „Früchte“ von dem fremden Grund; nur sie gehen in das Eigentum des Müllers über. Die gegenüber dem Erbbeständer verminderten Rechtsstellung des Temporalbeständers äußerte sich z.B. darin, daß er die Mühle nicht durch andere verwalten lassen durfte; die Erbbeständer mach­ten dagegen von ihrem lukrativen Recht der Weiterbelehnung oft Gebrauch. Auch das Recht auf Besserung war beim Temporalbe­stand nicht obligatorisch, sondern mußte ausdrücklich im Temporalbestandsbrief vermerkt sein (Vgl. Stürmer: Mühlenrecht im Her­zogtum Pfalz-Zweibrücken während des 18. Jh.; in: Volkskunde im Saarland Bd. 3 [Hrsg. Gesellschaft für Volkskunde im Saarland e.V]:, Saarbrücken 2000, S. 70).

 

 

 

TIMS-Richtlinien:

TIMS = The International Molinological Society. Die Gesellschaft hat Standards zur Erfassung von Mühlen entwickelt (Vgl. Spren­gel, Gerd: Mühlen im Gebiet der mittleren und unteren Nahe, Bd. 1, Kreisverwaltung Bad Kreuznach 1997, D. 10).

 

 

 

Trift:

s. Datei Holzflößen

 

 

 

Trillis, Trilles:

der Bildgehalt des mundartlichen Ausdrucks bezieht sich auf den Kreisel, mit dem Kinder spielen. Mit Trilles bei einer Mühle be­zeichnet die Einrichtung, mit der man einen zweiten Mahlgang oder einen Schälgang mit Hilfe eines kreiselähnlichen “Drehlings”, eines Stock- oder Kammrades an ein großes waagrecht laufendes Kammrad anschließen kann. Dadurch wird jeweils ein Wasserrad eingespart (Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 24/25).

 

Abbildung:

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 68

 

 

 

Trummey:

auch als ‘Dromay’ bezeichnet (Vgl. z.B. pfalz-zweibrückisches Mühlenprotokoll vom 23.5.1776 über die Mühle in Lauterecken; Vgl. LA Speyer Best A 131/3 S. 4); ma. Ausdruck für den Holztrichter über dem Mahlgang, in den das zu mahlende Getreide geschüttet wird; auch noch im 17. und 18. Jh. verwendet (Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 25)

 

 

 

Turbine:

s. Wasserturbine

 

 

 

unterschlächtig:

nennt man ein Mühlrad, bei dem das Wasser gegen und in die vorderen unteren Schaufeln drückt; das Wasser läuft unten gegen das Mühlrad. An den Unterläufen der Bäche dominierte das unterschlächtige Mühlrad, weil die Wassermenge idR größer und das Gefälle kleiner ist als am Oberlauf.

 

Der Wortstamm 'schlächtig' stammt von 'schlagen'; beim unterschlächtigen Mühlrad „schlägt das Wasser in die seitlich offenen, leicht gebogenen Schaufeln. Beim oberschlächtigen Wasserrad werden zwischen breiten Radkränzen Kammern gebildet, die mit einem Kandel über das Rad geleiteten Wasser voll laufen. Die Schwerkraft erzeugt hier den Bewegungseffekt 194.

 

 

 

Viernsel:

s. Getreidemaße

 

 

 

Vollkornmehl:

s. Flachmüllerei

 

 

 

Walzenstuhl, Walzenstühle:

schon 1588 hat Ramelli einen Walzenstuhl beschrieben; doch dauerte es bis zur ersten Hälfte des 19. Jh., bis sich von USA, England und der Schweiz ein völlig neues Mahlprinzip mit dem Walzenstuhl in Deutschland durchsetzte. Diese besteht in waagrecht neben­einander stehenden, geriffelten oder glatten Walzen, die durch Gewicht oder Federkraft gegeneinander gedrückt werden und die Auf­gabe des Mahlens anstelle der Mühlsteine übernahmen. Der Vorteil aus ihrem Einsatz lag in der wesentlich höheren Geschwindigkeit beim Mahlen und dem geringeren Verschleiß gegenüber Mühlsteinen.

 

Die Gründe dafür, daß der Mahlgang an den Mühlen durch den Walzenstuhl verdrängt worden ist, liegt vor allem in dem großen Arbeitsa­ufwand beim Schärfen der Mühlsteine, dem größeren Platzbedarf der Mahlgänge, der besseren Anpassungsfähigkeit an das Mahlgut und der einfacheren Handhebung des Walzenstuhls gegenüber dem Mahlgang sowie den erhöhten Anforderungen an Mehlausb­eute und Mehlqualität, denen nur durch Vermahlung mit Walzen entsprochen werden kann (Vgl. Flechsig, J.: Fachkunde für Mül­ler, a.a.O., S. 98).

 

Photo:

- Kastenmüller/Klabunde, Mühlentechnik, a.a.O., S. 33 ff

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 82

 

Literatur:

- Kastenmüller/Klabunde, Mühlentechnik, a.a.O., S. 33 ff

 

 

 

Wanderschaft:

s. auch *Müllerlied „Das Wandern ist des Müllers Lust“

 

 

 

Wasserbauten:

sind alle Anlagen, die für das Funktionieren des Wasserrads benötigt werden (Wehr, Mühlteich, Gerinne, Schließen usw.)

 

 

 

Wasserbeth:

s. Bederich

 

 

 

Wasserfall:

bezeichnet das Gefälle des Wassers vom Zulauf zum Mühlrad (s. auch *Schoß); mit “Wasserfall” wird auch die Abgabe i.S. des Wasserr­echts bezeichnet, die früher an den Grundherrn für die Nutzung des Wassers zu entrichten war.

 

 

 

Wasserturbine:

während der Mühlrad sich in Fließrichtung des Wassers dreht, stehen die Schaufeln der Turbine quer zur Fließrichtung: das Wasser durchströmt die Turbine, die gekrümmten, dicht angeordneten Schaufeln der Turbine werden durch den Wasserdruck ins Rotation ver­setzt. Die Wasserturbine bedeutete eine höhere Energieausnutzung und hatte eine höhere Antriebskraft der Mühle zur Folge. Da­mit wurde eine höhere Kapazität erreicht. Der Einsatz der Wasserturbine setzte aber auch einen Wasserlauf mit starkem Gefälle vor­aus.

 

Der Vorteil der Turbinen gegenüber den Wasserrädern liegt vor allem in ihren hohen Drehzahlen, die einen unmittelbaren Antrieb von der Turbinenwelle auf die Transmission ermöglichen (Vgl. Heil: Der funktionale Wandel pfälzischer Mühlen an Gewässerläufen ausgew­ählter Naturräume seit dem frühen 19. Jahrhundert, a.a.O., S. 44; Flechsig, J.: Fachkunde für Müller, a.a.O., S. 201).

 

Mit der Erfindung der Wasserturbine im 19. Jh. wurden teilweise oder die Wasserräder der Mühlen durch Wasserturbinen ersetzt, die den Betrieb wirtschaftlicher werden ließen. Diese technische Einrichtung brachte aber den kleinen Mühlen ihr frühes Ende.

 

 

 

Wehr:

heißt die Stauanlage im Bach, die das Wasser zum Mühlteich zwingt

 

 

 

Weißmühle:

ein bis etwa zum 16. Jh. gebräuchlicher Ausdruck für eine Mühle, die mit Hilfe eines Schälgangs für *Spelz und eines *Beutelka­stens auch Weißmehl herstellen konnte; diese Mühle produzierte mithin Mehl für die Herstellung von Weißbrot; es war beim Mahlen erforder­lich, die Schalenteile (Kleie) von Mehl zu trennen und durch Sieben und Entfernen der Korn-Hülsen eine Braunfärbung des Mehls zu ver­meiden

 

 

 

Wellbaum:

Holzachse für das Wasserrad und für das Kammrad-Getriebe; der Begriffe leitet sich ab von “Welle in Baumstärke”, d.h. er ist um eine einwandfreie Kraftübertragung vom Mühlrad zum *Kammrad zu gewährleisten, kräftig ausgelegt.

 

Abbildung:

- Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 49

 

 

 

Wert, Werth, Wörth:

nennt man in der Pfalz eine Insel zwischen Mühlteich und Fluß, meist mit Wiesen und Gartenanlagen oder Tuchbleiche; hiervon lei­tet sich der Name der Stadt Wörth/Südpfalz ab.

 

 

 

Wiener Mahlverfahren:

s. Hochmüllerei

 

 

 

Wildfangrecht:

erstmals 1518 in einem kaiserlichen Privileg bestätigtes, im Mittelalter gerade durch die Pfalzgrafen aggressiv ausgeübtes 'Wildfang­recht' als Teil des Fremdenrechts: "Das Wildfangrecht in der späteren übertragenen Bedeutung des Wortes 'Wildfang' auf den herrenlos­en Menschen, das im westlichen und südwestlichen Raum des deutschen Reiches im Spätmittelalter in zahlreichen Weistümern greifbar wird, sicherte unter verschiedenen Bezeichnungen .... den territorialen Instanzen (Territorien, Inhabern der höheren Gerichts­barkeit), aber auch einzelnen Grundherren das Recht, ins Land gekommene Fremde ohne nachfolgenden Herren mit Leib und Gut in Anspruch zu nehmen. In weiterem Verständnis galt das Recht auch für fahrende Leute, Landstreicher und 'Lotterpfaffen'" 195.

 

Diese Zuwanderer hatten idR keinen nachfolgenden Herrn und mußten also nach pfälzischer Auffassung als Wildfänge in die Leibeigens­chaft der Pfalz kommen, auch dann, wenn sie sich außerhalb des pfälzischen Territoriums niederließen. Das Wildfangrecht, das Kaiser Maximilian I. noch einmal nach dem Landshuter Krieg erneuert hatte, machte die Betroffenen gegenüber der Pfalz steuer- und kriegs­dienstpflichtig. Waren nun durch hohe Zuwanderungsraten manche Dörfer ganz überwiegend von pfälzischen Wildfängen be­wohnt, so konnte das bedeuten, daß die zuständige territoriale Herrschaft dort völlig ausgehöhlt wurde zugunsten einer pfälzischen Herrschaft über Personen. Dieses Wildfangrecht wurde um 1660 als nicht mehr zeitgemäß empfunden und widersprach auch allen Bestrebungen nach territorialer Vereinheitlichung und Souveränität. Da Kurpfalz dieses verbriefte Recht nicht aufgeben wollte, kam es zum *Wild­fangstreit 196.

 

"Recht des Königs, den eingewanderten Fremden, der sich als rechtlos unter den besonderen königlichen Schutz begeben mußte, wie einen Leibeigenen zu behandeln, entsprechend dem französischen droit d'aubaine (jus albinagii), mit dem das W. gleichen Ursprung aus dem altgermanischen Fremdenrecht hat. Dieser Rechtsgebrauch blieb seinem Grundgedanken nach bestehen, so lange es eine Leibei­genschaft gab; aber im Laufe der Zeit verlor sich vielfach seine praktische Ausübung. Am längsten hat sich das W. in Westfal­en erhalten, wo die Wildfänge „Biesterfreie“ und ähnlich genannt wurden, und in Rheinfranken. Hier im besonderen hat, wohl gegen Ende des 14. Jahrh., der Kurfürst von der Pfalz als Reichsvikar durch königliches Privileg die Ausübung des Wildfangsrechts übertra­gen bekommen und die bezüglichen Ansprüche weit über die Grenzen seines Landes hinaus bei den Nachbarstaaten, wenn auch unter deren lebhaftem Widerspruch geltend gemacht. Daraus ergaben sich häufige Streitigkeiten, die bei der nachdrücklichen Erneuerung des ertragreichen Rechtes durch Kurfürst Ludwig Karl zu einem förmlichen Kriege führten, der als der Pfälzische Wildfangstreit be­kannt ist. Erst der Machtspruch Frankreichs und Schwedens vermochte den Kampf zugunsten von Kurpfalz zu entscheiden" 197.

 

Literatur:

- Dotzauer, Winfried: Der kurpfälzische Wildfangstreit und seine Auswirkungen im rheinhessisch-pfälzischen Raum, in: Regionale Amts- und Verwaltungsstrukturen im rheinhessisch-pfälzischen Raum, Stuttgart 1984, S. 81-105

- Kemper, Joachim: Das Testament des Speyerer Bürger Jakob in Nürnberg ...; in: Mitteilungen des Historischen Vereins, Bd. 100, Spey­er 2002, S. 197 Anm. 43

- Kolde, Felix: Über die Wildfänge und das Wildfangrecht der Pfalzgrafen bei Rhein bis zum laudum Heilbronnense. Diss. Rostock 1898

 

 

 

Wildfangregal:

s. auch Wildfangstreit (1663-1668).

 

In einem Vertrag vom 16.11.1748 verleiht Kurfürst Theodor von der Pfalz der ober- und niederrheinischen freien Reichsritterschaft das von ihr bisher in ihren reichsritterschaftlichen Dörfern ausgeübte, von ihm über das Kurhaus vindicierte (beanspruchte) Wild­fangregal. Dieses Recht sah vor, daß Fremde, die sich über Jahr und Tag ohne einen Schutzherrn im Lande aufgehalten hatten, den Fürsten als Ei­genleute zustanden. Das Recht einschließlich der Rechte aus Leibeigenschaft wurde durch die Ritterschaft abgegolten durch Zahlung ei­ner Rekognitionsgebühr (Wiedererkennungsgebühr) von jährlich 7500 Gulden ab 1749, zahlbar an die kurpfälzische Hofkammer. Das Recht sollte bei Aussterben einer Familie wieder dem Kurhaus verfallen 198.

 

 

 

Wildfangstreit (1663-1668):

s. auch Kurpfälzisch-lothringischer Krieg; s. auch *Wildfangregal

 

Krieg um die sog. Wildfänge, den der Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz gegen den Herzog von Lothringen und den Erzbischof von Mainz führte. "Wildfänge" waren heimatlose Leibeigene. Herr dieser Menschen war ursprünglich der Kaiser. Später ging das Wildfangr­echt auf die Fürsten über. Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz erhob nun Anspruch auf die Wildfänge in allen mittelrheinischen Gebieten. Da stieß er aber bald mit dem Herzog von Lothringen und dem Erzbischof von Mainz Johann Philipp von *Schönborn zu­sammen, die sich derartige Leibeigene nicht nehmen ließen. 1663 entbrannte der offene Krieg. Lothringische Truppen besetzten Homburg, Landstuhl und die Burg Hohenecken und erzwangen den Durchzug durch das zu Pfalz-Simmern gehörende Kaiserslautern. Die Lothringer machten in den folgenden Jahren die ganze Gegend um Lautern unsicher. 1667 erzwang der Kurfürst die Entschei­dung. Er besetzte trotz Einspru­ches die Stadt Kaiserslautern, verjagte die Lothringer aus den Burgen zu Hohenecken und Landstuhl und zwang sie zum Abzug. 1668 wurde die Burg Falkenstein, seit 1667 im Besitz von Lothringen, endgültig zerstört. Der Kurfürst siegte und das Wildrangrecht blieb ihm für den kurpfälzischen Bereich zugesichert.

 

Nach erfolglosem Versuch des Kaisers konnten Schweden und Frankreich den Frieden vermitteln und im Heilbronner Schiedsspruch von 1667 wurden infolge der Begünstigung der Pfalz durch die beiden Siegermächte des 30jährigen Krieges ihre alten Vorrechte be­stätigt. Die Auseinandersetzung mit Mainz und Lothringen lief unabhängig vom Wildfangstreit noch weiter 199.

 

Hintergrund dieses Streites war die weitgehende Entvölkerung durch die enormen Menschenverluste des 30jährigen Krieges und der nachfolgenden Pestepidemien, zu deren Überwindung die Landesherren dringend Bewohner zum Neuaufbau benötigten 200.

 

Literatur:

- Ludt, W.: Pfalzgraf Ludwig Philipp und seine Gemahlin Maria Eleonore von Lautern im Kampf um ihre Rechte - Auch Teile der Nordpfalz gehörten zum Fürstentum Pfalz-Simmern; in: Nordpfälzer Geschichtsverein - Beiträge zur Heimatgeschichte, Jahrgang 1957, S.108

 

 

 

Woog:

als Woog (von wâc, einem mittelhochdeutschen Wasserwort) bezeichnet man in Südwestdeutschland ein stehendes Gewässer. Ein Woog kann sowohl künstlich angelegt als auch natürlichen Ursprungs sein. Der Untergrund in südwestdeutschen Mittelgebirgen be­steht oft aus Buntsandstein. Dieser ist ein guter Wasserleiter, der Niederschläge filtert und das Wasser über eingelagerte Tonschichten, welche die weitere Versickerung verhindern, in Senken wieder hervortreten lässt. Dadurch haben sich eine Reihe von Mooren, Moor­seen und Seen gebildet.

 

In erster Linie als Wasserspeicher für den Betrieb von Mühlen oder von Klausen, in denen Holz für die Trift gesammelt wurde, wur­den durch Aufstauung von Wasserläufen künstliche Wooge angelegt. Diese dienten auch, meist bei Klöstern, als Fischzuchtteiche oder, aus verbreiterten Burggräben entstanden, als Teil der Stadt- oder Burgbefestigung, z. B. In St. Wendel und bei der Kaiserpfalz in Kaiserslau­tern.

 

Einen vorübergehenden Woog schuf im südpfälzischen Wasgau der Ritter von Burg Berwartstein, Hans von Trotha, als er nach langjährig­er Fehde mit dem Kloster Weißenburg im Jahre 1485 die Wieslauter zunächst aufstauen und dann den Damm wieder einrei­ßen ließ. So verursachte er in der 8 km unterhalb gelegenen Kleinstadt Weißenburg zuerst empfindlichen Wassermangel und dann eine gewaltige Überschwemmung.

 

Die Bezeichnung 'Woog' wird verwendet in Rheinland-Pfalz (häufig im Pfälzerwald, im Saarland, in Südhessen (häufig im Oden­wald) so­wie in Baden-Württemberg (Nordbaden) 201.

 

 

 

Zapfen:

armdicke Rundeisenstücke, die am Ende der hölzernen *Wellbäume eingelassen waren; sie liefen in entsprechenden Metallagern; sie waren das Gegenlager, auf dem der waagrechte Wellbaum auflag.

 

 

 

Zahrung:

s. *Zargung

 

 

 

Zarge:

ma. Zarey, der runde Holzkasten um den Mühlstein; auch noch im 17. und 18. Jh. gebräuchlich.

 

 

 

Zargung:

ist die Holzeinfassung um den Mühlstein 202.

 

 

 

Zeiß, Zeis:

ma. für Schlagstock oder Schlaggabel im *Beutelkasten; dieser wird über ein Getriebe an die Kraftübertragung angeschlossen und schlägt rhythmisch auf den im Beutelkasten befindlichen Stoffbeutel; hierdurch wird dieser i.S. eines Siebes ausgeklopft.

 

 

 

Zuckmühle:

eine handbetriebene Pulverstampfe, betrieben mittels einer Zucke (Schwingrute, Schwengel), an welcher der hölzerne Stößel hing 203.

 

 

 

Zug:

bedeutet in der Müllersprache einmaliges Aufschütten des Mahlguts und Durchgang desselben durch die Mühlsteine

 

 

 

Zunftwesen:

im Knoch'schen Repertorium befinden sich Unterlagen über Zunftzugehörigkeit der gräflich leiningisch-westerburgischen Müller 204. Dort heißt es: „1609 Dr. Rosenthals Bedenken, daß die Leiningische Müller und Becker Zu Neustadt bey der Zunfft erscheinen sol­len“ „1614. 1616. 1698 Gleiche Churpfälzische Anforderung zu Sistierung der Müller und Becker nach Neustadt.“

 

Die Müller in der markgräflich-badischen Herrschaft Gräfenstein wurden, wie auch Bäcker und Metzger, der Krämerzunft zugerech­net und mußten an die Landesherrschaft ein Meistergeld von 6 fl. sowie ein Lehrjungengeld von 2 fl bezahlen 205.

 

Im kurpfälzischen Oppenheim bestand um 1787/88 eine Bäcker- und Müllerzunft 206.

 

Im

 

Literatur:

- Haffner, Franz: Die Bäcker- und Müllerzunft in Speyer, eine mittelalterliche Berufsgenossenschaft am Beispiel der Domstadt; in: Pfälzi­sche Heimatblätter Nr. 16/1968, S. 47

- LA Speyer Best. B2 (Pfalz-Zweibrücken) Nr. 3821, 3822, 3823, 3824, 3825, einzelne Zünfte, darin Müllerzunft und Zunftartikel

- LA Speyer Best. U298 Stadtarchiv Oppenheim Nr. 731A: Bäcker- und Müllerzunft, Zunftrechnungen 1765-1766

- LA Speyer Best. U298 Stadtarchiv Oppenheim Nr. 740A: Bäcker- und Müllerzunft, Zunftrechnungen 1772-1780

- LA Speyer Best. U298 Stadtarchiv Oppenheim Nr. 753A: Bäcker- und Müllerzunft, Zunftrechnungen 1781-1783, 1788, 1791, 1793, 1795-1796

- LA Speyer Best. C20 Hanau-Lichtenberg Nr. 916: Klage der Müllerzunft des Amtes Lemberg gegen den Hofmann des Stausteiner Hofs wegen Mahlens in der Walschbronner Mühle, 1772

- LA Speyer Best. A2 Nr. 1454 UNr. 5: Neustadt, Klagen der Bäcker- gegen die Müllerzunft 1754, 1782-1790

- LA Speyer Best. A2 Nr. 62 UNr. 2: Wasserordnungen des Kurfürsten und Pfalzgrafen Karl Philipp für die Müllerzunft des Oberamts Alzey vom 7.12.1737

- Reis, Eugen: Ortsfremde Angehörige der Bäcker- und Müllerzunft zu Kaiserslautern; in: PRFK 1985, S. 557-560 und 589-597

- Weber, Friedrich Wilhelm: Die Müllerzunft von 1764 für die nassau-weilburgischen Ämter Kirchheim, Bolanden und Stauf in der Nord­pfalz; in: Nordpfälzer Geschichtsverein Nr. 1973, S. 49-65

- Weber, Friedrich Wilhelm: Absolutistische Reglementierung: die Bäcker- und Müllerzunftordnung für die sickingische Herrschaft Land­stuhl; in: Heimatkalender für Stadt- und Landkreis Kaiserslautern 1982, S. 115-119

 

 

 

 

Zunftrecht:

die geschriebenen und ungeschriebenen Rechtsregeln des Alten Handwerks, die das Leben der Zunftgenossen und ihrer Familienmitglied­er noch im 18. Jh. bestimmten, waren das Resultat einer jahrhundertealten Entwicklung. Das zähe Verteidigung einer Autono­mie, die im Selbstverständnis der Zünfte die Grundlage einer geschlossenen, das berufliche wie private Leben der Zunftgenossen ab­schließend regelnden Rechtsordnung, welche die Zunftangehörigen in ihrem eigenen Verständnis weitgehend oder vollständig von der landesherrlichen Rechtssetzung ausnahm, führte zu Auseinandersetzungen mit den Landesherrn die „rechtsfreie Räume“ in ihrem Terri­torium nicht dulden wollten 207.

 

Ein eigenständiges Zunftrecht bildete sich bereits im Mittelalter, zunächst in den Freien Reichsstädten. Für die Pfalz ist ieL Speyer zu nennen wo bereits mit den Privilegien für Bäcker und Müller in der Freiungsurkunde von 1111Voraussetungen für die Schaffung ei­nes verhältnismäßig unabhängigen Handwerks gegeben waren. Es bildete sich dort in der Folgezeit eine eigene Berufsorganisation der Bä­cker und Müller, für deren Zunft eine Bäcker- und Müllerordnung von 1553, erneuert 1699 (mit Wiegeordnung auf einer städ­tischen Waage) geschaffen wurde. Neustadt besaß eine Regelung schon im 14. Jh. und 1574 wurde eine Ordnung über die Höhe des Mahl­lohns erlassen 208.

 

Bereits seit 1672 beriet der Reichstag ein Rechtsgutachten zur Abstellung von Mißbräuchen im Handwerk, dem jedoch zunächst die vol­le Wirksamkeit versagt blieb. Während Brandenburg-Preußen und die braunschweigischen Fürstentümer die völlige Abschaffung der Zünfte verlangten, konnten Österreich und die Reichsstädte sich einer solchen Forderung nicht anschließen. Und forderten ledig­lich eine Beseitigung der gröbsten Mißbräuche, ohne das Existenzrecht der Zünfte selbst in Frage zu stellen. . Dies führte zu einem Kompromiß, dem der Kaiser 1761 zustimmte, sodaß im gleichen Jahr die „Allgemeine / zu Abstellung / Der / Handwercker-Miß­bräuchen / ergangen / …. / Reichs-Verordnung“ in Kraft treten konnte 209.

 

Während in früheren Zeiten die Zünfte in der Setzung ihrer Ordnung autonom waren, wurde diese im 18. Jh., jedenfalls im Herzog­tum Pfalz-Zweibrücken, vom Landesherrn erlassen 210.

Am 14.2.1750 widersprach der Müller von der herrschaftlichen Obermühle zu Hochstätten der Aufforderung der rheingräflich-grumbac­hischen Verwaltung zu Grumbach, der Müllerzunft beizutreten. Er führte zur Begründung aus: „So wird einer hochlöbl: Cantzley bekannt seyn daß der alte Knecht, dem die hießige Mühl eigenthümlich zu gehörte (Anm.: es handelt sich wohl um den Müller Johann Adam Knecht oder einen seiner Söhne), in der hießigen Zunft war, und …. so wurde er ohn eracht seiner gegen Protestation danach von der Zunft aus gestrichen, weil es eine oberschlächtige Mühl ist.“ Weiterhin machte er geltend, daß er nur ein Lehens-Müller sei 211.

 

Literatur:

- LA Speyer Best. A2 Nr. 62 ½: Wasserordnung für die Müllerzunft im kurpfälzischen Oberamt Alzey

- Schichtel, Peter: Zunftrecht im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken im 18. Jh.; in: Konersmann/ Ammerich: Historische Regionalfor­schung im Aufbruch, a.a.O., S. 229 ff.

- Weber, Friedrich Wilhelm: Die Müllerzunftordnung von 1764 für die Nassauweilburgischen Ämter Kirchheim, Bolanden und Stauf in der Nordpfalz; in: Nordpfälzer Geschichtsverein 1973, S. 49-65

 

 

 

Zuppingerrad:

unterschlächtiges Wasserrad mit langen, gekrümmten Schaufeln zur stoßfreien Energieübertragung, Wirkungsgrad 75% und mehr.

 

Das Zuppingerrad wurde von dem Schweizer Ingenieur und Industriellen Walter Zuppinger (21.6.1814 Männedorf/Schweiz – 16.11.1889 Eschenz/Schweiz) entwickelt. Das nach ihm benannte Wasserrad entwarf Zuppinger, aufbauend auf Vorgängern von Pon­celet und Sage­bien, während er zwischen 1838 und 1844 (Patent 1849) für Escher-Wyss an der Entwicklung neuartiger Wasserturbi­nen arbeitete. Das Zuppinger-Rad ist ein mittel- bis unterschlächtiges Kropfrad mit evolventenförmig gekrümmten Schaufeln, die nicht nur den hydrostati­schen, sondern auch den dynamischen Druck des Wassers ausnutzen und dadurch einen höheren Wirkungs­grad erreichen.Technisch stellt das Rad eine Übergangsform vom klassischen Wasserrad zur modernen Wasserturbine dar. Da das Rad effektiv bei niedrigem Ge­fälle (0,5 - 2 m) und ohne aufwändige Regelung auch bei stark schwankenden Wassermengen arbeitet, kommt es unter solch schwieri­gen Betriebsbedingungen als Alternative zur Turbine auch heute noch in vielen Wassermühlen und ei­nigen Kleinwasserkraftwerken zum Einsatz 212.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Vgl. Reitenbach, Albert: „Achatschleifen und -Fundstätten im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken“; in: Pfälzische Heimatblätter 1963, S. 67.

2 Vgl. Weber: Mühlen der besonderen Art, a.a.O., S. 338.

3 Vgl. Reitenbach, Albert: „Achatschleifen und -Fundstätten im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken“; in: Pfälzische Heimatblätter 1963, S. 67.

4 Vgl. Weber: Mühlen der besonderen Art, a.a.O., S. 339.

5 Vgl. Zink, Albert: Pfälzische Achate für das Mannheimer Naturalienkabinett; in: Pfälzische Heimatblätter Jg. 12, S. 77.

6 Vgl. LA Speyer Best. B2 Nr. 522/6: „Die von Kurpfalz anzulegende Achatschleife zu Wolfstein und der dazu benötigte Achatschleifer von Ellweiler“, 1766; vgl. LA Speyer Best. A2 Nr. 545/1: Achatgewinnung und –schleife in Wolfstein, 1764/1765; vgl. Weber: Mühlen der besonderen Art, a.a.O., S. 339.

7 Vgl. Internetdatei Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Admodiation, Abruf vom 10.7.2014.

8 Vgl. Heil: Der funktionale Wandel pfälzischer Mühlen an Ge­wässerläufen ausgewählter Naturräume seit dem frühen 19. Jahrhundert, a.a.O., S. 38; vgl. LA Speyer Best. H 38 Nr. 743: Empfehlungs­schreiben des Staatsministeriums des Innern, München, vom 22.4.1837.

9 Vgl. Glauner, W.: Die historische Entwicklung der Müllerei, a.a.O., S. 37 ff.

10 Vgl. Jung: Familienbuch Baumholder, a.a.O., Teil I ev. Kirchenbuch, a.a.O., S. 74; vgl. Jung: Familienbuch Baumholder, a.a.O., Teil I ev. Kirchenbuch, a.a.O., S. 74; vgl. Jung: Familienbuch Baumholder, a.a.O., Teil I ev. Kirchenbuch, a.a.O., S. 74.

11 Vgl. Flechsig, J.: Fachkunde für Müller, Detmold 1955 S. 43 ff; vgl. Heil: Der funktionale Wandel pfälzischer Mühlen an Gewässerläufen ausgewählter Naturräume seit dem frühen 19. Jahrhundert, a.a.O., S. 39 Anm. 1.

12 Vgl. Kastenmüller/Klabunde: Mühlentechnik, a.a.O., S. 11.

13 Vgl. Kastenmüller/Klabunde: Mühlentechnik, a.a.O., S. 87.

14 Vgl. Grimm, Jacob: Weistümer, 6 Bde. 1840-1869, Neudruck Berlin 1957, Bd. V, S. 592.

15 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 17.

16 Vgl. Stuck: Personal der Oberämter Neustadt ..., a.a.O., S. 9.

17 Vgl. Rummel: Familiengeschichtlich bedeu­tende Akten im Landesarchiv Speyer; in: PRFK 2012, S. 387.

18 Vgl. Miebach: Die Ausfauteiakte des Kilian Sepp, a.a.O., S. 635.

19 Vgl. Miebach: Die Ausfauteiakte des Kilian Sepp a.a.O., S. 636.

20 Vgl. Rummel, Walter: Familiengeschichtlich bedeutende Akten im Landesarchiv Speyer; in: PRFK 2012, S. 387.

21 Vgl. Rummel, Walter: Familiengeschichtlich bedeutende Akten im Landesarchiv Speyer; in: PRFK 2012, S. 387.

22 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 18.

23 Vgl. Spiess, Karl-Heinz: Zur Landflucht im Mittelalter; in: Patze, Hans: Die Grundherrschaft im späten Mittelalter, Band I, Sigmaringen 1983, S. 161.

24 Vgl. Spiess, Karl-Heinz: Zur Landflucht im Mittelalter; in: Patze, Hans: Die Grundherrschaft im späten Mittelalter, Band I, Sigmaringen 1983, S. 161 Anm. 26.

25 Vgl. Spiess, Karl-Heinz: Zur Landflucht im Mittelalter; in: Patze, Hans: Die Grundherrschaft im späten Mittelalter, Band I, Sigmaringen 1983, S. 163.

26 Vgl. Spiess, Karl-Heinz: Zur Landflucht im Mittelalter; in: Patze, Hans: Die Grundherrschaft im späten Mittelal­ter, Band I, Sigmaringen 1983, S. 164.

27 Vgl. Spiess, Karl-Heinz: Zur Landflucht im Mittelalter; in: Patze, Hans: Die Grundherrschaft im späten Mittelalter, Band I, Sigmaringen 1983, S. 189-190.

28 Vgl. Spiess, Karl-Heinz: Zur Landflucht im Mittelalter; in: Patze, Hans: Die Grundherrschaft im späten Mittelalter, Band I, Sigmaringen 1983, S. 191.

29 Vgl. Spiess, Karl-Heinz: Zur Landflucht im Mittelalter; in: Patze, Hans: Die Grundherrschaft im späten Mittelalter, Band I, Sigmaringen 1983, S. 192.

30 Vgl. Spiess, Karl-Heinz: Zur Landflucht im Mittelalter; in: Patze, Hans: Die Grundherrschaft im späten Mittelalter, Band I, Sigmaringen 1983, S. 195.

31 Vgl. Leh­mann: Urkundliche Geschichte der Stadt Landau, a.a.O., S. 136.

32 Vgl. Pfälzisches Wörterbuch, a.a.O., Bd. 1 S. 535 mit S. 1087.

33 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 110 f; vgl. Wikipedia, Stichwort Bannrecht, http://de.wikipedia.org/wiki/Bannrecht, Abruf vom 24.6.2014.

34 Vgl. LA Speyer Best. 2, Nr. 2687; vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 121.

35 Vgl. Stür­mer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 123/24.

36 Vgl. LA Speyer Best. B2 Nr. 1116/4; vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 121.

37 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 70.

38 Vgl. Heil: Der funktionale Wandel pfälzischer Mühlen an Gewässerläufen ausgewählter Naturräume seit dem frühen 19. Jahrhundert, a.a.O., S. 25.

39 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 18.

40 Vgl. Stürmer: Mühlen­recht, a.a.O., S. 145-146.

41 Vgl. LA Speyer Best. U 174 Nr. A 162 Schreiben vom 14.9.1855 des Müllers von der Lohnweiler Mühle. Jacob*Spielmann, an die Bezirksregierung Speyer wegen der ge­planten Errichtung einer Bauernmühle beim Röckweilerhof nahe Wolfstein durch Peter *Burkhardt.

42 Vgl. Goetze, Jochen: Das Heidelberger Stadtrecht im Mittelalter, in: Heidelberg. Jahrbuch zur Ge­schichte der Stadt, herausgegeben vom Heidelberger Geschichts-­ verein, VII (2002), S. 23, 31.

43 Vgl. Drechsel/Fouquet: Dannstadt und Schauernheim, a.a.O., Bd. 1 S. 160.

44 Vgl. Weizsäcker: Pfälzer Weistümer, a.a.O., Bd. I S. 289 Anm. 6.

45 Vgl. Dudenhofer Weistum Nr. 9, abgedruckt bei Weizsäcker: Pfälzische Weistümer, a.a.O., Bd. I S. 231 ff.

46 Vgl. Mittei­lung von Dr. Hermann Müler Heppenheim vom 13.1.2013.

47 aus: Die Waldmühle bei Neuhofen, in: Heimatblätter für Ludwigshafen u. Umgebung 22/ 1934 (Weistum Neuhofen), Hinweis von Dr. Hermann Müller, Heppenheim vom 13.1.2013

48 Vgl. Herzog. Kaiserslautern 1651-1681, a.a.O, S. 104 Nr. 3221.

49 Vgl. LA Speyer Best. A14 Nr. 307f Bl. 4.

50 Vgl. LA Speyer Best. A14 Nr. 307f Bl. 3.

51 Vgl. Weizsäcker: Pfälzische Weistümer, a.a.O., Bd. I S. 231 ff.

52 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 18)

53 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 80 mit Photo.

54 aus: „Die Kulturgeschichte der Mühlen", Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen 1998.

55 Vgl. LA Speyer Best. 38 Nr. 403h; vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 18.

56 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 18.

57 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 18.

58 Vgl. Rummel: Familiengeschichtlich bedeutende Akten im Landesarchiv Speyer; in: PRFK 2012, S. 387.

59 Vgl. Heil: Funktionale Wandel, a.a.O., S. 39.

60 Vgl. Heil: Funktionaler Wandel, a.a.O., S. 28 Anm. 3.

61 Vgl. Heil: funktionaler Wandel, a.a.O., S. 28.

62 Vgl. Heil: Funktionaler Wandel, a.a.O., S. 57.

63 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 19.

64 Vgl. Weber: Geschichte der Mühlen, a.a.O., S. 17.

65 Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Emphyteuse, http://de.wikipedia.org/wiki/Emphyteuse, Abruf vom 21.4.2014.

66 Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Emphyteuse, Abruf vom 21.4.2013.

67 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 69.

68 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht im Herzogtum, a.a.O., S. 70.

69 Vgl. Schmitt, Sigrid: Territorial­staat und Gemeinde im kurpfälzischen Oberamt Alzey, a.a.O., S. 179.

70 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, a.a.O, S. 71.

71 LA Speyer Best.X53 Nr. 10: „Knoch, Repert. Über Leiningen-Westerburg II: Amtmanns Hartmanns Protokoll, S. 52; Orig. FLA Amorbach, Arbeiten Knochs.

72 Vgl. Oestmann: Ein Zivilprozeß vor dem Reichskammergericht, a.a.O., S. 30 Anm. 93; vgl. Oestmann: Hexenpro­zesse, a.a.O., S. 18.

73 Vgl. Oestmann: Ein Zivilprozeß vor dem Reichskammergericht, a.a.O., S. 30. Anm. 93.

74 Vgl. Weber: Mühlen und Müller­handwerk, a.a.O., S. 19.

75 Vgl. Internetdatei Wikipedia Stich­wort Fahrnis, http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrnis, Ab ruf vom 21.4.2014.

76 Vgl. Gierke: Privatrecht, a.a.O., S. 2.

77 Vgl. Internetdatei Wikipedia Stich­wort Fahrnis, http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrnis, Ab ruf vom 21.4.2014.

78 Vgl. Internetdatei Wikipedia Stich­wort Fahrnis, http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrnis, Ab ruf vom 21.4.2014.

79 Vgl. Internetdatei Wikipedia Stich­wort Fahrnis, http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrnis, Ab ruf vom 21.4.2014.

80 Vgl. Internetdatei Wikipedia Stich­wort Fahrnis, http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrnis, Ab ruf vom 21.4.2014.

81 Vgl. Weber: Mühlen besonderer Art, a.a.O., S. 346.

82 Vgl. Weber: Mühlen besonderer Art, a.a.O., S. 346.

83 Vgl. Heil: Der funktionale Wandel pfälzischer Mühlen an Gewässerläufen ausgewählter Naturräume seit dem frühen 19. Jahrhundert, a.a.O., S. 27 Anm. 4.

84 Vgl. Heil: Der funktionale Wandel pfälzischer Mühlen an Gewässerläufen ausgewählter Naturräume seit dem frühen 19. Jahrhundert, a.a.O., S. 27.

85 Vgl. LA Speyer Best. Q 22 Nr. 339: Triftamt Neustadt an Bezirksregierung Speyer vom 24.8.1847.

86 Vgl. Heil: Der funktionale Wandel pfälzi­scher Mühlen an Gewässerläufen ausgewählter Naturräume seit dem frühen 19. Jahrhundert, a.a.O., S. 57; vgl. LA Speyer Best. H 45 Nr. 4162.

87 Vgl. Stürmer: Mühlen­recht, a.a.O., S. 146.

88 Vgl. LA Speyer Best. B2, Rep. 229/2; dort befindet sich ein gedrucktes Exemplar; vgl. Schichtel, Peter: Zunftrecht im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken im 18. Jh.; in: Konersmann/ Ammerich: Historische Regionalforschung im Aufbruch, a.a.O., S. 229 ff., 238)

89 Vgl. Oestmann: Aus den Akten des Reichskammergerichts, a.a.O., S. 25; vgl. Coing, Helmut: Europäisches Privatrecht. Band I: Älteres Gemeines Recht [1500 bis 1800], München 1985, S. 417.

90 Vgl. Christmann: Siedlungsnamen II, a.a.O., S. 216.

91 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 19.

92 Vgl. Grimm: Deutsches Wörterbuch, a.a.O., Bd. 4, Buchstabe G, S. 81.

93 Vgl. Stürmer: Müh­lenrecht, a.a.O., S. 140-141.

94 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 141.

95 Vgl. LA Speyer B2 Nr. 1116/4; vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 143.

96 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 143.

97 Vgl. Sohn: Kirchenschaffnei Zweibrücken, a.a.O., S. 195.

98 Vgl. KSchA Zw Rep. IV Nr. 793.

99 Vgl. KSchA Zw Rep. IV Nr. 802; vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 142.

100 Vgl. An­dreas, Daniel: Gemeines Recht. Eine systematische Einordnung der Rechtsfigur und ihrer Funktion sowie die Bestimmung der inhalt­lichen Probleme aus der Sicht des 18. Jahrhunderts; Diss. iur., Berlin 2003, S. 98.

101 Vgl. Oestmann: Aus den Akten des Reichskammergerichts, a.a.O., S. 1; mit Hinweis auf Luig, Klaus: Samuel Stryk [1640-1710] und der Usus modernus

pan­dectarum; in: Michael Stolleis u.a. [Hrsg.]: Die Bedeutung der Wörter. Studien zur europäischen Rechtsgeschichte. Festschrift für Sten Gagnér zum 70.

Ge­burtstag. München 1991, S. 219-235; vgl. Luig, Klaus: Römisches Recht, Naturrecht, Goldbach 1998, S. 91-107; vgl. Stintzing, Roderich: Geschichte der Deut-­ schen Rechtswissenschaften Bd. I, München und Leipzig 1880, S. 652; Vgl. Wieacker, Franz: Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, 2. Auflage Göttingen 1967,

S. 212; vgl. Wiegand, Wolfgang: Die privatrechtlichen Rechtsquellen des Usus modernus; in: Dieter Simon [Hrsg.]: Alten des 26. Deutschen Rechtshistorikertages, Frankfurt 1987, S. 237-252.

102 Vgl. Oestmann: Aus den Akten des Reichskammergerichts, a.a.O., S. 2.

103 Vgl. Oestmann: Aus den Akten des Reichskammergerichts, a.a.O., S. 32; vgl. Wiegand, Wolfgang: Studien zur Rechtsanwen­dungslehre der Rezeptionszeit, 1977; Vgl. Wiegand, Wolfgang: Die prozessuale Bedeutung des )Gewohnheitsrechts: Factum oder Ius?, Bern 2000, S. 167-177.

104 Vgl. Oestmann: Aus den Akten des Reichskammergerichts, a.a.O., S. 22; Vgl. Coing, Helmut: Zur romanistischen Auslegung von Rezeptionsgesetzen; in: ZRG 56 [1936], S. 264-277.

105 Vgl. Oest­mann: Aus den Akten des Reichskammergerichts, a.a.O., S. 28.

106 Vgl. Oestmann: Aus den Akten des Reichskammergerichts, a.a.O., S. 28.

107 Vgl. Weber: Geschichte der Mühlen, a.a.O., S. 19.

108 Vgl. We­ber: Geschichte der Mühlen, a.a.O., S. 19.

109 Vgl. Kinscherff, Rudolf: Die wechselvolle Geschichte der Mühlen. Aufgezeichnet am Beispiel Du­denhofen; in: Heimatjahrbuch Landkreis Ludwigshafen 1985,

S. 174-177.

110 Vgl. Ver­denhalven: Alte Maße, a.a.O. S. 34.

111 Vgl. Verderhalven: Alte Maße, a.a.O., S. 48.

112 Vgl. LA Speyer Best B 2 Nr. A 294/7 Bl. 226r.

113 Vgl. Verdenhalven: Alte Maße, a.a.O., S. 34.

114 Vgl. Verdenhalven: Alte Maße, a.a.O., S. 34.

115 Vgl. LA Speyer Best B 2 Nr. A 294/7 Bl. 226r.

116 Vgl. Verdenhalven: Alte Maße, a.a.O., S. 48.

117 aus: Drechsel/Fouquet: Dannstadt und Schauernheim, a.a.O., S. 360.

118 Vgl. Jarosch: Die Dirmsteiner Mühlen, a.a.O. S. 466.

119 Vgl. Weber: Mühlen der besonderen Art, a.a.O., S. 343.

120 Vgl. Weber: Mühlen der besonderen Art, a.a.O., S. 343.

121 Vgl. Lohrbächer: Kirche, Schule, Klosterhof, a.a.O., S. 184 Anm. 17.

122 Vgl. Niederhöfer: Rezeption des römischen Rechts in Spey­er am Rhein, a.a.O., S. 72-73.

123 Vgl. Niederhöfer: Rezeption des römi­schen Rechts in Speyer am Rhein, a.a.O., S. 72-73.

124 Vgl. Niederhöfer: Rezeption des römischen Rechts in Speyer am Rhein, a.a.O., S. 74-75.

125 Vgl. Niederhöfer: Rezeption des römischen Rechts in Speyer am Rhein, a.a.O., S. 75.

126 Vgl. Niederhöfer: Rezeption des römischen Rechts in Speyer am Rhein, a.a.O., S. 75.

127 Vgl. Niederhöfer: Rezepti­on des römischen Rechts in Speyer am Rhein, a.a.O., S. 75.

128 Vgl. Weber: Müh­len besonderer Art, a.a.O., S. 390.

129 Vgl. Heil: Funktionaler Wandel, a.a.O., S. 26 Anm. 1 m.w.N..

130 Vgl. Heil: Funktionaler Wandel, a.a.O., S. 30.

131 Vgl. Scherer, R.:Vom Hanf zum Leinen; in: Der junge Geschichtsfreund, Beilage zum 'Nordpfälzer Geschichtsverein' 1953 , S. 3-6; vgl. Weber: Mühlen beson­derer Art, a.a.O., S. 216 f; vgl. auch Heil: Funktiona­ler Wandel, a.a.O., S.52 Anm. 1.

132 Vgl. Heil: Funktionaler Wandel, a.a.O., S. 74-75 m.w.N..

133 Vgl. LHA Ko­blenz Abt. 24 Nr. 1233.

134 Vgl. Weber: Mühlen der besonderen Art, a.a.O., nach S. 451 mit Abb..

135 Vgl. Grimm: Deutsches Wörterbuch, a.a.O., Stichwort „Hetsch“; vgl. Christmann: Sied­lungsnamen II, a.a.O., S. 275.

136 Vgl. Heil: Funktionaler Wandel, a.a.O., S. 65; vgl. LA Speyer Best. H 3 Nr. 7737, 3: Technisches Gutachten vom 3.9.1839.

137 Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Hirse, http://de.wikipedia.org/wiki/Hirse, Abruf vom 21.4.2014.

138 Vgl. Sacher, R.: Handbuch des Müllers und Müh­lenbauers, Leipzig 1921, S. 22.

139 Vgl. Weber: Mühlen und Müller­handwerk, a.a.O., S. 34; vgl. Heil: Funktionaler Wandel, a.a.O., S. 96/97.

140 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 85.

141 Vgl. Kastenmüller/Klabunde: Mühlentechnik, a.a.O., S. 97.

142 Vgl. Kastenmüller/Klabunde: Mühlentechnik, a.a.O., S. 98.

143 Vgl. Stuck: Personal der Oberämter Neustadt, a.a.O., S. 9.

144 Vgl. Fabricius: Herrschaften, a.a.O., S. 228-239.

145 Vgl. Schwarz, Albert: Kurpfälzische Leibeigene in Ausdörfern des Oberamts Germersheim im Hochstift Speyer, a.a.O., S. 311-314.

146 Vgl. Schmitt, Sigrid: Territorialstaat und Gemeinde im kurpfälzischen Ober­amt Alzey: vom 14. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts, Stuttgart 1992, S. 69; vgl. zur Alzeyer Ausfautei auch: Böhm, Georg Friedrich: Die Alzeyer Ausfautei; in: Mitteilungsblatt zur rheinhessischen Landeskunde 4. 1955, S. 110-116.

147 Vgl. o.A.: „Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht zu Pfalz ec. Hof= und Staatskalender für das Jahr 1785“, S. 129, 133, 137.

148 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 20.

149 Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwert Kastvogtei, http://de.wikipedia.org/wiki/Kastvogtei, Abruf vom 21.4.2014.

150 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 140-141; vgl. Ammerich: Lan­desherr und Landesverwaltung, a.a.O., S. 101.

151 Vgl. Ammerich: Lan­desherr und Landesverwaltung, a.a.O., S. 101 Anm. 135.

152 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 141; vgl. Held: Kirchenschaffnei Meisenheim, a.a.O., S. 68.

153 Vgl. Bericht Mayerhofen von 1891 an Bayrische Staatsregierung, KSchA Zw Rep. IV Fasc. 4465 S. 12, zitiert bei Bohrer, Walter: Akten der Geistlichen Güterver-­ waltung Zweibrücken, o. Seitenzahl, Abschnitt Geschichte.

154 Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Kleie, http://de.wikipedia.org/wiki/Kleie, Abruf vom 21.4.2014.

155 aus: „Die Kulturgeschichte der Mühlen", Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen 1998.

156 Vgl. Weber: Mühlen be­sonderer Art, a.a.O., S. 347.

157 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 21.

158 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 134.

159 Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Kopialbuch, http://de.wikipedia.org/wiki/Kopialbuch, Abruf vom 21.4.2014.

160 Vgl. Ruckdeschel, Bernd H.: Die Haßlocher Mühlen, a.a.O., S. 40.

161 Vgl. Heil: Funktionaler Wandel, a.a.O., S. 99.

162 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 21.

163 Vgl. Internetdatei Wikipedia Stichwort 'Kumpf', http://de.wikipedia.org/wiki/Kumpf, Abruf vom 21.4.2014.

164 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 21; vgl. auch: Pfälzisches Wörterbuch, a.a.O., Bd. IV, S. 691.

165 Vgl. Dickel/Speer:Deutsches Rechtswörterbuch, a.a.O., Bd. 8, S. 114.

166 Vgl. LA Speyer 257 HSTAM 3188/2 WGR A 1103; vgl. Armgart/Weber: In­ventar der pfälzischen Reichskammergerichtsakten,a.a.O., Bd. 1, S. 30.

167 Vgl. Heil: Funktionaler Wandel, a.a.O., S. 26 Anm. 1 m.w.N..

168 Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Kunstmühle, http://de.wikipedia.org/wiki/Kunstmühle , Abruf vom 21.4.2014.

169 Vgl. Debus: Urkunden des Gatterer-Apparats im Stadtarchiv Heidelberg; in: MittHist. 2002, S. 115ff, 118.

170 Vgl. LA Speyer Best A 14 Nr. 9-834; vgl. Weber: Geschichte der Mühlen und des Müllerhandwerks, a.a.O., S. 262.

171 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 98.

172 Vgl. Wiggenhorn, Heinrich: Der Reichskammergerichtspzozeß am Ende des alten Reichs, a.a.O.,, S. 199.

173 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 21.

174 Vgl. We­ber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 21.

175 Vgl. Heil: Der funktionale Wandel pfälzischer Mühlen an Gewässer­läufen ausgewählter Naturräume seit dem frühen 19. Jahrhundert, a.a.O., S. 53.

176 Vgl. Mühlenverzeichnis des Herzogtums Pfalz-Zwei­brücken von 1756, LA Speyer Best. B 2 Nr. 292/1 Bl. 4r.

177 Vgl. Speer u.a.: Deutsches Rechtswörterbuch, a.a.O., Bd. 9, S. 915.

178 Vgl. Adelung, Johann Christoph: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart (1811), Bd. 3, Sp. 301.

179 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 22.

180 Vgl. Wikipedia, Internetartikel „Das Wandern ist des Müllers Lust“, Abruf vom 15.4.2015; vgl. Wilhelm Müller (Hrsg.): Sieben und siebzig Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten. Christian Georg Ackermann, Dessau 1821, S. 7 f.

181 Vgl. Wikipedia, Internetartikel „Das Wandern ist des Müllers Lust“, Abruf vom 15.4.2015

182 Vgl. Wikipedia, Internetartikel „Das Wandern ist des Müllers Lust“, Abruf vom 15.4.2015; vgl. Erika von Borries: Wilhelm Müller: Der Dichter der Winterreise. Eine Biographie. C.H. Beck, München 2007, S. 126f.

183 Vgl. Carl: „Eine Mühle, die nicht läuft“; in: 1200 Jahre Hainfeld, a.a.O., S. 149.

184 Vgl. Carl: „Eine Mühle, die nicht läuft“; in: 1200 Jahre Hainfeld, a.a.O., S. 149.

185 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 22.

186 Vgl. „Die Bayerische Landbötin“ Nr. 73 vom 19.6.1834, S. 593: Bericht über das Unwetter in Neustadt vom „Vortage“: „Die Stadt Neustadt selbst würde gewiß auch

bedeutend durch das Wasser gelitten haben, wenn nicht circa 800 Klafter Holz dasselbe an der sogenannten Schliefbrücke im Neustädter Thale aufgehalten und es so nur langsam durchdringen konnte ...“; Vgl. Allgemeine Zeitung von und für Bayern Nr. 169 vom 18.6.1834, S. 714.

187 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O. S. 23.

188 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O. S. 23.

189 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O. S. 23.

190 Vgl. Weber: Mühlen und Müllerhandwerk, a.a.O., S. 24.

191 Vgl. LA Speyer Best A 131/3 S. 4.

192 Vgl. Stürmer: Mühlenrecht, a.a.O., S. 288.

193 Vgl. Weber: Mühlen der besonderen Art, a.a.O., S. 347.

194 Vgl. Weber: Museumsmühle in St. Julian, a.a.O., S. 16.

195 Vgl. Dotzauer, Winfried: Der kurpfälzische Wildfangstreit, a.a.O., S. 83.

196 Vgl. Schaaf: Kurpfalz, a.a.O., Bd. 2, S. 132.

197 aus Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 629, Stichwort Windfangrecht.

198 Vgl. Busch, Egon: Urkunden und Prozeß­akten, die Dörrmoschel und Teschenmoschel betreffen; in: Nordpfälzer Geschichtsverein 3/2007 S. 1.

199 Vgl. Schaab: Kurpfalz, a.a.O., Bd. 2 S. 133.

200 Vgl. Würth: Wachenheim a.d. Pfrimm, a.a.O., S. 190ff, 195; vgl. Schaab: Kurpfalz, a.a.O., Bd. 2 S. 131-134.

201 Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort Woog, http://de.wikipedia.org/wiki/Woog, Abruf vom 21.4.2014.

202 Vgl. u.a. LA Speyer Best. 131/3 Bl. 1 ff..

203 Vgl. Müller: Mauern der freien Reichsstadt Speyer, a.a.O., S. 8, Anm. 27.

204 Vgl. Repertorium Knoch LA Speyer Best.X53 Nr. 10 Abschnitt V. Zunftsachen; Orig. FLA Amorbach, Arbeiten Knochs, Bl. 927.

205 Vgl. Flammann: Die Pflichten und Lasten der Gräfensteiner Untertanen; in: Ortsgemeinde Merzalben (Hrsg.): 750 Jahre Gräfensteiner Land, a.a.O., S. 92; vgl. LA

Speyer Best. V27 Nr. 35 (Nachlaß Ludwig Zimmer, Oberforstverwalter): Grävenstein. Dasiger Verrechnung Gefällbuch …, gefertigt 1789, Abschrift von Ludwig

Zimmer; vgl. Zimmer Ludwig: Das Amtsgefällebuch der Herrschaft Gräfenstein von 1789; in: Westpfälzische Geschichtsblätter 1924, Nr. 2; vgl. Zimmer, Ludwig:

Beiträge zur Geschichte der Herrschaft Gräfenstein; Aus den Rechnungen des ehemaligen markgräflich badischen Dorfes Merzalben; in: Pfälzer Heimat 1928,

Nr. 2, 98 Jg.

206 Vgl. LA Speyer Best. U298 (Stadtarchiv Oppenheim) Nr. 764 A: Zunftrechnungen, u.a. für die Bäcker- und Müllerzunft, 1787-1788.

207 Vgl. Schichtel: Zunftrecht im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, a.a.O., S. 229.

208 Vgl. Weber: Die Müllerzunftordnung von 1764 für die Nassauweilburgi­schen Ämter Kirchheim, Bolanden und Stauf in der Nordpfalz; in: Nordpfälzer Ge­schichts-­ verein 1973, S. 50.

209 Vgl. LA Speyer Best. B23 Rep.- 229/2; vgl. Schichtel: Zunftrecht im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, a.a.O., S. 232.

210 Vgl. Schichtel: Zunftrecht im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, a.a.O., S. 233.

211 Vgl. LA Speyer Best. A2 Nr. 1179 1a Bl. 90.

212 Vgl. Internetdatei Wikipedia, Stichwort: Walter Zuppinger, http://de.wikipedia.org/wiki/Zuppinger, Abruf vom 21.4.2014.

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